Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 11. April 2026

    Deutschland und seine Verbote – Coco im Karton

    Es ist verboten, sich am Sofa die stumpfen Krallen zu schärfen. Es ist strengstens untersagt, Salami vom Brot zu fischen. Und das Besteigen der Palme wird bestraft. So ist das bei den Menschen. Bei meinen Menschen. Verbote, Verbote, Verbote. Kompromisslos. Unmissverständlich. Preußisch hart. Unsensibel.

    Aber: Wenn sie dann mal ein Verbot selbst trifft, sind sie um so pikierter. Meine Alten – die Verbotsmeister – sind ja gerade an der Ostsee. Laufen am Strand entlang. Bis ein Zaun, von den Dünen bis ins Meer gespannt – den Weg versperrt. Dahinter ein Schild, auf dem mit gefetteten Großbuchstaben prangt: „BETRETUNGSVERBOT“.

    Und Felix so: „Häh, wieso ein Zaun für ein Beherbergungsverbot und warum so ein Schwachsinn hier?“ Und Laura so: „Kannst nicht lesen? Betretungsverbot.“ Und Felix so: „Das Wort gibt es doch gar nicht.“ Und Laura so: „Na denn, was es nicht gibt, schert uns nicht, freier Weg für freie Bürger.“ Und schon hangeln sich die Alten über den Zaun. Als ob sie 20 wären. 

    Verbote allerorten. Der Iran verbietet der internationalen Gemeinschaft, die Straße von Hormus zu betreten. Was viele nervt, weil zu wenig Öl und Gas die restliche Welt erreicht – und die Preise extrem steigen. Nun herrscht Waffenruhe – und die USA schicken erst mal zwei Kriegsschiffe hindurch.

    Provozieren eben. Um zu testen, wie der Gegner reagiert. Und zugleich Stärke demonstrieren – da in Pakistan zeitgleich erste Gespräche zwischen den USA und dem Iran über eine Friedenslösung laufen. Der Iran warnt. Aber dabei bleibt es erst mal.

    Auch im Ukraine-Krieg gibt es Verbote: Zum orthodoxen Osterfest sollen die Waffen zwischen Russland und der Ukraine schweigen. Aber: Beide Seiten beschuldigen sich, gegen die Vereinbarung verstoßen zu haben.

    Und einige russische Militär-Blogger provozieren noch weiter und behaupten: Ukrainische Drohnen, die Öldepots an der russischen Ostseeküste getroffen hätten, müssten aus Estland abgefeuert worden sein. Sicher sei, dass das Konsequenzen für das Nato- und EU-Mitglied Estland haben werde. 

    Während meine Alten ein paar Hundert Kilometer weiter westlich an eben dieser Ostsee spazieren. Einen weiteren Zaun überwinden – und nun ein Schild erspähen, auf dem kaum erkennbar, mit kleiner Schrift geschrieben und im schönsten Bürokratenjargon steht: Das Betretungsverbot sei zugunsten der Zwergseeschwalbe erhoben worden. Die stark gefährdete Art brüte hier – und dürfe nicht gestört werden. Und meine Alten so: „Yeah, Holstein erklärt! Sagen sie nach Durchschreiten des Schutzgebiets.

    Während Coco ebenfalls brütet. In meinem Karton. In dem sie steckt. Und ein Betretungsverbot erlassen hat. Für mich. Während Diego ihr gar einen Cappuccino kredenzt. So ist das in meinem Revier. Sagt der desillusionierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verbietet nichts, sondern erklärt. Und chillt, Leute! 

  • 10. April 2026

    Göttergeräusch Schnurren und Trump will Papst

    Mensch! Lerne das Schnurren! Denn das ist das Göttergeräusch, der Vibe, der jeden in den Chillzustand versetzt. Denke ich so. Schnurrend auf dem Bett meiner Leute chillend. Dabei eine Story meiner Laura hörend, die zeigt, wie schwierig es für die menschliche Spezies ist, das Schnurren zu erlernen.

    Das für sie übersetzt so viel bedeutet: Strahle Ruhe aus, sei freundlich, strahle von Innen heraus, lächle – und es wird dir zurück gespiegelt. Was dann das gegenseitige Wohlbefinden erhöht. Bis hin zum erstrebten Chillszustand eben. Nun, Mensch verwechselt leider nur allzuoft Lachen mit Schnurren. Was zwar nicht schlecht ist, aber nur dann fruchtet, wenn es aus dem Inneren kommt, echt, authentisch ist, um sich nicht als hohle Phrase zu demaskieren. 

