Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 26. September 2026

    Warum Marathon nix für mich ist – und für Mensch eigentlich auch nicht

    Es ist garantiert nicht artgerecht. Denke ich so. Als ich sehe, wie Felix sich so quält. Wenn er trainiert. Um 42,195 Kilometer zu rennen – am Stück. Morgen ist also das große Rennen in Berlin. Wo er mitmacht. Mit mehr als 56.000 Menschen aus mehr als 160 Ländern.

    Weltrekordler Sabastian Sawe ist verletzt und daher nur als Ehrengast dabei, dafür gibt es aber mit dem äthiopischen Superläufer Kenenisa Bekele auch einen anderen, der die Strecke um die zwei Stunden schafft. Also mehr als 20 Kilometer in der Stunde läuft. Wie krass.

    Und ich schwanke so zwischen Bewunderung, dass Menschen so was leisten können, wenn sie nur wollen. Und Verachtung, dass sie diese Energie nicht sinnvoll einsetzen – und sich beispielsweise mit Tausenden anderen an der Fassade der CDU-Zentrale abseilen, um mehr Klimaschutz zu fordern. Oder die Zentralen der rechtsextremen AfD besetzen und die Neo-Nazis demaskieren.

    Klar ist, Menschen können da etwas, was wir Kater nicht können. Wir sind Sprinter, schaffen über 40 Stundenkilometer, aber eben nur so um die 15 Sekunden lang. Kommt daher, weil wir es anders auch nicht brauchen – wir sind Fluchttiere. Und brauchen den extrem schnellen Antritt, um zu überleben.

    Menschen müssen weder schnell noch weit rennen, um zu überleben. Sie müssten sich dafür – für ihr Überleben – engagieren. Und ich denke so: Wahrscheinlich laufen sie sich die Seele aus dem Leib, um eben das nicht tun zu müssen. Weil Engagieren noch viel anstrengender als Rennen ist.

    Will aber mal positiv bleiben. Weil es auch ganz süß ist, Felix zu beobachten. Wie aufgeregt er ist. Wenn er vom Flair, von der Atmosphäre bereits vor dem Rennen schwärmt. Als er seine Startnummer abholte – in den Hallen des altehrwürdigen ehemaligen Flughafens in Tempelhof. Zusammen mit Menschen aus aller Welt. Alle ausgelassen. Aufgeschlossen. Mit demselben Ziel: Marathon. Schaffen.

    Drei Asiatinnen, um die 50, hätten ihn gebeten, sie mit Startnummer zu filmen. Und zu fotografieren. Sie seien bereits in Toronto, New York und Sydney zu solchen Rennen gewesen. Und hätten nicht gedacht, dass das mit den Startnummern in Deutschland so digital und unkompliziert laufe – dass der QR-Code eingescannt und dann die Nummer ausgedruckt werde. Sie hätten über Deutschland anderes gehört.

    Ein Stewart habe ihm dann erklärt, sein Startblock sei der, in dem auch die Krokodile und Pinguine starteten, erzählt Felix. Also die Verkleideten, die die Sache nicht so ernst nähmen. Er habe gelächelt, aber gespürt, wie sich die Hand zu einer Faust geballt habe. Sagt Felix. Denn klar: 4:15 sei schon eine Zielmarke. 

    Und schon sei er in einem Pulk von Läufern aus Chicago weiter Richtung Haupthalle geschoben worden. Sagt Felix. Merch ohne Ende. Unfassbar. Schuhe von zig Markenherstellern, Laufbänder, Gels, Trikots, Anbieter von Marathons in aller Welt. Kaufrausch.

    Er habe einen anderen Rausch gespürt: Laufen. Mit allen. Euphoria habe ihn gepackt. Sagt Felix. Mit dem nächsten Ziel im Kopf: Ultra-Marathon in Sankt Moritz. Und ich denke so: Laufen scheint zu verblöden. Aber: Träum weiter, Alta! Sagt der schnelle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bewegt euch. Und chillt danach umso genussvoller, Leute!

  • 25. September 2026

    Insomnia: Meine Nuria schlaflos in Palermo

    Schlaflosigkeit: Für mich absolutely unvorstellbar. Ich lege mich hin. Und bin sofort weg. In paradiesischen Welten. Fernab von Krieg, Mensch, Coco, Felix und Fliegen, die ich nie erwische – im Traum aber schon.

    Menschen aber haben mit dem Schlaf so ihre Probleme, ein Drittel der Deutschen klagt über Insomnia. Und ich denke so: kein Wunder. Bei dem Stress, den Menschen sich immer selbst machen. Ihren Selbst-Optimierungsdruck. Selbst der Schlaf muss top sein. Um dann das Optimum leisten zu können. Und natürlich, um länger zu leben.

    Gar nicht so neu, aber doch voll krass: Eine Uhr, die misst, wie gut man schläft. Schlafen also für ein gutes Ergebnis auf der Uhr? Und ich frage mich, wie man bei solchem Druck noch gut schlafen kann? Ich schlafe, weil ich schlafe. Ich chille beim Schlafen. Ich schlafe beim Chillen. Punkt. Kralle drauf. 

