Autor: Hauptstadtkater

  • 8. April 2026

    Chill das Leben und Trumps Iran-Waffenstillstand

    Ich habe alles. Leckerli, meine Bruna, Lachs in Sauce, Sonne. Und vor allem: Zeit, Chill-Zeit. Das ist das Wichtigste: Um dann entspannt auf das Leben zu blicken. Und zu sehen: Eigentlich ist mein Dasein ziemlich gut. So wie es ist. Und allein diese Erkenntnis bringt weitere Wellen der Entspannung.

    Die sich über den Stress legen, den meine Leute so abstrahlen. Ob ihrer ständigen Bewegung. Unruhe. Unzufriedenheit. Und ich frage mich so: Why? Nie zuvor ging es Menschen doch so gut – was Wohlstand, Freizeit, Life-Work-Balance angeht. Alles da, vom Bio-Essen über Markenklamotten, i-phone, Rennrädern, Urlauben – eigentlich also ein Top-Zustand.

    Es reicht ihnen nicht. Und ich weiß, warum: Ihnen fehlt Chill-Zeit. Vielleicht dazu noch eine Prise mehr Anerkennung und Empathie anderer. Um ihr Glück zu erkennen. 

    Meine Bruna, meine Nuria, Diego und ihre Bubble aus der Generation Z haben wirklichen Mangel nie kennengelernt. Denke ich so. Und: Wer etwas nicht kennt, kann kaum nachvollziehen, wie es ist, als etwas noch nicht da war. Ich spüre Coco. Die schon wieder an meinem Schweif knabbert. Und es – anders als ich – nicht kennt, Einzelkatze zu sein. Wie herrlich das sein kann. Zum Gewinnen von mehr Chill-Time.

    Nun, der Opa meiner Bruna erzählt, dass in seiner Kindheit in den 40er Jahren im und nach dem Krieg die Menschen froh waren, genug zum Essen zu bekommen. Seine Eltern in der kleinen Bergarbeiterstadt Lautenthal im Harz sei das gelungen, obwohl da gleich fünf Jungs waren, die hungrig waren, erzählt Opa Volker.

    Was auch daran gelegen habe, dass sein Vater als Lehrer  – neben Arzt, Pastor und Polizist – zu den angesehensten Leuten des Ortes gezählt habe. Die auch leichter an Essen rankamen. Die schönste Abwechslung sei gewesen, die Kinder des Arztes zu besuchen – in deren Stube sei eine elektrische Eisenbahn aufgebaut gewesen, sagt Opa Volker. Die zu beobachten – ein Highlight.

    Und ich sehe, wie viele junge Menschen sich heute ablenken, mit Blick aufs Handy, TikTok und Insta. Wisch und weg. Immer wieder. Leere. Allerorten. 

    Die auch so konditionierte kurze Aufmerksamkeitsdauer von Menschen nutzt auch US-Präsident Trump. Der stündlich neuen Schwachsinn via soziale Medien abfeuert. Der ob der Schnelligkeit gar nicht mehr hinterfragt, geschweige denn analysiert werden kann. Und von seinen Apologeten hysterisch verlangt wird.

    Gestern drohte Trump der iranischen Führung, die Zivilisation des Landes auszulöschen. Wenig später steht ein zweiwöchiger Waffenstillstand zwischen Iran und den USA samt Israel.

    Und ich denke so: Trumps martialischen Drohungen sind so widerwärtig. So leicht als bloße Gebärden zu durchschauen. Mit denen dieser Typ maximalen Druck ausüben will. Um einen für sich guten Deal auszuhandeln. Ob er in diesem Fall gut ist – keine Ahnung. Details sind unbekannt.

    So chille ich weiter. Auf der Zeitung. Weich und raschlig. Und denke so, dass der Generation Z nicht verübelt werden kann, ihren hohen Lebensstandard nicht angemessen zu würdigen. Weil sie es nicht anders kennt. Bisher. Sagt der melancholische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt euer Glück. Und chillt, Leute!

  • 7. April 2026

    Hölle Waschbecken, Hölle Bergwerk, Hölle Iran

    Waschbecken sind für mich die Hölle. Hart, kalt und vor allem: Potenziell nässend, sehr nässend. Für Coco sind Waschbecken das Paradies: Chillig mit Nässegarantie. Und ich sehe mal wieder: Derselbe Ort kann für Vertreter derselben Spezies extrem unterschiedlich wirken. Und denke zugleich so: Ups, was für eine Banalität. Zutiefst menschlich eben. Eigentlich. 

