Kategorie: Uncategorized

  • 24. Mai 2026

    Tötet den Dämonen in mir!

    Manchmal spüre ich den Dämon in mir. Wenn ich aufschrecke, die Augen aufschlage – und mir gegenüber ein schwarzer Umriss auftaucht, der mir ähnelt, ist mein Entsetzen groß. Und wird noch größer durch plötzlich in mir aufsteigenden Selbstekel. Ausgelöst durch Felixens Schimpfkanonade gegen Coco.

    Sie habe ihm wieder mal die Salami vom Brot geklaut, echauffiert er sich. Während ich versuche, die Überreste ebenjener noch im Gaumen klebenden Salami runterzuwürgen. Und ob der Standpauke spüre, wie ich eine klammheimliche Freude kaum unterdrücken kann. Die der Dämon in mir bejubelt. Als Coco dann von Felix aus der Küche rausgejagt wird. 

    Immerhin: Ich wundere mich über mich selbst. Denn eigentlich haben Kater keine Dämonen. Die sind was typisch Menschliches. Denn uns geht das vorsätzlich Böse, Gemeine, Hinterfotzige, kurz: das Dämonische ab. Aber: Es scheint wohl auf uns übergesprungen zu sein. Im Zuge der Domestizierung unserer Rasse. Denke ich so.

    Frage mich aber auch, warum alle Menschen, von Kindheit an, von Dämonen besessen zu sein scheinen. Denn eigentlich sind doch auch Menschen sanft, rein, unschuldig. Denke ich so. Und höre durchs gekippte Fenster die Stimmen von zwei Nachbarn, ein Vater und seine fünfjährige Tochter. Die sich in der sommerlichen Hitze im Innenhof vergnügen.

    Ich vernehme vor allem die sanfte Stimme des Vaters, der zu seiner Tochter spricht – eine durchgehende Arie in Dur: „Schatz, willst du jetzt Fangen spielen? Soll ich Dich mit dem Wasserschlauch abspritzen? Magst Du einen Keks? Du musst das jetzt aber auch nicht machen, wenn Du nicht willst.“ Und das Mädchen? Lässt den Vater abprallen. In moll. Hat keinen Hunger, hat keine Lust. Sagt, alles sei langweilig. Und ich sehe – mittlerweile auf der Fensterbank sitzend: Den auf der Schulter des Mädchens sitzenden kleinen Dämon. Schrill lachend. 

    Während Felix und Laura von einer Ausstellung über den Kolumbianer Oscar Murillo in Potsdam erzählen. Der 1986 geborene Künstler ließ in ausgewählten Schulen in aller Welt für sechs Monate Leinwände auf die Schultische spannen. Die Schülerinnen und Schüler im Alter von 10 bis 16 Jahren konnten mit Stiften nach Belieben darauf tätig werden.

    Ob in Indien, der Ukraine, ob in Deutschland, Südafrika, den USA, Belgien, Oman oder Palästina – die Ergebnisse ähnelten sich sehr. Überall wurde die Schule geschmäht. Überall wurden Fußballvereine gefeiert. Und Popstars. Und Schauspieler. Und überall griffen die Kinder und Jugendlichen zu Stiften – ganz analog.

    Woraus folgt: Kinder und Jugendliche ticken überall ähnlich. Woraus sich dann die Frage ergibt: Wer pflanzt ihnen denn eigentlich diese Dämonen ein? Ich bekomme kaum noch Luft. Der Salamirest bringt mich zum Würgen. Ich rase zu Felix. Kotze die Wurst samt Gewölle vor seine Füße. Er rafft nicht, was das soll. Dass ich doch nur Buße tun will.

    Vielmehr schaut er mich angewidert an. Schimpft, jetzt müsse er das alles wieder aufwischen. Ich solle abhauen, zu Coco ins Straflager. Nicht so einfach, Dämonen zu vertreiben. Sagt der dämonisierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid empfindsam. Und chillt, Leute! 

  • 23. Mai 2026

    Der Antichrist zu Besuch bei der Oma meiner Bruna

    Die Welt ist böse. Also ihre Bestimmer. Ich weiß, ich weiß, Generalisierungen sind blöd. Weil: Es gibt sie natürlich: Die guten, die lieben Menschen. Aber gerade ihnen wird übel mitgespielt – von eben diesen anderen. Den Bösen. Die sie dominieren. Ausnutzen. Ausbeuten. Wenn sie nicht aufpassen.

