Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 6. Juni 2026

    Alles ist eitel in neongelb – wie peinlich

    Alle sind eitel. Fast alle. Denke ich so. Selbst domestizierte Katzen. Wie Coco. Die ich vor dem Fenster sitzen sehe. Und die – anders als ich – nicht die Taube auf dem Fenstersims gegenüber anvisiert, sondern ihr Spiegelbild in der Fensterscheibe. Langsam dabei ihren Kopf drehend. So dass ihr Fell in allen Farben schimmert. 

    Am eitelsten sind aber offenbar alternde Männer Mitte 50. Die das dann selbst gar nicht mehr merken. Felix beispielsweise hat sich neongelbe Joggingschuhe gekauft. Neongelb. In dem Alter. Bei dem Tempo. Cringe. Denke ich so. Folge: Meine Bruna joggt nicht mehr mit ihm. Weil sie das Strahlen der Schuhe ihres Vaters bei den Parkrunden nicht erträgt.

    Und es geht noch peinlicher: Felixens Freund Ian kaufte sich jetzt bei ihrem gemeinsamen Urlaub in Österreich eine Badehose. Erzählt Felix. Farbe: neongelb. Und fragte die Verkäuferin, ob die Badehose auch blickdicht bleibe, wenn sie nass werde,. Das wäre ihm sonst sehr unangenehm. Ich würde vor Fremdscham versinken. Wenn ich könnte. Aber so sind sie. Die Menschen.

    Eitel sind auch Verbände. Die nur sich sehen. Und in ihrer Eitelkeit dem Größenwahn verfallen. In wenigen Tagen beginnt die Fußball-WM. Der Fußball-Weltverband FIFA lässt nicht nur horrende Eintrittspreise für die Tickets nehmen – in den USA, Mexiko und Kanada. Sondern wollte nun auch verbieten, dass die Zuschauer Wasserflaschen mit ins Stadion bringen. Selbst die aus Plastik. Verletzungsgefahr.

    Und das bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad, die in den meisten Stadien erwartet werden. Immerhin – nachdem den Weltverband ein Sturm der Entrüstung entgegenschlug, ruderte er tatsächlich zurück. Eine Plastikflasche darf der Zuschauer mit reinnehmend: Fassungsvermögen: 590 Milliliter.

    Alles ist eitel. Denken ich so. Aber warum schauen sich die Leute überhaupt diese WM an, die von einem Verband organisiert, der die Menschen abzockt? Dem es nur noch um Geld geht. Ich würde abschalten. Bei uns aber flirrt die Kiste. Der Ball rollt. Dann sollen sie doch schauen. Ist mir doch wumpe.

    Es knallt. Coco stürzt. Vom Fenstersims. Blickt auf. Zerzaust. Die Taube fliegt hinweg. Mein Kopf dröhnt. Habe ich ihr wohl unrecht getan, der Coco. Ist doch weniger Model als vielmehr Jägerin. Sagt der schönste Hauptstadtkater. Ganz in neonweiß heute. Wacht er über euch. Und jetzt: Macht euch hübsch. Und chillt, Leute!

  • 5. Juni 2026

    Aufklärung für Idylle – Ciao bella Italia

    Idylle ist, in der Sonne auf dem Küchentisch zu chillen. Idylle von anderen zu zerstören, scheint reizvoll. Für Lebewesen aller Art. Auch für Coco. Die sich sogar dafür von meinem Sofaplatz erhebt. Und dann, plötzlich habe ich ihre Pfote auf meiner Nase. Not so nice. Und ich frage mich so: Tell me why? Warum zerstört sie meine Idylle? Leben und leben lassen, oder?

    Ein Gedanke, der mich auf die Idee bringt, es mal andersrum zu sehen. Also tatsächlich, ich versuche mal emphatisch zu sein – und versetze mich in Coco. Ist sie vielleicht gar nicht die Aggressorin, sondern habe ich einen gewissen Anteil daran, sie in diese Situation gebracht zu haben? Beispielsweise, weil ich sie gestern meinerseits von eben diesem Sonnenplatz vertrieben habe? Als sie da so herrlich chillend lag?

    Oder zahlt sie es mir heim, weil ich vor achteinhalb Minuten die Leckerli weggefuttert habe, die ihr meine Bruna vor ihre Nase gelegt hast? Und sie mir jetzt also nur mehr oder weniger subtil zeigt: Alta, so fühlst sich das an, wenn man gemobbt wird. 

