Warum Marathon nix für mich ist – und für Mensch eigentlich auch nicht

Es ist garantiert nicht artgerecht. Denke ich so. Als ich sehe, wie Felix sich so quält. Wenn er trainiert. Um 42,195 Kilometer zu rennen – am Stück. Morgen ist also das große Rennen in Berlin. Wo er mitmacht. Mit mehr als 56.000 Menschen aus mehr als 160 Ländern.
Weltrekordler Sabastian Sawe ist verletzt und daher nur als Ehrengast dabei, dafür gibt es aber mit dem äthiopischen Superläufer Kenenisa Bekele auch einen anderen, der die Strecke um die zwei Stunden schafft. Also mehr als 20 Kilometer in der Stunde läuft. Wie krass.
Und ich schwanke so zwischen Bewunderung, dass Menschen so was leisten können, wenn sie nur wollen. Und Verachtung, dass sie diese Energie nicht sinnvoll einsetzen – und sich beispielsweise mit Tausenden anderen an der Fassade der CDU-Zentrale abseilen, um mehr Klimaschutz zu fordern. Oder die Zentralen der rechtsextremen AfD besetzen und die Neo-Nazis demaskieren.

Klar ist, Menschen können da etwas, was wir Kater nicht können. Wir sind Sprinter, schaffen über 40 Stundenkilometer, aber eben nur so um die 15 Sekunden lang. Kommt daher, weil wir es anders auch nicht brauchen – wir sind Fluchttiere. Und brauchen den extrem schnellen Antritt, um zu überleben.
Menschen müssen weder schnell noch weit rennen, um zu überleben. Sie müssten sich dafür – für ihr Überleben – engagieren. Und ich denke so: Wahrscheinlich laufen sie sich die Seele aus dem Leib, um eben das nicht tun zu müssen. Weil Engagieren noch viel anstrengender als Rennen ist.
Will aber mal positiv bleiben. Weil es auch ganz süß ist, Felix zu beobachten. Wie aufgeregt er ist. Wenn er vom Flair, von der Atmosphäre bereits vor dem Rennen schwärmt. Als er seine Startnummer abholte – in den Hallen des altehrwürdigen ehemaligen Flughafens in Tempelhof. Zusammen mit Menschen aus aller Welt. Alle ausgelassen. Aufgeschlossen. Mit demselben Ziel: Marathon. Schaffen.

Drei Asiatinnen, um die 50, hätten ihn gebeten, sie mit Startnummer zu filmen. Und zu fotografieren. Sie seien bereits in Toronto, New York und Sydney zu solchen Rennen gewesen. Und hätten nicht gedacht, dass das mit den Startnummern in Deutschland so digital und unkompliziert laufe – dass der QR-Code eingescannt und dann die Nummer ausgedruckt werde. Sie hätten über Deutschland anderes gehört.
Ein Stewart habe ihm dann erklärt, sein Startblock sei der, in dem auch die Krokodile und Pinguine starteten, erzählt Felix. Also die Verkleideten, die die Sache nicht so ernst nähmen. Er habe gelächelt, aber gespürt, wie sich die Hand zu einer Faust geballt habe. Sagt Felix. Denn klar: 4:15 sei schon eine Zielmarke.
Und schon sei er in einem Pulk von Läufern aus Chicago weiter Richtung Haupthalle geschoben worden. Sagt Felix. Merch ohne Ende. Unfassbar. Schuhe von zig Markenherstellern, Laufbänder, Gels, Trikots, Anbieter von Marathons in aller Welt. Kaufrausch.


Er habe einen anderen Rausch gespürt: Laufen. Mit allen. Euphoria habe ihn gepackt. Sagt Felix. Mit dem nächsten Ziel im Kopf: Ultra-Marathon in Sankt Moritz. Und ich denke so: Laufen scheint zu verblöden. Aber: Träum weiter, Alta! Sagt der schnelle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bewegt euch. Und chillt danach umso genussvoller, Leute!


















































