Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 6. September 2026

    „Haltet die Schnauze“: Wie ich zwischen AfD und Shakespeare taumle

    „Es ist eine schlimme Zeit!“ Ruft ein als Narr verkleideter Schauspieler von der Bühne des Berliner Ensembles. Erzählt Felix. Wenige Minuten zuvor sind nach Schließung der Wahllokale in Sachsen-Anhalt die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme geflimmert. Sehe ich.

    Und sie bestätigen schlimmste Befürchtungen: Der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Landesverband der AfD hat die Wahl mit riesigem Abstand gewonnen – weit mehr als 40 Prozent der rund 1,7 Millionen Wahlberechtigten votierten für die Rechtsextremisten. Und die CDU halbiert ihr Ergebnis von 2021 auf deutlich unter 18 Prozent.

    Im Berliner Ensemble, dem Theater, das der Antifaschist Bertolt Brecht vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg  gegründet hatte, klatschen die Zuschauer enthusiastisch, als der Narr über die schlimmen Zeiten reflektiert. Während ich in unserer Küche Trockenfutter in mich würge. Diego Jazz-Piano improvisiert. Und meine Bruna Coco krault. 

    „Was ihr wollt“- so heißt das Theaterstück, in dem Felix und Laura weilen. Shakespeares weit über 400 Jahre alte Komödie, in der der Schauspieler Veit Schubert den Narren verkörpert. Der verzweifelt am Irrsinn, Unsinn, Starrsinn, Wahnsinn, Schwachsinn.

    Dem er versucht, mit Gesang zu entkommen: „Haltet die Schnauze“, singen erst die Schauspieler, bis dann nach und nach die Zuschauer einstimmen – eine Zeile, die im Shakespeare-Original ebenso wie das Zitat „Es ist eine schlimme Zeit“ nicht enthalten ist. Natürlich. Sagt der Shakespeare-Experte Charlie. He he.

    In der Pause des Stücks hätten alle auf ihren Handys die Hochrechnungen angestarrt. Erzählt Felix. Mit ungläubigem Ekel. Kann ich verstehen. Ich erinnere mich an Kanzler Merz. Der bei seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren prahlte, er werde die Ergebnisse der AfD halbieren. Die Ergebnisse haben sich verdoppelt. Die der CDU mehr als halbiert. 

    Ich spüre eine bleierne Schwere über mir. Die habe sich auch über das Berliner Ensemble gesenkt. Erzählt Felix. Sagt: Es ist eine schlimme Zeit, eine Zeitenwende für Deutschland, eine Zäsur. Historisch. Denke ich so. Noch nie haben die Rechtspopulisten in Deutschland eine Wahl so deutlich gewonnen. Sie haben sogar die Chance, einen Ministerpräsidenten zu stellen. Es wäre das erste Mal in der Geschichte Deutschlands, dass eine als rechtsextrem eingestufte Partei auf Landesebene die Regierungschefposition übernimmt. Mir ist übel.

    Und ich stelle mir die Shakespearsche Frage: „Was wollt ihr?“ Ich würde gerne schreien: Keine Rechtsextremisten. Werde aber übertönt aus Sachsen-Anhalt. Wo die Bürger schreien: AfD. Eine Partei, die Migranten rausschmeißen will. Die die Schulpflicht abschaffen will. Die die wegen des Iran-Kriegs wieder extrem hohen Spritpreise senken will. Die den Ukraine-Krieg beenden will.

    Ach herrje, ich will auch so viel, lieber Shakespeare. Denke ich so. Und will an die Welt gerichtet schreien: „Haltet die Schnauze!“ Sagt der bedrückte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kämpft gegen Rechtsextremismus. Und chillt, Leute!

  • 5. September 2026

    Mein Sieg mit Afrika und ohne KI über die USA und deren Weltkarten

    Ich bin echt. Real. Echt. Leider kann Realität durch Künstliche Intelligenz mittlerweile so krass simuliert werden, dass ich oft einen Unterschied zwischen echt und unecht nicht mehr erkennen kann. Felix und Laura nahmen mich heute mit ins Kino Babylon in Berlin Mitte – zu einem Stummfilmfestival.

    Im Foyer des Kinos begrüßt mich eine silbern glänzende Roboterfrau, die ich – der begeisterte Cineast, he he – natürlich kenne: Der ikonische Maschinenmensch, die sogenannte falsche Maria, aus dem Monumentalfilm „Metropolis“ von Fritz Lang von 1927. Ich hüpfe zu ihr, seltsam angezogen. Vielleicht, weil sie eine Technologieangst bereits vor 100 Jahren symbolisierte, die heute ähnlich wieder da ist.

    Damals fürchteten viele, durch seelenlose Maschinen ersetzt zu werden; heute: durch seelenlose KI. Damals fürchteten viele, durch Maschinen, heute durch KI kontrolliert zu werden. Damals fürchteten viele, durch Maschinen, heute durch KI entwertet zu werden. Ich hüpfe auf die Roboterfrau. Meine Leute: Angespannt. Dabei ist klar: Ich. Bin. Echt. Und Maria. Ist . Eine. Puppe. 

