Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 9. Februar 2026

    Wenn Welt unwichtig wird oder über das Entdecken der Schönheit

    Es gibt die Momente, in denen alles andere unwichtig wird. Weil ein Schock den Fokus verschiebt. Und zeigt: Die Aufregung über Welt, Menschen, Coco, Futter, Wetter, Kriege, Trump, Putin und Konsorten ist unbedeutend und klein. Wühlt oft auf, macht dann unzufrieden und aggressiv. Weil man so merkt: Ich bin machtlos, es ist unabänderlich. Und die Wut darauf dann auch wenig konstruktiv ist. Im Gegenteil: Sie verstellt dann auch noch den Blick auf die Schönheit des Lebens. 

    Und ich denke so: Das Leben ist viel zu kurz. Um sich mit dem Unabänderlichen, Unwesentlichen aufzuhalten. Wobei ich naturally weiß: Oft ist erst im Nachhinein sichtbar, ob etwas tatsächlich unabänderlich, unwesentlich war – oder nicht. Und selbstverständlich: Empörung muss da sein. Da sie der Antrieb für Veränderung, Verbesserung des Lebens ist.

    Aber: Möge dies ein Plädoyer sein, im wirbelnden Strudel des Lebensflusses auch immer mal zu stoppen. Bewusst. Um die Schönheit des Lebens zu entdecken. Die es gibt. Überall. Wenn man den Moment und sein Glück einfach mal genösse. Und würdigen würde. 

    Alles ändert sich, wenn man erfährt, dass ein nahestehender Mensch schwer erkrankt ist. Und ob dieser Nachricht die Zeit plötzlich stillzustehen scheint. Sie es aber natürlich nicht tut. Sondern unbeeindruckt weiterläuft. Als ob nichts passiert sei. Und – fast – alles seinen normalen Gang geht. Als ob nichts geschehen wäre.

    Wie pervers. Denke ich so. Wie nicht anders möglich. Denke ich dann so. Obwohl doch die eigene Welt aus den Fugen geraten ist. Und im Nebel erst unscharf wird. Dann unwichtig. 

    Dann der erste Schock dem Schmerz weicht. Und der schneidenden, eigentlich bekannten, aber verdrängten Erkenntnis über die Endlichkeit des Lebens. Will Stärke zeigen. Zuversicht ausstrahlen. Spüre aber meine Schwäche. Hilflosigkeit. Schreckliche Ohnmacht. Kein Wort kann etwas ändern.

    Also stoppe ich. Für heute. Unter unserer Küchenuhr, die für alle Ewigkeit sechs Minuten vor neun anzeigt. Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der sehr gerne über euch wachen würde. Und sieht: Es gelingt nicht. Leider. Aber der Appell bleibt: Chillt, Leute! Am besten zusammen. Für Wärme. In der Kälte. Und Erkennen des wirklich Wichtigen: Die Schönheit im unbarmherzigen Leben.

  • 8. Februar 2026

    Sturz einer Ikone und der Mensch

    Die menschliche Reaktion auf Extremleistungen anderer offenbart den perfekten Blick darauf, wie diese menschliche Spezies tickt. Heute stürzte bei der Ski-Abfahrt der Damen bei den Olympischen Winterspielen in Italien die Ausnahmefahrerin Lindsey Vonn. Die Amerikanerin brach sich den Unterschenkel und musste mit einem Helikopter ins Krankenhaus transportiert werden.

    Geplant hatte die Olympiasiegerin von 2010 einen goldenen Abschluss ihrer grandiosen Karriere, die sie bereits 2019 erstmals beendet hatte. Fünf Jahre später aber gab sie – mit Teilprothese in einem Knie – ihr erfolgreiches Comeback. Bis die 41-Jährige dann bereits vergangene Woche bei einer Weltcup-Abfahrt schwer stürzte – und sich das Kreuzband riss. Bei den Olympischen Spielen aber wollte sie trotzdem starten. 

    Nach dem erneuten Sturz nun: Viel Mitleid, viel Häme, viel Besserwisserei – und Neid, der daraus spricht. Auch Frauenfeindlichkeit. Denke ich so, als ich die Reaktionen beobachte. Bereits vor dem Olympiarennen hatte es viele Mahner gegeben, die Vonn vor einem Start warnten. Da das verletzte Knie bei mehr als 120 Stundenkilometern  auf vereister Piste dem Druck nur schwer standhalten könne – und jeder kleine Hügel, jedes Abweichen von der Ideallinie zu viel sein könnte.

