Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 6. Oktober 2026

    Meine Verwirrung durch KI: Die Ästhetik der Fischgräte

    Es wird immer schwieriger, zu erkennen, ob Bilder oder Texte durch KI geschaffen wurden oder durch Kater. Katzen. Oder Menschen. Und es wird immer einfacher, coole Ergebnisse mit Hilfe von KI zu schaffen – beispielsweise bei Fotos. Finde ich so. Wenn ich meine Insta-Galerie der vergangenen Wochen betrachte. Weird. Immerhin, Insta weist aus, welche der Fotos mit KI generiert sind.

    Und die Texte? Nun, die sind naturally von mir. Ausschließlich. Ohne KI. Ich schwöre. Aber klar, Ihr müsst mir vertrauen. Und ich gebe zu: Ich bin zutiefst verunsichert. Was den Umgang mit KI betrifft. Wenn ich Welt so betrachte, frage ich mich, ob ich ihr KI-Spiel weiter mitspielen soll. Oder nicht. Aus Prinzip. Wenngleich: Prinzipien sind per se shitty. Finde ich. 

    Was mich aber voll abtörnt, sind KI-Experimente jener, die vor KI warnen – und sich zugleich damit brüsten. Wie beispielsweise Kanzler Merz. Der warnt vor Desinformation und Arbeitsplatzverlust durch KI, veröffentlichte aber vor wenigen Tagen nach dem Zuschlag für München als deutsche Olympia-Bewerberstadt ein Filmchen auf Insta.

    In dem er sich anbiedernd an die KI wendet: „Zeig mir, wie Olympische Spiele in Deutschland aussehen können.“ Zwei Mal bittet er um Verbesserungen, nach wenigen Sekunden ist er erstmal zufrieden. Zu sehen ist: Ein Feuerwerk überm Olympiastadion, Frauenkirche, schwarz-rot-goldene Flaggen. Puuh, absoluter Kitsch. Finde selbst ich.

    Aber: Vor ein paar Jahren noch hätten Werbeagenturen dafür wohl monatelang geschuftet. Millionen abkassiert. Vielleicht mit einem Ergebnis, das mich mehr begeistert hätte. Aber über Ästhetik lässt sich bekanntlich streiten. Ich zum Beispiel finde ja auch Fischgräten nice… Optisch. Und vom Geschmack. 

    Nun, es gibt jene Kritiker, die monieren, KI-Nutzer unterstützten ein System, das systematisch klaue und Kreative arbeitslos mache. Krasse Behauptung. Und voll weltvergessen. Denke ich so. KI ist da. Es muss damit umgegangen werden.

    Und viele Kreative räumen ja selbst ein, sie zu nutzen. Beim kreativen Prozess als Helferin. Der gesagt wird, was sie tun soll. Die KI setzt dann um. Und das Umgesetzte wird dann wieder vom Kreativen begutachtet, ergänzt, verfeinert. Denke ich so.

    Es gibt naturally mittlerweile KI-Programme, die KI-generierte Werke erkennen können. Dem französischen Autoren Thelyson Orelien wird vorgeworfen, KI für seinen neuen Roman, der Kandidat für den bedeutendsten Literaturpreis des Landes war, eingesetzt zu haben. Aufgedeckt wurde das durch das KI-Programm Pangram. Orelien bestreitet KI-Einsatz. Tricky: Denn Pangram ist durchaus fehleranfällig. Und ich frage mich so: Wird nun der KI geglaubt? Oder dem Kreativen?

    Vielleicht, so denke ich, sollten immer einfach die Ergebnisse gewürdigt werden: Großartige Texte, die sich abheben vom Gewöhnlichen. Nun, Oreliens Roman ist mittlerweile gestrichen von der Liste der Preiskandidaten.

    Und ich bin vollkommen verwirrt. Sehe Coco schnüffelnd an Sonnenblumen. Alles real. Authentisch. Echt. Ohne KI. Ich schwöre. Sagt der verunsicherte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Akzeptiert KI. Geht mit ihr um. Und chillt, Leute!

  • 5. Oktober 2026

    Lost in paradise: Die Zweifel meiner Nuria in Palermo – und was ich wetten würde, wenn ich könnte

    Warum das Paradies verlassen, wenn man bleiben könnte? Frage ich mich so. Als ich meine Nuria leiden höre. Sie wisse nicht, ob sie ihr Erasmus-Studium in Palermo um weitere sechs Monate auf dann ein Jahr verlängern sollte. Sagt sie drei Wochen nach ihrer Ankunft auf Sizilien. Und ich glaube, ich kann sie verstehen. Denn: Palermo ist nicht nur coole Stadt der Kater. Und Katzen. Sondern auch Stadt des dolce vita.