    Aufpassen, wie Kater es können. Denke ich so. Auf dem Küchenstuhl chillend. Ach, hätten sie, die Guten, doch auch unsere Frühwarnsysteme: Unsere Ohren. Unsere Augen. Unsere Sprungkraft. Unsere Intelligenz. Unsere Fluchtreflexe. Haben sie nicht. Und geraten somit immer wieder in die Fänge. Großkotziger Betrüger. 

    Beispielsweise in jene des Antichristen. Really. Es gibt ihn. Der Deutsch-Amerikaner Peter Thiel. Der als einer der einflussreichsten Macher des Hightech-Zentrums Silicon Valley in Kalifornien gilt. Ein extrem reiches, radikales und rechtes, ähhh, Arschloch – sorry mal wieder für den Ausdruck. Er ist ein prominenter Unterstützer von US-Präsident Trump und dessen Vize JD Vance. Die er beide mit Millionenbeträge unterstützt hat.

    Der Typ beschäftigt sich auch mit Gesellschaftstheorien. Demokratie ist nichts für ihn, er schwärmt für wirtschaftliche Monopole – und begründet das christlich-fundamentalistisch. Antichrist – für ihn das Synonym für eine entgrenzte globale Ordnung. Für mich das Symbol für ihn. 

    Nun steht Thiel vor der Haustür der Oma meiner Bruna in Isernhagen. Der freundliche, gut gekleidete Mann stellt sich Oma Lotte zumindest mit Namen Thiel vor, sein Vater habe bei ihr dereinst Musikunterricht gehabt. Er interessiere sich für alte Musikinstrumente. Und steht plötzlich im Flur des Hauses.

    Meint dann, er kaufe auch Schmuck. Einen alten Ring werde sie doch haben. Und als Oma Lotte ablehnt, meint er, er habe sehr viel Bargeld dabei – und fragt, ob eigentlich noch Lottes Mann lebe. Oma Lotte führt Thiel in den Wintergarten, wo der Opa meiner Bruna, Opa Volker, sitzt. Dem erzählt Thiel, das Dach des Hauses sei ja ziemlich beschädigt, könne er mit seinen Leuten reparieren.

    Opa Volker lacht, meint, das Dach sei gerade neu gemacht. Thiel cool: Aber da sei sehr viel Moos drauf, das müsse entfernt werden. Und Oma Lotte so: „Bloß nicht, das Moos finden wir schön.“ Opa Volker begleitet Thiel zur Eingangstür. Er sei Jude, hole nachher noch seine aus Jerusalem anreisende Familie vom Flughafen ab, sie würden noch in eine Synagoge gehen und für Volker und Lotte beten. Sagt Thiel. Der Antichrist verschwindet. Ins Silicon Valley. Zu Trump und Co. Hoffe ich so. 

    Und ich wäre gerne bei Volker und Lotte. Als Wachkater. Würde Thiel die Augen auskratzen. Seine Eier abbeißen. Alte Menschen betrügen – schlimmer geht es nimmer. Sagt der empörte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid allzeit gewappnet. Und chillt, Leute! 

  • 22. Mai 2026

    Mehr als ein Pfingstwunder: Die Reform für die sichere Rente

    Wundern kann ich mich trotz aller Unfassbarkeiten immer noch. Und das ist nice. Denke ich so. Während ich auf der Tastatur und vor dem Computer chille, der Felix die Welt bringt. Und via dem er seine journalistischen Erkenntnisse in die Welt hinausposaunt. Über Reformen beispielsweise. Die das Land brauche. Wird da gefordert. Die es aber nicht gebe. Obwohl doch großspurig angekündigt. Und – ja: es muss immer existenziell sein – ohne die das Land unrettbar verloren sei. Wird da geätzt.

    Und ich wundere mich, dass allein der Begriff Reform für viele offenbar rundum positive Bedeutung besitzt. Wobei Reformen doch in Zeiten wie diesen, in denen es nicht mehr, sondern weniger gibt, ja eigentlich nur Umverteilung nach sich ziehen. Jemand wird was weggenommen, andere profitieren, insgesamt aber gibt es weniger.

    Dass ein solches Ergebnis dann negativ gewertet wird – nun, wenig verwunderlich, denke ich so. Und bin bei meinen Leckerli. Nicht ganz billig offenbar. Jedenfalls gibt es seit einiger Zeit weniger. Mein Reformvorschlag: Coco bekommt weniger, ich wie früher. Wird nicht erhört. Zunächst.