    Nun haben sie Recht behalten. Und einige triumphieren: Haben wir ja gleich gesagt. Vonn hätte ein Start verboten werden müssen. Während andere ätzen: Wie kann man nur? In dem Alter. Mit der Vorgeschichte. Sie hätte auf ihren Körper hören müssen. Wie verantwortungslos Vonn und ihr Team doch seien. Vonn habe doch auch eine Vorbildfunktion für die Jugend.

    Und ich denke so: Hey, die Frau ist erwachsen. Zurechnungsfähig. Und eben extrem ehrgeizig. Wäre ohne diese Mentalität sicher nicht die erfolgreichste Ski-Alpin-Fahrerin aller Zeiten mit mehr als 80 Weltcup-Siegen geworden, sondern nur graues Mittelmaß wie ihre Kritiker. Und was ist eigentlich mit Rauchern, Alkohol-Trinkenden oder Fettleibigen. Die man ja auch gewähren lässt, wenn sie ihren Körper zerstören.

    Kurz: Warum sollte man Vonn nicht selbst entscheiden lassen, was sie machen will? Und ich denke an den spanischen Tennis-Star Raffael Nadal. Der zum Ende seiner großartigen Karriere auch nur noch unter Schmerzen spielte und nicht aufhören konnte – bevor er dann 2024 mit 38 doch abtrat. Und für sein Immer-weiter gefeiert wurde – zum Hero stilisiert wurde. Ein Mann eben, der so etwas anders als eine Frau offenbar darf.

    Und dann denke ich auch an mich: Wäre ich auf die Spitze des Ofenrohrs gekommen, wenn ich nicht alles riskiert hätte? Wer gewinnen will, der braucht neben Talent eben auch Risikobereitschaft. Mit allen Konsequenzen. Denke ich so – und erinnere mich mit Schaudern an den Sturz vom Ofenrohr aus vier Metern Höhe auf den harten Mülleimer.

    Warum Vonn sich das Rennen „antat“? Für mich ganz klar: Weil sie es sich zutraute und dachte, gewinnen zu können. Weil sie eine super Fahrerin ist. Der mein Mitgefühl gehört. Meine Bewunderung. Nicht: Mitleid. Denn sie wusste, was sie tat. Sagt der emphatische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Reflektiert, bevor ihr richtet.   Und chillt, Leute! 

  • 7. Februar 2026

    Mein Existenzialismus und Nurias Träume

    Ich weiß: Ich bin. Weil ich spüre. Mich spüre. Sehe. Schmecke. Höre. Emotionen empfinde. Ob es andere gibt – neben mir? Ich gehe mal davon aus. Zumindest wird mir das täglich vorgegaukelt.

    Coco beispielsweise tut so, als ob sie da wäre. Und greift mich an. Meine Leute: Warum sollten sie mich füttern? Wenn sie nicht existierten. Und dann gibt es noch eine ganz andere Sphäre: Träumen. Wenn ich in diese Welten abgleite, dann wirken da die Mäuse vor mir auch zu 100 Prozent echt. Bis ich dann aufwache. Keine Maus vor mir ist – das Echte also doch unecht ist. 

    Meine Nuria sagt, ihre knapp 60 Stunden in Österreich bei den Skifahrern meiner Familie fühlten sich an wie ein Traum. Vom Unistress ohne Übergang in Winterspaß und wieder zurück in den Unistress.

    Skifahren bei Sonne und Frühlingstemperaturen. Statt Freiburger Hochschule bei Wolken und Winter. Familie statt Kommilitonen. Unbeschwertheit und Lebensfreude statt Stress und Frust. Und ich frage mich so: Warum kommt meine Muriel nicht zu mir? Denn eigentlich läuft doch alles, das ganze Leben nur auf das Eine hinaus. Runterkommen. Und Chillen.

    Was auch meine Bruna erkannt hat: Weil ihre rechte Fußsohle durch einen durch den Skischuh abgeklemmten Nerv taub ist, kann sie nur noch humpeln. Und lässt sich von einer vom Schwiegersohn der Pensionsmutter gesteuerten Pistenraupe auf deren Alm bringen. Während die anderen durch Tiefschnee dorthin wandern.

    Drei Stunden muss meine Bruna dort warten. Und fragt vier Male, ob sie denn helfen könne. Tische abwischen, Abwasch, Kochen – was auch immer. Der Schwiegersohn lehnt ab. Und putzt Gläser, deckt ein, kocht vor. Während meine Bruna in der warmen Gaststube sitzt. Zum Nichtstun verurteilt ist. Weil auch ihr Handy hier keinen Empfang hat. Und endlich dazu kommt: Vorbehaltloses Chillen. 