    Und dann sitzen wir im Kinosaal.Gezeigt wird der ein Jahr vor „Metropolis“ veröffentlichte Stummfilmklassiker „The General“ von Buster Keaton. Felix und Laura sind begeistert. Ich bin begeistert. Nicht nur vom Pianisten, der dem 87-minütigen Film durch seine Musik eine Sprache gibt, die für jeden verständlich ist.

    Sondern auch vom Film an sich, einer Action-Komödie mit atemberaubenden Stunts, Verfolgungsjagden mit Eisenbahnen, Slapstick par excellence. Felix meint, es wirke, als ob bereits damals KI im Einsatz gewesen sei, Drohnenaufnahmen gemacht worden wären. Stuntleute die krassen Stunts gemacht hätten.

    Aber: Keaton spielte alle Szenen, auch die gefährlichen, selbst. Die Lokomotiven – alle echt. Auch die, die von einer Brücke in einen Fluss stürzt. Die Kamera ist genial positioniert.

    Drei Stunden später sieht Felix mit Diego den Film „Dune 2“ von Denis Villeneuve – aus dem Jahr 2021. Die Aufnahmen der Raumschiffe, vom überdimensionalen Sandwurm wirken krass real – entstanden natürlich durch KI. Und ich denke so: Heute wirkt das Echte unecht und das Unechte echt. Weird. Wild. Krass. 

    Und schon bin ich in Afrika. Die Afrikanische Union will endlich Realität abbilden – die aus dem 16. Jahrhundert stammenden und weltweit am häufigsten genutzten sogenannten Mercator-Projektionen sollen ersetzt werden durch flächentreue „Equal Earth“-Karten.

    Die UN-Generalversammlung stimmte nun für eine entsprechende Resolution mit dem Titel „Correct the map“ Togos. 

    Denn bislang wirkt Afrika auf den alten Karten durch Verzerrung so groß wie Grönland – und das, obwohl der Kontinent 14 Mal so groß ist wie die arktische Insel. Nur die USA stimmten gegen die Resolution. Klar: Sie würden durch die neue Karte kleiner.

    Und ich feiere mit Afrika: Denn die Karte zu korrigieren bedeutet, die Art und Weise zu korrigieren, wie wir Welt sehen. Denke ich so. Und: Für die Realität braucht man eben keine KI. Sagt der erfüllte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Akzeptiert Realität. Und chillt, Leute!

  • 4. September 2026

    Trigger, Trigger, Träger und bäng, bäng, bäng: Hass in Zeiten des Forever Young

    Chillen auf dem Schoß meiner Bruna. Zusammen auf dem Sofa. Mit Chipskrümeln. Lecker. Netflix-Geflimmer. Hypnotisierend. Und Laura mit kaltem Vino Bianco neben mir. Streichelnd. Das ist Leben. Denke ich so. Warum nicht immer so? Frage ich mich so.

    Und erhalte umgehend die Antwort: Bäng, bäng, bäng. Neid, Polarisierung, Missgunst, Hass. Allüberall. Der jede Idylle zerstört. Und so hämmert mir aus der Küche zum dritten Mal hintereinander „Forever Young“ in die Ohren. Hat Felix voll aufgedreht. Weil er genervt ist. Über ein Festival mit dem Namen Glücksgefühle. Über die Veranstalter. Über die Bands. Und über hatende Netzaktivisten. 

    Also: Der Song „Forever Young“ ist über 40 Jahre alt, damals gesungen von der Band Alphaville. Die nun auf jenem Festival in Hockenheim mit dem weirden Titel Glücksgefühle auftreten sollte. Bis dann einer der Veranstalter sagt: „Ach nee, doch nicht, ich habe gehört, ihr äußert euch bei Konzerten politisch. Und unser Festival soll total unpolitisch sein. Good vibes only.“

    Alphaville: Voll irritiert, weil sich die Band in ihrer Meinungsfreiheit eingeschränkt sieht  – und sich auch hier gegen Rechtsextremismus aussprechen wollte. Netzaktivisten: Empört. Besonders Radikale schicken Hassbotschaften an die beiden Veranstalter, der eine von ihnen übrigens Ex-Fußballer Podolski. Bedrohen deren Familien.

    Alphaville wird doch wieder eingeladen. Der Veranstalter entschuldigt sich und sagt, die Ausladung sei ein blöder Fehler gewesen. Jetzt will aber Alphaville nicht mehr. Und viele der eingeladenen Künstler sind entsetzt, einer sagt ab, viele solidarisieren sich mit Alphaville. Sagen, Kunst sei nie unpolitisch, sie selbst stünden für Toleranz, Offenheit, Vielfalt. Gerade in der heutigen Zeit müsse der Mund aufgemacht werden.

