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  • 23. Juni 2026

    Widerliche Geburten und Deutsch im deutschen Freibad

    Klar, Kinder sind wild, crazy, weird. Klar, die Großen wollen sie zurechtstutzen und nennen das erziehen. Und verzweifeln dabei regelmäßig. Klar ist auch: Die Kleinen werden von ganz allein groß. Und die Sorgen der Großen – unbegründet. Meist.

    Und so bin ich auch entspannt, wenn ich auf Coco schau. Die sich entwickelt. Positiv. Mit meiner Hilfe: Vom ungestümen Wildfang zur reflektierten Katze. Sinnierend, erkennend, analysierend. Denke ich so. Klar: Sie ist über ein Jahr. 

    Bedeutet: Wir. Beide. Sind. Erwachsen. Nun also auch Coco. Jedenfalls ein bisschen. Sehe ich an ihrer aufrechten Sitzhaltung. Und nun verstehe ich auch auf nonverbaler Ebene, dass sie wie ich vom Tun der Menschen angewidert ist.

    Da gibt es ein Strandbad in Sachsen-Anhalt, in das künftig nur noch Menschen reinkommen sollen, die Deutsch sprechen können. Begründung: Vor Kurzem habe der Chef des Bades ein Kleinkind aus dem Wasser retten müssen – die Eltern hätten kein Deutsch gesprochen und weder ihn noch die Baderegeln verstanden.

    Really? So argumentiert der Mann? Frage ich mich so. Damit wird eine Gruppe von Menschen vom kühlenden Bad einfach ausgeschlossen. Mit einer hanebüchenen Begründung. Und ich frage mich so: Welcher Deutsch sprechende Gast liest die Regeln? Wer hält sich daran? Müssen potenzielle Gäste künftig vor dem Betreten einen Sprachtest absolvieren? Auch Amerikaner?

    Und das in einem Bundesland, in dem die rechtspopulistische und ausländerfeindliche AfD in Umfragen auf mehr als 40 Prozent kommt. Kennen die eigentlich keine KI-Übersetzjngsprogramme. Frage ich mich so. 

    Menschen sind eben Meister der Ausgrenzung der eigenen Spezies. Besonders gut zu beobachten auch bei der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko, wo es oft gar nicht so die Ergebnisse und Spiele sind, sondern vielmehr die Storys am Rande sind, die das Event glitzernd lassen, ihm ihre einzigartige und absurde Note verpassen.

    Eine französische Sportjournalistin bashte nun einen belgischen Spieler, der wegen der Geburt seines ersten Kindes zu seiner Frau zurückreisen will – während der Weltmeisterschaft. Unfassbar das! Findet auch die Journalistin. Und meint: Die Geburt sei ein widerlicher Moment, der Vater sei dabei eh nutzlos. Die WM sei dagegen die Verwirklichung eines Kindheitstraums.

    Krass, finde ich so. Dass sich so viele Menschen über die französische Reporterin empören. Sie hat doch recht. Welcher Kater würde beim Wurf seiner Kitten dabei sein? Keiner. Allein deswegen, weil keiner weiß, welcher Wurf überhaupt von ihm ist. Was auch daran liegt, dass wir in Sachen Fortpflanzung wirklich fleißig sind. Jedenfalls die nicht Kastrierten unter uns. Seufz.

    Nun, die Journalistin moderiert erst mal nicht mehr. Und Coco? Streift um mich herum. Kuschelt mich. Beißt mich. Ganz unerwachsen. Denke ich so. Aber auch nice. Sicher ist: Coco und ich werden keine Eltern. Schuld daran haben unser Alten, Felix und Laura. Die uns wichtige Körperteile wegschneiden ließen. Zu ihrem Pläsier. Empörung. Sagt der enteierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sprecht  Deutsch. Und chillt, Leute! 

  • 22. Juni 2026

    Larry leuchtet in England und ich suche Dämmerung in Berlin

    Ab heute wird es wieder dunkler. Tag für Tag. Sonnenwende erreicht. Die Zeit rast. Wie wunderbar. Denke ich so. Denn ich liebe der Dämmerung Hülle. Liegt in meinen Raubkatzen-Genen. Mein Blick fällt auf die sinnierende Coco. Die ganz offensichtlich reflektiert.

