Autor: Hauptstadtkater

  • 26. März 2026

    Rettersyndrom und Wal-Menschen

    Manchmal blitzt auch im Menschen das Gute auf. Das Retter-Syndrom. Oft weniger im Umgang mit Artgenossen. Sondern vielmehr mit Tieren. Jedenfalls jenen, die sie nicht futtern. Und die hilflos sind. Wie ein junger Buckelwal, der vor einigen Tagen auf einer Ostsee-Sandbank vor Timmendorf Strand gestrandet ist.

    Wo er definitiv nicht hingehört. Deswegen sind Bagger da, die Rinnen ausheben, damit sich das rund 12 Meter lange und 15 Tonnen schwere Tier freischwimmen kann. Via Nordsee, Richtung Atlantik. Wo der Wal hingehört.

    Sein Schicksal bewegt nicht nur meine Leute. Sondern das ganze Land. Es gibt tatsächlich Liveblogs, selbst US-Zeitungen berichten. Und es sind Hunderte Schaulustige da, zig Journalisten, Kamerateams und Fotografen und sehen die Fontänen, die der Wal ausstößt. Hören seine Geräusche, die wie Stöhnen anmuten. Und unvermeidlich: Auch Politiker lassen sich ablichten. 

    Plus Aura für die Retter. Denke ich so. Warum aber nur retten Menschen nie mich? Vor Coco? Vor zu viel Zärtlichkeiten? Immer muss ich retten. Trost spenden. Wenn meine Bruna schlechte Mathearbeiten schreibt. Mein Diego Kot seiner jungen Schwimmschüler nach der Übungsstunde aus dem Becken angeln muss. Meine Laura von ihren jugendlichen Patienten beschimpft wurde.

    Oder ich muss die Großeltern meiner Alea unterhalten. Weil Lina und Volker es offenbar für artgerecht halten, Leckerli zu werfen. Die ich dann kötergleich apportieren soll. Nun – wo Gute, wo Retter sind, muss es auch die Schlechten, die Zerstörer geben. Wie US-Präsident Trump. Der nun behauptet, es werde mit dem Iran verhandelt, um den Krieg zu beenden. Der Iran flehe darum. Und der Iran so: Verspottet Trump.

    Man wisse nichts von Verhandlungen. Offenbar gehe es den USA mittlerweile so schlecht, dass man mit sich selbst verhandele. Woraufhin Trump das Ultimatum an den Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, ein zweites Mal verschiebt – vom 28. März auf den 6. April. 

    Zu den Schlechten zählt auch Kremldespot Putin. Der schießt weiter auf die Ukraine – und kämpft gegen sinkende Geburtenraten in seinem Land. Frauen, die keine Kinder wollen, sollen in Russland künftig zu einem Psychologen gehen. Mit dem Ziel, eine positive Einstellung zur Geburt von Kindern zu bekommen.

    Ich zweifle, ob das klappt. Dann doch eher einen Pflichtkater für jeden. Zur Tiefenentspannung. Vor der Kinderzeugung. Oder so. 
    Wie krass, denke ich so. Sehe meine beglückte Bruna. Gepusht durch mich – und ein grooviges Konzert, das sie mit ihrem Sinfonieorchester gab. Chatschaturjan und Bernstein. Sowjetunion und USA. Bäng! Geht doch.

    Tut gut, mal nicht Retter sein zu müssen. Finde ich. Gilt auch für Coco. Die absolut entspannt auf dem Sessel chillt. Yes, wir wirken. Wecken das Gute. Positive Energie. Sagt der mächtige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Beobachtet den Wal. Und chillt, Leute! 

  • 25. März 2026

    Schaut auf diese Kater oder Ode an die Entschleunigung

    Kurios, schrill, lustig, überraschend – und vor allem kurz und schnell vermittelt müssen Inhalte sein, um heute noch wahrgenommen zu werden. In einer Welt, in der Online-Plattformen wie TikTok und Instagram den unruhigen Takt vorgeben. Und in der ständig neue Skandale, Kriege, Konflikte oder auch Trends hyperventiliert werden. Seh- und Lesegewohnheiten wie auch Inhalte verändern sich rasant.

    Was nicht wirklich gut ist, denke ich so: Denn vieles wird nicht mehr gesehen. Weil einfach die Zeit und die Geduld fehlen. Die für Erkenntnis und Erkennen unabdingbar sind. 