    Meine Bruna ist beeindruckt von einem Ort, von dem ich nicht erwartet hätte, dass sie den irgendwie spannend finden könnte. Ein Erzbergwerk im Harz. Rammelsberg, bei Goslar. Bis 1988 in Betrieb. Dann dicht gemacht wegen mangelnder Effizienz, zu hoher Kosten.. Heute als Industriedenkmal Weltkulturerbe.

    Welch Wandlung. Denke ich so: Von einer Art Vorhölle für die Bergarbeiter zu einem Ort der Erkenntnis. Für die nachfolgenden Generationen. Die in der Tiefe des Berges, in der Enge der Gänge, in der feuchten Kühle die Vergangenheit erspüren können. Wenn plötzlich eine Schlagbohrmaschine loslegt, mit ohrenbetäubendem Lärm – einen Lärm, den die Bergarbeiter vor 100 Jahren schutzlos ausgesetzt waren, sechs Tage die Woche jeweils zehn Stunden.

    Hölle, sagt auch meine Nuria. Die mit Kommilitonen und Kommilitoninnen für die Vier-Tage-Woche mit 28 Stunden Arbeitszeit kämpft. Während ihr Ur-Ur-Großvater tagtäglich mit dem Rad zum Eingang des Bergwerks hochstrampeln, dann 1,2 Kilometer in den Stollen laufen musste. Die Wegzeit aber zählte noch nicht zur Arbeitszeit. Die startete erst am Einsatzort. Mit 38 Jahren starb der Ur-Ur-Großvater – Staublunge.

    Andere Zeiten. Hat sich eben viel getan. Zum Besseren. Denke ich so. Und trotzdem ist es gar nicht ausgeschlossen, dass der Bergbau hier doch nochmal wiederbelebt werden könnte: Heute werden hier Stoffe vermutet, die für Batterieproduktion wichtig sind. In Zeiten hoher Zölle eine Alternative? Who knows… 

    Alles ist Veränderung. Mittlerweile zweifeln sogar ehemalige Fans von US-Präsident Trump an dessen Geisteszustand. Werfen ihm Wahn vor. Und fordern dessen Amtsenthebung. Weil Trump nun der iranischen Regierung mit der Vernichtung der ganzen Zivilisation drohte, sollte die Straße von Hormus nicht in den kommenden Stunden freigegeben werden. Er wünsche die Vernichtung nicht, aber es werde wohl so kommen.

    Sagt der Mann, der noch vor wenigen Wochen den Iranern gesagt hatte, er wolle ihnen im Kampf gegen ihre Regierung helfen. Nun droht er mit kollektiver Vernichtung. Hölle. Denke ich so. Mit der Trump  auch die regierungskritischen Menschen im Iran in die Arme ihre Anführer treibt. Denn wer will sich schon gerne von einer ausländischen Macht vernichten lassen?

    Ich sehe Coco, Wasser tropft auf ihren Kopf. Sie leckt. Ekstatisch. Und ich springe zurück. Weil es zu sehr spritzt. Sagt der vorsichtige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Checkt den perfekten Ort. Und chillt, Leute! 

  • 6. April 2026

    Ich, das Mäuschen und der Iraner, das Tier

    „Maus!“ Oder gar: „Mäuschen!“ Rufen mich meine Leute ab und an. Really. Ich schwöre. Und ich kann ihre Wortwahl kaum fassen. Dass Menschen so mit Sprache umgehen. Mich bewusst klein machen. Und dann auch noch gleichsetzen mit meinem Lieblings-Futtermittel: Maus.

    Einem Tierchen auch noch, dass Menschen gemeinhin eher meiden. Oft sogar brutal töten. Oder zumindest schreiend vor ihm fliehen. Sogar meine Nuria. Warum sie mich dann so nennen – raffe ich nicht. 

    Nun, sie sind eben absurd. Die Menschen. Und ich muss auch nicht alles raffen. Denke ich so. In meinem Chillmodus auf meinem Lieblingsmedium, der Zeitung. Auf der ich mich rekle. Dass es nur so raschelt. Und trotzdem dringt US-Präsident Trump zu mir durch.

    Der in seiner Wut auf die iranische Regierung, die in dem Krieg einfach nicht klein beigeben will und anders als von ihm gewünscht, gar nicht daran denkt, auf Verhandlungen einzugehen, diese nun als Tiere bezeichnet. Um damit zu rechtfertigen, warum Angriffe auf Kraftwerke und andere Infrastruktur in dem Land keine Kriegsverbrechen seien. Vielmehr seien es Kriegsverbrechen, wenn man dem Iran erlaube, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen.