    Meine arme Nuria gehört zu jenen, die Probleme mit Schlaf haben. Schlaflos in Palermo. Denke ich so. Und eigentlich ist es klar, dass es so ist: Diego verlässt sie heute. Braucht Urlaub. Und jettet nach Marseille, um dann bei Montpellier Ruhe zu finden.

    Und ja: Wie ich das beschreibe, das klingt zynisch. Und ja: Ich bin es auch. Und ja: Weil ich neidisch bin. Und ja: Neid ist nicht nice. Und ja: Dagegen bin ich nun mal machtlos. Und ich muss mir also einimpfen: Mein Berliner Revier ist das beste Chill-Paradies. Viel besser. Als Montpellier. Oder Palermo.

    Zurück zu meiner Nuria: Die nun allein in Sizilien zurecht kommen muss. Fremde Sprache. Fremde Menschen. Fremde Uni. Kein Charlie. Kein Diego mehr. Dass einem da abends der Kopf schwirrt und Schlaf unmöglich ist – verständlich.

    Und so gebe ich mal Felixens Einschlaf-Empfehlung weiter, die 4-7-8-Methode: 4 Sekunden ruhig einatmen, den Atem anhalten und bis 7 weiter zählen, dann 8 Sekunden langsam ausatmen – und wiederholen … Man muss eben nur zählen können. Denke ich so. 

    Hach, dieser Kult um Schlaf. Klar, er ist wichtig: Hilft beim Regenerieren des Hirns (An alle Trumps der Welt: Schlaft!!!), beim Stärken von Herz, Kreislauf und des Immunsystems, beim Reparieren von Muskeln, kurz: Schlaf ist eine coole Medizin.

    Was mir aber so auffällt: In meinem Umfeld sind es nur Weibchen, die über Schlafprobleme klagen, neben meiner Nuria Laura, ihre Schwester Beatrice, Oma Lotte und Tante Dörte. Die Männer behaupten alle: „Ich kann immer schlafen.“

    Oder, frage ich mich so, geben sie es nur nicht zu, dass es da Probleme gibt? Weil es ein Zeichen der Schwäche sein könnte? Denn: Warum nutzt Felix die 4-7-8-Methode? Don’t know. Klar ist: Wer das Ziel hat, seinen Schlaf zu perfektionieren, muss scheitern. Und das kann dann sogar Schlafangst auslösen.

    Die Psychologin Stephanie Romiszewski sagte jüngst der Süddeutschen Zeitung: „Menschen, die sehr gut schlafen, tun meistens nichts bewusst dafür. Sie schlafen einfach.“ Auf jeden Fall dürfe man erst ins Bett gehen, wenn man müde sei.

    Hach, wie gerne würde ich mich einfach fett und breit auf meine schlaflose Nuria kuscheln. Auf ihrem Balkon in Palermo. Und sie dann in den Schlaf chillen. „Jedes Kind kann schlafen lernen“, zitiert Felix den Titel eines Buchs, das Laura und er einst bei Diego anwandten, der nächtelang durch schrie.

    23 Jahre später schläft Diego gut – in Frankreich. Gut schlafen lernen könnten auch alle Erwachsenen, auch Nuria. Mit meiner Hilfe. Sagt der müde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entspannt euch. Und chillt, Leute!

  • 24. September 2026

    Abgedreht: Nurias Feminismus-Offensive in Palermo ganz ohne Zauberwürfel

    Kater sind filigran. Naturally. Was die Geschicklichkeit mit der Pfote angeht, haben wir qua Natur allerdings leichte Defizite im Vergleich zum Menschen – und deren Händen. Was sich besonders gut beim Spiel mit dem Rubik’s Cube zeigt – diesem bald fünf Jahrzehnte alten Geschicklichkeitstest, der es geschafft hat, sich den virtuellen Welten entgegen zu stellen und immer noch absolut attraktiv zu sein.

    Auch für einen – zugegeben kleinen – Teil der Jugend. Und auch für mich! He he. Und für Diego. Der das Ding wie ein Handy immer bei sich trägt. Davon fasziniert ist, Stunden damit verbringt, es möglichst schnell hinzubekommen, die Seiten des Würfels durch Drehen jeweils einfarbig zu gestalten. Was ich auch versuche – immer wieder. Aber, boah, krass, meine Krallen, obwohl eingezogen, verkanten sich im Würfel. Shit happens.

    In China hat es eine Sechsjährige geschafft, den Zauberwürfel in Rekordgeschwindigkeit in die „richtige“ Position zu drehen. Mehrere Male unter 4,5 Sekunden, Bestwert: 4,27 Sekunden, Weltrekord bei den Frauen. Unfassbar, schaut es unbedingt auf YouTube. Krass.

