Hauptstadtkater

28. März 2026

Katzenmusik für No Kings und den gestrandeten Buckelwal der Nation

Absurd, dass ausgerechnet Menschen Musik, die sie als dissonant empfinden, als Katzenmusik abqualifizieren. Denn das, was für sie Hörgenuss ist, ist für uns Kater kaum auszuhalten. Weil es viel zu laut, ungenau, unsauber ist. Was Menschen mit ihren unzureichend ausgestatteten Hörorganen jedoch gar nicht merken.

Leider „beglückt“ uns meine Bruna nicht nur unregelmäßig mit krass schiefen Violintönen, Coco und ich müssen auch das von Diego malträtierte, ungestimmte Piano ertragen. Und selbst die sogenannte Musik aus den Boxen meiner Leute – schwer auszuhalten.

Nur insofern, als dass bei geheucheltem Interesse und angedeutetem Kopfnicken im Takt des Raps, auch mal ein Leckerli abfällt. So wie nun für Coco. Die den trüben Sprechgesang, den Diego abspielt, tapfer auf dem Herd sitzend erträgt. 

Und ich sehne mich tatsächlich nach wahrer Katzenmusik. Nach dem jaulenden Geschrei brünftiger Katzen. Und Kater. Und höre einen tiefen Ton. Der Bass, der Musik in meinen Ohren ist. Sehe Bilder vom Wal. Dem Wal. Dem Buckelwal der Nation. Der röhrt. Weil er erneut in der Ostsee gestrandet ist. Dieses Mal auf einer Sandbank in der Wismarer Bucht.

Sein Schicksal fesselt die Menschen in aller Welt weiter. Journalisten berichten via Liveblogs. Kamerateams sind dabei. Experten und Influenzer. Schaulustige. Politiker. Sorgen sich um die angegriffene Haut des Säugetiers. Diskutieren, ob nicht trotzdem ein Peilsender auf eben dieser Haut angebracht werden könnte, damit sein Weg besser verfolgt werden kann.

Während die Russen weiter Raketen auf die Ukraine feuern. Menschen dort sterben. Das aber nicht einmal mehr eine Randnotiz wert ist. 

Aber ich will mal nicht lamentieren. Denn es gibt heute tatsächlich Musik in meinen Ohren: In den USA gehen Millionen Menschen auf die Straße und protestieren unter dem Motto „No Kings“ gegen US-Präsident Trump. Dem sie vorwerfen, wie ein Despot Bürgerrechte und Meinungsfreiheit einzuschränken.

Und auch in anderen Ländern der Welt schließen sich Menschen dem Protest an – auch in Deutschland. Plus Aura. Denke ich so. Während ich meine Bruna vermisse, die sich mit Freundinnen vor einem Laden anstellt, der heute Döner für einen Euro verkauft. Während ich meine Nuria vermisse, die mit Freundinnen in Budapest weilt. Und erst kommende Woche zu mir kommt. Per Flugzeug. Gehe schneller als Bahn. Sagt sie. 

Und noch mehr Musik höre ich: Das Klacken des Verschlusses der Dose, in der meine Leckerli sind. Lässt mich in die Küche tanzen. Sabbernd. Dem Pawlow nacheifernd.

Und ich sehe: Wie Coco im Takt des Raps umher stolziert um Diego. Der ihr tatsächlich das letzte Leckerli gibt. Pech für mich. Ich könnte schreien. Katzenmusik machen. Sagt der unmusikalische musikalische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hört Musik – und chillt, Leute!

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