    Und einige spielen nun als Reminiszenz an Alphaville zu Beginn ihres Auftritts: „Forever Young.“ Vor Zehntausenden Menschen. Und ich denke so: Man kann nicht nicht kommunizieren. Man kann auch nicht nicht politisch sein. Aber vor allem – und ganz klar ist: Man kann nicht Forever Young sein. Genau das aber behaupten alle. Die da singen. 

    Und ich höre, dass auch das Münchner Oktoberfest überschattet wird von einer polarisierenden Debatte, durch die man automatisch und ungefragt entweder rechts oder links eingeordnet wird. Und irgendwann gar keinen Bock mehr aufs Feiern hat. Denke ich so.

    Also, die Debatte dreht sich um mehr oder weniger leicht bekleidete Frauen-Figuren an einem Fahrgeschäft – die da offenbar seit 80 Jahren prangen. An die sollen nun längere Kleider und Radlerhosen gepinselt werden. Trigger, Trigger, Trigger: Die Volksseele gerät in Wallung.

    Die Linken so: Top, durch diese Sittsamkeit werde die Welt besser und Frauen Achtung entgegen gebracht. Die Rechten so: Welch woker Schwachsinn – würde mit einer AfD-Regierung nicht passieren. Und ich so: Leute, das sind eure Probleme? Welch Hass. Welch Unversöhnlichkeit. Nicht mal gemeinsames Feiern funktioniert. Alles politisiert. Und selbst, wenn ich mich nicht äußere, mache ich es falsch. Weil man ja Haltung zeigen muss. Wird so behauptet.

    Felix grölt aus der Küche: „Forever Young“. Und ich lege meinen Kopf wieder in den Schoß meiner Bruna. Peace. Sagt der junge Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entspannt euch. Und chillt, Leute!

  • 3. September 2026

    Ich heile Nurias Hand und will aus dem abgefuckten Berlin nach Palermo

    Warum begreifen es Menschen nicht? Es gibt Katzen, Kater – und mich. Vorhin also befleißigte sich meine Nuria, die dekorativ auf meinem Sessel ausgerollte Coco zu kraulen. Zu knuddeln. Und dann ging es schnell: Coco fuhr ihre Pfote aus. Mit Krallen. Und hinterließ einen klaffend rot schillernden Riss auf der Hand meiner Nuria.

    Die bass erstaunt aufschreit: „Au. Du falsche Kröte. Ich mag dich nicht mehr. Du bist komisch.“ Und ich denke so: „Ach nee. Warum macht meine Nuria Kröten so schlecht?“ Schade jedenfalls, Coco hat es geschafft, meiner Nuria die eigentlich ausgezeichnete Stimmung zu verderben.

    Denn eben hatte sie nach langer Recherche den perfekten Flug zu Weihnachten von Sizilien – wo sie ja ein halbes Jahr ihr Erasmus-Studium macht –  zu mir nach Berlin gefunden. Und sofort gebucht. 65 Euro hin und zurück, direkt natürlich. Und ich denke so: „Häh, war da nicht mal was?

    Solche Billigflüge sollten doch nicht mehr angeboten werden, damit Menschen nicht mehr so oft fliegen, der Umwelt zuliebe? Was soll meine Nuria nun machen? Auf die Reise verzichten? Oder eben diese Flüge nehmen? Mit denen sie drei Stunden unterwegs ist und im Vergleich zu einer 30-stündigen Bahnreise mit zig Umstiegen nur ein Fünftel bezahlt. 

    Meine Nuria, die die Wunde nun mit einem Kühlkissen behandelt, ist jetzt in Fahrt: Schaut Coco an und sagt: „Bin ich froh, von Dir Biest wegzukommen.“ Überhaupt wegzukommen aus diesem hässlichen, vollkommen abgefuckten Berlin ins paradiesische Palermo. Gestern sei sie die nur 282 Meter von meinem Revier entfernte Hauptstraße entlang gelaufen.

    So viel Müll auf den Wegen habe sie weder in Namibia noch in Brasilien gesehen – wo sie durchaus auch in verarmten Vierteln unterwegs gewesen sei. Vor einem Buchladen hier, der vor drei Monaten dicht gemacht hatte, habe eine mit braunen Flecken übersäte Matratze gelegen. Auf ihr habe ein Mensch geschlafen.

    Wenige Meter weiter, vor der Haustür ihrer Freundin, hätten Fäkalien gelegen. Eindeutig menschlich. Sagt meine Nuria. Dazu dann noch das Berliner Herbstwetter. Grau, grauer, Berlin. Bei gefühlt 29,7 Grad. Ihr geliebtes Freiburg sei da völlig anders. Sauber. Warm, aber sonnig. Und Ähnliches habe sie eben auch von Palermo gehört.

