Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 11. September 2026

    25 Jahre nach 9/11: Das Grauen hört nicht auf

    Es gibt Tage, die die Welt verändern. Kenne ich. Wenn ich an Corona oder die Kriege in der Ukraine und im Iran denke. Für Felix aber markiert noch viel stärker ein anderer Tag eine solche Zeitenwende. Sagt er. Und ist really erschüttert, als er zum x.-ten Mal die Bilder sieht, die zeigen, wie zwei Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers krachen.

    Wie die 400 Meter hohen Türme brennen. Menschen aus dem oberen Stockwerken springen, weil sie nicht verbrennen wollen. Und die Türme dann kollabieren. Riesige Staub- und Aschewolken die Straßenschluchten der Millionenmetropole grau machen. 25 Jahre ist das jetzt her. Und Felix sagt: „Wie krass, ein Vierteljahrhundert. Und doch, als ob es gestern gewesen wäre. Irgendwie. Weil es so intensiv war.“

    Ich bin tatsächlich – nicht nur wegen der Leckerli vor dem Fernseher, he he – auch gebannt, fasziniert von den Bildern. Die nicht aus einem fiktionalen Film kommen, sondern aus der Realität. Die damals auf den Kopf gestellt wurde. Weil die als unverwundbar geltende USA von islamistischen Terroristen angegriffen wurden. Die vier Flugzeuge kapern konnten. Die nicht nur die Türme trafen, sondern auch das Pentagon bei Washington. Während das vierte über einem Feld abstürzte.

    Klar war: Die USA, Symbol der freien Welt, wurde attackiert. Das war bis dahin für viele unvorstellbar. Fast 3.000 Menschen starben – und bis heute mindestens nochmal so viele, die damals dem giftigen Dämpfen und dem Staub ausgesetzt waren. Und ich denke so: Klar, dass sich das in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingebrannt hat. Unklar aber, warum sie daraus keine guten Lehren gezogen haben. Sondern nur nach dem Motto: Rache. Gegenrache. Krieg. Tod. Hass. Gehandelt und reagiert haben. 

    Durch diese Attacken sei die Welt eine andere geworden. Sagt Felix. Die USA starteten ihren Krieg gegen den Terror. Erst griffen sie einen Monat später Afghanistan an, um die für die Anschläge verantwortlichen Al-Kaida-und Taliban-Leute zu töten. Später dann folgte der Irak-Krieg.

    Präventivkriege seien die neue Taktik gewesen. Sagt Felix. Dafür seien die Verteidigungsausgaben massiv gesteigert, der Sicherheitsapparat ausgebaut worden. Auch das 2002 in Betrieb genommene Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba, in dem Häftlinge gefoltert worden sein sollen, sei eine Folge. Erzählt Felix.

     Hat Tränen in den Augen. Als er vom Besuch des Memorial Museums am Ground Zero – dem Ort, an dem die Türme des World Trade Centers in New York standen – spricht. Da seien viele persönliche Gegenstände der Opfer ausgestellt, Koffer, Uhren, Schuhe – auch die zerfetzte Puppe eines Kindes.

    Felix erzählt, auch eine Katze an Bord einer Maschine sie ums Leben gekommen, sie sei mit ihrer Besitzerin bestattet worden. Welch Grauen. Denke ich so. Immerhin gibt es eine good news: In den Trümmern sei auch eine acht Wochen alte Katze gefunden worden, die dann an eine Familie vermittelt worden sei. Erzählt Felix.

    Und ich denke so: Auch im Grauen kann es mal positive Überraschungen geben. So richtig Hoffnung macht mir das allerdings nicht. Sagt der deprimierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid aufmerksam. Und chillt, Leute! 

  • 10. September 2026

    Wie meine Nuria ohne mich nach Palermo auswandert – Dolce Vita mit Warnton

    Reisen: Muss nicht sein. Lebensfreude: Muss sein. Deswegen will ich mit. Mit meiner Nuria. Weil die gerade so bunt ist. Unfassbare Energie. Vorfreude. Leidenschaft ausstrahlt. Beim Packen des Koffers in meinem Berliner Revier. Und das, obwohl der Abschied ansteht. Von mir. Denn meine Nuria will für sechs Monate nach Palermo. Erasmus-Studium.

    Oder anders ausgedrückt: Ein halbes Jahr dolce vita pur. Denke ich so. Was meine Nuria natürlich weit von sich weist. Sie wolle dort Scheine machen für ihr Liberal Arts-Studium. Und naturally ihr Italienisch verbessern. Viel Arbeit sei das also. Und ich denke so: Als ob. Mir gegenüber kannst Du doch ehrlich sein.

