Katzen-Jesus Coco und der sterbende Wal

Karfreitag ist heute also. Und ich so: Im ersten Moment: Nice, Tag für Katzen, oder was? Um dann aber doch extrem schnell zu realisieren – no: Car, nicht: Kat-Freitag. Also eher ein Gedenktag im Zusammenhang mit Autos, denke ich so – als englisch-affiner Kater. Und glaube, auch den Grund zu wissen: Car-frei-Tag – ein autofreier Freitag also angesichts der durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiekrise. Not so bad.
Merke dann aber: Auch falsch, düsen noch zu viele Cars vor meinem Revier rum. Und erfahre durch meine Alea: Karfreitag habe etwas mit Christentum zu tun. Die Vorsilbe Kar stamme aus dem Althochdeutschen und bedeute Kummer. Weil vor rund 2000 Jahren Jesus an einem Freitag ans Kreuz genagelt worden und für die Menschen gestorben sei – für deren Sünden. Und ich denke so: Großartig. Nur blöd, dass sie leider weiter sündigen. Ohne Ende.

Unermesslicher Kummer also. Nicht nur über Despoten, Kriege, Morde, Heimtücke, Verbrechen. Sondern auch im Kleineren – wo sich der Charakter des Menschen manches Mal besonders eindrucksvoll offenbart: Wieder mal zu sehen exemplarisch an jenem Buckelwal, der in der Ostsee gestrandet ist – und dem dadurch ausgelösten Verhalten des Menschen.
Da gibt es die offensichtlich Guten, die diesem Wal helfen wollen, zunächst seinen Weg zurück aus der Ostsee in den Atlantik zu finden. Und nach mehrfachen Rettungsaktionen dann irgendwann einsehen, dass der Wal offensichtlich todkrank ist und sterben will. Das wiederum versetzt viele Walfans in Kar – also Kummer.


Einige so extrem, dass sie nun tatsächlich die Helfer bedrohen, sogar mit Mord. Und ich reflektiere: Wegen eines Wals, der im Sterben liegt, attackieren Menschen Menschen, die ihn erlösen wollen. Während zugleich anderswo Surfer gegen Wale prallen und sich dabei verletzen. Und wieder anderswo Wale gejagt werden. Einige elendlich in von Menschen ausgelegten Netzen verrecken. Alles absurd. Ein wahrer Kartag für mich. Leiden am Menschen.
Aber auch heute gibt es plus Aura. Dank meiner Coco. Die ich heute tatsächlich mal aufrichtig bewundere. Weil sie menschliches Verhalten subtil und bildlich karikieren kann. Ironisieren, um aufmerksam zu machen. Denke ich so.



Also: Sie liegt auf dem Schoß meiner Alea. Dreht sich auf ihren Rücken., Streckt ihre Vorderpfoten nach oben. Sieht aus wie eine gekreuzigte Katze ohne Kreuz. Katzen-Jesus am Karfreitag. Hoffentlich ist das keine Blasphemie. Will nicht in der Hölle schmoren. Sagt der erleuchtete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tut Buße. Lebt euren Kummer. Und chillt, Leute!
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