Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 19. April 2026

    Der Mensch bleibt pedantischer Mensch – Kriegsmusik in Freiburg

    Vertrauen, Wärme, Zuneigung. Spüre ich zu meinen Menschen. Und will mit ihnen zusammen chillen. Das ist Leben. Für mich. Ich also platziere mich auf dem Schoß meiner Laura. Versuche es zumindest. Denn sie wehrt ab. Ernsthaft: behauptet, sie wolle nicht so aussehen wie ich. Was übersetzt so viel bedeutet wie, dass sie die drei Härchen, die ich beim Kuscheln verliere, nicht auf ihren Klamotten haben will.

    Pedanterie pur. Ich dränge mehrfach und ignoriere ihre Abwehr. Bis sie nachgibt. Wie immer. Und ich spüre. Wie sie sich entspannt. So nice. Für sie. Dialog. Kommunikation. Auch ohne Worte. Durch Verhalten. Blicke. Das funktioniert nicht nur bei Artgenossen, sondern auch mit Lieblingsmenschen. Mit meiner Laura beispielsweise sind unsere intimen 38 Minuten und 26 Sekunden Kuscheln wie ein Antidepressivum. Im Chaos. Nur besser. 

    Und ich höre, menschliche Roboter würden immer menschlicher, nur besser. In Peking habe nun einer einen Halbmarathon gegen Menschen gewonnen. In 50 Minuten und 26 Sekunden. So schnell war noch nie ein Mensch auf dieser Distanz. Felix braucht drei Mal so lange.

    Tja, diese humanoiden Teile werden ja bereits auch in Altenheimen eingesetzt – und manche Bewohner schätzen sie höher als menschliche Pflegekräfte, weil sie viel mehr Geduld hätten. Und trotzdem. Ich will Mensch. Den echten. Aus Fleisch und Blut. Ihn spüren. Schmecken. Riechen. Seine mangelnde Intelligenz bemitleiden. Also diese Unvollkommenheit. Die kein Roboter so nachahmen kann. Behaupte ich.

    Und fühle mich einem weiteren Menschen äußerst verbunden, der diese Spezies so gut beschreibt: Herbert Grönemeyer. Der singt: „Der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt und weil er schwärmt und stählt, weil er lebt.“ Und weil er kuschelt. Weich ist. Individuell. Sympathisch. Empathisch. Sich ärgert. Lacht. Strahlt. Duftet. Stinkt. Musiziert. Liest. Schreibt. Serien schaut. Altert. Unberechenbar ist. Füge ich mal hinzu. 

    Und ich erblicke mal wieder den Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern. Der sichtlich gestresst ausschaut. Für den die größte Staatskrise derzeit eine Walkrise ist. Seit 20 Tagen mittlerweile. So lange liegt der 12-Tonnen-Buckelwal, den der Minister Hope nennt, auf der Sandbank vor der Insel Poel.

    Minister Backhaus weist Vorwürfe zurück, die Behörden reagierten bei den Rettungsversuchen von zwei Multi-Millionären nicht schnell genug. Dem Wal gehe es gut, er lebe, er atme, er signalisiere, er vokalisiere und zeige auch Aktionen. Sagt der SPD-Politiker. In dessen Bundesland in fünf Monaten gewählt wird. Und in dem die rechtsextreme AfD gewinnen könnte.

    Während Experten sagen, der Wal habe sich die Sandbank bewusst ausgesucht. Weil er zu schwach zum Schwimmen in tiefen Gewässern sei. Und dort ertrinken würde. Ich schnappe nach Luft.

    Und merke, wie sich der Atem meiner Laura beruhigt. Sie locker wird. Entspannt. Gechillt eben. Durch mich. Und ich höre, dass meine Nuria in Freiburg Erfolge feiert. Mit ihrem komischen Cello. Ein Vorspiel für ein Studierendenorchester bestanden hat. Dort spielen sie Star Wars. Really.

    Sollen sie doch Kriegsmusik machen. Sagt der verwuschelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spendet Wärme, duftet, vertraut. Bürstet meine Haare von den Klamotten. Und chillt, Leute! 

  • 18. April 2026

    Antichrist gegen Antichristen unter Rosen

    Ich bekenne: Oft denke ich, ich weiß es besser. Und weiter: Wenn doch nur mehr so ticken würden wie ich. Wie viel besser könnte Welt dann sein. Es fällt mir nicht leicht, mein Innenleben zu offenbaren, weil es so unsympathisch ist – aber so ist es nun mal. Wenn ich unter dem Rosenstrauß liege. Und von den Knospen genascht habe.