    Chillen ist angesagt. In milder, mediterraner Luft. Am Meer in der Sonne einen Espresso schlürfend. Um dann auf einen der vielen Street Food-Markets Pecorino Siciliano auszusuchen, der mit den neuen amici und amiche auf einer von Platanen umsäumten Piazza genossen wird. Während meine Artgenossen, die zu Zehntausenden die Stadt beherrschen,  um ihre Beine schleichen. Und das alles in ganz entspanntem Tempo… 

    Ich kann nicht weiter träumen. Denn meine Nuria kann hart sein. Unerbittlich. Lässt mich nicht in ihren Koffer klettern. Immerhin: Coco darf auch nicht. Und so fühle ich die tiefe Traurigkeit in mir aufsteigen: Als sie zur Pforte schreitet. Sich noch einmal umdreht und „Ciao gatto“ ruft. Und ich so voller Entsetzen: „Nein, bleib hier, nimm mich mit.“

    Und ich räume das menschliche Gefühl ein: Neid steigt in mir auf, als ich beobachte, dass sie Diego mitnimmt. Der diene ihr als Träger. Des Koffers. Und des Cellos. Und als Beschützer. Sagt sie. Das könne ich ja kaum, he, he. Fügt sie hinzu. Während Diego  die Treppen herunter stolpert. Auf dem Weg zum Zug Richtung Genua. Von wo aus es dann in 20 Stunden per Fähre nach Palermo geht.

    Und ich denke so: Ein guter Tag also. Für Diego und Nuria. Und im Grunde doch auch für mich. Denn nun kehrt endlich wieder Ruhe ein. In mein Revier. Doch kaum habe ich das gedacht, stehe ich quasi in der Luft – mit allen Vieren weit von mir gestreckt. Synchron neben mir: Coco.

    Ein ohrenbetäubender Lärm ist um uns. Schrillt aus Felixens im Wohnzimmer deponierten Handy. Erst als der nach Minuten aus seinem Zimmer torkelt und auf das Display schlägt, ist wieder Ruhe da. „Scheiß-Warntag“, flucht er. Und ich bin wieder mal überrascht. Vom Stumpfsinn der Menschen: Denn wer weiß schon, wann die nächste Flutwelle durch die Hauptstadt rollt. Und eine Warnung nicht ganz so schlecht wäre? 

    Nun: Ich bleibe positiv. Es soll der Tag der good news bleiben: You remember? Vor einigen Wochen gab es die Story von der auf einem Autobahnparkplatz in Frankreich verloren gegangenen Hauskatze. Die Familie reiste immer wieder dorthin zurück – und nach 28 Tagen nun wurde Chanel gefunden. Die Besitzer so: Chanel scheine sich zu freuen, sie wiederzusehen.

    Und ich denke so: Träumt weiter. Wir Kater freuen uns. Nie. Sagt der das süße Leben genießende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lebensfreude. Und chillt, Leute! 

  • 9. September 2026

    Ich nasche an den Früchtchen des Zorns – Meine Liebe zum Theater

    Energie. Kraft. Zorn. Wut. Leben. Yes! Menschen. Ihr habt es doch auch in euch. Wie wir. Kater. Also: Lasst es raus. Fühlt es. Fühlt euch. Es tut so gut. Ist so gesund. Für die psychische Hygiene. Ich durfte mit meiner Bruna und Felix mit ins Theater Thikwa in Kreuzberg. Dort zeigen zehn Schauspieler und Schauspielerinnen das Stück „Früchtchen des Zorns“ von Mark Schröppel.

    Das Besondere: Acht der zehn sind behindert. Und ich denke so: Traurig, dass ich das so heraushebe. Wer entscheidet eigentlich, wer behindert ist? Andere Debatte, zurück zum Zorn: 70 Minuten exzessives Spiel – 17 Bilder, die unabhängig voneinander stehen, zu Themen wie Streit, Versöhnen, Wut, Ekstase.

    „Haltet die Fresse“ schmettern die Schauspieler und Schauspielerinnen, begleitet vom naturally live groovenden Punk des Stereo-Total-Sängers Brezel Göring. Gehuldigt wird dem Streit. Wie großartig es ist, Emotionen ungefiltert aus sich zu schleudern, andere als „Wichser“ zu beschimpfen, dadurch sich selbst zu befreien. Streit als Wert an sich. Wie auch kämpfen.

    Jeder gegen jeden. Dabei werden Dutzende Früchte – natürlich Ausschussware vom Großmarkt – zerquetscht, der Fruchtsaft von Zitronen spritzt über die Bühne, die glitschig-klebrig zur Rutschbahn wird. Eine Liebesszene. In der die Liebenden aneinander vorbeireden. Zwölfjährige Kinder, die gegeneinander kämpfend und kotzend in Kriege ziehen.