    „Ich bin superglücklich hier“, schnurrt meine Nuria. Sonne, Menschen, Sprache, Uni, Meer, Pizza, Piazza, Gebäck, Strand, Musik, Obst und Gemüse – alles perfetto. Warum das also frühzeitig aufgeben? Fragt sie so. Und ich antworte so: Naturally, weil ich zu weit weg bin. Und wir so nicht zusammen chillen können. Schluchz. Leider ohne Träne. Weil Kater nicht weinen können. Von Natur aus. Schade.

    Und meine Nuria antwortet so auf ihre Frage: „Weil ich dann noch länger so weit von Piet entfernt bin.“ Ihr Boyfriend in Berlin, you know? Nicht ich! Und weiter: „Weil ich dann bei einer Rückkehr erst im Herbst viele Freunde und Freundinnen sehr lange nicht sehen würde, da die dann selbst ins Erasmus-Jahr starten. Weil ich die Untervermietung meines Freiburger Zimmers organisieren müsste.“ And so on. And so on. 

    Im Moment ist meine Nuria on fire. Gepusht. Beflügelt. Begeistert. Also: Lost im paradise Palermo. Mit ihrer WG-Mitbewohnerin Flora zieht sie von Piazza zu Piazza. Erzählt von der Wahnsinnsstimmung. Offene Mit-Studenten aus aller Welt, mit denen sie sofort über kulturelle Unterschiede diskutieren kann. Eine arabische Technoparty. Mit vielen Tunesiern. Pizza. Cocktails.

    Und dann mit Flora auf ihrem Balkon zwischen Ameisen bis 5 Uhr die Nacht Revue passieren lassen. Und auch danach nicht schlafen können, weil es so schön gewesen sei. Und so ist meine Nuria nicht nur superglücklich, sondern auch supererschöpft. Weil: Kaum Schlaf, sechs Stunden Uni am Tag, mit Italienisch-, Islam- und Jurakursen.

    Danach soziale Interaktionen ohne Ende – und nun auch noch ein Job: Einmal pro Woche zwei Stunden mit dem Cello in einer Bar mit ein paar Jungs jammen. Für 30 Euro. Aber natürlich gibt es auch im Paradies Menetekel: Weiß meine Nuria.

    Etwa übergriffige Männer – hinterher pfeifen und anzügliche Sprüche seien normal. Abends dürfe man als Frau nicht alleine durch die Straßen gehen, Piet habe ihr empfohlen, sich ein Pfefferspray zuzulegen. Was ihr auch nicht so gefalle: Die queere Community habe einen schweren Stand.

    Und: Die einheimischen Italiener seien gar nicht so offen, wie sie es erwartet habe. Im Gegenteil, eher abweisend – was sie auf die Abneigung gegen den überbordenden Tourismus zurückführt. Auch nicht so gut: Die Qualität der Uni-Seminare – viel Frontalunterricht, kaum Debatten. Sagt meine Nuria. Nervig auch das Plastik- und Müllproblem hier.

    Und ich denke so: Meine Nuria, enjoy einfach das Paradies. Und entscheide, wenn la dura Realta Euphoria ablöst. Wenn ich auf deine Entscheidung wetten dürfte, wüsste ich, worauf ich setze. He he.

    Aber: Ich sage nichts. Abgesehen davon: Wenn du mich nicht bald kuschelst, fliege ich nach Palermo und setze mich zum Obsthändler. Really. Sagt der sich vor Sehnsucht verzehrende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entscheidet besonnen. Und chillt, Leute! 

  • 4. Oktober 2026

    Warum Fliegen ätzend ist und ich Diegos Folter stoisch ertrage

    Es ist so nice: Diego ist back. Nach fast vier Wochen Palermo und Montpellier. Darf ich jetzt wieder seine plus Aura spüren. Wenn er mich empor hebt. Und ich dann da hänge wie ein Boxsack. Es aber enjoye. Weil er diese spezielle Grifftechnik beherrscht. Die mich krass antörnt. Und er jetzt auch noch gechillter rüberkommt als je zuvor. Katergleich quasi.

    Und dass, obwohl sein Flugzeug bei der Landung in Berlin durchstarten musste. Den Tower und die blinkenden Lichter auf der Landebahn habe er bereits durch die fetten Nebelschwaden gesehen. Erzählt Diego.

    Dann aber habe der Pilot die Maschine plötzlich wieder steil nach oben gezogen. 20 Minuten seien sie über meiner Muddastadt gekreist. Bis die Landung beim zweiten Versuch dann geklappt habe. Angst habe er nicht gehabt. Sondern ein Urvertrauen. Sagt er. Und ich schnurre. Tief. 

    Zur selben Zeit reiste Kanzler Merz – als Vertreter des mittlerweile größten Ukraine-Unterstützers Deutschland – in einer Nacht- und Nebelaktion nach Kiew. Per Bahn allerdings. Weil Flüge ob der ständig schwirrenden russischen Raketen viel zu gefährlich sind. Die Russen drohten dann auch noch direkt vor der geheimen Kanzler-Reise, Ausländer sollten die ukrainische Hauptstadt umgehend verlassen. Die Angriffe würden intensiviert.

