Der Mensch bleibt pedantischer Mensch – Kriegsmusik in Freiburg

Vertrauen, Wärme, Zuneigung. Spüre ich zu meinen Menschen. Und will mit ihnen zusammen chillen. Das ist Leben. Für mich. Ich also platziere mich auf dem Schoß meiner Laura. Versuche es zumindest. Denn sie wehrt ab. Ernsthaft: behauptet, sie wolle nicht so aussehen wie ich. Was übersetzt so viel bedeutet wie, dass sie die drei Härchen, die ich beim Kuscheln verliere, nicht auf ihren Klamotten haben will.
Pedanterie pur. Ich dränge mehrfach und ignoriere ihre Abwehr. Bis sie nachgibt. Wie immer. Und ich spüre. Wie sie sich entspannt. So nice. Für sie. Dialog. Kommunikation. Auch ohne Worte. Durch Verhalten. Blicke. Das funktioniert nicht nur bei Artgenossen, sondern auch mit Lieblingsmenschen. Mit meiner Laura beispielsweise sind unsere intimen 38 Minuten und 26 Sekunden Kuscheln wie ein Antidepressivum. Im Chaos. Nur besser.

Und ich höre, menschliche Roboter würden immer menschlicher, nur besser. In Peking habe nun einer einen Halbmarathon gegen Menschen gewonnen. In 50 Minuten und 26 Sekunden. So schnell war noch nie ein Mensch auf dieser Distanz. Felix braucht drei Mal so lange.
Tja, diese humanoiden Teile werden ja bereits auch in Altenheimen eingesetzt – und manche Bewohner schätzen sie höher als menschliche Pflegekräfte, weil sie viel mehr Geduld hätten. Und trotzdem. Ich will Mensch. Den echten. Aus Fleisch und Blut. Ihn spüren. Schmecken. Riechen. Seine mangelnde Intelligenz bemitleiden. Also diese Unvollkommenheit. Die kein Roboter so nachahmen kann. Behaupte ich.

Und fühle mich einem weiteren Menschen äußerst verbunden, der diese Spezies so gut beschreibt: Herbert Grönemeyer. Der singt: „Der Mensch heißt Mensch, weil er vergisst, weil er verdrängt und weil er schwärmt und stählt, weil er lebt.“ Und weil er kuschelt. Weich ist. Individuell. Sympathisch. Empathisch. Sich ärgert. Lacht. Strahlt. Duftet. Stinkt. Musiziert. Liest. Schreibt. Serien schaut. Altert. Unberechenbar ist. Füge ich mal hinzu.
Und ich erblicke mal wieder den Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern. Der sichtlich gestresst ausschaut. Für den die größte Staatskrise derzeit eine Walkrise ist. Seit 20 Tagen mittlerweile. So lange liegt der 12-Tonnen-Buckelwal, den der Minister Hope nennt, auf der Sandbank vor der Insel Poel.
Minister Backhaus weist Vorwürfe zurück, die Behörden reagierten bei den Rettungsversuchen von zwei Multi-Millionären nicht schnell genug. Dem Wal gehe es gut, er lebe, er atme, er signalisiere, er vokalisiere und zeige auch Aktionen. Sagt der SPD-Politiker. In dessen Bundesland in fünf Monaten gewählt wird. Und in dem die rechtsextreme AfD gewinnen könnte.

Während Experten sagen, der Wal habe sich die Sandbank bewusst ausgesucht. Weil er zu schwach zum Schwimmen in tiefen Gewässern sei. Und dort ertrinken würde. Ich schnappe nach Luft.
Und merke, wie sich der Atem meiner Laura beruhigt. Sie locker wird. Entspannt. Gechillt eben. Durch mich. Und ich höre, dass meine Nuria in Freiburg Erfolge feiert. Mit ihrem komischen Cello. Ein Vorspiel für ein Studierendenorchester bestanden hat. Dort spielen sie Star Wars. Really.
Sollen sie doch Kriegsmusik machen. Sagt der verwuschelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spendet Wärme, duftet, vertraut. Bürstet meine Haare von den Klamotten. Und chillt, Leute!








































