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  • 13. Juni 2026

    Stolz, Italien und Vorurteil und Ötzi

    Bin ich stolz? Klar! Doppelt sogar. Zum einen, weißer Hauptstadtkater zu sein. Zum anderen: Ich habe Stolz. Krass großen Stolz. Vor allem, wenn mir meine Leute dumm kommen. Und mir beispielsweise meine Bruna quasi beiläufig Leckerli vor die Pfoten wirft, ohne mich eines Wortes oder eines Blickes zu würdigen – dann verzichte ich lieber aufs Futtern.

    Weil es so würdelos ist, wie sie mich behandelt. Blöd nur, dass Coco das unbarmherzig ausnutzt. Und die Leckerei verschlingt, die ich später in einem unbeobachteten Moment gesichert hätte. Aber das ist ein anderes Thema. 

    Kein Vorurteil: Auch die Italiener sind massiv stolz. Und in ihrem Fußballstolz derzeit massiv verletzt, da sich ihr Nationalteam zum dritten Mal hintereinander nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat. Nun hat der eigentlich extrem unwitzige Fifa-Boss Infantino einen Witz auf ihre Kosten gemacht.

    Auf die Journalistenfrage, ob das WM-Rekordteilnehmerfeld von 48 Nationen weiter aufgestockt werden sollte, spottete der Schweizer, vielleicht erhöhe man auf 64 Nationen – oder sogar 128, dann könnte eventuell sogar der viermalige Weltmeister Italien dabei sein. Tja, die Fifa hat nur 211 Mitgliedsverbände… Italiens Prominenz reagierte pikiert. Der Sportminister fordert eine Aussprache. Die Italiener sind not amused. Getroffen.

    Müssten sie gar nicht. Sagt Felix. Der kraxelte mit seinem Freund Ian auf einen über 3.000 Meter hohen Berg – und dabei über die österreichisch-italienische Grenze. Welch Pracht in bella Italia, schwärmt er nun. Endlich Sonne, blauer Himmel, türkisfarbene Seen, bunte Schafe, krasse Berge. Besser, viel besser als Fußball. Sagt er. Denke auch ich. 

    Allerdings, als er sich umgedreht habe, habe Österreich ähnlich ausgesehen wie Italien. Und die sind bei der WM dabei. Und dann, dann seien auch noch Hunderte Schafe über den Pass von Italien nach Österreich gerieben worden, ganz nah an der Fundstelle der Eismumie Ötzi vorbei. Wegen des besseren Grases Im Frühsommer auf der österreichischen Seite.

    Und ich denke so: Österreich kann ziemlich stolz sein. Besseres Gras als Italien, Ötzi und besseren Fußball als Italien. Und, am allerbesten, diese legendäre Gastfreundschaft der Österreicher. Felix erzählt, sie wollten auf der Martin-Busch Hütte – die Ende der 30er Jahre eigentlich Hermann-Göring-Haus getauft werden sollte – mit Kreditkarte ihre Sachertorte bezahlen.

    Ging nicht, kein Internetempfang. Bargeld hatten sie nicht dabei. Und der Gastwirt so – Murmeltiere fütternd – er schreibe eine Rechnung, die sollten sie dann begleichen, wenn sie wieder zuhause seien. Krass. Denke ich so. Auf so viel Vertrauen können sie stolz sein. Die Österreicher. Felix und Ian auch. Ich bettele mal meine Bruna an. Brauche Leckerli. Sagt der trotzdem stolze Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute! 

  • 12. Juni 2026

    Todesschwadronen und Trump zerstören Vertrauen

    Wer drinnen ist, will nach draußen. Wer draußen ist, will nach drinnen. Kurz: Es ist eigentlich immer das Gegenteil dessen, was man so hat, was man will. Gilt für Menschen. Aber eben auch Katzen. Und hier vor allem für Coco. Sie sitzt auf dem Fensterbrett, schmachtet den Bienen und Schwalben hinterher, die ob der geschlossenen Fenster unerreichbar für sie – über mich – auf dem Balkon schweben.

    Ich darf draußen sein. Auf dem Balkon. Mit Laura Blumen gießen. Weil sie mir vertraut. Dass. Ich. Nicht. Über. Die. Balustrade. Jumpe. Will ich auch gar nicht. Weil die Fußball-WM begonnen hat. Und ich nichts mehr liebe, als mit Diego auf dem Sofa zu chillen, während der Fernseher monoton vor sich hinschnurrt. Während Diego mich kuschelt. Ich ihn wärme.

