Rettersyndrom und Wal-Menschen

Manchmal blitzt auch im Menschen das Gute auf. Das Retter-Syndrom. Oft weniger im Umgang mit Artgenossen. Sondern vielmehr mit Tieren. Jedenfalls jenen, die sie nicht futtern. Und die hilflos sind. Wie ein junger Buckelwal, der vor einigen Tagen auf einer Ostsee-Sandbank vor Timmendorf Strand gestrandet ist.
Wo er definitiv nicht hingehört. Deswegen sind Bagger da, die Rinnen ausheben, damit sich das rund 12 Meter lange und 15 Tonnen schwere Tier freischwimmen kann. Via Nordsee, Richtung Atlantik. Wo der Wal hingehört.

Sein Schicksal bewegt nicht nur meine Leute. Sondern das ganze Land. Es gibt tatsächlich Liveblogs, selbst US-Zeitungen berichten. Und es sind Hunderte Schaulustige da, zig Journalisten, Kamerateams und Fotografen und sehen die Fontänen, die der Wal ausstößt. Hören seine Geräusche, die wie Stöhnen anmuten. Und unvermeidlich: Auch Politiker lassen sich ablichten.
Plus Aura für die Retter. Denke ich so. Warum aber nur retten Menschen nie mich? Vor Coco? Vor zu viel Zärtlichkeiten? Immer muss ich retten. Trost spenden. Wenn meine Bruna schlechte Mathearbeiten schreibt. Mein Diego Kot seiner jungen Schwimmschüler nach der Übungsstunde aus dem Becken angeln muss. Meine Laura von ihren jugendlichen Patienten beschimpft wurde.

Oder ich muss die Großeltern meiner Alea unterhalten. Weil Lina und Volker es offenbar für artgerecht halten, Leckerli zu werfen. Die ich dann kötergleich apportieren soll. Nun – wo Gute, wo Retter sind, muss es auch die Schlechten, die Zerstörer geben. Wie US-Präsident Trump. Der nun behauptet, es werde mit dem Iran verhandelt, um den Krieg zu beenden. Der Iran flehe darum. Und der Iran so: Verspottet Trump.
Man wisse nichts von Verhandlungen. Offenbar gehe es den USA mittlerweile so schlecht, dass man mit sich selbst verhandele. Woraufhin Trump das Ultimatum an den Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, ein zweites Mal verschiebt – vom 28. März auf den 6. April.


Tut gut, mal nicht Retter sein zu müssen. Finde ich. Gilt auch für Coco. Die absolut entspannt auf dem Sessel chillt. Yes, wir wirken. Wecken das Gute. Positive Energie. Sagt der mächtige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Beobachtet den Wal. Und chillt, Leute!






