    Als besonders gutes Exempel, wie es nicht funktioniert, kann des Öfteren die Gastronomie dienen. Die in dieser Branche Tätigen haben ohne Ende Schnurrkurse – also Schulungen, in denen es darum geht, das Wohlbefinden der Gäste auf das höchste Level zu steuern. Manchmal funktioniert das tatsächlich. Wenn die Freundlichkeit ehrlich ist. Und Gast strahlt dann zurück.

    Von einem absoluten Fail erzählt meine Laura. Die derzeit mit Felix in einem Hotel an der Ostsee nahe Lübeck weilt. Sie erzählt: Eine Kellnerin lachend zu zu drei Gästen – einem Mann, einer Frau und der Teenager-Tochter: „Wieder Kaffee, Cappuccino und heiße Schokolade wie gestern?“ Und steigert ihr Lachen zu einem Gackern, als ob sie einen guten Witz gemacht habe.

    Der Vater antwortet: „Ja, wie gestern – und genauso auf dem Tisch angeordnet wie gestern.“ Bekommt den Satz vor lauter Prusten kaum zu Ende, auch Tochter und Frau fallen ins Lachen ein. Die Kellnerin, die sich nun schüttelt vor Lachen, stößt mühsam hervor: „Ja, genau, erst der Kaffee, auf der anderen Seite der Cappuccino – und in der Mitte die Schokolade.“

    Wahre Lachsalven erfüllen den Raum. Während die anderen Gäste die Szenerie begutachten. Die abrupt mit einem Lachstopp endet. Und einer Kellnerin, die pflichtbeflissen die Getränke serviert.

    Nun, wahrscheinlich bin ich aweng neidisch, weil ich eben nicht lachen kann. Physiognomisch gesehen. Funktioniert das nicht mit dem Hochziehen meiner Mundwinkel. Denn grundsätzlich ist Lachen natürlich besser als Kratzen. Oder gar Bratzen. Alles absurd eben. Wobei ich wieder mal bei US-Präsident Trump bin.

    Seine Regierung soll versucht haben, den Papst – einen US-Amerikaner – auf Linie zu bringen. Auf, dass der Vatikan die aggressive US-Politik gutheiße und unterstütze. Was bislang nicht der Fall war – denn: der Vatikan äußerte sich zu den von den USA begonnenen Kriegen und auch der Einwanderungspolitik bislang eher kritisch und distanziert.

    Zwar dementiert der Vatikan, dass es solche Einflussnahmeversuche gegeben habe. Aber allein, dass die Vorstellung, dass so etwas passiert sein könnte, nicht als völlig irreal und verrückt abgetan wird, zeigt, wie weit die Welt moralisch in kurzer Zeit abgesackt ist. Schnurr as schnurr can. Für alle. Tier und Mensch. Kann da nur das Motto lauten. Sagt der entspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lacht vom Herzen. Und chillt, Leute! 

  • 9. April 2026

    Zerstörte Gewächshäuser und Klimaschützer Trump

    Kater sind gefährlich. Naturally. Katzen auch. Wir stammen ja auch von Raubtieren ab. Ich allerdings bin mittlerweile seit fast vier Jahren domestiziert. Und weiß mich menschlich zu benehmen. Meist. Coco aber ist ein Wildfang.

    Sieht hinter dem hellen Duschvorhang den sich bewegenden Schatten Diegos. Interpretiert das als Aufforderung zum Spiel. Springt und krallt sich im Vorhang fest. Dringt mit ihren Krallen hindurch und touchiert Diegos Bein. Der laut aufschreit, sich kurz den roten Striemen am Oberschenkel widmet und Coco dann fluchend wegstößt.

    Womit sie die Jagd auf mich eröffnet. Quer durchs Revier ins eigentlich verschlossene und verbotene Schlafzimmer. Ich nutze die geöffnete Pforte, will eine elegante Wende auf dem Fensterbrett vollziehen. Bin überrascht von dem Mini-Gewächshaus, das Laura dort platziert hat. Weil sie wohl dachte, es sei dort sicher.

    Falsch gedacht, denke ich so, als ich Erde, Samen und zersplitterte Reste des Gewächshauses auf dem Boden verteilt erblicke. Und weg rase. Zum Chillen. In die Küche. Harren der Dinge. Quasi. 

