Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 27. April 2026

    Gefährliche Jobs, krasse Anschläge: Was Trump und mich eint

    Mein Job als schreibender Hauptstadtkater ist gefährlich. Weil ich dabei ja ständig den mächtigsten Mann der Welt lächerlich mache. Weil ich meine Leute – abgesehen von meiner Bruna – als ziemlich unterbelichtet darstelle. Weil ich über Köter und Coco wenig Schmeichelhaftes zu berichten habe. Und mir ist bewusst: So schaffe ich mir Feinde. Die mich zum Schweigen bringen könnten.

    Und obwohl ich kein ängstlicher Typ bin und auch nicht unter Verfolgungswahn leide: Ich hatte einen Alptraum. Auf dem Küchentisch. In der prallen Frühlingssonne. Zucke zusammen, weil ich dösend aus den Augenwinkeln etwas Schwarzes zucken sehe. Springe auf. Abwehrhaltung. Und merke erst dann: Mein Schatten ahmt mich nach. Gähn. 

    Der mächtigste Mann der Welt erlebt übrigens Ähnliches. In Sachen Gefahr. Nur in echt. US-Präsident Trump war mal wieder Ziel eines Anschlagversuchs. Der daneben ging. Aber nichtsdestotrotz für Aufregung sorgte. Und damit für – aus Trumps Sicht – gelungene Ablenkung vom Iran-Krieg, wo es derzeit keinen guten Exit-Weg für den US-Präsidenten zu geben scheint.

    Nun, bei einem Gala-Dinner im Washingtoner Hilton-Hotel mit den Hauptstadtjournalisten stürmte ein schwer bewaffneter Mann durch einen Sicherheitsposten des Secret Service. Er wurde dann zwar von Beamten gestoppt, bevor er in den Ballsaal gelangen konnte. Aber: Es fielen Schüsse. Ein Security-Mann wurde dabei leicht verletzt, der mutmaßliche Täter wurde nicht getroffen, aber überwältigt.

    Und der in Sicherheit gebrachte Trump sagt hernach – wieder mal als der strahlende Messias – er könne sich nicht vorstellen, dass es einen gefährlicheren Job gebe. Als seinen. Und ich denke so an seine Personenschützer. An ukrainische Soldaten an der Front. Dachdecker. Und Fischer. 

    Trump hat leider was Katerartiges an sich. Zumindest was die Legende mit den sieben Leben betrifft, die ein Kater haben soll. Trump wohl auch. Bei einer Wahlkampfveranstaltung vor rund anderthalb Jahren streifte Trump ein von einem Attentäter abgegebener Schuss leicht am Ohr. Kurz danach wurde ein Mann gefasst, der am Rande von Trumps Golfplatz in Florida auf den US-Präsidenten gewartet hatte. Um ihn zu erschießen. Trump überlebt alles. Offenbar.

    Der nun gescheiterte Attentäter hatte vor seiner Tat eine Nachricht geschrieben, in der er mitteilte, er wolle Regierungsvertreter töten. Weil er nicht länger bereit sei, zuzusehen, dass ein Verbrecher seine Hände mit Verbrechen beflecke. Den Namen Trump erwähnt er allerdings nicht ausdrücklich.

    Aber wen sonst sollte er meinen? Denke ich so und lege mich zusammen mit meinen Schatten wieder hin. Ruhig werden. In dieser gefährlichen Welt. Sagt der verängstigte Hauptstadtkater. Der trotzdem über euch wacht. Und jetzt: Rüstet auf und chillt, Leute! 

  • 26. April 2026

    Über Rührung, Gönnen und Altern – Weise weiße Kater

    Es gibt Tage, an denen ich gönne. Und gerührt bin. Über mich. Weil ich spüre, wie es mich befriedigt, wenn ich Coco eine Freude bereite. Und sie sich wohl fühlt. Beispielsweise wenn ich ihr eines meiner Leckerli überlasse. Eines, das eigentlich für mich bestimmt war. Wenn sie dann knirschend kaut, fühle ich mich groß. Denke: Wahre Größe eben. Die man erringen kann. Im Laufe des Alterns. Merke selbst ich an mir. Mit meinen bald vier Lenzen. 

    Meine Leute sind zum Opa meiner Bruna nach Isernhagen gereist. Weil Opa Volker 89 Jahre jung wird. 89!  Kann selbst er kaum glauben. Denn er fühle sich gar nicht anders als vor 20 Jahren, vor 50 Jahren, vor 72 Jahren. Also, körperlich natürlich schon. Aber so vom Feeling, vom Mindset, vom Kopf her fühle er sich nicht so uralt wie diese Zahl 89 nun eben mal suggeriere.