    Und Merz so, in Kiew an Kremlchef Putin: „Hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf.“ Man sei zu Gesprächen bereit. Die Antwort Putins: Drohnen-Beschuss einer nur vier Kilometer von Merz entfernten Kiewer Brücke. Und Merz so: „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

    Tja, wie soll das aufhören? Frage ich mich so. Alles unversöhnlich. Gewinnt, wer länger durchhält? Putin – trotz darbender Wirtschaft und Tausenden im Krieg sterbenden Soldaten?  Oder Merz, dessen Volk angesichts fehlenden Gelds in den Sozialsystemen, der Bildung und der Infrastruktur die Ukraine-Hilfen immer skeptischer sieht.

    Und dem die vor Stärke strotzenden AfD-Rechtsextremisten im Nacken sitzen. Die genau das wollen: Ein Ende der Ukraine-Hilfen. Touchiert Merz nicht. Die Ukraine bekommt weiter Geld und Ausrüstung. Sagt Merz. Und: „Das alles hört nicht auf, wenn wir der Ukraine nicht mehr helfen. Im Gegenteil, es wird danach nur noch mehr.“ Sagt er. Während russische Drohnen auf Kiew prasseln. 

    Diego schwärmt von der Sonne Palermos, der Pizza, der italienischen Lebensfreude auf den  Piazzas, die er mit meiner dort studierenden Nuria genoss. Schwärmt von den lauen Sommerabenden danach in Vic – einem Dorf bei Montpellier, wo er in einem restaurierten Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert mit zwei Freunden logierte.

    Den Blick auf Flamingos genoss. Und auf streunende Kater. Yes! Das Leben könnte so weitergehen. Mit Reisen. Sagt Diego. Und ich denke so: Nur wenn ich mit darf, Alta. Ausgestreckt. In seinen Armen. Denn: Flamingos mag ich auch. Und plus Aura. Sagt der abenteuerlustige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Reist. Und chillt, Leute! 

  • 3. Oktober 2026

    Lecken für eine gelingende Einheit, kotzen auf AfD-Rekordwerte

    Sie leckt mich. Ich leck sie. Es ist schön. Wir sind eine Einheit. Coco und ich. Am Tag der deutschen Einheit. Der gefeiert wird, weil am 3. Oktober 1990 der Einigungsvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik in Kraft trat. Gähn. Aber: Ohne die Vereinigung wäre ich jetzt wohl nicht Seite an Seite mit Coco.

    Weil Felix und Laura wohl kaum zueinander gefunden hätten, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Sondern sie in Hannover und Leipzig versauert wären. Und wir? Und meine Bruna, meine Nuria, Diego? Who knows? Also: Coco und ich würdigen es, die Einheit. Leckend.

    Während Laura flucht, heute den Kaffee schwarz trinken zu müssen. Weil die Geschäfte zu haben, was sie vergessen hatte. Und meine Bruna sich wundert, dass der Wochenmarkt vor der Haustür nicht wie sonst jeden Samstag da ist. Und die rechtspopulistische AfD außer sich vor Freude ist. Denn in einer Umfrage des Instituts Insa erreicht sie erstmals die 30-Prozent-Marke. 

    Eine weirde Zeit. Denke ich so. Während Coco über mir lungert. Denn zugleich fällt die Union in dieser Umfrage auf einen Tiefstwert: 18 Prozent. Reichen würde es nach dieser Umfrage nur noch für eine Dreierkoalition aus Union, SPD und Grünen. Tja – und dann sind auch noch 79 Prozent der Befragten mit der Arbeit von Kanzler Merz und der der Bundesregierung unzufrieden.

    Ich spüre den Kotzreiz. Denn damit ist klar, die Tendenz spricht weiter für die Rechtsextremisten. Und es ist so eklig. Ihren geifernden Jubel zu sehen. Sie seien nun Volkspartei. Und wie schön, ein solches Ergebnis am Tag der Einheit. Prahlen sie. Ungeniert.

    Und es scheint klar: 13 Jahre nach ihrer Gründung ist die AfD endgültig etabliert, hat einen Stamm von Fans. Die ihre mehr oder weniger exklusive Ablehnung von Ukraine-Hilfen und „Remigration“ voll cool finden. 

    Ich würge. Brauche heute dafür nicht mal Kotzgras. Eine offen rassistische Partei , die demokratiefeindlich agiert, Hass und Häme versprüht, ist auf Erfolgskurs. Es klingt so hilflos, wenn Bundespräsident Steinmeier in seiner Festtagsrede wohlfeil vor der Lust an Zerstörung, vor dem weiteren Erstarken extremistischer Parteien warnt – was auch durch Lügen und Manipulation in den sozialen Medien befeuert werde. Und die innere Einheit gefährde.