    Nun, Themawechsel, aber es geht weiter um Wechsel der Perspektive, versprochen! Also: Nach dem deutschen Fail, als nicht-ständiges Mitglied in den UN-Sicherheitsrat aufgenommen zu werden, schlug der Bundesregierung – sicherlich auch zurecht – viel Häme entgegen. Es als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht geschafft zu haben, gegen Staaten wie Österreich und Portugal, genügend UN-Mitglieder auf ihre Seite zu ziehen, sei eine riesige Blamage, meinten Kommentatoren.

    Aber – Achtung: Perspektivwechsel! Also: Sind nicht vielleicht die Vereinten Nationen selbst mittlerweile ein einziger Fail? Weil der Sicherheitsrat eh ständig durch die Vetomächte wie China und Russland blockiert ist. Oder eben durch die USA, die unter Präsident Trump kein Engagement mehr für die UN zeigen – im Gegenteil.

    Kolportiert wird, dass China und Russland sich massiv dafür einsetzten, den Multilateralismus-Fan Deutschland nicht im Sicherheitsrat zu haben. Und bei den kleineren Ländern Kampagnen gegen Deutschland gestartet hatten. Klar, wie erwähnt, ich bin sicher, dass Kanzler Merz und Co. nicht schuldlos an der Nicht-Aufnahme sind. Aber eben nicht nur.

    Und so komme ich zu bella Italia. Wo die rechtsgerichtete Regierung unter Ministerpräsidentin Meloni nun durchgesetzt hat, dass ab kommenden Schuljahr Eltern zustimmen müssen, wenn ihre Kinder Sexualkundeunterricht bekommen sollen. Puh, Aufklärung adieu, denke ich so.

    Andererseits, ich change auch hier mal den Blickwinkel: Think positive: Vielleicht hilft das, die Geburtenrate, die auch in Italien drastisch gesunken ist, wieder zu erhöhen? Wäre doch nice. Wahre Idylle eben. Und ich wehre mich gegen Coco. Haue zurück. Für die Wahrung meiner Idylle. Sagt der besorgte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Klärt auf. Und chillt, Leute! 

  • 4. Juni 2026

    Zischende Walkadaver und Putzzwang

    Putzen ist Leben. Also wichtig. Um nicht zu müffeln. Wichtig ist Putzen aber auch in metaphorischer Hinsicht – also das Reinigen der Seele. Um bereit zu sein für den Neuanfang. Und unsereiner – also wir Kater, aber auch Katzen wie Coco, sind Profis darin. Verbinden die doppelte Pflege sogar: Das Lecken des Fells entspannt. Und sorgt so zugleich für weiße Flecken auch im Kopf. Also, der Seele. 

    Die Dänen mussten nun krass putzen. Denn am Strand ihrer Insel Anholt lagen heute Organe, Knochen, Eingeweide, Hautfetzen – umwabert von Blut. Mehrere Biologen und Tierärzte hatten zuvor den dort liegenden Kadaver von Buckelwal Timmy auseinander geschnitten.

    Timmy! Ja, der Timmy, der mehrere Wochen vor der deutschen Ostseeküste gestrandet war, dann mithilfe des Gelds von Millionären ins offene Meer geschleppt wurde und doch starb – während eine große Fangemeinde online erbittert über Sinn und Unsinn der Aktion stritt.

    Nun endlich können auch die Wal-Enthusiasten für ihren Mind Tabula rasa machen. Denke ich so. Also reinen Tisch. Um sich auf Neues zu konzentrieren. Wichtigeres. Zum Beispiel könnten sie sich darüber ereifern, ob die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit eine neue Lunge bekommen soll. Oder nicht. 

    Immerhin, es gab beim Zerteilen des Wals noch Überraschungen: Timmy ist ein Mädchen. Kein Junge! Also ein perfektes Kind der woken, geschlechtsneutralen Zeit. Denke ich so. Würde gerne lächeln. Wenn ich doch nur mein Mäulchen verziehen könnte. Kann ich nicht.

    Nun, weitere Überraschung: Anders als von einigen erwartet, explodierte der durch Gase aufgeblähte Kadaver nicht, als er aufgeschlitzt wurde. Lediglich ein Zischen, dann fiel die Hülle in sich zusammen. Allerdings bleibt erst mal unklar, woran Timmy starb. Es könne bis zu sechs Monaten dauern, bis das Ergebnis da sei.