    Ihre Ma sagt, das Mädchen sei seit rund zwei Jahren täglich zwei bis drei Stunden mit dem Würfel beschäftigt. Und: Früher sei sie unsicher gewesen. Die Beschäftigung mit dem Würfel habe sie selbstbewusster gemacht. Nun gut, ich hinterfrage mal nicht, ob es da nicht auch andere Faktoren für geben könnte.

    Klingt ja einfach zu gut. Die Story. Aber eigentlich, ganz eigentlich, kann mit dem armen Mädchen was nicht stimmen, denke ich so. Nebenbei: Bei Männern liegt der Rekord bei 3,51 Sekunden. He he. 

    Man stelle sich mal vor, Kinder und Jugendliche in aller Welt würden die digitalen Welten, in denen sie sich zumindest in Deutschland laut Statistik durchschnittlich knapp vier Stunden täglich bewegen – gegen diese Zauberwürfel-Welt eintauschen. Könnte es sein, dass sie ein anderes Verhältnis zur realen Welt entwickelten – und vor allem Selbstbewusstsein?

    Vielleicht gar ein Problembewusstsein für die Gestaltung der Welt, ihrer Zukunft. Würden sie dann auch in real dafür kämpfen? Und ich sehe die Aktivisten von Robin Wood, die sich an der Fassade der CDU-Zentrale in Berlin abseilen und Banner enthüllen, auf denen sie mehr Klimaschutz und Kampf gegen Rechtsextremismus fordern.

    Und ich höre meine Nuria, die zeigt, dass Selbstbewusstsein auch ohne Zauberwürfel möglich ist – denn sie ist der Leidenschaft nicht verfallen. Sie erzählt, sie sei mit einem jungen Iraner zeitgleich zum Italienischkurs in der Uni von Palermo angekommen.

    Der junge Mann habe ihr die Tür zum Seminarraum aufhalten wollen. Und sie so; „Danke, sehr nett, aber geh ruhig du zuerst.“ Der Mann sei total verwirrt gewesen. Dann habe sie hinzugefügt: „Feminismus.“ Und ich frage mich so, ob der Iraner das Italienisch meiner Nuria verstanden hat. Anderes Thema.

    Sicher ist: Die Welt ändert sich rasant. Wir Kater auch. Der Würfel bleibt. Ich drehe und drehe. Am Würfel. Coco hat keine Lust. Diego hat es in 52 Sekunden geschafft.

    Und ich bekomme mit, in Bolivien sei eine neue Katzenart entdeckt worden. Kleiner als Hauskatzen, die Fellzeichnung erinnere an Leoparden. Deswegen der Name Leopardus tilcayo. Die Pfoten sind groß. Geeignet für den Zauberwürfel. Sagt der filigrane Hauptstadtkater. Der über euch wacht und seit 129 Stunden dreht – und es nicht schafft. Und jetzt: Dreht auch, aber nicht ab. Und chillt, Leute!

  • 23. September 2026

    Wie ich mit dem Beginn des Endes kämpfe und Trump die UN entweiht

    Man stelle sich vor: Da steht der mächtigste Mann der Welt bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen am Pult und schwadroniert über die Auslöschung eines anderen Volks. Über ein Kriegsverbrechen also. US-Präsident Trump sagt vor der versammelten Staatengemeinschaft in New York, er müsse entscheiden, ob er den Iran schnell vernichte, ihn in die Hölle schicke.

    Und ich denke so: Hej klar, das hat dieser Typ schon zig Mal angedroht. Aber dass er das nun auch an einem Ort macht, an dem im Juni 1945 kurz nach dem Zweiten Weltkrieg der Gründungsvertrag der UN unterzeichnet wurde, ist schon krass weird.

    Denn in der Charta heißt es: Die Völker der Vereinten Nationen seien fest entschlossen, künftige Geschlechter vor der Geißel des Kriegs zu bewahren und verpflichteten sich dazu, internationale Streitigkeiten friedlich zu lösen, keine Gewalt gegen andere Staaten anzuwenden, die Souveränität und Gleichheit der Staaten zu achten, gemeinsam den Weltfrieden zu schützen. And so on, and so on. 

    Puh, denke ich so, mich in der Sonne Berlins rekelnd. Beginnt so das Ende der Welt? Sehenden Auges. Denn, fast noch skandalöser, dass dieser Typ allen Ernstes erneut die Vernichtung Irans rausposaunt, ist die Reaktion der versammelten Regierungschefs. Nämlich: keine, abgesehen vom höflichen Applaus. Trumps Worte an diesem Ort sind also kein Skandal. Nicht mal eine Fußnote.

    Sondern Normalität. Weil die Abstumpfung alle hat erblinden lassen. Hach, es ist so gefährlich, denke ich so: Wenn dieser Typ ständig rote Linien überschreitet, animiert er andere zum Nachahmen. Nach dem Motto: Wenn der mächtigste Mann der Welt keine Grenzen kennt, warum sollten wir uns daran halten?