    Derzeit klöppelt Felix Beiträge zur Rentenreform in seinen Computer. Alles umstritten. Wie immer. Klar ist: Die Leute werden immer älter. Und diejenigen, die das finanzieren – die Jüngeren – werden immer weniger. Können aber nicht immer mehr zahlen, weil sie sonst nichts mehr zum Leben haben.

    Ich habe mal recherchiert: Vor rund 50 Jahren lag die Lebenserwartung bei gut 70 Jahren – das Renteneintrittsalter bei 65. Heute werden die Menschen im Schnitt in Deutschland 81 Jahre – und gehen mit 67 Jahren in Rente. Früher waren die Menschen fünf Jahre im Rente, heute 14 Jahre. Neun Jahre mehr Rente müssen immer weniger Beitragszahler aufbringen.

    Kann nicht funktionieren. Das Geld im System wird weniger. Raffe sogar ich. Allein diese Realität aber zu erzählen, sorgt bei vielen für einen verwunderten Aufschrei – wenig verwunderlich: Bei den Älteren. Was es für die Politiker schwierig macht: Denn, wer diese Gruppe verärgert, riskiert, nicht mehr gewählt zu werden.

    Nun also tagt eine Rentenkommission, um über dieses heikle Thema zu beraten. Es sickert der Vorschlag durch, das Renteneintrittsalter solle auf 70 Jahre erhöht werden. Was den nächsten Aufschrei produziert. Die meisten Arbeitnehmer würden ein solches Alter gesund gar nicht erreichen, monieren die Gewerkschaften. Faktisch sei das eine Rentenkürzung. 

    Tja, was dann? Frage ich mich so. Wenn keine Reform, dann muss ein Wunder her. Ein Pfingstwunder. Möge der Heilige Geist erscheinen und sich die Menschen über die Sprachgrenzen hinweg verständigen. Damit alle einsehen, es muss – gerecht – geteilt werden, damit alle bekommen. Zufrieden sind. Denke ich so.

    Und sehe, dass meine Leute doch genug Leckerli haben. Uns nur ob ihres Alltagsstresses vergessen hatten. Unfassbar, aber wahr: Wir brauchen keine Reform. Coco und ich haben genug. Sagt der generöse Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Reformiert und wundert euch. Und chillt, Leute!

  • 21. Mai 2026

    Keck in den kollektiven Glücksrausch – Die Fußball-WM und Coco

    Keck durch die Welt. Auch ein Motto, mit dem sich gut leben lässt. Zeigt Coco. Sie lässt sich nichts sagen. Sondern dreht ihr Köpfchen fragend zur Seite, blinzelt den Gegenüber an – und agiert. Frech, aufgeregt, atemlos. Was für sie – und andere – auch mal schmerzhaft sein kann, aber immer intensiv. Sie will, sie muss alles selbst erfahren.

    Dass Wasser nass ist. Herdplatten heiß. Vasen zerbrechlich. Macht ihr offensichtlich gute Laune. Lust auf mehr. Und das bringt zugleich Farbe in den grauen Alltag in diesem so melancholischen Land. Denke ich so. 

    Vielleicht wird in den kommenden Wochen aber tatsächlich in diesem Alltag alles ein wenig leichter, spielerischer. Wie ich darauf komme? Nun, in drei Wochen startet ein Ereignis, das alle vier Jahre auch viele Nicht-Fußball-Fans begeistert – und zu Bundestrainern reifen lässt. Die Fußball-WM, dieses Mal in den USA, Mexiko und Kanada.

    Heute war quasi der Kick-Off-Tag. Bundestrainer Nagelsmann gab die Namen von 26 Männern bekannt, die Deutschland dort vertreten sollen. Und was passiert – trotz Ausbreitung einer Ebola-Pandemie oder der neuesten Trump-Drohung, Tausende Soldaten aus Europa abziehen zu wollen? Selbst seriöse Sender richten für die Bekanntgabe des Nationalmannschafts-Kaders Live-Ticker ein, Eilmeldungen blinken auf, für alle Nachrichtensendungen ist das Nationalmannschaftsaufgebot Aufmacher mitsamt Analysen und Kommentaren.

    Und ich sehe Coco. Wie sie ihren Kopf erneut leicht rechts zur Seite beugt. Augenaufschlag. Erkenne ich da so etwas wie Spott? Nun, ich gebe ihr recht: So schlimm kann es nicht bestellt sein. Um Deutschland. 