    Immerhin: Es gibt auch andere, die mir mehr Mut machen. Weil sie Kante zeigen. Wie der Komiker Hape Kerkeling. Der erneut vehement ein Verbotsverfahren gegen die AfD einfordert. Die Politik müsse jetzt handeln. Um das Volk zu schützen. Sagt er. Die Schmähungen und Drohungen durch Rechtsextremisten seien an Brutalität kaum zu überbieten.

    Tja, der Mann hat Recht. Denke ich so. Coco leckt mich. Ich lecke sie. Wahre Einheit. Durch gemeinsamen Genuss. Sagt der vereinheitlichte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wehret den Anfängen. Und chillt, Leute! 

  • 2. Oktober 2026

    Warum ich Japan liebe und einen Fahrstuhl als Erster verlassen würde, wenn ich Fahrstuhl fahren würde

    Der Mann der Katzen ist da. Martin. Felixens Kollege aus Japan. Ist zu uns gekommen. Um mich kennenzulernen. Wie er sagt. Weil er als Mitbewohner von drei Katzen in Tokio nun auch deutsche Katerkultur erleben wolle. Und ich ja nun besser als jeder andere Japan verkörpere: Weißes Fell, rote Zunge – die Farben der Flagge seines Landes. Und ich denke so: He, he. Der Mann hat Humor.

    Meinen Humor. Nett. Denn er füttert mich mit Leckerli. Und ich schenke ihm: Mein weißes Fell. Auf seinem blauen Sakko. Deutsche Gastfreundschaft. Denke ich so. Während sich Coco hinterm Herd versteckt hat. Auch deutsche Gastfreundschaft eben. He he.

    Martin lebt seit mehr als drei Jahrzehnten in Tokio. Liebt die japanische Mentalität. Und lacht über Lauras Freundin Josephine. Die kürzlich mit ihrem Mann Denis mehrere Monate in Japan war. Sich massiv in das Land verknallte. Und nun – back in meiner Muddastadt – am posttraumatischen Entzugssyndrom leidet. Oder so.

    Weil Japan so nice und damit ein solcher Gegensatz sei. Vor allem die Menschen dort: Aufgeschlossen, freundlich, nett, zugewandt, herzlich, ehrlich. Von innen heraus. Aggressionen gebe es nicht.

    Martin erzählt von seiner Ankunft bei uns im Prenzlberg. Fast wäre er zu spät gekommen. Die Ringbahn habe Verspätung wegen eines technischen Defekts gehabt. Das habe er antizipiert und sei 67 Minuten früher gestartet. Als er dann aus dem Bahnhof Greifswalder Straße gelaufen sei, sei ihm ein Mann entgegengekommen, der direkt vor ihm stehend angefangen habe zu kreischen. Erzählt Martin.

    Und weiter: Also habe er erst mal kehrt gemacht und sich eine Bank gesucht. Lange habe er es dort aber wegen des ätzenden Uringeruchs  nicht ausgehalten. Vor dem Bahnhof habe ihn eine riesige Baustelle empfangen, der schmale Fußweg übersät von Müll, zwischendrin eine Matratze mit einer darauf schlafenden Frau. Die Unterführung voller Graffiti. Unvorstellbar. Und ich denke so: Willkommen in Berlin. 

    In Japan dagegen sei alles sehr sauber, sagt Martin. Auch die öffentlichen Toiletten. Nirgends Graffiti. Keine Obdachlosen, ein sehr homogenes Stadtbild – fast nur Menschen, die als Japaner gelesen würden. Dazu: Exakt pünktliche Züge, Arzttermine ohne Wartezeit, nette Umgangsformen, der Kunde sei König.

    Ergo: Er könne die Begeisterung von Josephine, Denis und vielen Europäern für Japan sehr gut nachvollziehen. Weil das Land die Sehnsucht nach einem funktionierenden Staat erfülle. Good old Europe reloaded.

    Aber: Die Politik sei stramm rechts, ausländerfeindlich, obwohl das stark alternde Land Migranten ebenso wie Deutschland benötige. Es gebe für Arbeitnehmer nur zehn Tage Urlaub im Jahr. Die sich viele dann auch noch für mögliche Krankheitstage aufsparten, um den Kollegen nicht zur Last zu fallen. Alles, auch der Umgang miteinander sei streng formalisiert. Das müsse man lernen.

    Beispiel Aussteigen aus einem Fahrstuhl: Da könne es zu einer unauflöslichen Pattsituation kommen, wenn ein Vorstandsboss, eine Frau und ein Popstar drin seien und es darum gehe, wer zuerst aussteigt. Und ich denke so: Mensch, habt ihr Probleme. Ich würde als Erster raus hüpfen, he he.

