Kategorie: Uncategorized

  • 3. Oktober 2026

    Lecken für eine gelingende Einheit, kotzen auf AfD-Rekordwerte

    Sie leckt mich. Ich leck sie. Es ist schön. Wir sind eine Einheit. Coco und ich. Am Tag der deutschen Einheit. Der gefeiert wird, weil am 3. Oktober 1990 der Einigungsvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik in Kraft trat. Gähn. Aber: Ohne die Vereinigung wäre ich jetzt wohl nicht Seite an Seite mit Coco.

    Weil Felix und Laura wohl kaum zueinander gefunden hätten, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Sondern sie in Hannover und Leipzig versauert wären. Und wir? Und meine Bruna, meine Nuria, Diego? Who knows? Also: Coco und ich würdigen es, die Einheit. Leckend.

    Während Laura flucht, heute den Kaffee schwarz trinken zu müssen. Weil die Geschäfte zu haben, was sie vergessen hatte. Und meine Bruna sich wundert, dass der Wochenmarkt vor der Haustür nicht wie sonst jeden Samstag da ist. Und die rechtspopulistische AfD außer sich vor Freude ist. Denn in einer Umfrage des Instituts Insa erreicht sie erstmals die 30-Prozent-Marke. 

    Eine weirde Zeit. Denke ich so. Während Coco über mir lungert. Denn zugleich fällt die Union in dieser Umfrage auf einen Tiefstwert: 18 Prozent. Reichen würde es nach dieser Umfrage nur noch für eine Dreierkoalition aus Union, SPD und Grünen. Tja – und dann sind auch noch 79 Prozent der Befragten mit der Arbeit von Kanzler Merz und der der Bundesregierung unzufrieden.

    Ich spüre den Kotzreiz. Denn damit ist klar, die Tendenz spricht weiter für die Rechtsextremisten. Und es ist so eklig. Ihren geifernden Jubel zu sehen. Sie seien nun Volkspartei. Und wie schön, ein solches Ergebnis am Tag der Einheit. Prahlen sie. Ungeniert.

    Und es scheint klar: 13 Jahre nach ihrer Gründung ist die AfD endgültig etabliert, hat einen Stamm von Fans. Die ihre mehr oder weniger exklusive Ablehnung von Ukraine-Hilfen und „Remigration“ voll cool finden. 

    Ich würge. Brauche heute dafür nicht mal Kotzgras. Eine offen rassistische Partei , die demokratiefeindlich agiert, Hass und Häme versprüht, ist auf Erfolgskurs. Es klingt so hilflos, wenn Bundespräsident Steinmeier in seiner Festtagsrede wohlfeil vor der Lust an Zerstörung, vor dem weiteren Erstarken extremistischer Parteien warnt – was auch durch Lügen und Manipulation in den sozialen Medien befeuert werde. Und die innere Einheit gefährde.

    Immerhin: Es gibt auch andere, die mir mehr Mut machen. Weil sie Kante zeigen. Wie der Komiker Hape Kerkeling. Der erneut vehement ein Verbotsverfahren gegen die AfD einfordert. Die Politik müsse jetzt handeln. Um das Volk zu schützen. Sagt er. Die Schmähungen und Drohungen durch Rechtsextremisten seien an Brutalität kaum zu überbieten.

    Tja, der Mann hat Recht. Denke ich so. Coco leckt mich. Ich lecke sie. Wahre Einheit. Durch gemeinsamen Genuss. Sagt der vereinheitlichte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wehret den Anfängen. Und chillt, Leute! 

  • 2. Oktober 2026

    Warum ich Japan liebe und einen Fahrstuhl als Erster verlassen würde, wenn ich Fahrstuhl fahren würde

    Der Mann der Katzen ist da. Martin. Felixens Kollege aus Japan. Ist zu uns gekommen. Um mich kennenzulernen. Wie er sagt. Weil er als Mitbewohner von drei Katzen in Tokio nun auch deutsche Katerkultur erleben wolle. Und ich ja nun besser als jeder andere Japan verkörpere: Weißes Fell, rote Zunge – die Farben der Flagge seines Landes. Und ich denke so: He, he. Der Mann hat Humor.

    Meinen Humor. Nett. Denn er füttert mich mit Leckerli. Und ich schenke ihm: Mein weißes Fell. Auf seinem blauen Sakko. Deutsche Gastfreundschaft. Denke ich so. Während sich Coco hinterm Herd versteckt hat. Auch deutsche Gastfreundschaft eben. He he.

    Martin lebt seit mehr als drei Jahrzehnten in Tokio. Liebt die japanische Mentalität. Und lacht über Lauras Freundin Josephine. Die kürzlich mit ihrem Mann Denis mehrere Monate in Japan war. Sich massiv in das Land verknallte. Und nun – back in meiner Muddastadt – am posttraumatischen Entzugssyndrom leidet. Oder so.