    Sagt Trump. Und genau deswegen werde ab morgen jede Brücke und jedes Kraftwerk zerstört sein, wenn bis dahin nicht die Straße von Hormus endlich wieder frei für den Schiffsverkehr sei. Sicher sei, im Falle eines großen Bombardements werde der Iran 100 Jahre benötigen, um das alles wieder aufzubauen. Bellt der Mann mit den orangenen Haaren weiter.

    „Steinzeit, ja Steinzeit“, wütet er. Während ich spüre, wie mich alles, aber vor allem seine Wortwahl triggert: Dass er die Iraner als Tiere bezeichnet. Und dass das ja suggeriert, dass Tiere etwas weniger Wertvolles als Menschen wären – und damit ein Krieg gegen ihre Anführer und sie ok wäre. 

    Klar, Sprache ändert sich ständig. Die Großeltern meiner Bruna beklagen sich, sie verständen ihre Enkel kaum noch – nicht nur wegen ihres immer schlechteren Hörvermögens, sondern auch wegen der Ausdrucksweise der jungen Leute. Und Karl, der Cousin meiner Bruna, erklärt geduldig, Begriffe wie „Bro“, „cringe“, „Aura“ oder „flexen“.

    Opa Volker schüttelt sein weises Haupt, meint, damals, in den 50er und 60er Jahren habe es Jugendsprache noch nicht gegeben. Was Oma Lina lachend widerlegt. „Hey Typ, lass uns mal gammeln. Und danach hotten gehen.“ Das sei dufte. Super. Hammer. Sagt Oma Lina. 

    Hammer ist es leider nicht so für mich. Meine Leute quälen mich weiter. Mit Worten. „Mäuschen“, ruft mich meine Bruna nun, die sich übrigens des Öfteren schon beklagt hat, von ihrer Geigenlehrerin ebenso bezeichnet zu werden. Es steigert sich: „Mieze, komm mal her“. Höre ich es nun tönen.

    Alta, geht’s noch? Ich bin doch kein niedliches, verhätscheltes Schoßkätzchen. Und bleibe liegen. Auf meiner Zeitung. Sagt der gedemütigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Achtet darauf, wie ihr etwas sagt. Und chillt, Leute!“ 

  • 5. April 2026

    Der 87. Geburtstag und die Zunge der Biene

    Erst mal die Lage checken – und dann urteilen. Denke ich so. Als ich mal wieder vom hyperventilierenden Felix höre. Der completely sauer ist. Völlig unbegründet, natürlich. Denn er denkt, meine Bruna und meine Nuria würden sich vor Arbeit drücken. Die er ihnen auftragen wollte – Tischdecken, Tellertragen etc.pp.

    Dann sitzen sie alle zusammen – zu elft – am Tisch. Meine family und die vom Onkel meiner Alea aus Gießen. Weil die Oma meiner Bruna Geburtstag hat: 87. Meine beiden Mädels überreichen ihrer Oma Lina als Geschenk ein selbst gemaltes Porträt, das mich zeigt. Mit Fell aus Noten. Oma Lina ist voll begeistert.

    Und meine Nuria und meine Bruna erzählen, die letzten Abende, bis gerade eben, hätten sie zusammen an dem Werk gearbeitet. Alle beeindruckt. Und Felix nun rot vor Scham. Bis ihm die Tränen der Rührung über die Wangen laufen. Die ich gerne weglecken würde. Wenn ich es könnte. Dazu gleich mehr. 

    Also: Wieder mal birthday. Meine Leute sind dazu weit weg gefahren von mir. Nach Hahnenklee bei Goslar. Um zu feiern. Ohne mich. Ohne Coco. Keine Ahnung, warum sie uns ignorieren. Ich keine Tränen lecken kann.

    Sie dafür aber Kröten huldigen. Die sie bei ihren Harzwanderungen treffen und über Wanderwege tragen. Weil die zum Laichen zu den Teichen wollen. Und meine Leute so: Eigentlich voll eklig, die Viecher. Iiih. Und ich denke so: Was für ein Bodyshaming. Dieser Stadtkinder. 