    Während Coco unsichtbar bleibt. Und erst erscheint, als Martin weg ist. Und die Leckerli auch. Naturally. Sie rast zur Tür. Wimmert. Was denn nun? Fragt der kosmopolnische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: besucht Japan. Und chillt, Leute! 

  • 1. Oktober 2026

    Wie ich am Menschen verzweifle und zum guten Che Guevara mutiere

    Wir sind auch Revoluzzer. Sanft, still, aber stark. Wollen zeigen, wie eine bessere, gechillte Welt aussehen könnte. Denke ich so. Schade nur, dass uns Kater und Katzen keiner sieht. Von jenen, die auf dieser Welt so entscheiden. Von jenen, die andere Menschen demütigen, misshandeln, töten.

    Klar, wie so viele Menschen, so sehne auch ich mich nach selbstlosen Helden, die Haltung zeigen. Charismatisch und durchsetzungsstark sind, ohne Werte zu verraten. Ahnend, dass das gar nicht möglich ist. Weil die Mächtigen ihre Macht nicht widerstandslos aufgeben.

    Nun, vielleicht resultiert auch aus dieser Erkenntnis Heldenverehrung. Meine Leute feiern noch heute Che Guevara als Ikone für Widerstand, Rebellion und Emanzipation. Hängen Poster von ihm auf. Che, das ist jener Typ, der in den 1950er Jahren als Revolutionär die korrupte Militärdiktatur auf Kuba stürzte.

    Aber: Che war eben auch brutal. Ließ Gegner hinrichten. Und ich frage mich so: Ist gewaltfreie Rebellion eine naive Utopie? Ich schüttle mich. Wehre mich gegen den Gedanken. Und denke: Nein. Welt, schaut auf eure Kater. Und Katzen. Und mich. 

    Denn: Gewalt führt immer zu Vernichtung. Wie heute gleich zwei Horrorszenarien exemplarisch zeigen. Nummer eins: Im Cockpit eines Flugzeugs auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv greift der Co-Pilot den Piloten mit einem Messer an und versucht offenbar, die Maschine mit 174 Passagieren an Bord zum Absturz zu bringen.

    Ein Passagier kann den Co-Piloten überwältigen. In der Zeit stürzt die Maschine in knapp 30 Sekunden von 12.000 Metern um mehr als 4.300 Meter ab. Wie krass. Zwei Piloten, die als Passagiere dabei sind, landen das Flugzeug schließlich in Saudi-Arabien. Ob es ein Suizidversuch oder Terroranschlag war – ungeklärt.

    Die Menschen an Bord, die dachten, sie würden gleich sterben, hatten jedenfalls krasses Glück. Dass an Bord gleich mehrere Helden waren, die handelten. Und ihr Leben retteten. Israels Regierung hält einen Terroranschlag des Irans für möglich. Und ich denke so: Wie krass, dass es so weit kommen konnte. Wer rettet die Menschen. Wo ist ein charismatischer Leader?

    Horrorszenario Nummer zwei: Im US-Bundesstaat Tennessee sollte eine 1996 zum Tode verurteilte Mörderin durch Giftspritze getötet werden. Auch nach der zweiten Dosis atmet sie weiter – und wird erst einmal in ein Krankenhaus gebracht. Wie konnte sie es überleben? Ein Wunder? Oder war das Medikament mangelhaft? Die Dosis nicht hoch genug? Die Venen der Frau kaputt?

    Who knows? Ist ja auch irgendwie egal. Weil es um die Würde des Menschen geht. Die schon durch die Todesstrafe zerstört wird. Und nun noch einmal – durch die Folter bei der gescheiterten Hinrichtung. Horror. Auf welchem Niveau sich Menschen bewegen. Denke ich so. Fröstelnd. Mich an Coco drückend.

    Die Figur, die gesucht wird, muss visionär, überzeugend und optimistisch sein, Begeisterung auslösen. Authentisch, mutig, selbstlos und kompromissfähig sein. Sagt der revolutionäre Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht die Richtigen. Und chillt, Leute! 

  • 30. September 2026

    Mit dem Professore in der Krummen Lanke auf Kompromisssuche

    Es ist eben immer alles eine Frage der Perspektive. Denke ich so. Als ich in die Krumme Lanke eintauche. Jenem See im Westen meiner Muddastadt. Tiefes Grün, Algen, Fische unter mir. Und als ich mich drehe: Klares Blau, Sonne, Vögel über mir. Naturally: Ich imaginiere nur. Denn: Ich. Hasse. Wasser.

    Will aber dabei sein. Wenn Felix da heute mit seinem Germanistik-Professor Schwimmen geht. Und es um Perspektiven geht. Die naheliegenden: Ende September ein Bad in einem Berliner See – krass und nice. Aber: Eine Folge des Klimawandels. Oder: 24 Grad Lufttemperatur wirken extrem warm, wenn man aus einem See mit 16 Grad Wassertemperatur steigt.

