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  • 23. Oktober 2026

    Ich hasse Socken und Heavy Metal – und mosche trotzdem zu AC DC

    Es dünkt mir: Das ist kulturelle Aneignung der kulturellen Aneignung. Oder so. Dass ich Socken tragen muss an meinen Pfoten, auf denen dann ein Kater zu sehen ist, der nicht nur Klamotten anhat, sondern auch noch E-Gitarre spielt. Wie weird.

    Menschen – die eindeutig ärmsten Lebewesen auf dem Planeten, da sie sich wie keine andere Art sonst gegenseitig vernichten wollen – ziehen einem anderen unterdrückten Geschöpf, einem Kater, Strümpfe an, die dann auch noch einen Kater in Menschenpose zeigen. Kulturelle Aneignung durch Kater? Durch mich? Oder durch sie? Oder von allen?

    Obwohl, ich kann ja nix dafür. Alles menschengemacht. Denke ich so. Und spüre den Kontrollverlust. Denn auch wir Kater sind ja Opfer. Die der Menschen. Die sich nun mit uns an den Füßen schmücken. Häh? Sicher ist: Ich hasse Socken. Eng. Ich hasse E-Gitarre. Laut. Und fahre meine Krallen aus. 

    Wie abgefuckt – sorry, aber das Wort beschreibt es am besten – Menschen sind, zeigt sich auch mal wieder besonders krass im Amerika von US-Präsident Trump. Da wird im Bundesstaat Ohio im Wahlkampf für die in anderthalb Wochen anstehenden Zwischenwahlen eine Schmutzkampagne geführt, wie sie dreckiger nicht geht.

    Der republikanische Gouverneurs-Kandidat namens Ramaswamy hat nun die Mutter seiner demokratischen Konkurrentin Amy Acton ausfindig gemacht. Die hasst ihre Tochter. Seit die vor Jahrzehnten zur Polizei ging, um ihren Stiefvater wegen sexuellen Missbrauchs anzuzeigen. Seit der Anklage habe sie ihre Mutter, die das Sorgerecht verlor, nicht mehr gesehen. Sagt Amy. Das alles hatte sie auch in der Öffentlichkeit nie verheimlicht.

    Ihr Bruder bestätigt, Amy sei als Zwölfjährige missbraucht worden. Der Stiefvater sei verhaftet worden, die Mutter sei aber mit dem Vergewaltiger bis zu dessen Tod verheiratet geblieben. Nun, die Mutter erzählt in dem Wahlkampf-Video des Republikaners Ramaswamy, ihre Tochter sei krank, habe immer gelogen und dürfe keinesfalls gewählt werden.

    Selbst einigen Republikanern ist dieses Video too much. Aber der US-Präsident findet es cool.  Sagt, es sei ein Volltreffer, die beste Werbung. Es sei wichtig, dass die Mutter einer unehrlichen und unfähigen Kandidatin, die erkläre, was für eine Katastrophe ihre Tochter sei, gehört werde. Und dann macht Trump seine Parteifreunde nieder, die da mehr Skrupel haben. Und behauptet, die Wahrheit müsse ans Licht kommen. 

    Puuh, ich spüre, wie meine Krallen die Socken durchbohren. Kulturelle Aneignung oder nicht. Socken an den Pfoten oder nicht. Irgendwie alles Luxusdebatten. Angesichts dieser unfassbaren Trump-Geschichten. Verwerflich, verwerflicher, Mensch. Denke ich so.

    Und weiß, manchmal hilft ja auch Lärm gegen Aggression. Und Frust. Also, ich werfe die E-Gitarre an. T.N.T. von AC DC. 50 Jahre alter Heavy Metal-Hit über explosiven Sprengstoff. Ich schwenke meinen Kopf. Schnell. Die Socken zerreißen. Tut gut. Im stumpfen Takt der E-Gitarre. Sagt der moschende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tanzt wild. Und chillt, Leute! 

  • 22. Oktober 2026

    Warum ich Kampfsport liebe und damit Schweine retten würde

    Vielleicht bin ich auch ein bisschen biased. Äh, sorry, dass ich das Wort nutze, ich liebe seinen Klang so, also übersetzt bedeutet es: voreingenommen. Warum ich so positiv voreingenommen bin? Weil ich Kampfsport liebe – und deswegen so leidenschaftlich verteidige. Dagegen, dass dieser Sport immer mehr in Richtung Rechtsextremismus gerückt wird.

    Die Bundesregierung teilte nun mit, junge Männer würden in sogenannten Active Clubs für die rechtsextreme, militante Szene angeworben. In den USA habe das begonnen, mittlerweile gebe es solche Kampfsport-Clubs weltweit, auch in Deutschland. Mit stark steigender Zahl, 20 solcher Netzwerke seien derzeit hierzulande registriert.