    Über vergangene Handlungen, die aus gegenwärtiger Perspektive absurd, nicht mehr nachvollziehbar erscheinen. Fliegen jagen beispielsweise. Zerstört oft Glas. Ist selten erfolgreich. Und wenn doch: Dann schmeckt die Beute ekelhaft. Und krabbelt noch im Hals. Welch weise Erkenntnis. 

    Und ich denke an Großbritannien. Weil es da auch einen weisen Kater gibt, der sicher nur noch sein Haupt schüttelt, wenn er über die Politik seines Landes sinniert. Larry the Cat, der Hauskater der Londoner Regierungszentrale Downing Street Number 10, muss sich schon wieder auf einen neuen Hausherrn gefasst machen. Denn heute verkündete der amtierende, Keir Starmer, seinen Rücktritt.

    Er versprach Change – die meisten im Volk merkten: Nichts. Was es ihm und seinen Vorgängern schwer machte: Die Folgen des Brexits – der Austritt der Briten aus der EU vor zehn Jahren. In dieser Zeit hat das Vereinigte Königreich nun sechs Premiers verschlissen. Und Larry, chief mouser of the cabinet, auf Instagram: „He resigned, so I can shine.“ (Er trat zurück, damit ich leuchten kann.“) Recht hat er. Denke ich so: Also: Think positive. 

    Schon damals, 2016, war der Brexit nicht nur surreal, sondern absurd. Und kam nur mit knappster Mehrheit und populistischer Meinungsmache durch. Denn: Eigentlich war es toll für die Briten, überall in der EU arbeiten und studieren zu können. Und andersrum. Eigentlich war es toll für die Volkswirtschaften, Waren zollfrei senden zu können.

    Und dann: In den vergangenen zehn Jahren sank das Bruttoinlandsprodukt der Briten um acht Prozent. Es gab nicht genug Erntehelfer, weil die aus Osteuropa weg waren. Und die Weltlage hat sich mittlerweile geändert: Mitten in Europa tobt ein Krieg, in den USA regiert ein unberechenbarer Autokrat,

    Und es bräuchte ein geeintes, starkes Europa, um demokratische Grundwerte zu verteidigen. Sehen auch viele Briten so: 58 Prozent würden gerne zurück in die EU, besonders viele junge Menschen fordern das. 

    Larry wusste schon vor zehn Jahren, dass Brexit Quatsch ist. Menschen vergessen eben schnell. Sieht man auch an meinen Alten Felix und Laura: Die trafen erstmals seit 15 Jahren wieder ihre Freunde Gustav und Thea. Und ihre Haupterinnerung: Felix habe damals, anno 2003 an den Gardasee nach Italien, ein Glas Nutella mitgenommen.

    Und ich denke so: Häh, so what? Ist doch wie heute. Manches ändert sich eben nie. Und dann sehe ich Coco. Wie sie aufspringt. Hechtet. Dabei ein Glas mit Wasser vom Tisch wirft, das klirrend zerschellt. Und sich eine fette Fliege krallt. Die vor ihr zappelt. Hmmmm. Sagt der enttäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: genießt Helligkeit. Und chillt, Leute! 

  • 21. Juni 2026

    Warum Trump Basilikum fressen sollte und Albas Sensation

    Alle sind so aufgeregt. Und ich sage: Beruhigt euch. Für wahre Erkenntnis. Helfen dabei kann der Genuss von Basilikum. Beruhigt, unterstützt die Verdauung. Und uns Katern und Katzen hilft das Kraut gar, den Kotzreflex auszulösen. Extrem günstig, um unnützen Ballast loszuwerden. Rauszuwürgen. Fellballen beispielsweise. You know? 

    Trump ißt definitiv zu wenig Basilikum. Der daueraufgeregte Typ regt sich nun auf, dass der sogenannte Reflecting Pool in der US-Hauptstadt nicht – wie nach Sanierung gewünscht – blau, sondern grün leuchtet. Was für ein Pool, fragt Ihr, liebe Leserinnen und Leser? Nun: Dieser Pool gilt als Wahrzeichen – ein 600 Meter langes Becken zwischen dem Lincoln Memorial-Denkmal und dem. Obelisken Washington Monument.

    Trump hatte das Becken vor Kurzem für 14,2 Millionen Dollar renovieren lassen. Den Auftrag vergab er ohne Ausschreibung an eine von ihm favorisierte Firma. Er begründete das mit der Dringlichkeit. Zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli sollte der Pool dunkelblau leuchten. Und an das Blau in der Nationalfahne erinnern. 

