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  • 3. Juni 2026

    Crazy – Geburtstag für einen Toten und Drohnen für Putin

    Geburtstag für einen Toten – so schön absurd hätte er es gemocht, der Moro. Mein Kater-Bruder, der heute sechs Jahre jung geworden wäre. Wenn er vergangenes Jahr nicht einfach umgekippt wäre. Aber nice: Wir zünden eine Kerze, eine Regenbogenkerze an.

    Würdigen den Meister der skurrilen Gedanken, den sanften Revoluzzer, das beißende Raubtier. Mit Lachen. Und Leckerli. Coco schnappt sich auch meine. Sie wäre ohne Moros Tod nicht hier. Mittlerweile ist sie Establishment. Undenkbar, sie könnte nicht da sein. Leben ist crazy. So crazy. 

    Schön ist – da bin so sicher: dieser Tag, dieser Ehrentag wäre ein Geschenk für Moro gewesen. Weil crazy. Absurd. Skurril. Da treffen nun ukrainische Drohnen auch Ziele weit im Innern Russlands, dieses Mal in Sankt Petersburg. Dort stehen Ölterminals in Flammen. Nicht weit davon entfernt will Kremldespot Putin sein traditionelles Wirtschaftsforum eröffnen – eine Art russisches Davos. You know?

    Und Russland? Behält sich Vergeltung vor. Und bestätigt, dass gerade auch Putin-Freund, Ex-Kanzler Gerhard Schröder, in Russland weilt. Jener Schröder, den Putin vor gut drei Wochen als Vermittler für den Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht hatte. Jener Schröder, den die Bundesregierung und die EIU schon alleine deswegen in dieser Position ablehnten, weil dieser als Putins Gas-Lobbyist Geld einsackte.

    Und ich denke so: Dass der 82-jährige Ex-Kanzler, der zuletzt auch ein wenig gebrechlich wirkte, nun in Moskau auftaucht, deutet darauf hin, dass der Kreml ziemlich verzweifelt sein muss.

    Wie auch Deutschland: Das hat heute eine krasse Blamage auf internationalem Parkett erlitten. Deutschland scheiterte deutlich mit seiner Bewerbung für einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat 2027/2028. Für die beiden westeuropäischen Plätze in dem mächtigsten UN-Gremium wurden Österreich und Portugal gewählt.

    Österreich! Portugal! Die beide zusammen nur etwas mehr Einwohner als NRW haben. Und nicht gerade als Schwergewichte in der internationalen Politik gelten. Welch Denkzettel für Deutschland, denke ich so. Ganz offensichtlich goutiert die Mehrheit der internationalen Gemeinschaft die Politik Berlins und seine Attitüde nicht.

    Und mir fällt Deutschlands Eintreten für Israel trotz Völkerrechtsverletzungen ein, das Verhalten im Ukraine-Krieg, die Klima- oder auch die Umweltpolitik. Sich arrogant als Lehrmeister Aufspielende werden eben nicht geschätzt, denke ich so. Und Deutschland, eine der größten Volkswirtschaften, einer der größten UN-Geldgeber entscheidet nun nicht mit über internationale Einsätze und Sanktionen. Peinlich. Peinlicher. Deutschland. Oder auch besser so. 

    Dass dann auch noch berichtet wird, weltweit seien Bettwanzen auf dem Vormarsch, passt doch nur allzu gut. Wanzen. In Zeiten der Kriege. Welch herrliche Vorlagen für Moro. Die er mir nun weiterspielt. Und ich nicke per Kopf mal ein. Ins Tor der Erkenntnis.

    Moro wird seinen Spaß haben. Mit den Wanzen. Gratulation. Alles so crazy. Sagt der sentimentale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: feiert Moro und das Leben. Und chillt, Leute!

  • 2. Juni 2026

    Könnte ich doch nur Banksy sein!

    Du sollst keine Vorbilder neben mir haben. Spaß! Ein bisschen jedenfalls. Denn klar: ich bin zwar Vorbild, he he, habe aber selbst keins. Jedenfalls nicht so richtig. Klar, ich bewundere etwas – ein Kunstprojekt. Von jemanden, den niemand so richtig kennt. Weil er, sie oder es seine oder ihre Identität geheim hält. Bekannt ist nur der Name: Banksy.

