Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 17. Mai 2026

    Kater-Schlichter im rechtsextremen Mecklenburg

    Meine Bruna ist wieder da. Endlich. Meine Kater-Flüsterin. Die spürt, wie ich spüre. Wie ich ticke. Und genauso verstehe ich auch sie. Ihre Sorgen. Ängste. Probleme. Kurz: Zwischen uns, das ist die perfekte Symbiose. Fünf Tage war meine Bruna weg, mit ihrer Schulklasse in einer Jugendherberge an der Mecklenburger Seenplatte.

    Das beste Schullandheim ever. Schwärmt sie hernach. Auch ohne mich, denke ich. Und wundere mich. Sehe dann aber meine Konkurrenz dort und akzeptiere: Die grünen Wiesen, Freundinnen, Werwolf, Aldi, Tischtennis, Sommerrodelbahn, Lagerfeuer: Das sei einfach perfekt gewesen, schwärmt meine Bruna. Fast. Wenn da nicht die Menschen wären. Die Aborigines…

    Also zumindest jene Einheimische, die rechtsradikales Gedankengut pflegen. Und damit Vorurteile vom offen rechtsextremen Osten Deutschlands zu Urteilen aufblühen lassen. Denke ich so. Als ich die Storys meiner Bruna höre.

    In einem Döner-Laden, erzählt sie, hätten neben ihnen zwei Frauen rumgekeift. Die eine so: Früher hätten die Döner hier viel besser geschmeckt. Die andere: „Ja, Döner können die Türken einfach nicht. Genauso wenig, wie sie sich hier anpassen können.“ Ein Klassenkamerad meiner Bruna mischt sich ein, sagt: „Aber die Döner kommen doch aus der Türkei.“ Woraufhin ihn eine der Frauen anblafft: „Halt bloß Deine blöde Schnauze. Kommst wohl nicht von hierher. Wir können auch vor die Tür gehen, dann kriegst du einen auf die Fresse.“

    Puh, denke ich so. Kuschle mich an meine Coco. Sie sich an mich. Wir hassen, wir lieben uns. Aber selbst in schlechten Zeiten respektieren und achten wir uns. Denke ich so. Und werde fast ein wenig melancholisch. Hach, die Frauen dort bräuchten einen Schlicht-Kater – wie mich. 

    Und ich höre weiter, dass meine Bruna und ihre Klassenkameraden an einem Sportplatz vorbeikommen, wo gerade ein Fußballspiel läuft. Mehrere Jugendliche – offenbar aus dem Dorf – hätten sich vor ihnen aufgebaut – und dann gefragt: „Hey, ihr seht ja ziemlich links aus, seid ihr das auch?“ Sie hätten geantwortet: „Wir sind neutral.“ Und die Dorf-Jugendlichen so: „Gut für euch.“ 

    Mich fröstelt. Ob der offen zur Schau getragenen rechtsextremen Ideologie und den Drohungen. Den offen ausgesprochenen Einschüchterungsversuchen. Und ich merke mal wieder: Kuschelt. Um Stärke zu entwickeln. Ich nehme vorlieb mit Coco. Die wirklich weich sein kann. Und zart. Und zugewandt. Sagt der schlichtende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wehret den Anfängen. Und chillt, Leute!

  • 16. Mai 2026

    Klimawandelleugner und Walkadaverentdecker

    Manchmal kann selbst ich nicht weiter argumentieren. Und mir fehlen die Worte. Wenn ich merke, dass Coco in ihrer Bubble gefangen ist. Egal, was ich ihr vermitteln will, es prallt ab von ihr. Und sie frisst nicht nur ihre, sondern auch meine Leckerli auf. Und so legen wir uns danach müde beide hin. Ruhen. Schlafen. Chillen. Nach dem Motto: Nix sagen, nix sehen, nix hören. 

    Der Opa meiner Bruna ist heute per Taxi zu einer Dialyse-Station gefahren worden. Der Fahrer: Voll freundlich, sympathisch, zuvorkommend. Auf der Fahrt habe er sich dann plötzlich über die Politik ereifert, erzählt Opa Volker. Die Politiker, die könne man alle vergessen, habe der Fahrer sich ereifert.

    Da dächte eh jeder nur an sich selbst und sein Wohl. Sie stritten nur rum und es werde nichts beschlossen. Abgesehen davon, dass die da oben sich selbst ihre Gehälter erhöhten. Während er da unten vergessen werde. Und sich nicht ernst genommen fühle. Opa Volker versucht zu differenzieren, erklärt, dass es durchaus Politiker gebe, die sich für das Wohl der Gesellschaft interessierten.