    Und ich denke so: Oh no. Denn klar, dann werden die Wal-Jünger und -Jüngerinnen nochmals aufschreien und der Hype nochmal aufflackern. Andererseits: Schon zum Zerlegen von Timmy kamen seine Fans nicht. Zu eklig. Blutig. Meinten viele via TikTok und Insta. Die Realität, ein dreckiges No Go in ihrer cleanen Online-Welt. Offenbar.

    Ganz anders natürlich die Lage in Russland. Aber tabula rasa – das wäre da auch gern gesehen.  Kremldespot Putin würde nur allzu gerne seine angeschlagene Wirtschaft wieder in Gang bringen. Aber sein Angriffskrieg in der Ukraine lässt sich nicht wegputzen.

    Und so kommen zu seinem Prestigeprojekt, dem Wirtschaftsforum in seiner Heimatstadt Sankt Petersburg, nicht westliche Regierungsvertreter, sondern welche der Taliban. Und aus Deutschland Politiker der rechtsextremen AfD. Ziemlich dreckig das alles. Denke ich so.

    Und sehe die unermüdlich an ihrem Fell schlabbernde Coco. Leck- und Putzzwang. Denke ich so. Leck mich! Macht Coco nicht. Zum Glück bin ich weiß. Rein, quasi tabula rasa, also bereit für den Neuanfang. Sagt der reformwillige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt sauber. Und chillt, Leute! 

  • 3. Juni 2026

    Crazy – Geburtstag für einen Toten und Drohnen für Putin

    Geburtstag für einen Toten – so schön absurd hätte er es gemocht, der Moro. Mein Kater-Bruder, der heute sechs Jahre jung geworden wäre. Wenn er vergangenes Jahr nicht einfach umgekippt wäre. Aber nice: Wir zünden eine Kerze, eine Regenbogenkerze an.

    Würdigen den Meister der skurrilen Gedanken, den sanften Revoluzzer, das beißende Raubtier. Mit Lachen. Und Leckerli. Coco schnappt sich auch meine. Sie wäre ohne Moros Tod nicht hier. Mittlerweile ist sie Establishment. Undenkbar, sie könnte nicht da sein. Leben ist crazy. So crazy. 

    Schön ist – da bin so sicher: dieser Tag, dieser Ehrentag wäre ein Geschenk für Moro gewesen. Weil crazy. Absurd. Skurril. Da treffen nun ukrainische Drohnen auch Ziele weit im Innern Russlands, dieses Mal in Sankt Petersburg. Dort stehen Ölterminals in Flammen. Nicht weit davon entfernt will Kremldespot Putin sein traditionelles Wirtschaftsforum eröffnen – eine Art russisches Davos. You know?

    Und Russland? Behält sich Vergeltung vor. Und bestätigt, dass gerade auch Putin-Freund, Ex-Kanzler Gerhard Schröder, in Russland weilt. Jener Schröder, den Putin vor gut drei Wochen als Vermittler für den Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht hatte. Jener Schröder, den die Bundesregierung und die EIU schon alleine deswegen in dieser Position ablehnten, weil dieser als Putins Gas-Lobbyist Geld einsackte.

    Und ich denke so: Dass der 82-jährige Ex-Kanzler, der zuletzt auch ein wenig gebrechlich wirkte, nun in Moskau auftaucht, deutet darauf hin, dass der Kreml ziemlich verzweifelt sein muss.

    Wie auch Deutschland: Das hat heute eine krasse Blamage auf internationalem Parkett erlitten. Deutschland scheiterte deutlich mit seiner Bewerbung für einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat 2027/2028. Für die beiden westeuropäischen Plätze in dem mächtigsten UN-Gremium wurden Österreich und Portugal gewählt.

    Österreich! Portugal! Die beide zusammen nur etwas mehr Einwohner als NRW haben. Und nicht gerade als Schwergewichte in der internationalen Politik gelten. Welch Denkzettel für Deutschland, denke ich so. Ganz offensichtlich goutiert die Mehrheit der internationalen Gemeinschaft die Politik Berlins und seine Attitüde nicht.