    Denn immer habe ich die Hoffnung, das sich aus dem vermeintlich Schlechten etwas Gutes entwickelt. Aus dem zerstörten Gewächshaus ein neues, größeres Haus beispielsweise. Und ich denke daran, wie nun aus dem Klimawandel-Leugner Trump ein Top-Klimaschützer geworden ist. Unfreiwillig. Aber egal – was zählt, ist das Ergebnis.

    Und das lautet nach mehr als einem Monat Iran-Krieg inklusive Schließung der für den Transport von Öl und Gas existenziellen Straße von Hormus: „Welt, fossile Energie ist old school!“

    Nicht nur wegen der Belastung für Umwelt und Klima. Sondern auch, weil fossile Energien abhängig machen. Von Ländern, mit denen man lieber nichts zu tun haben will. Während die Erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne unabhängig, frei machen. Und eben auch sauber sind.

    Dass für die eigentlich nicht neue Erkenntnis ein Krieg nötig war, in dem Menschen starben, Despoten und Öl-Konzerne erst mal profitierten, ist schrecklich. Die Chance, dass das Klima nun bessere Chancen zum Gesunden hat, ist aber gestiegen. Wie auch die Aktienkurse von Unternehmen, die auf Öko-Technologien setzen. 

    Selbstbewusst Dinge anpacken, wenn sich die Chance bietet. Denke ich so. Und höre die Story einer Katze in Stralsund, die dem Menschen mal wieder auf subtile Art klar macht, was für Tiere wir sind: Raubtiere.

    Eine 19-Jährige kam nachts nicht in ihre Wohnung, weil eine Katze vor ihrer Tür saß und sie anfauchte. Auch noch nach einer knappen Stunde. Weswegen sich die verzweifelte junge Frau an die Polizei wandte. Die sich das Tier schnappte und einem Nachbarn, dem es gehörte, übergab.

    Und nein: Die junge Frau war nicht meine Nuria. Die ist ja auch 21. Und in Freiburg. Klar aber ist: Wir sind Raubtiere. Sagt der gefährliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Nehmt euch in acht. Und chillt, Leute! 

  • 8. April 2026

    Chill das Leben und Trumps Iran-Waffenstillstand

    Ich habe alles. Leckerli, meine Bruna, Lachs in Sauce, Sonne. Und vor allem: Zeit, Chill-Zeit. Das ist das Wichtigste: Um dann entspannt auf das Leben zu blicken. Und zu sehen: Eigentlich ist mein Dasein ziemlich gut. So wie es ist. Und allein diese Erkenntnis bringt weitere Wellen der Entspannung.

    Die sich über den Stress legen, den meine Leute so abstrahlen. Ob ihrer ständigen Bewegung. Unruhe. Unzufriedenheit. Und ich frage mich so: Why? Nie zuvor ging es Menschen doch so gut – was Wohlstand, Freizeit, Life-Work-Balance angeht. Alles da, vom Bio-Essen über Markenklamotten, i-phone, Rennrädern, Urlauben – eigentlich also ein Top-Zustand.

    Es reicht ihnen nicht. Und ich weiß, warum: Ihnen fehlt Chill-Zeit. Vielleicht dazu noch eine Prise mehr Anerkennung und Empathie anderer. Um ihr Glück zu erkennen. 

    Meine Bruna, meine Nuria, Diego und ihre Bubble aus der Generation Z haben wirklichen Mangel nie kennengelernt. Denke ich so. Und: Wer etwas nicht kennt, kann kaum nachvollziehen, wie es ist, als etwas noch nicht da war. Ich spüre Coco. Die schon wieder an meinem Schweif knabbert. Und es – anders als ich – nicht kennt, Einzelkatze zu sein. Wie herrlich das sein kann. Zum Gewinnen von mehr Chill-Time.

    Nun, der Opa meiner Bruna erzählt, dass in seiner Kindheit in den 40er Jahren im und nach dem Krieg die Menschen froh waren, genug zum Essen zu bekommen. Seine Eltern in der kleinen Bergarbeiterstadt Lautenthal im Harz sei das gelungen, obwohl da gleich fünf Jungs waren, die hungrig waren, erzählt Opa Volker.

    Was auch daran gelegen habe, dass sein Vater als Lehrer  – neben Arzt, Pastor und Polizist – zu den angesehensten Leuten des Ortes gezählt habe. Die auch leichter an Essen rankamen. Die schönste Abwechslung sei gewesen, die Kinder des Arztes zu besuchen – in deren Stube sei eine elektrische Eisenbahn aufgebaut gewesen, sagt Opa Volker. Die zu beobachten – ein Highlight.