    Hmmm, als ob da oder in Freiburg alles perfekt wäre. Denke ich so. Denn in ihrer Freiburger WG hat sie Horror, den sie hier nicht hätte. Sie erzählt, jede Nacht, in der sie mal austreten müsse, kehre sie voller Angst in ihr Zimmer zurück. Weil sie sich vorstelle, dass dort auf ihrem Sofa ein Fremder säße. Oder noch schlimmer: Eine Maus krabbele. Nun, letzteres wüsste ich zu verhindern. Denke ich so.

    Und spüre, wie sich meine Nuria endlich von Coco abwendet und zu mir kommt. Mich krault, knuddelt. Meint: “Ach Charlie, auf dich ist Verlass. Du bist eine ehrliche Haut. Und so ausgeglichen.“ Ich schnurre. Schenke ihr Glauben, Stärke, Hoffnung, Wärme. Heile ihre Wunde. Really. Sagt der perfekte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Macht Berlin sauber. Und chillt, Leute! 

  • 2. September 2026

    Urknall zu Lauras birthday mit viel Ohropax

    Es sind Tage wie diese. Die ich liebe. Der Tisch voller Geschenke. Die knistern, wenn man sich drauflegt. Die man per Prankenschlag öffnen kann. Und dazu: Lecker Blumen. Birthday nennen Menschen das. Heute dran: Laura.

    Die aber erst mal gar nicht amused ist. Weil da schon Coco statt eines daneben liegenden Merino-Shirts aus Geschenkpapier schnurrt. Weil die Vase wackelt, an der ich mit der Rose kämpfe. Laura beruhigt sich. Im Rausch des ständigen Handy-Klingelns. Weil Felix ihr einen Latte serviert. Weil meine Bruna ihr ein blaues Wellen-Gemälde überreicht. Weil Diego ihr selbst gemachtes Pesto kredenzt.

    Und dann auch noch die sonst so ferne Nuria aus Freiburg auftaucht. Mit ihrem Freund Piet. Und sie einen Song schmettern. Für Laura. Der selbst mich ergriffen aufs Sofa sinken lässt. Nun ja, ein bisschen. Denn dann sind sie weg.

    Konzert. Philharmonie. Ein Urknall sei das gewesen. Symbol fürs kommende Lebensjahr. Sagt Laura hernach. Tutuguri hieß das Werk. Ein von einem Komponisten namens Rihm vertontes Gedicht eines Poeten namens Artaud, der einen Ritus der schwarzen Sonne schrieb – irgendwie basierend auf einen Stamm Indigener von Mexiko, wie Felix verschwurbelt erklärt.

    Auf jeden Fall: Schlagwerk ohne Ende. Lärm. Oder: Energie? Kraft? Beides. Jedenfalls kaum Melodie. Meint meine Nuria. Und am besten für sie: Ohropax ohne Ende. Vom Veranstalter für empfindsame Ohren ausgelegt. Womit sich das Konzert schon gelohnt habe. Ihre Vorräte seien jedenfalls jetzt aufgefüllt. Sagt meine Nuria. Und weist auf ihre überquellenden Hosentaschen. 

    Felix sagt: Das war Teufelsaustreibung. Laura sagt: Urknall. Diego sagt: V.I.P. in der Psychiatrie (Stichwort: K.I.Z.). Meine Bruna sagt: Nichts. Weil sie neben mir liegt. Krank auf dem Sofa. Und ich sie tröste. Und meine Nuria? Verkrampft. Weil sie weiß, dass Laura und Felix sie fragen werden, wie sie das Stück fand.

    Und ihr nichts einfällt. Weil sie einfach nur zuhören will. Und denkt, nichts sagen zu können. Zu wollen. Dann aber sagt: Sie habe an ihre Griechin gedacht. Mit der sie bald in Palermo in eine WG ziehen will. Zum Erasmus-Studium dort. Und die durchaus anstrengend zu sein scheint. Und bei einem lustig gemeinten, ihr geschickten Insta-Video schon fragte, warum es keine Trigger-Warnung gegeben habe – ob der Dramatik und der vielen Lichtblitze.

    Und meine Nuria so: Was würde die Griechin zu dieser sogenannten Tutuguri-Musik sagen, in der keine Melodie wahrnehmbar sei. In der es knalle, rausche, brülle, ein Konzert, in der ein Erzähler schreie, bis dieser Schrei in einem todesähnlichen Röcheln ende?

    Immerhin: meine Leute waren sehr schnell zurück. Warum? Laura habe die Philharmonie fluchtartig verlassen. Erzählt meine Nuria. Weil sie nur eine Reihe vor sich die Eltern ihrer Freundin erspäht habe. Auf die sie nun mal so was von keine Lust hatte.

    Und ich denke so: Laura. Flieht. Vor. Menschen. An. Ihrem. Birthday. Höre dann aber, wie sie sagt: „Ich melde Patent an, jeder sollte mindestens zwei Mal im Jahr Geburtstag haben. Yes, why not, denke ich so. Mit Rose zwischen dem Kiefer. Raus aus dem Alltag. Gewürdigt von allen. Kein Krieg. Kein Frust. Nur Zugewandtheit. Meist jedenfalls. Sagt der erfreute Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Celebrate youth. Und chillt, Leute!