    Und naturally seine genialen, oft an Wände gesprayten Kunstwerke: Zwei sich küssende männliche Cops, ein Mann vor Panzern, ein Panda mit Pistolen in der Hand, ein kleines Mädchen, dem ein Luftballon wegfliegt. Humorvolle, intelligente Gesellschaftskritik eben. Kunst, die Empathie, Zerbrechlichkeit ausstrahlt. Von der ich mich nur allzu gerne erleuchten lassen will. So dass ich mich unter den Kunstwerken platziere. Die meine Leute überm Küchentisch aufgehängt haben. 

    Es gelingt. Die Erleuchtung. Weil ich plötzlich die Realität sehe, die noch kurioser ist als Banksy Ideen. Oder besser: Absurder. Die Bundesregierung schwadroniert davon, die Jugend sei die Zukunft, also müsse sie besser gefördert werden. Was passiert? Forschungsministerin Bär gibt ein im Koalitionsvertrag von Union und SPD festgeschriebenes Vorhaben auf: Die Bafög-Reform.

    Demnach sollten Studierende ab nächstem Wintersemester deutlich mehr Geld bekommen. Und was sagt Bär dazu: Ihre eigene Tochter müsse auch jobben, um sich ihr Studium zu finanzieren.

    Wie perfide, denke ich so. Denn klar ist, dass es für diese Tochter nicht existenziell sein dürfte – das dazu verdiente Geld. Während viele andere Studierende in Kneipen und Restaurants dazuverdienen müssen, um ihr Mietzimmer zu bezahlen.

    Stattdessen kämpft die Regierung für die Alten, die Rentner, ihre Zielgruppe. Deren Bezüge sollen weiter steigen. Bezahlt werden die Renten von den Jungen. Welch herrliches, zeitgenössisches Sittengemälde könnte man hieraus skizzieren. Denke ich so.

    Und lamentiere: Hach, könnte ich doch nur Banksy sein. Hach, könnte ich doch nur eine Spraydose in der Pfote halten. Hach, könnte ich doch nur selbstbestimmt sein. Und raus- und reingehen aus meinem Revier, wie ich will. Um zu gestalten. Kunst. 

    Nun, ich liebe Banksys Idee, dass das Individuum, der Künstler voll hinter die Kunst zurücktritt. Unsichtbar ist, damit nur das Werk wirkt. Unabhängig vom Schöpfer. So könnte jedenfalls mal der Gedanke gewesen sein. Denke ich so.

    Mittlerweile allerdings überschattet der Hype, Banksy identifizieren zu wollen, seine Kunst. Und ich weiß: Wenn seine Identität tatsächlich entschlüsselt würde, ist die Faszination futsch. Für mich. Auch wenn sein Panda, sein Panzer und seine Pistolen großartig bleiben. Sagt der vorbildliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wahrt Geheimnisse. Und chillt, Leute! 

  • 1. Juni 2026

    Jagd auf ewige Jugend – Tötet Nazis (metaphorisch)

    Jagd ist was für die Götter. Also für uns. Kater – und auch Katzen. In der Dämmerung Hülle. Sind wir die Stars. Wenn sie sich da bewegt. Vor uns. Die Maus. Und wir so: Körperspannung, lauern, Arsch (sorry für den Ausdruck) hoch, geduldig sein – für den Moment der Momente: Den Sprung auf die Maus.

    Die sich dann mal wieder als Wollmaus entpuppt. Frustrierend. Für Coco. Aber so ist das. In unserer sogenannten Zivilisation. Wo nicht mal richtig geputzt wird, sodass diese Fusselbälle ständig durch das Revier schwirren. Und uns täuschen. Ärgerlich. 

    Menschen sind auch Jäger. Schlechte Jäger. Sie brauchen dafür Waffen. Also Gewehre oder Pfeil und Bogen. Oder auch Worte. Wie US-Präsident Trump. Der seine Feinde jagt. Nun aber ein Problem hat. Weil er einen Freund zum Feind stilisierte. Wenngleich das wohl auf sein Alter samt einer damit einhergehenden Demenz und seine Sinne deformierende Hybris einhergeht.

    Jüngst also drohte er dem verbündeten Oman, seine Bürger in die Luft zu jagen. Vielleicht, wahrscheinlich meinte er aber den Iran, mit dem er sich ja bekriegt. Gefragt worden war Trump, ob er sich vorstellen könne, dass der Iran und Oman gemeinsam die von den Iranern blockierte Straße von Hormus kontrollieren könnten. Und Trumps Antwort – siehe oben. 