    Es könnten also fünf coole Wochen werden. Für uns. 48 WM-Teilnehmer. Macht 104 Spiele. So viel wie nie zuvor. Aber: Diego schläft schon beim Eröffnungsspiel ein. Mexiko gegen Südafrika. Tödlich langweilig. Das Spiel habe nicht mal Zweitliga-Niveau. Sagt Diego gähnend. Ich erschrecke ob seiner Lethargie, sehe erst einmal unsere gemeinsamen Chillstunden in Gefahr. Aber ich habe auch Vertrauen: Ich vertraue darauf, dass Diego Neugier, wer gewinnt, über die Langeweile siegen wird. Und er weiter guckt. Alles guckt. Mexiko gewinnt 2:1.

    Obwohl ich muss einräumen, Politik ist spannender als diese komische WM. Was daran liegt, dass da mit US-Präsident Trump ein debiler Mann über die Welt bestimmt, der absurder handelt, als man es sich für den Plot einer Top-Serie ausdenken könnte.

    Trump also drohte dem Iran zum x-ten Male, ihn massiv anzugreifen und seine für den Ölexport wichtige Insel Kharg einzunehmen. Und erneut blies er seine angekündigte Aktion kurze Zeit später ab. Erneut mit der Begründung, ein Deal mit dem Iran stehe unmittelbar bevor. Was der Iran erneut als Lüge zurückwies.

    Was wiederum zeigt: Trump, der sich als größten Dealmaker ever bezeichnet, hat nicht wirklich einen Plan. Und das Vertrauen der Welt aufgebraucht. Oder anders ausgedrückt: Vertrauen kann man nur, dass Trumps großspurigen Ankündigungen nichts folgt. Denke ich so.

    Anderes Thema, aber Vertrauen spielt auch hier die entscheidende Rolle, wie ich finde: Felix stieg mal wieder mit Heiko in den Tiroler Alpen bergauf. Über die Schneefallgrenze. Sie vertrauten dem Wetterbericht. Und wurden bestraft. Keine Sonne, sondern Nebel, Kälte, Eisplatten. Aber: Sie vertrauten auch ihren Schuhen. Ihren Apps. Und gelangten wieder zu ihrem Auto.

     Danach wurden sie in einer Therme für den winterlichen Sommer entschädigt. Erzählt Felix. Ein wahrer Sauna-Künstler habe ihnen die Kälte aus mit einem ästhetischen Tanz aus den Leibern, dazu Queen: „Who wants to live forever“. Und ich höre: Coco. Ihr lautes Miauen. Sie hat es nach draußen, auf den Balkon geschafft. Und will jetzt rein. 

    Denn draußen, da schwirren Mücken um ihren Kopf. Mücken, die in Berlin zu Todesschwadronen geworden sind. Forscher haben festgestellt, dass einige von ihnen das West-Nil-Virus übertragen. Das beim Menschen zum Tode führen kann. Und ich glaube, auch bei Katzen. Coco ist also wirklich in Panik. Stürzt herein. Wirft einen Blumentopf um. Shit happens. Sagt der gepiekste Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vertraut. Und chillt, Leute! 

  • 11. Juni 2026

    Kater in Lasagne und Spiegel des Lebens

    Das eigene Spiegelbild als das umgekehrte Selbst zu erkennen, ist manchmal gar nicht so einfach. Weil es so fremd erscheint. Und auch deplatziert. Ich liebe Lasagne. Also natürlich nicht ganz so wie mein berühmter Comic-Kater-Vertrauter Garfield. Aber den Käse oben, den mal naschen. Why not?

    Ich sitze also so vor dem Ofen in der Küche meines Reviers. Weil meine Bruna sich da gerade eine Lasagne brutzelt. Und was sehe ich da: Einen vollkommen erschrocken dreienblickenden weißen Kater in der Auflaufform. Klar – kurze Zeit später raffe ich: Das bin ja ich. Seitenverkehrt. Gespiegelt in der Ofentür. Aber: Kater im Ofen – nicht wirklich nice. Aber gar nicht so unrealistisch. Denke ich so. 

    Der mit seinem Freund Ian durch Österreich tourende Felix cruist an einer Fabrik vorbei, auf der auf einem Schild in großen Lettern steht: Schlachtstelle. Direkt daneben: Kläranlage. Und Felix so: „Die armen Tiere – und gleich daneben eine Kläranlage. Krass.“ Und ich so: Häh, was ist daran krass? Mach die Augen auf, Junge.