    Im Stroboskoplicht-Gewitter zerstampfen alle die Früchte. In einem Behälter, aus dem dann ein Verzweifelter tropfend an einem Fleischerhaken nach oben gezogen wird. Und ich – the big literary-expert he, he – denke an John Steinbecks Roman „Früchte des Zorns“, der von einer Farmerfamilie in den USA erzählt, die zur Zeit der Großen Depression in den 1930er Jahren nach Arbeit sucht, aber in erster Linie ausgebeutet wird. Verzweiflung, die sich in Zorn wandelt. 

    Intensiv ist es: Sagt auch meine beeindruckte Bruna. Die durfte bereits vor den anderen Zuschauern in den Saal, um die Atmo zu schnuppern. Ihr Onkel Chris, Dramaturg des Stücks, holte sie rein. Die Schauspielerinnen und Schauspieler seien so echt, so authentisch, so viel sympathischer und nahbarer als die sogenannten Normalen, die immer eine Fassade um sich hätten.

    „Die Beeinträchtigten spielen nicht, sie sind einfach sie selbst.“ Sagt meine Bruna. Keine, keiner sei darauf aus gewesen, cool zu wirken, seine oder ihre Aufregung zu verstecken. Und nach dem minutenlangen Applaus dröhnt aus dem Back der begeisterte Schrei einer Schauspielerin: „Wir haben es geschafft.“

    Der Umgang mit diesen Schauspielern sei schon besonders, erzählt Chris. Eine junge Akteurin sei kurz vor der Premiere wütend aufgestanden, habe das Thikwa-Theater verdammt und geschrien, sie werde nie wieder kommen. Ihr sei das alles viel zu unprofessionell. Zehn Minuten später sei sie zurück gekommen. Als ob nichts geschehen sei.

    Während ein anderer sich über die zu starke Aufmerksamkeit für eine Kollegin beschwert habe: „Nur weil meine Behinderung nicht so offensichtlich ist, heißt das noch lange nicht, dass ich weniger gefeiert werden will“, habe er sich beschwert.

    Und ich spüre die krasse Energie. Jumpe aus dem Rucksack meiner Bruna zum am Fleischerhaken hängenden Mann. Spüre mich empor gehoben. Liebe es. Diese Energie zu spüren. Diese unbändig Wut. Diesen Zorn. Sagt der gepushte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid inklusive. Und chillt, Leute! 

  • 8. September 2026

    Ein weiser Opa kämpft gegen die AfD-Parolen von Taxifahrern

    Die kleinen Kämpfe sind wichtig. Wichtiger manchmal als die großen Worte. Von Kanzlern und Präsidenten. Und so schaue ich bewundernd auf den Opa meiner Nuria und seine Kämpfe, die er regelmäßig drei Mal die Woche ficht. Mit den beiden Taxifahrern, die ihn zur Dialysestation chauffieren. Und die beide stramm auf AfD-Kurs segeln. Die beide die Rechtspopulisten loben. Und die sogenannten Altparteien verdammen. Und Opa Volker: Hält dagegen. Mit Argumenten. 

    Mutig. Denke ich so. Könnten ihn ja auch unterwegs einfach mal rausschmeißen. Den aufmüpfigen alten Mann. Tun die Taxifahrer aber nicht. Sie hörten zu. Sagt Opa Volker. Beispielsweise als er erklärt, dass beileibe nicht zu viele Migranten in Deutschland lebten – und ihre Abschiebung bedeuten würde, dass der Ärzte- und Facharbeitermangel noch größer würden.

    Als er erklärt, dass die Rentenbeiträge natürlich nicht direkt für einen selbst eingezahlt würden – sondern es einen sogenannten Generationenvertrag gebe. Die Jungen also für die Alten zahlten. Als er erklärt, dass es derzeit nur günstiges Gas und Öl aus Russland geben könnte, wenn zugleich die Unterstützung für die Ukraine abgegeben würde – was dann wiederum die Gefahr berge, dass Russland auch Nato-Staaten angreifen könnte.

    Als er erklärt, fast die ganze Wissenschaft sage, der Klimawandel sei zum großen Teil menschengemacht. Seit der Industrialisierung sei der für den Treibhauseffekt verantwortliche CO2-Ausstoß um mehr als 50 Prozent gestiegen, weil Menschen Öl, Gas und Kohle verbrennen sowie Wälder abholzen. 

    Natürlich wisse er, dass die Taxifahrer seine Einlassungen vielleicht mit genervten Schulterzucken quittierten. Sagt Opa Volker. Aber gestern habe ihn der eine Taxifahrer gefragt, ob er ihm mal einen Artikel schicken könne, in dem was über den Klimawandel stehe. Was Opa Volker sofort machte.

    Also genau der Weg, wie es laufen sollte. Denke ich so. Während ich mit Coco fighte. Um ein kleines Leckerli. Und verliere. Nun: Es ist gut, wenn Menschen  mit Menschen reden. Argumente austauschen. Es kann fruchten. Verschiedene Blickwinkel. Abzugleichen. Meine Nuria besucht ihren Opa Volker. Schwärmt begeistert: Dieser sei nun richtig weise.