    Und ich natürlich weiß: So beginnen fucking Allmachtsfantasien. Die, wenn sie kein Korrektiv erfahren, in den Wahn führen. Und in die Zerstörung. Bestens vorgeführt vom mächtigsten Mann der Welt: US-Präsident Trump. Der sich mittlerweile als Erlöser sieht. KI-Bilder veröffentlicht, auf denen er als Messias erscheint, der an einem Krankenbett steht – hinter ihm die US-Flagge und Kampfjets. Trump – der Heiland. Der die Welt bekehren will. 

    Und nun aber taumelt. Weil er sich mit dem iranischen Regime Kontrahenten ausgesucht hat, die ähnlich ticken wie er. Antichristen. Wie Trump selbst. Und ich denke so: Wohin führt das: Antichrist gegen Antichristen? Chaos. Chaos. Chaos. In das die Welt immer weiter abgeleitet. Zu besichtigen in der Straße von Hormus.

    Geschlossen, offen, geschlossen. Was denn nun? Denke ich so. Nach dem Jubel über die Öffnung gestern. Erklären die iranischen Revolutionsgarden heute, die wichtige Route für Handelsschiffe, über die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft, sei wieder dicht. Weil die USA ihre Blockade der iranischen Häfen nicht aufheben wollten. Und man sich das nicht gefallen lasse. 

    Trump ist mit seiner Taktik, seinen unsäglichen Drohungen, an eine Grenze gelangt. Denke ich so. Unter den weißen und roten Rosen liegend. Die so nice duften. Und deren Knospen so lecker schmecken. So dass ich schwebe. Mich von oben sehe. Selbst zur Rose mutiere.

    Und nicht mehr unterscheiden vermag, ob das, was Trump vollführt, tatsächlich Realität ist. Oder ob ich nicht in einer wahnwitzigen Reality-Show chille. In der der mächtigste Mann der Welt sein Messias-Bild von seiner Plattform Truth Social entfernt. Sich ein stückweit der Empörung selbst einstiger Fans, die ihm nun Blasphemie vorwerfen, beugt. Und sagt, er habe gedacht, das Bild zeige ihn als Arzt.

    Der die iranischen Machthaber als verrückte Mistkerle diffamiert, die in der Hölle landen würden, wenn sie die Meerenge nicht endlich öffnen würden. Dann mit Auslöschung der gesamten iranischen Zivilisation droht. Allein: Die iranische Regierung bleibt cool. Weil deren Machthaber genauso verblendet und skrupellos sind wie Trump. Und ihnen ihr Volk mehr oder weniger egal ist. 

    Ich möchte Trump und dem iranischen Regime zurufen, von meiner Rosenwolke: Hey du! Ich bin die Rose. Fühle mich frei. Und weit weg von jedweder Realität. Sagt der allmächtig blühende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt die Schönheit der Blumen. Und chillt, Leute! 

  • 17. April 2026

    Schwarzes Gold: Ich bin Barista-King – „Inhaliert Kaffee!“

    Bin ich King, bin ich glücklich. He, he. Deswegen throne ich so gerne auf der Siebträgermaschine meiner Leute. Die sie anbeten. Weil aus ihr das schwarze Gold quillt, das sie lieben. Von dem sie abhängig sind. Und wenn ich ihren Café Creme oder Cappuccino dann mit einem weißen Haar von mir garniere, das sich auf der Oberfläche auch noch in Herzform kringelt, dann, ja dann ist der Höhepunkt der Ekstase erreicht. Für mich. Für sie. Meine Junkies, die mir, dem Barista-King huldigen.

    Schwarzes Gold also. Ist für Mensch allerdings nicht nur Kaffee. Sondern auch Öl. Immer noch. Hängen die Menschen daran. Trotz alternativer Energien. Und jauchzen nun kollektiv und weltweit hörbar auf, weil die iranische Regierung ankündigt, die seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf ihr Land vor gut anderthalb Monaten blockierte Straße von Hormus für Handelsschiffe wieder freizugeben.

    Was bedeutet? Die Ölpreise sinken sofort. Und damit – wenngleich die sinkenden Preise von den Ölkonzernen naturally deutlich verzögert an die Verbraucher weitergegeben werden – auch an den Zapfsäulen der Tankstellen. Und die Völker der Welt: Happy. Sogar der mächtigste Mann der Welt – einmal demütig: „Thank you“, schreibt US-Präsident Trump auf seiner Plattform Truth Social. 