    Weil Japan so nice und damit ein solcher Gegensatz sei. Vor allem die Menschen dort: Aufgeschlossen, freundlich, nett, zugewandt, herzlich, ehrlich. Von innen heraus. Aggressionen gebe es nicht.

    Martin erzählt von seiner Ankunft bei uns im Prenzlberg. Fast wäre er zu spät gekommen. Die Ringbahn habe Verspätung wegen eines technischen Defekts gehabt. Das habe er antizipiert und sei 67 Minuten früher gestartet. Als er dann aus dem Bahnhof Greifswalder Straße gelaufen sei, sei ihm ein Mann entgegengekommen, der direkt vor ihm stehend angefangen habe zu kreischen. Erzählt Martin.

    Und weiter: Also habe er erst mal kehrt gemacht und sich eine Bank gesucht. Lange habe er es dort aber wegen des ätzenden Uringeruchs  nicht ausgehalten. Vor dem Bahnhof habe ihn eine riesige Baustelle empfangen, der schmale Fußweg übersät von Müll, zwischendrin eine Matratze mit einer darauf schlafenden Frau. Die Unterführung voller Graffiti. Unvorstellbar. Und ich denke so: Willkommen in Berlin. 

    In Japan dagegen sei alles sehr sauber, sagt Martin. Auch die öffentlichen Toiletten. Nirgends Graffiti. Keine Obdachlosen, ein sehr homogenes Stadtbild – fast nur Menschen, die als Japaner gelesen würden. Dazu: Exakt pünktliche Züge, Arzttermine ohne Wartezeit, nette Umgangsformen, der Kunde sei König.

    Ergo: Er könne die Begeisterung von Josephine, Denis und vielen Europäern für Japan sehr gut nachvollziehen. Weil das Land die Sehnsucht nach einem funktionierenden Staat erfülle. Good old Europe reloaded.

    Aber: Die Politik sei stramm rechts, ausländerfeindlich, obwohl das stark alternde Land Migranten ebenso wie Deutschland benötige. Es gebe für Arbeitnehmer nur zehn Tage Urlaub im Jahr. Die sich viele dann auch noch für mögliche Krankheitstage aufsparten, um den Kollegen nicht zur Last zu fallen. Alles, auch der Umgang miteinander sei streng formalisiert. Das müsse man lernen.

    Beispiel Aussteigen aus einem Fahrstuhl: Da könne es zu einer unauflöslichen Pattsituation kommen, wenn ein Vorstandsboss, eine Frau und ein Popstar drin seien und es darum gehe, wer zuerst aussteigt. Und ich denke so: Mensch, habt ihr Probleme. Ich würde als Erster raus hüpfen, he he.

    Während Coco unsichtbar bleibt. Und erst erscheint, als Martin weg ist. Und die Leckerli auch. Naturally. Sie rast zur Tür. Wimmert. Was denn nun? Fragt der kosmopolnische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: besucht Japan. Und chillt, Leute! 

  • 1. Oktober 2026

    Wie ich am Menschen verzweifle und zum guten Che Guevara mutiere

    Wir sind auch Revoluzzer. Sanft, still, aber stark. Wollen zeigen, wie eine bessere, gechillte Welt aussehen könnte. Denke ich so. Schade nur, dass uns Kater und Katzen keiner sieht. Von jenen, die auf dieser Welt so entscheiden. Von jenen, die andere Menschen demütigen, misshandeln, töten.

    Klar, wie so viele Menschen, so sehne auch ich mich nach selbstlosen Helden, die Haltung zeigen. Charismatisch und durchsetzungsstark sind, ohne Werte zu verraten. Ahnend, dass das gar nicht möglich ist. Weil die Mächtigen ihre Macht nicht widerstandslos aufgeben.

    Nun, vielleicht resultiert auch aus dieser Erkenntnis Heldenverehrung. Meine Leute feiern noch heute Che Guevara als Ikone für Widerstand, Rebellion und Emanzipation. Hängen Poster von ihm auf. Che, das ist jener Typ, der in den 1950er Jahren als Revolutionär die korrupte Militärdiktatur auf Kuba stürzte.

    Aber: Che war eben auch brutal. Ließ Gegner hinrichten. Und ich frage mich so: Ist gewaltfreie Rebellion eine naive Utopie? Ich schüttle mich. Wehre mich gegen den Gedanken. Und denke: Nein. Welt, schaut auf eure Kater. Und Katzen. Und mich. 

    Denn: Gewalt führt immer zu Vernichtung. Wie heute gleich zwei Horrorszenarien exemplarisch zeigen. Nummer eins: Im Cockpit eines Flugzeugs auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv greift der Co-Pilot den Piloten mit einem Messer an und versucht offenbar, die Maschine mit 174 Passagieren an Bord zum Absturz zu bringen.

    Ein Passagier kann den Co-Piloten überwältigen. In der Zeit stürzt die Maschine in knapp 30 Sekunden von 12.000 Metern um mehr als 4.300 Meter ab. Wie krass. Zwei Piloten, die als Passagiere dabei sind, landen das Flugzeug schließlich in Saudi-Arabien. Ob es ein Suizidversuch oder Terroranschlag war – ungeklärt.