    Was den Taxifahrer nicht interessiert. Weil er in Fahrt ist, die Tempo-30-Zone doppelt so schnell quert wie erlaubt. Und meint, an dieser Stelle habe er in den vergangenen vier Wochen wegen Geschwindigkeitsübertretung bereits drei Mal Strafe zahlen müssen. Es blitzt wieder.

    Und der Taxifahrer mit gerötetem Gesicht: Und das alles, also das Tempo 30, nur für eine Sache, die es eh nicht gebe. Den sogenannten Klimawandel. Er habe Wissenschaftler kennengelernt, die die grünen Thesen eines Klimawandels widerlegt hätten. 

    Der sei ausgedacht worden, weil die Solar- und Windkraft-Industrie die Wissenschaftler und Politiker bestochen habe. Opa Volker unterbricht seinen Fahrer, sagt, dass nicht nur alle ernstzunehmenden Wissenschaftler von einem menschengemachten Klimawandel sprächen, sondern eben diesen auch nachgewiesen hätten.

    Und er selbst lebe nun fast neun Jahrzehnte. Und habe diesen Wandel am eigenen Leib erfahren – früher habe es viel längere Kältewellen, viel mehr Schnee gegeben – während die Sommer bei weitem nicht so heiß und trocken gewesen seien. Klar, das Klima ändere sich auch in langen Zyklen. Aber nicht in solch kurzer Zeit, in 90 Jahren, so stark.

    Der Taxifahrer habe abgewinkt, erzählt Opa Volker. Und habe dann beim Bezahlen gemeint, es sei schade, dass Menschen wie Opa Volker von der Lügenpresse so indoktriniert seien. 

    Opa Volker muss in die Praxis. Und hört eine Nachrichtensprecherin sagen, dass die AfD in Umfragen bundesweit weiter zulege, nun als stärkste Partei 29 Prozent erreiche, während die Union auf 22 Prozent abgesackt sei. Und es habe sich herausgestellt, dass der vor Dänemark entdeckte Walkadaver tatsächlich der von Timmy sei – ein an ihm angebrachter und nun entdeckter Peilsender habe das bewiesen. Nun werde der Kadaver von Möwen aufgepickt.

    Ich schließe meine Augen. Drifte ab. In meine Welten. Bubbles. Voller Leckerlis und Harmonie. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid tolerant. Und chillt, Leute! 

  • 15. Mai 2026

    Von der Sinn- in die Daseinskrise: Bin ich Wal?

    Sie ist wieder bei mir: Die große Seinsfrage: Bin ich? Bin ich nicht? Bilde ich mir alles nur ein? Bin ich der einzige, der überhaupt existiert? Oder gibt es noch andere Kater neben mir? Je tiefer ich in diese Fragen eindringe, desto schlechter fühle ich mich. Ich falle, falle, falle. In die Tiefen. Der Unendlichkeit. Drehe mich, in der Spirale der Depression.

    Kenne aber meinen Exit: Ein Sprung in die Arme meiner Leute. Yes, Diego ist. Er existiert. Ich bin. Ich spüre ihn. Er lächelt. Und wischt mein Fell von seinem Pulli. Woraus folgt: Wir sind. Denn da fließt Energie. Und mein Fell: Fliegt. 

    Und schon bin ich bei Timmy gelandet. Dem vor zwei Wochen in der Nordsee ausgesetzten Buckelwal, der zuvor mehrfach vor der deutschen Ostseeküste gestrandet war. Und dann von einer sogenannten Rettungsinitiative für rund 1,5 Millionen Euro durch einen Lastkahn ins offene Meer beförderten Tieres, von dem nun keiner weiß, ob es die Aktion überlebt hat.

    Nun wurde der Kadaver eines Buckelwals vor einer dänischen Insel gesichtet. Timmy oder nicht? Das ist hier die große Frage. Eine Gewebeprobe soll die Frage beantworten. Die Dänen sind aber um einiges pragmatischer als die Deutschen. Die Dänen hätten einen gestrandeten Wal einfach liegen lassen, denn so etwas sei „ein natürlicher Gang der Natur, der nicht durch menschliche Eingriffe gestört werden sollte“. Und nun sei natürlich auch kein Abtransport des Kadavers geplant, das sei zu gefährlich. Sagen die dänischen Behörden.