    Wie es zu dem „Entgegenkommen“ der Iraner kam? Nun, wie im Iran-Krieg, so gilt seit heute auch im Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon eine Waffenruhe. Zehn Tage. Genau das hatte das iranische Regime verlangt.

    Denn trotz der vor wenigen Tagen inkraft getretenen Waffenruhe im Iran-Krieg hatte Israel die Hisbollah-Miliz im Libanon weiter massiv attackiert – zum Missfallen der Iraner. Trump verkündete nun auch in diesem Konflikt eine Waffenruhe. Und viele Menschen im Libanon jubeln. Es kann ein Schritt in Richtung Frieden sein. Denke ich so. Vielleicht.

    Denn: Es gibt ja immer mal wieder Wunder: Bei Hannover war 2015 eine Katze ausgebüxt. Nun, elf Jahre später, kehrt sie zu ihren Besitzern zurück. Nachdem sie als Streunerin im Tierheim gelandet war. Dort der ihr implantierte Chip ausgelesen wurde. Und sie so ihrem Besitzer zugeordnet werden konnte.

    Und noch ein Wunder heute: Meine Alten sind begeistert von der Energie, die Diegos Alba-Basketballteam in einem Ligaspiel ausstrahlt. Sind begeistert von den Pässen meines Diegos. Seiner Übersicht. Spielintelligenz. Und ich weiß, dass ich maßgeblich verantwortlich bin.

    Weil er sich vor dem Spiel einen Cappuccino reingezogen hat. Mit Haar von mir. Energieübertragung eben. Auf diese Weise habe ich übrigens auch Felix von seiner Katerhaarallergie geheilt. Desensibilisierung nennen Menschen das.

    Aber das ist wieder ein anderes Thema. Werde ich zu einem anderen Zeitpunkt ausführen. Sagt der nun entkoffeinierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Inhaliert Kaffee. Und chillt, Leute!

  • 16. April 2026

    Flyin‘ Cars und erstickende Wale

    Und sie springt doch. Naturally. In ihrem unnatürlichen Habitat. Meinem Revier. Der Küche. Jumpt Coco vom 2, 50 Meter hohen Kühlschrank auf den 2,18 Meter entfernten Vorratsschrank. Als ob sie draußen von Baum zu Baum hüpfte. Zeigt so ihre wahre Natur. Sie ist unzweifelhaft ein vom Raubtier abstammendes Geschöpf.

    Und ich stelle die Frage der Fragen: Ist sie artgemäß – die Haltung von Katzen und Katern in einer Wohnung? Tja, was soll ich antworten: Bin ja happy. Liegt wohl daran, dass wir Katzen und Kater seit Jahrzehnten domestiziert werden. So unsere Freiheitsliebe gebrochen wurde. Durch den Menschen. Dieser komischen Spezies. 

    Die versucht nun doch wieder, den seit mehr als einer Woche erneut in der Ostsee, dieses Mal vor der Insel Poel, gestrandeten Buckelwal Timmy zu retten. Der sollte eigentlich in Ruhe gelassen werden und würdevoll sterben. So hieß es.

    Nun aber wollen zwei Multimillionäre eine Rettungsaktion finanzieren. Mithilfe von Luftkissen soll das zwölf Tonnen schwere Tier angehoben werden, auf eine zwischen zwei Schwimmplattformen befestigte Plane gebettet – und Hunderte Kilometer weit in die Nordsee, eventuell bis in den Atlantik geschleppt werden.

    Ein Wal! Dessen Gesundheitszustand schlecht sein soll, dessen Haut Blasen schlägt. Während zugleich alljährlich Hunderttausende Wale und Delfine – auch in Nord- und Ostsee heimische Schweinswale – eiendlich in Fischernetzen verrecken. Ersticken, weil sie sich verfangen und nicht mehr auftauchen können. Weil selbst in Schutzgebieten sogenannte Stellnetze erlaubt sind.

    Und ich denke so: Das zu ändern, wäre Aufgabe der Politik. Der zuständige Minister Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern aber ist auf Timmy abgefahren. Und sagt, er glaube an das Tier, habe den Wal in die Augen geschaut. Really: Er habe ihm in die Augen geschaut!!! Und wolle ihn doch retten lassen. Während er seine politische Kraft eigentlich für den Schutz der Lebensräume der Wale und Delfine einsetzen könnte. 

    Ähnlich wie Backhaus argumentieren auch die beiden sponsernden Millionäre. Während sie doch eigentlich ihre Geld für sinnvolle – aber wohl weniger öffentlichkeitswirksame Projekte – investieren könnten. Wo sich der Lebensraum der Säugetiere doch stetig verkleinert. Denke ich so.