    Und ich sehe, wie viele junge Menschen sich heute ablenken, mit Blick aufs Handy, TikTok und Insta. Wisch und weg. Immer wieder. Leere. Allerorten. 

    Die auch so konditionierte kurze Aufmerksamkeitsdauer von Menschen nutzt auch US-Präsident Trump. Der stündlich neuen Schwachsinn via soziale Medien abfeuert. Der ob der Schnelligkeit gar nicht mehr hinterfragt, geschweige denn analysiert werden kann. Und von seinen Apologeten hysterisch verlangt wird.

    Gestern drohte Trump der iranischen Führung, die Zivilisation des Landes auszulöschen. Wenig später steht ein zweiwöchiger Waffenstillstand zwischen Iran und den USA samt Israel.

    Und ich denke so: Trumps martialischen Drohungen sind so widerwärtig. So leicht als bloße Gebärden zu durchschauen. Mit denen dieser Typ maximalen Druck ausüben will. Um einen für sich guten Deal auszuhandeln. Ob er in diesem Fall gut ist – keine Ahnung. Details sind unbekannt.

    So chille ich weiter. Auf der Zeitung. Weich und raschlig. Und denke so, dass der Generation Z nicht verübelt werden kann, ihren hohen Lebensstandard nicht angemessen zu würdigen. Weil sie es nicht anders kennt. Bisher. Sagt der melancholische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt euer Glück. Und chillt, Leute!

  • 7. April 2026

    Hölle Waschbecken, Hölle Bergwerk, Hölle Iran

    Waschbecken sind für mich die Hölle. Hart, kalt und vor allem: Potenziell nässend, sehr nässend. Für Coco sind Waschbecken das Paradies: Chillig mit Nässegarantie. Und ich sehe mal wieder: Derselbe Ort kann für Vertreter derselben Spezies extrem unterschiedlich wirken. Und denke zugleich so: Ups, was für eine Banalität. Zutiefst menschlich eben. Eigentlich. 

    Meine Bruna ist beeindruckt von einem Ort, von dem ich nicht erwartet hätte, dass sie den irgendwie spannend finden könnte. Ein Erzbergwerk im Harz. Rammelsberg, bei Goslar. Bis 1988 in Betrieb. Dann dicht gemacht wegen mangelnder Effizienz, zu hoher Kosten.. Heute als Industriedenkmal Weltkulturerbe.

    Welch Wandlung. Denke ich so: Von einer Art Vorhölle für die Bergarbeiter zu einem Ort der Erkenntnis. Für die nachfolgenden Generationen. Die in der Tiefe des Berges, in der Enge der Gänge, in der feuchten Kühle die Vergangenheit erspüren können. Wenn plötzlich eine Schlagbohrmaschine loslegt, mit ohrenbetäubendem Lärm – einen Lärm, den die Bergarbeiter vor 100 Jahren schutzlos ausgesetzt waren, sechs Tage die Woche jeweils zehn Stunden.

    Hölle, sagt auch meine Nuria. Die mit Kommilitonen und Kommilitoninnen für die Vier-Tage-Woche mit 28 Stunden Arbeitszeit kämpft. Während ihr Ur-Ur-Großvater tagtäglich mit dem Rad zum Eingang des Bergwerks hochstrampeln, dann 1,2 Kilometer in den Stollen laufen musste. Die Wegzeit aber zählte noch nicht zur Arbeitszeit. Die startete erst am Einsatzort. Mit 38 Jahren starb der Ur-Ur-Großvater – Staublunge.

    Andere Zeiten. Hat sich eben viel getan. Zum Besseren. Denke ich so. Und trotzdem ist es gar nicht ausgeschlossen, dass der Bergbau hier doch nochmal wiederbelebt werden könnte: Heute werden hier Stoffe vermutet, die für Batterieproduktion wichtig sind. In Zeiten hoher Zölle eine Alternative? Who knows… 

    Alles ist Veränderung. Mittlerweile zweifeln sogar ehemalige Fans von US-Präsident Trump an dessen Geisteszustand. Werfen ihm Wahn vor. Und fordern dessen Amtsenthebung. Weil Trump nun der iranischen Regierung mit der Vernichtung der ganzen Zivilisation drohte, sollte die Straße von Hormus nicht in den kommenden Stunden freigegeben werden. Er wünsche die Vernichtung nicht, aber es werde wohl so kommen.