    Ich bin mal positiv. Und glücklich, dass Trump nicht mich und meine Leute und ganz Deutschland in die Luft jagen will. Nachdem unser Deutschland-Chef Merz frech war und Trumps Iran-Krieg kritisiert hatte. Da reagierte der US-Präsident, zwar pikiert, aber fast sanftmütig: Und kündigte als Reaktion an, ein paar Tausend US-Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. Und die eigentlich versprochenen reichweiten-starken Tomahawk-Raketen doch nicht hier zu stationieren. 

    Tja, alte Menschen. Komisch. Alt will offenbar niemand sein. Beim 89. Geburtstag von Felixens Germanistik-Professor erzählte die 85-jährige Ex-Sekretärin, sie sei am Vortag mit dem Rennrad 82 Kilometer geradelt. Türlich ohne E-Motor. Eine elf Jahre jüngere Ex-Professorin kennt das Geheimnis ihrer Jugend: Tango tanzen. Das halte fit und jung – weil es sowohl Körper als auch Geist fordere – und man zugleich Gemeinschaft erlebe.

    Felix fegt die Wollmäuse zusammen. Stöhnt ob des schmerzenden Rückens. Und ich verstehe nicht, warum er so erschüttert war, dass der Vater eines Freundes, der ihn kürzlich nach Jahren wieder sah, sagte: „Na, bei Dir schlägt das Alter ja nun auch zu.“ Und am nächsten Tag dann geradezu euphorisiert erzählte, jene Tango-Professorin habe gesagt, er altere ja nun überhaupt nicht – zuletzt hätten sie sich vor drei Jahrzehnten gesehen.

    Und ich denke so: Was soll diese Jagd nach der ewigen Jugend. Jagt doch Mäuse. Wollmäuse. Jagt Nazis. Und tötet sie. Ist metaphorisch gemeint. Sure. Sagt der radikal jagende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Putzt. Und chillt, Leute! 

  • 31. Mai 2026

    Berstende Steine beim Tango in Buenos Aires

    Wer wenig erwartet, wird leichter auch mal positiv überrascht. Zur Illustration: Ich chille so auf meinem geliebten Stuhl unterm Tisch. Bin damit quasi unsichtbar für meine Leute. Was bedeutet: keine Leckerli. Und dann krabbelt meine Bruna zu mir. Mit einer Handvoll Leckerli – mehr auf einmal als ever before. Nur für mich. Und ich spüre den Kloß in meiner Kehle – bersten. Und könnte weinen vor Rührung. Wenn ich weinen könnte. So groß ist diese – unerwartete – Geste. 

    Ähnlich mit ist es bei Menschen beim Thema Erwartungen: Felix und Laura sind auf der Party zum 89. Geburtstag von Felixens Germanistikprofessor. In der Einladung hieß es, polnische Lyrik solle von zwei Philologinnen vorgestellt werden. Und Laura so: „Kann es nicht französische Lyrik sein?“ Und Felix attestiert: Ja, diese tolle Sprache,  Dieses großartige Land.

    Und dann – so erzählen sie – seien sie auf der Party in den Bann dieser polnischen Poesie geraten. Eine Professorin habe polnische Gedichte auf Deutsch, die andere danach auf Polnisch vorgetragen. Und die Gedichte hätten großartige Gedanken – über Leben, Existenz, Sinn und Verstand – oft augenzwinkernd ausgesprochen. Dazu dann der lautmalerische Klang der Sprache.

    „Gespräch mit dem Stein“ hieß ein Werk der polnischen Literaturnobelpreisträgerin Szymborska. Es gehe darum, dass ein Stein niemanden in sich hereinlassen wolle. Sagt Felix. Der Stein könne es nicht. Denn: Er sei ja aus Stein. Habe der Stein gesagt. Und hinzugefügt: Er habe auch gar keine Tür.

    Das Gedicht habe den Nerv der Festgesellschaft getroffen, erzählt Laura. Klatschen, Lachen. Und der Jubilar sagt dazu: Die Deutschen hätten Polen im Zweiten Weltkrieg verheerend zerstört. Es habe bis heute keine echte Versöhnung mit dem Land gegeben. Anders zum Beispiel sei das mit Frankreich gewesen.