    Aber: Sogenannte Tierschützer, profilsüchtige Politiker und Millionäre schauen lieber in die Augen eines sterbenden Tieres. Projizieren ihre Ängste und Sehnsüchte in dessen Blicke. Und geben dann auch noch vor, artgerecht zu handeln. Aus Tierliebe.

    Denke ich so. Während Coco über mich fliegt. Engelsgleich. Und ich? Folge ihr. Rase durchs Wohnzimmer über Sessel, in die ich meinen Krallenabdruck tätowiere. Jumpe den Kratzbaum auf den Schrank hinauf. Und fliege. Coco hinterher. Ganz natürlich unnatürlich. Denn: Ich. Bin. Ein. Kater. Sagt der flyin’ Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Rettet euch selbst. Und meinetwegen auch den Wal. Und chillt, Leute! 

  • 15. April 2026

    Lover, Schmankerl, Selbsthass und vergessene Kriege

    Chillen also mal wieder. Als das Nonplusultra. Für die Erkenntnis. Nicht nur des Offensichtlichen, sondern auch von dem, was sich dahinter verbirgt. Als besonderes Schmankerl heute: Ein exklusiver Hintergrund zum 31. Zuammenkomm-Tag meiner Alten. Und als Realitätscheck: Vergessene Kriege entdecken.

    Zunächst zu einem mehr oder weniger aus der Öffentlichkeit verbannten Krieg. Zu dem im Sudan. Der sich heute zum dritten Mal jährt. Ein extrem grausamer Krieg. Durch den schätzungsweise schon mehr als zwölf Millionen Menschen vertrieben wurden. In dem Bewaffnete Familien jagen, Männer erschießen, Frauen und Kinder vergewaltigen.

    Diplomatie scheitert. Weil der Staat Sudan niemanden so recht interessiert. Nur insoweit, dass Nachbarstaaten die Kriegsparteien aufrüsten. Und es so auch einige Profiteure des Kriegs gibt. 

    Und ich frage mich: Bringt es denn tatsächlich etwas, über diesen Krieg zu reflektieren? Außer Frust. Und Hilflosigkeit. Denke ich so, während ich meine Leckerli verschlinge. Welch Dekadenz. In meinem Revier. Durch mich. Selbsthass. Ob meiner Attitüde ergreift mich. Denn: Welch Glück, hier in diesem Revier zu leben.

    Trotz Coco. Trotz meiner Alten. Offenbar muss ich in Abgründe blicken, um meinen Alltag zu schätzen. Sollte Mensch auch. Tja, sorry für mein anbiederndes Gut-Kater-Gehabe, gleich ist damit auch Schluss, versprochen. Aber das muss ich noch sagen: Nur wer hinschaut, kann Kritik üben. Und mit Gleichgesinnten Druck aufbauen, um in der Welt etwas zu bewirken. Amen. 

    Der ukrainische Präsident Selenskyj schaffte es bislang hervorragend, den russischen Angriffskrieg auf sein Land seit mehr als vier Jahren ganz oben in den Schlagzeilen zu halten. Und damit Unterstützung von Alliierten zu organisieren. Nun aber klagt er, der Ukraine-Krieg gerate wegen des Iran-Kriegs ins Hintertreffen.

    Die US-Vermittler hätten keine Zeit mehr für Verhandlungen mit Russen und Ukrainern. Und ich frage mich so: Warum fordern alle immer die USA? Die von einem failed Präsidenten geführt werden, dem manche Wahnsinn attestieren? Der aber als einziger in der Lage zu sein scheint, Konflikte zu befrieden. Weil manche glauben, er habe die Macht dazu. Was allerdings auch so gar nicht stimmt. Siehe Iran. Siehe Ukraine….

    Nun aber das versprochene Schmankerl, die Vorgeschichte zum Zustandekommen des 31. Zusammenkommen-Tags von Felix und Laura: Man schrieb den Oktober 1994, als Katrin eher zufällig zu dem ihr fremden Holger in eine Berliner 2er-WG zog. Die beiden verstanden sich, kochten, lasen, fotografierten zusammen – und fuhren dann im Frühjahr an den Gardasee zu einer dort studierenden Freundin.

    Kurz zuvor hatte sich Holger noch einen Köter namens Janosz zugelegt. Der die Mitbewohner zu gemeinsamen Quasi-Eltern machte. Und so passierte, was bei zu viel Zweisamkeit mit Köter passieren muss: Aus Mitbewohnern wurden Lover. Love and Hope eben. Zum Ausklang. Sagt der enthusiasmierte Hauptdstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schaut hinter Fassaden. Und chillt, Leute!