    Und mir fällt Deutschlands Eintreten für Israel trotz Völkerrechtsverletzungen ein, das Verhalten im Ukraine-Krieg, die Klima- oder auch die Umweltpolitik. Sich arrogant als Lehrmeister Aufspielende werden eben nicht geschätzt, denke ich so. Und Deutschland, eine der größten Volkswirtschaften, einer der größten UN-Geldgeber entscheidet nun nicht mit über internationale Einsätze und Sanktionen. Peinlich. Peinlicher. Deutschland. Oder auch besser so. 

    Dass dann auch noch berichtet wird, weltweit seien Bettwanzen auf dem Vormarsch, passt doch nur allzu gut. Wanzen. In Zeiten der Kriege. Welch herrliche Vorlagen für Moro. Die er mir nun weiterspielt. Und ich nicke per Kopf mal ein. Ins Tor der Erkenntnis.

    Moro wird seinen Spaß haben. Mit den Wanzen. Gratulation. Alles so crazy. Sagt der sentimentale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: feiert Moro und das Leben. Und chillt, Leute!

  • 2. Juni 2026

    Könnte ich doch nur Banksy sein!

    Du sollst keine Vorbilder neben mir haben. Spaß! Ein bisschen jedenfalls. Denn klar: ich bin zwar Vorbild, he he, habe aber selbst keins. Jedenfalls nicht so richtig. Klar, ich bewundere etwas – ein Kunstprojekt. Von jemanden, den niemand so richtig kennt. Weil er, sie oder es seine oder ihre Identität geheim hält. Bekannt ist nur der Name: Banksy.

    Und naturally seine genialen, oft an Wände gesprayten Kunstwerke: Zwei sich küssende männliche Cops, ein Mann vor Panzern, ein Panda mit Pistolen in der Hand, ein kleines Mädchen, dem ein Luftballon wegfliegt. Humorvolle, intelligente Gesellschaftskritik eben. Kunst, die Empathie, Zerbrechlichkeit ausstrahlt. Von der ich mich nur allzu gerne erleuchten lassen will. So dass ich mich unter den Kunstwerken platziere. Die meine Leute überm Küchentisch aufgehängt haben. 

    Es gelingt. Die Erleuchtung. Weil ich plötzlich die Realität sehe, die noch kurioser ist als Banksy Ideen. Oder besser: Absurder. Die Bundesregierung schwadroniert davon, die Jugend sei die Zukunft, also müsse sie besser gefördert werden. Was passiert? Forschungsministerin Bär gibt ein im Koalitionsvertrag von Union und SPD festgeschriebenes Vorhaben auf: Die Bafög-Reform.

    Demnach sollten Studierende ab nächstem Wintersemester deutlich mehr Geld bekommen. Und was sagt Bär dazu: Ihre eigene Tochter müsse auch jobben, um sich ihr Studium zu finanzieren.

    Wie perfide, denke ich so. Denn klar ist, dass es für diese Tochter nicht existenziell sein dürfte – das dazu verdiente Geld. Während viele andere Studierende in Kneipen und Restaurants dazuverdienen müssen, um ihr Mietzimmer zu bezahlen.

    Stattdessen kämpft die Regierung für die Alten, die Rentner, ihre Zielgruppe. Deren Bezüge sollen weiter steigen. Bezahlt werden die Renten von den Jungen. Welch herrliches, zeitgenössisches Sittengemälde könnte man hieraus skizzieren. Denke ich so.

    Und lamentiere: Hach, könnte ich doch nur Banksy sein. Hach, könnte ich doch nur eine Spraydose in der Pfote halten. Hach, könnte ich doch nur selbstbestimmt sein. Und raus- und reingehen aus meinem Revier, wie ich will. Um zu gestalten. Kunst. 

    Nun, ich liebe Banksys Idee, dass das Individuum, der Künstler voll hinter die Kunst zurücktritt. Unsichtbar ist, damit nur das Werk wirkt. Unabhängig vom Schöpfer. So könnte jedenfalls mal der Gedanke gewesen sein. Denke ich so.

    Mittlerweile allerdings überschattet der Hype, Banksy identifizieren zu wollen, seine Kunst. Und ich weiß: Wenn seine Identität tatsächlich entschlüsselt würde, ist die Faszination futsch. Für mich. Auch wenn sein Panda, sein Panzer und seine Pistolen großartig bleiben. Sagt der vorbildliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wahrt Geheimnisse. Und chillt, Leute! 