    Tja, das leidige Thema helfen lassen. Das lehnt auch die Pensionsmutter selbst ab, als meine Leute anbieten, Müll zu entsorgen. Nicht einmal die Bettwäsche dürfen sie aus dem zweiten Stock nach unten transportieren. Und ich denke so: Das verstößt wohl gegen das Arbeitsethos. Der Gast ist hier König. Zahlt ja auch für den Service.

    Professionell eben. Denke ich so. Und kratze Coco, die neben mir sitzt. Sie faucht. Und ich spüre: Wir sind. Wir existieren. Really. Sagt der emotionale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spürt euch. Und chillt, Leute!

  • 6. Februar 2026

    Wir wollen nur spielen und Zweifel an Trumps Verfasstheit

    Lebewesen haben Bedürfnisse. Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere – und damit auch wir Kater. Und Katzen. Es geht nicht nur ums Futtern, nein – wir spielen auch gerne. Aber eben nicht immer nur dann, wenn unsere Leute das wollen. Sondern auch dann, wann wir es wollen. Es also intrensisch motiviert ist.

    Vergangene Nacht beispielsweise wollte Coco. Begehrte gegen 3.32 Uhr sanft an der Tür von Lauras Schlafzimmer kratzend Einlass. Der ihr gewehrt wurde. Und mir gleich mit. Nun, Coco begann mit Lauras Locken zu spielen. Dann mit ihrer Bettdecke. Den darunter verborgenen Händen. Den Füßen. Und flog prompt aus dem Zimmer. Really: Ich schwöre: Sie flog. Befördert durch die sonst so sanfte Laura. Und ich dachte so, während ich mich auf dem leeren Kopfkissen einkuschelte: War Laura da wirklich ganz bei sich?

    US-Präsident Trump scheint nie ganz bei sich zu sein. Heute veröffentlichte er auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social ein Video, in dem er seinen Vorgänger Obama und dessen Frau in einem KI-generierten Video als Affen zeigt. In dem Video geht es um die Verschwörungserzählung, nach der Trump die Wahl 2020 gar nicht gegen seinen Konkurrenten Biden verloren habe.

    Natürlich all über all große Empörung ob des rassistischen Videos. Das Weiße Haus schaltet sofort auf Angriff, die Medien sollten die gespielte Aufregung mal sein lassen und sich den wirklichen Problemen zuwenden. Aber dann, kurze Zeit später, ist das Video doch gelöscht.

    Und noch eine weirde Trump-Story, die heute bekannt wurde: Er drohte demokratisch regierten Bundesstaaten an, Geld für Infrastruktur-Projekte nur dann freizugeben, wenn ein wichtiger Flughafen in Washington und ein Bahnhof in New York nach ihm benannt würden. Die Demokraten wiesen das Ansinnen zurück. Und klagen nun auf Freigabe der Bundesmittel.

    Und ich denke so, während Laura nun mich stöhnend und genervt von ihrem Kissen schiebt: Trump kann really nicht ganz bei sich sein. Das haben auch schon andere bemerkt: Vor wenigen Tagen hatte ein als Trump-Fan geltender Politiker, der slowakische Ministerpräsident Fico, sich nach einem Treffen mit dem US-Präsidenten entsetzt über dessen geistigen Zustand gezeigt. Ihm bereite die psychische Verfasstheit Trumps Sorgen. Der sei nicht ganz bei sich gewesen. Sag ich doch!

    Gefahr! Bedürfnisse! Bei sich sein: Und ich frage mich so – was ist eigentlich mit meinen in Österreich weilenden Leuten los? Die lieben ja auch die Gefahr. Den Nervenkitzel. Beschreiben das als eine Art Grundbedürfnis. Und scheinen nicht ganz bei sich zu sein, wenn sie mit 96 km/h steile Berge runter rasen. 421 Kilometer Strecke in sechs Tagen fahren. Durch sulzigen, angetauten Schnee bei plus sechs Grad. Reden sie davon, im Flow zu sein. In felix Austria.

    Während hier in Berlin der Boden weiter tiefgefroren ist. Auf den Fußwegen. Sich täglich Dutzende Menschen ausrutschend verletzen. Mir das aber wumpe ist. In meinem Revier. Mit Coco unter mir. Die nun frisst. Weil niemand mit ihr spielt. Sagt der labile Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid ganz bei euch. Spürt euch. Und vor allem: Chillt, Leute! 