    Jeder von Nagelsmann verkündete und nicht verkündete Name ist mehr oder weniger ein Politikum. Über das erbittert diskutiert wird. Denn: Tatsächlich ist der 40-jährige Torwart-Veteran Neuer zurück. Richtig? Tatsächlich steht mit Sané ein Spieler im Kader, der vergangenen Sommer in die im internationalen Vergleich zweitklassige türkische Liga wechselte und dort oft auf der Auswechselbank sitzt. Richtig? Tatsächlich ist der Shootingstar der vergangenen Saison, der 20-jährige El Mala nicht dabei. Richtig?

    And so on. And so on. Und ich sehe Coco. Mit leicht abgeknicktem Kopf. Tja, sie hat ja einen Punkt. Denke ich so. Aber: Wenn sich Menschen entspannen, ist das ja erst mal gut. Viele hoffen auf Fußballfeste. Um am Ende schreien zu können: „Wir sind Weltmeister.“

    Und ich bin irritiert. Wir? Egal, wenn es Menschen fröhlicher macht. Und sie Musiala, Nmecha, Undav und Thiaw zujubeln, dabei vielleicht sogar die Angstmacher der rechtsextremen AfD vergessen. Dann sollen sie in den kollektiven Glücksrausch verfallen. Keck. Wie Coco, die durchs Revier tobt. Mit mir. Sagt der abgelenkte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lebt Fußball. Und chillt, Leute!

  • 20. Mai 2026

    Fresst Menschen: Das Ende des Vegan-Booms

    Tierquälerei oder Spaß? Eine Frage der Sichtweise. Denke ich so. Wenn ich sehe, wie Diego Coco kreuzigt – also sie an beiden Vorderpfoten hochzieht. Und sie dann wie eine leidende Christusskulptur zwischen seinen Händen hängt. Und Coco natürlich – schnurrt. Für alle Kater-Dilettanten: Das ist das Geräusch für Wohlbefinden. Das Gegenteil also von Leid.

    Nun, allgemein gilt: Egal, ob es sonnig ist, die Lebenserwartung steigt oder das Bewusstsein für Umweltschutz wächst – es gibt immer die Gegenseite. Wer das Strandwetter in Deutschland lobe, vergesse, dass das mit dem Klimawandel zusammenhänge; wer die immer höhere Zahl an über 100-Jährigen preise, blende aus, dass der demographische Wandel die Gesellschaft zerstöre; wer sich für Fridays for Future einsetze, fliege trotzdem drei Mal pro Jahr in den Urlaub, monieren die Nörgler. Und wer mit einer Katze spiele, der quäle sie. Wird dann eben auch kritisiert. Denke ich. 

    Und höre Laura. Die kürzlich die Debatte führen musste, ob es gut sei, dass in Supermärkten immer mehr Selbstbedienungskassen eingeführt werden. Ihre Cousine habe stolz gesagt, ihre beiden Anfang 20 Jahre alten Kinder würden immer zu der Kasse gehen, an der Menschen die Preise einscannen. Weil der persönliche Kontakt doch so wichtig sei. Und die Kassiererinnen und Kassierer sich darüber freuten.

    Die Nichte von Laura antwortet, ein Freund habe ein paar Monate an einer solchen Kasse gejobbt. Ein höllenanstrengender Job. Und dazu nervige Kundinnen und Kunden, die zum x.-ten Mal über Sonderangebote oder das Wetter reden wollten. Und er sich gefragt habe, ob er Psychologe oder Kassierer sei.

    Während der Onkel Chris meiner Alea sagt, die SB-Kassen würden eh demnächst abgeschafft. Weil die selbst grundehrliche Menschen dazu verführten, Produkte nicht zu scannen und so einzupacken. Einfach, weil der Barcode nicht funktioniere. Tja, was denn nun? Unerquicklich, diese Debatten. So ziellos. Und energieineffizient. 

    Fleischersatzprodukte jedenfalls boomen wohl auch unabhängig von der derzeit noch steigenden Zahl an SB-Kassen nicht mehr. Absatz und Produktion gehen zurück. Ich habe sogar Zahlen dazu: Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland Fleisch im Wert von mehr als 45 Milliarden Euro produziert, Fleischalternativen im Wert von 632 Millionen Euro – mehr als 2 Prozent weniger als 2024.

    Warum? Die fleischlosen Produkte seien ziemlich teuer. Sagt Diego. Und viele schmeckten dann auch nicht besonders gut. Und ich denke so: Der Mensch ist eben doch wie der Kater: Ein leidenschaftlicher Fleischfresser. Nun, Hauptsache er frisst in der Not keine Kater. Denke ich so.