    Sei auch dabei, seine Erinnerungen ans Leben aufzuschreiben. Um zu zeigen, wie es mal so war. Und zu erzählen, dass der Zweite Weltkrieg mit den mörderischen Nazis noch gar nicht so lange her ist. Und ich denke an die Taxifahrer, merke: Kein Kampf ist umsonst. 

    Wie falsch zu denken, man könne als kleines Nichts eh nichts bewirken. Ein Gefühl, das Demokratie tötet. Und auf den Schrottplatz fauler Ausreden gehört. Sagt der alle Weisen bewundernde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Argumentiert. Und chillt, Leute!

  • 7. September 2026

    Im Land der Bekloppten – oder Sachsen-Anhalt und ich

    Irgendjemand muss Schuld sein. Daran, dass die rechtsextreme AfD in Sachsen-Anhalt mit Abstand die stärkste Partei geworden ist. Ich sehe perplexe Journalisten, die auch dieses Mal wie in den Jahren zuvor nach Wahlerfolgen der Rechtspopulisten wieder und wieder analysieren, die etablierten Parteien seien dafür hauptverantwortlich.

    Um dann erneut zu konstatieren, das müsse doch nun ein Weckruf für die Parteien sein. Eine andere Politik zu machen. Und ich frage mich so: So viele Weckrufe. Für eine andere Politik. Was aber heißt anders?  Ich sehe Politiker der CDU, der SPD, der Grünen und der Linken. Die die AfD-Ergebnisse immer wieder als Warnschuss bezeichnen.

    Und erinnere mich, wie CSU-Chef Söder nach der Bundestagswahl vor anderthalb Jahren sagte, die schwarz-rote Koalition sei nun die letzte Patrone für die Demokratie – und Kanzler Merz ähnlich ins Lamento einstimmte: Wenn die politische Mitte nicht handele, werde die AfD bald stärkste Kraft sein. Und ich denke so: Ita est.

    Allerdings: Ich finde, so manche Politiker und auch Journalisten haben ihren Job gemacht. Reformvorhaben wurden diskutiert, analysiert, abgestimmt. Es gab unzählige Podcasts, Berichte und Reportagen über das Ringen in der Politik im Fernsehen, im Netz, im Radio und in Zeitschriften und Zeitungen. Demokratie eben. Politiker, Reporter, Wissenschaftler, Schauspieler, Pastoren und Wirtschaftsbosse warnten vor der AfD. Ihr Programm wurde seziert.

    Und jeder, der Grundschulmathematik versteht, musste erkennen, dass das Programm der Extremisten nicht nur unmenschlich, sondern umfinanzierbar ist. Und trotzdem: In Sachsen-Anhalt wählte fast jeder Zweite der 1,7 Millionen Wahlberechtigten die AfD. 

    Wer also ist Schuld daran? Für mich offensichtlicher denn je: Die Wähler, die Bürger, sorry, kurz: die Bekloppten. Möchte ich schreien. Wenn ich schreien könnte. Vollkommen verblödete degenerierte Menschen. Die behaupten, sie wählten nach Gefühl. Gefühl!!! Und klar, dann kann man auch für Argumente nicht mehr empfänglich sein. Denke ich so. Kurz: Diese Bürger sind unbelehrbar. Und doof.

    Womit ich beileibe nicht ausdrücken will, dass Menschen nicht von der Politik der etablierten Parteien enttäuscht sein dürften. Die natürlich extrem viele Fehler gemacht haben. Die lügen, Wahlversprechen brechen, Schulden aufnehmen, obwohl sie zuvor das Gegenteil versprochen haben, unehrlich sind, weit weg vom Menschen agieren.

    Aber selbst wenn das so ist: Nichts, absolut nichts rechtfertigt die Wahl von Rechtsextremisten. Finde ich. Und denke so, es könnte eigentlich ganz einfach sein. Wenn die Parteien mal nur versuchten, Gerechtigkeit zu schaffen. Ein bisschen. Also beispielsweise eine Rentenkasse, in die auch Beamte einzahlen.Oder eine Krankenversicherung für alle – ohne private Krankenversicherung. Themen, die verschimmeln.

    Tja. Schuld sind eben immer die Anderen. Neben mir liegen Scherben einer Vase auf dem Boden. Ich weiß: Schuld ist Coco. Sagt der unschuldige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid klug. Und chillt, Leute! 

  • 6. September 2026

    „Haltet die Schnauze“: Wie ich zwischen AfD und Shakespeare taumle

    „Es ist eine schlimme Zeit!“ Ruft ein als Narr verkleideter Schauspieler von der Bühne des Berliner Ensembles. Erzählt Felix. Wenige Minuten zuvor sind nach Schließung der Wahllokale in Sachsen-Anhalt die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme geflimmert. Sehe ich.