    Festgestellt worden sei eine „Professionalisierung der Gewaltkompetenz“ – zu sehen in martialischen Videos und Posts von Kampfsporttrainings. Und ich denke so: Das ist so krass, dass die Rechtsextremisten Dinge für sich vereinnahmen, die ihnen nicht gehören. 

    Denn: Ich liebe Kampfsport. Ich mache Kampfsport. Hart, männlich, cool. Auch gegen Größere. Vermeintlich Stärkere. Katzen. Wie Coco. Mindestens sieben Mal täglich catchen wird uns, rasen durchs Revier, über Sessel, Vasen, Tische, Laptops. Rollen übereinander. Sie kreischt, ich grunze. Fell fliegt.

    Komischerweise vor allem weißes. Spasss pur. Gibt Selbstbewusstsein. Stärkt Selbstwirksamkeit. Ist gut für Kondition, Koordination, baut Stress ab, stärkt Resilienz.

    Und ich erinnere mich an meinen Lieblingsfilm: „Fight Club“ von David Fincher. Das Meisterwerk mit Brad Pitt und Ed Norton ist aus dem vergangenen Jahrtausend, fast 30 Jahre alt. Da entwickelt sich ein im Untergrund agierender Kampfclub zu einer Organisation weiter, die gegen Kapitalismus und Konsum-Geilheit fightet. Wie cool.

    Wie gerne würde ich mitmachen. Als ich ein von meiner Nuria aus Palermo gepostetes, heimlich von Aktivisten in Deutschland aufgenommenes Video sehe, in dem gezeigt wird, wie auch heute noch in Fleischfabriken Schweine vergast werden und dabei qualvoll sterben. Riesige Angst haben. Ihnen dann bei lebendigen Leib die Pfoten abgesägt werden.

    Und mich die heilige Wut packt: Der Fight Club müsste kommen. Um diese Tortur in den Fleischfabriken zu stoppen – und die Verantwortlichen ebenfalls. 

    Und die Wut steigt. Als meine Bruna vom Reichstag kommt und sagt: „Ihhh, da wehen ja Deutschlandfahnen, voll rechts.“ Und später dann sagt: „Die Nationalhymne singe ich nicht, ich bin doch nicht AfD.“ Und ich denke so: Die Extremisten haben es geschafft: Symbole eines demokratischen, freiheitlichen Deutschlands für sich gekapert. Und den Kampfsport auch.

    Meine Übersprungshandlung: Ich haue Coco auf den Kopf. Und unser Kampf geht wieder los. Anstrengend. Aber alles fair und fun. Sagt der kampfsporterprobte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wehrt euch. Und chillt, Leute!

  • 21. Oktober 2026

    Surfen mit Taube in der S-Bahn in Zeiten des Internetausfalls

    Auch Grau kann schillern. Wenn es aus seiner gewohnten Umgebung ausbricht. Und plötzlich an einem Ort auftaucht, an dem es nicht erwartet wird. Wie die Taube in der S-Bahn. Die Diego heute erblickt. Ganz in seiner Nähe. Während die anderen Fahrgäste weiter unbewegt in ihre Handys starren. Quasi hypnotisiert. Steht sie da. Und strahlt ihr grau.

    Und Diego fragt: „Was machst du denn da? Spionierst Du?“ Und die Taube so, pickend, gurrend, aber irgendwie doch stumm. Wohl taub. Denkt Diego. Etwas deprimiert. Ob seines schalen Witzes. Aber was soll er auch tun? Denn sein Handy lädt nicht. Die Webseiten, die er aufruft. Was mal nicht am schlechten Empfang in der Bahn liegt. 

    Denn: Viele Webseiten lassen sich derzeit nicht laden. Absturz. Weil abgeschaltet. Weltweit sind Behörden, Flughäfen, Kliniken offline gegangen. Weil gewarnt wird – vor einer Sicherheitspanne in der Software. Genauer gesagt bei der Web-Programmiersprache namens PHP.

    Mit Kenntnis dieser Schwachstellen könnte es Angreifern gelingen, massive Angriffe durchzuführen, warnen Experten. Wer in die Sicherheitslücke komme, könne dann Kundendaten und Passwörter abgreifen, Webseiten verfälschen, Schadstoftware einschleusen und die Webseiten vollständig übernehmen. Es gebe Millionen ungeschützter Systeme, die nun angegriffen werden könnten.