    Dass die Versöhnung mit Polen nicht geklappt habe, sei auch an der Literatur zu sehen, sagt der Professor: Viele herausragende deutsche Werke seien nicht ins Polnische, viele großartige polnische Werke nicht ins Deutsche übersetzt worden. Auch aktuelle. Der Stein. Welch Symbol. Denke ich so.

    Im Garten des Professors hätten sich dann die Generationen getroffen. Erzählen meine Leute. Felix trifft eine Professorin, die er vor rund drei Jahrzehnten zuletzt gesehen hatte. Der Stein von damals, der zwischen ihnen lag, sei zerborsten. Durch die Zeit. Erzählt Felix. Damals war sie gerade Mutter eines Jungen geworden. Heute ist sie längst emeritiert. Und Felix und sie reden mehr miteinander denn jemals zuvor.

    Sie erzählt, sie lebe abwechselnd ein halbes Jahr in Buenos Aires und in Berlin. Und fröne ihrer Leidenschaft: Dem Tangotanz. Schreibe auch Essays darüber. Und sei froh, dabei nicht mehr an die engen Fesseln der Wissenschaft gebunden zu sein.

    Und ich denke so: Tanzen – nix für mich. Aber klar: gemacht habe ich es nie. Müsste auch mit vier Pfoten gehen. Sagt der erwartungshungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Zertrümmert die Steine. Und chillt, Leute! 

  • 30. Mai 2026

    Die Katze auf dem heißen Chefsessel -. das zerstörte Kunstwerk

    Die Katze auf dem heißen Chefsessel? Auf dem gedeckten Küchentisch? Auf dem Herd? Njet! Früher waren Kater und Katzen draußen, in Ställen oder höchstens auf dem heißen Blechdach. (He he, für die Experten: Kultfilm von 1958 mit der großartigen Liz Taylor!). Noch heute gibt es Menschen, die ihr Näschen rümpfen, wenn sie sehen, dass wir Kater in Betten chillen oder auf dem Frühstückstisch eine Art Deco darstellen.

    Oder wenn sie solcherart Fotos von Coco und mir sehen. Die Oma meiner Bruna hat solche Freundinnen. Die sich schütteln. Wenn ihnen so etwas gezeigt wird. So dass sie, Oma Lotte, ihnen diese, meine Gedankenfetzen, deswegen vorenthält. Weil ihre Freundinnen entsetzt ablehnten, was auf den Fotos zu sehen ist: Der Kater als intimer Teil der Familie. Denkt Oma Lotte. 

    Der große deutsche Regisseur Wim Wenders soll aus seinem preisgekrönten Film „Falsche Bewegung“, den er vor mehr als 50 Jahren drehte, eine Szene killen, in der die damals 13-jährige Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist. Das verlangt die Schauspielerin seit mehreren Jahren. Und Wenders so: Heute würde er den Film natürlich anders drehen. Heute sei die Welt aber auch völlig anders als vor 50 Jahre.

    Deswegen könne er auch seinem damaligen Ich keinen Vorwurf machen. Es gehe vielmehr darum, wie man mit Filmerbe umgehe. Dürfe und solle man Szenen rausschneiden, wenn sie einer Schauspielerin weh täten, dürfe man einen Film im Nachhinein kürzen? Wenn er das mache, schaffe er einen Präzedenzfall – dann seien nachträgliche Änderungen an allen Filmen möglich. Je nach Geschmacksrichtung. Je nach Zeitgeist. Seiner Ansicht nach müsse das diskutiert werden. Sagt Wenders.

    Und ich denke so, wenn Kinski ein Problem mit der Szene hat, dann raus damit. Man kann ja an der Stelle anmerken, was ursprünglich zu sehen war und warum es entfernt wurde. Klar, im Laufe der Jahre können Befindlichkeiten wechseln. Hmmm, ich zweifle: Wenn es dann weitere Änderungen geben sollte – wer will schon vollkommen zerstückelte Werke sehen.

    Und: Was, wenn Kinski in zehn Jahren dann doch wieder findet, dass exakt diese Szene diesen Film doch rund gemacht habe – und sie doch wieder rein solllte? Puuh, ich bin verwirrt: Muss ich tolerant gegenüber den Akteuren eines Kunstwerks sein oder gegenüber dem Kunstwerk?? Ich weiß es nicht. Und eigentlich ist mir das auch egal.

    Coco schnurrt weiter auf dem Chefsessel. Und meine Bruna fotografiert das. Ich weiß: Es wird Menschen geben, die dieses Stillleben nie zu Gesicht bekommen werden. Weil sie es nicht aushalten würden. Aber wer behauptet das eigentlich. Vielleicht würden sie es doch aushalten? Sagt der tolerante Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen. Und chillt, Leute! 