    Oder ist es doch eher so, frage ich mich, während die Wärme der Sonne meinen Körper durchflutet: Man lässt den Alten reden. Weil man weiß, Widerspruch auf dieser Bühne bringt eh nichts. Und man zudem weiß, dass der Mann vor allem Meister der Drohung ist – aber wenig davon umsetzt. Wahrscheinlich.

    Denn wie anders wäre es zu erklären, dass Trumps Ankündigung, Künstliche Intelligenz, also KI, künftig Super Intelligenz, also SI, nennen zu wollen, mehr Aufmerksamkeit verursacht. Weil KI die Technologie fake erscheinen lasse, begründet Trump. SI für BI. Denke ich so. Also: Super Intelligenz für Big Idiot. He he.

    Kann mich aber nur ganze 1,3 Sekunden amüsieren. Denn ich spüre plötzlich den heißen Atem Cocos in meinem Nacken. Sie brüllt, faucht und versucht tatsächlich, mich von meinem Sonnenplatz zu vertreiben. Mich, den Hauptstadtkater. Mich, der vier Mal so alt ist wie sie. Mich, der zuerst auf diesem Platz war.

    Es gibt eben kein Benehmen mehr. Auf dieser Welt. Alle Konventionen gebrochen. Selbst im Katerreich. Amen. Sagt der nun vom Sonnenplatz brutal vertriebene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stumpft nicht ab. Und chillt, Leute! 

  • 22. September 2026

    Warum ich weinen könnte, wenn ich an Nuria und Diego in Palermo denke

    Heute mal was Privates. Was vielleicht kitschig wirkt. Ist aber nicht so. Finde ich. Eben nur nice in einer Zeit der Depression. Wo das Kleine, Private eben auch mal fürs Große, Ganze stehen kann he, he. Mein Thema: Das positive Band zwischen Geschwistern. Im Speziellen: Zwischen meiner Nuria und Diego.

    Die sind wie Coco und ich. Total vertraut miteinander. Sich blind verstehend. Gegenseitig schätzend. Helfend. Symbiotisch. Chillend. Beste Freunde eben. Diego also hat meine Muriel ja vor zwei Wochen per Bahn und Fähre nach Palermo auf Sizilien begleitet, wo sie das nächste halbe Jahr studieren will. Hat ihren großen Koffer und den Cellokasten getragen, wohnt jetzt in ihrer WG mitten in der Altstadt.

    Erzählt, er kaufe ein, koche, mache den Haushalt. Und meine Nuria erzählt, sie plane das Studium, treffe neue Leute und Kater, nehme Carlo mit zu Treffs mit anderen Erasmus-Studenten, Volleyballturnieren am Strand, in Bars, Cafés, Konzerte, zu Ausflügen in pittoreske Vororte. Ins Dolce Vita eben.

    Und nun: Emotion, wo Diego Palermo – die Stadt der Kater – bald verlassen wird. Das sei schon sehr traurig. Sagt meine Nuria. Denn mittlerweile seien sie in der WG, in der seit ein paar Tagen auch die aus Freiburg kommende und supernette Flora wohne, wie eine kleine Familie. Es sei so schön, dass Diego da sei, die Zeit sei so intensiv und extrem.

    Weil alles neu sei: Stadt, Uni, Leute. Diego sei so zugewandt, einfach sehr, sehr süß. Puh, ich spüre selbst bei mir, wie sich etwas um die Kehle legt. Rührung oder so. Da ich ja aber leider keine Tränen vergießen kann – also: laut KI haben Kater evolutionär nicht die Fähigkeit entwickelt, Gefühle durch Tränen auszudrücken – beschreibe ich Felixens Reaktion auf Nurias Worte, wenngleich naturally auch das sehr sentimental ist.

    Also: Dem schießen nun also tatsächlich Tränen in die Augen. Nun, ich habe keinen Tränenfluss. Aber ich habe Coco. Meine Sister. Zum Kuscheln.

    Während Diego auf dem Balkon der WG in Palermo chillt. Die Sonne enjoyt. Sagt, die Nuria und Flora seien ja sooo daueraufgeregt. Quasselten den ganzen Tag. Welche der neuen Leute denn nun wirklich nett und welche eher weird seien. Und Diego bemitleidet Jonas, einen der wenigen Erasmus-Jungs. Der meiner Nuria helfen wollte, den verkanteten Schlüssel aus einem Schloss zu befreien.

    Und die Mädels so: „Typisch Mann, traut uns das wohl nicht zu.“ Immerhin: Jonas schaffte es in 9,8 Sekunden. Nun, ist ja alles auch nicht einfach. Denke ich so. Erster Unitag, meine Nuria hat Islamwissenschaften gewählt. Drei Stunden auf Italienisch. Mit Dozent sind sie vier Leute, davon ein älterer Mann und eine italienische Studentin in ihrem Alter.

    Und meine Nuria so: „Boah, das ist scary.“ Der Prophet Mohammed auf Italienisch. Der Koran auch. Bei so wenigen Leuten müsse sie natürlich auch was sagen – obwohl sie höchstens die Hälfte verstehe. Sagt sie.