    Sagt der Mann, der noch vor wenigen Wochen den Iranern gesagt hatte, er wolle ihnen im Kampf gegen ihre Regierung helfen. Nun droht er mit kollektiver Vernichtung. Hölle. Denke ich so. Mit der Trump  auch die regierungskritischen Menschen im Iran in die Arme ihre Anführer treibt. Denn wer will sich schon gerne von einer ausländischen Macht vernichten lassen?

    Ich sehe Coco, Wasser tropft auf ihren Kopf. Sie leckt. Ekstatisch. Und ich springe zurück. Weil es zu sehr spritzt. Sagt der vorsichtige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Checkt den perfekten Ort. Und chillt, Leute! 

  • 6. April 2026

    Ich, das Mäuschen und der Iraner, das Tier

    „Maus!“ Oder gar: „Mäuschen!“ Rufen mich meine Leute ab und an. Really. Ich schwöre. Und ich kann ihre Wortwahl kaum fassen. Dass Menschen so mit Sprache umgehen. Mich bewusst klein machen. Und dann auch noch gleichsetzen mit meinem Lieblings-Futtermittel: Maus.

    Einem Tierchen auch noch, dass Menschen gemeinhin eher meiden. Oft sogar brutal töten. Oder zumindest schreiend vor ihm fliehen. Sogar meine Nuria. Warum sie mich dann so nennen – raffe ich nicht. 

    Nun, sie sind eben absurd. Die Menschen. Und ich muss auch nicht alles raffen. Denke ich so. In meinem Chillmodus auf meinem Lieblingsmedium, der Zeitung. Auf der ich mich rekle. Dass es nur so raschelt. Und trotzdem dringt US-Präsident Trump zu mir durch.

    Der in seiner Wut auf die iranische Regierung, die in dem Krieg einfach nicht klein beigeben will und anders als von ihm gewünscht, gar nicht daran denkt, auf Verhandlungen einzugehen, diese nun als Tiere bezeichnet. Um damit zu rechtfertigen, warum Angriffe auf Kraftwerke und andere Infrastruktur in dem Land keine Kriegsverbrechen seien. Vielmehr seien es Kriegsverbrechen, wenn man dem Iran erlaube, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.

    Sagt Trump. Und genau deswegen werde ab morgen jede Brücke und jedes Kraftwerk zerstört sein, wenn bis dahin nicht die Straße von Hormus endlich wieder frei für den Schiffsverkehr sei. Sicher sei, im Falle eines großen Bombardements werde der Iran 100 Jahre benötigen, um das alles wieder aufzubauen. Bellt der Mann mit den orangenen Haaren weiter.

    „Steinzeit, ja Steinzeit“, wütet er. Während ich spüre, wie mich alles, aber vor allem seine Wortwahl triggert: Dass er die Iraner als Tiere bezeichnet. Und dass das ja suggeriert, dass Tiere etwas weniger Wertvolles als Menschen wären – und damit ein Krieg gegen ihre Anführer und sie ok wäre. 

    Klar, Sprache ändert sich ständig. Die Großeltern meiner Bruna beklagen sich, sie verständen ihre Enkel kaum noch – nicht nur wegen ihres immer schlechteren Hörvermögens, sondern auch wegen der Ausdrucksweise der jungen Leute. Und Karl, der Cousin meiner Bruna, erklärt geduldig, Begriffe wie „Bro“, „cringe“, „Aura“ oder „flexen“.

    Opa Volker schüttelt sein weises Haupt, meint, damals, in den 50er und 60er Jahren habe es Jugendsprache noch nicht gegeben. Was Oma Lina lachend widerlegt. „Hey Typ, lass uns mal gammeln. Und danach hotten gehen.“ Das sei dufte. Super. Hammer. Sagt Oma Lina. 

    Hammer ist es leider nicht so für mich. Meine Leute quälen mich weiter. Mit Worten. „Mäuschen“, ruft mich meine Bruna nun, die sich übrigens des Öfteren schon beklagt hat, von ihrer Geigenlehrerin ebenso bezeichnet zu werden. Es steigert sich: „Mieze, komm mal her“. Höre ich es nun tönen.