    Und würde meine Pfote nicht ins Feuer legen, dass meine Menschen mich tatsächlich verschonen würden, falls sie wirklich mal Mangel und Hunger zugleich erleben würden. Tja, dann müssen wir Kater und Katzen schneller sein. Und sie, die Menschen fassen. Und futtern. Sagt der aufgeweckte Hauptstadtkater. Der trotzdem über euch wacht. Und jetzt: Esst vegan. Und chillt, Leute! 

  • 19. Mai 2026

    Vom Mäuseabfangjäger zum Seelentröster oder der arme Torwart

    Was haben ich, Fußballer und Journalisten gemein? Wir sind sogenannte Gatekeeper – also Torhüter. Wehren ab: Wir Kater und Katzen: Mäuse, Fußballkeeper: Bälle, Journalisten: Fake-News. Was wir dafür benötigen? Vertrauen von denjenigen, die uns brauchen. Wenn das fehlt, geht alles kaputt. 

    Ich räume ein, meine Funktion als Mäuseabfangjäger habe ich als Hauskater verloren. Aber ich habe mittlerweile eine vielleicht sogar wichtiger Funktion übernommen: Die des Seelentrösters des Menschen. In einer Welt, in der er zunehmend vereinsamt, sind wir das ganz sicher. Also Seelentröster. Um Mensch aufzufangen. Indem wir psychischen Ballast abwehren.

    Ich also beispielsweise zu Laura auf die Zeitung hüpfe. Ihr die bad news versage, die sie lesen will. Und stattdessen Streicheleinheiten fordere. Die sie entspannen. Was aber nur funktioniert, wenn sie mir vertraut. Und sich auf mich einlässt.

    Zu den Journalisten: Die sollen aus dem Overkill an Informationen die wahren und wichtigen herausfiltern. Um Menschen zu orientieren. Viele allerdings wollen das offenbar gar nicht mehr. Sodass Reporter mehr und mehr irgendwelche scheinbar gesprächswertigen Themen aus den sozialen Netzwerken abkupfern und dann hyperventilierten.

    Offenbar dabei nicht bemerkend, wie sie sich so selbst noch überflüssiger machen. Weil sie Wichtiges nicht mehr von Unwichtigem unterscheiden. Und so auch den letzten Rest Vertrauen der ihnen noch Vertrauenden verspielen. 

    Tja, und bei den Fußballern sind die Torhüter ja eh als die Deppen verschrien, wer lässt sich schon freiwillig vollballern? Nun, Torhüter müssen die Bälle eben halten und abwehren. Und hier gilt ganz besonders: Selbstbewusstsein hilft sehr. Um sich eine Aura aufzubauen. Um anderen Respekt einzujagen. Auf dass sie vor Ehrfurcht erstarren, wenn sie vorm Torwart auftauchen und versuchen, den Ball einzunetzen.

    All das wird wiederum gespeist aus Vertrauen. Bei der deutschen Fußballnationalmannschaft sollte bei der Weltmeisterschaft im Sommer ein Mann namens Baumann das Tor hüten. Das sagte ihm der Bundestrainer namens Nagelsmann mehrfach. Der plötzlich nun aber krass umschwenkte – und den sicher immer noch sehr gut haltenden ehemaligen Weltklasse-Keeper namens Neuer zu einem Comeback als Nummer eins überredete.

    Und ich frage mich so: Was macht das mit dem Selbstbewusstsein Baumanns? Aber was macht das auch mit dem ganzen Team, wenn der Chef plötzlich sein Wort bricht? Frage ich mich so. Und sehe wieder mal Coco auf mich zustürzen. Die jeden Respekt vor mir verloren hat. Nun – ich betrachte Coco einfach als Ratte. Stelle mich ihr entgegen. Wehre sie ab. Bin doch Gatekeeper. Verteidige so meine Leute vor ihr. Sagt der aggressive Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vertraut. Und chillt, Leute! 

  • 18. Mai 2026

    Verbotene Orte: Wäscheständer und Grönland

    Verbotene Orte, ich liebe sie. Je verbotener, desto reizvoller. Sure. Der aufgeklappte und mit Hemden, Socken und Shirts bestückte Wäscheständer beispielsweise. Ein wahres Kater – und Katzenparadies. Auf den Schnüren zu balancieren, die sich hin- und her baumelnden Klamotten fangen. Krass nice. Was meine Leute natürlich nicht finden. Schmeißen uns runter. Und wundern sich dann auch noch, wenn sich dabei unsere Krallen in ihren edlen Stoffen verfangen. Und Löcher reißen. 