    Womit ich wieder mal bei mir bin. Und Coco. Und unseren Artgenossen. Den Meistern des Abwartens. Der Geduld. Ohne die wir nie etwas fangen würden. Keine Fliege am Küchenfenster. Geschweige denn eine Maus draußen. Denn Erfolg ist uns nur gegönnt, wenn wir lange genug gewartet haben, um den perfekten Moment für den Kill anzusetzen.

    Kurz, mein Appell: Mensch, schaut auf eure Katzen. Und Kater. Ohne Entschleunigung keine Beschleunigung. Denke ich so. Und sehe neue Menschen in meinem Revier. Die Großeltern meiner Bruna, Volker und Lina. Old school sind sie. Haben Geduld. Mit uns und unseren Ängsten. Vor dem Fremden. Und wir – tasten uns langsam vor. Nähern uns an. Und springen dann. Als sie die Leckerli auspacken. 

    Einer, der mit der Geschwindigkeit spielt, sie für sich ausnutzt, ist – wie könnte es anders sein? – trotz seines Alters US-Präsident Trump. Im wilden Staccato haut der mittlerweile 79-Jährige eine Ungeheuerlichkeit nach der anderen in die Welt hinaus – ob es nun neue Zölle sind, Grönland-Annexion, Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro, Abqualifizierung des ukrainischen Präsidenten Selenskyj oder Huldigung des Kremldespoten Putin.

    Es bleibt keine Zeit zum Lamentieren, geschweige denn zu Faktenchecks. Und wenn sie doch mal gemacht werden, können auch diese Checks gar nicht mehr wahrgenommen werden. Weil sie schon kein Thema mehr sind. Nicht mehr interessieren. 

    Ruhe also ist das oberste Gebot. In dieser atemlosen Welt. Was in der Natur gelingen kann. Haben meine Alten im Kino mit dem Dokumentarfilm „Flüstern der Wälder“ miterlebt. Beispiele gefällig?

    Erst nach langem Beobachten eines Baums werden nach und nach die Konturen eines Uhus sichtbar, der kaum von der Rinde zu unterscheiden ist. Um einen Luchs zu sehen, braucht es extrem viel Geduld. Wie auch für Hirsche. Und der kleine Zaunkönig mit seinem Gesang kann endlich gewürdigt werden – als weiteres Wunder der Natur. Ein Symbol für die Hoffnung. 

    Und ich? Habe Vertrauen zu Volker und Lina. Spüre ihre Ruhe. Spüre Plus Aura. Beziehungsweise Chillfaktor zehn von zehn. Sagt der entschleunigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt Langsamkeit. Und chillt, Leute! 

  • 24. März 2026

    Die enthüllte Coco ist (k)ein Kunstwerk und Zerstörung durch Deepfakes

    Die wrapped Coco ist enthüllt! Und steht wieder da in ihrer ganzen Pracht. Meine Bruna zog ihr in einem feierlichen Akt – zehn Tage nach der Eierstockvernichtung – den knallroten Body, der die klaffende Wunde schützte, aus. Darunter: Ihr plattgedrücktes Fell. Und plötzlich ist es ungewöhnlich, Coco so nackt zu sehen. Entblößt. Denke ich so. Und sehe, wie sich Coco rekelt und zu lachen scheint. Wenn sie es könnte. Quasi neugeboren.

    Und ich denke so: Verhüllen kann ja auch Kunst sein, Damals, vor 31 Jahren, brachten Christo und seine Frau Jeanne-Claude silberne Stoffbahnen über den Reichstag an – war eine krasse Aktion. Sagen meine Alten. Und viele hätten es damals schade gefunden, als das Bauwerk nach 14 Tagen wieder enthüllt wurde. 

    Und ich denke so: Ist Coco mit Body Kunst? Sollte sie es immer anhaben? Denn auch Menschen sind ja verhüllt. Meistens. Und wenn nicht, dann ist genau das das Aufsehenerregende. Es gibt vor allem männliche Artgenossen, die es offenbar cool finden, Bilder und Videos von nackten Frauen und Mädchen ins Internet zu stellen.

    Besonders perfide: Mittlerweile lassen sich per KI sogenannte Deepfakes erstellen – Videos und Fotos wirken täuschend echt, entsprechen aber nicht der Realität. Und so werden Artgenossinen durch KI nackig gemacht und in obszönen Posen gezeigt. Im Netz. 