    Später sind sie bei den Bienen des Großonkels meiner Alea. Walter liebt diese Insekten. Und erzählt, er habe ein Experiment gemacht und Zuckerwasser auf seinen Tisch auf der Veranda gestellt. Eine Biene habe er geholt, an das Wasser gesetzt und gesehen, wie diese dieses Wasser mit ihrer Zunge – ja: Zunge, Bienen haben Zungen. Offenbar! – Geleckt habe und wenige Minuten später seien dann viele andere Bienen gekommen, nach und nach, immer mehr.

    Hunderte. Bis schließlich auf dem Behälter ein Schwarm gesessen habe. Und Walter so: Mit ihrem Schwänzteltanz könnten die Bienen ihren Mitbienen ganz genau den Standort der Leckerei anzeigen. Sie seien unfassbar schlau, die Bienen. Und dass die Drohnen – also männlichen Bienen – aus dem Bienenstock geworfen würden, zeige eben, dass die Natur nicht grundsätzlich das männliche Geschlecht bevorzuge.

    Matriarchat eben. Schlau. Erst Lage checken, dann rausschmeißen. Denke ich so. Und wüsste, wenn ich aus meinem Revier werfen würde. 

    Dien Erlösung. Denke ich so. Sollte heute unbedingt sein. Am Geburtstag von Oma Lina. Der auf Ostersonntag fällt. Der Wiederauferstehung von Jesus. Und ich spüre Frieden in mir. Genieße die Ruhe. Die Einsamkeit. In meiner Küche. In der Sonne. Sagt der erleuchtete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid demütig. Und chillt, Leute!

  • 4. April 2026

    Eine Würdigung der Ratte, denk mal!

    Denkmal! Denk! Mal! Was für ein Wort. Ein Denkmal, erbaut, um Menschen, deren Leben andere Menschen gut fanden, zu würdigen. Und nun ist was Krasses passiert: In Kambodscha ist nicht ein Mensch, sondern ein Tier mit einem Denkmal geehrt worden. Und dann noch ein Tier, das die Menschen gemeinhin gar nicht so cool finden: Eine Ratte. Und ich denke so: Denk! Mal!

    Yes: Tatort: Kambodscha. Da ist eine Afrikanische Riesenratte mit dem Namen Magawa, die schon vier Jahre tot ist, postum mit einem 2,20 Meter hohem Denkmal geehrt worden. Warum heute? Weil heute der internationale Tag der Minenaufklärung ist. Und Kambodscha ist ein Land, das mit Minen verseucht ist.

    Ende der 1970er gab es da einen Bürgerkrieg, in dem Millionen Minen verlegt wurden. Wo, das weiß keiner. Da es keine Karten oder Aufzeichnungen gibt. Es weiß auch niemand, wie viele Minen noch im Boden sind – klar ist nur, es ist zu gefährlich, in manchen Gegenden Felder zu bestellen, Siedlungen hochzuziehen oder Kinder spielen zu lassen,. 2024, so sagen Experten, seien rund 6.200 Minenopfer registriert worden, weltweit. Von ihnen seien fast 2.000 tödlich verletzt worden.

    Und Magawa? War top. Weil Ratten eben durchaus nicht nur lecker sind, sondern auch intelligent. Und sich devot dem Menschen unterordnen., Sagen zumindest Menschen. Diese Hamsterratten also lassen sich sogar an Leinen führen. Über kontaminierte Felder. Bis sie den Sprengstoff erschnüffeln.

    Dann beginnen sie zu scharren – als Zeichen dafür, dass da Sprengstoff liegen könnte. Und klar, Ratten eignen sich auch hervorragend dafür, weil sie zu leicht sind, um die Minen auszulösen. Und dann auch noch schnell genug, um größere Flächen abzusuchen – 30 Minuten brauchen sie für ein Gebiet in der Größe eines Tennisplatzes. 

    Toll, die Ratte, denke ich so. Denke an Laura. Die eben von der Mutter eines schwierigen, äußerst introvertierten jugendlichen psychiatrischen Patienten erzählt. Die habe im Gespräch mit ihr gesagt, ihr Sohn, sei eben ein Opossum. Opossum. Really, denk mal.

    Nun, Laura sagt, sie habe sich alle Mühe gegeben, nicht loszulachen. Habe dann die KI gefragt, was ein Opossum sei, für was es stehe. Die Antwort: Eine nachtaktive Beutelratte sei das. Die dafür stehe, eher passiv zu sein – inspiriert von ihrem Verhalten, sich des Öfteren tot zu stellen.