    In den vergangenen Tagen aber färbte sich das Wasser grün. Algen. Und dann blätterte auch noch die blaue Farbe der Bodenbeschichtung ab. Und ich denke so: Welch herrliches Symbol für den Verfall von Trumps bröckelnder Macht. Je grüner das Wasser, desto wütender Trump.

    Der nun aber Schuldige braucht. Und entdeckt: Vandalen seien verantwortlich für das Desaster. Behauptet Trump, ohne Beweise vorzulegen. Die hätten mit einer Klinge die Beschichtung geritzt und ätzende Chemikalien in den Pool gegossen.

    Hmmm, es könnte auch anders sein. Denke ich so. Es ist auch in Washington sehr heiß. Wofür auch der von Trump geleugnete menschengemachte Klimawandel verantwortlich sein kann. Und Wärme löst nun mal Algenwachstum aus. 

    Mich erinnert die Farbe des Reflecting Pools an die der Basilikumblätter, von denen Coco nicht lassen kann. Vielleicht sollte Trump mal einen Schluck aus seinem Pool nehmen, ihn am besten ausschlürfen. Um sich zu beruhigen. Um sich dann auszukotzen. Inklusive seiner Hybris beispielsweise.

    Unwahrscheinlich. Weiß ich natürlich. Aber Wunder geschehen. Diego ist glücklich, weil sein Team Alba Berlin heute sensationell Basketballmeister wurde. Durch eine Wahnsinns-Aufholjagd gegen Bayern München. Unbekannt, ob die vorher Basilikum futterten. Glück, Glaube, Gelassenheit. Sagt der aufgeregte Hauptstadtkater. Und jetzt: Futtert Basilikum. Und chillt, Leute!

  • 20. Juni 2026

    Nichts ist für ewig: Nurias Abschied und Irans Opposition

    Traurig. Das nichts für ewig ist. Schon wieder steht ein Abschied an: Meine Nuria sagt Good-bye. Sie sagt, sie müsse zurück ins schnöde Freiburg. Als ob. Sie wird fehlen. Und das tut so weh. Da sie eine wahre Kater-Katzen-Flüsterin ist.

    Siehe Coco, die ihrem Charme ebenfalls komplett erlegen ist. Aber klar, ohne Tiefen keine Höhen keine Tiefen. Wie langweilig, wenn immer nur die Sonne scheinen würde. Obwohl – eigentlich wäre es nett. Denke ich so. Wenn die Sonne immer meinen Pelz wärmte. Oder meine Nuria immer da wäre.

    Andererseits: Schon gut, dass die Vanitas, äh, Vergänglichkeit alles und alle trifft – und damit auch den holy Shit des Lebens. Also auch die iranischen Revolutionsgarden. Und auch US-Präsident Trump. He he. 

    Allerdings, ob es nach gefühlten Ewigkeiten Depression dann irgendwann tatsächlich heller wird, oder die Depression erst einmal nur eine andere wird – who knows? Im Iran allerdings kann es eigentlich nur aufwärts gehen. Irgendwann. Es ist so erschütternd, die Schicksale von Oppositionellen, die gefoltert und ermordet werden, mitzubekommen.

    Hilflos abzuchillen. Im Arm meiner Nuria. Mit dem Wunsch abzuschalten, weil es kaum auszuhalten ist. Und ich dann bei der Fußball-WM in den USA die iranische Mannschaft kicken sehe. Und der Weltfußballverband Fifa, aber auch die Kommentatoren so tun, als ob das Team ein legitimer Vertreter des Landes sei. Und iranischen Oppositionellen in den USA sogar verboten wird, die Nationalflagge im Stadion zu zeigen, die bis zur islamischen Revolution 1979 Symbol für den Staat war. 

    Die in den USA lebende iranische Aktivistin Gazelle Sharmahd ist empört: Das Mullah-Regime sei keine iranische Regierung, sondern eine Besatzungsmacht, die seit 47 Jahren Massaker am iranischen Volk begehe. Im Januar seien alleine 35.000 Menschen von den Schergen des Regimes ermordet worden. Sagt sie der „Süddeutschen Zeitung“.

    Die iranischen Nationalspieler seien nicht danach ausgewählt worden, wer am besten kicke, sondern wer das Regime am besten vertrete. Die Nationalspieler, die gegen das Regime seien, säßen im Gefängnis. Dass die US-Regierung von Trump nun eingefrorene Gelder für das iranische Regime freigeben wolle, halte die Terroristen an der Macht. Und somit hätten die USA an dem Desaster eine große Mitschuld. 