    Die Menschen an Bord, die dachten, sie würden gleich sterben, hatten jedenfalls krasses Glück. Dass an Bord gleich mehrere Helden waren, die handelten. Und ihr Leben retteten. Israels Regierung hält einen Terroranschlag des Irans für möglich. Und ich denke so: Wie krass, dass es so weit kommen konnte. Wer rettet die Menschen. Wo ist ein charismatischer Leader?

    Horrorszenario Nummer zwei: Im US-Bundesstaat Tennessee sollte eine 1996 zum Tode verurteilte Mörderin durch Giftspritze getötet werden. Auch nach der zweiten Dosis atmet sie weiter – und wird erst einmal in ein Krankenhaus gebracht. Wie konnte sie es überleben? Ein Wunder? Oder war das Medikament mangelhaft? Die Dosis nicht hoch genug? Die Venen der Frau kaputt?

    Who knows? Ist ja auch irgendwie egal. Weil es um die Würde des Menschen geht. Die schon durch die Todesstrafe zerstört wird. Und nun noch einmal – durch die Folter bei der gescheiterten Hinrichtung. Horror. Auf welchem Niveau sich Menschen bewegen. Denke ich so. Fröstelnd. Mich an Coco drückend.

    Die Figur, die gesucht wird, muss visionär, überzeugend und optimistisch sein, Begeisterung auslösen. Authentisch, mutig, selbstlos und kompromissfähig sein. Sagt der revolutionäre Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht die Richtigen. Und chillt, Leute! 

  • 30. September 2026

    Mit dem Professore in der Krummen Lanke auf Kompromisssuche

    Es ist eben immer alles eine Frage der Perspektive. Denke ich so. Als ich in die Krumme Lanke eintauche. Jenem See im Westen meiner Muddastadt. Tiefes Grün, Algen, Fische unter mir. Und als ich mich drehe: Klares Blau, Sonne, Vögel über mir. Naturally: Ich imaginiere nur. Denn: Ich. Hasse. Wasser.

    Will aber dabei sein. Wenn Felix da heute mit seinem Germanistik-Professor Schwimmen geht. Und es um Perspektiven geht. Die naheliegenden: Ende September ein Bad in einem Berliner See – krass und nice. Aber: Eine Folge des Klimawandels. Oder: 24 Grad Lufttemperatur wirken extrem warm, wenn man aus einem See mit 16 Grad Wassertemperatur steigt.

    Oder: Durch einen kalten See schwimmen ist eine Frage des Willens. Auch des Alters, aber nicht nur. Und Felix sagt so: „Das Wasser war echt kalt. Aber der Professore war so schnell drin. Da musste ich auch….“

    Nun, der Professore, mittlerweile 89 Jahre jung, beschäftigt sich gerade ausführlich mit dem Thema Vermittler – als solchen er sich sieht. Zwischen Institutionen, Dozenten, Studenten. Auch in seiner Familie. Das liege zu einem Teil wohl auch in seiner Biografie begründet. Sagt er.

    Denn er sei der zweite von drei Söhnen gewesen, habe immer vermitteln müssen, zu dem Älteren, zu dem Jüngeren. Mit dem ersten habe er sogar zusammen die Schule besucht. Der sei für ihn immer so etwas wie ein Sonnenschirm gewesen. „Er schützte mich, nahm aber auch Licht.“ Als sein Bruder dann von der Schule abgegangen sei, sei er selbst erblüht. 

    Dass Vermitteln derzeit so abgewertet werde, sie für ihn schwer zu ertragen. Sagt der Professore. Alles, was mit Diskussionen, den Erarbeiten von Kompromissen zu tun habe, werde ja von vielen abgelehnt. Stattdessen würden die vermeintlich einfachen Lösungen gesucht, die vermeintlich dann auch noch alternativlos seien. Wobei eigentlich jedem klar sein müsse: Alternativen gebe es immer.

    Zu allem. Auch zum Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße, das nach zwei Jahren Sanierung morgen wiedereröffnet werde. Ein Ort der Lesungen und Autoren. Dessen Ausrichtung er Mitte der 1980er Jahre als damals vermittelnder Verantwortlicher maßgeblich mitzuverantworten gehabt habe.

    Und das heute in eine feministische Richtung gehe. Auch okay. Findet er. Abgesehen vom neuen Kürzel: LiBe… Klar sei: Gerade in Zeiten der Polarisierung sei Kompromissbildung  – und sei sie auch noch so schwierig – nötig.

    Zu lernen auch durch die beste Erfindung seiner Generation: Das Erasmus-Studiumprogramm. Ein internationales Kennenlern-Programm für multiple Sichtweisen. Um Kompromissfähigkeit zu erlernen. Und ich denke so: Eigentlich wissen alle Vernünftigen um die Wichtigkeit von Kompromissen. Die Unvernünftigen wollen es nicht hören. Begreifen es vielleicht aber auch nicht. Oder wollen es nicht hören, um Macht zu bekommen.