    Nun, ich lebe. Bin ein Kater. Stolzer Chiller. Liege auf dem Küchentisch. Neben meiner Bruna. Welch Harmonie. Denk Mal! Denke ich so. Erbaut es für mich. Das Denkmal. Why not? He, he. Lacht der gediegene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt, würdigt die Ratte, und chillt, Leute.!

  • 3. April 2026

    Katzen-Jesus Coco und der sterbende Wal

    Karfreitag ist heute also. Und ich so: Im ersten Moment: Nice, Tag für Katzen, oder was? Um dann aber doch extrem schnell zu realisieren – no: Car, nicht: Kat-Freitag. Also eher ein Gedenktag im Zusammenhang mit Autos, denke ich so – als englisch-affiner Kater. Und glaube, auch den Grund zu wissen: Car-frei-Tag – ein autofreier Freitag also angesichts der durch den Iran-Krieg ausgelösten Energiekrise. Not so bad.

    Merke dann aber: Auch falsch, düsen noch zu viele Cars vor meinem Revier rum. Und erfahre durch meine Alea: Karfreitag habe etwas mit Christentum zu tun. Die Vorsilbe Kar stamme aus dem Althochdeutschen und bedeute Kummer. Weil vor rund 2000 Jahren Jesus an einem Freitag ans Kreuz genagelt worden und für die Menschen gestorben sei – für deren Sünden. Und ich denke so: Großartig. Nur blöd, dass sie leider weiter sündigen. Ohne Ende. 

    Unermesslicher Kummer also. Nicht nur über Despoten, Kriege, Morde, Heimtücke, Verbrechen. Sondern auch im Kleineren – wo sich der Charakter des Menschen manches Mal besonders eindrucksvoll offenbart: Wieder mal zu sehen exemplarisch an jenem Buckelwal, der in der Ostsee gestrandet ist – und dem dadurch ausgelösten Verhalten des Menschen.

    Da gibt es die offensichtlich Guten, die diesem Wal helfen wollen, zunächst seinen Weg zurück aus der Ostsee in den Atlantik zu finden. Und nach mehrfachen Rettungsaktionen dann irgendwann einsehen, dass der Wal offensichtlich todkrank ist und sterben will. Das wiederum versetzt viele Walfans in Kar – also Kummer.

    Einige so extrem, dass sie nun tatsächlich die Helfer bedrohen, sogar mit Mord. Und ich reflektiere: Wegen eines Wals, der im Sterben liegt, attackieren Menschen Menschen, die ihn erlösen wollen. Während zugleich anderswo Surfer gegen Wale prallen und sich dabei verletzen. Und wieder anderswo Wale gejagt werden. Einige elendlich in von Menschen ausgelegten Netzen verrecken. Alles absurd. Ein wahrer Kartag für mich. Leiden am Menschen. 

    Aber auch heute gibt es plus Aura. Dank meiner Coco. Die ich heute tatsächlich mal aufrichtig bewundere. Weil sie menschliches Verhalten subtil und bildlich karikieren kann. Ironisieren, um aufmerksam zu machen. Denke ich so.

    Also: Sie liegt auf dem Schoß meiner Alea. Dreht sich auf ihren Rücken., Streckt ihre Vorderpfoten nach oben. Sieht aus wie eine gekreuzigte Katze ohne Kreuz. Katzen-Jesus am Karfreitag. Hoffentlich ist das keine Blasphemie. Will nicht in der Hölle schmoren. Sagt der erleuchtete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tut Buße. Lebt euren Kummer. Und chillt, Leute! 

  • 2. April 2026

    Sehnsuchtsort Vollmond und die Leiden der jungen Laura

    Völlig losgelöst. Von der Erde. Bin ich manchmal. Wenn ich springe. Und die Schwerkraft nicht mehr zu existieren scheint. Für mich. Ich meinen Moon sehe. Näherkommend. So golden-gelb. Ein verführerischer Chillort. Vor allem, weil der Mond eben ohne Menschen ist. Denke ich so.

    Während ich dann doch wieder auf die Erde zurück platsche. Leider. Und bin really entsetzt. Als ich sehe. Eine Rakete, die Artemis 2, startet. Von Cape Canaveral in Florida. Mit vier Menschen drin. Richtung Mond. Meinen Sehnsuchtsort. 

    Zum ersten Mal seit 1972 machen Menschen das wieder. Sich selbst dem Mond nähern. Sie wollen erst mal nicht drauf, nur drumrum fliegen. Und sogar einige Tausend Kilometer dann vorbei – womit sie dann so weit weg von der Erde wären wie Menschen nie zuvor. Toll, denke ich so. Was haben sie davon?