  • 14. April 2026

    Schweinchen auf dem Sofa, Kater im Mastbetrieb – Der 31. Jahrestag

    Heute feiern meine Alten ihren 31. „Zusammenkommen-Tag“. Oder, wie Felix sagt: „372. Monatstag.“ Oder, wie Laura sagt: „Wirklich, so lange?“ Oder, wie ich sage: „Ups, das sind ja mehr Monatstage als das Jahr Tage hat. Krass.“

    Und Laura so: „Ja, damals, Mitte der 1990er, da war das ein frühlingshafter, sonniger Karfreitag.“ Und Felix so: „Der beste Tag meines Lebens.“ Und ich so: „Oh, wie süß.“ Würde gerne mit den Pfoten ein Herzsymbol formen, was misslingt.

    Meine Gedanken aber spreaden: Jener Karfreitag aus vorvergangenen Zeiten wirkt sich nicht nur prägend auf mein Leben aus. Sondern brachte letztlich erst diese gesamte Familie hervor. Zufälle, alles Zufälle. Oder auch nicht? Don’t know. 

    Laura zitiert aus dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ den Kunsthistoriker Sven Behrisch, der darüber sinniert, was passiert wäre, wenn nach der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies die männliche Brust im Vergleich zur weiblichen als defizitär empfunden worden wäre.

    Und damit der Mann als Mangelwesen angesehen würde, der angegrapscht wird und BH tragen muss, durch den sich bei ihm dann auch eine weibliche anmutende Brust wölbt. Die Geschichte der Beziehung zwischen den Geschlechtern wäre vollkommen anders. Orakelt Behrisch.

    Und ich frage mich so, was wäre, wenn Menschen nicht damit begonnen hätten, Schweine, Rinder, Lämmer und Fische zu futtern. Sondern Katzen, Kater und Köter. Wie ja auch in anderen Weltgegenden. Und wenn nun statt mir ein Schweinchen ob seines süßen Rüsselchens und seiner hohen Intelligenz auf dem Sofa liegen und gekrault würde. Während Kater in Mastbetrieben mit Hormonen gemästet würden, um günstiges Fleisch für Mensch zu produzieren.

    Und ich sehe künftige Kater- und auch Menschengenerationen, die kopfschüttelnd auf unsere düstere Fleischzeit blicken. „Damals aßen die Menschen noch Fleisch, obwohl es Alternativen gab“, werden sie schon in ein paar Jahrzehnten sagen. Und ich merke, wie rückschrittlich ich bin. Als meine Bruna mein Döschen mit Rind und Pute vor mir platziert. Und mein Sabber tropft. 

    Sicher ist nur der Wandel. Der unvorhersehbare. Der alte Ansichten plötzlich infrage stellt und absurd erscheinen lässt. Und ich denke an die Wende 1989. Vor vier Jahrzehnten hielten es nur unverbesserliche Optimisten für möglich, dass BRD und DDR sich wiedervereinigen könnten.

    Drei Jahre später war es so weit. Es ist nahezu ausgeschlossen, dass es zu meiner Familie gekommen wäre ohne diesen überraschenden Umbruch. Ossi Laura wäre Wessi Felix wohl nie begegnet. Meine Familie wäre nicht entstanden. Dafür naturally andere. Und in irgendeiner anderen Familie würde ich mich wohl auch gut aufgehoben vorkommen. Vielleicht.

    Meine Leute und ihr Tag sind also zu feiern. Allerdings wollen weder meine Bruna noch Diego ihnen die von Felix geforderte Wien-Reise schenken. Das sei ein krummes Jubiläum, argumentieren sie unisono. Während meine Nuria im fernen Freiburg ähnlich wie Coco eh nichts mitbekommt. Von dem Jubeltag. Aber wahrscheinlich schon von den Zufällen der Welt. Sagt der zufällige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt Jubiläen. Und chillt, Leute! 

  • 13. April 2026

    Love-Story für cringe Menschen

    I love love. Ich spüre: Coco und ich lieben uns. Teilen sogar Leckerli. Und die Sicht auf die Welt. Also auf die Menschen. Die sind cringe – aber nicht verloren. So denken wir. Auch wenn sehr viele sehr verpeilt sind. Und ihre Wahrnehmung so extrem eingeschränkt ist. Vor allem, weil sie Realität lieber via Social Media erfahren. Also sie real zu erleben.