  • 29. Mai 2026

    Diagnose Größenwahn sprengt aufgeblähten Wal-Kadaver

    Und dann sind da die Tage, an denen ich mich sowas von überlegen fühle. Der Welt, meinen Leuten, Coco gegenüber. Und mich frage, warum das (fast) niemand rafft? Dass nur ich weiß, was richtig ist, wo es lang geht. Sollen sie doch einfach auf mich hören. Den Weltenformel-Kenner. Denke ich so.

    Denn ich kenne sogar die Diagnose, die über mich gestellt werden müsste: Größenwahn. Und sehen, wohin selbiger führen kann: An die dänische Küste. Denn da liegt nun der durch Fäulnisgase aufgeblähte Kadaver des Buckelwals Timmy. Und stinkt. Deswegen soll er jetzt an Land gezogen und entsorgt werden. Der Kadaver könnte sogar explodieren. Und Bakterien in sich tragen, die auch Krankheiten auslösen könnten. 

    Und die dänischen Experten so: Die sogenannten deutschen Retter hätten den armen Wal vor seinem Tod einem Martyrium ausgesetzt. Der ohnehin schwerkranke Timmy sei tagelang in einem Metallkasten eingesperrt gewesen, mit dem er von der deutsche Küste mit einem Schlepper aufs offene Meer transportiert wurde.

    Er sei dabei von Wellen hin und her geschleudert worden. Dazu sei er auch noch dem Motorenlärm des Schiffs ausgesetzt gewesen. Bevor er dann ins Meer geworfen worden sei. Und ich denke so: ja, die Hybris des Menschen, die Natur überlisten zu wollen. Ihr überlegen zu sein. Ist eben doch ein Irrweg. 

    Und dann ist da US-Präsident Trump. Ein US-Gericht demaskierte ihn. Seinen Wahn der Größe, nachdem er sich bereits einen Ballsaal am Weißen Haus bauen lässt und einen Triumphbogen errichten lassen will. Nun hat ein Gericht entschieden, dass sein bereits am renommierten Kennedy-Center, einem Kulturtempel, angebrachter Name wieder entfernt werden muss.

    Weil die Entscheidung für eine Namensänderung vom Kongress getroffen werden müsse. Und ich denke so: Puh, es gibt zum Glück noch Menschen, die sich gegen den mächtigsten Mann der Welt stellen. Und versuchen, den Größenwahn zu stoppen. 

    Zugleich erreichen die Drohnen eines weiteren Größenwahnsinnigen nun auch das Gebiet des Nato-Mitglieds Rumänien. Trümmer einer russischen Drohne von Kremldespot Putin fielen dort auf ein Hochhaus. Und ich denke so: Möge so etwas nicht der berühmte Funke sein, der dann zur Explosion führt. Und den Ukraine-Kirieg zu einem globalen macht.

    Ich wende meine Gedanken Coco zu. Meiner Muse. Manchmal. So komme endlich runter. Von meinem Wahn-Trip. Merke, dass Coco zwar größer ist als ich. Also körperlich. Why not? Denn: Was ist mit ihrem Geist? Sagt der gönnende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt realistisch. Und chillt, Leute! 

  • 28. Mai 2026

    Die Verlockungen der Täuschung: Der Iran-Krieg und ich

    Es gibt diese Tage, an denen ich mich gerne täuschen lasse. Von meiner eigenen Wahrnehmung. Um mich besser zu fühlen – und nicht so klein und unbedeutend, wie es mir mein Selbstbewusstsein vorgaukelt. Weil meine Bruna mich nicht streichelt, sondern über mich stolpert. Weil sie mir keine Leckerli gibt, sondern verfallenen Lachs serviert.

    Dann baut mich Täuschung auf und lässt Enttäuschung schwinden. Meine Bruna fotografiert Coco und mich. Und auf dem Foto schaut es aus, als ob ich deutlich größer wäre als sie. Tut gut. Meinem Selbst. He, he. 

    Wahrscheinlich ist ja das ganze Leben eine einzige Täuschung. Alle spielen damit, um besser zu erscheinen. Das ist auch im sogenannten Großen sichtbar – in Kriegen. Der Iran und die USA spielen seit dem 28. Februar ein einziges Täuschungsmanöver-Spielchen miteinander. Nach dem Motto: Wer am besten blufft, gewinnt den Krieg.