    Ich weiß es nicht. Spüre in meinen Gedanken plötzlich Laura über mich stolpern. Tut weh, aber sie flucht nun eben diesen, meinen Mond an. Dieser lasse sie wieder mal nicht schlafen. Es sei schon kurz nach vier. Und sie heult den Vollmond an. Dessen heller Schatten sich plötzlich verdunkelt.

    Denn: Seine Silhouette wird gekreuzt von eben dieser Artemis 2. Die nun diesen Mond zweiteilt wie auch dessen Schatten. Und Lauras Gesicht entspannt sich. Der Vollmond ist zerstört. Von Artemis. Und sie wendet sich glücklich ab. Ruft: Danke, Rakete, Mond schwinde. Torkelt ins Bett. Schläft. Tatsächlich. 

    Die Rakete gegen menschliche Schlaflosigkeit also. Denke ich so. Die mit rund 30.000 Stundenkilometern durchs All rast. Um zum 400.000 Kilometer entfernten Trabanten zu gelangen. Zehn Tage soll der Flug dauern. Und ich überlege, was die Rakete so an Treibstoff verballert. In Zeiten, in denen in Bangladesch fürs Volk kein Benzin mehr da ist. In Zeiten, in denen der Klimawandel sich immer stärker beschleunigt. 

    Wahrscheinlich sollte ich das eine nicht gegen das andere ausspielen. Denke ich so. Ist doch gut, wenn Laura wieder schlafen kann. Und die Wissenschaft Fortschritte macht. Irgendwelche. Jedenfalls so, dass ab 2028 die Menschen dann wirklich wieder richtig auf dem Mond landen und da dann rumlaufen können.

    Und das, so träume ich so, könnte auch meine Chance sein. Da einfach mal mitzukommen. In der Rakete. Wie dereinst die Hündin Laika, die mit den Russen ins All mitflog. Klar, die starb kurz nach dem Start. War aber ja auch nur ein Köter.

    Nun, ich will zu meinem Sehnsuchtsort kommen. Oder vielleicht sogar noch weiter. Zum Mars. Wo Mensch auch hinstrebt. Völlig losgelöst. Wie der Major Tom. You know? Sagt der träumende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt, liebt euren Sehnsuchtsort. Und chillt, Leute!

  • 1. April 2026

    High Noon an Tankstellen, für Trump und mich

    12 Uhr. High Noon. Meine Zeit: In der ich am liebsten auf dem Sessel abhänge. Chill as chill can eben. Und natürlich gibt es da auch diesen Western, der eben so heißt, also High Moon – oder übersetzt: 12 Uhr mittags. Ich liebe diesen Streifen. Obwohl er fast 75 Jahre alt ist. Aber eben krass cool. Rumballerei, Liebe, Hass, Angst, Mut, Böse, Gute, menschliche Abgründe. Alles drin. Für meinen Geschmack.

    Nun: Heute ist High Noon in Deutschland angesagt. Und das ist echt cringe: Weil es um Preise geht. An Tankstellen. Die bislang manchmal 22 Mal am Tag hin- und herflippten. Ab heute dürfen die Preise nur noch einmal am Tag – um 12 Uhr mittags – erhöht werden. Senkungen sind weiter möglich.

    Aber: Wie die Bösen im Western Rache schwören, so ist das bei den vermeintlich Bösen auch in der Realität: Die Ölkonzerne wissen sich zu wehren. Und ihre Rache ist leicht durchschaubar: Sie erhöhen die Preise dann eben um 12 Uhr mittags besonders heftig. Immerhin: Es fließt kein Blut. Noch nicht. 

    Ob es für die Autofahrer durch diese vom Staat verordnete Maßnahme nun günstiger wird? Wahrscheinlich nicht. Denke ich so. Aber auf jeden Fall übersichtlicher. Das Volk aber murrt trotzdem. Wie im Western. Wenn der Held sie zum Mitmachen, zu Neuem auffordert. Volk ist eben Volk. Denke ich so. Egal ob real oder fiktional. Volk ist oft einfach tumbe Masse – und immer unzufrieden. Und genervt. Im Film: Von Banditen.