    Oder: Durch einen kalten See schwimmen ist eine Frage des Willens. Auch des Alters, aber nicht nur. Und Felix sagt so: „Das Wasser war echt kalt. Aber der Professore war so schnell drin. Da musste ich auch….“

    Nun, der Professore, mittlerweile 89 Jahre jung, beschäftigt sich gerade ausführlich mit dem Thema Vermittler – als solchen er sich sieht. Zwischen Institutionen, Dozenten, Studenten. Auch in seiner Familie. Das liege zu einem Teil wohl auch in seiner Biografie begründet. Sagt er.

    Denn er sei der zweite von drei Söhnen gewesen, habe immer vermitteln müssen, zu dem Älteren, zu dem Jüngeren. Mit dem ersten habe er sogar zusammen die Schule besucht. Der sei für ihn immer so etwas wie ein Sonnenschirm gewesen. „Er schützte mich, nahm aber auch Licht.“ Als sein Bruder dann von der Schule abgegangen sei, sei er selbst erblüht. 

    Dass Vermitteln derzeit so abgewertet werde, sie für ihn schwer zu ertragen. Sagt der Professore. Alles, was mit Diskussionen, den Erarbeiten von Kompromissen zu tun habe, werde ja von vielen abgelehnt. Stattdessen würden die vermeintlich einfachen Lösungen gesucht, die vermeintlich dann auch noch alternativlos seien. Wobei eigentlich jedem klar sein müsse: Alternativen gebe es immer.

    Zu allem. Auch zum Literaturhaus Berlin in der Fasanenstraße, das nach zwei Jahren Sanierung morgen wiedereröffnet werde. Ein Ort der Lesungen und Autoren. Dessen Ausrichtung er Mitte der 1980er Jahre als damals vermittelnder Verantwortlicher maßgeblich mitzuverantworten gehabt habe.

    Und das heute in eine feministische Richtung gehe. Auch okay. Findet er. Abgesehen vom neuen Kürzel: LiBe… Klar sei: Gerade in Zeiten der Polarisierung sei Kompromissbildung  – und sei sie auch noch so schwierig – nötig.

    Zu lernen auch durch die beste Erfindung seiner Generation: Das Erasmus-Studiumprogramm. Ein internationales Kennenlern-Programm für multiple Sichtweisen. Um Kompromissfähigkeit zu erlernen. Und ich denke so: Eigentlich wissen alle Vernünftigen um die Wichtigkeit von Kompromissen. Die Unvernünftigen wollen es nicht hören. Begreifen es vielleicht aber auch nicht. Oder wollen es nicht hören, um Macht zu bekommen.

    Denke ich so. Und drehe mich im Wasser. Virtuelle Farbenpracht. Blick zum Strand. Wo die Menschen den Sommertag genießen. Es könnte so einfach sein. Redet. Hört zu. Versucht, verschiedene Perspektiven einzubeziehen. Sagt der philosophierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht und findet Kompromisse. Und chillt, Leute!

  • 29. September 2026

    Lost in Berlin: Handy-Diebe schlagen zu und ich kann nix tun

    Es geht auch ganz anders: Die böse Welt. Gleich nebenan. Neben der guten. Kleiner Rückblick auf Sonntag: Neben dem netten italienischen Restaurant, in dem der sizilianische Inhaber Pepe seine Philosophie eines guten Lebens propagiert und allen Menschen anbietet, bei ihm seinen 100. Geburtstag zu feiern (you know: mein Beitrag von gestern), logieren die aus München kommenden Jette und Urs, Tante und der Onkel meiner Bruna, in einem Hotel.

    Urs, der auch den Marathon mitläuft, geht um 7 Uhr in den Frühstücksraum, in dem sich zu dieser frühen Stunde scheinbar nur Marathongäste kurz vor dem Start stärken. Er holt sich einen zweiten Kaffee – und lässt sein Handy auf seinem Tisch liegen. Als er zurückkommt, ist das Handy weg. Erzählt Urs.

    Ein Gast bestätigt, ein Typ habe sich das Handy eingesteckt. Und Urs – ist zwei Stunden vor dem Marathonstart voll lost in Berlin. Will die auf dem Handy gespeicherten Kreditkarten sperren. Ist aber gar nicht so einfach, sich ohne Gerät bei den Hotlines zu legitimieren. 

    Stunden später erzählt der Hotelmanager, man habe die Täter auf Video. Es scheine sich um eine Diebesbande zu handeln. Zu sehen sei, dass vor dem Fenster des Frühstücksraums ein Mann gestanden habe, der zwei anderen an einem Tisch sitzenden Männern ein Zeichen gegeben habe, als Urs aufgestanden sei. Woraufhin einer der Beiden gekommen sei und sich das Gerät eingesteckt habe.

