Der 87. Geburtstag und die Zunge der Biene

Erst mal die Lage checken – und dann urteilen. Denke ich so. Als ich mal wieder vom hyperventilierenden Felix höre. Der completely sauer ist. Völlig unbegründet, natürlich. Denn er denkt, meine Bruna und meine Nuria würden sich vor Arbeit drücken. Die er ihnen auftragen wollte – Tischdecken, Tellertragen etc.pp.
Dann sitzen sie alle zusammen – zu elft – am Tisch. Meine family und die vom Onkel meiner Alea aus Gießen. Weil die Oma meiner Bruna Geburtstag hat: 87. Meine beiden Mädels überreichen ihrer Oma Lina als Geschenk ein selbst gemaltes Porträt, das mich zeigt. Mit Fell aus Noten. Oma Lina ist voll begeistert.

Und meine Nuria und meine Bruna erzählen, die letzten Abende, bis gerade eben, hätten sie zusammen an dem Werk gearbeitet. Alle beeindruckt. Und Felix nun rot vor Scham. Bis ihm die Tränen der Rührung über die Wangen laufen. Die ich gerne weglecken würde. Wenn ich es könnte. Dazu gleich mehr.
Also: Wieder mal birthday. Meine Leute sind dazu weit weg gefahren von mir. Nach Hahnenklee bei Goslar. Um zu feiern. Ohne mich. Ohne Coco. Keine Ahnung, warum sie uns ignorieren. Ich keine Tränen lecken kann.
Sie dafür aber Kröten huldigen. Die sie bei ihren Harzwanderungen treffen und über Wanderwege tragen. Weil die zum Laichen zu den Teichen wollen. Und meine Leute so: Eigentlich voll eklig, die Viecher. Iiih. Und ich denke so: Was für ein Bodyshaming. Dieser Stadtkinder.
Später sind sie bei den Bienen des Großonkels meiner Alea. Walter liebt diese Insekten. Und erzählt, er habe ein Experiment gemacht und Zuckerwasser auf seinen Tisch auf der Veranda gestellt. Eine Biene habe er geholt, an das Wasser gesetzt und gesehen, wie diese dieses Wasser mit ihrer Zunge – ja: Zunge, Bienen haben Zungen. Offenbar! – Geleckt habe und wenige Minuten später seien dann viele andere Bienen gekommen, nach und nach, immer mehr.

Hunderte. Bis schließlich auf dem Behälter ein Schwarm gesessen habe. Und Walter so: Mit ihrem Schwänzteltanz könnten die Bienen ihren Mitbienen ganz genau den Standort der Leckerei anzeigen. Sie seien unfassbar schlau, die Bienen. Und dass die Drohnen – also männlichen Bienen – aus dem Bienenstock geworfen würden, zeige eben, dass die Natur nicht grundsätzlich das männliche Geschlecht bevorzuge.
Matriarchat eben. Schlau. Erst Lage checken, dann rausschmeißen. Denke ich so. Und wüsste, wenn ich aus meinem Revier werfen würde.

Dien Erlösung. Denke ich so. Sollte heute unbedingt sein. Am Geburtstag von Oma Lina. Der auf Ostersonntag fällt. Der Wiederauferstehung von Jesus. Und ich spüre Frieden in mir. Genieße die Ruhe. Die Einsamkeit. In meiner Küche. In der Sonne. Sagt der erleuchtete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid demütig. Und chillt, Leute!







