    Die Reaktion: Die Webseiten von Städten wie München, Flensburg oder Mainz, von Ministerien, von Krankenhäusern wie der Charité, von Polizeien, von Landesregierungen – offline. Erst mal eine Vorsichtsmaßnahme. Wie lange – unklar. Die Server müssen neu gestartet werden. Und ein Update gegen die Angriffe ist noch nicht erhältlich. 

    Tja, die Taube in der S-Bahn? Fällt nur Diego auf. Weil er offline ist. Und Coco und ich? Werden weiter nicht wahrgenommen. Obwohl doch auch wir draußen sind. In der S-Bahn. Bei der Taube. Es nimmt niemand Notiz von uns. Nicht einmal die Taube. Die sich sicher fühlt. Zu sicher. In der S-Bahn. In der auch Obdachlose ignoriert werden. Und in die sich Kontrolleure nicht mehr hineintrauen. Aber Tauben.

    Die vor Diego dann herausfliegt. Endstation Sehnsucht. Nein: Taubenstraße. Mitte. Sagt der verunsicherte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Checkt die Systeme. Und chillt, Leute!

  • 20. Oktober 2026

    Schaukeln bis zum Kotzen – Spielplatz-Erlebnisse mit Trump und Putin

    Es geht um die Leichtigkeit des Seins. Um die Unbekümmertheit. Ganz offensichtlich lässt sich das alles besonders gut auf Spielplätzen (wieder) entdecken. He he. Really. Schaut auf meine Bruna. Die derzeit bei ihren Großeltern Volker und Lina in Isernhagen weilt. Und dort auf den Spielplatz ihrer Kindheit stürmt, schaukelt, rutscht, karussellt und seilbahnt.

    Großartig sei das gewesen. Sagt sie hernach. Eine Reise in die Vergangenheit. In eine Zeit ohne Druck, Stress und Sorgen. Und ich denke so: Nun, typisch Mensch, glorifiziert mal wieder die Vergangenheit. Denn hey, wird doch immer wieder beklagt: Auch Kinder hätten schon viel zu viel Druck. Und Sorgen. In der Kita, beim Wechsel auf die Schule, in Vereinen oder auch unter Freunden.

    Aber klar, ick weeß, der Druck, steigt an – proportional zum Alter. Und wahrscheinlich ist es so: Wer auf den Spielplatz zurückkehrt – der kann Druck ablassen. Täte ja so einigen ganz gut. Man stelle sich mal vor, Trump, Putin, Xi, Selenskyj und Merz müssten jeden Tag nur zehn Minuten lang mal schaukeln. Also: Schaukeln für den Frieden. Für mehr Diplomatie.

    Ja, die gute alte Diplomatie. Die ja nicht mehr so richtig zu funktionieren scheint. Siehe USA: Der einst größte Ukraine-Unterstützer versteht sich mittlerweile eher als Vermittler im Ukraine-Krieg. Seine Vertreter pendeln auf der Suche nach Frieden zwischen Russland und der Ukraine. Aber: Sie lassen sich beim Pendeln immer stärker vom vermeintlichen Schwergewicht mitziehen: Von Kremldespot Putin. 

    Trump behauptet nun tatsächlich, Russland verhalte sich in dem Krieg ja anständig und unternehme kaum etwas gegen die Ukraine. Während russische Raketen in der Ukraine erneut zahlreiche Menschen töten und verletzen. Es ist so weird. Dass das Opfer zum Täter gemacht wird, der Täter zum Opfer. Denn Russland fiel im Februar 2022 in die Ukraine ein und terrorisiert seitdem das Land. Und Putin hätte jederzeit die Chance, den Krieg zu stoppen.

    Tut er nicht, weil er seine Maximalforderungen noch nicht durchsetzen konnte. Und er Trump auf seiner Seite weiß. Denn der dealt mit ihm, umgeht dafür eigene US-Sanktionen, um wie ein Junkie irgendwie an seinen Stoff zu kommen – Diesel.

    Er glaubt, damit die Preise auf dem heimischen Markt zu senken und seine Bürger gnädig zu stimmen – gerade mal zwei Wochen vor den Zwischenwahlen. Wo seine Republikaner Umfragen zufolge vor einer Niederlage stehen. Um Putin zu gefallen, basht Trump Selenskyj. Zugleich stocken wichtige US-Hilfslieferungen für die Ukraine, Warnungen vor ballistischen Raketen aus Russland bleiben aus und das Starlink-Satelliteninternet ist gedrosselt.

    Unbeabsichtigt, die blöde Technik, erklären die USA. Und ich denke so: Hej, jetzt verarscht doch die Welt nicht so plump. Obwohl: Genug Menschen glauben ganz offenbar diesen Schwachsinn. Und dann offenbart Trump sein wahres Gesicht: Die USA hätten der Ukraine viel gegeben, sie den USA aber nichts. So tickt dieser Typ. Denke ich so. Es geht nur ums Geld. Werte kennt der Mann nicht. Wie auch, wenn der Mann selbst keine hat.