    Trauer. Meine Nuria wartet bereits seit Stunden am Bahnhof auf Züge nach Freiburg, die nie kommen. Ewigkeiten. Aber dann doch. Während die Massen in Kneipen auf Großbildleinwänden leiden. Und jubeln. Wenn der Iran bei der WM ein Tor schießt.

    Wut, Empörung, Erleichterung. Tiefen, Höhen. Und die diffuse Hoffnung, dass nichts für ewig ist. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hofft auf ein Ausscheiden des Teams der iranischen Terroristen. Und chillt, Leute!

  • 19. Juni 2026

    Garfield und ich: Der vierte Geburtstag

    Vier Jahre! Bin ich nun. Ein Zeitspanne, so lange wie der Erste Weltkrieg. Aber: Der Ukraine-Krieg dauert sogar schon länger. Und meine Bruna sagt: „Ups, jetzt ist Charlie kein Kind mehr, vier ist für einen Kater nicht mehr richtig jung.“ Und ich erschrecke. An meinem Geburtstag.

    Nur getröstet mit Gedanken an einen alten Menschen, der noch fit ist: Lionel Messi, der argentinische Fußball-Superstar, der hat in dem für Profi-Fußballer biblischen Alter von 38 Jahren kürzlich in einem WM-Spiel drei Tore geschossen. Also: Das Alter ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit Trübsal, Krankheit, Langeweile. Denke ich so. Obwohl – wenn ich da Felix sehe, wie er in seinem Homeoffice vergammelt. Und immer grauer wird. Seit sechs Jahren… 

    Es ist Geburtstag, also fort mit den trüben Gedanken. Denke ich so. Denn ich bekomme nicht nur Leckerli, Würstchen und Sonder-Streicheleinheiten samt ständigem Hochgehebe vor debil strahlende Gesichter, die mich beglückwünschen. Sondern auch eine richtige Überraschung.

    Felix zeigt sie mir: Die „Süddeutsche Zeitung“ würdigt heute einen anderen Kater, einen Kater, den ich really schätze. Garfield. Und warum wird ihm gehuldigt? Weil er heute ebenfalls Geburtstag hat. Zumindest jährt sich heute der Tag der Erstveröffentlichung des Garfield-Comics zum 48. Mal. Am 19. Juni 1978 tauchte der von Jim Davies geschaffene Kater erstmals in US-Zeitungen auf.

    Und trat dann seinen weltweiten Siegeszug an. Und Garfield, klar, der ist weird, aber auch cool. Nicht sein orange-getigertes Fell, seine Lasagne-Leidenschaft oder seine Körperfülle. Sondern sein zynischer Humor. Sein cooler Umgang mit Kötern. Seine entspannte Weltsicht. Die in seinem Lieblingssatz gipfelt: „Ich mag keine Montage.“

    Kann ich nachvollziehen. Aber vor allem: Ich mag keinen Trumps. An den US-Präsidenten werde ich unwillkürlich durch meinen Ehrentag erinnert. Auch Trump hatte ja vor ein paar Tagen Geburtstag. Und der Typ beschenkte sich selbst: Ließ zu seinem 80. blutige Gladiatorenkämpfe vor dem Weißen Haus in Washington aufführen.

    Und bekam dann von Bundeskanzler Merz beim Gipfel der sieben wirtschaftsstärksten Länder im französischen Evian ein Trikot der Deutschen Nationalmannschaft geschenkt, beflockt mit der Nummer 47 – Trump ist der 47. US-Präsident. Der wusste mit dem Shirt erst mal gar nichts anzufangen, lächelte dann und knüllte es zusammen. 

    Tja, Geschenke sind eben gar nicht so einfach. Denke ich so. Da lobe ich mir doch Leckerli und Würstchen. Und einen zusätzlichen Schlaf, ganz a la Garfield: „Schlaf ist genial, man schließt die Augen und die Welt ist weg.“ Sagt der. Trump ist dann auch weg. Wenn ich die Augen schließe. Sagt der gerührte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lest Garfield. Und chillt, Leute! 

  • 18. Juni 2026

    Überraschende Zuggeschichten meiner Nuria aus dem rechten Osten

    Ach, wie herrlich: Wenn Überraschungen gelingen. Plötzlich steht meine Nuria vor mir. Unangekündigt. Als ob sie nie weg gewesen wäre. Frisch angekommen aus Freiburg. Weil sie mich mal wieder sehen will. Also: Mich, Coco, ihren Freund Piet. Und die anderen. 