    Denn: Als er jung gewesen sei, sei eigentlich fast niemand so alt geworden. Heute sei es ein mehr oder weniger normales Alter. So einige erreichten mittlerweile ja die 100. Und blieben dabei fit. Relativ. Auf die Frage meiner Nuria, welches Lebensalter er am besten gefunden habe, antwortet er, jedes Alter habe seine tollen Seiten gehabt. Auch diese Phase nun.

    Wie jede Zeit eben auch ihre Härten gehabt habe. Selbst als Kind im Krieg, als es wenig zu essen gab, habe er nicht in schlechter Erinnerung. Weil er mit Freunden viel draußen gespielt habe. Beeren gesucht habe. Und das Stück Fleisch am Sonntag tatsächlich ein außergewöhnliches Fest gewesen sei. 

    Und ich verstehe, was er meint: Mangel als Antrieb für Freude. Opa Volker erzählt weiter: Wünsche habe er keine mehr – zumindest keine materiellen. Er lächelt. Weise wie weiße Kater. Denke ich so.

    Aber dass zu seinem Geburtstag nun doch alle sechs Enkel und Enkelinnen aus ganz Deutschland angereist seien – einer nach dem anderen und jeder und jede völlig überraschend – das habe doch wahre Freude ausgelöst. Weil es eben komplett unerwartet gewesen sei. Ein Zeichen echter Zuneigung.

    Und ich denke so: Nein, mehr, ein Zeichen echter Liebe. Puh, überhaupt nicht mein Ding. So eine Gefühlssoße zu schreiben. Ich spüre ein enges Gefühl in meinem Hals. Ein Gefühl, das Kater eigentlich nicht kennen. Meine Leute nennen es: Rührung. 

    Ich stoße Coco ein weiteres meiner Leckerli zu. Und wieder verengt sich mein Hals ob meiner Größe. Weil ich spüre, wie gut ich bin. Zu gut für diese Welt. Sagt der gerührte und gönnende Hauptstadtkater. Und jetzt: Schüttelt euch. Ob dieses, meines Schwulstes. Und chillt, Leute!

  • 25. April 2026

    Fälscher der Realität und schwankende Tanzperformance

    Ich soll Fälscher sein. Fälscher der Realität. So cringe. So dissapointing. Dieser Vorwurf. Und was es noch schlimmer macht, und mich so exhausted, dass ich nur noch völlig bekloppt Denglisch denken kann: Der Vorwurf kommt von meiner Bruna. Von meiner Bruna. Really.

    Sie sagt, ich würde hier in meinem Tagebuch Storys berichten, die sich so nicht zugetragen hätten. Die aus dem Zusammenhang gerissen seien. Mit verfälschten Quellenangaben und so. Und ich, erzürnt, in meiner Ehre getroffen. Der Ehre eines weißen Katers: Ich. Bin. Getreuer. Faktenchecker. Really. 

    Immerhin: Ich sehe, warum sie mich attackiert: Sie mag es nicht, wie zuletzt von mir als coole Hexe dargestellt zu werden. Warum auch immer. Und behauptet, sie habe bei der Vorbereitung zu ihrer jüngsten Prüfung nie etwas zu Katern und Hexen gesagt – also völlig anders als ich berichtet habe. Und ich denke so, ok, ok, right, aber künstlerische Freiheit habe ich doch auch. Denn eigentlich ist doch eh alles, das Leben, eine Frage der Sicht.

    Meine Bruna erzählt, sie sei heute im Theater gewesen. Tanzperformance. Eine Gruppe namens Redshift. Eine mit überdimensionalem Kleid ausgestattete Frau habe sich bei cooler Musik 40 Minuten meist an Seilen schwingend durch einen quaderförmigen Raum geschwungen, dessen Kanten durch eine Stahlkonstruktion vorgegeben waren und dessen Boden mit Wasser gefüllt war.

    Ihre Mitte sei weich, habe sie gesagt, dann hing sie plötzlich kopfüber in den Seilen. Perspektivwechsel. Für sie. Für meine Bruna. Dann habe sie gefragt, ob man sie oder das Kleid sehe. Manche sahen gar nichts. Denn sie spritzte beim Schaukeln die Leute durch das ins Wasser eintauchende Kleid nass. Die trotzdem devot sitzen blieben. Cringe. Denke ich so.

    Und meine Nuria fragt, was am Schaukeln Kunst sei. Während Laura sagt, sie habe gedacht, es gehe um Suizid. Und die Großeltern meiner Bruna das Leben an sich sahen, dass da dargestellt worden sei. Die Performance-Leute meinen: Es sei um Machtstrukturen gegangen, das Verhältnis Mann und Frau.