    Was für Kater gilt, gilt für Menschen schon lange. Je vehementer die internationale Gemeinschaft ablehnt, dass Grönland US-Bundesstaat wird, desto mehr will US-Präsident Trump die arktische Insel haben. Jene dem Nato-Mitglied Dänemark gehörende Insel, auf der reiche Bodenschätze lagern – Öl, Uran, Seltene Erden. Und die dann auch noch für die USA strategisch günstig liegt, um beispielsweise Russen oder Chinesen abzuwehren.

    Nachdem Trumps brachiale Methode Anfang des Jahres nicht fruchtete, bei der er drohte, Grönland notfalls gewaltsam zu übernehmen, setzt er nun auf eine andere, eine sanfte Taktik. Und schickt einen Emissär namens Landry. Der auf freundlich getrimmt ist.

    Trump habe ihn geschickt, damit er so viele Freunde wie möglich finde. Sagt der Sondergesandte. Sein Problem: Auf Grönland will derzeit niemand US-Freunde. Zumindest keine, die staatliche Interessen vertreten. Und ich denke so: Grönland – eine Art Wäscheständer Trumps. Oder: Der Wäscheständer – Cocos und mein Grönland. 

    Ende Januar drohte die Nato wegen Trumps brachialen Vorgehen zu zerbersten. Im letzten Moment gelang es dem Nato-Generalsekretär, den US-Präsidenten zu überzeugen, es sei besser, vertrauliche Gespräche über die Zukunft Grönlands zu führen als die Insel Verbündeten mit Gewalt abzunehmen. Er willigte erst mal ein, aber klar ist: Seine Ambitionen sind geblieben.

    Er will Grönland. Besitzen. Also schickt er seinen Gesandten, der nun an einer Wirtschaftskonferenz dort teilnimmt, zu der er gar nicht eingeladen war. Landry behauptet, er wolle nur zuhören, lernen und sehen, ob die Beziehungen ausgebaut werden können. Während Grönlands Regierungschef sagt, er habe keine Anzeichen für eine veränderte Haltung der USA festgestellt – sprich: Die USA wollen weiter die Insel übernehmen.

    Ich kann Trump verstehen. Er will die Insel. Wie Coco und ich den Wäscheständer. Je mehr Widerstand, desto größer der Wunsch. Und die Kreativität, um ihn durchzusetzen. Und wie Trump, so ändert nun auch Coco ihre Taktik: Legt sich auf den Ständer. Dreht sich auf den Rücken, Pfoten nach oben. Guckt unschuldig. Schnurrt.

    Es hilft. Natürlich. Nicht. Meine Leute stürmen herbei. Um sie runterzuschmeißen. Vom verbotenen Ort. Herzlose Menschen. Sagt der besessene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verwirklicht Träume. Und chillt, Leute!

  • 17. Mai 2026

    Kater-Schlichter im rechtsextremen Mecklenburg

    Meine Bruna ist wieder da. Endlich. Meine Kater-Flüsterin. Die spürt, wie ich spüre. Wie ich ticke. Und genauso verstehe ich auch sie. Ihre Sorgen. Ängste. Probleme. Kurz: Zwischen uns, das ist die perfekte Symbiose. Fünf Tage war meine Bruna weg, mit ihrer Schulklasse in einer Jugendherberge an der Mecklenburger Seenplatte.

    Das beste Schullandheim ever. Schwärmt sie hernach. Auch ohne mich, denke ich. Und wundere mich. Sehe dann aber meine Konkurrenz dort und akzeptiere: Die grünen Wiesen, Freundinnen, Werwolf, Aldi, Tischtennis, Sommerrodelbahn, Lagerfeuer: Das sei einfach perfekt gewesen, schwärmt meine Bruna. Fast. Wenn da nicht die Menschen wären. Die Aborigines…

    Also zumindest jene Einheimische, die rechtsradikales Gedankengut pflegen. Und damit Vorurteile vom offen rechtsextremen Osten Deutschlands zu Urteilen aufblühen lassen. Denke ich so. Als ich die Storys meiner Bruna höre.