    Eigentlich sei der Raum nur für Hotelgäste mit Zugangskarte betretbar. Habe der Manager erzählt. Aber klar, wenn einer rausgehe, könnten auch Fremde reingehen. Und Urs so: „Das waren Profis. Haben das Handy sofort ausgestellt. Aber: Auch nicht so schlimm, der Bildschirm des Handys ist gebrochen.“

    Anzeigen will er den Diebstahl nicht. Viel Aufwand für wenig Ertrag. Übrigens: Heute gab es eine europaweite Razzia gegen Betrüger, die Handys aus alten Bauteile zusammenbauen und als fabrikneu im Internet anbieten… 

    Ditte is Berlin. Denke ich so. Und Urs joggt sich den Frust von der Seele. Schafft den Marathon mit Bravour. Naturally. Läuft am Restaurant des netten Sizilianers vorbei. Pepe habe ihm sogleich einen Platz in einer Hängematte angeboten. Samt Grappa. Und Fußmassage. Erzählt Urs.

    Plötzlich aber habe ihn ein ihm sehr bekannter, sehr spezieller Handyklingelton erstarren lassen. Der von ihm selbst kreierte Sound seines Handys – aus Pepes Tasche. Der habe seelenruhig das Handy – eindeutig seins (!!!) – hervorgeholt. Und dann gesagt: „Ja, Tisch für Kater Charlie, acht Personen, ist eingetragen. Für den 19. Juni 2122.“ Und ich denke so:  „Mein 100. Geburtstag. Nice.“

    Urs sagt, in dem Moment, in dem er Pepe das Handy habe aus der Hand reißen wollen, sei er aus seiner Trance erwacht. Mitten auf dem Rasen vor dem Reichstag. Ohne Handy. Aber mit Medaille in der Hand. „Doch nix für alte Männer, Marathon.“ Denke ich so. Schade, denn ich würde gerne meinen 100. bei Pepe feiern. Sagt der bewegte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Passt auf eure Handys auf. Und chillt, Leute! 

  • 28. September 2026

    Warum ich 100 werden muss: Pure Lebensfreude eines Sizilianers in Berlin

    Es gibt sie, die gechillten Menschen. Die ganz bei sich sind, in sich ruhen. Zufriedenheit ausstrahlen. Und auf andere übertragen. Meine Bruna hat gerade jemanden erlebt, auf den das sowas von zutrifft. Pepe, ein Italiener, der in Berlins Mitte ein Restaurant führt, in das die Oma meiner Bruna, Thea, die Familie einlud – abgesehen von mir.

    Also neben Felix und Laura noch ihre Tanten Beatrice und Jette sowie ihren Onkel Urs. Als Oma Thea zahlen wollte, kam ein strahlender Pepe aus der Küche. Bewunderte la familia. Vor allem aber la Maaammaaa, also Thea. Man müsse das Leben feiern, die schönen Momente genießen, so wie sie es tue. Sagte Pepe. Habe allen ein erstes Glas Grappa eingeschenkt. Und dann seine Story erzählt. 

    Anno 1976 wanderte Pepe von Sizilien nach Deutschland aus, öffnete in Bonn sein erstes Restaurant. Vor rund 20 Jahren zog er dann der Bundesregierung nach. Eröffnete hier in Berlin sein neues Restaurant. Ihm folgte ein Stammgast aus Bonner Zeiten – der nun alljährlich per Bahn aus Nordrhein-Westfalen anreist und zuletzt Mitte März bei ihm seinen 93. Geburtstag feierte. Große Party.

    Danach sagte ihm der Ehrengast dann, er wolle bereits heute eine Reservierung tätigen: Für den 17. März 2033 buche er drei Tische, dann wolle er hier mit einigen Gästen seinen 100. feiern. Pepe – eigentlich selten aus der Fassung zu bringen – lachte erst einmal, merkte dann aber schnell, dass der Gast die Reservierung ernst meinte. Und tatsächlich sein Handy zückte und per Wero sofort für diesen Termin 1000 Euro überwies.

    Pepe hatte nun ein Problem: Sein Pachtvertrag für das Restaurant lief 2029 aus – und er ist eben auch bereits 73. Dann aber dachte er nach, merkte, sein Leben ist Spaß, also das Restaurant. Inklusive natürlich Gäste und Mitarbeiter. Eigentlich, so überlegte er, wolle er immer weitermachen, auch mit 100 noch an den Pfannen und Töpfen stehen, um Vitello Tonnato, Spaghettini und Tiramisu zu zaubern.

    Menschen treffen, ihre Geschichten miterleben, das sei magnifico, das sei la vita cosi splendida. Also verlängerte er den Pachtvertrag erst mal bis 2037. Er prostet la Maaammaaa mit einem weiteren Glas Grappa zu. Blinzelt ihr zu, er werde auch versuchen, zu ihrem 100. da zu sein – auch wenn er selbst dann weit über 100 sein werde. 