    Meine Alten erzählen, sie seien am Wochenende bei Frühlingssonne am Ostseestrand entlang gelaufen. Alleine, kilometerweit. Nur in den Restaurants der Strandorte hätten sie Artgenossen getroffen. Und ein paar weitere in Strandkörben sitzend, mit Bierkästen und Handys vor sich. In einem Imbiss hätten sie Scholle zu sich genommen.

    Neben ihnen saß ein Mann aus Köln, schwer angeheitert. Wünschte sich von der polnischen Kellnerin nicht nur ein weiteres Glas Weißwein, sondern auch, dass sie mittrinkt – was sie ablehnte. Kurz darauf bettelte ihn eine Frau an. Wollte einen Euro. Was der Mann mit erhobenem Weißweinglas brüsk ablehnte.

    Und meine Leute, Felix und Laura? Liefen weiter. Gingen ins Kino. In einen Sci-Fi-Film. Wie sie dachten. Saßen abends dann auf ihrem Sofa vor dem geöffneten Balkonfenster des Hotel-Appartements — blickten aufs schwarze Meer und den Sternenhimmel darüber. Hörten das Rauschen vermengt mit dem Kreischen der Möwen. 

    Dachten an Timmy, den gestrandeten Buckelwal, der nur 50 Kilometer entfernt bei Wismar seinem Tod entgegen dämmert. Waren froh, aus dem Kino geflüchtet zu sein, in dem sie der Film „Der Astronaut“ anödete. Während die Menschen im voll besetzten Saal johlten – ob der inhaltsleeren Glamourfantasien samt Bombast-Musik im Weltall.

    Und ich denke so: Was bedeutet es, wenn die Masse etwas gut findet und eine Minderheit nicht? Wer muss sich hinterfragen? Muss sich überhaupt jemand hinterfragen? Hinterfragen sich Menschen? Hinterfragen sich meine Alten? 

    Überlege ich so, während US-Präsident Trump Papst Leo XIV. wegen dessen Friedensappellen weiter beschimpft. Der total cool reagiert und zu gegenseitigen Respekt aufruft. Zugleich werden  in den USA immer mehr Stimmen laut, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump fordern – wegen Geisteskrankheit.

    Während viele Kanadier weg wollen von ihrem nordamerikanischen Kontinent. Wegen Trump. Fast die Hälfte der Einwohner will sich einer Umfrage zufolge der EU anschließen. Blöd nur, dass die EU als Mitglieder nur europäische Länder zulässt.

    Und ich analysiere: Menschen sind extrem cringe und vielfältig. Könnte sich lohnen, ihren guten Kern zu enthüllen. Durch das Geben von Liebe. Und dann lecke ich Coco. Und lasse mich lecken. Wahre Liebe eben. Sagt der verliebte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entdeckt die Realität. Und chillt, Leute!

  • 12. April 2026

    Sensation: Coco regiert Ungarn – und eine Frau trainiert Männer

    Wenn Coco zur Regierungschefin des EU-Landes Ungarn gewählt worden wäre, wäre das eine Sensation gewesen. Eine Katze, die den autoritär herrschenden Ministerpräsidenten Orban nach 16 Jahren ablöst! Aber vielleicht gar nicht so absurd, wenn man bedenkt, dass Orban spätestens nach der Empfehlung von US-Präsident Trump, eben diesen Orban zu wählen, endgültig nicht mehr wählbar war.

    Und dann auch noch Orbans Herausforderer Magyar für so manchen keine wirkliche Alternative darstellte. Bezeichnet der sich doch selbst als konservativ und rechts. Und war dann auch noch bis vor wenigen Jahren Profiteur des Orban-Systems. Bis er sich abspaltete. 

    Und so frage ich mich: Warum nicht eine Katze wie Coco als Regierungschefin? Als Symbol für Freiheit, demokratische Grundwerte, Nächstenliebe und Chillen? 

    Nun, Magyar hat gewonnen. Es gibt tatsächlich einen Regierungswechsel in Ungarn – und eine Niederlage für die weltweit aufstrebenden Rechtspopulisten. Das ist nun, wo es passiert ist, doch überraschend. Vor allem überraschend aber ist die Deutlichkeit: Magyar gewann mit einer Zweidrittelmehrheit.

    Und kann nun Orbans Abbau der Demokratie rückgängig machen. Der hatte nicht nur die Justiz mit Gefolgsleuten besetzt, sondern auch die Medien gleichgeschaltet, die Wahlen unfair gestaltet, sich an Russland und an Trump angebiedert, zugleich die EU blockiert. Die Wirtschaft stagnierte, während Inflation und Korruption stiegen. Und ich denke so: Möge Magyar beim Bewältigen dieser Aufgaben Ruhe bewahren. Und katergleich agieren. He he. 