    Du frisst deutlich mehr Fleisch als ich und könntest dich anders als ich vegan ernähren. Das Fleisch muss ja irgendwoher kommen. Und wird dann von dir wieder abgeführt. Muss ja auch irgendwo hin. Nun, Felix und Ian erzählen, sie hätten heute ihre Tour auf einer Höhe von 2.000 Metern gestartet. 20 Zentimeter Neuschnee habe sie empfangen. Im Sommer.

    Und Felix so: War wie Mount Everest. Nur besser. Weil ich atmen konnte. Und dann, nachdem sie in Nebel gehüllt worden seien, den Pfad kaum mehr erkannten, habe sich neben ihnen ein großer Greifvogel aufgeschwungen. Sei vor ihnen geflogen, habe ihnen quasi den Weg gewiesen. Bevor er dann schemenhaft im Nebel versunken sei.

    Sie hätten dann einen Grat erreicht. Der scharfe Wind habe ihnen dann aber doch everest-mäßig den Atem genommen. Ziegen seien vor den Schneewehen ins Tal geflohen. Und trotzdem habe er plötzlich die vollkommene Einheit mit Wetter und Natur gespürt, erzählt Felix. Kontemplativer Rhythmus der Schritte in durchweichten Schuhen. Und dann, dann habe er die Welt wie in einem Spiegel von oben gesehen. So schön sei sie, die Welt, so verrückt die Menschen, auf der Welt. 

    Und ich gebe ihm Recht. Wie auch mein brutzelndes Spiegelbild auf der Lasagne. Welch herrlicher Kater. Denke ich so. Und ruhe in mir. Denn heute beginnt die Fußball-WM. Und das bedeutet Fernsehen. Was wiederum Chill-Atmo für mich bedeutet. Ob es so kommen wird? Leider ist selbst Fußball-Fanatiker Felix abgeturnt, weil es nur noch um Kohle zu gehen scheint.

    Der Weltfußballverband Fifa bietet auf seiner eigenen Tauschplattform Final-Tickets für zwei Millionen Dollar an. Zwei Millionen! Da sind dann die Parkplätze an den WM-Stadien in den USA geradezu günstig, sollen um die 250 Dollar pro Spiel kosten. Und ich denke so: Können diese Abzocker von der Fifa noch in den Spiegel schauen?

    Sehe mich dann wieder in der Lasagne brutzeln. Freue mich extrem aufs Partizipieren am Essen mit meiner Bruna. Sagt der hungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spiegelt euch. Und chillt, Leute! 

  • 10. Juni 2026

    Herabschauender Köter tötet Wut im verschneiten Tirol

    Wut! Wenn ich Wut habe, atme ich – und mache den herabschauenden Köter. Wenn Coco Wut hat, macht sie den Löwen, fletscht die Zähne und brüllt. Wenn meine Bruna Wut hat, knallt sie die Türen. Wenn US-Präsident Trump Wut hat, macht er Krieg. Jetzt wieder verstärkt im Iran. Trotz Waffenruhe. Bombardiert er das Land.

    Weil die Iraner einen US-Militär-Helikopter abgeschossen haben sollen. Das macht Trump wütend. Wütend sind aber auch die iranischen Machthaber. Dass Trump erneut einen Angriff wagt. Deswegen beschießen sie die mit den USA verbündeten Golfstaaten.

    Und ich denke so: Wut erzeugt Gegenwut. Lernen bereits Kita-Kinder im Sandkasten. Und die Kater im Revier. Aber nicht die Mächtigen der Welt. Und ich denke so: Wann bloß hören die Wütenden auf zu wüten? Wann wird ihre Müdigkeit größer sein als ihre Wut? Kennen sie den herabschauenden Köter?

    Trump hat das größte Fest weltweit vor sich: Leider nicht die Yoga-, sondern die Fußball-WM, die morgen startet. Und als guter Gastgeber – und selbst erklärter Friedensfürst, der die USA aus internationalen Konflikten heraushalten will – kommt ihm da die Fortsetzung des Kriegs gegen den Iran eigentlich überhaupt nicht gelegen.

    Und natürlich: Auch sein Volk ist gegen den Krieg. Denn außer stark steigender Preise an den Zapfsäulen fürs Tanken hat der den Leuten dort nichts gebracht. Die Unzufriedenheit spiegelt sich in desaströsen Umfragewerten für Trump und seine Republikaner wider – und im November sind die wichtigen Zwischenwahlen.

    Aber: Ein Trump lässt sich eben nur durch seine Emotionen leiten. Was bedeutet: Der Abschuss eines Helis durch die Iraner wird bestraft – mit Krieg. Trotz Verhandlungen für ein Ende. Trotz Waffenruhe. Trotz WM. Trotz teuren Sprits. Trotz hoher Kosten. Trotz sich leerender Waffenlager. 