    Mitgebracht hat sie gar herrliche Zuggeschichten: Schreiende Kinder in den Abteilen, krümelnde indische Großfamilien, Bier saufende Männergruppen. Und natürlich Dirk. Ein Mit-40er mit Köter. Neben dem noch ein Platz frei war. Den meine Nuria selbstbewusst nahm. 

    Er begann sofort. Seine Erzählungen: Er komme gerade aus Paris. Dort habe er Kemal, eben jenen Labrador-Mischling, der am Knie meiner Nuria sabbert, von seiner Ex abgeholt. Alle zwei Monate wechsle das Sorgerecht für den Köter. Anstrengend.

    Denn an den Wochenenden reise er immer nach Thüringen zu seiner aktuellen Freundin. Die da mit ihrer zwölfjährigen Tochter in einem Dorf in der Nähe von Erfurt wohne. Letztes Mal habe er dort eine französische Zwiebelsuppe zubereitet. Die Zwölfjährige habe geschnuppert, ihr Gesicht verzogen und gefragt, was Komisches er da koche, es rieche irgendwie ausländisch.

    Er habe geantwortet: „Du, das was Du da so sagst, das ist rassistisch.“ Woraufhin sie ihm tief in die Augen geblickt und stolz gesagt habe: „Ich bin Rassistin.“ Sie habe das wirklich ernst gemeint. Habe Dirk betont. Und sie habe keinen Schluck Suppe probiert. 

    Der Rechtsextremismus durchdringt das Bürgertum, das scheint das neue Normal. Denke ich so. Und meine Nuria schildert weiter die Erlebnisse ihres Platznachbarn. Dirk habe von Leuten in Thüringen erzählt, die geklagt hätten, die Ausländer nähmen ihnen die Arbeitsplätze weg. Um im selben Atemzug zu behaupten, die Migranten seien ja so faul und würden nur Sozialleistungen kassieren. Häh?

    Von Leuten, die geklagt hätten, über das Thema Migration dürfe nicht geredet werden, ohne gleich in die Schublade Nazi geschoben zu werden. Während in der Politik und in Talkshows das Thema seit Jahren das Topthema ist. Häh? Von Leuten, die behaupten, das Stadtbild sei geprägt von Menschen mit Migrationshintergrund. Während gerade in Thüringen vor allem weiße Menschen leben. Häh? 

    Wer Sprüche stoppen will. Muss kämpfen. Was schwierig ist, denke ich so. Weil die Fronten so verhärtet sind und Argumente und Wahrheiten oft gar nicht mehr wahrgenommen werden. Sondern als Prinzipien abgelehnt werden. Die Aufklärung darf aber nicht sterben. Hoffe ich. Blicke auf die chillende Coco. Die es mal wieder so richtig macht.

    Und ich spüre das sanfte Kraulen meiner Nuria. Die erzählt, sie habe sich dann von Dirk verabschiedet, um einen ruhigeren Platz zu suchen. Den sie aber nicht fand. Sondern neben einer Frau mit Säugling landete. Nun: Einfach herrlich. Das Leben. Sagt der überraschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen. Und chillt, Leute! 

  • 17. Juni 2026

    Der vergessene Geburtstag und Katzenfleisch als Delikatesse

    Stell Dir vor, Du hast Geburtstag – und es weiß keiner. Würdigt niemand. Nicht mal Deine Liebsten. So ist es nun Coco ergangen. Die vorgestern eigentlich ihren ersten Geburtstag gefeiert hätte. Aber niemand gratulierte. Und so blieb sie allein. Mit ihren Gedanken. An ihre Geburt. Ihre Ma. Ihre Geschwister.

    Und heute kommt dann meine sonst so emphatische Bruna und meint lapidar: „Ups, ich glaube, heute hat Coco Geburtstag, wollen wir ihr ein Ständchen bringen?“ Felix krass gefühlvoll: „Bist Du sicher? Im Impfausweis steht 15. Juni.“ Der Fail meiner Leute ist also amtlich bestätigt. Vom Tierarzt.

    Und ich verstehe, warum Coco vorgestern so still und fast deprimiert wirkte. Denn: Auch. Katzen. Haben. Gefühle. Vor allem, wenn ihr Geburtstag verpennt wird. Und die Zusatz-Leckerli ausbleiben. 