    Coco sitzt auf dem Küchenboard. Bei der Leckerlidose. „Charlie, weg da, lass das“, ruft meine Bruna. Aus der Ferne. Als sie das Klickgeräusch der Dose hört. Und offenbar dachte, ich sei der Übeltäter. Und wolle klauen. Ein Bild, das sich irgendwie gefestigt hat. Und nicht stimmt. Cringe.

    Es ist eben einfach nicht mein Tag. Selbst meine Nuria hatet mich nun. Das meiste, was ich berichte, sei an der Realität vorbei. Moniert auch sie. Ähnlich wie ihre Schwester Bruna. Zumindest alles, was sie betreffe. Wenn sie etwa in ihrer Freiburger WG eine Maus jage, dann sei sie nicht ängstlich, wie ich es beschreibe, sondern Superheldin.

    Und ich denke so: Alles eine Frage der Perspektive. Sie sieht sich als Superheldin. Ich sehe die Realität. Sagt der enttäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Überlegt, wen ihr hatet. Und chillt, Leute! 

  • 24. April 2026

    The sound of chicken und Leben als Täuschung

    Nur weil ich Hühnchenstellung liebe, lege ich noch lange kein Ei. Und gackere auch nicht rum. Wenn ich da mit untergeschlagenen Pfoten aufgeplustert auf meinem Sessel throne. Und einfach herrlich chille. Sehend, dass das Leben eine einzige Täuschung ist. Denn: Ein Kater ist kein Huhn – auch wenn er so ausschaut. Und ein US-Präsident muss weder gebildet noch klug sein. Was man ja vermuten könnte. Wenn einer mächtigster Mann der Welt wird. 

    US-Präsident Trump verkündete nun die Verlängerung einer Waffenruhe, die es gar nicht gab. Oder gibt. Er schrieb auf seiner Plattform Truth Social, Israel und Libanon hätten ihre Feuerpause um drei Wochen verlängert. Dabei gibt es zwischen den beiden Ländern weder einen Krieg, geschweige denn eine Waffenruhe.

    Vielmehr aber gibt es einen Krieg zwischen der proiranischen Hisbollah-Miliz und Israel. Der zwar auch im Libanon tobt, weil da die Hisbollah sitzt. Aber der Libanon selbst ist keine Kriegspartei, hat sich sogar von eben dieser Hisbollah distanziert.

    Nun, Trump irrt sich häufig. Und outet sich so als Dilettant. Bundeskanzler Merz bezeichnete er als Staatsoberhaupt – das ist aber hierzulande der Präsident, derzeit Steinmeier. Den ukrainischen Präsidenten Selenskyj bezeichnete er als „Diktator ohne Wahl“. Und wiederholte damit ein russisches Narrativ.

    Zum einen ist Selenskyj Umfragen zufolge beliebt. Zum anderen sind Wahlen in dem von Russland angegriffenen Land wegen des Kriegsrechts ausgesetzt. Dass Trump dann auch noch den Ukrainern Mitschuld am Krieg gibt und behauptet, die Ukraine habe ihn begonnen – geschenkt.

    Genug Trump-Schwachsinn, nun zum wirklich Wichtigen, zu dem, auf das wohl die meisten Leser und Leserinnen warten: Eine Antwort auf die Frage, wie die Hexen-Prüfung für meine Bruna und ihre Freundinnen Uma und Frida so lief. Here you are: Es sei zauberhaft gelaufen. Sagt meine Bruna, extrem glücklich, aber voll erschöpft. Sie hätten die beiden Prüfer regelrecht becirct.

    Zuerst hätten sie ihre kleinen Hexenfiguren – Glücksbringer – an der Tafel drapiert. Dabei sei die Hexe meiner Bruna fast runtergefallen, weil Coco in der Nacht den sie stützenden Besen zernagt habe. Dann aber seien die beiden Prüfer wie hypnotisiert gewesen. Hätten – wie von meiner Bruna und ihren Freundinnen beabsichtigt – gerafft, dass Hexen Feminismus-Ikonen sind. Dass die drei Schülerinnen selbst Hexen sind. Und alles andere als eine „1“ eine Höllenfahrt verursachen würde.

    Und ich denke so: Dieser extreme Leistungsdruck. Überall. Nervt mich. Regt mich auf. „Wir haben uns den Druck selbst gemacht, die Lehrer waren ganz locker“, sagt meine Bruna da. Und ich miaue – zugegeben: etwas krächzend – auf. Was meine Bruna zu einem Lachkrampf animiert. Weil es wie Gackern klinge.