    Eine Prominente namens Collien Fernandes hat nun ihren Ex-Mann Christian Ulmen beschuldigt, jahrelang gefakte Nacktaufnahmen von ihr im Netz veröffentlicht zu haben. Ein Schock. Für Felix beispielsweise. Für den die beiden Moderatoren und Schauspieler ein Traumpaar waren. Wie Freunde von nebenan.

    Offenbar empfinden viele andere Menschen ähnlich. Denn es folgt ein kollektiver Aufschrei. Tausende Menschen, vor allem Frauen, fühlen sich von Fernandes’ Schilderungen getriggert. Ich auch. Fühle Wut in mir. Auf die testosterongesteuerten Arschlöcher.

    Nun, trotzdem schweifen meine Gedanken auch zu Ulmen. Der sich zu dem seit fünf Tagen schwelenden Skandal noch nicht öffentlich geäußert hat. Gegen den bislang nur die Strafanzeige seiner Ex-Frau vorliegt. Gegen den noch nicht einmal ermittelt wird. Der aber nun durch die Hasswelle zerstört ist. Auch wenn sich doch noch herausstellen sollte, dass Fernandes gelogen haben sollte.

    Und ich denke an einen jüdischen Musiker namens Gil Ofarim. Der hatte 2021 einem Leipziger Hotelmitarbeiter vorgeworfen, ihn beim Einchecken antisemitisch beleidigt zu haben. Viele Menschen glaubten ihm. Weil es einfach zu passen schien – Judenhass in Sachsen. Bis sich herausstellte, dass die Story nicht stimmte. Puh, Vorverurteilungen eben… 

    Und ich denke so, doch gut, dass Coco befreit ist. Sie war kein Kunstwerk. Auch wenn es cool aussah. Ihr Body liegt nun achtlos in der Ecke. Laura will ihn wegschmeißen. Verhindert meine Bruna im letzten Moment, sie will ihn behalten.

    Für gut oder warum, frage ich mich so. Bekomme keine Antwort. Spüre aber trotzdem krasse Plus Aura. Denn: Coco ist fit. Die Sonne scheint. Chillfaktor zehn von zehn. Sagt der erleichterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verhüllt euch. Und chillt, Leute!

  • 23. März 2026

    Cello-Gott für Nuria Hoffnung – Hinsetzen und aufstehen

    Hoffnung. Meine Nuria ist enthusiasmiert. Befreit. Von trüber Welt. Nach einem Konzert. Eines Brückenbauers. Zwischen den Kulturen. Welten. Musikstilen. Ein Cellist aus Südafrika verzaubert sie mit seiner puren Lebensfreude, Ausstrahlung – kurz: Seiner Plus Aura.

    Dazu kommt natürlich sein Können. Und seine Kunst, aus verschiedenen Traditionen und Stilen etwas Neues zu kreieren. Genial. Sagt meine Nuria. Wie Abel Selaocoe da zusammen mit einem Percussionisten, einem Bassisten und einem Pianisten Klänge schuf, die sie bislang noch nie gehört habe. Schwärmt sie weiter. 

    Das elektrisch verstärkte Cello habe er nicht nur virtuos bestrichen, gezupft, gedreht und beklopft, sondern er habe auch gesungen. Dazu. Mal melodiös-sanft, dann rau, tief, eine Art Kehlkopfgesang, der anmutete wie der Sound eines Didgeridoos. Dem er dann noch krasse Beatbox-Rhythmen folgen ließ.

    Dazu immer locker, offen, open-minded. Er beschwört Frieden. Ruft zur Gewaltlosigkeit auf. Erinnert an seine langsam tanzende Mutter zuhause. Ein Gesamt-Kunstwerk. Cello-Gott eben. Denke ich so. So etwas gebe Hoffnung in düsteren Zeiten. Wie motivierend, dass so etwas doch noch funktioniere. Sagt meine Nuria.

    Selaocoe habe in verschiedenen Hinsichten Kulturen verbunden: Als Schwarzer spielte er ein klassisches Instrument der weißen Hochkultur, verwob Stimme und Instrument, verband klassisch europäische mit afrikanisch anmutenden Sounds. Jazz, Klassik, Afro. Mit seiner Band. Der Percussionist erzeugte Geräusche mit in Eimern abgefüllten Wasser, mit Klangstäben, mit Rasseln, mit Maultrommeln. Groß.