    Denke ich so. Und drehe mich im Wasser. Virtuelle Farbenpracht. Blick zum Strand. Wo die Menschen den Sommertag genießen. Es könnte so einfach sein. Redet. Hört zu. Versucht, verschiedene Perspektiven einzubeziehen. Sagt der philosophierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht und findet Kompromisse. Und chillt, Leute!

  • 29. September 2026

    Lost in Berlin: Handy-Diebe schlagen zu und ich kann nix tun

    Es geht auch ganz anders: Die böse Welt. Gleich nebenan. Neben der guten. Kleiner Rückblick auf Sonntag: Neben dem netten italienischen Restaurant, in dem der sizilianische Inhaber Pepe seine Philosophie eines guten Lebens propagiert und allen Menschen anbietet, bei ihm seinen 100. Geburtstag zu feiern (you know: mein Beitrag von gestern), logieren die aus München kommenden Jette und Urs, Tante und der Onkel meiner Bruna, in einem Hotel.

    Urs, der auch den Marathon mitläuft, geht um 7 Uhr in den Frühstücksraum, in dem sich zu dieser frühen Stunde scheinbar nur Marathongäste kurz vor dem Start stärken. Er holt sich einen zweiten Kaffee – und lässt sein Handy auf seinem Tisch liegen. Als er zurückkommt, ist das Handy weg. Erzählt Urs.

    Ein Gast bestätigt, ein Typ habe sich das Handy eingesteckt. Und Urs – ist zwei Stunden vor dem Marathonstart voll lost in Berlin. Will die auf dem Handy gespeicherten Kreditkarten sperren. Ist aber gar nicht so einfach, sich ohne Gerät bei den Hotlines zu legitimieren. 

    Stunden später erzählt der Hotelmanager, man habe die Täter auf Video. Es scheine sich um eine Diebesbande zu handeln. Zu sehen sei, dass vor dem Fenster des Frühstücksraums ein Mann gestanden habe, der zwei anderen an einem Tisch sitzenden Männern ein Zeichen gegeben habe, als Urs aufgestanden sei. Woraufhin einer der Beiden gekommen sei und sich das Gerät eingesteckt habe.

    Eigentlich sei der Raum nur für Hotelgäste mit Zugangskarte betretbar. Habe der Manager erzählt. Aber klar, wenn einer rausgehe, könnten auch Fremde reingehen. Und Urs so: „Das waren Profis. Haben das Handy sofort ausgestellt. Aber: Auch nicht so schlimm, der Bildschirm des Handys ist gebrochen.“

    Anzeigen will er den Diebstahl nicht. Viel Aufwand für wenig Ertrag. Übrigens: Heute gab es eine europaweite Razzia gegen Betrüger, die Handys aus alten Bauteile zusammenbauen und als fabrikneu im Internet anbieten… 

    Ditte is Berlin. Denke ich so. Und Urs joggt sich den Frust von der Seele. Schafft den Marathon mit Bravour. Naturally. Läuft am Restaurant des netten Sizilianers vorbei. Pepe habe ihm sogleich einen Platz in einer Hängematte angeboten. Samt Grappa. Und Fußmassage. Erzählt Urs.

    Plötzlich aber habe ihn ein ihm sehr bekannter, sehr spezieller Handyklingelton erstarren lassen. Der von ihm selbst kreierte Sound seines Handys – aus Pepes Tasche. Der habe seelenruhig das Handy – eindeutig seins (!!!) – hervorgeholt. Und dann gesagt: „Ja, Tisch für Kater Charlie, acht Personen, ist eingetragen. Für den 19. Juni 2122.“ Und ich denke so:  „Mein 100. Geburtstag. Nice.“

    Urs sagt, in dem Moment, in dem er Pepe das Handy habe aus der Hand reißen wollen, sei er aus seiner Trance erwacht. Mitten auf dem Rasen vor dem Reichstag. Ohne Handy. Aber mit Medaille in der Hand. „Doch nix für alte Männer, Marathon.“ Denke ich so. Schade, denn ich würde gerne meinen 100. bei Pepe feiern. Sagt der bewegte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Passt auf eure Handys auf. Und chillt, Leute! 

  • 28. September 2026

    Warum ich 100 werden muss: Pure Lebensfreude eines Sizilianers in Berlin

    Es gibt sie, die gechillten Menschen. Die ganz bei sich sind, in sich ruhen. Zufriedenheit ausstrahlen. Und auf andere übertragen. Meine Bruna hat gerade jemanden erlebt, auf den das sowas von zutrifft. Pepe, ein Italiener, der in Berlins Mitte ein Restaurant führt, in das die Oma meiner Bruna, Thea, die Familie einlud – abgesehen von mir.