    Denn der Kadaver könnte Krankheitserreger tragen. Und es bestehe die Gefahr einer Explosion, da sich Gase in toten Tieren sammelten. Teilt die dänische Umweltbehörde mit. Während zugleich der weinende Minister aus Mecklenburg-Vorpommern überlegt, zu dem toten Wal zu reisen. Trauerfeier nicht ausgeschlossen. Offenbar zu viel Energie.

    Und manchmal denke ich so, Wale haben es in Deutschland besser als Kater. Und Menschen sowieso. Der Opa meiner Alea war gerade im Krankenhaus. Fünf Stunden Warten bei der Aufnahme. Zusammen mit Dutzenden keuchenden Menschen. Und dass man fürs Warten trotz Termins eine Wartenummer an einem Automaten ziehen muss – in der Halle des Krankenhauses, das wie ein Supermarkt anmutet, war kaum zu erkennen. Erst recht nicht für ältere, kranke Menschen.

    Auf der Station müssen dann zierliche Pflegerinnen Krankenhausbetten mit schweren Patienten durch die Trakte schieben – kräftigere Pfleger fehlen. Auch das ist ein Grund dafür, dass Patienten nach Behandlungen drei Stunden in ihren Betten im Gang stehen, wartend, in ihr Zimmer zurückgeschoben zu werden. 

    Was es besser machen könnte: Geld. Was aber versenkt wird. Auch in Walen. Und ich spüre mich. Wut. Energie. Ich bin. Diego ist auch da. Aber: Auch Coco. Sie springt auf mich. Und erlöst mich aus meiner Sinnkrise. Befördert mich zur Daseinskrise – mit der Frage: Ich bin – aber warum ist Coco? Sagt der existenzielle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Fühlt euch. Und chillt, Leute!

  • 14. Mai 2026

    Machtgeile Weltenbestimmer von Xi über Trump bis hin zu mir

    Alles ist so klein. Von oben. Von meiner Leiter aus. Fühle ich mich erhaben. Überlegen. Und wenn dann neben mir noch der ungeschützte Schatz Felixens steht – sprich: sein Rennrad samt verletzlichen Reifen – dann bekomme ich dieses geil-eklige Gefühl, das mich leider trunken macht: Allmacht. Oder, ganz ehrlich: Größenwahn. Denke ich so. Wenn ich wieder klarer werde im Koppe.

    Fühle mich plötzlich angezogen von China. Wo nun zwei meiner großen machtgeilen Vorbilder direkt aufeinander treffen: US-Präsident Trump und sein chinesischer Counterpart Xi Jinping. Trump, der sich in seinen sozialen Netzwerken als Jesus und Heilsbringer gerierte, der davon ausgeht, er könne sich die ganze Welt irgendwann per Dekret untertan machen.

    Und Xi Jinping, der schon lange so regiert wie es Trump gerne wollte: Autoritär, diktatorisch, keine anderen Meinungen zulassend. Und es geschafft hat, aus einem armen Land einen Wirtschaftsriesen auf Innovationskurs zu trimmen. Weil er bestimmt. Und die anderen folgen. Ohne lange, nervenaufreibende und kräftezehrende Diskussionen. Wie im Westen. Denke ich so. 

    Zwei Weltenbestimmer eben. Die aber wissen, alleine schaffen sie es noch nicht – aber zusammen,  ja da könnten sie sich die Welt schon untereinander aufteilen. Chinas vorrangiges Ziel: Sich das demokratisch und unabhängig regierte Taiwan einverleiben. Bislang hatten aber die USA was dagegen. Und belieferten den Inselstaat mit Waffen. Und dem Versprechen, das Land im Falle eines chinesischen Angriffs mit zu verteidigen.

    Nun aber ist auf US-Seite ein launischer, divenhafter, nur auf den eigenen Vorteil spekulierender Präsident an der Macht, der durch den Iran-Krieg, den er nicht zu Ende bringen kann, unter massiven Druck steht. Und diesem Trump ist zuzutrauen, Taiwan als Handelsmasse für einen Deal zu nutzen: China könnte die Insel bekommen, wenn es zugleich den Verbündeten Iran dazu bewegt, die infolge des Kriegs gegen die USA blockierte Straße von Hormus wieder frei zu machen.

    Denke ich so. Damit der weltweite Handel wieder Fahrt aufnehmen kann. Und die Spritpreise in den USA wieder sinken. Auf, dass Trumps Wähler, die sich derzeit in Scharen von ihm abwenden, wieder zufriedener werden. Auf, dass der vermaledeite Krieg für alle Seiten gesichtswahrend endet. 