    Es ist ein Tag der Überraschungen: US-Vize JD Vance reist von den Friedensverhandlungen mit dem Iran in Pakistan ab. Es habe keine Einigung gegeben, räumt er mit verkniffenem Gesicht ein. Sein Chef Trump trötet derweil auf seiner Plattform Truth Social, die Iranfrage sei ihm egal. Um dann zu poltern, dann würden ab morgen eben auch die USA die Straße von Hormus blockieren. Und ich denke so: Hups, dieser Trump-Schwachsinn ist nicht überraschend. Der dauert ja seit Jahren an.

    Und noch eine wahre Überraschung, die eigentlich keine sein sollte: Beim Fußball-Bundesligisten Union Berlin wurde für die letzten fünf Spiele Marie-Louise Eta zur Cheftrainerin befördert. Eine Frau! Was sogar international Schlagzeilen hervorruft. Es sei das erste Mal, dass in eine der fünf großen Ligen Europas eine Frau ein Männerteam trainiere.

    Und ich denke so: Wir schreiben das Jahr 2026 – und es geht nicht um Fachkompetenz, sondern ums Geschlecht. Puuh, Cocos Augen weiten sich. Wohl bereit zur Übernahme Ungarns. Bereit zum Angriff. Auf mich. Keine Sensation. Aber ein Zeichen, dass sie wohl doch ungeeignet wäre, Ungarn zu regieren. Sagt der überraschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hofft. Und chillt, Leute!

  • 11. April 2026

    Deutschland und seine Verbote – Coco im Karton

    Es ist verboten, sich am Sofa die stumpfen Krallen zu schärfen. Es ist strengstens untersagt, Salami vom Brot zu fischen. Und das Besteigen der Palme wird bestraft. So ist das bei den Menschen. Bei meinen Menschen. Verbote, Verbote, Verbote. Kompromisslos. Unmissverständlich. Preußisch hart. Unsensibel.

    Aber: Wenn sie dann mal ein Verbot selbst trifft, sind sie um so pikierter. Meine Alten – die Verbotsmeister – sind ja gerade an der Ostsee. Laufen am Strand entlang. Bis ein Zaun, von den Dünen bis ins Meer gespannt – den Weg versperrt. Dahinter ein Schild, auf dem mit gefetteten Großbuchstaben prangt: „BETRETUNGSVERBOT“.

    Und Felix so: „Häh, wieso ein Zaun für ein Beherbergungsverbot und warum so ein Schwachsinn hier?“ Und Laura so: „Kannst nicht lesen? Betretungsverbot.“ Und Felix so: „Das Wort gibt es doch gar nicht.“ Und Laura so: „Na denn, was es nicht gibt, schert uns nicht, freier Weg für freie Bürger.“ Und schon hangeln sich die Alten über den Zaun. Als ob sie 20 wären. 

    Verbote allerorten. Der Iran verbietet der internationalen Gemeinschaft, die Straße von Hormus zu betreten. Was viele nervt, weil zu wenig Öl und Gas die restliche Welt erreicht – und die Preise extrem steigen. Nun herrscht Waffenruhe – und die USA schicken erst mal zwei Kriegsschiffe hindurch.

    Provozieren eben. Um zu testen, wie der Gegner reagiert. Und zugleich Stärke demonstrieren – da in Pakistan zeitgleich erste Gespräche zwischen den USA und dem Iran über eine Friedenslösung laufen. Der Iran warnt. Aber dabei bleibt es erst mal.

    Auch im Ukraine-Krieg gibt es Verbote: Zum orthodoxen Osterfest sollen die Waffen zwischen Russland und der Ukraine schweigen. Aber: Beide Seiten beschuldigen sich, gegen die Vereinbarung verstoßen zu haben.

    Und einige russische Militär-Blogger provozieren noch weiter und behaupten: Ukrainische Drohnen, die Öldepots an der russischen Ostseeküste getroffen hätten, müssten aus Estland abgefeuert worden sein. Sicher sei, dass das Konsequenzen für das Nato- und EU-Mitglied Estland haben werde. 