    Und sie bestätigen schlimmste Befürchtungen: Der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Landesverband der AfD hat die Wahl mit riesigem Abstand gewonnen – weit mehr als 40 Prozent der rund 1,7 Millionen Wahlberechtigten votierten für die Rechtsextremisten. Und die CDU halbiert ihr Ergebnis von 2021 auf deutlich unter 18 Prozent.

    Im Berliner Ensemble, dem Theater, das der Antifaschist Bertolt Brecht vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg  gegründet hatte, klatschen die Zuschauer enthusiastisch, als der Narr über die schlimmen Zeiten reflektiert. Während ich in unserer Küche Trockenfutter in mich würge. Diego Jazz-Piano improvisiert. Und meine Bruna Coco krault. 

    „Was ihr wollt“- so heißt das Theaterstück, in dem Felix und Laura weilen. Shakespeares weit über 400 Jahre alte Komödie, in der der Schauspieler Veit Schubert den Narren verkörpert. Der verzweifelt am Irrsinn, Unsinn, Starrsinn, Wahnsinn, Schwachsinn.

    Dem er versucht, mit Gesang zu entkommen: „Haltet die Schnauze“, singen erst die Schauspieler, bis dann nach und nach die Zuschauer einstimmen – eine Zeile, die im Shakespeare-Original ebenso wie das Zitat „Es ist eine schlimme Zeit“ nicht enthalten ist. Natürlich. Sagt der Shakespeare-Experte Charlie. He he.

    In der Pause des Stücks hätten alle auf ihren Handys die Hochrechnungen angestarrt. Erzählt Felix. Mit ungläubigem Ekel. Kann ich verstehen. Ich erinnere mich an Kanzler Merz. Der bei seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren prahlte, er werde die Ergebnisse der AfD halbieren. Die Ergebnisse haben sich verdoppelt. Die der CDU mehr als halbiert. 

    Ich spüre eine bleierne Schwere über mir. Die habe sich auch über das Berliner Ensemble gesenkt. Erzählt Felix. Sagt: Es ist eine schlimme Zeit, eine Zeitenwende für Deutschland, eine Zäsur. Historisch. Denke ich so. Noch nie haben die Rechtspopulisten in Deutschland eine Wahl so deutlich gewonnen. Sie haben sogar die Chance, einen Ministerpräsidenten zu stellen. Es wäre das erste Mal in der Geschichte Deutschlands, dass eine als rechtsextrem eingestufte Partei auf Landesebene die Regierungschefposition übernimmt. Mir ist übel.

    Und ich stelle mir die Shakespearsche Frage: „Was wollt ihr?“ Ich würde gerne schreien: Keine Rechtsextremisten. Werde aber übertönt aus Sachsen-Anhalt. Wo die Bürger schreien: AfD. Eine Partei, die Migranten rausschmeißen will. Die die Schulpflicht abschaffen will. Die die wegen des Iran-Kriegs wieder extrem hohen Spritpreise senken will. Die den Ukraine-Krieg beenden will.

    Ach herrje, ich will auch so viel, lieber Shakespeare. Denke ich so. Und will an die Welt gerichtet schreien: „Haltet die Schnauze!“ Sagt der bedrückte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kämpft gegen Rechtsextremismus. Und chillt, Leute!

  • 5. September 2026

    Mein Sieg mit Afrika und ohne KI über die USA und deren Weltkarten

    Ich bin echt. Real. Echt. Leider kann Realität durch Künstliche Intelligenz mittlerweile so krass simuliert werden, dass ich oft einen Unterschied zwischen echt und unecht nicht mehr erkennen kann. Felix und Laura nahmen mich heute mit ins Kino Babylon in Berlin Mitte – zu einem Stummfilmfestival.

    Im Foyer des Kinos begrüßt mich eine silbern glänzende Roboterfrau, die ich – der begeisterte Cineast, he he – natürlich kenne: Der ikonische Maschinenmensch, die sogenannte falsche Maria, aus dem Monumentalfilm „Metropolis“ von Fritz Lang von 1927. Ich hüpfe zu ihr, seltsam angezogen. Vielleicht, weil sie eine Technologieangst bereits vor 100 Jahren symbolisierte, die heute ähnlich wieder da ist.

    Damals fürchteten viele, durch seelenlose Maschinen ersetzt zu werden; heute: durch seelenlose KI. Damals fürchteten viele, durch Maschinen, heute durch KI kontrolliert zu werden. Damals fürchteten viele, durch Maschinen, heute durch KI entwertet zu werden. Ich hüpfe auf die Roboterfrau. Meine Leute: Angespannt. Dabei ist klar: Ich. Bin. Echt. Und Maria. Ist . Eine. Puppe. 