    Danach aber kann sie sich entspannen. Diego hat „zuhause“ schon einen Cappuccino gezaubert – und lädt sie dann zum Essen in eine Pasta-Bar ein. Ich träume mich und Coco hinzu. Idylle. Es könnte so schön sein. Aber alles hat ein Ende.

    „Komisch, dass Diego nicht bleibt“, sagt meine Nuria. Und ich lasse dann doch – emotional touchiert – eins der 13 Leckerli, die Felix mir zugeworfen hat, liegen. Für Coco. Sagt der gerührte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt Geschwister. Und chillt, Leute!

  • 21. September 2026

    Was ich an Putin bewundere und warum ich Weinflaschen zerstöre – schmeckt eklig

    Zerstören, was kaputt macht. Alkohol zum Beispiel. Heute habe ich gleich drei Flaschen Rotwein gekillt – mit einem Sprung auf das Weinregal und einem dann folgenden krassen Dominoeffekt. Allein, der Dank bleibt aus. Egal, ich weiß, ich bin auf der guten Seite. Und weiß, dass Felix, der jeden Mittag mit aufgequollenen Augen aufwacht, das im Grunde auch weiß.

    Weil er ja ständig diesen  – wie er sagt – über 50 Jahre alten Song summt: „Macht kaputt, was euch kaputt macht.“ Schade, dass die deutsche Demokratie das nicht befolgt. Im Gegenteil: Sie lässt die rechtsextreme AfD, die nun drei Landtagswahlen gewonnen hat, gewähren. Sich vorführen von einer Partei, die rassistisch agiert.

    Und dann auch noch spottet: Die CDU werde pulverisiert, diese Demokratie sei in Wahrheit eine Diktatur, in der man seine Meinung nicht öffentlich äußern könne. Was sie ja tun. Nun ja, die Demokraten nehmen das alles hin. Und ich frage mich so: Warum lassen sie sich so verhöhnen? Sind sie einfach zu nett? 

    Ein bisschen Putin wagen, täte diesen Demokraten mal ganz gut. Denke ich so. Hui, dass ich so etwas mal schreiben würde. Liegt daran, dass ich mit meiner Zunge ein bisschen der roten Flüssigkeit geleckt habe, die mittlerweile unter den Kühlschrank geflossen ist. Schmeckt widerlich. Aber: Wirkt sofort. Benebelt.

    Und ich denke so, die Demokraten sollten Putins Umgang mit Systemgegnern mal anschauen. Der Kremldespot hat seine Parlamentswahl nun klar gewonnen. Keine Probleme gehabt. Weil er zuvor alle kritischen Parteien verboten hatte.

    So waren nun alle zur Wahl stehenden Parteien für den Krieg von der Ukraine. Und die von Putin unterstützte Partei geeintes Russland baute ihre Zwei-Drittel-Mehrheit noch einmal deutlich aus. Ob die Auszählung mit rechten Dingen zuging? Vollkommen egal. Weil ja auch die anderen Parteien kremlnah sind.

    Putin jedenfalls sieht in dem Ergebnis einen klaren Auftrag für sich. Den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen. Und eventuell dann noch eine neue Mobilmachung zu starten. Muss Putin Konsequenzen fürchten? Nicht wirklich. Abgesehen von lauen EU-Protesten.

    Ich liebe Freiheit. Ich liebe Debatten. Ich liebe Chillen. Ich hasse Putin. You know. Und mir ist übel. Von der roten Soße. Und Putin. Also: Meine Forderung, ein bisschen Putin zu wagen, ist naturally bittere Ironie. Aber es ist schon krass, dass die AfD-Rechtsextremisten ungestört die Demokratie beschimpfen dürfen – und so zugleich von ihr profitieren.

    Krass ist auch, dass sie es schaffen, die große Partei der Nichtwähler zu mobilisieren, vor allem für sich selbst. Und ich denke so: Wahrscheinlich wählen die Leute die Rechtsextremisten, damit sie dann künftig gar nicht mehr wählen müssen. He, he. Möge es nicht so sein.

    Übrigens: In Paris wurden in einer 50 Quadratmeter kleinen Wohnung 75 verwahrloste Katzen gefunden. Dazu einige tote Exemplare in der Tiefkühltruhe. Und ich denke so: Menschen machen Tiere kaputt. Menschen machen Menschen kaputt. Klima. Alles.

    Vielleicht sollten sie doch einfach Wein trinken, um das aushalten zu können. Coco trinkt ja auch davon. Und kotzt. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Distanziert euch von Rechtsextremisten. Und chillt, Leute! 

  • 20. September 2026

    Wen ich für eine bessere Welt wählen würde – aber ich darf ja nicht

    Ich will Leckerli. Ich will Freiheit. Ich will chillen. Wer mir das versprechen würde, den würde ich wählen. Allerdings: Ich muss einen solchen Typen gar nicht wählen. Denn ich habe bereits alles. He, he. Aber selbst, wenn ich diese Privilegien nicht hätte – ich dürfte ja gar nicht wählen. Und deswegen fordere ich: Aktives und passives Wahlrecht für Kater. Und Katzen.