    Während meine Alten ein paar Hundert Kilometer weiter westlich an eben dieser Ostsee spazieren. Einen weiteren Zaun überwinden – und nun ein Schild erspähen, auf dem kaum erkennbar, mit kleiner Schrift geschrieben und im schönsten Bürokratenjargon steht: Das Betretungsverbot sei zugunsten der Zwergseeschwalbe erhoben worden. Die stark gefährdete Art brüte hier – und dürfe nicht gestört werden. Und meine Alten so: „Yeah, Holstein erklärt! Sagen sie nach Durchschreiten des Schutzgebiets.

    Während Coco ebenfalls brütet. In meinem Karton. In dem sie steckt. Und ein Betretungsverbot erlassen hat. Für mich. Während Diego ihr gar einen Cappuccino kredenzt. So ist das in meinem Revier. Sagt der desillusionierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verbietet nichts, sondern erklärt. Und chillt, Leute! 

  • 10. April 2026

    Göttergeräusch Schnurren und Trump will Papst

    Mensch! Lerne das Schnurren! Denn das ist das Göttergeräusch, der Vibe, der jeden in den Chillzustand versetzt. Denke ich so. Schnurrend auf dem Bett meiner Leute chillend. Dabei eine Story meiner Laura hörend, die zeigt, wie schwierig es für die menschliche Spezies ist, das Schnurren zu erlernen.

    Das für sie übersetzt so viel bedeutet: Strahle Ruhe aus, sei freundlich, strahle von Innen heraus, lächle – und es wird dir zurück gespiegelt. Was dann das gegenseitige Wohlbefinden erhöht. Bis hin zum erstrebten Chillszustand eben. Nun, Mensch verwechselt leider nur allzuoft Lachen mit Schnurren. Was zwar nicht schlecht ist, aber nur dann fruchtet, wenn es aus dem Inneren kommt, echt, authentisch ist, um sich nicht als hohle Phrase zu demaskieren. 

    Als besonders gutes Exempel, wie es nicht funktioniert, kann des Öfteren die Gastronomie dienen. Die in dieser Branche Tätigen haben ohne Ende Schnurrkurse – also Schulungen, in denen es darum geht, das Wohlbefinden der Gäste auf das höchste Level zu steuern. Manchmal funktioniert das tatsächlich. Wenn die Freundlichkeit ehrlich ist. Und Gast strahlt dann zurück.

    Von einem absoluten Fail erzählt meine Laura. Die derzeit mit Felix in einem Hotel an der Ostsee nahe Lübeck weilt. Sie erzählt: Eine Kellnerin lachend zu zu drei Gästen – einem Mann, einer Frau und der Teenager-Tochter: „Wieder Kaffee, Cappuccino und heiße Schokolade wie gestern?“ Und steigert ihr Lachen zu einem Gackern, als ob sie einen guten Witz gemacht habe.

    Der Vater antwortet: „Ja, wie gestern – und genauso auf dem Tisch angeordnet wie gestern.“ Bekommt den Satz vor lauter Prusten kaum zu Ende, auch Tochter und Frau fallen ins Lachen ein. Die Kellnerin, die sich nun schüttelt vor Lachen, stößt mühsam hervor: „Ja, genau, erst der Kaffee, auf der anderen Seite der Cappuccino – und in der Mitte die Schokolade.“

    Wahre Lachsalven erfüllen den Raum. Während die anderen Gäste die Szenerie begutachten. Die abrupt mit einem Lachstopp endet. Und einer Kellnerin, die pflichtbeflissen die Getränke serviert.

    Nun, wahrscheinlich bin ich aweng neidisch, weil ich eben nicht lachen kann. Physiognomisch gesehen. Funktioniert das nicht mit dem Hochziehen meiner Mundwinkel. Denn grundsätzlich ist Lachen natürlich besser als Kratzen. Oder gar Bratzen. Alles absurd eben. Wobei ich wieder mal bei US-Präsident Trump bin.

    Seine Regierung soll versucht haben, den Papst – einen US-Amerikaner – auf Linie zu bringen. Auf, dass der Vatikan die aggressive US-Politik gutheiße und unterstütze. Was bislang nicht der Fall war – denn: der Vatikan äußerte sich zu den von den USA begonnenen Kriegen und auch der Einwanderungspolitik bislang eher kritisch und distanziert.

    Zwar dementiert der Vatikan, dass es solche Einflussnahmeversuche gegeben habe. Aber allein, dass die Vorstellung, dass so etwas passiert sein könnte, nicht als völlig irreal und verrückt abgetan wird, zeigt, wie weit die Welt moralisch in kurzer Zeit abgesackt ist. Schnurr as schnurr can. Für alle. Tier und Mensch. Kann da nur das Motto lauten. Sagt der entspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lacht vom Herzen. Und chillt, Leute!