  • 1. Juni 2026

    Jagd auf ewige Jugend – Tötet Nazis (metaphorisch)

    Jagd ist was für die Götter. Also für uns. Kater – und auch Katzen. In der Dämmerung Hülle. Sind wir die Stars. Wenn sie sich da bewegt. Vor uns. Die Maus. Und wir so: Körperspannung, lauern, Arsch (sorry für den Ausdruck) hoch, geduldig sein – für den Moment der Momente: Den Sprung auf die Maus.

    Die sich dann mal wieder als Wollmaus entpuppt. Frustrierend. Für Coco. Aber so ist das. In unserer sogenannten Zivilisation. Wo nicht mal richtig geputzt wird, sodass diese Fusselbälle ständig durch das Revier schwirren. Und uns täuschen. Ärgerlich. 

    Menschen sind auch Jäger. Schlechte Jäger. Sie brauchen dafür Waffen. Also Gewehre oder Pfeil und Bogen. Oder auch Worte. Wie US-Präsident Trump. Der seine Feinde jagt. Nun aber ein Problem hat. Weil er einen Freund zum Feind stilisierte. Wenngleich das wohl auf sein Alter samt einer damit einhergehenden Demenz und seine Sinne deformierende Hybris einhergeht.

    Jüngst also drohte er dem verbündeten Oman, seine Bürger in die Luft zu jagen. Vielleicht, wahrscheinlich meinte er aber den Iran, mit dem er sich ja bekriegt. Gefragt worden war Trump, ob er sich vorstellen könne, dass der Iran und Oman gemeinsam die von den Iranern blockierte Straße von Hormus kontrollieren könnten. Und Trumps Antwort – siehe oben. 

    Ich bin mal positiv. Und glücklich, dass Trump nicht mich und meine Leute und ganz Deutschland in die Luft jagen will. Nachdem unser Deutschland-Chef Merz frech war und Trumps Iran-Krieg kritisiert hatte. Da reagierte der US-Präsident, zwar pikiert, aber fast sanftmütig: Und kündigte als Reaktion an, ein paar Tausend US-Soldaten aus Deutschland abziehen zu wollen. Und die eigentlich versprochenen reichweiten-starken Tomahawk-Raketen doch nicht hier zu stationieren. 

    Tja, alte Menschen. Komisch. Alt will offenbar niemand sein. Beim 89. Geburtstag von Felixens Germanistik-Professor erzählte die 85-jährige Ex-Sekretärin, sie sei am Vortag mit dem Rennrad 82 Kilometer geradelt. Türlich ohne E-Motor. Eine elf Jahre jüngere Ex-Professorin kennt das Geheimnis ihrer Jugend: Tango tanzen. Das halte fit und jung – weil es sowohl Körper als auch Geist fordere – und man zugleich Gemeinschaft erlebe.

    Felix fegt die Wollmäuse zusammen. Stöhnt ob des schmerzenden Rückens. Und ich verstehe nicht, warum er so erschüttert war, dass der Vater eines Freundes, der ihn kürzlich nach Jahren wieder sah, sagte: „Na, bei Dir schlägt das Alter ja nun auch zu.“ Und am nächsten Tag dann geradezu euphorisiert erzählte, jene Tango-Professorin habe gesagt, er altere ja nun überhaupt nicht – zuletzt hätten sie sich vor drei Jahrzehnten gesehen.

    Und ich denke so: Was soll diese Jagd nach der ewigen Jugend. Jagt doch Mäuse. Wollmäuse. Jagt Nazis. Und tötet sie. Ist metaphorisch gemeint. Sure. Sagt der radikal jagende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Putzt. Und chillt, Leute! 

  • 31. Mai 2026

    Berstende Steine beim Tango in Buenos Aires

    Wer wenig erwartet, wird leichter auch mal positiv überrascht. Zur Illustration: Ich chille so auf meinem geliebten Stuhl unterm Tisch. Bin damit quasi unsichtbar für meine Leute. Was bedeutet: keine Leckerli. Und dann krabbelt meine Bruna zu mir. Mit einer Handvoll Leckerli – mehr auf einmal als ever before. Nur für mich. Und ich spüre den Kloß in meiner Kehle – bersten. Und könnte weinen vor Rührung. Wenn ich weinen könnte. So groß ist diese – unerwartete – Geste. 