    Wie ich überhaupt darauf komme? Heute ist großer Wahltag in Deutschland, in meiner Muddastadt und Mecklenburg-Vorpommern werden neue Landtage gewählt. Zum ersten Mal darf meine Bruna bei einer solchen Wahl ran. Und ich kann ihr Klagen, wen sie denn nun wählen solle, verstehen.

    Denn Berlin ist nicht erst seit ihrer Geburt vor 17 Jahren dysfunktional, sondern seit Jahrzehnten. Darf ich kurz referieren? Ich mach’s einfach mal – stichpunktmäßig: Marode Schulen und Unis, Drogendealer im Görli, Bebauung des Tempelhofer Felds, Angriffe auf Juden, Attacken auf die queere Community, Schusswaffen-Kriminalität, unfassbar viele Obdachlose, der Müll auf den Straßen, Gentrifizierung, Hunderttausende Ratten, kaum noch freilaufende Kater…

    Also, wen soll sie nun wählen, meine Bruna? Die SPD, die seit 36 Jahren mitregiert und all die Probleme in dieser Zeit nicht in den Griff bekommen hat? Die CDU, deren Regierender Bürgermeister Anfang Januar bei einer der größten Krisen der Stadt, einem langanhaltenden Stromausfall im Westen der Stadt, Tennis spielte und das dann auch noch verheimlichen wollte? Die Grünen, die in Friedrichshain so viele Poller in die Straßen gesetzt haben, dass mit dem Auto manche Orte nicht mehr zu erreichen sind?

    Oder die Linke, der Antisemitismus vorgeworfen wird und die Wohnbaugesellschaften vergesellschaften will, an die sie 2007 – damals in der Regierung noch unter dem Namen PDS – eben diese Wohnungen verkauft hatte, um wieder Geld zu haben? Oder soll sie für Parteien wie Volt oder die Tierschutzpartei stimmen, die eh keine Chance auf einen Einzug ins Parlament haben?

    Selbstverständlich für sie ist nur: Die rechtspopulistische AfD ist tabu. Menschenverachtend sei die Welt auch ohne die Partei genug. Sagt meine Alea. Und ich schnurre. Laut. 

    Um 18 Uhr ist dann klar: And the Winner is: Die Linke. Dass es schwer wird für die Partei, ist offensichtlich. Die Versprechungen klingen so gut: Gerecht, sozial, bezahlbares Wohnen. Nur wie? Und dann auch noch das: Auf der Wahlparty der Linken zeigt sich der Chef des aus dem Libanon stammenden Remmo-Clans – dem wird Mord, Drogengeschäften Erpressung vorgeworfen.

    Auch nicht schön: Die AfD. Hat es auf Platz 3 geschafft. Und in Mecklenburg haben die Rechten sogar gewonnen. Immerhin kann die SPD auf Platz 2 wohl an der Macht bleiben – wenn sie es schafft, eine Koalition mit den anderen zu schmieden. Übrigens: Die CDU ist erstmals aus einem Landesparlament rausgeflogen: 4,9 Prozent…

    Krass das alles. Beängstigend. Und fast noch beängstigender, dass einige Politiker kommentieren, so schlimm sei es ja nicht, die AfD habe ja nicht die absolute Mehrheit errungen. Vollkommen weird. Ich bin perplex. Verrate natürlich nicht, wen meine Bruna gewählt hat. Und kann nur sagen, dass es nicht stimmt, ich hätte der SPD meine Stimme gegeben. Das Kreuz auf dem Foto ist Fake.

    Hach, wenn doch nur ich kandidieren dürfte. Die Welt würde eines bessere. Versprochen. Sagt der soziale und gerechte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Denkt nach. Und chillt, Leute! 

  • 19. September 2026

    Mein Kampf auf Grönland gegen Diego und Eisbären

    Diego denkt, er sei ein Katerflüsterer. Der damit auch Macht über mich hätte. Weswegen er des Öfteren übergriffig agiert. Mich beispielsweise einfach aus meiner Chillposition auf seinen Arm nimmt und gegen sich presst. Tatsachen schafft. Die ich nicht mag. Weswegen ich mich wehre.

    Er mich aber umso fester hält. Und ich ihn dann eben sieben Sekunden gewähren lasse. Bevor er mich dann absetzen muss. Weil ich Krallen zeige. Diego ist trotzdem zufrieden – und kann behaupten: „Seht, Charlie liebt mich, ich bin eben Katerflüsterer.“

    Macht wollen alle Menschen. US-Präsident Trump wäre nicht der mächtigste Mensch der Welt, wenn es bei ihm nicht ganz besonders ausgeprägt wäre. Und wie verhält man sich am besten gegenüber Mächtigen, die sich für Menschenflüsterer halten, um sie zu besänftigen? Ganz einfach: Ihnen Recht geben, ihnen schmeicheln. Damit sie ihre Weltsicht bestätigt bekommen und ihr Ego leben können.

