Kollektiver Sonnenrausch auf dem Tempelhofer Feld

Um Punkt 20.08 Uhr brandet Beifall auf. Jubel. Tausende Menschen neben mir, auch meine Leute, starren gen Himmel, sind total ergriffen. Als es immer dunkler – und kühler – wird. Und sich eine unwirkliche Dämmerung ausbreitet. Diffuses Licht. Mond vor Sonne, sprich Sonnenfinsternis. Kollektive Hypnose. Rausch.
Und ich räume ein, auch ich bin tief bewegt. Spüre den Jagdtrieb aufsteigen. Will los. Bin aber gefangen. Im Rucksack-Case meiner Bruna. Bleibe trotzdem gechillt. Wie alle um mich herum. Menschen at its best. Denke ich so. Und sauge die friedliche, freundliche, zugewandte Stimmung auf. Eine Gemeinschaft. Zufrieden. Alle. Irgendwie.



Es spielt eben alles zusammen: Zum einen Sonne. Ich liebe Sonne. Weil sie Leben, Licht, Lust, Freude, Wärme ist. Zum anderen: Mond. Ich liebe auch Mond: Weil er Leben, Licht, Lust, Freude, Kühle ist. Nun also beides zusammen. Ekstase für ihr großartiges Schauspiel. Und der Mond schafft es, taucht die 400 mal so große Sonne, die allerdings auch 400 mal weiter weg ist, in Schatten. Fast. Zu fast 90 Prozent hier in Berlin.
Aber zurecht erhalten die Protagonisten Sonne und Mond für ihre kostenlose Performance Ovationen. Denn alle Lebewesen hier sind davon in ihren Bann gezogen. Und wie verwandelt. Nett. In Berlin! Meine Leute – übrigens mit meiner aus Freiburg herbeigeeilten Nuria – haben vergessen, sich Schutzbrillen zu besorgen. Die nicht nur notwendig sind, damit man sich die Augen nicht zerstört. Sondern auch, um zu erkennen, wie sich der Mond langsam vor die Sonne schiebt.
Auf dem Höhepunkt des Spektakels kommt eine junge Frau von nebenan – lächelt mich an, streichelt mich – und gibt meinen Leuten ihre Schutzbrille. Ich darf auch mal. Und sehe nun: Die Sichel. Der Sonne. Hinter dem Mond vorlugend.



In Spanien ist die Sonnenfinsternis total. Da ist noch mehr kollektive Ekstase. Glück eben. Gegeben vom Kosmos. Ohne KI. Ohne Kosten. Ohne Machtspiele. Zuletzt gab es eine totale Sonnenfinsternis vor 27 Jahren in Europa. Das nächste Mal 2081. Hmmm, da wäre ich fast 60… Denke ich. Etwas traurig. Wissend, dass selbst für mich dieses Alter schwer zu erreichen ist.
Denn auf eine Wiederholung hätte ich schon Lust – why not? Dieses kollektive Erleben, dieses beinahe Spirituelle, die gemeinsame Faszination über die Sonne, das ist so großartig. Einzigartig. Felix muss auch in diesen eigentlich so kontemplativen Momenten dozieren. Tiere reagierten besonders auf Sonnenfinsternisse. Sagt er. Und weiter: Vögel hörten plötzlich auf zu zwitschern. Giraffen, die eigentlich nur wegliefen, wenn sie gejagt würden, würden plötzlich galoppieren. Und Riesenschildkröten sich paaren.


Und er: Labert. Und ich? Ich will jagen. In dieser herrlichen Dämmerung Hülle. Werde aber plötzlich weich. Als sich eine Fliege direkt vor mich setzt. Und es langsam wieder heller wird. Die erhellende Finsternis. Sagt der sonnendurchströmte Hauptstadtkater. Und jetzt: Vertreibt die Finsternis. Und chillt, Leute!











































