Hauptstadtkater

12. Mai 2026

Wie Furien locker werden und der aufgespießte Trump

Immer locker bleiben – alles andere bringt eh nichts. Und macht es nur noch schlimmer. Leicht gesagt, schwer erlernt. Coco hat es aber mittlerweile verinnerlicht. Dieses, mein Motto. Und ich als ihr Lehrmeister liebe es, sie derart gechillt auf dem Hochbett meiner Bruna zu sehen. Mit leger herabhängender Pfote. Coolem Blick.

Obwohl meine Bruna wütet. Weil sie und ihre beiden Freundinnen nur eine eins minus in ihrem Hexen-Vortrag in der Schule bekamen – und die Jungs, bei denen sie zugehört hatten und deren Präsentation sie miserabel fanden, eine glatte eins. Ohne minus. Und die Lehrerin zu meiner Bruna und ihren Freundinnen dann noch meinte, sie sollten sich die Präsentation der Jungs, vor allem deren prägnanten Thesen, mal zum Vorbild nehmen. Nun, es ist weniger das minus, das meine Bruna zur Furie macht… 

Und ich denke so: Nehme sie doch Coco als Vorbild: Take it easy. Aufregen bringt nix, ist Energieverschwendung, die dann an anderer Stelle fehlt. Beispielsweise um mir Leckerli zu geben.  He, he. Nein, ich mach jetzt mal wieder einen auf Vernunft: Ist ja ganz gut, mal zu hören, was andere von einem denken, vor allem, wenn man sich selbst toll findet. Um geerdet zu bleiben.

Tja, am besten ist es natürlich, wenn man bestätigt wird. In seinen Ansichten. Über sich. Was sagte doch kürzlich die Oma meiner Bruna über mich: „Der Charlie, ja der ist wirklich extrem süß und kuschlig.“ Ich könnte es immer wieder hören. Liebe Oma Thea. Weil es stimmt.

Aber: Mensch ist eben anders als ich strukturiert. Der will immer Neues, Kurioses hören. Was der Grund dafür ist, dass US-Präsident Trump ständig in den Schlagzeilen ist. Weil er im Staccato mit seinen Interviewaussagen und Posts Dinge raushaut, die zuvor als völlig absurd galten. Unfassbarer Schwachsinn eben. Der aber zum Politikum wird, wenn er vom mächtigsten Mann der Welt stammt. Ich habe trotzdem Hoffnung. Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem das Unfassbare Norm wird. Und damit langweilig.

Immerhin, es gibt eine Möglichkeit, sich abzureagieren. In dem Videospiel„Operation Epic furious: Strait to hell“ kann man in die Rolle Trumps schlüpfen. Und man muss als Trump reagieren, etwa darauf, dass ein Gericht mal wieder ein Dekret gestoppt hat. Und hat die Trump-Wahl: Diät-Cola bestellen oder in den Iran einmarschieren.

Ich wüsste, ich würde eine imaginäre dritte Option wählen: Sprung aus dem Fenster des Weißen Hauses. In den Rosengarten. Aufgespießt von den Dornen. Ach, was rege ich mich auf. Meine furious Bruna hat zum Glück immer noch Energie. Rast in die Küche. Und verteilt zwei Dutzend Leckerli vor mir. Und Coco, die dafür ihren Chillplatz aufgibt. Für die schnöde Kost.

Coco muss doch noch viel lernen. Denke ich so. Und lasse ihr drei Leckerli übrig. Okay, vier. Denn sie haut mich. Sagt der geschlagene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Immer locker bleiben. Und chillt, Leute!

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