    Aber klar, think positive: es ist Geschenk genug – und zwar täglich – hier, in diesem Revier, in diesem Land leben zu dürfen. Und nicht irgendwo in Ostasien. Denn dort, in Vietnam, haben Polizisten einen sogenannten Katzenfleisch-Ring ausgehoben und mehr als 400 gestohlene Katzen befreit. Dabei seien auch 80 tiefgefrorene Katzen sichergestellt worden.

    Really. Entsetzlich. Und ich werde von Entsetzen und Ekel geschüttelt. Und weiter: In den vergangenen drei Jahren hätten die Verdächtigen Katzen gestohlen und getötet. Weil Katzenfleisch in Restaurants als Delikatesse gilt. Immerhin wird da auch Köterfleisch serviert. Krass, andere Länder, andere Sitten. 

    Aber manchmal denke ich auch so, dass die Menschen in aller Welt – wie ja auch Katzen und Kater – gar nicht so unterschiedlich sind, sondern sehr ähnliche Bedürfnisse und Träume haben. Und man das vor allem dann merkt, wenn man sie persönlich kennenlernt.

    Wie meine Bruna, die mit ihrem Sinfonieorchester heute zusammen mit einem Schulensemble aus Peking ein Konzert gab, mit Beethoven, aber auch chinesischen Komponisten. Die Chinesen hätten sowohl klassische Instrumente wie Cello und Geige gespielt, aber auch traditionelle chinesische Zupf- und Streichinstrumente. Sagt meine Bruna.

    Entwickelt habe sich ein toller, neuer Sound. Mit viel Groove. Der Vorurteile nimmt. Denn auch wenn China für eine kommunistische Diktatur, für Menschenrechtsverletzungen und einen Überwachungsstaat steht, als Kriegstreiber, Patentedieb und Billigproduzent verschrien ist, die Leute, die da leben, sind nett, freundlich, aufgeschlossen.

    Lachen. Klatschen wie hier. Der Dirigent dirigiert. Wie hier. Erzählt meine Bruna. Und ich denke so: Die Musik, die verbindet. Völkerverständigung eben.

    Nur: Katzen sollten sie nicht futtern. Immerhin: Meine Leute gratulieren Coco nun. Nachträglich. Mit schlechtem Gewissen. Glaube ich zu erkennen. Coco bekommt eine Extraportion Leckerli. Ich übrigens auch. Nett. Sagt der verängstigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Gratuliert Coco. Und chillt, Leute! 

  • 16. Juni 2026

    Alles Ansichtssache – über Zwitterpositionen und Abkommen

    Alles Ansichtssache: Ist der Napf halb voll oder halb leer? Ist Coco aggressiv oder gechillt? Alles Fragen, die ich mir so manches Mal stelle. Wenn ich mich Coco nähere. Die breitbeinig auf dem Sofa liegt – Kopf leicht angehoben. Strahlende Augen. Vibrierende Schnurrbarthaare. Leise schnurrend. Wir fixieren uns – es passiert erst mal nichts.

    Und ich merke, Cocos Reaktion hängt von mir ab. Wenn ich zu ihr springe zum Kuscheln, wird sie mich aggressiv abwehren. Wenn ich mit ihr spielen will, wird sie sich chillend zurückziehen. Ansichtssache also, wie man sie nun einschätzt. Klar ist nur eins: Aus Katzen schlau werden – unmöglich he, he. 

    Auch das Rahmenabkommen zwischen dem Iran und den USA zur Beendigung ihres Kriegs wird von den beiden Ländern total unterschiedlich eingeschätzt und interpretiert. Beide Seiten deklarieren es naturally als Erfolg für sich – und Sieg über den Gegner. Die Waffenruhe soll verlängert werden, da sind sich die Feinde immerhin noch einig.

    Die US-Strategen um Präsident Trump aber brüsten sich dann damit, dass der Iran die von ihm blockierte Straße von Hormus wieder aufmachen werde. Im Gegenzug werde man die Seeblockade gegen iranische Häfen aufheben. Eine Maut für die wichtige Handelsstraße werde von den Mullahs künftig nicht erhoben. Über das Atomprogramm werde in den kommenden Wochen verhandelt.

    Und die Iraner jubeln, sie hätten den Krieg gewonnen. Die USA müssten die Angriffe auf den Iran stoppen, die Israelis den Beschuss auf die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Von den USA eingefrorene Gelder müssten freigegeben werden. Und für den Wiederaufbau müssten die USA auch zahlen. Darüber hinaus werde das atomwaffenfähige Material anders als verlangt nicht herausgerückt. 