    Die vier Männer animierten das Publikum zum Mitsingen. Zum Tanzen. Ließen die rund 1.000 Leute im ausverkauften Saal – von 20 bis 80 Jahren jung – in andere Welten entschweben. Brüsk gestoppt und zurückgeholt in die Gegenwart, die Heimat durch eine Stimme, die plötzlich in die Stille rief: „Hinsetzen.“ In die ungläubige Ruhe die vielstimmige Antwort: „Aufstehen“. Was dann auch alle taten. Party. Sagt meine Nuria. 

    Viel Plus Aura also. Denke ich so. Sehe meine Bruna zurückkommen. Von ihrer Konfi-Freizeit, bei der sie als Teamerin dabei war. Viel Spaß hatte. Sagt sie. Mehr nicht. Aus Angst, hier zitiert zu werden. Nun: Ich sehe Diego – glücklich nach wohl bestandener Spanisch-Prüfung an der Uni. Alles gut also. Offenbar.

    Und ich? Chille weiter in der Sonne. Mit Coco. Chillfaktor zehn von zehn heute. Sagt der geflashte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Habt Hoffnung. Und chillt auch, Leute! 

  • 22. März 2026

    Irans Raketen kommen näher und der Bösewicht in Kater Murr

    So tun, als ob. Obwohl es eigentlich ganz anders ist. Die innere Befindlichkeit. Aber: Scheinen ist alles. Darin haben es Menschen zu einer wahren Meisterschaft gebracht. Die ich gar nicht so übel finde. Wenn es bei mir beispielsweise darum geht, ständig Lebensfreude versprühen zu müssen. Und diese zu übertragen. Auf, dass es anderen gut geht. Ist nicht so einfach. Weil ich mich eben sometimes auch cringe fühle.

    Doch: Genug gejammert, heute überwiegt tatsächlich die plus Aura. Weil: Krasse Sonne im Revier. Mein Pelz richtig nice erwärmt ist. Also: Chillfaktor zehn von zehn. Im Sonnenfleck auf den Zeitungen auf meinem Küchentisch. Und ja – es bleibt auch nice, als die ebenfalls durch die Sonne voll geflashte Coco zu mir hüpft. Und Körperkontakt sucht. Why not? Dann eben kämpfen. Macht. Voll. Spaß. In. Der. Sonne. Really. 

    US-Präsident Trump behauptet, der Krieg im Iran laufe optimal. Er werde bald vorbei sein. Weil die Führung des Mullah-Staates getötet worden sei, sie keine Raketen mehr hätten und ihr Atomprogramm danieder liege. Und ich denke so: Als ob. Denn: Der Iran schießt weiter zurück. Die Führung sagt, sie wolle Rache. Und plötzlich fliegen Raketen doppelt so weit wie die US-Experten bislang gedacht hatten: 4.000 Kilometer.

    Und da beginnen nun auch meine Leute wieder zu zittern. Plötzlich ist der Krieg doch viel näher als nur an den Zapfsäulen der Tankstellen, wo man plötzlich 30 Prozent mehr für eine Tankladung zahlen muss. Und das beunruhigt nun doch. Dass die Iraner nach Deutschland – zumindest auf den US-Stützpunkt Rammstein – feuern könnten. Mit ihrer Streumunition. Und Raketen, die nicht als sehr treffsicher gelten.

    Zugleich beantragt Trump beim US-Kongress einen Kredit von 200 Milliarden Dollar. Und ich frage mich so: Why? Wenn der Krieg doch fast vorbei ist – wie dieser Mann behauptet? Trump antwortet, sie Welt sei unanständig (ach nee!), es gehe nicht nur um den Iran (hups, um wen noch, Grönland oder Kanada, denke ich so). Außerdem seien die Munitionsbestände geschrumpft. Sagt Trump.

    Und sein Kriegsminister sekundiert: Natürlich koste es Geld, Bösewichter zu töten. Tatsächlich: Der Kriegsminister spricht von Bösewichtern.Und ich denke an Ponto, den Pudel, den Gegenspieler des Hauptkaters in Ansichten E.T.A. Hoffmanns Kater Murrs. Der war wirklich böse. Ein Verräter. 