    In einem Döner-Laden, erzählt sie, hätten neben ihnen zwei Frauen rumgekeift. Die eine so: Früher hätten die Döner hier viel besser geschmeckt. Die andere: „Ja, Döner können die Türken einfach nicht. Genauso wenig, wie sie sich hier anpassen können.“ Ein Klassenkamerad meiner Bruna mischt sich ein, sagt: „Aber die Döner kommen doch aus der Türkei.“ Woraufhin ihn eine der Frauen anblafft: „Halt bloß Deine blöde Schnauze. Kommst wohl nicht von hierher. Wir können auch vor die Tür gehen, dann kriegst du einen auf die Fresse.“

    Puh, denke ich so. Kuschle mich an meine Coco. Sie sich an mich. Wir hassen, wir lieben uns. Aber selbst in schlechten Zeiten respektieren und achten wir uns. Denke ich so. Und werde fast ein wenig melancholisch. Hach, die Frauen dort bräuchten einen Schlicht-Kater – wie mich. 

    Und ich höre weiter, dass meine Bruna und ihre Klassenkameraden an einem Sportplatz vorbeikommen, wo gerade ein Fußballspiel läuft. Mehrere Jugendliche – offenbar aus dem Dorf – hätten sich vor ihnen aufgebaut – und dann gefragt: „Hey, ihr seht ja ziemlich links aus, seid ihr das auch?“ Sie hätten geantwortet: „Wir sind neutral.“ Und die Dorf-Jugendlichen so: „Gut für euch.“ 

    Mich fröstelt. Ob der offen zur Schau getragenen rechtsextremen Ideologie und den Drohungen. Den offen ausgesprochenen Einschüchterungsversuchen. Und ich merke mal wieder: Kuschelt. Um Stärke zu entwickeln. Ich nehme vorlieb mit Coco. Die wirklich weich sein kann. Und zart. Und zugewandt. Sagt der schlichtende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wehret den Anfängen. Und chillt, Leute!

  • 16. Mai 2026

    Klimawandelleugner und Walkadaverentdecker

    Manchmal kann selbst ich nicht weiter argumentieren. Und mir fehlen die Worte. Wenn ich merke, dass Coco in ihrer Bubble gefangen ist. Egal, was ich ihr vermitteln will, es prallt ab von ihr. Und sie frisst nicht nur ihre, sondern auch meine Leckerli auf. Und so legen wir uns danach müde beide hin. Ruhen. Schlafen. Chillen. Nach dem Motto: Nix sagen, nix sehen, nix hören. 

    Der Opa meiner Bruna ist heute per Taxi zu einer Dialyse-Station gefahren worden. Der Fahrer: Voll freundlich, sympathisch, zuvorkommend. Auf der Fahrt habe er sich dann plötzlich über die Politik ereifert, erzählt Opa Volker. Die Politiker, die könne man alle vergessen, habe der Fahrer sich ereifert.

    Da dächte eh jeder nur an sich selbst und sein Wohl. Sie stritten nur rum und es werde nichts beschlossen. Abgesehen davon, dass die da oben sich selbst ihre Gehälter erhöhten. Während er da unten vergessen werde. Und sich nicht ernst genommen fühle. Opa Volker versucht zu differenzieren, erklärt, dass es durchaus Politiker gebe, die sich für das Wohl der Gesellschaft interessierten.

    Was den Taxifahrer nicht interessiert. Weil er in Fahrt ist, die Tempo-30-Zone doppelt so schnell quert wie erlaubt. Und meint, an dieser Stelle habe er in den vergangenen vier Wochen wegen Geschwindigkeitsübertretung bereits drei Mal Strafe zahlen müssen. Es blitzt wieder.

    Und der Taxifahrer mit gerötetem Gesicht: Und das alles, also das Tempo 30, nur für eine Sache, die es eh nicht gebe. Den sogenannten Klimawandel. Er habe Wissenschaftler kennengelernt, die die grünen Thesen eines Klimawandels widerlegt hätten. 

    Der sei ausgedacht worden, weil die Solar- und Windkraft-Industrie die Wissenschaftler und Politiker bestochen habe. Opa Volker unterbricht seinen Fahrer, sagt, dass nicht nur alle ernstzunehmenden Wissenschaftler von einem menschengemachten Klimawandel sprächen, sondern eben diesen auch nachgewiesen hätten.

    Und er selbst lebe nun fast neun Jahrzehnte. Und habe diesen Wandel am eigenen Leib erfahren – früher habe es viel längere Kältewellen, viel mehr Schnee gegeben – während die Sommer bei weitem nicht so heiß und trocken gewesen seien. Klar, das Klima ändere sich auch in langen Zyklen. Aber nicht in solch kurzer Zeit, in 90 Jahren, so stark.

    Der Taxifahrer habe abgewinkt, erzählt Opa Volker. Und habe dann beim Bezahlen gemeint, es sei schade, dass Menschen wie Opa Volker von der Lügenpresse so indoktriniert seien. 