    China also über alles. Denke ich so. Auf meinem Leiterchen. Die Chinesen sitzen am Drücker der Macht. Wie ich am verletzlichen Schlauch von Felixens Rennrad sitze. Und tatsächlich dröhnt Xi: Sollte die Taiwan-Frage schlecht gehandhabt werden, könnte es zu Spannungen und Konflikten zwischen seinem Land und den USA kommen. Das könnte die Beziehungen in eine äußerst gefährliche Lage bringen.

    Und ich hebe meine Pfote. Gen Rad von Felix. Der zu meinen Pfoten kniet. Demütig: „Nein, nein, lieber Charlie“, ruft. Aus der Küche die Dose mit den Leckerli holt. Um mich wegzulocken – von meinem Thron, der Leiter. Und seinem Schatz, dem Rennrad.

    Ich lasse meine Pfote sinken. Springe herab. Zu den Leckerli, die mich in andere Sphären beamen. Sagt der machthungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Erstürmt Leitern der Macht. Und chillt, Leute!

  • 13. Mai 2026

    Schrei nach Liebe und Kratzen am Bein

    Klar bin ich Einzelgänger. Was nicht ausschließt, dass ich Menschen auch dulde. Meine Leute sowieso. Vor allem, wenn ich sehe, wie sie am Leid der Welt leiden. Dann habe ich nur einen Job: Sie chillen. Was schwierig ist, weil sie dann so gar keine Lust auf mich haben. Genervt sind von mir. Ich aber die Taktik dazu habe, das zu ändern. Nach dem Motto: Des Katers Krallen krallen denjenigen, den sie lieben.

    Und Felix so: Schreit auf, wenn meine Kralle seine Jeans spaltet. Will mich rüde wegstoßen. Was misslingt. Weil. Meine. Krallen. Haften. Und meine blauen Augen seine müden Augen hypnotisieren. So dass er mich stöhnend, aber sanft emporhebt. Auf dem Schoß absetzt. Beginnt, mich zu streicheln. Mich zu fühlen. Auf dass seine Metamorphose beginne. Vom gestressten Alltagsmenschen zum gechillten Genussindividuum. 

    Und ich frage mich: Warum nur sind alle so grau? Gestresst? Deprimiert? Behaupten, alles werde schlechter. Schlimmer. Wobei es ihnen so gut geht, wie wohl kaum einer Generation vor ihnen. Und ich denke so: Vielleicht ist es gar nicht so. Vielleicht liegt es an Typen wie mir. Die genau das behaupten. Was doch gar nicht stimmt.

    Denn grau ist es nie lange. Des Menschen Farben wechseln. Ständig. Changieren. Auch bei Felix. Sein Gesicht ist nicht mehr grau, sondern rot. Was nicht am Bluthochdruck liegt. Sondern: An mir. 

    Aber ich bin sicher: Viele Menschen haben Lust an Gedankenspielen mit dem Untergang der Welt. Wie man sie kennt. Und liebt. Obwohl doch viel da ist. Oder: Weil viel da ist? Alle Menschen Dach überm Kopf haben. Alle Essen haben. Und ich brainstorme mal schnell, was alles so da ist, um mich selbst zu vergewissern, was denn fehlen könnte: Bio-Lebensmittel, Cafés, Konzerte, Ärzte, Geigen, Medikamente, Urlaub, Hörspiele, Partys, Internet, vegane Wurst, Theater, Fußball-WM, Cello, Kater, Kino, Porzellan, Züge, Kratzbaum, Oatly, E-Autos, Müllabfuhr, Rente, Leckerli, Flugzeuge, Würstchen, Museen, Coco, sogar Köter.

    Quod erat demonstrandum: Es gibt nichts, was man nicht haben kann. Abgesehen vom Untergang. Dem eigenen. Und natürlich: Es fehlt an: Empathie, Zuneigung, Liebe, Nächstenliebe, Gefühl, Wärme.

    Ich kratze an den Beinen meiner Leute. Mein Schrei nach Liebe. Und gebe ja zu, es gibt Dinge, die schlechter zu werden scheinen: Meine Leute klagen, dass sie acht Monate auf einen Termin beim Augenarzt warten müssen. Der Hautarzt keine Patienten mehr aufnimmt. Zahnersatz Geld ohne Ende kostet. Künstliche statt menschliche Intelligenz Finanzberatungen durchführt. Die Bahn nie pünktlich ist. Die Preise steigen. Überall. Die Städte verdrecken. Baustellen monatelange Straßensperrungen nach sich ziehen. Rechtsextreme und Populisten überall Macht gewinnen. Und die Kriege immer näherrücken.