    Und dann sitzen wir im Kinosaal.Gezeigt wird der ein Jahr vor „Metropolis“ veröffentlichte Stummfilmklassiker „The General“ von Buster Keaton. Felix und Laura sind begeistert. Ich bin begeistert. Nicht nur vom Pianisten, der dem 87-minütigen Film durch seine Musik eine Sprache gibt, die für jeden verständlich ist.

    Sondern auch vom Film an sich, einer Action-Komödie mit atemberaubenden Stunts, Verfolgungsjagden mit Eisenbahnen, Slapstick par excellence. Felix meint, es wirke, als ob bereits damals KI im Einsatz gewesen sei, Drohnenaufnahmen gemacht worden wären. Stuntleute die krassen Stunts gemacht hätten.

    Aber: Keaton spielte alle Szenen, auch die gefährlichen, selbst. Die Lokomotiven – alle echt. Auch die, die von einer Brücke in einen Fluss stürzt. Die Kamera ist genial positioniert.

    Drei Stunden später sieht Felix mit Diego den Film „Dune 2“ von Denis Villeneuve – aus dem Jahr 2021. Die Aufnahmen der Raumschiffe, vom überdimensionalen Sandwurm wirken krass real – entstanden natürlich durch KI. Und ich denke so: Heute wirkt das Echte unecht und das Unechte echt. Weird. Wild. Krass. 

    Und schon bin ich in Afrika. Die Afrikanische Union will endlich Realität abbilden – die aus dem 16. Jahrhundert stammenden und weltweit am häufigsten genutzten sogenannten Mercator-Projektionen sollen ersetzt werden durch flächentreue „Equal Earth“-Karten.

    Die UN-Generalversammlung stimmte nun für eine entsprechende Resolution mit dem Titel „Correct the map“ Togos. 

    Denn bislang wirkt Afrika auf den alten Karten durch Verzerrung so groß wie Grönland – und das, obwohl der Kontinent 14 Mal so groß ist wie die arktische Insel. Nur die USA stimmten gegen die Resolution. Klar: Sie würden durch die neue Karte kleiner.

    Und ich feiere mit Afrika: Denn die Karte zu korrigieren bedeutet, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir Welt sehen. Denke ich so. Und: Für die Realität braucht man eben keine KI. Sagt der erfüllte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Akzeptiert Realität. Und chillt, Leute!

  • 4. September 2026

    Trigger, Trigger, Träger und bäng, bäng, bäng: Hass in Zeiten des Forever Young

    Chillen auf dem Schoß meiner Bruna. Zusammen auf dem Sofa. Mit Chipskrümeln. Lecker. Netflix-Geflimmer. Hypnotisierend. Und Laura mit kaltem Vino Bianco neben mir. Streichelnd. Das ist Leben. Denke ich so. Warum nicht immer so? Frage ich mich so.

    Und erhalte umgehend die Antwort: Bäng, bäng, bäng. Neid, Polarisierung, Missgunst, Hass. Allüberall. Der jede Idylle zerstört. Und so hämmert mir aus der Küche zum dritten Mal hintereinander „Forever Young“ in die Ohren. Hat Felix voll aufgedreht. Weil er genervt ist. Über ein Festival mit dem Namen Glücksgefühle. Über die Veranstalter. Über die Bands. Und über hatende Netzaktivisten. 

    Also: Der Song „Forever Young“ ist über 40 Jahre alt, damals gesungen von der Band Alphaville. Die nun auf jenem Festival in Hockenheim mit dem weirden Titel Glücksgefühle auftreten sollte. Bis dann einer der Veranstalter sagt: „Ach nee, doch nicht, ich habe gehört, ihr äußert euch bei Konzerten politisch. Und unser Festival soll total unpolitisch sein. Good vibes only.“

    Alphaville: Voll irritiert, weil sich die Band in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt sieht  – und sich auch hier gegen Rechtsextremismus aussprechen wollte. Netzaktivisten: Empört. Besonders Radikale schicken Hassbotschaften an die beiden Veranstalter, der eine von ihnen übrigens Ex-Fußballer Podolski. Bedrohen deren Familien.

    Alphaville wird doch wieder eingeladen. Der Veranstalter entschuldigt sich und sagt, die Ausladung sei ein blöder Fehler gewesen. Jetzt will aber Alphaville nicht mehr. Und viele der eingeladenen Künstler sind entsetzt, einer sagt ab, viele solidarisieren sich mit Alphaville. Sagen, Kunst sei nie unpolitisch, sie selbst stünden für Toleranz, Offenheit, Vielfalt. Gerade in der heutigen Zeit müsse der Mund aufgemacht werden.

    Und einige spielen nun als Reminiszenz an Alphaville zu Beginn ihres Auftritts: „Forever Young.“ Vor Zehntausenden Menschen. Und ich denke so: Man kann nicht nicht kommunizieren. Man kann auch nicht nicht politisch sein. Aber vor allem – und ganz klar ist: Man kann nicht Forever Young sein. Genau das aber behaupten alle. Die da singen. 