    Also neben Felix und Laura noch ihre Tanten Beatrice und Jette sowie ihren Onkel Urs. Als Oma Thea zahlen wollte, kam ein strahlender Pepe aus der Küche. Bewunderte la familia. Vor allem aber la Maaammaaa, also Thea. Man müsse das Leben feiern, die schönen Momente genießen, so wie sie es tue. Sagte Pepe. Habe allen ein erstes Glas Grappa eingeschenkt. Und dann seine Story erzählt. 

    Anno 1976 wanderte Pepe von Sizilien nach Deutschland aus, öffnete in Bonn sein erstes Restaurant. Vor rund 20 Jahren zog er dann der Bundesregierung nach. Eröffnete hier in Berlin sein neues Restaurant. Ihm folgte ein Stammgast aus Bonner Zeiten – der nun alljährlich per Bahn aus Nordrhein-Westfalen anreist und zuletzt Mitte März bei ihm seinen 93. Geburtstag feierte. Große Party.

    Danach sagte ihm der Ehrengast dann, er wolle bereits heute eine Reservierung tätigen: Für den 17. März 2033 buche er drei Tische, dann wolle er hier mit einigen Gästen seinen 100. feiern. Pepe – eigentlich selten aus der Fassung zu bringen – lachte erst einmal, merkte dann aber schnell, dass der Gast die Reservierung ernst meinte. Und tatsächlich sein Handy zückte und per Wero sofort für diesen Termin 1000 Euro überwies.

    Pepe hatte nun ein Problem: Sein Pachtvertrag für das Restaurant lief 2029 aus – und er ist eben auch bereits 73. Dann aber dachte er nach, merkte, sein Leben ist Spaß, also das Restaurant. Inklusive natürlich Gäste und Mitarbeiter. Eigentlich, so überlegte er, wolle er immer weitermachen, auch mit 100 noch an den Pfannen und Töpfen stehen, um Vitello Tonnato, Spaghettini und Tiramisu zu zaubern.

    Menschen treffen, ihre Geschichten miterleben, das sei magnifico, das sei la vita cosi splendida. Also verlängerte er den Pachtvertrag erst mal bis 2037. Er prostet la Maaammaaa mit einem weiteren Glas Grappa zu. Blinzelt ihr zu, er werde auch versuchen, zu ihrem 100. da zu sein – auch wenn er selbst dann weit über 100 sein werde. 

    Italiano, so nice, denke ich so. Kater-like. Nicht mal fünf Jahrzehnte Deutschland konnten seine Lebensfreude deformieren. Der hat’s eben einfach drauf. Hat Spaß. Nimmt alles nicht zu ernst, vor allem sich selbst nicht.

    Und hört zu. So dass man sich verstanden fühlt. Willkommen und gesehen eben. Nur schade, dass ich selbst nicht dabei sein kann. Denke ich so und jumpe aufs Weinregal des Restaurants. Klar, nur virtuell, aber immerhin. Ich spüre die Stimmung, die Energie. Und who knows, wenn ich 100 werde, vielleicht werde ich dann doch eingeladen? Zu ihm, dem Sizilianer? Fragt der optimistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt den Moment. Und chillt, Leute!

  • 27. September 2026

    Warum Marathon vielleicht doch ok ist – nur nicht für mich

    Zurück ist er. Und wirkt irgendwie wie auf Dauerdroge. Entrücktes Lächeln. Schwarze Augenringe. Tief gefurchtes Gesicht. Schleppender Gang. Felix aber ist happy. Weil er es irgendwie geschafft hat.

    Ist die 42,195 Marathon-Kilometer gerannt. Durch den Moloch Berlin. Mit 56.000 anderen. Aus aller Welt. Fast viereinhalb Stunden. „Ich bin voll euphorisiert.“ Sagt Felix nun. Würde mich gerne greifen. Schafft er aber nicht. Sondern schreit auf. Sinkt auf das Sofa. Krampfgeschüttelt. Und auch noch stinkend. Menschenschweiß eben. 

    Ich raffe es nicht, was Menschen dazu bringt, sich das freiwillig anzutun. Und Felix so, stöhnend vom Sofa: „Die Atmosphäre, die Stimmung, die Internationalität. Alles so krass.“ 160 Nationen, englisch, italienisch, chinesisch, portugiesisch, polnisch and so on – ein einziges Sprachengewirr.

    Eine Teilnehmerin habe auf ihrem T-Shirt stehen gehabt: „Dafür bin ich 9.200 Kilometer geflogen.“ Und wird dann von Menschen mit südafrikanischer Flagge in der Hand bejubelt, die sie vom Straßenrand anfeuern. Andere notieren stolz auf ihren Trikots, sie seien das 50. Mal bei einem Marathon am Start.

    Wieder andere laufen gegen Rassismus. Daneben zwei Typen, mit glatt geöltem und gescheiteltem Haare, ihre Trikots mit Deutschlandflagge spazierertragend. Nicht weit entfernt: ein volltätowierter Mann, der nur noch Unterhose trägt. Gestylte Frauen in Miniröcken. Omas gegen Rechts. Und natürlich der Mann mit Ananas auf dem Kopf.