    Es ist kalt. In der Welt. Ich kratze an den Beinen meiner Leute. Sie werden ganz weich. Die Schockstarre löst sich. Der Kampf für das Leben in Freiheit und Wohlstand könnte sich lohnen. Sagt der kratzende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lasst euch fallen. Und chillt, Leute!

  • 12. Mai 2026

    Wie Furien locker werden und der aufgespießte Trump

    Immer locker bleiben – alles andere bringt eh nichts. Und macht es nur noch schlimmer. Leicht gesagt, schwer erlernt. Coco hat es aber mittlerweile verinnerlicht. Dieses, mein Motto. Und ich als ihr Lehrmeister liebe es, sie derart gechillt auf dem Hochbett meiner Bruna zu sehen. Mit leger herabhängender Pfote. Coolem Blick.

    Obwohl meine Bruna wütet. Weil sie und ihre beiden Freundinnen nur eine eins minus in ihrem Hexen-Vortrag in der Schule bekamen – und die Jungs, bei denen sie zugehört hatten und deren Präsentation sie miserabel fanden, eine glatte eins. Ohne minus. Und die Lehrerin zu meiner Bruna und ihren Freundinnen dann noch meinte, sie sollten sich die Präsentation der Jungs, vor allem deren prägnanten Thesen, mal zum Vorbild nehmen. Nun, es ist weniger das minus, das meine Bruna zur Furie macht… 

    Und ich denke so: Nehme sie doch Coco als Vorbild: Take it easy. Aufregen bringt nix, ist Energieverschwendung, die dann an anderer Stelle fehlt. Beispielsweise um mir Leckerli zu geben.  He, he. Nein, ich mach jetzt mal wieder einen auf Vernunft: Ist ja ganz gut, mal zu hören, was andere von einem denken, vor allem, wenn man sich selbst toll findet. Um geerdet zu bleiben.

    Tja, am besten ist es natürlich, wenn man bestätigt wird. In seinen Ansichten. Über sich. Was sagte doch kürzlich die Oma meiner Bruna über mich: „Der Charlie, ja der ist wirklich extrem süß und kuschlig.“ Ich könnte es immer wieder hören. Liebe Oma Thea. Weil es stimmt.

    Aber: Mensch ist eben anders als ich strukturiert. Der will immer Neues, Kurioses hören. Was der Grund dafür ist, dass US-Präsident Trump ständig in den Schlagzeilen ist. Weil er im Staccato mit seinen Interviewaussagen und Posts Dinge raushaut, die zuvor als völlig absurd galten. Unfassbarer Schwachsinn eben. Der aber zum Politikum wird, wenn er vom mächtigsten Mann der Welt stammt. Ich habe trotzdem Hoffnung. Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem das Unfassbare Norm wird. Und damit langweilig.

    Immerhin, es gibt eine Möglichkeit, sich abzureagieren. In dem Videospiel„Operation Epic furious: Strait to hell“ kann man in die Rolle Trumps schlüpfen. Und man muss als Trump reagieren, etwa darauf, dass ein Gericht mal wieder ein Dekret gestoppt hat. Und hat die Trump-Wahl: Diät-Cola bestellen oder in den Iran einmarschieren.

    Ich wüsste, ich würde eine imaginäre dritte Option wählen: Sprung aus dem Fenster des Weißen Hauses. In den Rosengarten. Aufgespießt von den Dornen. Ach, was rege ich mich auf. Meine furious Bruna hat zum Glück immer noch Energie. Rast in die Küche. Und verteilt zwei Dutzend Leckerli vor mir. Und Coco, die dafür ihren Chillplatz aufgibt. Für die schnöde Kost.

    Coco muss doch noch viel lernen. Denke ich so. Und lasse ihr drei Leckerli übrig. Okay, vier. Denn sie haut mich. Sagt der geschlagene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Immer locker bleiben. Und chillt, Leute!

  • 11. Mai 2026

    Das Kreischen des Leibhaftigen und andere Bettgeschichten

    Kuschlig, warm, dunkel, geschützt – oft liegt das Gute so nah. Einfach unter die Federdecke meiner Leute schlüpfen. Ist so nice. Hab ich gerade entdeckt. Als Felix – mich übersehend –  die ausgeschüttelte Decke über mich warf. Und ich so: Schnurr as schnurr can. Herrliche Ruhe.

    Bis er dann eine Stunde später wiederkam. In der Dämmerung Hülle. Die Bettdecke hochnahm. Und wir beide so: Kreisch! Ich – voll erschrocken – in der Luft quasi vor seinem Gesicht schwebend. Er – voll erschrocken – erstarrt, als ob er den Leibhaftigen sähe. Immerhin: Der Alte erlitt keinen Herzinfarkt. Hätte ich mir nicht verziehen. Echt!