    Opa Volker muss in die Praxis. Und hört eine Nachrichtensprecherin sagen, dass die AfD in Umfragen bundesweit weiter zulege, nun als stärkste Partei 29 Prozent erreiche, während die Union auf 22 Prozent abgesackt sei. Und es habe sich herausgestellt, dass der vor Dänemark entdeckte Walkadaver tatsächlich der von Timmy sei – ein an ihm angebrachter und nun entdeckter Peilsender habe das bewiesen. Nun werde der Kadaver von Möwen aufgepickt.

    Ich schließe meine Augen. Drifte ab. In meine Welten. Bubbles. Voller Leckerlis und Harmonie. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid tolerant. Und chillt, Leute! 

  • 15. Mai 2026

    Von der Sinn- in die Daseinskrise: Bin ich Wal?

    Sie ist wieder bei mir: Die große Seinsfrage: Bin ich? Bin ich nicht? Bilde ich mir alles nur ein? Bin ich der einzige, der überhaupt existiert? Oder gibt es noch andere Kater neben mir? Je tiefer ich in diese Fragen eindringe, desto schlechter fühle ich mich. Ich falle, falle, falle. In die Tiefen. Der Unendlichkeit. Drehe mich, in der Spirale der Depression.

    Kenne aber meinen Exit: Ein Sprung in die Arme meiner Leute. Yes, Diego ist. Er existiert. Ich bin. Ich spüre ihn. Er lächelt. Und wischt mein Fell von seinem Pulli. Woraus folgt: Wir sind. Denn da fließt Energie. Und mein Fell: Fliegt. 

    Und schon bin ich bei Timmy gelandet. Dem vor zwei Wochen in der Nordsee ausgesetzten Buckelwal, der zuvor mehrfach vor der deutschen Ostseeküste gestrandet war. Und dann von einer sogenannten Rettungsinitiative für rund 1,5 Millionen Euro durch einen Lastkahn ins offene Meer beförderten Tieres, von dem nun keiner weiß, ob es die Aktion überlebt hat.

    Nun wurde der Kadaver eines Buckelwals vor einer dänischen Insel gesichtet. Timmy oder nicht? Das ist hier die große Frage. Eine Gewebeprobe soll die Frage beantworten. Die Dänen sind aber um einiges pragmatischer als die Deutschen. Die Dänen hätten einen gestrandeten Wal einfach liegen lassen, denn so etwas sei „ein natürlicher Gang der Natur, der nicht durch menschliche Eingriffe gestört werden sollte“. Und nun sei natürlich auch kein Abtransport des Kadavers geplant, das sei zu gefährlich. Sagen die dänischen Behörden.

    Denn der Kadaver könnte Krankheitserreger tragen. Und es bestehe die Gefahr einer Explosion, da sich Gase in toten Tieren sammelten. Teilt die dänische Umweltbehörde mit. Während zugleich der weinende Minister aus Mecklenburg-Vorpommern überlegt, zu dem toten Wal zu reisen. Trauerfeier nicht ausgeschlossen. Offenbar zu viel Energie.

    Und manchmal denke ich so, Wale haben es in Deutschland besser als Kater. Und Menschen sowieso. Der Opa meiner Alea war gerade im Krankenhaus. Fünf Stunden Warten bei der Aufnahme. Zusammen mit Dutzenden keuchenden Menschen. Und dass man fürs Warten trotz Termins eine Wartenummer an einem Automaten ziehen muss – in der Halle des Krankenhauses, das wie ein Supermarkt anmutet, war kaum zu erkennen. Erst recht nicht für ältere, kranke Menschen.

    Auf der Station müssen dann zierliche Pflegerinnen Krankenhausbetten mit schweren Patienten durch die Trakte schieben – kräftigere Pfleger fehlen. Auch das ist ein Grund dafür, dass Patienten nach Behandlungen drei Stunden in ihren Betten im Gang stehen, wartend, in ihr Zimmer zurückgeschoben zu werden. 

    Was es besser machen könnte: Geld. Was aber versenkt wird. Auch in Walen. Und ich spüre mich. Wut. Energie. Ich bin. Diego ist auch da. Aber: Auch Coco. Sie springt auf mich. Und erlöst mich aus meiner Sinnkrise. Befördert mich zur Daseinskrise – mit der Frage: Ich bin – aber warum ist Coco? Sagt der existenzielle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Fühlt euch. Und chillt, Leute!