    Die iranische Führung freut es. Weil sie sich seit Jahrzehnten auf diese Auseinandersetzung gegen die USA vorbereitet hat. Geduld hat. Und sich so ihrem ohnehin verzweifelten Volk als stark und unersetzlich präsentiert. Auch Israel freut Trumps Wut. Weil der jüdische Staat das Ziel hat, das Atomprogramm Irans endgültig zu zerstören und möglichst auch das Regime abzusetzen. Der Krieg also aus ihrer Sicht weitergehen muss.

    Und ich denke so: Sie sollten all mal ruhig werden. Wut abbauen. Herabschauen. Stichwort: Köter. Oder vielleicht auch gut: Sauna? Frage ich mal provokativ. Denn da gehen Menschen ja nicht nur rein, um zu schwitzen, sondern auch um zu entspannen. Wut abzubauen also.

    Die durch Österreich tourenden Felix und Ian wollten genau das tun und dort ihre Wut abbauen. Denn bei Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt ist Wandern in Tirol unmöglich. Dann sitzen sie endlich bibbernd in der Sauna. Der Aufguss-Meister schreitet zur Tat, stellt vorher aber seine Box an – Beats von Genesis, Paul Simon, dann Aha – völlig zusammenhangloser Lärm in der Ruhezone.

    Erzählt ein empörter Felix via Handy seiner Laura. Und weiter: Ians und sein Gesichter seien nicht nur wegen der Hitze rot geworden, sondern auch wegen Wut. Im Abkühlbecken hätten sie dann den Köter gemacht. Und sich beruhigt. Dabei „Take on me“ in die Wolken geschmettert. Während die weißen Schneeflocken ihre Haare benetzt hätten.

    Coco hat sich auch beruhigt. Und chillt. Und ich denke so: Richtig. Atmet. Fühlt. Den Köter. Sagt der wirklich nicht zur Esoterik neigende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Beruhigt euch. Und chillt, Leute! 

  • 9. Juni 2026

    Miauende Schafe und Timmy als Biodiesel

    Er sieht Schafe. Weiße Schafe. Die miauen. Zu ihm laufen. Ihn anstupsen. Felix ist in Euphoria. Brabbelt die ganze Zeit. Erzählt meiner armen Bruna, das Fell der Schafe sei wie meins – wollig, weich, weiß. Und ich weiß: Nachdem er 1.700 Höhenmeter in den Alpen von Sölden absolviert hat, ist er nun schwer dehydriert und erschöpft. Völlig confused auf dem Gipfel in 3.000 Metern Höhe.

    Und ich denke so: Alta, warum tust du dir das an? Ich bin hier. In real. Auch mein Miauen ist authentisch. Man muss dafür nicht nach Österreich. Um tumbe Schafen zu glotzen, mit ihnen zu kommunizieren, he he. Und ich denke so: Menschen brauchen das wohl. Wegfahren. Herausforderungen suchen. Um sich zu spüren. Zu fühlen. Und auch, um Anstand zu gewinnen. Vom Alltag. Von mir. 

    Was ich ja sogar ein stückweit nachvollziehen kann. Nicht nur, dass ich auch mal nerven kann, klar. Aber Menschen müssen vor allem von anderen Menschen Abstand gewinnen – um nicht an ihnen zu verzweifeln. Jüngstes Beispiel: Die ohnehin absurde Story von der sogenannten Rettungsaktion des wochenlang vor der deutschen Ostseeküste gestrandeten Buckelwals Timmy ist um ein absurdes Kapitel reicher.

    Timmy – you know? – das war das offensichtlich kranke Tier, für das plötzlich Unmengen Menschen in Deutschland Empathie empfanden, Wie es da so im Wasser lag. Und für das schließlich zwei Millionäre eine Aktion finanzierten, um es wieder ins offene Meer transportieren zu lassen. Nur kurze Zeit wurde es dann tot vor der dänischen Küste entdeckt.

    Nun wurden einige Überreste von Timmy nicht nur zur Obduktion gebracht, um irgendwann mal seine Todesursache herauszufinden. Sondern auch in eine dänische Fabrik: Dort werden Knochen, Sehnen und Haut zu einer Art Mehl verarbeitet, das dann als Biomasse zur Verbrennung in einer Zementfabrik endet. Sein Fett wird zu Biodiesel umgewandelt.