    Dicke, Dünne, über 80-Jährige, Teenager, Männer, Frauen, Queere, körperlich Beeinträchtigte – alle seien dabei, gluckst Felix. Alle seien vereint im Glücksrausch. Der Schmerzen. Denke ich so.

    Und dann die Zuschauer, schwärmt Felix: Mit Hupen, Trompeten, Pfeifen feuerten sie die Läufer und Läuferinnen stundenlang an. Zig Bands, Orchester und DJs heizten ein. Menschen hätten ihm Pappen entgegen gestreckt, gegen die man schlagen soll, um Kraft mitzunehmen. Kleine Kinder strahlten, wenn man sie abklatscht.

    Zu Beginn Schilder wie: „Vergiss nicht, Du hast 205 Euro bezahlt dafür, jetzt renn auch.“ Ab der Hälfte der Strecke: „Jetzt umkehren lohnt sich auch nicht mehr.“ Und dann, ab Kilometer 35: „Endspurt, Ziel in Sicht.“ Was natürlich nicht stimme. Aber trotzdem motiviere. Krächzt Felix vom Sofa. Auf das ich nun springe. Um ihn zu beruhigen. 

    Felix kann nicht stoppen. Bis Kilometer 25 sei alles leicht gegangen. Plappert er weiter. Dann habe der Schmerz begonnen. Plötzlich sei aus der Menge aber seine Laura mit lauten „Felix“-Rufen hervorgesprungen. Mit Schild in der Hand, auf der sein Name stand und: „Go, go.“ Ein Kuss. Und die Kraft sei wieder da gewesen.

    Dazu Anfeuerungen von meiner Nuria aus Palermo – via App. Von meiner Bruna am Streckenrand – via Schrei. Und dann, am Ende, die letzten zwei Kilometer – kurz vor der Ohnmacht – habe er an mich gedacht. Sagt Felix. An meine Coolness. Meine Ruhe. Die habe ihn ins Ziel getragen. Sagt der geehrte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vielleicht doch mal Marathon laufen und auf andere Gedanken kommen? Und natürlich: Dann chillen, Leute!

  • 26. September 2026

    Warum Marathon nix für mich ist – und für Mensch eigentlich auch nicht

    Es ist garantiert nicht artgerecht. Denke ich so. Als ich sehe, wie Felix sich so quält. Wenn er trainiert. Um 42,195 Kilometer zu rennen – am Stück. Morgen ist also das große Rennen in Berlin. Wo er mitmacht. Mit mehr als 56.000 Menschen aus mehr als 160 Ländern.

    Weltrekordler Sabastian Sawe ist verletzt und daher nur als Ehrengast dabei, dafür gibt es aber mit dem äthiopischen Superläufer Kenenisa Bekele auch einen anderen, der die Strecke um die zwei Stunden schafft. Also mehr als 20 Kilometer in der Stunde läuft. Wie krass.

    Und ich schwanke so zwischen Bewunderung, dass Menschen so was leisten können, wenn sie nur wollen. Und Verachtung, dass sie diese Energie nicht sinnvoll einsetzen – und sich beispielsweise mit Tausenden anderen an der Fassade der CDU-Zentrale abseilen, um mehr Klimaschutz zu fordern. Oder die Zentralen der rechtsextremen AfD besetzen und die Neo-Nazis demaskieren.

    Klar ist, Menschen können da etwas, was wir Kater nicht können. Wir sind Sprinter, schaffen über 40 Stundenkilometer, aber eben nur so um die 15 Sekunden lang. Kommt daher, weil wir es anders auch nicht brauchen – wir sind Fluchttiere. Und brauchen den extrem schnellen Antritt, um zu überleben.

    Menschen müssen weder schnell noch weit rennen, um zu überleben. Sie müssten sich dafür – für ihr Überleben – engagieren. Und ich denke so: Wahrscheinlich laufen sie sich die Seele aus dem Leib, um eben das nicht tun zu müssen. Weil Engagieren noch viel anstrengender als Rennen ist.

    Will aber mal positiv bleiben. Weil es auch ganz süß ist, Felix zu beobachten. Wie aufgeregt er ist. Wenn er vom Flair, von der Atmosphäre bereits vor dem Rennen schwärmt. Als er seine Startnummer abholte – in den Hallen des altehrwürdigen ehemaligen Flughafens in Tempelhof. Zusammen mit Menschen aus aller Welt. Alle ausgelassen. Aufgeschlossen. Mit demselben Ziel: Marathon. Schaffen.

    Drei Asiatinnen, um die 50, hätten ihn gebeten, sie mit Startnummer zu filmen. Und zu fotografieren. Sie seien bereits in Toronto, New York und Sydney zu solchen Rennen gewesen. Und hätten nicht gedacht, dass das mit den Startnummern in Deutschland so digital und unkompliziert laufe – dass der QR-Code eingescannt und dann die Nummer ausgedruckt werde. Sie hätten über Deutschland anderes gehört.