    Trump hat noch ein weiteres großes Problem: Seinen Kriegs-Kompagnon, den israelischen Premier Netanjahu. Zwar behaupten beide, an einem Strang zu ziehen. Und ich denke so: Als ob. Denn ihre Ziele liegen auseinander. Netanjahu will den Iran zerstören. Er soll künftig keine Gefahr mehr darstellen für Israel. Deswegen lässt Netanjahu auch Gasfelder Irans bombardieren – und gefährdet die weltweite Energieversorgung.

    Die USA wollen das Atom- und Raketenprogramm Irans zerstören, aber keinesfalls die gesamte Golfregion in Brand setzen. Weswegen sie die Angriffe auf Gasfelder strikt ablehnen. Nun, Coco hüpft auf mich. Und ich denke so: Als ob. Haue zurück. Beiße in ihren roten Body. Der mittlerweile ziemlich löchrig ist. Mein Ziel: Sonnenplatz verteidigen. Plus Aura ohne Ende. Sagt der sich sonnende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tut so, als ob. Und chillt, Leute! 

  • 21. März 2026

    Gute-Laune-Kater schlägt iranische Reichweitenkönige

    Der Gute-Laune-Kater. Bin ich. Will ich sein. Fällt mir wirklich nicht schwer. Denn Coco stürzt auf mich. Leckt mit ihrer rauen Zunge mein Ohr. Bevor sie sich auf meinen Platz, aufs Fensterbrett setzt. Mit Blick in den Hof. Die kleine Welt. In der großen.

    Zu sehen ist: Nachbar Adler, der seinen Biomüll in die Biomülltonne schmeißt – mitsamt Plastikbeutel. Eine Ratte, die aus einer Tonne springt – mit Verpackung im Maul. Nachbarin Schwerte, die ihr Fahrrad aufschließt, ein anderes touchiert, woraufhin dieses und die drei daneben wie Dominosteine umkippen, bevor sie verschwindet. Dann: Meine Nuria, die in den Hof schreitet – und die Räder wieder aufstellt. Plus-Aura also. Absolut. 

    Dazu kommt heute: 

    • Chilltime um drei Minuten im Vergleich zu gestern auf 23 Stunden und sieben Minuten erhöht. 
    • Sonne
    • Meine Nuria ist zurück
    • Ich gönne: Coco meinen Lieblingsplatz. Auch wenn sie buckelt. 

    Und ich merke mal wieder: Alles ist ambivalent. Aber vielleicht ist genau das die Triebfeder fürs Leben, für Entwicklung. Auch wenn es mich müde macht. Da wird Kanzler Merz massiv kritisiert, dass er den USA nun doch entgegenkommen will und wie von US-Präsident Trump gewünscht militärisch in der Straße von Hormus helfen will. Anbiedernd sei das, Europa werde dadurch in den Krieg gezogen, einen Krieg, der nicht der Deutschlands sei.

    So hätte es geklungen, wenn Merz Trump wirklich zugesagt hätte. Hat er aber nicht. Im Gegenteil: Er hat überraschend deutlich klare Kante gezeigt und eine militärische Beteiligung Deutschlands ausgeschlossen. Und nun wird sich eben so ereifert, von denselben Menschen, die auch ein Entgegenkommen gehatet hätten: Was für ein Risiko, den US-Präsidenten gegen sich aufzubringen. Das könnte Trump dazu bringen, die US-Hilfen für die Ukraine zu beenden. Heißt es nun. Anstrengend. Denke ich so.

    Absolut minus Aura. Dazu kommt:

    • meine Nuria sagt, es heiße nicht Aura minus sondern minus Aura. Nicht Aura plus sondern plus Aura. Ist mir peinlich. Wenn schon, denn schon. Richtig anbiedern. An die GenZ.
    • meine Bruna ist noch immer weg.
    • Heute soll eine iranische Rakete rund 4.000 Kilometer weit geflogen sein, Richtung Indischer Ozean zu einer Insel, auf der britische und US-Streitkräfte stationiert sind. Passiert ist nichts. Aber bislang dachten die Strategen, iranische Raketen könnten höchstens 2,.000 Kilometer weit fliegen. Eine doppelte Reichweite würde bedeuten, dass auch Deutschland ins Visier geraten könnte.  Nicht so nice, die Vorstellung. Und ich spüre die Müdigkeit schon wieder. Was immerhin meine Chilltime erhöht. Sagt der genervte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid auch mal zufrieden mit etwas. Und chillt, Leute!

  • 20. März 2026

    Plus Aura: Ich liebe sie.