  • 5. Februar 2026

    Ich mag keine Überraschungen und der überraschte Diego

    Ich liebe Überraschungen. Nicht!!! Menschen lieben Überraschungen schon. Für sie sind Überraschungen die Würze ihres oft so trüben Daseins. Die sie herausreißen aus dem Alltagstrott. Des Immergleichen. Absehbaren.  Besonders lieben sie es, an Geburtstagen zu überraschen. Und der arme Jubilar – muss dann so tun, als ob er sich freute. Denke ich so.

    Heute beispielsweise wollte meine Nuria Diego zu dessen 23. Geburtstag erfreuen. Und reiste aus Freiburg zu meinen Lieben nach Österreich. Hatte ihnen aber zuvor vorgegaukelt, wegen vieler Prüfungen an ihrer Uni nicht kommen zu können. Nun taucht sie mit Helm und Tuch verhüllt plötzlich neben Diego auf der Skipisten auf. Umarmt ihn. Gratuliert ihm. Und er – komplett baff – erkennt erst beim zweiten Hinschauen, wen er da vor sich hat: Meine Nuria. 

    Ich bin da nicht so subtil. Ich weiß, was ich will: Keine Überraschungen, aber dafür Würstchen. Und ich weiß, was ich nicht will: Dass mir Coco die Würstchen wegnimmt. Oder Überraschungen.

    Und so tut mir Diego leid. Der sich nun freuen muss. Und pflichtschuldig strahlt, als er meine Nuria dann erkennt. Damit diese sich freut, dass ihre Überraschung gelungen ist. Und sie eine Rechtfertigung hat. Auch Skifahren zu können. Ach, ihr Menschen, so leicht durchschaubar. Denke ich so.

    Überraschungen bringen Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist derzeit eine der höchsten menschlichen Währungen. Allein heute bleibe ich an drei weiteren Themen hängen, weil sie mich überraschen: Nummer eins: US-Präsident Trump sagt, dass seine brutalen und maskierten Bundesbeamten der ICE-Einwanderungsbehörde bei ihren Einsätzen etwa in Minneapolis „sanfter“ vorgehen sollten. Trump und sanft?

    Nummer zwei: Diebe schicken ihre Beute zurück an die Opfer – offenbar wegen schlechten Gewissens.  Zuvor hatten sie dem norwegischen olympischen Skispringerteam die Ausrüstung gestohlen. Der Trainer jammerte, es seien persönlich designte Helme, Mützen, Jacken, Brillen. Nun kam ein Paket mit dem Diebesgut zurück. Diebe mit schlechtem Gewissen?

    Nummer drei: In Island bekam ein Busfahrer eine Maut-Rechnung, nach der er knapp 140.000 Euro bezahlen soll. Weil er er im Januar 999.961 Kilometer gefahren sein soll. Das aber würde bedeuten, er wäre in 31 Tagen 25 Mal um die Erde gefahren. Um das zur schaffen hätte er schneller als der Schall sein müssen: 1.343 Stundenkilometer. 

    All das Überraschende – unterhaltsam, manchmal sogar witzig für die Nicht-Betroffenen, denke ich so. Aber meist ganz schön anstrengend für die Betroffenen.

    Und dann überrascht Coco – also nicht mich, sondern Laura, die als einzige meiner Sippe nicht in Österreich, sondern bei mir ist. Und eben das belohnt Coco: Sie sitzt im Waschbecken und fischt aus dem Abfluss ein krasses Bündel Haare. Womit die Barriere weg ist – und das Wasser wieder abfließt.

    Laura freut sich ob der Überraschung. Will Coco streicheln. Und tritt dabei mich. Weil sie nur Augen für Coco hatte. Sagt der überrascht umüberraschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Gratuliert dem überraschten Diego. Und: Chillt, Leute! 

  • 4. Februar 2026

    Crazy Day – Von zerfetzten Katern, Füßen und Rechtsextremisten

    Was für ein crazy day. Heute mal wieder. Denke ich so – gechillt auf dem Fensterbrett liegend. Denn: In Thüringen wird der Rechtsradikale Höcke fast Ministerpräsident. US-Präsident Trump will in den Garten des Weißen Hauses eine Kolumbus-Statue stellen. Im Glätte geplagten Berlin darf trotz Aufhebung des Streusalzverbots doch nicht gestreut werden. Und: Meine Bruna träumt im entfernten Österreich Alpträume. Von mir. Mit mir. Über mich. Als Zerfetzten. 