    The sound of chickens. Finde ich gar nicht lustig. Und noch weniger, weil sie mich dann emporhebt. Tatsächlich, um ein Ei zu suchen. Sagt sie. Und ich denke so: Als ob. Diese krasse Hexe. Sagt der gluckende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Enttarnt die Täuschung. Und chillt, Leute!

  • 23. April 2026

    Verhext von meiner Bruna – Die Prüfung

    Sie ist meine Hexe: Meine Bruna. Wo sie ist, da will auch ich sein. Und sie muss mich nicht einmal mit Leckerli locken. Nein, es ist ihre pure Ausstrahlung, absolute plus Aura. Mit der sie mich verzaubert. So dass ich auf ihrem Rücken spaziere. Richtung Schulter. In Trance. Die geradezu mystische Verbindung zu ihr spüre.

    Eine symbiotische Beziehung, die es so oder ähnlich seit Jahrhunderten zwischen Kater und Hexe gibt. Ich also als ihr magischer Gefährte. Der sie beschützt. Vor dem Säubern von Katerklos. Vor Geige-Üben. Vor bösen Lehrern. Und Lehrerinnen. Vor ihren Alten. Vor Coco. Indem ich ihr Kräfte einhauche. Die sie widerstandsfähig machen. Bilde ich mir mal so ein. Und spüre ihre Kraft. Die Macht meiner Bruna, die sich auf mich überträgt. 

    Bin ich sie? Ist sie ich? Wo doch die Legende behauptet, Hexen hätten sich auch in Katzen verwandeln können. Um unerkannt zu entkommen. Oder zu verreisen. Woher ich das alles weiß?Weil sie, meine Bruna, morgen mit ihren Freundinnen Uma und Frida in der Schule eine sogenannte MPA-Prüfung macht – übersetzt: Mediengestützte Projektarbeit. Zur Vorbereitung aufs Abitur.

    Also, die Drei präsentieren Geschichte und Bedeutung von Hexen. Vom Mittelalter bis heute. Bei Shakespeare und Goethe. Und in Filmen wie Bibi Blocksberg oder dem Blair-Witch-Project. Tja: Viel Reden tat meine Bruna ja noch nie – und in den vergangenen Monaten noch weniger. Aber ein bisschen was habe ich mitbekommen. Beispielsweise, dass die Katzen von Hexen schwarz sind – und nicht weiß.

    Was allerdings falsch ist. Wenn ich mich so sehe. Meine Bruna ist empört. Darum gehe es überhaupt nicht. Thema des Vortrags sei vor allem Feminismus. Natürlich seien es Männer gewesen, die den Begriff Hexe geprägt haben – im Mittelalter. Sie hätten vor allem mystisch wirkende, unabhängige Frauen, die sie fürchteten, als Hexe abqualifiziert, um deren Unterdrückung – und Verbrennung – zu rechtfertigen.

    Unfassbar, dass heute in einigen Ländern Afrikas, aber auch in Asien noch immer geschätzt Tausende Frauen jedes Jahr gefoltert und getötet würden, denen vorgeworfen wird, Hexe zu sein. Sagt meine Bruna. Während der Begriff Hexe hierzulande mittlerweile auch positiv besetzt sei – manchmal.

    Moderne Hexen seien meist junge, selbstbewusste Figuren wie bei Bibi Blocksberg oder auch Harry Potter. Und auch Influencerinnen, die vorgeben, Magie zu nutzen, und ihr Tun mit Umweltschutz und Selfcare verbinden. Sagt meine Bruna. Und: Sie würden als Ikonen des Feminismus gelten.

    Ich weiß: Meine Bruna muss eine Hexe sein. Weil sie stark ist. Unabhängig. Mystisch. Magie von ihr ausgeht. Fühle ich so. Auf ihrem Rücken chillend. Sie ist der einzige Mensch, der katergleich authentische Chill-Vibes auf mich übertragen kann.

    Die mit ihren Mit-Hexen Uma und Frida die Lehrer und Lehrerinnen ihrer Schule bei der Prüfung morgen verzaubern wird. Sagt der hexende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lasst euch auch verzaubern. Und chillt, Leute!

  • 22. April 2026

    Alles paradox oder was – Livestream vom gestrandeten Wal

    Für Show ist sie immer gut. Coco also lässt sich von Diego an ihren Vorderläufen packen. Macht dann eine Art Rückwärtspurzelbaum. Und hängt kopfüber auf seinem Schoß. Und meine Leute jauchzen. „Süß, sportlich, so cool.“ Rufen sie. Und Coco?  Miaut. Bekommt aber noch nicht mal Leckerli für ihre Aktion. Show für nichts. Denke ich so. Wie paradox.