    Nichtsdestotrotz: Der Platz unter der Decke, was für eine Neuentdeckung. Verhüllen tut gut. So muss sich der Reichstag dereinst unter der Folie Christos gefühlt haben. Denke ich so. Und appelliere an die jüngeren meiner Leser und Leserinnen, das mal zu googeln.

    Nun: Nichts sehen, nichts hören, viel fühlen. Unter der Decke. Einfach eine Top-Methode, dem täglichen Wahnsinn zu entkommen. Heute wäre der Wahnsinn beispielsweise die Geisterdebatte über Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg gewesen. Ein Rohrkrepierer, den ich nun leider doch mitbekommen habe. Weil ich zu spät unter die Decke eintauchte.

    Nun: Schröder in diesem Job – völlig absurd. Weil er ein Buddy Putins ist. Weil er für die russische Energiewirtschaft lobbyierte. Weil er nicht mehr fit genug ist. Aber ich denke mal positiv: Immerhin hat Putins Pseudo-Vorschlag eine Debatte ausgelöst, ob nicht doch auch Europa vermitteln kann in diesem europäischen Krieg. Was ja bislang von Putin vehement abgelehnt worden war.

    Nun sein Vorschlag. Der zeigt: Der Russe scheint ob des nicht enden wollenden Kriegs, der im fünften Jahr ist, doch zunehmend verzweifelt. Würde er ansonsten einen solchen Vorschlag machen? 

    Und ich bedauere, dass neben Schröder nun nur noch Leute wie Bundespräsident Steinmeier und Altkanzlerin Merkel als deutsche Kandidaten für diesen Job genannt wurden. Aber niemand an das Naheliegende denkt: An Kater, an Kater wie mich. Die besten Schlichter der Welt. Denke ich so.

    Springe zum mittlerweile schnurrenden Felix ins Bett. Der mir erzählt, dass meine Bruna heute in der Schule die 800 Meter in 2 Minuten und 56 Sekunden rannte. Krass schnell. Fast wie ich. Viel schneller als Felix. Das ist eine wirklich wichtige News. Finde ich. Kreisch! Unwichtig dagegen, was Felix mir sonst noch so zuflüstert: US-Präsident Trump habe heute einen iranischen Vorschlag für ein Ende des Kriegs als inakzeptabel bezeichnet. Who cares? Denke ich so.

    Und bin froh, doch so einiges unter der Decke nicht mitbekommen zu haben. Felix labert. Ich muss es nicht wissen. Er zieht die Decke über uns. Kuschel as kuschel can. Sagt der vermittelnde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen für Neues. Und chillt, Leute!

  • 10. Mai 2026

    Die Ameise im Hirn: Ich kann lesen, ich schwör

    Natur ist nichts für mich. Auf Insekten kann ich gut verzichten. Denke ich so. Als ich Lauras Story höre. Von der Ameise. Die ihr, als sie auf der Picknickdecke im Garten ihrer Mutter Thea chillte, plötzlich ins Ohr lief. Nicht rauskam. Weder nach Kopfschütteln noch nach Versuchen, sie herauszufingern. Im Gegenteil. Sagt Laura.

    Plötzlich habe es unter ihrer Kopfhaut begonnen zu krabbeln. Zu jucken. Die Ameise im Hirn. Habe sie zum Joggen gebracht. Zum Zeichnen. Zum Telefonieren. Allein, weil sie sich habe ablenken müssen. Von diesem Gedanken. Der krabbelnden Ameise in ihrem Kopf. Das Ergebnis: Positiv. Sport abgehakt, Kunstwerk entstanden, Kontakte gepflegt. Und ich denke so – so entstehen geflügelte Worte: „Der ist wohl eine Ameise ins Gehirn gekrochen“ – als Synonym für Kreativität und Antrieb. 

    Und eine wunderbare Entgegnung auf den Prollspruch: „Dem haben Sie wohl ins Gehirn geschissen“ Denke ich so. Muss man sich mal vorstellen, eine Ameiseninvasion in solche vollgekackten Hirne. Dann wären vielleicht auch solche Gruselumfragen Vergangenheit: In Sachsen-Anhalt, wo in knapp vier Monaten der Landtag neu gewählt wird, kommt die rechtsextremistische AfD bei der jüngsten Umfrage auf 41 Prozent – mit steigender Tendenz.