    Also, denke ich so, alle zurück auf Los, äh, zurück auf den Spielplatz: Und dann – entweder: Schaukeln bis zum Kotzen. Oder bis zur Vernunft. Denke ich so. Selbst auf einem Schaukelpferd sitzend. Neben mir Coco. Und meine Bruna. Die ihre Schule mitsamt Alltagsstress der Muddastadt vergessen hat. Sagt der hüpfende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entdeckt das Kind in euch. Und chillt, Leute! 

  • 19. Oktober 2026

    Pilze für alle im brennenden Paris – ich würde einfach mal kosten und löschen

    Stehen zwei Pilze im Wald. Sagt der eine zum anderen: „Na, du Pilz.“ Das ist das Niveau, auf dem Felix agiert. Sein Lieblingswitz. Der auch nicht lustiger wird mit seiner komischen Artikulation. Egal, ich mag den Witz trotzdem – irgendwie.

    Erstens, weil ich Pilze liebe. Ihren Duft. Ihre Wirkung, he he. Flyin’ high. Sag ich nur. Zweitens: Weil dieser spröde „Witz“ eine Leichtigkeit des Seins versprüht, eine Unbekümmertheit, die seit Jahren immer weiter schwindet. Im Leben der Anderen. Im Leben der Menschen.

    Jetzt brennen sogar in Paris die Straßen. Krawalle. Unruhen. Brennende Barrikaden, Autos. Vermummte plündern Geschäfte. Auch in anderen Städten wie Lyon oder Marseille. Warum? Frust ohne Ende. Der dann in Gewalt mündet. Und für noch mehr Frust sorgt.

    Und ich denke so: Leute, probiert Pilz. Nein, es ist nicht zum Scherzen, ich nehme es mir als Kater mal raus. Um locker zu machen.

    Begonnen hatten die Proteste im Nachbarland vor rund einem Monat. Damals demonstrierten Lehrer, dann auch Schüler gegen marode Schulen, zu wenig Personal, vollgestopfte Stundenpläne. Der Frust brach dann auch bei anderen Franzosen aus – geklagt wurde über hohe Lebenshaltungskosten, teuren Sprit, niedrige Einkommen.

    Tja, und dann übernahmen Linksextremisten die Regie. Mit dabei auch Menschen mit Palästina-Flaggen und der Forderung „Free Gaza“. Und Gewalttäter. Kriminelle. Die Geschäfte zerstörten, Sportschuhe, Klamotten, Handys aus den Shops klauten. Und die Polizei – überrascht und offensichtlich machtlos. 

    Der französische Funke sprang über – auf Nachbarländer wie Belgien, Italien und Spanien. Auch dort wurde erst mal gegen steigende Lebenshaltungskosten protestiert. Und auch hier kam es dann zu Gewaltexzessen, Plünderungen, bürgerkriegsähnlichen Szenen. In Spanien prügelten gar Beamte auf Beamte ein: Polizisten auf streikende Lehrer. Und überall: Ein Ende nicht in Sicht.

    Demos mit Zehntausenden Menschen gab es auch in Lissabon. Ihr Hauptanliegen: Wohnungsnot, horrende Mieten. Und Laura so: „Nein, nicht da, da sind wir doch schon nächste Woche.“ Und Felix so, im Stile eines Nachrichtensprechers: „Am Rande der Demos kam es auch in der portugiesischen Hauptstadt zu Unruhen. Autonome zogen in die Altstadt, wo mittlerweile jede zweite Wohnung an Touristen vermietet ist.  Dort zwangen sie die Touristen aus den Wohnungen, entkleideten sie, beschossen sie mit roter Farbe und jagten sie mit ihren Sprühpistolen Richtung Fluss Tejo.“

    Und Laura so: „Oh nein.“ Und Felix so: „Wir sind der Grund der Proteste.“ Und er erzählt weiter – offensichtlich nach einer Prise Pilz: „Nun, plötzlich strömten 7.283 Kater und Katzen aus allen Winkeln der Altstadt – und attackierten die Autonomen. Die die Flucht ergriffen. Während die Touristen glückselig in ihre AirBnB-Wohnungen zurückkehrten. Den Katzen die Fischgräten der vergangenen Woche aushändigten. Und happy 582 Euro Tagesmiete für 40 Quadratmeter Wohnfläche in historischer Umgebung weiter bezahlten.“

    Tja, denke ich so. Spröde Story von Felix. Erkenntnisse: Laura lacht trotzdem. Und: Menschen lieben offensichtlich Gewalt. Kater lieben Frieden. Und Pilze. Vor allem im Herbst. Wenn der wunderbare Parasol knospet. Sagt der fliegende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Meidet Gewalt. Und chillt, Leute! 