    Und ich denke so: Haben die USA und der Iran verschiedene Abkommen verhandelt? Wohl nicht, allerdings haben beide einen jeweils eigenen Spin. Eine eigene Ansicht dazu. Und ich denke so: Hauptsache, der Krieg wird tatsächlich beendet.

    Allerdings: Die Lage für den Westen ist zweifelsohne durch den israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran Ende Februar schlechter geworden. Es könnte jetzt ein Zustand wie vor dem Krieg erreicht werden – allerdings weiß der Iran nun, was man mit der Straße von Hormus für ein Machtinstrument in der Hand hat. Das Regime, das gestürzt werden sollte, sitzt fester denn je im Sattel.

    Arme Bevölkerung. Denke ich so. Und die USA? Die haben einen Machtverlust zu verdauen. Denn für alle Welt ist deutlich geworden, dass die Amis es nicht schaffen, den Iran militärisch zu besiegen. 

    Ich stakse an Coco vorbei. Und merke: Eigentlich will ich nur chillen. Was natürlich nicht funktioniert. Denn Coco – in ihrer komischen Zwitterposition zwischen Chill und aggressive – goutiert das nicht. Springt auf mich. Sodass ich mich geschlagen gebe – so jagen wir zusammen durchs Revier. Coco zum halb vollen, ich zum halb leeren Napf. Sagt der sinnierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Think positive. Und chillt, Leute! 

  • 15. Juni 2026

    Zerstören erzeugt Lust – Ich, Putin und die Fifa

    Ich räume frank und frei ein – nicht alle meine Charaktereigenschaften sind fein. Zerstören beispielsweise weckt Lust in mir. Wie bei Menschen Bier. Okay, okay, ich höre auf mit dem schlechten Reimen. Und erkläre mich mal: Zerstörungswut ergreift mich vor allem dann, wenn meine Leute mich ignorieren.

    Obwohl ich mich nach Zuwendung sehne. Und dann habe ich durch einen Anfall einen sicheren Hebel, Aufmerksamkeit zu bekommen. Indem ich an ihren restaurierten, historischen Sesseln kratze. Und schon sind sie da. Bei mir. Ganz ohne ihr bescheuertes Bier. 

    Zerstören mögen aber natürlich auch Menschen. Wie Kremldespot Putin. Der ließ nun wohl ein zum Weltkulturerbe zählendes Höhlenkloster in der ukrainischen Hauptstadt Kiew beschießen. Und beschädigte dadurch die Hauptkirche schwer.

    Zwar behauptet Russland, das Ensemble sei durch eine ukrainische Flugabwehrraketen getroffen worden. Die Ukrainer aber entdecken Trümmer einer russischen Kamikaze-Drohne am Tatort. Und egal, von wem die Zerstörung nun verursacht wurde – hinter allem steht der russische Angriffskrieg.

    Putin zerstört, um zu demütigen und zu entmutigen. Ermutigt aber viele Ukrainer zum empörten Widerstand. Nun, eine good News für die Ukraine gibt es: Heute beginnen die Beitrittsgespräche zur Europäischen Union. 

    Ein weiterer Zerstörer ist der Weltfußballverband Fifa. Der führte zur WM in den USA, Kanada und Mexiko eine Trinkpause ein – in jeder Halbzeit unterbricht der Schiri die Partie nach 22 Minuten für drei Minuten. Ein Spiel wird also geviertelt. Eigentlich, im ersten Moment eine gute Sache, könnte man denken. Denn die Fifa begründete die Maßnahme mit der Hitze.

    Im zweiten Moment aber wird klar, es geht wieder nur um noch mehr Geld. Die TV-Sender nutzen die Pausen für Werbung ohne Ende. Und: Eigentlich braucht es gar nicht überall Hitzeunterbrechungen, weil manche Partien auch in klimatisierten Stadien ausgetragen werden. Und die WM eh in verschiedenen, auch kühlen Klimazonen stattfindet.

    Und ich denke so: Die Fifa zerstört durch die Maßnahme die Stimmung in den Stadien. Und auch noch den Spielfluss der Mannschaften. Letztlich also den Fußball.

    Der israelische Premier Netanjahu will auch zerstören. Die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Warum? Netanjahu behauptet, die Miliz stelle eine Gefahr für sein Land dar. Im Vordergund aber steht, dass der Krieg die Ermittlungen gegen ihn wegen Korruptionsverdacht in den Hintergrund rückt.