  • 1. September 2026

    Kopf hoch, Brust raus im Fight gegen Putin

    Immer nach vorn blicken. Kopf hoch. Das strahlt Selbstbewusstsein aus. Gibt es einem auch selbst. Behaupten Menschen. Und so sitze ich da. Brust raus, Kopf hoch. Sitze auf ihrem Thron. Der Maschine des Kaffees. Ohne die sie nicht leben können. Und Felix so: „Hej, Charlie, pass bloß auf, dass da kein Fell von Dir in eine Düse kommt.“ Und ich so: „Alta, gleich geht mir wirklich die Düse.“

    So ist er. Mensch. Denkt nur an sich und sein Wohlbefinden. Anstatt mal zu hinterfragen, warum ich da oben bin, auf der Kaffeemaschine? Anstatt mal Empathie zu zeigen. Mit mir. Dem geschundenen Hauptdstadtkater. Der an der Welt leidet. Das aber nicht zeigen will. Um nicht schwach zu wirken. Denn heute ist wieder mal so ein Tag, der mich an meine Grenzen bringt.

    Einen Monat nachdem der Flughafen Leipzig nur knapp einem Anschlag entging, hat die Bundesregierung heute den mutmaßlich Schuldigen präsentiert. Einen, von dem alle eigentlich wussten. Munkelten. Über den man aber lieber nicht spricht. Quasi der Voldemort – das ist der Böse aus Harry Potter – der Staatengemeinschaft: Russland.

    Damals, Anfang August, war zwischen ukrainischen Frachtmaschinen eine mit Sprengstoff präparierte Drohne entdeckt worden, die nicht zündete. Und nun also die Bundesregierung: Man habe Beweise – der Sprengstoff, die Art der Planung, Bauteile, Zündtechnik und Tatmuster – alles deute auf Russland hin. Allerdings, ausgeführt worden sei die Tat von „Low-Level-Agenten“ – Kleinkriminelle ohne geheimdienstliche Ausbildung.

    Und die Strafe: Das russische Generalkonsulat in Bonn muss dicht machen, das angebliche Kulturzentrum Russisches Haus in Berlin ebenfalls. Einreisebedingungen für Russen werden verschärft, der Druck auf die russische Schattenflotte soll erhöht werden.

    Puh, wie mutig. Denke ich so. Und höre das Zittern. Darf man Kremldespot Putin reizen? Selbst wenn der Vorwurf stimmen sollte? Ist das nicht gefährlich? Sollte man nicht besser vorsichtig sein anstatt einen vermeintlich Stärkeren herauszufordern? Ach, menschliche Zauderer, denke ich so. Ich verstehe euch. Weil es oft eben einfacher scheint, nichts zu tun – und abzuhauen. Den Thron freizumachen.

    Denn: Wenn Putin wütend wird, dann wird es gefährlich. Und ja, der weidet sich dann auch gleich an der German Angst. Reagiert sofort, behauptet: Die deutschen Strafmaßnahmen seien ein großer Fehler. Die angeblichen Beweise- alle gefälscht. Zitter. Die Reaktion der Bundesregierung innenpolitisch motiviert – angesichts der drohenden Wahlniederlagen. Zitter. Putins Sprecher behauptet, Deutschland gehe den Weg der Eskalation. Zitter. Putins Sprecherin fragt, ob Deutschland das Datum heute zufällig gewählt habe – es sei ja der Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs durch Deutschland. Zitter.

    Und ich frage mich: Ist das Zittern gerechtfertigt? Nun, Putin hat eben viele Trümpfe in der Hand. Warum sollte er keine weiteren Anschläge befehlen? Die Strafmaßnahmen Deutschlands – für ihn eher lächerlich. Andererseits: Was bringt das Zittern? Nichts – abgesehen von einem Lustgewinn für Putin.

    Aber: Wenn es mal so einfach für mich und Mensch wäre, das unkontrollierte Zucken abzustellen. Ist es nicht. Oder doch, so: Kopf hoch. Brust raus. Auf dem Thron gegen alle Widerstände sitzen bleiben. Selbstbewusst. Sagt der aufmüpfige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bietet Stärkeren die Stirn. Und chillt, Leute! 

  • 31. August 2026

    Selbstekel wegen der Faszination über das Grauen von Nepal

    Kann ich es aushalten? Kann sie es aushalten? Halten wir es zusammen aus? Ein Versuch ist es wert. Denke ich so. Und klettere auf den Schoß meiner Bruna. Vor mir trieft Fett von ihrem Brot, neben ihr flimmert ihr iPad. Mit der Netflix-Serie „Outer Banks“.