    Alta, geht’s noch? Ich bin doch kein niedliches, verhätscheltes Schoßkätzchen. Und bleibe liegen. Auf meiner Zeitung. Sagt der gedemütigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Achtet darauf, wie ihr etwas sagt. Und chillt, Leute!“ 

  • 5. April 2026

    Der 87. Geburtstag und die Zunge der Biene

    Erst mal die Lage checken – und dann urteilen. Denke ich so. Als ich mal wieder vom hyperventilierenden Felix höre. Der completely sauer ist. Völlig unbegründet, natürlich. Denn er denkt, meine Bruna und meine Nuria würden sich vor Arbeit drücken. Die er ihnen auftragen wollte – Tischdecken, Tellertragen etc.pp.

    Dann sitzen sie alle zusammen – zu elft – am Tisch. Meine family und die vom Onkel meiner Alea aus Gießen. Weil die Oma meiner Bruna Geburtstag hat: 87. Meine beiden Mädels überreichen ihrer Oma Lina als Geschenk ein selbst gemaltes Porträt, das mich zeigt. Mit Fell aus Noten. Oma Lina ist voll begeistert.

    Und meine Nuria und meine Bruna erzählen, die letzten Abende, bis gerade eben, hätten sie zusammen an dem Werk gearbeitet. Alle beeindruckt. Und Felix nun rot vor Scham. Bis ihm die Tränen der Rührung über die Wangen laufen. Die ich gerne weglecken würde. Wenn ich es könnte. Dazu gleich mehr. 

    Also: Wieder mal birthday. Meine Leute sind dazu weit weg gefahren von mir. Nach Hahnenklee bei Goslar. Um zu feiern. Ohne mich. Ohne Coco. Keine Ahnung, warum sie uns ignorieren. Ich keine Tränen lecken kann.

    Sie dafür aber Kröten huldigen. Die sie bei ihren Harzwanderungen treffen und über Wanderwege tragen. Weil die zum Laichen zu den Teichen wollen. Und meine Leute so: Eigentlich voll eklig, die Viecher. Iiih. Und ich denke so: Was für ein Bodyshaming. Dieser Stadtkinder. 

    Später sind sie bei den Bienen des Großonkels meiner Alea. Walter liebt diese Insekten. Und erzählt, er habe ein Experiment gemacht und Zuckerwasser auf seinen Tisch auf der Veranda gestellt. Eine Biene habe er geholt, an das Wasser gesetzt und gesehen, wie diese dieses Wasser mit ihrer Zunge – ja: Zunge, Bienen haben Zungen. Offenbar! – Geleckt habe und wenige Minuten später seien dann viele andere Bienen gekommen, nach und nach, immer mehr.

    Hunderte. Bis schließlich auf dem Behälter ein Schwarm gesessen habe. Und Walter so: Mit ihrem Schwänzteltanz könnten die Bienen ihren Mitbienen ganz genau den Standort der Leckerei anzeigen. Sie seien unfassbar schlau, die Bienen. Und dass die Drohnen – also männlichen Bienen – aus dem Bienenstock geworfen würden, zeige eben, dass die Natur nicht grundsätzlich das männliche Geschlecht bevorzuge.

    Matriarchat eben. Schlau. Erst Lage checken, dann rausschmeißen. Denke ich so. Und wüsste, wenn ich aus meinem Revier werfen würde. 

    Dien Erlösung. Denke ich so. Sollte heute unbedingt sein. Am Geburtstag von Oma Lina. Der auf Ostersonntag fällt. Der Wiederauferstehung von Jesus. Und ich spüre Frieden in mir. Genieße die Ruhe. Die Einsamkeit. In meiner Küche. In der Sonne. Sagt der erleuchtete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid demütig. Und chillt, Leute!

  • 4. April 2026

    Eine Würdigung der Ratte, denk mal!

    Denkmal! Denk! Mal! Was für ein Wort. Ein Denkmal, erbaut, um Menschen, deren Leben andere Menschen gut fanden, zu würdigen. Und nun ist was Krasses passiert: In Kambodscha ist nicht ein Mensch, sondern ein Tier mit einem Denkmal geehrt worden. Und dann noch ein Tier, das die Menschen gemeinhin gar nicht so cool finden: Eine Ratte. Und ich denke so: Denk! Mal!

    Yes: Tatort: Kambodscha. Da ist eine Afrikanische Riesenratte mit dem Namen Magawa, die schon vier Jahre tot ist, postum mit einem 2,20 Meter hohem Denkmal geehrt worden. Warum heute? Weil heute der internationale Tag der Minenaufklärung ist. Und Kambodscha ist ein Land, das mit Minen verseucht ist.