    Und ich sehe Fäden vom frisch bezogenen Designer-Sessel meiner Leute baumeln. Ich gestehe: Ich zerstöre auch, weil ich meine Krallen schärfen muss. Und das geht nirgendwo besser als an diesem rauen Stoff des Sessel. Really. Sagt der destruktive Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Steht zu eurem miesen Charakter. Und chillt, Leute! 

  • 14. Juni 2026

    Kampfkater gegen Trumps Voyeurismus zum 80.

    Wir Kater sind Fighter. Really. Weil es in unseren Raubtiergenen liegt. Vor allem aber, weil es Spass bringt. Zu kämpfen. Zu jagen. Und zu siegen. Beispielsweise bei der Fliegenjagd im Revier. Da sitzen Coco und ich dann Seit` an Seit’. Auf unserer Aufsichtsplattform in der Küche. Wo es nur so schwirrt.

    Wir sind geduldig. Bis eine Fliege endlich landet. Und wir jumpen. Und sie nicht bekommen. Meist. Weil sie noch schneller sind als wir. Nichtsdestotrotz: Wir sind aktiv, Fighter eben – und keine Voyeure. Wobei mir naturally absolut bewusst ist, dass wir Hauskater voll degeneriert sind. Und mittlerweile Fliegen und Motten unsere Ratten und Mäuse sind. He, he. 

    Schon bin ich bei US-Präsident Trump. Der Fighter liebt, selbst aber keiner ist, sondern nur ekliger Voyeur. Der Sack, der immer über die Alterserscheinungen seines Vorgängers Joe Biden spottete, wird heute 80 – und pennt nun bei dem von ihm selbst gemachten Spektakel ein.

    Auf dem Rasen des Weißen Hauses ließ er Stahlkäfige aufbauen, in denen sich halbnackte Martial-Arts-Kämpfer prügeln und die Gesichter blutig schlagen. Militärflugzeuge donnern über die für das Spektakel teils abgeriegelte Hauptstadt Washington. Und Trump? Fallen dabei irgendwann die Augen zu. Aber hey, geschenkt: der Mann ist jetzt 80.

    Und muss viel gearbeitet haben. Denn nun will er auch noch glauben machen, es gebe da dann ein noch größeres Geburtstagsgeschenk – von ihm an die Welt. Vermittler Pakistan verkündet, die USA und der Iran hätten ein Rahmenabkommen geschlossen, um den Iran-Krieg zu beenden. Trump jubelt kurz darauf, die für den Öl- und Gashandel so wichtige Straße von Hormus sei wieder frei, die Schiffe könnten ihre Motoren starten. „Lasst das Öl fließen.“

    Später dann schränkt er ein, das mit der Öffnung könne doch noch dauern. Und ich frage mich so: Wer nochmal hat den Krieg begonnen? Ja, das waren die USA und Israel, die Ende Februar ihre Angriffe auf den Iran starteten, woraufhin die Mullahs die Straße von Hormus dicht machten. Und: Unterzeichnet werden soll das Abkommen erst in einer knappen Woche in der Schweiz.

    Bis dahin, ja bis dahin kann noch viel passieren. Denke ich so. Sehe eine Fliege vorbeifliegen. Sehe, dass Coco sie anvisiert. Hinterher schwebt Und dabei eine Vase mitnimmt. Passiert. Kollateralschaden eben. Denke ich so. Die Fliege ist entkommen. 

    Immerhin, Trump bekommt auch ein Geschenk von anderen: Die Staats-und Regierungschefs der angeblich wichtigsten Industrieländer verschoben ihren in Evian in Frankreich geplanten G7-Gipfel zu Ehren seines Geburtstags um einen Tag auf morgen. Ich bin sicher, dass sie dann den Trumpschen Deal mit dem Iran umfassend würdigen werden.

    Durch den ein Zustand erzielt werden könnte, der wahrscheinlich weitaus schlechter ist als vor dem Krieg. Weil der Iran die Straße von Hormus als Druckmittel behalten könnte. Egal, die Welt ist von Trump abhängig. Und: Der Narzisst braucht Lob wie die Weltwirtschaft Öl.

    Ich habe eine Fliege erwischt. Spassig, wie sie immer wieder versucht, zu entkommen. Sagt der kämpfende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Befreit euch aus Käfigen. Und chillt, Leute!