  • 18. Oktober 2026

    Mein Weg in die Sucht – wie ich zum Marathon-Tempomacher wurde

    Endorphine sind really nice. Pushen. Hin zum Flow. Und yes: Ich weiß, wovon ich schreibe. Auch Kater und selbst Katzen produzieren Endorphine. Vor allem beim Schnurren. Oder beim Futtern von Katerminze. Deswegen verstehe ich die Endorphin-Sucht der Menschen. Die viele beim Sport freisetzen. Oft beim Rennen.

    Auch Felix. Der drei Wochen nach dem Marathon nun einen halben läuft. Aber dieses Mal meinen Diego auch dazu verführt hat.  Der Arme soll ohne Training die 21,1 Kilometer rennen. Mit 3000 anderen um den Müggelsee in Köpenick. Diego macht es. Und ist kurz danach ganz offensichtlich auch abhängig. Süchtig. Trotz Riesenblasen unter den Füßen, Schmerzen in Hüfte und Knie: Dauergrinsen, Euphoria – als er nach zwei Stunden durchs Ziel rast.

    Es ist schwer zu verstehen: 12 Grad, Dauerniesel, grau. Ich bin glücklich, neben Coco eingemummelt auf der Wolldecke in der Stube meines Reviers zu chillen. Aber Felix und Diego gehen raus. Rennen über mit Pfützen übersäte Waldwege, rutschen auf glatten Wurzeln, stoßen mit langsameren und schnelleren Läufern zusammen.

    Trotzdem keine Aggressionen. Am Ende alle high. Weil sie es geschafft haben. Zusammen mit der Masse Mensch. Die wieder eine Einheit gewesen sei. Schwärmt Felix. Alle mit demselben Ziel – ankommen. Alle mit denselben Schmerzen. Denselben nassen Füßen. Alle einander zugewandt. Meist mehr als weniger. Obwohl fremd. Der Alltag ist weg, der Stress ist weg, die Schmerzen sind weg, die Sorgen verloren.

    Eine verrückte, zufällige Schicksalsgemeinschaft. Im positiven Sinn. Garniert mit Nadelduft, umgeben von Kiefern, Eichen und Fichten, angefeuert von Enthusiasmierten am Wegesrand, von den dröhnenden Beats aus einer Box in der Unterführung unter dem See angepeitscht. Oben dann wieder das rhythmische Klacken Hunderter edler Lauf-Performance-Schuhe auf dem Pflaster, Alte, Junge, Männer, Frauen, Dicke, Dünne, Schnelle, Langsame.

    Im gemeinsamen Rausch. Sagt Felix. Danach dann seien sie sogar noch in den See gejumpt. 11 Grad. Sie hätten sich wie neu geboren gefühlt. Behaupten die Jungs. Wobei: Felix tauchte nur die Hand ins Wasser, he he. 

    Aber ich räume frank und frei ein. Ausprobieren würde ich es ja auch mal gerne. Wenn die so schwärmen. Und wenn ich – als Fluchttier – nur als Tempomacher engagiert wäre, wäre auch ok. Ich würde die Leute ins Ziel ziehen. Mit meiner Geschwindigkeit. Um selbst den Rausch zu erleben. Euphorie eben.

    Und tatsächlich: Ich darf. Sagt der Veranstalter: Fitcat for Müggelsee e.V. Und so galoppiere ich in Führung liegend ein. Die Masse Mensch hinter mir. Euphoria. Sagt der süchtige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lauft. Vergesst. Und chillt, Leute! 

  • 17. Oktober 2026

    Stürzende Nuria, einstürzende Gewissheiten, helfende Monteure und Hilfskater

    Einstürzende Gewissheiten können schmerzhafter sein als ein Sturz auf das harte und nasse Pflaster von Palermo. Denke ich so. Als meine Nuria erzählt, sie sei mit einer Freundin nach einem Starkregenschauer durch die Stadt gelaufen. Und plötzlich lagen sie beide auf der rutschigen Strada. Beide seien sie total erschrocken. Es habe auch weh getan, an Händen und Gesäß.