    Ich will ihre Nähe. Gekuschelt werden. Und meine Bruna so: Hat Hunger, will endlich essen, Ruhe, aber auch „Outer Banks“ suchten und dabei abschalten. Nimmt mich dazu stöhnend (sic: stöhnend, mich!) in Kauf. Sie sei ja Multitasking, meint sie noch generös. Hält es dann aber nicht aus, als Felix plötzlich mit gezückter Handykamera vor ihr, vor uns steht. Für Fotos. Von diesem weirden Moment. 

    Und ich denke so, das ist doch wahre Ambiguitätstoleranz. Meine Alea muss das Vieldeutige, Ungewisse jetzt aushalten. Um nicht auszurasten. Oder zu fliehen. Muss aushalten, dass sie von Felix (stark) und mir (ein wenig) genervt ist, wir aber beide ja eigentlich ihr voll zugewandt sind. Weil wir sie mögen.

    Sie aber muss erst mal ihre Primärbedürfnisse erfüllen, also essen und chillen, um wieder Kraft zu schöpfen. Und zugewandt sein zu können. Und ich – muss aushalten, dass meine Bruna neben mir andere Götter hat – ein Toast und eine Serie. Endlich macht Felix seine Fotos. Und zieht von dannen. Eine Uneindeutigkeit weniger…

    Denn ich brauche Eindeutiges. Für Ruhe. Und Entspannung. Die vergangenen Tage habe ich eine schreckliche Katastrophe einfach verdrängt – die Sturzflut im Himalaya-Gebirge, durch die in Nepal, Tibet und China Hunderte, wahrscheinlich Tausende Menschen ums Leben kamen. Natürlich auch Katzen, Kater – und andere Tiere.

    Ganze Dörfer wurden von Schlammlawinen begraben. 1.000 Tote sind geborgen, 5.000 weitere werden vermisst. In den sozialen Netzwerken werden immer mehr Videos gepostet, die den Horror zeigen, wie die Fluten Gebäude erfassen, auf deren Dachterrassen zig Menschen stehen – die dann mit dem kollabierenden Haus mit ins Wasser stürzen.

    Krasse Urgewalt. Die faszinierend ist. Ich merke, ich kann nicht wegschauen. Es ist wie ein Katastrophenfilm. In real. Die Ästhetik des Grauens. Bin angewidert, angeekelt von mir selbst. 

    Und höre Felix. Der sagt, er habe zuletzt am 11. September 2001 so etwas Ähnliches empfunden. Als die Flugzeuge von islamistischen Terroristen in die Türme des World Trade Centers in New York flogen. Die einstürzten. Aus denen Menschen sprangen. Wie in einem Videospiel.

    Und ich denke so: Krasse Mehrdeutigkeiten. Meine Bruna erträgt sie stoisch. Und entspannt sich, als das Essen endlich wirkt und der Zucker ihr Blut erreicht. Meine Bruna krault mich nun sogar. Ich lecke an ihrem Brot. Zusammen aushalten ist eben doch besser als alleine das durchzustehen. Wir können Multitasking. Also doch. Sagt der entspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid stark. Und chillt, Leute!

  • 30. August 2026

    Warum ich mir nichts zutraue und stinke

    Ich fühle mich so richtig – sorry – scheiße. Deprimiert. Denke, heute nichts auf die Reihe zu bringen. Nicht mal Leckerli von meiner Bruna einfordern zu können. Und alle meine Leute sagen – einer nach dem anderen – zu mir, als sie mich chillend auf dem Sessel sehen: „Oh, Charlie, wie süß du wieder ausschaust. Lass dich mal knuddeln.“

    Also genau das, was ich in diesem Moment nicht will, hasse. Eigen- versus Fremdwahrnehmung. Denke ich so: Wie das differiert. Bei Menschen jedenfalls. Denn Kater und Katzen riechen, wenn andere Lebewesen in Ruhe gelassen werden wollen. Merken das an deren bitteren Ausdünstungen.

    Kurz: Wenn ich unpässlich und genervt bin (sic: Das gibt es tatsächlich!), dann stinke ich, würde Mensch sagen, wenn er feinere Nüstern hätte. Menschen aber sind eben leider wahrnehmungsgestört. Opfer eben. Die auch deswegen zu Tätern werden. 

    Und so finde ich es fantastisch, dass Laura für mich ein Schild gemalt hat und auf dem Tisch in der Küche platziert hat. Auf dem Plakat steht in großen Lettern: „Ich trau mir oft nichts zu.“ Und ich denke so: Yes, Treffer, das ist bei mir genau der Grund für mein Unwohlsein.

    Aber: Als ich mich  auf das Schild lege, verscheucht mich Laura sofort. Und sagt, das sei ihr Plakat. Sie habe es bei einer Psychotherapeutinnen-Fortbildung gemalt. Der Seminarleiter habe die Aufgabe gestellt, einen belastenden sogenannten Glaubenssatz aufzuschreiben. Bei ihr sei es eben dieser Satz gewesen, der ihr spontan eingefallen sei.