    Es ist so unfassbar. Selbst für mich unbedeutende Katerexistenz. Denn diese Partei ist offen rassistisch, ausländerfeindlich, queerfeindlich, Nato-feindlich, Putin-freundlich, Trump-freundlich and so on and so on. Nun, meine Leute fuhren auf dem Weg zu Lauras im sächsischen Eilenburg lebenden Mutter durch Sachsen-Anhalt.

    An der Landesgrenze begrüßten sie Schilder mit der Aufschrift: „Modern denken.“ Und ich denke so: Was bedeutet denn das? AfD wählen? Ausländer diskriminieren? Klimawandel leugnen? Sie sollten sich Ameisen einsetzen lassen. 

    Nun, die künstliche Intelligenz brauche ich eigentlich gar nicht – aber sie bestätigt mir: Ist natürlich Quatsch, dass Ameisen in Gehirne eindringen können. Nur die menschliche Fantasie, Lauras Fantasie, macht es möglich. Macht es auch möglich, dass Lauras Mutter Thea denkt, sie habe mich heute zum ihrem birthday geschenkt bekommen. Obwohl es doch nur eine Wärmflasche mit weißem Fell ist.

    Ich aber bin mehr als das, ich schwöre. Und lese in der Zeitung, auf der ich chille – yes really: Ich kann lesen! – in Karlsruhe habe eine mutmaßlich aus Osteuropa eingeschleppte Ameisenart eine Ampelanlage lahmgelegt, indem sie das Steuerungsgerät zerstört habe. Es sei zu Unfällen gekommen. Die Bisse dieser Art seien extrem schmerzhaft.

    Und ich denke so: Eine Ameise ist eben doch keine A Meise. Die an mir vorbeiflattert. Vorm Fenster. Hach, ich würde ja doch gerne in die Natur. Sagt der genießende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schützt, nein schätzt die heimische Ameisen. Und auch a Meise. Und chillt. 

  • 9. Mai 2026

    Putins Tod beim Zungenkuss und Putzen als mentale Hygiene

    Es ist kein Klischee, dass wir Kater sehr reinliche Tiere sind. Ich liebe es, sauber zu sein. Das Fell zu pflegen. Gut nach mir zu duften. Mich beim Spüren meiner rauen Zunge zu entspannen. Klar, das Säubern macht auch Arbeit. Fast die Hälfte meiner Wachzeit – so jedenfalls wollen es internationale Kater-Statistiker herausgefunden haben – verbringt meine Art mit Putzen. Was, nebenbei erwähnt, natürlich auch gut ist für die Fitness. Weil man sich verbiegen muss, um an Rücken oder Po zu gelangen. Leck as leck can eben. 

    Es ist wieder mal so schade, dass die meisten Menschen nicht auf uns Kater hören. Denke ich so. Wenn ich deren dreckige Welt beobachte. Und muss kotzen ob deren schmutzigen Deals. Die gen Himmel stinken. Und Ekzeme verursachen. Offenbar leider nicht bei den Richtigen – den Drecksarschlöchern eben, sorry. Für die Wortwahl.

    Hach, wenn die sich mal so richtig Zeit nähmen zum Putzen. Hygiene übten. Wenigstens mental. Wie entspannt sie sein könnten. Denke ich so. Weiß aber, dass sie es nicht sind. Wenn ich US-Präsident Trump mit seinen stetigen Drohungen höre, irgendwen zu vernichten. Oder heute nun Kremldespot Putin sehe bei seiner Parade zum Andenken an den Sieg über Nazi-Deutschland.

    Der Mann sieht völlig verkrampft aus, hat mittlerweile so viel Angst vor allen anderen, dass er das Internet in seinem Land seit Tagen zu einem großen Teil lahm legt. Er hat so viel Angst vor ukrainischen Drohnen, dass er seine schönsten Panzer nicht mehr draußen vor dem Kreml vorbeirollen lässt, sondern lieber in den Garagen verrotten lässt. Was sich alles auch auf seine Gästeliste auswirkt. Aus der EU schaut nur noch einer vorbei, ein Slowake, der von den russischen Energielieferungen abhängig ist. 

    Und so kommt es, dass Putin relativ alleingelassen von der Welt, verkündet, der Ukraine-Krieg sei bald gewonnen. Und als Vermittler könne er sich Altkanzler Gerhard Schröder vorstellen. Und ich denke so: Das ist doch der Typ, der mit Putin befreundet ist. Der für russische Energiekonzerne aktiv war. Und eigentlich hierzulande ziemlich unten durch ist.