    Ähnlich mit ist es bei Menschen beim Thema Erwartungen: Felix und Laura sind auf der Party zum 89. Geburtstag von Felixens Germanistikprofessor. In der Einladung hieß es, polnische Lyrik solle von zwei Philologinnen vorgestellt werden. Und Laura so: „Kann es nicht französische Lyrik sein?“ Und Felix attestiert: Ja, diese tolle Sprache,  Dieses großartige Land.

    Und dann – so erzählen sie – seien sie auf der Party in den Bann dieser polnischen Poesie geraten. Eine Professorin habe polnische Gedichte auf Deutsch, die andere danach auf Polnisch vorgetragen. Und die Gedichte hätten großartige Gedanken – über Leben, Existenz, Sinn und Verstand – oft augenzwinkernd ausgesprochen. Dazu dann der lautmalerische Klang der Sprache.

    „Gespräch mit dem Stein“ hieß ein Werk der polnischen Literaturnobelpreisträgerin Szymborska. Es gehe darum, dass ein Stein niemanden in sich hereinlassen wolle. Sagt Felix. Der Stein könne es nicht. Denn: Er sei ja aus Stein. Habe der Stein gesagt. Und hinzugefügt: Er habe auch gar keine Tür.

    Das Gedicht habe den Nerv der Festgesellschaft getroffen, erzählt Laura. Klatschen, Lachen. Und der Jubilar sagt dazu: Die Deutschen hätten Polen im Zweiten Weltkrieg verheerend zerstört. Es habe bis heute keine echte Versöhnung mit dem Land gegeben. Anders zum Beispiel sei das mit Frankreich gewesen.

    Dass die Versöhnung mit Polen nicht geklappt habe, sei auch an der Literatur zu sehen, sagt der Professor: Viele herausragende deutsche Werke seien nicht ins Polnische, viele großartige polnische Werke nicht ins Deutsche übersetzt worden. Auch aktuelle. Der Stein. Welch Symbol. Denke ich so.

    Im Garten des Professors hätten sich dann die Generationen getroffen. Erzählen meine Leute. Felix trifft eine Professorin, die er vor rund drei Jahrzehnten zuletzt gesehen hatte. Der Stein von damals, der zwischen ihnen lag, sei zerborsten. Durch die Zeit. Erzählt Felix. Damals war sie gerade Mutter eines Jungen geworden. Heute ist sie längst emeritiert. Und Felix und sie reden mehr miteinander denn jemals zuvor.

    Sie erzählt, sie lebe abwechselnd ein halbes Jahr in Buenos Aires und in Berlin. Und fröne ihrer Leidenschaft: Dem Tangotanz. Schreibe auch Essays darüber. Und sei froh, dabei nicht mehr an die engen Fesseln der Wissenschaft gebunden zu sein.

    Und ich denke so: Tanzen – nix für mich. Aber klar: gemacht habe ich es nie. Müsste auch mit vier Pfoten gehen. Sagt der erwartungshungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Zertrümmert die Steine. Und chillt, Leute! 

  • 30. Mai 2026

    Die Katze auf dem heißen Chefsessel -. das zerstörte Kunstwerk

    Die Katze auf dem heißen Chefsessel? Auf dem gedeckten Küchentisch? Auf dem Herd? Njet! Früher waren Kater und Katzen draußen, in Ställen oder höchstens auf dem heißen Blechdach. (He he, für die Experten: Kultfilm von 1958 mit der großartigen Liz Taylor!). Noch heute gibt es Menschen, die ihr Näschen rümpfen, wenn sie sehen, dass wir Kater in Betten chillen oder auf dem Frühstückstisch eine Art Deco darstellen.

    Oder wenn sie solcherart Fotos von Coco und mir sehen. Die Oma meiner Bruna hat solche Freundinnen. Die sich schütteln. Wenn ihnen so etwas gezeigt wird. So dass sie, Oma Lotte, ihnen diese, meine Gedankenfetzen, deswegen vorenthält. Weil ihre Freundinnen entsetzt ablehnten, was auf den Fotos zu sehen ist: Der Kater als intimer Teil der Familie. Denkt Oma Lotte. 

    Der große deutsche Regisseur Wim Wenders soll aus seinem preisgekrönten Film „Falsche Bewegung“, den er vor mehr als 50 Jahren drehte, eine Szene killen, in der die damals 13-jährige Nastassja Kinski mit nacktem Oberkörper zu sehen ist. Das verlangt die Schauspielerin seit mehreren Jahren. Und Wenders so: Heute würde er den Film natürlich anders drehen. Heute sei die Welt aber auch völlig anders als vor 50 Jahre.