    Im Realen: Von Kriegen, hohen Preisen, Pseudo-Aktivitäten des Staats. Und von US-Präsident Trump. Der der eigentlich Schuldige ist. Für die hohen Preise. Denn er hat zusammen mit Israel den Iran angegriffen. Der daraufhin die für den Schiffsverkehr eklatant wichtige Straße von Hormus sperrte. Womit kein Öl und Gas mehr durch die Meeresstraße transportiert werden kann. Und die Preise steigen. Und steigen. 

    Also ist Trump der Oberschurke. Denke ich so. Scheint zu stimmen: Denn er versucht nun, seine Verbündeten zu erpressen. Indem er die Nato-Mitgliedschaft seines Landes infrage stellt. Die Verbündeten würden den USA ja auch nicht im Iran-Krieg helfen. Warum sollten die USA ihnen dann noch helfen? Fragt er.

    Und ich denke so: Jo mei, warum auch sollte die Nato den USA im Iran-Krieg helfen? Einen Krieg, den die USA und Israel ohne jedwede Konsultation mit den Verbündeten anfingen. Ein Krieg, der nicht vom Völkerrecht gedeckt ist. Und der auch keinen Verteidigungsfall darstellt – und nur für einen solchen käme ein Nato-Einsatz überhaupt infrage. Trump sind solche offenbar „Details“ egal. Er will das Öl wieder fließen sehen. Denke ich so. Durch die Straße von Hormus.

    Das könnte dann natürlich auch wieder positive Auswirkungen auf deutsche Tankstellen haben. Beziehungsweise die Sprit-Preise. Allein: Ich glaube nicht an ein Happy End wie im Western. Wo der Held die Stadt von den Banditen befreit. Sagt der realistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt High Noon. Und chillt, Leute!

  • 31. März 2026

    Todesstrafe in Israel im Wolfsrausch

    Jeder dürfte wissen, dass ich kein Hundefreund bin. Und natürlich erst recht kein Wolfsfreund. Was aber derzeit dem plötzlich in der Hamburger Innenstadt aufgetauchten Wolf widerfährt, erweckt sogar mein zartes Mitgefühl: Das arme Tier verläuft sich auf seiner Suche nach einem Revier in einem Einkaufszentrum und stößt dort immer wieder gegen eine Glasscheibe.

    Gerät noch mehr in Panik, als eine Frau näher kommt – denn: auch Wölfe fürchten und meiden Mensch. Kurz: Wolf rafft nicht, dass die Frau ihm nur helfen will. Und beißt sie, bevor er in die Alster flüchtet und da geschnappt wird. Nun wird er gehasst – von vielen Menschen. Weil er der erste Wolf ist, der seit der Wiederansiedlung in Deutschland vor 28 Jahren einen Menschen gebissen hat. Und damit offenbar Urängste vor dem bösen Wolf auslöst.

    Nun wird gar erwogen, ihn zu töten. Und ich bin irritiert: Dass da ein Wolf so gehatet wird, während Medien und viele Menschen zugleich einen nicht weit vom ihm entfernt auf Sandbänken in der Ostsee mit seinem Leben kämpfenden Wal lieben. Ihn Timmy taufen. Kann Wolf vergessen. Dass er geliebt wird. Oder gar liebevoll getauft wird.

    Höchstens vielleicht Alster-Isegrim oder so. Nun – das wird Wolf wumpe sein. Und auch wenn die von ihm verletzte Frau längst aus dem Krankenhaus entlassen ist: Die Todesstrafe ist für den Wolf – zur Beruhigung des Volks – nicht ausgeschlossen.  

    Er kann von Glück reden, dass er nicht in Israel lebt. Denke ich so. Denn dort hat das Parlament nun die Wiedereinführung der Todesstrafe beschlossen. Allerdings: Davon betroffen sollen nur die Palästinenser sein. Und wahrscheinlich auch Wölfe. Denke ich so. Ausdrücklich nicht betroffen: Israelis.

    Wenn im von Israel besetzten Westjordanland also ein israelischer Siedler einen Palästinenser erschießt, droht ihm keine Todesstrafe. Andersrum – wenn ein Palästinenser dort einen Siedler erschießt, wird der Täter aber getötet. Palästinensischer und jüdischer Terrorismus werden also unterschiedlich gewertet. Klarer Fall von Rassismus, denke ich so.

    Und überhaupt Todesstrafe – welch Rückfall in die Barbarei. Unmenschlich, erniedrigend und dann auch noch wirkungslos – zumindest zeigen Studien, dass die Todesstrafe auf potentielle Täter keine abschreckende Wirkung haben soll. 