    Überziehen sich mit Vernichtungsfantasien, um unmittelbar danach zu schwadronieren, man sei ganz dicht an einem Abkommen, das zu Frieden führen könnte, um dann wieder mit gegenseitigen Angriffen zu starten.

    Und während die USA behaupten, der Iran wolle unbedingt ein Abkommen, sei bereit seine hochangereicherten Uranvorräte abzugeben und die Straße von Hormus wieder zu öffnen, behauptet der Iran, man habe Zeit mit einem Abkommen, über die Atomfrage werde später verhandelt, die Straße von Hormus werde unter iranischer Kontrolle stehen. Und so greifen sie sich weiter an. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…

    Denke ich so. Und frage mich – werden die Protagonisten sterben? Geht es nicht vielmehr um deren (wohl leider unsterblichen) Rollen, die Menschen einnehmen – und es ist eigentlich unerheblich, welcher Mensch sich darin befindet? Da er die jeweilige Rolle in den Systemen weiterspielen muss? Vor allem, wenn er und seine Unterstützer davon profitieren.

    Im speziellen Fall Iran-Krieg: Die iranischen Revolutionsgarden bleiben mithilfe eben dieses Konflikts an der Macht, die Trump-Jünger vermehren damit ihr Geld. Denn die ständigen Ankündigungen Trumps, es gebe bald Frieden, haben massiven Einfluss auf die Börsen-Kurse von Öl. Und dass die Insider in Trumps Regierung von ihrem Insiderwissen nicht auch finanziell profitieren – mir scheint es naiv, das nur als Verschwörungstheorie abzutun. 

    Ein Täuschungsmanöver-Spielchen betreiben auch Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Behaupten, es herrsche Waffenruhe. Und beschießen sich weiter. Israel ruft den Südlibanon sogar zur Kampfzone aus. Wie gesagt: In einer Zeit der Waffenruhe. Was bedeutet: Die offensichtliche Realität wird einfach geleugnet – die Öffentlichkeit mit dem Wort Waffenruhe getäuscht. Und die Zivilbevölkerung stirbt.

    Meine Bruna gibt mir Leckerli. Strichelt mich. Und ich lecke Coco. So groß. So stark. Sie kuschelt sich an mich. Keine Täuschung. Realität. Sagt der enttäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stolpert nicht. Und chillt, Leute!

  • 27. Mai 2026

    Köter, Currywurst und Walkadaver als Aufmerksamkeits-Booster

    Das Unbekannte, Neue, das lockt den Menschen. Immer wieder. Auch meine Bruna. Und so besucht sie Piet – den Freund meiner Nuria. Also, sie besucht nicht Piet, sondern seinen Köter Molly und seine beiden Katzen Lilly und Leo – beide übrigens Maine Coons. Dieselbe Rasse wie Coco also. Mit der ich hier in meinem vereinsamten Revier rumliege. Meine Bruna vermissend.

    Und ich höre beim Langweilen so nebenbei, dass in deutschen Kantinen die Beliebtheit der Currywurst als Mahlzeit von 2020 bis 2024 abgenommen habe. Wohl auch, weil vegan angesagt ist. Denke ich so. Und höre weiter: Nun sei die Currywurst aber wiederentdeckt worden. Steige seit 2025 in der Gunst der Kantinenbesucher.

    Und ich denke so: Bewährtes setzt sich eben durch. Was dann auch den Franzosen Hoffnung machen könnte. Denn zugleich wurde bekannt, dass diese 2025 erstmals mehr räudiges Bier tranken als edlen Wein. Die Franzosen! Ich bin sicher: Sie werden erkennen, was besser schmeckt – die Zeit spricht für den Vin. In vino veritas. 

    Selbst bei Themen wie Tod, Zerstörung und Verzweiflung stumpfen Menschen ab. Lechzen nach dem Neuen. Wiederkehrende Angriffe in Kriegen wie in der Ukraine oder in Nahost werden zur Randnotiz, weil sie zu einer neuen Normalität geworden sind. Die die nicht direkt Betroffenen, die Voyeure, langweilt.

    Und weit weniger berührt, als – sage ich mal: Das Schicksal eines vor der dänischen Küste verwesenden Walkadavers. Kremldespot Putin kennt die Sehnsucht des Menschen nach Neuem. Und spielt in seinem Krieg gegen die Ukraine auf Zeit, greift stetig weiter an – und setzt darauf, dass sich der Westen gelangweilt abwendet.