    Für die im Koppe nicht ganz so Flotten – hier die ausführlichere Version meiner Andeutungen: Weil Thüringens CDU-Ministerpräsidenten der Doktortitel aberkannt wurde, stellte AfD’ler Höcke einen Misstrauensantrag. Er erreichte heute zwar die für die Abwahl nötige Mehrheit nicht. Aber er bekam eine Stimme mehr als seine Fraktion Leute hat. Und ich denke so: Das ist keine Dystopie. Sondern Gegenwart. Dass man befürchten muss, dass Rechtsextreme ein Bundesland regieren.

    Nun, in den USA ist es schon so weit, da regiert die rechtsextreme Trump-Regierung das mächtigste Land der Welt. Jetzt will Trump im Garten des Weißen Hauses eine Kolumbus-Statue aufstellen. Und ich naiv Unwissender so: Why not? Ist doch ein netter Entdecker. Der empörte Aufschrei aller Antirassisten lässt mich verstummen. Denn Kolumbus triggert sie. Er gilt ihnen als Wegbereiter für Kolonialisierung und Töten von Ureinwohnern.

    Während Trump sich als Verteidigers des Mannes sieht, der 1492 Amerika entdeckt hatte. Und ich denke so: Armer Kolumbus. Wenn der wüsste, wem alles er da so als Projektionsfläche dient. Wenn er es geahnt hätte, dann wäre er wohl ins menschenleere Grönland – he, he – gesegelt. Oder wäre Zuhause geblieben. 

    Wie das derzeit auch viele Menschen in Berlin machen. Machen müssen, weil sie sich wegen des fetten Eises vor ihren Wohnungstüren nicht raus wagen. Mittlerweile seit Wochen. Es könnte noch länger dauern. Denn der Naturschutzbund legte sein Veto gegen die Entscheidung des Senats ein, das umweltschädliche Salz wieder streuen zu dürfen – und bekam vom Gericht recht. So bleibt es glatt in meiner Hauptstadt. Aber die Bäume leben. Und ich denke so: Leute: Ohne Baum, kein Mensch. Also, denkt mal nach.

    Was sie natürlich nicht tun. Sondern durch die entwaldeten Berge curven. Also, meine Leute jedenfalls. Meine Bruna klagt, sie spüre die rechte Hälfte ihres rechten Fußes wegen des engen Skischuhs nicht mehr – taub. Auch die anderen jammern über Schmerzen. Und fahren trotzdem weiter. Heute 112 Kilometer. Und leiden. Und leiden. Obwohl sie auch hier sein könnten. Zuhause. Bei mir. Im glatten Berlin. Aber schmerzbefreit. Auf dem warmen Fensterbrett. Chillen und genießen. 

    So aber bleibt meiner Bruna im fernen Österreich nur. Von mir zu träumen. Wie vergangene Nacht. Ein Fuchs sei in mein Revier gekommen. Erzählt meine Bruna. Habe mich gesehen. Und gepackt. Bis mein weißes Fell rot getränkt gewesen sei. Die Attacke auf mich sei aber nur ein Ablenkungsmanöver gewesen. Der Fuchs-Besitzer – gibt es so etwas? – nun, auch der sei in die Wohnung gekommen. Habe den Laptop mit meinen Gedankenfetzen geklaut – und veröffentlicht.

    Und ich denke so. Soll der Fuchsmensch es doch machen. Ich gebe gerne. Auch Füchsen. Sagt der generöse und unzerfetzte  Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lacht doch mal wieder. Über die Vielfalt des menschliche Unsinns. Oder Sinns. Auf jeden Fall aber: Chillt, Leute. 

  • 3. Februar 2026

    Ski-Horrorgeschichten vom Stürzen

    Menschen sind Stürzende. Weil sie weder krallige Pfoten noch vier Beine haben. Sondern aufrecht auf zwei Beinen durch die Pampa laufen. Und so leicht mal Gleichgewicht verlieren – oder einfach stolpern, weil ihnen eine Katze vor die Füße läuft. Dann stürzen sie. Und tun sich weh.

    Obwohl die meisten Menschen um ihre unzulängliche Anatomie wissen, erhöhen viele ihr Risiko nochmals. Und schnallen sich zwei Bretter unter die wackligen Füße. Nennen das Skifahren. Da gibt es Profis – wie Lindsey Vonn, eine 41-jährige US-Amerikanerin. Aber auch sie stürzt. Immer wieder.

    Vonn, die bereits seit Jahren eine Teilprothese im rechten Knie hat, erzählt nun, bei ihrem jüngsten Sturz vor wenigen Tagen habe sie sich einen Riss des linken Kreuzbands, eine Meniskusverletzung und Prellungen zugezogen. Sie gehe aber davon aus, in einer knappen Woche bei den Olympischen Winterspielen in Italien starten zu können. 