    Allerdings – und das ist die Lektion für Fortgeschrittene: Man lässt sie nur glauben, dass sie wieder einmal etwas Großes geschaffen hätten. Was letztlich aber gar nicht so ist. Jüngstes Beispiel: Trump verkündet stolz, er habe nun einen großartigen Deal mit Dänemark über die zum Königreich gehörende Arktisinsel Grönland erzielt – die er seit Jahren unbedingt haben will.

    Er behauptet auf seiner Plattform Truth Social, die USA hätten nun die Kontrolle über die Sicherheit und alle anderen Belange in Grönland. Sein Land dürfe tun, was immer nötig sei, um die Insel – und ich füge an dieser Stelle hinzu: mit Ihren vielen Rohstoffen und Eisbären! – zu verteidigen. Und mir stellen sich Fragen: Wer verteidigt Trump, wenn die Eisbären angreifen? Wo ist der qualitative Unterschied zum Status Quo? 

    Denn eigentlich ändert sich: Nichts. Denn es gibt ein Abkommen aus dem Jahr 1951, das den Amis längst große Freiheiten beim Betrieb von Militärbasen auf der mit 80 Prozent mit Eis bedeckten Insel lässt. Und dass Russland und China eine Präsenz auf der Insel ohne Zustimmung der USA, errichtet hätten – wer’s glaubt…

    Ich weiß nur: Trump hat sein Ziel, der USA Grönland einzuverleiben, nicht geschafft. Das hatte er noch Anfang des Jahres angedroht – und dafür sogar Gewalt gegen Nato-Partner nicht ausgeschlossen. Dänemark betont nun cool und nüchtern, der Deal mit Trump erkenne die Souveränität und territoriale Integrität Dänemarks und das Recht des grönländischen Volks auf Selbstbestimmung an.

    Also alles wie bislang. Nun: Trump, der in Umfragen vor den Zwischenwahlen Anfang November desaströs da steht, brüstet sich trotzdem mit dem Deal. Und der Rest der Welt könnte wissen, dass Trump sein Ziel wieder mal voll verfehlt hat.

    Aber soll er es glauben. Soll Diego glauben, ich sei seinem Charme erlegen. Ich weiß: Ich habe die Macht. Über mich. Und über ihn. Sagt der selbstbewusste Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Handelt clever. Und chillt, Leute! 

  • 18. September 2026

    Die Suche nach dem Messias und mein Dank an Euch

    Schnauze abwischen und weitermachen. Mit dem Chillen. Und dem Schreiben. Weiter geht es mit dem Alltag des Nicht-Alltäglichen. Weg mit den Sentimentalitäten, ausgelöst durch mein Jubiläum, das mich ganz weich gemacht hat.

    Heute also wieder hart: Denn die Lage bleibt düster. Also Zeit für einen Messias. Oder für mehrere. Und ich denke so: Zum Glück bin ich weiß. Also, die Farbe meines Fells. Hehe. Ich strahle, aber auch er: Ulrich Siegmund, der Wahlsieger der rechtsextremistischen AfD in Sachsen-Anhalt.

    Der einfach immer lächelt. In der Öffentlichkeit. Und dazu nur sagen muss, es werde alles gut. Mindestens so gut wie früher. Behauptet der Mann, der kurz nach der deutschen Wiedervereinigung geboren wurde. Finden viele attraktiv. Weil sie keine anstrengenden Debatten nachvollziehen müssen. Sich nicht über Kompromisse ärgern müssen. Sondern ihnen unmissverständlich gesagt wird, wie es – angeblich – ist. Düster, denke ich so. 

    Wenn es in Deutschland die Politik nicht mehr richten kann, muss der Sport liefern. Jürgen Klopp, der neue Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, hat sich zu einer Art Erleuchter gemacht. Immer gut gelaunt, immer ein strahlendes Lächeln.

    Er spricht über Aufbruch- und gute Stimmung. Er spricht von einem „positiven Patriotismus“ und davon, sich die Fahne zurückholen zu müssen – ohne die AfD zu nennen. Es solle klar sein: „Du bist happy und verstehst, dass du Glück hattest, in diesem wundervollen Land geboren zu sein, aufgewachsen oder zugezogen bist.“ Er wolle Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen.

    Und ich denke so: Klopp könnte das schaffen, was Kanzler Merz stets misslingt: Mit Überzeugung eine positive Grundstimmung schaffen. Denn es gibt doch so viele Menschen, die gerne in diesem Land leben, auch weil es nicht perfekt ist.

    Wie beispielsweise Juri, der Taxifahrer, der den Opa Volker meiner Bruna an Wochenenden zur Dialyse kutschiert. Erzählt meine Bruna. Vor zehn Jahren sei Juri aus Kirgisistan gekommen. Mittlerweile hätten seine Frau und er drei kleine Kinder. Um ihr Leben finanzieren zu können, fahre er an Wochenenden Taxi.

