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  • 8. September 2025

    Über Annäherung, den ersten Schultag und Putins Rekord-Beschuss

    Die Annäherung ist nun mal langsam. Liegt in meiner Natur – eher introvertiert. Würde Mensch sagen. Nun. Es liegt auch an Coco. Sie ist wild. Schnell. Sprüht vor Leben. Ich dagegen bin gesettled. Cool. Moro-like. Ein wenig. Im Alter von drei Jahren ein Kater in den besten Jahren eben. Der auch mal staunen kann. Über das Ungestüme.

    Über Coco. Wildfang. Würde Mensch wohl sagen. Sie hat sich in einer Schürze verhakt, die am Küchenschrank hängt. Und schwingt nun durch die Luft, auch die Hinterbeine haben abgehoben. Sieht aus wie Tarzan. Nur ohne Urwald. Und der Schrei fehlt auch. Dafür nur ihr Krächzen. Sie scheint Spasss zu haben.

    Und ich denke so: Wie die Zeit vergeht. Und sich alles verändert. Vor kurzem noch hing ich an der Schürze. Jetzt glotze ich und schau zu. Manches aber bleibt auch. Beispielsweise der Ukraine-Krieg. Seit mehr als dreieinhalb Jahren lässt Kremlchef Putin die Ukraine nun bombardieren. Länger als ich lebe. Und ich lebe ewig. Finde ich.

    Vergangene Nacht flogen so viele Drohnen und Raketen in die Ukraine wie nie zuvor in 24 Stunden. Mehr als 800 ließ Putin auf das Land abfeuern. Wieder starben Menschen, auch Kinder. Wieder wurden Häuser zerstört. Erstmals wurde ein Regierungsgebäude getroffen – ein solches Ziel galt bislang als eine Art rote Linie.

    Deutlich wird: Putin führt die Welt vor, führt auch US-Präsident Trump vor, der unbedingt Frieden will. Putin will ganz offensichtlich keinen Frieden. Er setzt auf Eskalation. Um kompromisslos seine Ziele zu erreichen – die gesamte Ukraine unter russischen Einfluss zu bringen.

    Dabei geht es doch im Leben nur um friedliches Zusammenleben. Harmonisch. Streit, klar soll auch sein. Aber gewaltfrei. Hach, ich Träumer. Und so schnüffle ich Coco, die von der Schürze abgestürzt ist. Sie mich. Und wir springen beide erschrocken auf, als unsere Schnurrbarthaare sich touchieren. Coco hüpft auf den Laptop von Nuria. Von dem der Kater von Nurias Freund Piet grüßt. Ein Maine Coon. Naturally.

    Meine Bruna kommt heim. Erster Schultag. Besser als gedacht. Erste Stunde Italienisch war top. Sagt sie. Und ich denke: Geht doch. Mit der richtigen Einstellung.

    Und lasse Coco den Sonnenplatz auf der Fensterbank. Sie lässt mir meine Lieblingswürstchen. Kurz: Die Annäherung ist zwar langsam. Aber intensiv. Und damit nachhaltig. Behaupte ich. Und lecke Cocos Pfote. Geht doch. Denke ich so.

  • 7. September 2025

    Über das Ende der Einsamkeit und Diegos Einsamkeit in Brasilien

    Will ich wirklich allein sein? Nein. Plötzlich bin ich nicht mehr allein. Coco ist überall. Wo ich bin. An meinem Futter. An meinen Leckerli. In meinem Bett. Bei meiner Bruna. Und ich? Ich beobachte. Erst mal. Wundere mich, ob so viel Lebensfreude, die sie da versprüht.

    Will mich aber erst mal bewusst nicht becircen lassen. Wie alle anderen. Meine Menschen. Die ihr huldigen. Sie feiern. Mit ihr herumtollen. Spielen. Platt vor Entzücken jeden Wunsch von ihren ockerfarbenen Augen ablesen.

    Klar, sie ist eben eine Nette. Auf jeden Fall. Finde ich ja auch. Sie schnüffelt gut. Baby eben. Sie ist weich. Ihr Augenaufschlag. Und: Sie liebt Chillen. Sie liebt die Sonne. Wie ich. Und schon sitzt sie auf meinem Sonnenplatz. Auf dem Küchentisch. Und ich – wohin soll ich?

    Übrigens: Diego ist jetzt alleine. Alleine in Brasilien. Sein Freund Boris ist jetzt wegen seiner Schulterverletzung – unglaublich: Eine Welle in Peru hat ihn zu Boden geschleudert und die Schulter zerstört – nun: Boris also ist heute nach Deutschland abgereist. Weil er sich hier operieren lassen will. Eigentlich wären er und Diego jetzt noch drei Wochen gemeinsam durch Brasilien gereist. Jetzt macht es Diego alleine.