    Und ich denke so: Weird, wie soll das gehen – Paralympics oder was? Egal: Ich komme auf meine Leute zu sprechen. Da ist meine Bruna. Die ja derzeit mit eben solchen Brettern an ihren Füßen durch Österreich rutscht. Als Amateur auch noch. Und ich denke: Don’t know why. Spaß. Sagt sie. Und ich denke so: Toller Spaß, wenn man auf einer eisigen Fläche auf gerader Strecke  ein Salto macht. Weil ihre Gedanken abgeschweift seien. Zu mir. Wie sie sagt. Immerhin: Unverletzt, sie.

    Und weiter sagt meine Bruna: Kurz darauf habe ein Mann in der Gondel erzählt, vergangenes Jahr sei ein 13-Jähriger auf der Talabfahrt gegen ihn geknallt. Er habe erst gar nicht gecheckt, was passiert sei. Ein krasser Knall, er habe sich geschüttelt und gemerkt, bei ihm sei alles okay gewesen. Aber in seinem Skistock sei eine große Delle gewesen – und 50 Meter weiter unten lag der Junge schreiend im Schnee.

    Ein Helikopter habe den Teenager abtransportiert, zum Glück habe der nur Prellungen und ein paar Knochenbrüche erlitten. Er selbst aber habe sich rechtfertigen müssen, habe der Mann weiter erzählt. Erst seien am Nachmittag noch fünf Polizisten zu ihm in die Pension Emma gekommen, um ihn zu vernehmen. Dann sei Anklage gegen ihn erhoben worden. Das sei wohl Routine bei solchen Unfällen: Dass der weniger Geschädigte sich erst einmal verteidigen müsse. Nun, die Anklage sei dann schnell fallengelassen worden. 

    Und dann stürzt heute auch noch Bela, Diego Freund, der auch mit auf der Skitour ist. Vor den Augen meiner Bruna. Bela also sei einen vereisten Hang runtergerannt, bis ihn ein kleiner Schneehügel ausgehebelt habe, er durch die Luft katapultiert worden und ins Fangnetz gestürzt sei. Sein Kopf sei gegen den Boden geknallt. Nichts passiert. Er habe Helm getragen.

    Und ich frage mich nochmals: Wie absurd kann man sein. Sich bewusst Gefahren aussetzen? Wenn ich stürze, dann stürze ich mich auf Mäuse. Ok, früher jedenfalls, meine Vorväter oder so. Bin eben degeneriert. He he. Aber Coco stürzt auf mich. Und wir haben Spaß. Und ich denke so, liebe Menschen, wenn ihr unbedingt stürzen wollt – warum nicht Trump? Oder Putin? Sagt der gefestigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kontrolliert eure Beine. Und chillt, Leute!

  • 2. Februar 2026

    Ist Coco KI? Über die Überlegenheit der KI

    Manchmal denke ich, Coco ist KI. Bei ihr scheint eine Art Elon Musk oder so versucht zu haben, eine Katze zu programmieren. Um zu checken, ob ähnliche Programmierung dereinst auch mit Menschen funktionieren könnte. Herausgekommen ist Coco.

    Wie ich darauf komme? Nun, wegen ihrer Fehlfunktionen: Nummer eins: Sie rennt wie ein Köter zur Tür, wenn es klingelt. Nummer zwei: Coco antizipiert Nahrung wie ein Delfin. Eine Spezies, die wohl gut vorausahnen kann. Sagt jedenfalls die KI. Und Nummer drei: Coco liebt Wasser. Wie Menschen. Oder so.

    Denn: Sie ist beim Abwasch dabei, sitzt direkt neben dem Waschbecken. Packt ihre Pfote ins Wasserglas – mit Vorliebe in jene, in denen Sprudelwasser sprudelt. Oder springt in die Badewanne. Leckt dort die Tropfen auf. Und wartet auf die nächste Füllung. 

    Ich muss einräumen: Coco ist eine gute KI. Weil sie durchaus auch katzig ist. Nicht nur vom Äußeren alle Vorzüge einer Katze hat – vom Wuschelfell und seiner Musterung bis hin zu ihren Augen, der Nase, ihrer große Größe. Sondern auch vom Charakter, also ihrer Liebe zum Chillen, ihrer Ruhe, Coolness, Jagdliebe, ihrem Kuschelbedürfnis.

    Und ich muss sagen: Lieber KI-Generator: Glückwunsch, Katze mit Coco gut getroffen. Also: Künstliches kann durchaus gleich gut oder sogar besser als das Original sein.