    Klar, ist verlockend, Morde mit gleicher Münze heimzuzahlen. Ich räume ein, auch ich verspüre Aggressionen in mir, gar Mordlust, wenn Coco trotz meines drohenden Knurrens versucht, meinen Platz zu erobern. Und ich sie beiße. Bevor ich dann aber zurückziehe. Weil ich weiß, das bringt nichts. Außer Hass.

    Auch meiner Leute. Die Coco scheinbar irgendwie  mögen. Und traurig wären, wenn ich sie tot bisse. Also: Peace. Ruhe. Die zivilisatorischen Errungenschaften meiner Vorkater aufrecht erhalten. Amen.

    Und so steigt auch meine die Hoffnung für den Wolf. Er ist in einer Wolf-Auffangstation untergekommen. Während Timmy in der Ostsee schon wieder gestrandet ist. Er sei sehr schwach. Sagen Tierärzte. Und die Menschen in meiner Republik leiden. Sagt der wolfige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wertschätzt den Wolf. Und chillt, Leute!

  • 30. März 2026

    Wal, Wolf, Lachs: Was wirklich wichtig ist

    Was sind so die wichtigen Dinge? Und wer entscheidet, was wichtig ist? Frage ich mich so: Und glaube zu wissen: Ich, ich, ich. Ist natürlich nicht so: Komische Mehrheiten müssen es sein. Die darüber richten. Denke ich so, als ich die Top-News sehe.

    Numero uno: Und er bewegt sich doch: Der bereits mehrfach in der Ostsee gestrandete und bereits mehrfach ebenso befreite Buckelwal hat sich mal wieder befreit. Die unendliche Geschichte oder was? Numero due: Wolf beißt Frau in Hamburgs Innenstadt und wird gefangen. Deutschland verfällt in Schnappatmung. Was wohl bedeutet: Mensch steht auf Tier. Wenn er es nicht gerade frisst.

    Cringe. Denn es gibt auch ganz andere Storys. Zum Beispiel aus der Ukraine. Da sterben durch russische Raketen weiter täglich zig Menschen. Und es gibt auch Geschichten, die das Leid mal anders erzählen: Beispielsweise aus Sicht  afrikanischer Soldaten. Die auch dabei sind. An der Seite der Russen. Sie wurden in Ländern wie Kenia, wo es kaum Jobs gibt, von Russen angeworben.

    Die ihnen versprachen, in Russland als Koch oder Fahrer zu arbeiten – für ordentlich Geld. Kurz darauf hielten sie dann aber Kalaschnikows in den Händen. In wenigen Wochen wurde ihnen erklärt, wie die Waffen, wie der Krieg funktioniert – auf Russisch. Was sie nicht verstanden. Dann wurden sie an vorderste Front verlegt. Kanonenfutter. Wer Glück hat, wird mittelschwer verwundet, kommt als Invalide irgendwie zurück in die Heimat. Wo diese Menschen dann traumatisiert sind.

    Allein: Storys dieser Art interessieren nicht groß. Wie auch diese über Bangladesch. Hier sind mehr als 170 Millionen Menschen tatsächlich und richtig betroffen von Irans Sperrung der Straße von Hormus. Es gibt kaum noch Öl. Es fehlt auch Gas – zum Kochen. Vor den Tankstellen sind kilometerlange Schlangen. Die Universitäten haben dicht gemacht, um Energie zu sparen. Ungewiss, wie lang die Textilindustrie noch arbeiten kann. Aber auch diese Story über Leid interessiert nicht groß. 

    Offenbar, weil da ja der Wal in der Ostsee ist. Mit seiner Hautkrankheit. Soll er in Ruhe gelassen oder getötet werden – oder soll doch versucht werden, ihm einen Weg Richtung Atlantik zu zeigen? Darüber debattiert das Land.

    Und nun kommt auch auch noch der böse Wolf dazu. In der Hamburger Innenstadt. Was soll mit ihm geschehen? Todesstrafe? Klar, ich will ihm nicht begegnen. Aber mein Revier ist ja auch sicher. He he.

    Ich schnuppere und weiß plötzlich, was wirklich wichtig ist. Allen wichtig ist: Essen. Gutes Essen. Coco hat schon die Pole-Position. Direkt am Herd. Vor Gnocchi und Lachs. Buon appetito!. Sagt der wolfshungrige Hauptstadtkater,. Der über euch wacht. Und jetzt: Haut euch erst mal den Bauch voll. Und chillt, Leute!