    Ende der 1970er gab es da einen Bürgerkrieg, in dem Millionen Minen verlegt wurden. Wo, das weiß keiner. Da es keine Karten oder Aufzeichnungen gibt. Es weiß auch niemand, wie viele Minen noch im Boden sind – klar ist nur, es ist zu gefährlich, in manchen Gegenden Felder zu bestellen, Siedlungen hochzuziehen oder Kinder spielen zu lassen,. 2024, so sagen Experten, seien rund 6.200 Minenopfer registriert worden, weltweit. Von ihnen seien fast 2.000 tödlich verletzt worden.

    Und Magawa? War top. Weil Ratten eben durchaus nicht nur lecker sind, sondern auch intelligent. Und sich devot dem Menschen unterordnen., Sagen zumindest Menschen. Diese Hamsterratten also lassen sich sogar an Leinen führen. Über kontaminierte Felder. Bis sie den Sprengstoff erschnüffeln.

    Dann beginnen sie zu scharren – als Zeichen dafür, dass da Sprengstoff liegen könnte. Und klar, Ratten eignen sich auch hervorragend dafür, weil sie zu leicht sind, um die Minen auszulösen. Und dann auch noch schnell genug, um größere Flächen abzusuchen – 30 Minuten brauchen sie für ein Gebiet in der Größe eines Tennisplatzes. 

    Toll, die Ratte, denke ich so. Denke an Laura. Die eben von der Mutter eines schwierigen, äußerst introvertierten jugendlichen psychiatrischen Patienten erzählt. Die habe im Gespräch mit ihr gesagt, ihr Sohn, sei eben ein Opossum. Opossum. Really, denk mal.

    Nun, Laura sagt, sie habe sich alle Mühe gegeben, nicht loszulachen. Habe dann die KI gefragt, was ein Opossum sei, für was es stehe. Die Antwort: Eine nachtaktive Beutelratte sei das. Die dafür stehe, eher passiv zu sein – inspiriert von ihrem Verhalten, sich des Öfteren tot zu stellen.

    Nun, ich lebe. Bin ein Kater. Stolzer Chiller. Liege auf dem Küchentisch. Neben meiner Bruna. Welch Harmonie. Denk Mal! Denke ich so. Erbaut es für mich. Das Denkmal. Why not? He, he. Lacht der gediegene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt, würdigt die Ratte, und chillt, Leute.!

  • 3. April 2026

    Katzen-Jesus Coco und der sterbende Wal

    Karfreitag ist heute also. Und ich so: Im ersten Moment: Nice, Tag für Katzen, oder was? Um dann aber doch extrem schnell zu realisieren – no: Car, nicht: Kat-Freitag. Also eher ein Gedenktag im Zusammenhang mit Autos, denke ich so – als englisch-affiner Kater. Und glaube, auch den Grund zu wissen: Car-frei-Tag – ein autofreier Freitag also angesichts der durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiekrise. Not so bad.

    Merke dann aber: Auch falsch, düsen noch zu viele Cars vor meinem Revier rum. Und erfahre durch meine Alea: Karfreitag habe etwas mit Christentum zu tun. Die Vorsilbe Kar stamme aus dem Althochdeutschen und bedeute Kummer. Weil vor rund 2000 Jahren Jesus an einem Freitag ans Kreuz genagelt worden und für die Menschen gestorben sei – für deren Sünden. Und ich denke so: Großartig. Nur blöd, dass sie leider weiter sündigen. Ohne Ende. 

    Unermesslicher Kummer also. Nicht nur über Despoten, Kriege, Morde, Heimtücke, Verbrechen. Sondern auch im Kleineren – wo sich der Charakter des Menschen manches Mal besonders eindrucksvoll offenbart: Wieder mal zu sehen exemplarisch an jenem Buckelwal, der in der Ostsee gestrandet ist – und dem dadurch ausgelösten Verhalten des Menschen.

    Da gibt es die offensichtlich Guten, die diesem Wal helfen wollen, zunächst seinen Weg zurück aus der Ostsee in den Atlantik zu finden. Und nach mehrfachen Rettungsaktionen dann irgendwann einsehen, dass der Wal offensichtlich todkrank ist und sterben will. Das wiederum versetzt viele Walfans in Kar – also Kummer.