    Ein Stewart habe ihm dann erklärt, sein Startblock sei der, in dem auch die Krokodile und Pinguine starteten, erzählt Felix. Also die Verkleideten, die die Sache nicht so ernst nähmen. Er habe gelächelt, aber gespürt, wie sich die Hand zu einer Faust geballt habe. Sagt Felix. Denn klar: 4:15 sei schon eine Zielmarke. 

    Und schon sei er in einem Pulk von Läufern aus Chicago weiter Richtung Haupthalle geschoben worden. Sagt Felix. Merch ohne Ende. Unfassbar. Schuhe von zig Markenherstellern, Laufbänder, Gels, Trikots, Anbieter von Marathons in aller Welt. Kaufrausch.

    Er habe einen anderen Rausch gespürt: Laufen. Mit allen. Euphoria habe ihn gepackt. Sagt Felix. Mit dem nächsten Ziel im Kopf: Ultra-Marathon in Sankt Moritz. Und ich denke so: Laufen scheint zu verblöden. Aber: Träum weiter, Alta! Sagt der schnelle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bewegt euch. Und chillt danach umso genussvoller, Leute!

  • 25. September 2026

    Insomnia: Meine Nuria schlaflos in Palermo

    Schlaflosigkeit: Für mich absolutely unvorstellbar. Ich lege mich hin. Und bin sofort weg. In paradiesischen Welten. Fernab von Krieg, Mensch, Coco, Felix und Fliegen, die ich nie erwische – im Traum aber schon.

    Menschen aber haben mit dem Schlaf so ihre Probleme, ein Drittel der Deutschen klagt über Insomnia. Und ich denke so: kein Wunder. Bei dem Stress, den Menschen sich immer selbst machen. Ihren Selbst-Optimierungsdruck. Selbst der Schlaf muss top sein. Um dann das Optimum leisten zu können. Und natürlich, um länger zu leben.

    Gar nicht so neu, aber doch voll krass: Eine Uhr, die misst, wie gut man schläft. Schlafen also für ein gutes Ergebnis auf der Uhr? Und ich frage mich, wie man bei solchem Druck noch gut schlafen kann? Ich schlafe, weil ich schlafe. Ich chille beim Schlafen. Ich schlafe beim Chillen. Punkt. Kralle drauf. 

    Meine arme Nuria gehört zu jenen, die Probleme mit Schlaf haben. Schlaflos in Palermo. Denke ich so. Und eigentlich ist es klar, dass es so ist: Diego verlässt sie heute. Braucht Urlaub. Und jettet nach Marseille, um dann bei Montpellier Ruhe zu finden.

    Und ja: Wie ich das beschreibe, das klingt zynisch. Und ja: Ich bin es auch. Und ja: Weil ich neidisch bin. Und ja: Neid ist nicht nice. Und ja: Dagegen bin ich nun mal machtlos. Und ich muss mir also einimpfen: Mein Berliner Revier ist das beste Chill-Paradies. Viel besser. Als Montpellier. Oder Palermo.

    Zurück zu meiner Nuria: Die nun allein in Sizilien zurecht kommen muss. Fremde Sprache. Fremde Menschen. Fremde Uni. Kein Charlie. Kein Diego mehr. Dass einem da abends der Kopf schwirrt und Schlaf unmöglich ist – verständlich.

    Und so gebe ich mal Felixens Einschlaf-Empfehlung weiter, die 4-7-8-Methode: 4 Sekunden ruhig einatmen, den Atem anhalten und bis 7 weiter zählen, dann 8 Sekunden langsam ausatmen – und wiederholen … Man muss eben nur zählen können. Denke ich so. 

    Hach, dieser Kult um Schlaf. Klar, er ist wichtig: Hilft beim Regenerieren des Hirns (An alle Trumps der Welt: Schlaft!!!), beim Stärken von Herz, Kreislauf und des Immunsystems, beim Reparieren von Muskeln, kurz: Schlaf ist eine coole Medizin.

    Was mir aber so auffällt: In meinem Umfeld sind es nur Weibchen, die über Schlafprobleme klagen, neben meiner Nuria Laura, ihre Schwester Beatrice, Oma Lotte und Tante Dörte. Die Männer behaupten alle: „Ich kann immer schlafen.“

    Oder, frage ich mich so, geben sie es nur nicht zu, dass es da Probleme gibt? Weil es ein Zeichen der Schwäche sein könnte? Denn: Warum nutzt Felix die 4-7-8-Methode? Don’t know. Klar ist: Wer das Ziel hat, seinen Schlaf zu perfektionieren, muss scheitern. Und das kann dann sogar Schlafangst auslösen.

    Die Psychologin Stephanie Romiszewski sagte jüngst der Süddeutschen Zeitung: „Menschen, die sehr gut schlafen, tun meistens nichts bewusst dafür. Sie schlafen einfach.“ Auf jeden Fall dürfe man erst ins Bett gehen, wenn man müde sei.