    Deswegen könne er auch seinem damaligen Ich keinen Vorwurf machen. Es gehe vielmehr darum, wie man mit Filmerbe umgehe. Dürfe und solle man Szenen rausschneiden, wenn sie einer Schauspielerin weh täten, dürfe man einen Film im Nachhinein kürzen? Wenn er das mache, schaffe er einen Präzedenzfall – dann seien nachträgliche Änderungen an allen Filmen möglich. Je nach Geschmacksrichtung. Je nach Zeitgeist. Seiner Ansicht nach müsse das diskutiert werden. Sagt Wenders.

    Und ich denke so, wenn Kinski ein Problem mit der Szene hat, dann raus damit. Man kann ja an der Stelle anmerken, was ursprünglich zu sehen war und warum es entfernt wurde. Klar, im Laufe der Jahre können Befindlichkeiten wechseln. Hmmm, ich zweifle: Wenn es dann weitere Änderungen geben sollte – wer will schon vollkommen zerstückelte Werke sehen.

    Und: Was, wenn Kinski in zehn Jahren dann doch wieder findet, dass exakt diese Szene diesen Film doch rund gemacht habe – und sie doch wieder rein solllte? Puuh, ich bin verwirrt: Muss ich tolerant gegenüber den Akteuren eines Kunstwerks sein oder gegenüber dem Kunstwerk?? Ich weiß es nicht. Und eigentlich ist mir das auch egal.

    Coco schnurrt weiter auf dem Chefsessel. Und meine Bruna fotografiert das. Ich weiß: Es wird Menschen geben, die dieses Stillleben nie zu Gesicht bekommen werden. Weil sie es nicht aushalten würden. Aber wer behauptet das eigentlich. Vielleicht würden sie es doch aushalten? Sagt der tolerante Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen. Und chillt, Leute! 

  • 29. Mai 2026

    Diagnose Größenwahn sprengt aufgeblähten Wal-Kadaver

    Und dann sind da die Tage, an denen ich mich sowas von überlegen fühle. Der Welt, meinen Leuten, Coco gegenüber. Und mich frage, warum das (fast) niemand rafft? Dass nur ich weiß, was richtig ist, wo es lang geht. Sollen sie doch einfach auf mich hören. Den Weltenformel-Kenner. Denke ich so.

    Denn ich kenne sogar die Diagnose, die über mich gestellt werden müsste: Größenwahn. Und sehen, wohin selbiger führen kann: An die dänische Küste. Denn da liegt nun der durch Fäulnisgase aufgeblähte Kadaver des Buckelwals Timmy. Und stinkt. Deswegen soll er jetzt an Land gezogen und entsorgt werden. Der Kadaver könnte sogar explodieren. Und Bakterien in sich tragen, die auch Krankheiten auslösen könnten. 

    Und die dänischen Experten so: Die sogenannten deutschen Retter hätten den armen Wal vor seinem Tod einem Martyrium ausgesetzt. Der ohnehin schwerkranke Timmy sei tagelang in einem Metallkasten eingesperrt gewesen, mit dem er von der deutsche Küste mit einem Schlepper aufs offene Meer transportiert wurde.

    Er sei dabei von Wellen hin und her geschleudert worden. Dazu sei er auch noch dem Motorenlärm des Schiffs ausgesetzt gewesen. Bevor er dann ins Meer geworfen worden sei. Und ich denke so: ja, die Hybris des Menschen, die Natur überlisten zu wollen. Ihr überlegen zu sein. Ist eben doch ein Irrweg. 

    Und dann ist da US-Präsident Trump. Ein US-Gericht demaskierte ihn. Seinen Wahn der Größe, nachdem er sich bereits einen Ballsaal am Weißen Haus bauen lässt und einen Triumphbogen errichten lassen will. Nun hat ein Gericht entschieden, dass sein bereits am renommierten Kennedy-Center, einem Kulturtempel, angebrachter Name wieder entfernt werden muss.

    Weil die Entscheidung für eine Namensänderung vom Kongress getroffen werden müsse. Und ich denke so: Puh, es gibt zum Glück noch Menschen, die sich gegen den mächtigsten Mann der Welt stellen. Und versuchen, den Größenwahn zu stoppen. 