    Allerdings kann auch Putin selbst die Zeit gefährlich werden, da auch in seinem Land die Unzufriedenheit mit seiner „militärischen Spezialoperation“ steigt: Viele junge Menschen sterben an der Front, die Wirtschaft darbt.

    Und so setzt Putin einen grausamen Aufmerksamkeits-Booster ein: Er schießt eine Rakete auf die ukrainische Hauptstadt Kiew, die auch Atomsprengköpfe tragen könnte. Und lässt dort lebende Diplomaten und ausländische Staatsbürger wissen, es wäre besser, jetzt die Stadt zu verlassen. Aufregung, Angst schüren, Schlagzeilen, Macht zeigen. 

    Was das alles mit meiner Bruna zu tun hat? Nichts. Oder doch: Sie ist eben auch nur ein Mensch. Auf der Suche nach Neuem. Neuen Hunden, Katzen, Erfahrungen. Und auch bei ihr kommt der Erkenntnisgewinn erst nach einer gewissen Zeit – der Selbsterfahrung.

    Sie kehrt also von Piet, Molly, Lilly und Leo zurück. Der Köter sei schon toll, sagt sie. Schlafe viel. Die Katzen und er ignorierten sich meist. Ich lege mich auf ihren Schoß. Coco zu ihren Füßen. Meine Bruna genießt. Entspannt.

    Und ich so oberschlau: Das Gute kann so nah sein. Wird aber oft erst erkannt, wenn sich das Neue und vermeintlich Aufregende selbst als gewöhnlich entlarvt. Sagt der gelangweilte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt, was ihr habt. Und chillt, Leute!

  • 26. Mai 2026

    Kotzen bei der Suche nach dem Familien-Nazi

    Lernen Lebewesen aus der Vergangenheit? Ich denke: leider nein. Coco frisst Palmenblätter und kotzt hernach – erbärmlich von schmerzhaften Krämpfen geschüttelt – die langen Fasern wieder raus. Obwohl ich ihr zuvor schon zigmal mitgeteilt hatte, dass diese Blätter Magenschmerzen verursachen – und Katergras dagegen nicht nur einen Flash macht, sondern auch zum Kotzen weitaus besser geeignet ist.

    Und der Mensch so? Lernt der? Nun: Weltweit sind Rechtspopulisten und -extremisten auf dem Vormarsch. Trotz aller Erzählungen aus der Nazivergangenheit. Die gerade wieder mal einen Konjunktur-Booster bekommen. Denn derzeit ist es nach dem Motto: „Sucht den Familien-Nazi“ zu einem regelrechten Sport geworden, in von „Spiegel“ und „Zeit“ digital aufbereiteten NSDAP-Mitgliederakten Angehörige ausfindig zu machen.

    Felix gibt den Namen seines Großvaters ein. Sofort leuchtet die dazugehörige Akte auf. Eintrittsdatum in die Nazi-Partei: 1. Mai 1933 – wenige Wochen nach der Machtübernahme der Hitler-Partei. Kann man den Großvater dafür anklagen? Nein. Sagt sein Sohn, der Opa meiner Bruna. Denn sein Vater habe nie jemanden etwas Böses angetan, sei ein hilfsbereiter und guter Mensch gewesen, sagt Opa Volker.

    Und ich bin irritiert: Denn was bedeutet denn nun ein Treffer in diesen Datenbanken? Der Historiker Martin Winter erklärt, ein Parteieintritt alleine sage wenig darüber aus, wie sich eine Person im Nationalsozialismus tatsächlich verhalten habe. Klar sei aber, durch den Beitritt habe man eine Zustimmung signalisiert. Klar sei aber auch umgekehrt: jemand, der nicht in den Dateien auftauche, könne trotzdem durchaus etwas mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt haben.

    Und ich denke so: Kann jemand wirklich von sich behaupten, er oder sie wäre 1933 nicht in diese Partei eingetreten? Klar: Mit dem heutigen Wissen, natürlich nicht. Behaupte ich. Dann aber doch zweifelnd. Denn in Umfragen liegt die rechtspopulistische AfD mittlerweile auf Platz eins. 