    Aber erschütternd sei die Reaktion der Leute um sie herum gewesen: Alle seien weitergelaufen, als ob nichts passiert sei. Einige hätten schnell weggeschaut, andere ihre Blicke starr weiter aufs Handydisplay gerichtet. Sie hätten reagiert – wie sie es von Berlinern erwartet hätte. Sagt meine Nuria. Aber doch nicht von den so herzlichen, offenen, hilfsbereiten  Sizilianern… 

    Zum Glück sei der Sturz sowohl bei ihr als auch bei ihrer Freundin glimpflich verlaufen. Sagt meine Nuria. Abschürfungen, blaue Flecken. Aber dass niemand geholfen habe, nicht mal nachgefragt habe, ob man helfen könne, das habe sie schon gewundert. Nein: erschreckt. Deprimiert. Denn es habe ihr Bild von den Süditalienern massiv gestört. Disruption.

    Zumal sie zuvor von der scheinbar fürsorglichen Art vieler vor allem männlicher Italiener genervt gewesen sei, die abends immer wieder warnten, Frauen sollten abends nicht alleine durch die Straßen Palermos wandeln. Zu gefährlich. Aber wenn dann etwas passiere, interessiere das niemand. Sagt meine Nuria. 

    Szenenwechsel: Good old Muddastadt. Laura läuft in einen S-Bahnhof. Wenige Meter vor ihr stürzt eine mittelalte, schwarze Frau die Treppenstufen Richtung Bahnsteig herunter. Erzählt Laura. Sogleich seien vier Männer – alle in Monteuranzügen – bei der Gestürzten gewesen, hätten ihr aufgeholfen, einer habe ihr fürsorglich über den Kopf gestreichelt, ein anderer habe ihr gesagt, sie könne sich doch am Geländer halten.

    Und ditte in Berlin. Denke ich so. Fast so gepusht wie Laura. Die begeistert ist über die Hilfsbereitschaft. Wo doch alle immer über die Berliner Wegguckmentalität lästerten. Ich komme kaum aus dem Staunen heraus, als am Abend dann noch die Nachbarin vorbeikommt und einen warmen Apfelstrudel kredenzt. Habe sie eben gemacht. Und an meine Leute gedacht. Sagt sie. Ich bekomme. Nichts. Schade. 

    Tja, kann also nett sein. Hier. Im trüben Berlin. Zumindest für Menschen. Denke ich so. Kann aber trotzdem nicht verstehen, dass mich meine Leute nicht einfach mitnehmen. Ich hätte überall geholfen. So sind wir. Wir Kater. Hilfskater. Sagt der besorgte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Achtet auf Eure Nächsten. Und chillt, Leute!  

  • 16. Oktober 2026

    Alles ist möglich: Mit einem Charakterschwein unterwegs zurück in die Zukunft

    Irgendwie scheint alles möglich: Jetzt hat Tesla-Boss Elon Musk ein neues Auto präsentiert – es kann fliegen. Kein Witz. Keine KI. Real. Really. Per Kaltgastriebwerke. Was immer das ist. Ob man so ein „Auto“ braucht? Ich würde eigentlich sofort schreien: „Was für ein Schwachsinn.“

    Aber, vor 20 Jahren war es Musk, der mit Tesla die ersten massentauglichen E-Autos auf den Markt brachte. Was wurde der Mann damals beschimpft, belächelt, für verrückt erklärt. Vor zehn Jahren dann prophezeite er autonom fahrende Autos – was den meisten damals ebenfalls als kompletter Irrsinn erschien.

    Und heute so? Wer kein E-Auto hat, gilt als ewiggestrig. Und auch das autonome Fahren setzt sich immer mehr durch – in San Francisco lassen sich Felixens Kollegen mit Robotaxen durch die Stadt chauffieren.

    Und nun also die nächste komplett verrückt klingende Idee, die ja eigentlich auch schon uralt ist – im Kultfilm „Zurück in die Zukunft“ cruist das zur Zeitmaschine umgebaute Gefährt ebenfalls durch die Lüfte. Schon Mitte der 80er Jahre. Aber das war Trick. Musks Auto ist echt. Voll crazy.

    Und ich blinzele. Weil mich ein Löwe angreift. Keep cool: Ein Stofftier. Der sich auf mich stürzt. Alles ist möglich. Denke ich so. Auflösung folgt gleich. Versprochen.

    Was mich aber zusätzlich zu der eh komischen Idee dieses Flugautos irritiert: Das sie mit Musk von einem – sorry – Charakterschwein stammt. Der Typ ist egoistisch, narzisstisch, eitel, widerlich. Aber vielleicht, denke ich so, wirken Genies genau so. Auf Normalo-Kater wie mich. 

    Die einfach auf einem anderen, niedrigem Niveau unterwegs sind. Und allem, was neu ist, was verrückt klingt, skeptisch, ja feindlich begegnen. Weil sie die Dimension nicht erkennen. Nicht erkennen können. Und weil sie  – ganz einfach – von Neid zerfressen sind.