    Finden auch meine Leute. Die ja gerade in Österreich Skifahren. Was ohne Künstliches ob des Klimawandels an vielen Orten gar nicht mehr möglich wäre. Bei meinen Leuten jedenfalls tropfte heute in 2000 Metern Höhe das Wasser von den Bäumen – weil der Schnee von den Ästen taute. Bei fünf Grad plus in der Sonne.

    Die Pisten aber blieben weiß. Und schneeig. Warum? Weil es kein echter Schnee, sondern produzierter Kunstschnee ist, der da liegt. Der haltbarer als das Original ist. Und meine Bruna findet, der Kunst-Schnee sei auch zum Skifahren besser. Weil griffiger und nicht vereist. Hohe Kunst eben. Denke ich so. 

    Und höre von der Arbeitsgemeinschaft SPD Frauen. Die fordern einen besseren Schutz vor Diskriminierung durch KI. Weil die bestehende Ungerechtigkeiten verstärke.

    So erkenne KI oft Herzinfarkte bei Frauen schlechter, weil die andere Symptome als Männer hätten. Und wenn Frauen sich für einen Job bewerben, würden sie wegen ihres Geschlechts so manches mal durch KI als weniger qualifiziert eingeschätzt. Und Grok – der Chatbot von Musks Plattform X – habe Bilder erstellt, auf denen vor allem Frauen leicht bekleidet bis nackt gezeigt würden.

    Ist Coco nun KI oder nicht? Frage ich mich. Eine kötrige Katze oder katzige KI? Die Antwort: Ist mir voll egal. Coco ist nice. Und bärig. Meist. Wühlt jetzt in der Tasche mit den durchgeschwitzten Trikots der Männer von Diego Basketball-Team, die der längst hätte waschen sollen. Und yes: Katzen lieben Männerschweiß. KI eher nicht. Woraus folgt: Coco ist wohl doch eine echte Katze. Sagt der authentische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wascht euch. Und chillt, Leute!

  • 1. Februar 2026

    Coco in the box im Keller des Kellers

    She is living in a box. Baby. Da, wo Coco ist, wäre auch ich gerne. In diesem Karton. Voll chilly. Aber es gibt nur diesen einen Karton. Und irgendwie hat Coco es geschafft, ihren immensen Körper da reinzuwuchten, bevor ich da reinhüpfen konnte. So dass ich – warten muss. Lange warten muss.

    Ich aber hasse Wartezeiten. Und bedauere meine Leute in Austria. Die davon erzählen, dass sie ständig warten. Müssen. Bei ihren Skitouren. Wenn sie auf die Berge hochgondeln. Und dabei lauschen müssen, was die eng an sie gequetschten Leute so quatschen. Zum Beispiel zwei Middle-Age-Frauen. Die von ihren Depressionen erzählen. Ausgelöst natürlich: Durch Männer. Und ich denke so: Besser also, schwule Frau zu sein?

    Und sehe Coco. Wie sie weiter vor mir im Karton chillt. Kokett. Und ich fühle eine riesige Leere in mir aufsteigen. Während meine Leute weitererzählen. Von der einen Frau, die nun gesagt habe, sie sei vor sechs Monaten verlassen worden von ihrem Jens. Und da, ja da sei sie in einen Keller gefallen. Fürchterlich.

    Aber da, da habe sie auch noch nicht gewusst, dass es einen Keller unter einem Keller geben könne. Der sich kürzlich geöffnet habe. Als Jens wieder ankam. Sie die Nacht mit ihm verbrachte. Um abermals verlassen zu werden. Und dann aus dem Keller in den Keller darunter fiel. 

    Nächste Wartezeit meiner Leute, wenig später in einem Sechser-Sessellift: Die beiden Jungs neben ihnen seien das Gegenteil im Vergleich zu den Frauen gewesen. Erzählen meine Leute. Die beiden Jungs also hätten geschwärmt, sie erlebten im Skiurlaub alljährlich den Flow im Flow. Skifahren sei schon Glück pur. Aber das Feeling beim Skifahren zu verstärken, durch Gras und Alkohol. Das sei nicht zu toppen.

    Der Flow im Flow. Vor allem, wenn dann alle Fenster der Gondel abgeriegelt würden. Und man vor lauter Cannabis-Dämpfen nichts mehr sehe. Die Gondel – eine Hot Box. Und ich sehe Coco. In ihrer Box. Hot und cold zugleich. Irgendwie. Aber sie bleibt in der Box liegen. Und für mich führt die Rolltreppe abwärts. In meinen virtuellen Keller des Kellers.