    Und ich höre, dass auch das Münchner Oktoberfest überschattet wird von einer polarisierenden Debatte, durch die man automatisch und ungefragt entweder rechts oder links eingeordnet wird. Und irgendwann gar keinen Bock mehr aufs Feiern hat. Denke ich so.

    Also, die Debatte dreht sich um mehr oder weniger leicht bekleidete Frauen-Figuren an einem Fahrgeschäft – die da offenbar seit 80 Jahren prangen. An die sollen nun längere Kleider und Radlerhosen gepinselt werden. Trigger, Trigger, Trigger: Die Volksseele gerät in Wallung.

    Die Linken so: Top, durch diese Sittsamkeit werde die Welt besser und Frauen Achtung entgegen gebracht. Die Rechten so: Welch woker Schwachsinn – würde mit einer AfD-Regierung nicht passieren. Und ich so: Leute, das sind eure Probleme? Welch Hass. Welch Unversöhnlichkeit. Nicht mal gemeinsames Feiern funktioniert. Alles politisiert. Und selbst, wenn ich mich nicht äußere, mache ich es falsch. Weil man ja Haltung zeigen muss. Wird so behauptet.

    Felix grölt aus der Küche: „Forever Young“. Und ich lege meinen Kopf wieder in den Schoß meiner Bruna. Peace. Sagt der junge Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entspannt euch. Und chillt, Leute!

  • 3. September 2026

    Ich heile Nurias Hand und will aus dem abgefuckten Berlin nach Palermo

    Warum begreifen es Menschen nicht? Es gibt Katzen, Kater – und mich. Vorhin also befleißigte sich meine Nuria, die dekorativ auf meinem Sessel ausgerollte Coco zu kraulen. Zu knuddeln. Und dann ging es schnell: Coco fuhr ihre Pfote aus. Mit Krallen. Und hinterließ einen klaffend rot schillernden Riss auf der Hand meiner Nuria.

    Die bass erstaunt aufschreit: „Au. Du falsche Kröte. Ich mag dich nicht mehr. Du bist komisch.“ Und ich denke so: „Ach nee. Warum macht meine Nuria Kröten so schlecht?“ Schade jedenfalls, Coco hat es geschafft, meiner Nuria die eigentlich ausgezeichnete Stimmung zu verderben.

    Denn eben hatte sie nach langer Recherche den perfekten Flug zu Weihnachten von Sizilien – wo sie ja ein halbes Jahr ihr Erasmus-Studium macht –  zu mir nach Berlin gefunden. Und sofort gebucht. 65 Euro hin und zurück, direkt natürlich. Und ich denke so: „Häh, war da nicht mal was?

    Solche Billigflüge sollten doch nicht mehr angeboten werden, damit Menschen nicht mehr so oft fliegen, der Umwelt zuliebe? Was soll meine Nuria nun machen? Auf die Reise verzichten? Oder eben diese Flüge nehmen? Mit denen sie drei Stunden unterwegs ist und im Vergleich zu einer 30-stündigen Bahnreise mit zig Umstiegen nur ein Fünftel bezahlt. 

    Meine Nuria, die die Wunde nun mit einem Kühlkissen behandelt, ist jetzt in Fahrt: Schaut Coco an und sagt: „Bin ich froh, von Dir Biest wegzukommen.“ Überhaupt wegzukommen aus diesem hässlichen, vollkommen abgefuckten Berlin ins paradiesische Palermo. Gestern sei sie die nur 282 Meter von meinem Revier entfernte Hauptstraße entlang gelaufen.

    So viel Müll auf den Wegen habe sie weder in Namibia noch in Brasilien gesehen – wo sie durchaus auch in verarmten Vierteln unterwegs gewesen sei. Vor einem Buchladen hier, der vor drei Monaten dicht gemacht hatte, habe eine mit braunen Flecken übersäte Matratze gelegen. Auf ihr habe ein Mensch geschlafen.

    Wenige Meter weiter, vor der Haustür ihrer Freundin, hätten Fäkalien gelegen. Eindeutig menschlich. Sagt meine Nuria. Dazu dann noch das Berliner Herbstwetter. Grau, grauer, Berlin. Bei gefühlt 29,7 Grad. Ihr geliebtes Freiburg sei da völlig anders. Sauber. Warm, aber sonnig. Und Ähnliches habe sie eben auch von Palermo gehört.

    Hmmm, als ob da oder in Freiburg alles perfekt wäre. Denke ich so. Denn in ihrer Freiburger WG hat sie Horror, den sie hier nicht hätte. Sie erzählt, jede Nacht, in der sie mal austreten müsse, kehre sie voller Angst in ihr Zimmer zurück. Weil sie sich vorstelle, dass dort auf ihrem Sofa ein Fremder säße. Oder noch schlimmer: Eine Maus krabbele. Nun, letzteres wüsste ich zu verhindern. Denke ich so.