    Und sehe auf Felixens Laptop einen Livestream. Vom vor der Insel Poel in der Ostsee gestrandeten Wal. Der sich zuständig fühlende Minister Backhaus sagt auf einer Pressekonferenz, zwar sei der Gesundheitszustand des Wals kritisch. Aber er lebe. Und so sei die Situation weiter außergewöhnlich schwierig. Sagt er. Und der Livestream mit dem aus dem Wasser ragenden Körper bleibt. Bis zur Dämmerung. Bis Coco mich vom Bildschirm verjagt. Showgirl eben. 

    Coco erinnert mich mit ihrer Art an Politik-Zampanos. Ob sie nun Trump, Putin oder Orban heißen. Show gehört auch bei ihnen zum Geschäft. Bis zum Paradox. So gibt beispielsweise die EU nicht nur der Ukraine milliardenschwere Kredite zur Verteidigung ihres Landes gegen Russland. Sondern finanziert zugleich eben den Krieg dieses Aggressors Russland mit.

    Die Story behind: Endlich hat der ungarische Showman Orban seine monatelange Blockade eines 90-Milliarden-Euro-Kredits der EU an die Ukraine aufgegeben. Warum? Weil die Ukraine eine zuvor von Russland im Krieg zerstörte Pipeline repariert hat, durch die nun wieder russisches Öl nach Ungarn fließen kann. Für das das EU-Land Ungarn nun wieder Geld an Kremldespot und Showman Putin bezahlt. Das damit seinen Krieg gegen die Ukraine bezahlt. Und dort dann wieder Infrastruktur zerstört. Ich darf nicht weiterdenken. Alles zu crazy. 

    Paradox. Wie ein allmächtiger Gott, der eben doch nicht allmächtig ist, weil er dann ja einen Stein erschaffen könnte, der so schwer ist, dass er ihn nicht heben kann. Nun, die Walexperten behaupten, der Wal habe Schmerzen, weil er sich krümme. Fügen dann hinzu, niemand könne in einen Wal hineinschauen und wissen, was in ihm vorgehe. Was er empfinde und denke. Und der Livestream zeigt sanfte Wellen. Die einen mächtigen, bewegungslos aus dem Wasser ragenden Körper umspülen.

    Und so sprinte ich Coco hinterher. Die nun doch Leckerli bekommt. Für ihre Kunststückchen offenbar. Und ich denke so: Ist sie wohl doch nicht so paradox wie gedacht. Sondern im Gegenteil: Strategisch. Klug. Sagt der gespaltene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tut das Unerwartete. Und chillt, Leute!

  • 21. April 2026

    BBQ in der Hölle mit Trump und dem Buckelwal

    Einfach immer locker bleiben. Meine Devise. Ist leicht dahingesagt. Vor allem, wenn man Hunger hat. Und das habe ich. Eigentlich immer. Und dieses zehrende, beißende Gefühl in der Körpermitte: Ist eine wahre Hölle. Quälend, nur zu bekämpfen durch den Genuss der Sünde: Leckerli. Und Salami. Ich spüre die tiefe Zufriedenheit, wenn ich das bekomme.

    Und frage mich so: Was wäre, wenn Menschen immer satt wären. Richtig vollgestopft. Und antworte mir: Sie wären ruhig. Träge. Bestenfalls gechillt. Würden nicht immer unsägliche Ideen entwickeln. Die die Welt zerstören. Und ich denke so: Mästet Mensch! Und zerstört so die Hölle.

    Wovon Wal nur träumen kann. Tatsächlich, ich bin schon wieder bei ihm. Bei Timmy, dem vor der Insel Poel erneut gestrandeten Buckelwal. Der eigentlich eine Tonne Nahrung am Tag zu sich nimmt. Dem werden nun 2,5 Kilo Makrele angeboten. Von offenbar halb verhungerten, selbst ernannten Walrettern. Die ihm nun ob ihrer „Rettungsversuche“ eine Hölle bereiten.

    Und sich selbst offenbar auch: Sie sind völlig geschafft, weil sie nur drei Stunden Schlaf finden. Ob der Anstrengungen. Erzählen sie. Eine Tierärztin musste als Notfall ins Krankenhaus. Eine andere eigens eingeflogene US-Expertin reiste verärgert ab, weil sie die Inkompetenz einiger Mitstreiter nicht aushielt. Die Sprecherin der Initiative trat zurück, weil professionelle Zusammenarbeit nicht möglich sei. Mittlerweile ist sie wieder dabei.