    In dem sich morgen wohl auch so einige Menschen in Deutschland wiederfinden werden. Wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwohin wollen. Weil die bestreikt werden – es geht um mehr Geld. Naturally.

    Allerdings: In Berlin fahren trotz Streiks einige Straßenbahnen weiter. Werden allerdings an den Haltestellen nicht stoppen und auch nirgends Fahrgäste reinlassen. Denn die Bahnen sind nur unterwegs, damit die in den vergangenen Tagen mühsam aufgetauten Oberleitungen nicht wieder einfrieren. Für die Oberleitungen also fahren die Bahnen. Denke ich so. 

    Und erkenne kein Zeichen des Erbarmens von Coco. Die bleibt liegen. In ihrer Box. Und ich gehe zum meinem eigenen Gras. Katergras. Tut so gut. I‘ m flyin’ high. Auch ohne Box. Sagt der labile Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht euren Keller. Und chillt, Leute!

  • 31. Januar 2025

    Der vereinsamte Nicht-Einzelgänger und der Klimawandel

    Ich bin kein Einzelgänger. Und trotzdem lassen mich meine Leute alleine. Nahezu alleine jedenfalls. Reisen ab. In kalte, schneeige Gefilde, um Ski zu fahren. Sagen sie. Und reisen aus dem eisigen Berlin ins frühlingshafte Österreich. Was sie da machen? Wandern – auf graue Berge. Handstand machen auf einem Jäger-Hochsitz. Mit freiem Oberkörper, so warm ist es.

    Während ich in der Kälte meines Berliner Reviers. Auf der Fensterbank fröstele. Auf den verschneiten Innenhof blicke. Und spüre, wie der eisige Wind reinzieht durch die Spalten. Während Coco irgendwo chillt. Im Bett meiner Bruna. Auch allein. Alles verkehrt. Irgendwie.

    Meine Leute reden viel vom Klimaschutz. Vom Umweltschutz. Und fahren dann mit einer Dreckschleuder fast 1000 Kilometer nach Österreich. Wo ihre einst weißen Skipisten. Jetzt nur graue Farbe erlangen, weil Schnee nicht mehr fällt. Und dafür die Schneekanonen unermüdlich weißes Gold in die krassen Schneisen der Berge – sogenannte Pisten – einschießen.

    Während viele alteingesessene Einwohner stöhnen. Ob des allwöchentlichen Andrangs in ihre Täler. Nicht nur immer mehr Deutsche, Polen, Niederländer. Nun auch viele Chinesen – und zunehmend auch wieder Russen. Over Tourism eben. Stöhnen sie. Auch wenn sie profitieren.

    Meine Bruna erzählt, der Skiverleih, in dem sie seit zehn Jahren ihre Ausrüstung holt, mache nächstes Jahr dicht. Obwohl der Laden birst vor Skiwütigen. Das Problem: Es gebe kein Personal mehr. Habe die Chefin gesagt. Diejenigen, die es vergangene Saison gemacht hätten, kämen nicht wieder. Sagten, zu stressig. Die Alternative: Osteuropäer einstellen. Das wolle sie aber nicht. 

    Was für Probleme. Denke ich so. Während in der Ukraine der Strom ausfällt. Nicht mehr nur allein wegen der fortgesetzten russischen Bombardements. Jetzt wurden auch noch zwei Stromleitungen getrennt, durch die die Ukraine mit Moldau und Rumänien verbunden war.

    In Berlin dagegen gibt es wieder andere, „existenzielle“ Probleme: Spikes für Schuhe sind ausverkauft. Damit können keine alten Leute mehr raus. Weil die Fußwege seit Wochen lebensgefährlich glatt sind. Weil die Stadt es nicht schafft, das Eis zu entfernen. Und der Regierende Bürgermeister zwar – anders als beim Stromausfall – nicht Tennis spielen geht. Aber seine letzte Idee zur Hilfe auch geradezu absurd spät kommt: Nun schlug er vor, die Erlaubnis für den Einsatz von auftauendem Streusalz zu geben.

    Und da hätte ich eine Idee: Die Katzen und Kater der Hauptstadt rmüssten raus. Um zu helfen, beispielsweise beim Einkauf. Haben sie doch natürliche Spikes. Mit ihren Krallen. Aber: Uns niemand ja eh keiner ernst. Und so müssen sie eben weiter leiden. Die Menschen. Sagt der vereinsamte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Besucht mich. Schreibt mir. Aber vor allem: Chillt, Leute.