    Felixens Freund Ian – die beiden touren gerade zusammen durch Österreich – meint, sein alter Mercedes Campingbus von 1994 könnte damit betankt werden – und rollen. Timmy-Treibstoff. Und ich frage mich so, was wohl die Millionäre, die die „Rettungsaktion“ finanziert hatten, so denken. Über das dafür ausgegebene Geld. 

    Felix halluziniert weiter. Plötzlich habe ihm auf dem Weg zu einem 3.000er ein Steinbock den Weg versperrt. Kampfbereit. Hinter ihm eine Böckin und zwei kleine Baby-Böcke. Er habe versucht, dem Bock – übrigens eine Ziege, aber das rafft der Alte eh nicht – telepathisch beizubringen, er sei harmlos.

    Der Bock habe den Weg frei gemacht. Und miaut. Behauptet Felix. Als ob. Sagt der verschafte Hauptstadtkater. Und jetzt: Halluziniert. Und chillt, Leute. 

  • 8. Juni 2026

    Arbeit ist Freizeit ist Katzenklo säubern

    Was ist Arbeit? Das, was Menschen so machen, um Geld zu verdienen? Aber, aber: Meine Bruna behauptet, tagtäglich, unser Katzenklo zu säubern, sei krasse Arbeit, dafür bekomme sie nicht mal Geld. Und meine Nuria sagt, Menschen sollten pro Woche höchstens 30 Stunden arbeiten – obwohl sie selbst neben dem Studieren jobbt, dann noch im Orchester spielt und einen Haushalt schmeißt. Bestimmt 48 Stunden Wochenarbeitszeit. Denke ich so.

    Und dann gibt es die Menschen, die noch mehr arbeiten wollen, weil es ihnen Spaß macht. Behauptet zumindest Felix. Und ich denke so:  Die Arbeit meiner Gattung war die Mäusejagd. Muss ich nicht mehr. Mäuse jagen. Weil es keine gibt im Revier. Aber auch Chillen kann Arbeit sein. Puuh, was ist denn nun Arbeit? 

    Wenn ich schon an dieser Definition scheitere, wie soll ich dann darüber diskutieren, ob eine Arbeitszeitverkürzung sinnvoll ist. Frage ich mich so. Felixens Freund Ian sagt, der Satz: „Ich arbeite, also bin ich“, mache ihn fertig. Er arbeite, um zu existieren und sich Hobbys zu gönnen. Er freue sich, wenn er nicht mehr arbeiten müsse.

    Heute waren Felix und Ian, die ja gerade eine Woche zusammen durchs Ötztal wandern,  auf einer Alm über Lengenfeld. Der Wirt, der gerade geschlossen hatte, öffnete die Tür trotzdem. Erzählt, er sei doch da, um es Gäste angenehm zu machen. Seit 26 Jahren gehöre ihm die Alm. In der gesamten Zeit habe er einen freien Tag gehabt – der Tag, an dem sein Vater starb.

    Ansonsten arbeite er auch „normal“ seine 40 Stunden – als Versicherungskaufmann. Und wenn er dann von Mai bis Oktober die Alm bewirtschafte, könne er davor und danach seinen anderen Job machen – wegen Gleitzeit. Seine Tochter helfe neben ihrem Studium mit. Seine Frau, die im Tal Gästezimmer vermiete, ebenfalls. Der Sohn könne derzeit nicht mehr – er sei zu beschäftig mit der Viehwirtschaft im Tal.

    Ihre Alm sei die letzte in der Gegend, die in der Saison keinen Ruhetag habe. Und auch noch nach 17 Uhr Speisen serviere – natürlich alles zubereitet aus Produkten aus der Gegend – und bio. Er genieße es, seine Gäste zu beherbergen. Zitiert Felix den Mann. 

    Und ich denke so: Krass: Ein Leben ohne Freizeit. Aber: Die Freizeit ist bei ihm die Arbeit. Er liebt, was er tut. Er will es nicht anders. Klar, er kist eine Ausnahme sein. Wenn über eine Verkürzung der Arbeitszeiten debattiert wird, geht es um die Masse der Arbeiter und Angestellten.

    Ich finde: Es muss ums Individuum gehen. Wie es mit Arbeit und Freizeit umgeht. Können Menschen überhaupt mit ihrer Freizeit umgehen? Ach, Menschen. Denke ich so. Sehe Coco. Vor mir. Erst extrem cool. Dann gähnend. Sie macht es so richtig. Sagt der arbeitende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Definiert Arbeit. Und chillt, Leute!