    Einige so extrem, dass sie nun tatsächlich die Helfer bedrohen, sogar mit Mord. Und ich reflektiere: Wegen eines Wals, der im Sterben liegt, attackieren Menschen Menschen, die ihn erlösen wollen. Während zugleich anderswo Surfer gegen Wale prallen und sich dabei verletzen. Und wieder anderswo Wale gejagt werden. Einige elendlich in von Menschen ausgelegten Netzen verrecken. Alles absurd. Ein wahrer Kartag für mich. Leiden am Menschen. 

    Aber auch heute gibt es plus Aura. Dank meiner Coco. Die ich heute tatsächlich mal aufrichtig bewundere. Weil sie menschliches Verhalten subtil und bildlich karikieren kann. Ironisieren, um aufmerksam zu machen. Denke ich so.

    Also: Sie liegt auf dem Schoß meiner Alea. Dreht sich auf ihren Rücken., Streckt ihre Vorderpfoten nach oben. Sieht aus wie eine gekreuzigte Katze ohne Kreuz. Katzen-Jesus am Karfreitag. Hoffentlich ist das keine Blasphemie. Will nicht in der Hölle schmoren. Sagt der erleuchtete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tut Buße. Lebt euren Kummer. Und chillt, Leute! 

  • 2. April 2026

    Sehnsuchtsort Vollmond und die Leiden der jungen Laura

    Völlig losgelöst. Von der Erde. Bin ich manchmal. Wenn ich springe. Und die Schwerkraft nicht mehr zu existieren scheint. Für mich. Ich meinen Moon sehe. Näherkommend. So golden-gelb. Ein verführerischer Chillort. Vor allem, weil der Mond eben ohne Menschen ist. Denke ich so.

    Während ich dann doch wieder auf die Erde zurück platsche. Leider. Und bin really entsetzt. Als ich sehe. Eine Rakete, die Artemis 2, startet. Von Cape Canaveral in Florida. Mit vier Menschen drin. Richtung Mond. Meinen Sehnsuchtsort. 

    Zum ersten Mal seit 1972 machen Menschen das wieder. Sich selbst dem Mond nähern. Sie wollen erst mal nicht drauf, nur drumrum fliegen. Und sogar einige Tausend Kilometer dann vorbei – womit sie dann so weit weg von der Erde wären wie Menschen nie zuvor. Toll, denke ich so. Was haben sie davon?

    Ich weiß es nicht. Spüre in meinen Gedanken plötzlich Laura über mich stolpern. Tut weh, aber sie flucht nun eben diesen, meinen Mond an. Dieser lasse sie wieder mal nicht schlafen. Es sei schon kurz nach vier. Und sie heult den Vollmond an. Dessen heller Schatten sich plötzlich verdunkelt.

    Denn: Seine Silhouette wird gekreuzt von eben dieser Artemis 2. Die nun diesen Mond zweiteilt wie auch dessen Schatten. Und Lauras Gesicht entspannt sich. Der Vollmond ist zerstört. Von Artemis. Und sie wendet sich glücklich ab. Ruft: Danke, Rakete, Mond schwinde. Torkelt ins Bett. Schläft. Tatsächlich. 

    Die Rakete gegen menschliche Schlaflosigkeit also. Denke ich so. Die mit rund 30.000 Stundenkilometern durchs All rast. Um zum 400.000 Kilometer entfernten Trabanten zu gelangen. Zehn Tage soll der Flug dauern. Und ich überlege, was die Rakete so an Treibstoff verballert. In Zeiten, in denen in Bangladesch fürs Volk kein Benzin mehr da ist. In Zeiten, in denen der Klimawandel sich immer stärker beschleunigt. 

    Wahrscheinlich sollte ich das eine nicht gegen das andere ausspielen. Denke ich so. Ist doch gut, wenn Laura wieder schlafen kann. Und die Wissenschaft Fortschritte macht. Irgendwelche. Jedenfalls so, dass ab 2028 die Menschen dann wirklich wieder richtig auf dem Mond landen und da dann rumlaufen können.

    Und das, so träume ich so, könnte auch meine Chance sein. Da einfach mal mitzukommen. In der Rakete. Wie dereinst die Hündin Laika, die mit den Russen ins All mitflog. Klar, die starb kurz nach dem Start. War aber ja auch nur ein Köter.

    Nun, ich will zu meinem Sehnsuchtsort kommen. Oder vielleicht sogar noch weiter. Zum Mars. Wo Mensch auch hinstrebt. Völlig losgelöst. Wie der Major Tom. You know? Sagt der träumende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt, liebt euren Sehnsuchtsort. Und chillt, Leute!