    Wegen seines Geruchs. Gestanks. Aber vielleicht könnten sich die beiden ja gegenseitig putzen. Lecken. Um dann beim solidarischen Zungenkuss jeweils die Zunge des anderen zu verschlucken. Puuh, nochmal sorry für die Polemik. Aber ich bin wirklich genervt.

    Und freue mich, dass es doch auch Menschen gibt, die den Kater achten. Diego! Der putzt sich. Duftet. Und geht tiefenentspannt zum Medizinertest in ein Berliner Hotel. Macht den mit 399 anderen Menschen acht Stunden lang. Um die Berechtigung zum Studium zu bekommen. Nach getaner Arbeit chille ich auf seinem Schoß. Lecke ihn. Seinen Schweiß ab. Er krault mich. Wir sind sauber. Und es ist sooo nice. Sagt der geputzte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stinkt nicht. Und chillt, Leute!

  • 8. Mai 2026

    Lauras Träume: Zombies und gelbe Kaffeemaschinen

    Wer schläft, träumt. Wer träumt, erfährt sein Inneres. Wer darüber redet, ist mutig. Denke ich so. Als ich Laura höre. Die frank und frei über ihre Träume erzählt. Und damit in ihre Abgründe blicken lässt. In die ich gerne mit hineinspringe. Hehe. Aber dazu gleich mehr.

    Nun, Lauras Dreams: Sie macht Krafttraining. Mit Diego. Irgendwo draußen. Am Strand. Denn plötzlich fährt es vorbei – das Schiff, aus dem ein kollektives Stöhnen dringt, Menschen hängen über der Reling, krümmen sich. Kämpfen gegeneinander. Einige sind tot. Das Meer neben dem Schiff ist rot verfärbt – vom Blut.

    Plötzlich kehrt gespenstische Ruhe ein. Laura jumpt rein ins rote Meer. Schwimmt zum Schiff. Klettert rauf. Stolpert über Leichen. Durch den Salon, der völlig verwüstet ist. Hin zur Kombüse. Wo sie steht: Die gelbe Kaffeemaschine. Die Laura sich greift. Einpackt in ihren wasserdichten Rucksack. Sie schwimmt zurück.

    Am Strand wartet bereits meine Bruna mit ihrem Porsche. In dem auch Diego sitzt. Meine Bruna rast los. Sie kommt nicht weit. Denn vor ihr türmt sich etwas Weißes, Felliges auf. Ein Riesenkater. Er beugt sich runter. Laura spürt seinen Speichel auf sich tropfen. Spürt, wie er nach der gelben Kaffeemaschine greift. Sie krallt sie an sich. Sieht schwarz. Und merkt. Kaffeemaschine weg. Schlafmaske noch nicht. 

    Nun, die Realität: Rund 150 Passagiere sind mit ihrem Kreuzfahrtschiff, auf dem das Hantavirus grassiert, auf dem Weg nach Teneriffa. Dort darf das Schiff, das niemand haben will und vor dem alle Angst haben, in zwei Tagen anlegen. Hafenarbeiter auf der kanarischen Insel demonstrieren gegen den Plan. Es gebe keine Infos zu dem Einsatz, nicht mal dazu, welche Schutzkleidung sie im Hafen tragen sollten. Monieren sie.

    Während die Menschen an Bord erleichtert sind, dass das Schiff endlich wieder fährt. Irgendwohin. Nachdem sie zuvor tagelang vor Kap Verde vor Anker lagen. Ohne zu wissen, was passiert. Und nur klar war: Das Hantavirus hat mindestens acht Menschen an Bord infiziert, von denen drei gestorben sind. Nun, nach Ankunft in Teneriffa soll ein Arzt an Bord kommen und sie untersuchen. Viel mehr weiß niemand. 

    Mir fallen die Augen wieder zu. Ich spüre einen Aufprall. Sehe zu meiner Pfote einen kleinen Porsche. Mit einer knallgelben Kaffeemaschine, meiner Bruna, mit Laura und Diego. Die zittern. Nicht vor Angst. Sondern weil sie offenbar hohes Fieber haben. Sie sind bleich. Entstellt. Blut tropft aus ihnen. Kurz: Sie müssen infiziert sein.

    Ich überlege nicht lange. Sondern erlöse meine Leute von ihrem Leid. Mit meiner Kralle. Und forme aus der Kaffeemaschine ein Leckerli. Das ich nicht schlucken kann. Weil auf meine Schnauze krasser Druck ausgeübt wird. Coco. Sitzt auf mir. Sagt der verträumte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Träumt. Und chillt, Leute!