  • 7. Juni 2026

    Leckt Eier und zerstört Autoritäten

    Wo ist der Respekt? Er ist weg. Coco springt auf mich. Obwohl ich chille. Stößt mich vom Napf mit Lachs, obwohl ich schmatze. Meine Alten erzählen, auf dem Fußweg seien sie von vier nebeneinander laufenden Jugendlichen angerempelt und auf die Straße gestoßen worden. Und früher, ja früher, so denke ich: Da huldigten doch die Jungen noch den Alten. Weisen. Respekteinflößenden.

    Haben wir Katzen und Kater uns das auch von den Menschen abgeschaut? Vor nichts und niemand mehr Respekt zu haben? Frage ich mich so. Denn wenn ich die Menschen so beobachte: Rufen beispielsweise auf Demos „Merz leck Eier“. Der Spruch taucht mittlerweile auch in Internet-Memes auf, als Rap-Protest-Song – und über leck-meine-eier.de lässt sich sogar die Biografie-Seite von Merz abrufen.

    Ein verbaler Mittelfinger, der dem Kanzler da gezeigt wird. Aber nicht nur ziemlich primitiv, sondern auch humor- und vor allem respektlos. Denke ich so. Merz scheint sich darüber aber leider tatsächlich zu ärgern, kürzlich ließ er verlauten, kein Kanzler habe jemals so viel Häme, Spott und Angriffe in den sozialen Netzwerken ertragen müssen wie er.

    Und ich denke so: Klar, hat er wohl einen Punkt. Den er aber nicht ändern kann. Also: Heul doch, Alta. Oder geh souverän damit um. Übrigens, was ich doch ganz lustig finde: Vorschlag für das Jugendwort des Jahres mit offenbar großen Siegchancen: Mehrzweckeier. Finde ich als Kata lustig. Und dieses Wort immerhin ist auch nicht justiziabel. 

    Eigentlich ja gut, wenn die Leute nicht vor lauter Obrigsgläubigkeit, vor lauter Respekt devot werden. Und unwidersprochen alles tun, was von ihnen verlangt wird. Dass sie Dinge eventuell sogar hinterfragen. Denke ich so. Man könnte fast annehmen, dass dadurch ein autoritärer Staat weniger wahrscheinlich werden könnte. Aber warum dann erringt die tumbe rechtspopulistische AfD Woche für Woche in Umfragen neue Höchstwerte?

    Und ich schaue zu Felix. Zu Laura. Zu Diego. Zu meiner Bruna. Alle sitzen sie da und starren in ihre Handys. Scheinen hypnotisiert. Von den Algorithmen. Ihren Netzwerken. Vielleicht sind das die neuen Autoritären. Die Bubbles. Die sagen, wo es lange geht. Zu den Eiern. Und zur AfD. 

    Wann nur kommt die Erkenntnis, dass dieser Weg in die Hölle führt? Frage ich mich. Klar scheint nur, dass TikTok, Twitter, Instagram und Co. die neuen Autoritäten sind und Lehrer, Polizisten und Politiker in dieser Funktion abgelöst haben.. Denen dann auch so etwas wie Respekt entgegengebracht wird. Und ich denke so. Alles cringe. Alles 67 (sprich: six seven).

    Übrigens: Das ist die Zahlenkombi der Jugend für mittelmäßig – oder was weiß ich? Aber klar, auch meine Alten sagen jetzt ständig 67. Und merken nicht, wie anbiedernd das ist. Wie soll da die Jugend Respekt vor ihnen bekommen? Wenn die Alten so tun, als ob sie die Jugend wären – es aber nicht raffen? Sagt der respektvolle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Zerstört Autoritäten und Eier. Und chillt, Leute!

  • 6. Juni 2026

    Alles ist eitel in neongelb – wie peinlich

    Alle sind eitel. Fast alle. Denke ich so. Selbst domestizierte Katzen. Wie Coco. Die ich vor dem Fenster sitzen sehe. Und die – anders als ich – nicht die Taube auf dem Fenstersims gegenüber anvisiert, sondern ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe. Langsam dabei ihren Kopf drehend. So dass ihr Fell in allen Farben schimmert. 

    Am eitelsten sind aber offenbar alternde Männer Mitte 50. Die das dann selbst gar nicht mehr merken. Felix beispielsweise hat sich neongelbe Joggingschuhe gekauft. Neongelb. In dem Alter. Bei dem Tempo. Cringe. Denke ich so. Folge: Meine Bruna joggt nicht mehr mit ihm. Weil sie das Strahlen der Schuhe ihres Vaters bei den Parkrunden nicht erträgt.