    Hach, wie gerne würde ich mich einfach fett und breit auf meine schlaflose Nuria kuscheln. Auf ihrem Balkon in Palermo. Und sie dann in den Schlaf chillen. „Jedes Kind kann schlafen lernen“, zitiert Felix den Titel eines Buchs, das Laura und er einst bei Diego anwandten, der nächtelang durch schrie.

    23 Jahre später schläft Diego gut – in Frankreich. Gut schlafen lernen könnten auch alle Erwachsenen, auch Nuria. Mit meiner Hilfe. Sagt der müde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entspannt euch. Und chillt, Leute!

  • 24. September 2026

    Abgedreht: Nurias Feminismus-Offensive in Palermo ganz ohne Zauberwürfel

    Kater sind filigran. Naturally. Was die Geschicklichkeit mit der Pfote angeht, haben wir qua Natur allerdings leichte Defizite im Vergleich zum Menschen – und deren Händen. Was sich besonders gut beim Spiel mit dem Rubik’s Cube zeigt – diesem bald fünf Jahrzehnte alten Geschicklichkeitstest, der es geschafft hat, sich den virtuellen Welten entgegen zu stellen und immer noch absolut attraktiv zu sein.

    Auch für einen – zugegeben kleinen – Teil der Jugend. Und auch für mich! He he. Und für Diego. Der das Ding wie ein Handy immer bei sich trägt. Davon fasziniert ist, Stunden damit verbringt, es möglichst schnell hinzubekommen, die Seiten des Würfels durch Drehen jeweils einfarbig zu gestalten. Was ich auch versuche – immer wieder. Aber, boah, krass, meine Krallen, obwohl eingezogen, verkanten sich im Würfel. Shit happens.

    In China hat es eine Sechsjährige geschafft, den Zauberwürfel in Rekordgeschwindigkeit in die „richtige“ Position zu drehen. Mehrere Male unter 4,5 Sekunden, Bestwert: 4,27 Sekunden, Weltrekord bei den Frauen. Unfassbar, schaut es unbedingt auf YouTube. Krass.

    Ihre Ma sagt, das Mädchen sei seit rund zwei Jahren täglich zwei bis drei Stunden mit dem Würfel beschäftigt. Und: Früher sei sie unsicher gewesen. Die Beschäftigung mit dem Würfel habe sie selbstbewusster gemacht. Nun gut, ich hinterfrage mal nicht, ob es da nicht auch andere Faktoren für geben könnte.

    Klingt ja einfach zu gut. Die Story. Aber eigentlich, ganz eigentlich, kann mit dem armen Mädchen was nicht stimmen, denke ich so. Nebenbei: Bei Männern liegt der Rekord bei 3,51 Sekunden. He he. 

    Man stelle sich mal vor, Kinder und Jugendliche in aller Welt würden die digitalen Welten, in denen sie sich zumindest in Deutschland laut Statistik durchschnittlich knapp vier Stunden täglich bewegen – gegen diese Zauberwürfel-Welt eintauschen. Könnte es sein, dass sie ein anderes Verhältnis zur realen Welt entwickelten – und vor allem Selbstbewusstsein?

    Vielleicht gar ein Problembewusstsein für die Gestaltung der Welt, ihrer Zukunft. Würden sie dann auch in real dafür kämpfen? Und ich sehe die Aktivisten von Robin Wood, die sich an der Fassade der CDU-Zentrale in Berlin abseilen und Banner enthüllen, auf denen sie mehr Klimaschutz und Kampf gegen Rechtsextremismus fordern.

    Und ich höre meine Nuria, die zeigt, dass Selbstbewusstsein auch ohne Zauberwürfel möglich ist – denn sie ist der Leidenschaft nicht verfallen. Sie erzählt, sie sei mit einem jungen Iraner zeitgleich zum Italienischkurs in der Uni von Palermo angekommen.

    Der junge Mann habe ihr die Tür zum Seminarraum aufhalten wollen. Und sie so; „Danke, sehr nett, aber geh ruhig du zuerst.“ Der Mann sei total verwirrt gewesen. Dann habe sie hinzugefügt: „Feminismus.“ Und ich frage mich so, ob der Iraner das Italienisch meiner Nuria verstanden hat. Anderes Thema.

    Sicher ist: Die Welt ändert sich rasant. Wir Kater auch. Der Würfel bleibt. Ich drehe und drehe. Am Würfel. Coco hat keine Lust. Diego hat es in 52 Sekunden geschafft.

    Und ich bekomme mit, in Bolivien sei eine neue Katzenart entdeckt worden. Kleiner als Hauskatzen, die Fellzeichnung erinnere an Leoparden. Deswegen der Name Leopardus tilcayo. Die Pfoten sind groß. Geeignet für den Zauberwürfel. Sagt der filigrane Hauptstadtkater. Der über euch wacht und seit 129 Stunden dreht – und es nicht schafft. Und jetzt: Dreht auch, aber nicht ab. Und chillt, Leute!