    In der Woche sei er bei einem Bundesinstitut beschäftigt, nehme Proben von Getreidepflanzen, um festzustellen, ob ihre Pestizidbelastung nicht zu hoch sei. Das verdiente Geld reiche so, einmal im Jahr für zwei Wochen mit der Familie in die alte Heimat zu fliegen. Dort würden sie wie Lichtgestalten gefeiert, Schafe würden ihnen zu Ehren geschlachtet, die Feiern würden Tage – und Nächte – andauern. 

    So dass sie dann auch wieder froh seien, im veganen Deutschland mit den echt netten Menschen zu sein. Um sich bei der Arbeit erholen zu können. Und ich denke so: Deutschland ist gar nicht so düster. Wie es vor allem die Weltuntergangs-Apologeten der AfD immer wieder erzählen. Und wie es offenbar immer mehr Menschen glauben.

    Ich jedenfalls bin geflasht. Von Euch, liebe Leserinnen und Leser. Für Euren netten Worte zum Jubiläum. Und erfülle gerne den Wunsch. Weiterzumachen. Finde ich ja auch cool. Alles zu erhellen. He he. Lacht der zufriedene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Erstrahlt. Und chillt, Leute! 

  • 17. September 2026

    Ein Jahr Instagram! Alta, ich habe Fragen an Euch! Und feier trotzdem

    Total krass: 365 Mal! Also ein Jahr lang jeden Tag. Habe ich jetzt auf Insta meine Gedanken preisgegeben. Meine intimsten Feelings. Über mich. Über meine Muddastadt. Über Welt. Über meine Bruna, meine Nuria und meine anderen Leute. Natürlich über Coco. Und ich räume ein: Das geschafft zu haben, ist Party.

    Aber war eigentlich auch nicht schwierig. Denn ich gleite, taumle durch einen nicht enden wollenden Stroms der Absurditäten. Der darin gipfelt, dass Menschen etwas erfinden, das sie selbst nicht mehr kontrollieren können. Dass sie Kriege gegeneinander führen und sich gegenseitig töten. Dass sie Rechtsextremisten an die Macht wählen. Dass sie Schweine futtern, aber Köter ein No Go sind. Und es mittlerweile so weit ist, dass ich selbst gerne Veganer würde. Wenn es nur nicht so ungesund für uns Kater wäre. Behaupten jedenfalls Menschen. 

    Trump will Grönland, Kanada in die EU, Putin die Ukraine, Israel Gaza, die AfD Deutschland und der Iran Atombomben. Meine Bruna will in Berlin surfen und chillen, meine Nuria in Palermo studieren und chillen, Diego nun Arzt werden und chillen, old Laura studieren und chillen, Depri-Felix schreiben und chillen.

    Und ich: Will eigentlich nur chillen. Was nicht gelingt. Weil Welt mich nicht lässt. Und es mir eigentlich nicht reicht, nur einmal täglich zu schreiben. Weil ich so nur einen Bruchteil abbilden kann. Des Absurdistans. Dessen Ideen ihr – liebe Leserin, lieber Leser – liefert. Also, ihr, die Menschen.

    Das wenigstens ist gewiss. Was ich mich aber seit Monaten frage: Ist Insta für mich der richtige Channel? Meine Antwort: Ja, weil die Plattform noch immer als relativ hip gilt – und von vielen genutzt wird. Nein, weil ich sie falsch bespiele – wer liest schon Texte? Wer guckt sich in dieser Flut an Filmen auf Insta schon Katerfotos an?

    Aber, mein Aber: Mit Worten lässt sich Welt aus meiner unbescheidenen Katersicht nun mal am besten, realistischen und eindeutigsten darstellen, abbilden. Und: Ich liebe Lesen. Schreiben. Und wäre sooo traurig, wenn diese Kulturtechniken weiter verkümmern. Denke ich so. 

    Wären Videos, Audios cooler? Frage ich mich auch so manches Mal. Aber die meisten Filmchen, die ich so auf Insta sehe, packen mich nicht wirklich. Klar, oft witzig. Schnell. Möglichst crazy. Oder wenigstens weird. Aber eben ohne Tiefgang. Ohne Message. Offensichtlich auf Klickbaiting aus. Ich hasse es. Will aber ja auch wahrgenommen werden. Könnte eben recht unkompliziert auf Insta gehen. Denke ich so. Verwirrt.

    So, genug sinniert zum Jubiläum. Und ich merke: Irgendwann im vergangenen Jahr scheine ich mal nicht auf Insta gepostet zu haben – der 365. Eintrag hätte schon vor ein paar Tagen sein müssen. Egal, sicher ist, es gibt für jeden Tag meine Gedanken. Sind alle versammelt auf meiner Homepage, meinem eigentlichen Schatz namens hauptstadtkater. de.

    Und ich frage mich so, liebe Leserin, lieber Leser: Was habt Ihr so für Gedanken zu meine Gedanken? Wollt Ihr das mal teilen? Mit mir? Würde mich echt voll interessieren. Sagt der jubilierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: gebt Feedback. Und chillt, Leute!