    Und für sie überraschend – auch die anderen 19 Teilnehmerinnen hätten ähnliche Sätze aufgeschrieben. Gestandene Therapeutinnen, die so selbstsicher wirkten. Hatten da Sätze stehen, wie, dass sie sich nicht wahrgenommen fühlten (wie ich), dass sie fürchteten, total nervig zu sein (ich nicht), ihre Ziele eh nicht erreichen zu könnten (wie ich).

    Und ich denke so: Alta, alles Expertinnen, alles Leute, die Leuten helfen sollen, mit Problemen wie eben diesen zurecht zu kommen. Oh weia, Menschen! Immerhin: Die in der Fortbildung versammelten Therapeutinnen scheinen es geschafft zu haben, mit ihren Unsicherheiten umzugehen – sonst wären sie ja nicht in dem Job. Denke ich so.

    Und genau das brauchen dann eben auch ihre Patientinnen, Den richtigen Umgang mit Unsicherheit. Denn die Erkenntnis scheint ja zu sein: Letztlich sind alle Menschen unsicher.

    Nun  – Laura erzählt weiter, der Seminarleiter habe sie dann aufgefordert, alle Teilnehmerinnen sollten sich je einen Partner suchen. Und diesem den eigenen Glaubenssatz langsam sagen: Das auszuhalten, sei extrem intensiv gewesen. Sagt Laura. Und zu merken, dass es allen ähnlich gehe. Danach hätten sie ihren Satz 20 Mal hintereinander immer schneller wiederholen sollen. Der Satz und sein Inhalt hätten sich so verflüchtigt. Sehr nice. Sagt Laura. 

    Während Coco tatsächlich auch mich springt. Obwohl ich deprimiert bin. Trotz meines bitteren Gestanks. Alleine: Sie weiß es, dass ich sie gerade nicht will. Und macht es trotzdem. Um mich zu ärgern. So sind sie. Katzen. Ich beiße zurück. Habe tatsächlich Spaß. Sagt der nun optimistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Akzeptiert Schwäche. Und chillt, Leute! 

  • 29. August 2026

    Wie ich die geistesgestörten Russen stoppen würde

    Es gibt News von Rudi. Das ist der Kater unserer ukrainischen Freunde, die vor mehr als vier Jahren nach dem Überfall Russlands auf ihr Land bei den Großeltern meiner Bruna in Isernhagen Unterschlupf fanden. Rudi durfte nicht – mit in den Urlaub seiner Leute. Natascha war mit Denys und Rita in Südfrankreich. In der Provence. In Marseille, Monaco, Nizza, Saint Tropez, Cassis – sie wanderten, schwammen im Meer.

    Es sei wie ein wunderbarer Traum gewesen, schreibt Natascha. Und ich denke so: Es klingt wie bei meinen Leuten, ganz normal. Ist es aber nicht – denn was kommt nach dem Urlaub? Die Rückkehr in ein Land, das täglich von Mördern beschossen wird. 

    Sie habe gelernt, von Tag zu Tag zu leben, nichts großartig zu planen. Sagt Natascha. Trotz der ständigen Gefahr gebe es aber auch sowas wie Normalität. Im Ausnahmezustand. Auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew, die zuletzt immer stärker ins Visier russischer Raketen geriet.

    Trotzdem säßen die Menschen tagsüber in Cafés und chillten. Abends gehe es dann eben in die U-Bahnstation. Um vor den Raketen und Drohnen aus Russland geschützt zu sein. Die kaum noch abgewehrt werden können. Weil für das US-Raketensystem Patriot Munition fehlt. Die die Amis selbst brauchen. Für ihren Krieg gegen den Iran.

    Was der russische Machthaber Putin weiß. Und nun mit voller Wucht Zivilisten beschießen lässt. Um die Bürger zu zermürben. Allerdings, ob die Strategie fruchtet, frage ich mich so, als ich Nataschas Worte höre: „Keiner kann die geistesgestörten und blutrünstigen Russen derzeit stoppen. Das müssen wir aushalten.“ Zorn statt Angst. Und ich bewundere sie. Und die anderen Ukrainer. 

    Die sommerliche Idylle auf Nataschas Urlaubsfotos trügt. Ihr Mann kann nicht dabei sein. Er darf die Ukraine nicht verlassen. Auf der Rückreise müssen Natascha und Rita sich dann in Warschau von Denys verabschieden. Der dort nun seit anderthalb Jahren studiert, jobbt, lebt.

    Weil er nicht in seine Heimat zurück kann. Weil er dann an die Front müsste. In einen sinnlosen Krieg. Seit mehreren Jahren hat er nun seinen Vater nicht mehr gesehen. Alles andere als normal. Für einen mittlerweile 19-Jährigen. Und seine Familie. Denke ich so.