    Italiano, so nice, denke ich so. Kater-like. Nicht mal fünf Jahrzehnte Deutschland konnten seine Lebensfreude deformieren. Der hat’s eben einfach drauf. Hat Spaß. Nimmt alles nicht zu ernst, vor allem sich selbst nicht.

    Und hört zu. So dass man sich verstanden fühlt. Willkommen und gesehen eben. Nur schade, dass ich selbst nicht dabei sein kann. Denke ich so und jumpe aufs Weinregal des Restaurants. Klar, nur virtuell, aber immerhin. Ich spüre die Stimmung, die Energie. Und who knows, wenn ich 100 werde, vielleicht werde ich dann doch eingeladen? Zu ihm, dem Sizilianer? Fragt der optimistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt den Moment. Und chillt, Leute!

  • 27. September 2026

    Warum Marathon vielleicht doch ok ist – nur nicht für mich

    Zurück ist er. Und wirkt irgendwie wie auf Dauerdroge. Entrücktes Lächeln. Schwarze Augenringe. Tief gefurchtes Gesicht. Schleppender Gang. Felix aber ist happy. Weil er es irgendwie geschafft hat.

    Ist die 42,195 Marathon-Kilometer gerannt. Durch den Moloch Berlin. Mit 56.000 anderen. Aus aller Welt. Fast viereinhalb Stunden. „Ich bin voll euphorisiert.“ Sagt Felix nun. Würde mich gerne greifen. Schafft er aber nicht. Sondern schreit auf. Sinkt auf das Sofa. Krampfgeschüttelt. Und auch noch stinkend. Menschenschweiß eben. 

    Ich raffe es nicht, was Menschen dazu bringt, sich das freiwillig anzutun. Und Felix so, stöhnend vom Sofa: „Die Atmosphäre, die Stimmung, die Internationalität. Alles so krass.“ 160 Nationen, englisch, italienisch, chinesisch, portugiesisch, polnisch and so on – ein einziges Sprachengewirr.

    Eine Teilnehmerin habe auf ihrem T-Shirt stehen gehabt: „Dafür bin ich 9.200 Kilometer geflogen.“ Und wird dann von Menschen mit südafrikanischer Flagge in der Hand bejubelt, die sie vom Straßenrand anfeuern. Andere notieren stolz auf ihren Trikots, sie seien das 50. Mal bei einem Marathon am Start.

    Wieder andere laufen gegen Rassismus. Daneben zwei Typen, mit glatt geöltem und gescheiteltem Haare, ihre Trikots mit Deutschlandflagge spazierertragend. Nicht weit entfernt: ein volltätowierter Mann, der nur noch Unterhose trägt. Gestylte Frauen in Miniröcken. Omas gegen Rechts. Und natürlich der Mann mit Ananas auf dem Kopf.

    Dicke, Dünne, über 80-Jährige, Teenager, Männer, Frauen, Queere, körperlich Beeinträchtigte – alle seien dabei, gluckst Felix. Alle seien vereint im Glücksrausch. Der Schmerzen. Denke ich so.

    Und dann die Zuschauer, schwärmt Felix: Mit Hupen, Trompeten, Pfeifen feuerten sie die Läufer und Läuferinnen stundenlang an. Zig Bands, Orchester und DJs heizten ein. Menschen hätten ihm Pappen entgegen gestreckt, gegen die man schlagen soll, um Kraft mitzunehmen. Kleine Kinder strahlten, wenn man sie abklatscht.

    Zu Beginn Schilder wie: „Vergiss nicht, Du hast 205 Euro bezahlt dafür, jetzt renn auch.“ Ab der Hälfte der Strecke: „Jetzt umkehren lohnt sich auch nicht mehr.“ Und dann, ab Kilometer 35: „Endspurt, Ziel in Sicht.“ Was natürlich nicht stimme. Aber trotzdem motiviere. Krächzt Felix vom Sofa. Auf das ich nun springe. Um ihn zu beruhigen. 

    Felix kann nicht stoppen. Bis Kilometer 25 sei alles leicht gegangen. Plappert er weiter. Dann habe der Schmerz begonnen. Plötzlich sei aus der Menge aber seine Laura mit lauten „Felix“-Rufen hervorgesprungen. Mit Schild in der Hand, auf der sein Name stand und: „Go, go.“ Ein Kuss. Und die Kraft sei wieder da gewesen.

    Dazu Anfeuerungen von meiner Nuria aus Palermo – via App. Von meiner Bruna am Streckenrand – via Schrei. Und dann, am Ende, die letzten zwei Kilometer – kurz vor der Ohnmacht – habe er an mich gedacht. Sagt Felix. An meine Coolness. Meine Ruhe. Die habe ihn ins Ziel getragen. Sagt der geehrte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vielleicht doch mal Marathon laufen und auf andere Gedanken kommen? Und natürlich: Dann chillen, Leute!