    Krass. Ohne Portugiesisch- oder Spanisch-Sprachkenntnisse. Englisch spräche da kaum einer. Sagt Diego. Er reist – ohne Freunde. Ohne mich. Aber klar, allein sein stärkt auch. Habe ich gemerkt. Ich bin ich. Ein widerstandsfähiger Kater. Nun, Resilienz also gibt es. Sage ich mal so. Ganz im Soziologen-Jargon. Der gerade voll en vogue ist.

    Coco jedenfalls ist on top. Soll sie. Ich kann gönnen. Lasse sie mal aufs Sofa. Wir schnüffeln uns – aus sicherer Entfernung. Gesellschaft kann auch nerven. Muss aber nicht. Also lasse ich sie mit meiner Maus toben. Aus meinem Brunnen trinken. Sogar mein Klo besuchen. Werde verzaubert. Von ihrer kratzigen, leisen Stimme. Von ihren ockerfarbigen Augen. Will ich wirklich allein sein? Nein.

  • 6. September 2025

    Coco ist da, Erinnerungen an Moro und meine Rollenänderung

    Es kommt dann eben doch immer alles anders als man denkt. Plötzlich also ist Coco da. Leibhaftig! Steht sie vor mir. Klein. Babyface. Große Ohren. Kleine Nasen. Schwarz-rot-weiß gescheckt. Voll frech. Voll keck. Voll respektlos. Blickt sie mir tief in die Augen. Dass Schauder mich durchfluten.

    Weil ich den direkten Blick nicht mag. Zuletzt ähnliche Blick mit Moro wechselte. Und nun betroffen bin. Sie hat meine Unsicherheit mit dem ersten Blick durchschaut. Und ich habe einen Flashback. Bin plötzlich der kleine Charlie. Vor drei Jahren. gerade mal zwei Monate alt. Komme ich hier in meinem Berliner Revier an.

    Und da steht der große Moro vor mir. Der mich mustert, anstarrt. Unbewegt. Und starrt. Und starrt. Und ich auf so etwas überhaupt nicht vorbereitet bin. Da meine Mitkater direkt nach meiner Geburt die ganze Zeit nur mit mir rumtollten, mit mir rumschmusten, wir eine tolle Truppe waren. Lebensfreude eben. Und dann Moro. Der dann irgendwann ganz langsam näher kam. Und: Mich dann sogar anknurrte. Als ob. Er. Gerade er. Ein Köter wäre.

    Nun. Da hatte ich erst mal Respekt. Und dachte: Was für ein komischer Kater doch dieser Moro ist. Gestört. ADHS oder so. Wie absurd, ein lonely Kater, der sich nicht lecken lassen will. Von mir. Der nicht kuscheln will. Mit mir. Aber dann. Im Laufe der Jahre. Änderte er sich. Ließ sich lecken. Trollte mit mir rum. Wir wurden beste Freunde. Und wir liebten uns. Denn Moro war zart. In seiner Seele. Und scheu im Umgang. Ein Lieber. Bis zu seinem plötzlichen Tod. Eben.

    Jetzt bin ich der Große. Plötzlich in der Moro-Rolle. Und Coco ist ich. Irgendwie. Klar. Ich freue mich. Dass wieder ein Katzentier da ist. Schon besser als Menschen. Die ständig weg sind. Und keine Ahnung vom Krallenwetzen haben. Beispielsweise. Aber Coco überfordert mich auch.

    Denn alle rufen nur: „Guckt doch mal, was sie wieder macht. Wie sie auf das Sofa hüpft. Wie sie sich auf dem Teppich rollt. Wie sie auf ihre Toilette geht. Süüüüüüß.“ Und das Schlimmste: Ich bekomme Mitleid: „Ach Charlie, der Arme, da sitzt er ruhig, mit Abstand und glotzt nur.“ Sagt meine Bruna. „Wir müssen uns um ihn kümmern. Damit er sich nicht herabgesetzt fühlt.“ Müssen sie nicht. Denke ich so.

    Auf jeden Fall: Das zu hören, macht alles noch viel schlimmer. Für meinen Mind. Klar: Ich will Coco nicht irritieren. Sie scheint nice zu sein. Entspannt. Selbstbewusst. Hübsch. Als sie sich mir nähert, miaue ich trotzdem. Und sie zuckt zusammen. Was ich doch goutiere. Ist mein Revier. Ich. Bin. Boss.

    Und ich denke so – angewidert von mir selbst: „Hach, bin ich ätzend. So menschlich. Leicht zu durchschauen. Aber ich kann gerade nicht anders. Nicht mal über meinen Schatten springen. Instinkt.“ Denke ich so.

    Meine Bruna schmeißt mir ein Extra-Leckerli zu. Reizt mich nicht. Was noch nie so war. Aber tatsächlich ist mein Appetit weg. Ich. Bin. Fasziniert. Von Coco. Und meiner komischen Reaktion.