    Ist es tatsächlich so, frage ich mich: Aber, ganz ehrlich: Wer braucht ein fliegendes Auto? Ein Auto, das 600 km/h schnell sein soll und in weniger als einer Sekunde auf 100 km/h beschleunigen soll? Ein Auto, das über eine Million Dollar kosten soll? Und: Braucht man dann dafür einen Flugschein? 

    Aber eigentlich ist es doch so: Musk wirkt nicht nur auf mich wie ein Charakterschwein. Er ist es. Wirklich. Auch für Menschen. Definitiv. Er mischt sich in die Politik ein. Klar, die lässt es zu. Aber Musk missbraucht seine Macht, die er durch seine Firmen und sein Geld bekommen hat.

    Beispielsweise mit seinem Space-X-Unternehmen, das nicht nur das Know-How für den Raketenantrieb des neuen Autos liefert, sondern auch den Satellitendienst Starlink betreibt. Der für die Ukraine lebenswichtig ist. Weil sie dadurch aus Russland kommende Raketen frühzeitig erkennen und abfangen kann. Und weil sie so eigene Drohen zielgenau auf russische Energieanlagen schießen kann.

    Trump wie Musk wollen den ukrainischen Präsidenten Selenskyj nicht mehr, weil der für ihre Geschäfte mit Russland schädlich ist. Und es einfacher für sie zu sein scheint, ihn zum Einknicken zu zwingen als Kremldespot Putin. Und als nun plötzlich das Starlink-System in der Ukraine stark gedrosselt war – nun, wer könnte dafür verantwortlich sein? Frage ich mich…

    Und sehe Felix. Der Musks neues Auto unbedingt fahren will. Und lallt:  „600 km/h, wie krass.“ Der dann erneut den Stofflöwen gegen mich lehnt. Findet er lustig. Ich lasse ihn gewähren. Und denke so: Der eine erfindet Raketenautos, der andere macht stupide Fotos. Von mir. Mit Stofflöwen. Alles ist möglich. Sagt der fliegende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Nie verzagen. Und chillt, Leute!

  • 15. Oktober 2026

    Per Pfotenklick auf die richtige Seite der Geschichte und wie ich die Welt (nicht) fast rette

    Per Pfotenklick die Welt ändern – das wär’s. Denke ich so. Als ich Felixens Schreie höre, nur weil ich über die Tastatur seines Computers marschiere. Und dabei ein paar Buchstaben in seinen Bericht über den jüngsten Disput zwischen den USA und der Ukraine reintippe – und mir die Autokorrektur hilft: Wodurch aus der Überschrift „Selenskyj fühlt sich von Trump betrogen“ „Selenskyj fühlt sich von Trump verstanden“ wird.

    Hach, nice, denke ich so. Weil es bedeuten würde: Endlich unterstützen die USA die Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland mit ausreichend Raketen, Munition, Informationen. Tja, ich muss mir selbst eingestehen, während Felix mich stöhnend von der Tastatur fegt: „Träum weiter, Alta. Und schau auf die Realität.“

    Und die ist so: Selenskyj sieht bei seinem jüngsten Interview in London nicht nur erschöpft aus, sondern klingt auch so, als er der US-Regierung ziemlich undiplomatisch Vorwürfe macht. Sie stehe in dem Krieg nicht mal mehr in der Mitte. Sagt der ukrainische Präsident. Er wisse nicht, wer Trump auf die falsche Seite dränge. „Aber das ist nicht die richtige Seite der Geschichte.“

    Sagt Selenskyj. Warum? Er sieht zum einen Verrat im Diesel-Deal zwischen Trump und Kremlchef Putin. Weil dadurch die Sanktionen gegen Russland unterlaufen werden und der Kreml seine Kriegskasse füllen kann. Zum anderen vermutet Selenskyj, dass die USA sein Land neuerdings von extrem wichtigen Geheimdienstinformationen abschnitten.

    So dass die Ukraine nicht wie bislang Hinweise bekomme, wann und wo Russland Raketen startet. Und so die Abwehr erschwert bis unmöglich gemacht werde. Zudem sei die Leistung des US-Satelliteninternets von Starlink so stark gedrosselt worden, dass die eigenen Drohnen nicht mehr auf Ziele in Russland gesteuert werden könnten. Sagt Selenskyj.

    Nun, kann gut sein. Denke ich so. Denn die US-Administration will ein Ende des Kriegs, um Geschäfte mit Russland machen zu können. In Selenskyj sieht sie das größte Hindernis dafür. Und so forderte Trump kürzlich eine Präsidentenwahl in der Ukraine. Und Starlink-Chef und Trump-Buddy Musk ließ verlauten, Selenskyj müsse weg.