    Und es geht noch peinlicher: Felixens Freund Ian kaufte sich jetzt bei ihrem gemeinsamen Urlaub in Österreich eine Badehose. Erzählt Felix. Farbe: neongelb. Und fragte die Verkäuferin, ob die Badehose auch blickdicht bleibe, wenn sie nass werde,. Das wäre ihm sonst sehr unangenehm. Ich würde vor Fremdscham versinken. Wenn ich könnte. Aber so sind sie. Die Menschen.

    Eitel sind auch Verbände. Die nur sich sehen. Und in ihrer Eitelkeit dem Größenwahn verfallen. In wenigen Tagen beginnt die Fußball-WM. Der Fußball-Weltverband FIFA lässt nicht nur horrende Eintrittspreise für die Tickets nehmen – in den USA, Mexiko und Kanada. Sondern wollte nun auch verbieten, dass die Zuschauer Wasserflaschen mit ins Stadion bringen. Selbst die aus Plastik. Verletzungsgefahr.

    Und das bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad, die in den meisten Stadien erwartet werden. Immerhin – nachdem den Weltverband ein Sturm der Entrüstung entgegenschlug, ruderte er tatsächlich zurück. Eine Plastikflasche darf der Zuschauer mit reinnehmend: Fassungsvermögen: 590 Milliliter.

    Alles ist eitel. Denken ich so. Aber warum schauen sich die Leute überhaupt diese WM an, die von einem Verband organisiert, der die Menschen abzockt? Dem es nur noch um Geld geht. Ich würde abschalten. Bei uns aber flirrt die Kiste. Der Ball rollt. Dann sollen sie doch schauen. Ist mir doch wumpe.

    Es knallt. Coco stürzt. Vom Fenstersims. Blickt auf. Zerzaust. Die Taube fliegt hinweg. Mein Kopf dröhnt. Habe ich ihr wohl unrecht getan, der Coco. Ist doch weniger Model als vielmehr Jägerin. Sagt der schönste Hauptstadtkater. Ganz in neonweiß heute. Wacht er über euch. Und jetzt: Macht euch hübsch. Und chillt, Leute!

  • 5. Juni 2026

    Aufklärung für Idylle – Ciao bella Italia

    Idylle ist, in der Sonne auf dem Küchentisch zu chillen. Idylle von anderen zu zerstören, scheint reizvoll. Für Lebewesen aller Art. Auch für Coco. Die sich sogar dafür von meinem Sofaplatz erhebt. Und dann, plötzlich habe ich ihre Pfote auf meiner Nase. Not so nice. Und ich frage mich so: Tell me why? Warum zerstört sie meine Idylle? Leben und leben lassen, oder?

    Ein Gedanke, der mich auf die Idee bringt, es mal andersrum zu sehen. Also tatsächlich, ich versuche mal emphatisch zu sein – und versetze mich in Coco. Ist sie vielleicht gar nicht die Aggressorin, sondern habe ich einen gewissen Anteil daran, sie in diese Situation gebracht zu haben? Beispielsweise, weil ich sie gestern meinerseits von eben diesem Sonnenplatz vertrieben habe? Als sie da so herrlich chillend lag?

    Oder zahlt sie es mir heim, weil ich vor achteinhalb Minuten die Leckerli weggefuttert habe, die ihr meine Bruna vor ihre Nase gelegt hast? Und sie mir jetzt also nur mehr oder weniger subtil zeigt: Alta, so fühlst sich das an, wenn man gemobbt wird. 

    Nun, Themawechsel, aber es geht weiter um Wechsel der Perspektive, versprochen! Also: Nach dem deutschen Fail, als nicht-ständiges Mitglied in den UN-Sicherheitsrat aufgenommen zu werden, schlug der Bundesregierung – sicherlich auch zurecht – viel Häme entgegen. Es als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht geschafft zu haben, gegen Staaten wie Österreich und Portugal, genügend UN-Mitglieder auf ihre Seite zu ziehen, sei eine riesige Blamage, meinten Kommentatoren.

    Aber – Achtung: Perspektivwechsel! Also: Sind nicht vielleicht die Vereinten Nationen selbst mittlerweile ein einziger Fail? Weil der Sicherheitsrat eh ständig durch die Vetomächte wie China und Russland blockiert ist. Oder eben durch die USA, die unter Präsident Trump kein Engagement mehr für die UN zeigen – im Gegenteil.

    Kolportiert wird, dass China und Russland sich massiv dafür einsetzten, den Multilateralismus-Fan Deutschland nicht im Sicherheitsrat zu haben. Und bei den kleineren Ländern Kampagnen gegen Deutschland gestartet hatten. Klar, wie erwähnt, ich bin sicher, dass Kanzler Merz und Co. nicht schuldlos an der Nicht-Aufnahme sind. Aber eben nicht nur.