    Und spüre, wie sich meine Nuria endlich von Coco abwendet und zu mir kommt. Mich krault, knuddelt. Meint: “Ach Charlie, auf dich ist Verlass. Du bist eine ehrliche Haut. Und so ausgeglichen.“ Ich schnurre. Schenke ihr Glauben, Stärke, Hoffnung, Wärme. Heile ihre Wunde. Really. Sagt der perfekte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Macht Berlin sauber. Und chillt, Leute! 

  • 2. September 2026

    Urknall zu Lauras birthday mit viel Ohropax

    Es sind Tage wie diese. Die ich liebe. Der Tisch voller Geschenke. Die knistern, wenn man sich drauflegt. Die man per Prankenschlag öffnen kann. Und dazu: Lecker Blumen. Birthday nennen Menschen das. Heute dran: Laura.

    Die aber erst mal gar nicht amused ist. Weil da schon Coco statt eines daneben liegenden Merino-Shirts aus Geschenkpapier schnurrt. Weil die Vase wackelt, an der ich mit der Rose kämpfe. Laura beruhigt sich. Im Rausch des ständigen Handy-Klingelns. Weil Felix ihr einen Latte serviert. Weil meine Bruna ihr ein blaues Wellen-Gemälde überreicht. Weil Diego ihr selbst gemachtes Pesto kredenzt.

    Und dann auch noch die sonst so ferne Nuria aus Freiburg auftaucht. Mit ihrem Freund Piet. Und sie einen Song schmettern. Für Laura. Der selbst mich ergriffen aufs Sofa sinken lässt. Nun ja, ein bisschen. Denn dann sind sie weg.

    Konzert. Philharmonie. Ein Urknall sei das gewesen. Symbol fürs kommende Lebensjahr. Sagt Laura hernach. Tutuguri hieß das Werk. Ein von einem Komponisten namens Rihm vertontes Gedicht eines Poeten namens Artaud, der einen Ritus der schwarzen Sonne schrieb – irgendwie basierend auf einen Stamm Indigener von Mexiko, wie Felix verschwurbelt erklärt.

    Auf jeden Fall: Schlagwerk ohne Ende. Lärm. Oder: Energie? Kraft? Beides. Jedenfalls kaum Melodie. Meint meine Nuria. Und am besten für sie: Ohropax ohne Ende. Vom Veranstalter für empfindsame Ohren ausgelegt. Womit sich das Konzert schon gelohnt habe. Ihre Vorräte seien jedenfalls jetzt aufgefüllt. Sagt meine Nuria. Und weist auf ihre überquellenden Hosentaschen. 

    Felix sagt: Das war Teufelsaustreibung. Laura sagt: Urknall. Diego sagt: V.I.P. in der Psychiatrie (Stichwort: K.I.Z.). Meine Bruna sagt: Nichts. Weil sie neben mir liegt. Krank auf dem Sofa. Und ich sie tröste. Und meine Nuria? Verkrampft. Weil sie weiß, dass Laura und Felix sie fragen werden, wie sie das Stück fand.

    Und ihr nichts einfällt. Weil sie einfach nur zuhören will. Und denkt, nichts sagen zu können. Zu wollen. Dann aber sagt: Sie habe an ihre Griechin gedacht. Mit der sie bald in Palermo in eine WG ziehen will. Zum Erasmus-Studium dort. Und die durchaus anstrengend zu sein scheint. Und bei einem lustig gemeinten, ihr geschickten Insta-Video schon fragte, warum es keine Trigger-Warnung gegeben habe – ob der Dramatik und der vielen Lichtblitze.

    Und meine Nuria so: Was würde die Griechin zu dieser sogenannten Tutuguri-Musik sagen, in der keine Melodie wahrnehmbar sei. In der es knalle, rausche, brülle, ein Konzert, in der ein Erzähler schreie, bis dieser Schrei in einem todesähnlichen Röcheln ende?

    Immerhin: meine Leute waren sehr schnell zurück. Warum? Laura habe die Philharmonie fluchtartig verlassen. Erzählt meine Nuria. Weil sie nur eine Reihe vor sich die Eltern ihrer Freundin erspäht habe. Auf die sie nun mal so was von keine Lust hatte.

    Und ich denke so: Laura. Flieht. Vor. Menschen. An. Ihrem. Birthday. Höre dann aber, wie sie sagt: „Ich melde Patent an, jeder sollte mindestens zwei Mal im Jahr Geburtstag haben. Yes, why not, denke ich so. Mit Rose zwischen dem Kiefer. Raus aus dem Alltag. Gewürdigt von allen. Kein Krieg. Kein Frust. Nur Zugewandtheit. Meist jedenfalls. Sagt der erfreute Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Celebrate youth. Und chillt, Leute!