    In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar gibt es seit kurzem Präventionsteams, liest Felix aus einer Reportage der „Süddeutschen Zeitung“ vor. Mittlerweile posierten einige vorwiegend junge Besucher mit Hitlergruß vor dem Eingangstor, kletterten in Verbrennungsöfen und posteten davon Fotos auf Instagram. Einige wüssten nicht einmal, wie der Zweite Weltkrieg endete.

    Aber es gebe da auch Menschen um die 50, die einfach behaupteten, die ganzen KZ-Geschichten mit den Masssenmorden seien Märchen, durch nichts bewiesen. Selbst wenn die Präventionsleute ihnen erklärten, dass es Tagebücher von damals, Briefe und von Historikern ausgewertete Dokumente gebe, werde geantwortet: Nein, das seien Geisteswissenschaften, die könne man so oder so auslegen.

    Kotzen ist kotzen. Und genausowenig wie der Holocaust Auslegungssache. Ob mit Gras oder Palmenblättern. Sagt der würgende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Zieht Lehren aus der Geschichte. Und chillt, Leute!

  • 25. April 2026

    Die Leiden des jungen C. – In Würde altern geht nicht

    Die Zeit ist wie die Erdrotation. Sie ist da, aber ich spüre sie nicht. Das Leben läuft so vor sich hin – unerbittlich. Und selbst ein vermeintlicher Stopp ist in dem Moment schon wieder Vergangenheit, in dem ich ihm gewahr werde.

    Immerhin merke ich dann, dass es so etwas wie Zeit wirklich gibt. Weil sich Dinge verändern. Wenn da plötzlich auf meinem geliebten Sonnenplatz ein riesengroßes Tier chillt, das vor einem Jahr noch gar nicht auf dieser Welt war. Und mich mittlerweile überragt. Zumindest was die Körperhöhe betrifft. Coco eben. 

    Älter werden. „Ab welchem Zeitpunkt hat sich das eigentlich gedreht, dass man nicht mehr älter werden wollte?“ Höre ich Felix Laura fragen. Und sie so: „Als Kind habe ich mich immer gefreut, ein Jahr älter zu werden, dann volljährig zu werden. Aber ich glaube, ab Mitte 20 ist so ein Punkt erreicht, da will man nicht mehr.“ Felix nickt: „Genau, die 30 war die erste Grenze, die alle verflucht haben. Das endgültige Ende der Jugend. Erwachsensein. Und der Beginn des Verblühens.“

    Und ich kann bestätigen: Felix und Laura verwelken nicht nur äußerlich. Heute ärgerten sie sich darüber, dass meine Bruna dieses – ich zitiere: Handy-Aufladeding eingesackt habe. Beide überlegen lange, wie das Ding denn nun wirklich heißt. Kommen nicht darauf. Dass sie sich über eine vermisste Powerbank ärgern.

    Die übrigens wie immer auf ihrem Nachttisch liegt. Und ich räume ein – ich bin nicht ganz unschuldig, dass sie eben diese Powerbank nicht entdeckt haben. Denn bei meiner letzten Jagd durchs Revier touchierte ich ein Buch, das dieses Gerät unter sich begrub. Titel des Buchs: „Die neuen Leiden des jungen W.“ Von Plenzdorf.

    Ich leide auch. Weil meine Leute keine Rücksicht auf mein empfindliches Gehör nehmen. Und der Song „Hier kommt Alex“ durch mein Revier dröhnt. Sie schauen eine Reportage über die Düsseldorfer Kult-Band Die Toten Hosen. Ihr Macher Campino will nicht mehr. Sagt, er wolle in Würde altern. Und kündigt das letzte Album an – nach mehr als vier Jahrzehnten.

    Sein Rucksack des Lebens, der werde immer schwerer, sagt der Mann, der mittlerweile 63 ist. Und erzählt, das künftige Rentnerleben habe er sich anders vorgestellt, als es jetzt sicher werde – denn er sei nochmals Vater geworden. Und ich denke so: Ja, ja, Würde, Rucksack des Lebens. Passiert des Öfteren, dass man selbst Schuld ist, dass der so voll ist. Und schwer.

    Coco bleibt auf meinem Sonnenplatz liegen. Ich tappe von dannen. Sehe mit Wehmut, mein Platz ist vergangen. Will ins Bett meiner Alten springen. Würde gerne laut singen: „Hier kommt Charlie“. Ohne Rucksack. Aber mit Hängebauch. Sagt der alternde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt den Moment. Und chillt, Leute!