    Und so komme ich zu bella Italia. Wo die rechtsgerichtete Regierung unter Ministerpräsidentin Meloni nun durchgesetzt hat, dass ab kommenden Schuljahr Eltern zustimmen müssen, wenn ihre Kinder Sexualkundeunterricht bekommen sollen. Puh, Aufklärung adieu, denke ich so.

    Andererseits, ich change auch hier mal den Blickwinkel: Think positive: Vielleicht hilft das, die Geburtenrate, die auch in Italien drastisch gesunken ist, wieder zu erhöhen? Wäre doch nice. Wahre Idylle eben. Und ich wehre mich gegen Coco. Haue zurück. Für die Wahrung meiner Idylle. Sagt der besorgte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Klärt auf. Und chillt, Leute! 

  • 4. Juni 2026

    Zischende Walkadaver und Putzzwang

    Putzen ist Leben. Also wichtig. Um nicht zu müffeln. Wichtig ist Putzen aber auch in metaphorischer Hinsicht – also das Reinigen der Seele. Um bereit zu sein für den Neuanfang. Und unsereiner – also wir Kater, aber auch Katzen wie Coco, sind Profis darin. Verbinden die doppelte Pflege sogar: Das Lecken des Fells entspannt. Und sorgt so zugleich für weiße Flecken auch im Kopf. Also, der Seele. 

    Die Dänen mussten nun krass putzen. Denn am Strand ihrer Insel Anholt lagen heute Organe, Knochen, Eingeweide, Hautfetzen – umwabert von Blut. Mehrere Biologen und Tierärzte hatten zuvor den dort liegenden Kadaver von Buckelwal Timmy auseinander geschnitten.

    Timmy! Ja, der Timmy, der mehrere Wochen vor der deutschen Ostseeküste gestrandet war, dann mithilfe des Gelds von Millionären ins offene Meer geschleppt wurde und doch starb – während eine große Fangemeinde online erbittert über Sinn und Unsinn der Aktion stritt.

    Nun endlich können auch die Wal-Enthusiasten für ihren Mind Tabula rasa machen. Denke ich so. Also reinen Tisch. Um sich auf Neues zu konzentrieren. Wichtigeres. Zum Beispiel könnten sie sich darüber ereifern, ob die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit eine neue Lunge bekommen soll. Oder nicht. 

    Immerhin, es gab beim Zerteilen des Wals noch Überraschungen: Timmy ist ein Mädchen. Kein Junge! Also ein perfektes Kind der woken, geschlechtsneutralen Zeit. Denke ich so. Würde gerne lächeln. Wenn ich doch nur mein Mäulchen verziehen könnte. Kann ich nicht.

    Nun, weitere Überraschung: Anders als von einigen erwartet, explodierte der durch Gase aufgeblähte Kadaver nicht, als er aufgeschlitzt wurde. Lediglich ein Zischen, dann fiel die Hülle in sich zusammen. Allerdings bleibt erst mal unklar, woran Timmy starb. Es könne bis zu sechs Monaten dauern, bis das Ergebnis da sei.

    Und ich denke so: Oh no. Denn klar, dann werden die Wal-Jünger und -Jüngerinnen nochmals aufschreien und der Hype nochmal aufflackern. Andererseits: Schon zum Zerlegen von Timmy kamen seine Fans nicht. Zu eklig. Blutig. Meinten viele via TikTok und Insta. Die Realität, ein dreckiges No Go in ihrer cleanen Online-Welt. Offenbar.

    Ganz anders natürlich die Lage in Russland. Aber tabula rasa – das wäre da auch gern gesehen.  Kremldespot Putin würde nur allzu gerne seine angeschlagene Wirtschaft wieder in Gang bringen. Aber sein Angriffskrieg in der Ukraine lässt sich nicht wegputzen.

    Und so kommen zu seinem Prestigeprojekt, dem Wirtschaftsforum in seiner Heimatstadt Sankt Petersburg, nicht westliche Regierungsvertreter, sondern welche der Taliban. Und aus Deutschland Politiker der rechtsextremen AfD. Ziemlich dreckig das alles. Denke ich so.

    Und sehe die unermüdlich an ihrem Fell schlabbernde Coco. Leck- und Putzzwang. Denke ich so. Leck mich! Macht Coco nicht. Zum Glück bin ich weiß. Rein, quasi tabula rasa, also bereit für den Neuanfang. Sagt der reformwillige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt sauber. Und chillt, Leute!