Alles ist eitel in neongelb – wie peinlich

Alle sind eitel. Fast alle. Denke ich so. Selbst domestizierte Katzen. Wie Coco. Die ich vor dem Fenster sitzen sehe. Und die – anders als ich – nicht die Taube auf dem Fenstersims gegenüber anvisiert, sondern ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe. Langsam dabei ihren Kopf drehend. So dass ihr Fell in allen Farben schimmert.
Am eitelsten sind aber offenbar alternde Männer Mitte 50. Die das dann selbst gar nicht mehr merken. Felix beispielsweise hat sich neongelbe Joggingschuhe gekauft. Neongelb. In dem Alter. Bei dem Tempo. Cringe. Denke ich so. Folge: Meine Bruna joggt nicht mehr mit ihm. Weil sie das Strahlen der Schuhe ihres Vaters bei den Parkrunden nicht erträgt.

Und es geht noch peinlicher: Felixens Freund Ian kaufte sich jetzt bei ihrem gemeinsamen Urlaub in Österreich eine Badehose. Erzählt Felix. Farbe: neongelb. Und fragte die Verkäuferin, ob die Badehose auch blickdicht bleibe, wenn sie nass werde,. Das wäre ihm sonst sehr unangenehm. Ich würde vor Fremdscham versinken. Wenn ich könnte. Aber so sind sie. Die Menschen.
Eitel sind auch Verbände. Die nur sich sehen. Und in ihrer Eitelkeit dem Größenwahn verfallen. In wenigen Tagen beginnt die Fußball-WM. Der Fußball-Weltverband FIFA lässt nicht nur horrende Eintrittspreise für die Tickets nehmen – in den USA, Mexiko und Kanada. Sondern wollte nun auch verbieten, dass die Zuschauer Wasserflaschen mit ins Stadion bringen. Selbst die aus Plastik. Verletzungsgefahr.

Und das bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad, die in den meisten Stadien erwartet werden. Immerhin – nachdem den Weltverband ein Sturm der Entrüstung entgegenschlug, ruderte er tatsächlich zurück. Eine Plastikflasche darf der Zuschauer mit reinnehmend: Fassungsvermögen: 590 Milliliter.
Alles ist eitel. Denken ich so. Aber warum schauen sich die Leute überhaupt diese WM an, die von einem Verband organisiert, der die Menschen abzockt? Dem es nur noch um Geld geht. Ich würde abschalten. Bei uns aber flirrt die Kiste. Der Ball rollt. Dann sollen sie doch schauen. Ist mir doch wumpe.

Es knallt. Coco stürzt. Vom Fenstersims. Blickt auf. Zerzaust. Die Taube fliegt hinweg. Mein Kopf dröhnt. Habe ich ihr wohl unrecht getan, der Coco. Ist doch weniger Model als vielmehr Jägerin. Sagt der schönste Hauptstadtkater. Ganz in neonweiß heute. Wacht er über euch. Und jetzt: Macht euch hübsch. Und chillt, Leute!












