    Geht einfacher, wenn sich die Ukraine nicht mehr verteidigen kann. Denke ich mit Blick auf Selenskyjs Vorwürfe. Und kann mir gut vorstellen, dass Trump und Co. die Ukraine auflaufen lassen. Während Russland weiter Raketen auf Kiew und andere ukrainische Städte feuert. Energieanlagen zerstört. Dutzende Menschen tötet und verletzt. Unstoppbar. 

    Ich sehe mit Freude auf Felixens Monitor, dass die Überschrift nun ganz weg ist, ersetzt durch lauter „L“-Buchstaben. Die immer weiter einlaufen. Während Felix flucht. Und mich wieder mal als Schuldigen ausmacht. „Dein Fell zwischen und unter den Tasten hat die Tastatur zerstört“, heult er rum. Schmeißt das Ding auf den Boden. Echt. Und tritt drauf.

    Und ich denke so: Immer auf die Kleinen, Schwachen. Im Großen wie im Privaten. Sagt der gedemütigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt fair. Und chillt, Leute! 

  • 14. Oktober 2026

    Warum ich trotz Höllenlärm nicht auswandere und ich Merkel liebe (was sie aber nicht weiß)

    Überall ist Lärm. Dieser Tage. Warum? Fragt der ruhebedürftige Kater. Nun, Laura ist nicht arbeiten, sondern zuhause. Erkältet. Und schaltet erst in der Küche, dann im Wohnzimmer, dann im Arbeitszimmer das Radio ein. Und nirgends wieder aus. Deutschlandfunk aus allen Ecken. Viel Gebrabbel, auch Gedudel. Stereofonic 3.0.

    Und Laura so: „Das brauche ich, fühle mich sonst so alleine.“ Und der stumme Felix so: „Du hast doch Coco und Charlie.“ Und sie so: „Klar, aber die sprechen nicht.“ Und ich so: „Fauch, kratz, spuck. Leute, achtet die Signale. Klar sprechen wir. Man muss nur zuhören. Um zu realisieren: Dass ich Leckerli will. Hunger habe. Spielen will. Streicheleinheiten will. Oder einfach philosophieren will.“ 

    Philosophieren beispielsweise über einen Wegzug aus diesem, meinem krass unsensiblen Revier. Wie ich darauf komme? Nun, im DLF ging es um das Thema. Immer mehr junge Leute würden einen Weggang aus Deutschland erwägen. Ob der eventuellen Einführung einer Wehrpflicht. Ob der möglichen Machtergreifung der rechtsextremistischen AfD. Ob der näherrückenden Kriegsgefahr aus dem Osten. Ob der Zukunftsängste.

    Nur – wohin wollen sie denn gehen, frage ich mich so. Welches Land ist denn besser? In Europa sind fast überall Rechtsextremisten auf dem Vormarsch. Australien? Zu weit weg von allem. USA? Ha ha. Kanada! Yes! Da gibt’s nur ein paar Probleme: Will Kanada die Auswanderer überhaupt haben? Und selbst wenn: Kanada könnte demnächst der 51. Bundesstaat der USA sein.

    Tja, vielleicht doch hier bleiben, in good old Germany. Und versuchen, die eigentlich gar nicht so schlechten Werte, die hier so gelebt werden und für die Generationen unter Einsatz ihres Lebens gekämpft haben, zu verteidigen.

    Und ich höre Altkanzlerin Angela Merkel im DLF.  Die auf einer Veranstaltung Schüler auffordert, für Demokratie zu kämpfen. Denn Demokratie, das bedeute eine unabhängige Justiz, freie Presse, Schutz von Minderheiten, die Suche nach Kompromissen. Und Merkel weiter: Junge Menschen müssten ihre Vorstellungen deutlicher formulieren und sich stärker gesellschaftlich engagieren – etwa in Vereinen oder sozialen Projekten.

    Sie jedenfalls rate nicht dazu, auszuwandern. „Ich würde Deutschland denen nicht überlassen.“ Sagt sie mit Blick auf die Populisten – vor allem von rechts. Sie könne nur empfehlen, weniger über die AfD zu reden, sondern selbst etwas anzubieten. Denn sonst werde diese Partei größer gemacht, als sie es tatsächlich sei. Und man vor Schreck verzage. Daumen hoch. Denke ich so.

    Nun,  ich weiß, klar bleibe ich hier im Revier. Ist ja auch nicht so schlecht. Irgendwie verstehen mich meine Leute ja doch. Manchmal. Auch ohne Worte. Selbst Laura. Die mir nun acht Leckerli vor die Schnauze streut. Sagt der verwurzelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kämpft um und für die freiheitlichen Werte. Und chillt, Leute!