    Zugleich erreichen die Drohnen eines weiteren Größenwahnsinnigen nun auch das Gebiet des Nato-Mitglieds Rumänien. Trümmer einer russischen Drohne von Kremldespot Putin fielen dort auf ein Hochhaus. Und ich denke so: Möge so etwas nicht der berühmte Funke sein, der dann zur Explosion führt. Und den Ukraine-Kirieg zu einem globalen macht.

    Ich wende meine Gedanken Coco zu. Meiner Muse. Manchmal. So komme endlich runter. Von meinem Wahn-Trip. Merke, dass Coco zwar größer ist als ich. Also körperlich. Why not? Denn: Was ist mit ihrem Geist? Sagt der gönnende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt realistisch. Und chillt, Leute! 

  • 28. Mai 2026

    Die Verlockungen der Täuschung: Der Iran-Krieg und ich

    Es gibt diese Tage, an denen ich mich gerne täuschen lasse. Von meiner eigenen Wahrnehmung. Um mich besser zu fühlen – und nicht so klein und unbedeutend, wie es mir mein Selbstbewusstsein vorgaukelt. Weil meine Bruna mich nicht streichelt, sondern über mich stolpert. Weil sie mir keine Leckerli gibt, sondern verfallenen Lachs serviert.

    Dann baut mich Täuschung auf und lässt Enttäuschung schwinden. Meine Bruna fotografiert Coco und mich. Und auf dem Foto schaut es aus, als ob ich deutlich größer wäre als sie. Tut gut. Meinem Selbst. He, he. 

    Wahrscheinlich ist ja das ganze Leben eine einzige Täuschung. Alle spielen damit, um besser zu erscheinen. Das ist auch im sogenannten Großen sichtbar – in Kriegen. Der Iran und die USA spielen seit dem 28. Februar ein einziges Täuschungsmanöver-Spielchen miteinander. Nach dem Motto: Wer am besten blufft, gewinnt den Krieg.

    Überziehen sich mit Vernichtungsfantasien, um unmittelbar danach zu schwadronieren, man sei ganz dicht an einem Abkommen, das zu Frieden führen könnte, um dann wieder mit gegenseitigen Angriffen zu starten.

    Und während die USA behaupten, der Iran wolle unbedingt ein Abkommen, sei bereit seine hochangereicherten Uranvorräte abzugeben und die Straße von Hormus wieder zu öffnen, behauptet der Iran, man habe Zeit mit einem Abkommen, über die Atomfrage werde später verhandelt, die Straße von Hormus werde unter iranischer Kontrolle stehen. Und so greifen sie sich weiter an. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann…

    Denke ich so. Und frage mich – werden die Protagonisten sterben? Geht es nicht vielmehr um deren (wohl leider unsterblichen) Rollen, die Menschen einnehmen – und es ist eigentlich unerheblich, welcher Mensch sich darin befindet? Da er die jeweilige Rolle in den Systemen weiterspielen muss? Vor allem, wenn er und seine Unterstützer davon profitieren.

    Im speziellen Fall Iran-Krieg: Die iranischen Revolutionsgarden bleiben mithilfe eben dieses Konflikts an der Macht, die Trump-Jünger vermehren damit ihr Geld. Denn die ständigen Ankündigungen Trumps, es gebe bald Frieden, haben massiven Einfluss auf die Börsen-Kurse von Öl. Und dass die Insider in Trumps Regierung von ihrem Insiderwissen nicht auch finanziell profitieren – mir scheint es naiv, das nur als Verschwörungstheorie abzutun. 

    Ein Täuschungsmanöver-Spielchen betreiben auch Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz im Libanon. Behaupten, es herrsche Waffenruhe. Und beschießen sich weiter. Israel ruft den Südlibanon sogar zur Kampfzone aus. Wie gesagt: In einer Zeit der Waffenruhe. Was bedeutet: Die offensichtliche Realität wird einfach geleugnet – die Öffentlichkeit mit dem Wort Waffenruhe getäuscht. Und die Zivilbevölkerung stirbt.

    Meine Bruna gibt mir Leckerli. Strichelt mich. Und ich lecke Coco. So groß. So stark. Sie kuschelt sich an mich. Keine Täuschung. Realität. Sagt der enttäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stolpert nicht. Und chillt, Leute!