    Und dann sorgt ein „Retter“ für Schlagzeilen, der vor zwei Jahren noch in einer Rockergang war. Der damals auch eine Demo organisiert haben soll, die dem rechten Spektrum zugeordnet wird. Neben ihm steht der mecklenburg-vorpommersche Umweltminister Backhaus und wiederholt mantraartig, für ihn stehe das Tierwohl im Mittelpunkt. Während ein Experte empfiehlt, den Wal doch endlich mal in Ruhe chillen – und sterben zu lassen. 

    Schlimmeres als auf Erden wird den Wal wohl nicht erwarten. Denke ich so. Denn die Hölle scheint allgegenwärtig: Sowohl der mächtigste Mann der Welt als auch die tyrannischste Regierung der Welt drohen sich gegenseitig mit der Hölle. US-Präsident Trump versus Iran. Alle offenbar ausgehungert. Wie anders lässt sich ihre Aggressivität erklären? Frage ich mich so.

    Trump also verkündet nach all seinen Hölle-Drohungen nun erst mal eine Verlängerung der Waffenruhe, die in den kommenden 24 Stunden ausgelaufen wäre. Allein: Der Iran sieht sich nun am längeren Hebel. Und will sich nicht unbedingt an Trumps Vorgabe halten. Und droht nun seinerseits den USA und Israel mit der Hölle. Falls die beiden Länder ihre Angriffe auf den Iran wieder aufnehmen sollten.

    Und ich hoffe so, dass all diese wortgewaltigen Leute BBQ lieben. Wenn sie dann in der Hölle schmoren. Besser: Grillen. Und sich gegenseitig verspeisen. Bis sie endlich schweigen.

    Es ist zu viel Hölle für mich. Denn eigentlich bin ich doch im Paradies. Der Küche. Mit den Salami-Broten. Die Felix unbeaufsichtigt stehen lässt. Und die ich abräume. Mit der Leckerli-Dose. Die am Rand des Schranks steht und wie von Zauberpfote herunter plumpst. Und sich öffnet. Für mich. Und Coco.

    Ich spüre das Glücksgefühl. Danke Dopamin. Sagt der gelockerte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Esst massenhaft. Und chillt, Leute! 

  • 20. April 2026

    Mein Weg zur US-Präsidentschaft auf dem Golfplatz

    Ich hatte einen Traum: Über mich fliegt ein kleiner weißer Ball. Ich jage ihm hinterher über grüne Wiesen. Schnappe den Ball. Laufe weg. Spüre, wie ein schwerer, alter Mann über mich stolpert. Ein Golfschläger dicht über meinen Kopf zischt. „Crazy bastard“, flucht der Mann, der taumelt und dann mit seinem schweren Körper auf dem Boden neben mir aufschlägt.

    Er stöhnt, hat aber die Kraft mir zuzurufen: „Macht meine Golfplätze frei, oder ihr landet alle in der Hölle. Ich werde alle Katzen vernichten. Eure gesamte Zivilisation.“ Sein Körper zuckt, Blut tropft von seinem roten Schopf auf mein weißes Fell.  Er röchelt: „Ich werde euch Katzen in die Steinzeit zurückversetzen.“

    Dann stockt sein Atem. Sein Blick bricht. Von überall her strömen Katzen auf mich zu. Und Menschen. Die jubeln. „Guat, wacker, heddel. Unser Erlöser.“ Rufen sie mir zu. Und ich fühle mich gut. So als unfreiwilliger Kriegsfreiwilliger. Wache auf. Im Bett meiner Bruna. Leider. 

    Ich als Retter. Der Welt. Der Menschen und der Katzen. Und Kater. Nice. Ich als Beobachter der Welt. Noch nicer. Denke ich so. Denn die Welt hat bessere Retter. Als mich. Beispielsweise Leute, die einst Freunde von Despoten waren und sich zu deren ärgsten Feinden wandelten, weil sie sich nicht angemessen gewürdigt fühlen.

    In den USA mehren sich Zeichen, dass US-Präsident Trump seinen Zenit überschritten hat. Bei der Rettungsaktion von zwei im Iran abgeschossenen Piloten vor wenigen Wochen sei er nicht vollständig in die Beratungen einbezogen worden, weil er zu ungeduldig sei. Und herumgeschrien habe.

    Berichtet eine Zeitung unter Berufung auf anonyme Quellen. Nicht nur diese Story an sich, sondern auch dass sie in die Öffentlichkeit gelangt – offensichtlich Symbol seines Machtverfalls. Denke ich so. Gechillt. 