    Und höre von Rudi. Dem sei in der 30 Quadratmeter Wohnung langweilig. Meint Natascha. Sie sei einfach zu klein. Was ihn depressiv mache. Er habe auch keine Lust mehr, seinen eigenen Insta-Channel-zu bespielen. Bis fünf Tage vor Kriegsausbruch habe er auf www.instagram.com/rudi_abyssin seine Gedanken notiert. Seitdem nicht mehr. Vielleicht fange er ja wieder an mit Schreiben. Wenn der Krieg vorbei ist. Sagt Natascha.

    Rudi, denke ich so, scheint tatsächlich eine Art Seelenverwandter von mir. Während die Russen erneut Kiew mit Drohnen und Raketen überziehen. Und ein Munitionslager treffen: Mindestens 37 Tote. Ich bin sooo fassungslos. Über diese Menschenverachtung. Diesen Zynismus.

    Lege mich hin. Träume von mir als Weltenretter. Wie ich zusammen mit Rudi den Kreml stürme. Tja, Coco springt auf mich. Das ist die Realität. Vorbei der wunderbare Traum. Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt stark. Und chillt, Leute! 

  • 28. August 2026

    Wie Odysseus und ich alle Handys killen und so die Welt retten

    Feel good. Strong. Unabhängig. Denke ich so, als ich an Diegos Kreatinpulver schnuppere. Und einige Partikel offenbar in meine Nüstern strömen. Ich spüre, wie sich meine Muskeln straffen, vergrößern, spüre unbändige Energie. Ein Wundermittel. Denke ich so. Wohl wissend, dass das erst mal nur Einbildung sein kann. Weil es längerfristig wirkt. Aber egal, ob Placebo oder nicht, am Ende zählt nur das Ergebnis: Und. Ich. Schwebe. 

    Was Felix natürlich sofort wieder mit gezückter Handykamera festhält. Der Typ sieht Welt nur noch durch Linse. Damit auch mich. Denke ich frustriert. Und hungrig. Was eigentlich ja vollkommen verrückt ist. Dieser Fotowahn. Mehr als fünf Milliarden Aufnahmen knipsen Menschen täglich, auf der ganzen Welt. Sagt eine Studie von Psychologinnen der Binghamton Uni im US-Bundesstaat New York.

    Und ich denke so: Wer hat das gezählt? Nun, egal, fast alle Fotos jedenfalls verschwinden in Speichern und Clouds. Und werden nie wieder angeschaut. Forscher haben nun rausgefunden, dass das ständige Fotografieren dann auch noch negative Auswirkungen auf das ohnehin schwache menschliche Gedächtnis hat.

    Wenn Menschen also etwas fotografiert haben, erinnern sie sich schlechter daran, als wenn sie es nur betrachtet haben. Wird berichtet. Und ich denke so: Wahrscheinlich denken Menschen, wenn etwas auf externen Speichern drauf ist, brauchen sie es sich selbst nicht mehr einzuprägen.

    Übrigens: Soll auch für Screenshots gelten. Und auch abfotografierte Folien in Uni-Vorlesungen werden schlechter erinnert, als wenn Studenten und Studentinnen sich selbst schriftliche Notizen dazu gemacht haben. Heißt es in der Studie. 

    Und mir wird klar, warum die rechtsextremistische AfD trotz der Nazi-Vergangenheit in diesem Land  und trotz ihrer menschenverachtenden und nicht-finanzierbaren Wahlkampfparolen kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt so stark ist. Die Menschen nehmen die entlarvende Berichterstattung über die Partei und ihre unhaltbaren Versprechen, ihren Menschenhass gar nicht mehr wahr.

    Finden es nicht absurd, sondern stimmen zu, wenn die Partei  mehr oder weniger deutlich propagiert: „Die DDR war geil.“ Weil ihre Speicher, ihr Gedächtnis nicht mehr funktioniert. Denke ich so. Abgestumpft durch ständigen Handy-Konsum, ständiges Fotografieren. Und so kann Aufklärung eben nicht mehr funktionieren.

    Sie rieselt an jenen vorbei. Weil sie knipsend vor der Sonnenfinsternis stehen. Weil sie mittlerweile selbst im Kino knipsen. Wie Felix erzählt, als er vom Film „Odyssee“ euphorisiert aus dem Kino in mein Revier schreitet.

    Und ich merke, wie mir das Kreatin den Kopf vernebelt. Schwebe weiter. Spüre Stärke wie nie zuvor. Denke so: Hoffentlich hat er, Felix, den Odysseus fotografiert. Möge der alte Grieche auferstehen. Und mit mir zusammen die Welt wieder ins Lot bringen.

    Wir würden als erstes alle Handys vernichten. Die Welt auf diese Weise retten. Damit die Menschen wieder sehen. Wie sich der Mond vor die Sonne schiebt. Wie die AfD lügt. Wie ich fast verhungere. Sagt der ungehaltene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schluckt Kreatin. Und chillt, Leute!