    Und dann wenden sich auch einst glühende Verehrer seiner Make America Great-Bewegung zunehmend von Trump ab. Einige sind erschüttert, weil er sich mit dem Papst anlegt und sich selbst als Erlöser präsentiert. Andere verwenden nun dieselbe Taktik, mit deren Hilfe Trump an die Macht kam – Verschwörungserzählungen. Um ihn zu diskreditieren.

    Und ziehen in Zweifel, dass die Schüsse, die im Wahlkampf 2024 auf Trump gefeuert worden waren und ihn wohl lediglich streiften, wohl eine Inszenierung gewesen seien. Wird da von MAGA-Leuten behauptet – natürlich ohne Beweise vorzulegen. Müssen sie ja auch nicht. Bei solchen Narrativen. Denke ich so. 

    Und ich throne auf Trump. Auf dem Golfplatz in Florida. Seinem Sitz Mar-a-Lago. Die Katzen um mich herum schnurren. Hinter ihnen jubeln Menschen: „Wir sind aus Haiti. Wir lieben Katzen. Und essen sie nicht.“ Skandieren sie.

    Und ich setze meine Pfote unter meine ersten Dekrete: Eintritt in Pariser Klimaabkommen, in die Weltgesundheitsorganisation, in die Unesco. Übermittele dem Iran Pläne zur Beendigung des Kriegs. Signalisiere dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj die Aussicht auf mehr Unterstützung in seinem Abwehrkrieg gegen Russland. Sage der Bevölkerung im Sudan Hilfe zu.

    Und verbiete die Kastration von Katzen. Und Katern. Sagt der aufgeweckte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verschwört euch. Und chillt, Leute!

  • 19. April 2026

    Der Mensch bleibt pedantischer Mensch – Kriegsmusik in Freiburg

    Vertrauen, Wärme, Zuneigung. Spüre ich zu meinen Menschen. Und will mit ihnen zusammen chillen. Das ist Leben. Für mich. Ich also platziere mich auf dem Schoß meiner Laura. Versuche es zumindest. Denn sie wehrt ab. Ernsthaft: behauptet, sie wolle nicht so aussehen wie ich. Was übersetzt so viel bedeutet wie, dass sie die drei Härchen, die ich beim Kuscheln verliere, nicht auf ihren Klamotten haben will.

    Pedanterie pur. Ich dränge mehrfach und ignoriere ihre Abwehr. Bis sie nachgibt. Wie immer. Und ich spüre. Wie sie sich entspannt. So nice. Für sie. Dialog. Kommunikation. Auch ohne Worte. Durch Verhalten. Blicke. Das funktioniert nicht nur bei Artgenossen, sondern auch mit Lieblingsmenschen. Mit meiner Laura beispielsweise sind unsere intimen 38 Minuten und 26 Sekunden Kuscheln wie ein Antidepressivum. Im Chaos. Nur besser. 

    Und ich höre, menschliche Roboter würden immer menschlicher, nur besser. In Peking habe nun einer einen Halbmarathon gegen Menschen gewonnen. In 50 Minuten und 26 Sekunden. So schnell war noch nie ein Mensch auf dieser Distanz. Felix braucht drei Mal so lange.

    Tja, diese humanoiden Teile werden ja bereits auch in Altenheimen eingesetzt – und manche Bewohner schätzen sie höher als menschliche Pflegekräfte, weil sie viel mehr Geduld hätten. Und trotzdem. Ich will Mensch. Den echten. Aus Fleisch und Blut. Ihn spüren. Schmecken. Riechen. Seine mangelnde Intelligenz bemitleiden. Also diese Unvollkommenheit. Die kein Roboter so nachahmen kann. Behaupte ich.

    Und fühle mich einem weiteren Menschen äußerst verbunden, der diese Spezies so gut beschreibt: Herbert Grönemeyer. Der singt: „Der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt und weil er schwärmt und stählt, weil er lebt.“ Und weil er kuschelt. Weich ist. Individuell. Sympathisch. Empathisch. Sich ärgert. Lacht. Strahlt. Duftet. Stinkt. Musiziert. Liest. Schreibt. Serien schaut. Altert. Unberechenbar ist. Füge ich mal hinzu. 

    Und ich erblicke mal wieder den Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern. Der sichtlich gestresst ausschaut. Für den die größte Staatskrise derzeit eine Walkrise ist. Seit 20 Tagen mittlerweile. So lange liegt der 12-Tonnen-Buckelwal, den der Minister Hope nennt, auf der Sandbank vor der Insel Poel.

    Minister Backhaus weist Vorwürfe zurück, die Behörden reagierten bei den Rettungsversuchen von zwei Multi-Millionären nicht schnell genug. Dem Wal gehe es gut, er lebe, er atme, er signalisiere, er vokalisiere und zeige auch Aktionen. Sagt der SPD-Politiker. In dessen Bundesland in fünf Monaten gewählt wird. Und in dem die rechtsextreme AfD gewinnen könnte.

    Während Experten sagen, der Wal habe sich die Sandbank bewusst ausgesucht. Weil er zu schwach zum Schwimmen in tiefen Gewässern sei. Und dort ertrinken würde. Ich schnappe nach Luft.

    Und merke, wie sich der Atem meiner Laura beruhigt. Sie locker wird. Entspannt. Gechillt eben. Durch mich. Und ich höre, dass meine Nuria in Freiburg Erfolge feiert. Mit ihrem komischen Cello. Ein Vorspiel für ein Studierendenorchester bestanden hat. Dort spielen sie Star Wars. Really.

    Sollen sie doch Kriegsmusik machen. Sagt der verwuschelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spendet Wärme, duftet, vertraut. Bürstet meine Haare von den Klamotten. Und chillt, Leute! 

  • 18. April 2026

    Antichrist gegen Antichristen unter Rosen

    Ich bekenne: Oft denke ich, ich weiß es besser. Und weiter: Wenn doch nur mehr so ticken würden wie ich. Wie viel besser könnte Welt dann sein. Es fällt mir nicht leicht, mein Innenleben zu offenbaren, weil es so unsympathisch ist – aber so ist es nun mal. Wenn ich unter dem Rosenstrauß liege. Und von den Knospen genascht habe.

    Und ich natürlich weiß: So beginnen fucking Allmachtsfantasien. Die, wenn sie kein Korrektiv erfahren, in den Wahn führen. Und in die Zerstörung. Bestens vorgeführt vom mächtigsten Mann der Welt: US-Präsident Trump. Der sich mittlerweile als Erlöser sieht. KI-Bilder veröffentlicht, auf denen er als Messias erscheint, der an einem Krankenbett steht – hinter ihm die US-Flagge und Kampfjets. Trump – der Heiland. Der die Welt bekehren will. 

    Und nun aber taumelt. Weil er sich mit dem iranischen Regime Kontrahenten ausgesucht hat, die ähnlich ticken wie er. Antichristen. Wie Trump selbst. Und ich denke so: Wohin führt das: Antichrist gegen Antichristen? Chaos. Chaos. Chaos. In das die Welt immer weiter abgeleitet. Zu besichtigen in der Straße von Hormus.

    Geschlossen, offen, geschlossen. Was denn nun? Denke ich so. Nach dem Jubel über die Öffnung gestern. Erklären die iranischen Revolutionsgarden heute, die wichtige Route für Handelsschiffe, über die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft, sei wieder dicht. Weil die USA ihre Blockade der iranischen Häfen nicht aufheben wollten. Und man sich das nicht gefallen lasse. 

    Trump ist mit seiner Taktik, seinen unsäglichen Drohungen, an eine Grenze gelangt. Denke ich so. Unter den weißen und roten Rosen liegend. Die so nice duften. Und deren Knospen so lecker schmecken. So dass ich schwebe. Mich von oben sehe. Selbst zur Rose mutiere.

    Und nicht mehr unterscheiden vermag, ob das, was Trump vollführt, tatsächlich Realität ist. Oder ob ich nicht in einer wahnwitzigen Reality-Show chille. In der der mächtigste Mann der Welt sein Messias-Bild von seiner Plattform Truth Social entfernt. Sich ein stückweit der Empörung selbst einstiger Fans, die ihm nun Blasphemie vorwerfen, beugt. Und sagt, er habe gedacht, das Bild zeige ihn als Arzt.

    Der die iranischen Machthaber als verrückte Mistkerle diffamiert, die in der Hölle landen würden, wenn sie die Meerenge nicht endlich öffnen würden. Dann mit Auslöschung der gesamten iranischen Zivilisation droht. Allein: Die iranische Regierung bleibt cool. Weil deren Machthaber genauso verblendet und skrupellos sind wie Trump. Und ihnen ihr Volk mehr oder weniger egal ist. 

    Ich möchte Trump und dem iranischen Regime zurufen, von meiner Rosenwolke: Hey du! Ich bin die Rose. Fühle mich frei. Und weit weg von jedweder Realität. Sagt der allmächtig blühende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt die Schönheit der Blumen. Und chillt, Leute!