    Aura ist alles. Heute ist sie positiv. Frühling. Sonne. Wärme. Chilly also. Es geht also, positive Vibes trotz depressiver Weltlage. Und deswegen, ab heute die Rubriken: Aura plus versus Aura minus. Und, liebe Leute, seid versichert: Cool schlägt cringe. Und das ist so nice. Really. 

    Here you are, meine Aura plus von heute: 

    • starke Chilltime: 23 Stunden und vier Minuten.
    • Noch throne ich über Coco. 
    • Coco ist nach Eierstockvernichtung fast wieder die Alte: Springt auf mich. Leckt mein Ohr. 
    • Felix ärgert sich über die neuen Auswärtstrikots der deutschen Fußballnationalmannschaft: Blau. Gehe gar nicht, blau sei Italien, AfD. Und der Himmel. Denke ich so. Frohlockend. Ob seines Ärgers. 
    • Würstchen bekommen, obwohl meine Bruna weg ist. 
    • Menschen kämpfen für ihre Rechte: Selbst Journalisten – die von Deutschlands größter Nachrichtenagentur streiken. Für mehr Geld. Was für mich letztlich bessere – teurere – Streu bedeuten könnte. Die Hoffnung stirbt zuletzt.Oder so ähnlich. 
    • Rassismus schwindet – auch bei meinen Alten. Die heute in der Philharmonie einem schwarzen Solo-Cellisten zujubelten, der nicht nur am Instrument brillierte, sondern dabei noch sang. Aber klar: Aufsehen erregt ein Schwarzer an einem klassischen Instrument noch immer. 

    Mein Aura minus heute:

    • 56 Minuten nicht gechillt. 
    • Coco nervt. 
    • Meine Bruna ist weg. Als Teamerin betreut sie irgendwo in Brandenburg blöde Konfis. 
    • Israel hat im Iran eines der weltweit größten Gasfelder angegriffen. Der Iran schwört Rache. Und will seinerseits Gasfelder in den Golfstaaten attackieren. Weltweit steigen die Preise für Energie. Ende nicht in Sicht.
    • Die Russen schießen weiter Drohnen und Raketen auf die Ukraine. Ende nicht in Sicht. 
    • Irgendwelche blöden Journalisten wollen Banksy enttarnt haben. Und ich denke so: Die Welt braucht Geheimnisse, um kribbelnd zu sein. Positiv kribbelnd. Bloß nicht alles dechiffrieren. Vor allem nicht Banksy. Der vor allem wegen seines Geheimnisses um seine Identität so fesselt. 

    Was soll ich noch viel schreiben? Sehe das Schöne. Um zu leben. Sagt der erleuchtete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spürt Aura plus 100. Und chillt, Leute!

  • 19. März 2026

    Untergang durch Dekadenz und die Privilegien der Jugend. Basta!

    Wenn mir was weggenommen wird, wehre ich mich. Entweder subtil – mit Buckeln. Oder offensiv – mit Fauchen und Schlagen. Die subtile Botschaft funktioniert leider selten. Coco beispielsweise achtet nicht auf Buckel und klaut dann meine Leckerli. Wenn ich aber haue – schleicht sie sich.

    Traurig, denke ich so. Dass es nur so funktioniert. Mit Stärke. Ein Zivilisationsrückschritt. Bei uns Katern. Und Katzen. Auf die ganz offensichtlich menschliches Verhalten unheilvoll abfärbt. Denn: Was ja absolut angesagt ist in diesen groben Zeiten: Stärke zeigen, damit es der andere kapiert. Statt des feinen Floretts der Diplomatie. Das früher geführt wurde. Oder auch nicht… 

    Ich kann junge Leute wie meine Nuria jedenfalls gut verstehen. Die Gewalt ablehnen. Und damit natürlich auch das Militär. Weil sich Soldaten letztlich auf Geheiß von Ärschen wie US-Präsident Trump oder Kremldespot Putin töten. Klar, dass meine Nuria auch die gerade debattierte Wehrpflicht ablehnt.

    „Ich würde lieber unter Putin leben als überhaupt nicht“. Sagt sie. Und fügt hinzu: „Auf jeden Fall würde ich nie zur Bundeswehr gehen, um dieses Land zu verteidigen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, einen anderen zu erschießen. Und will auch nicht erschossen werden.“ Lieber engagiere sie sich politisch. Debattiere mit AfD-Leuten über Demokratie. Oder über Atomkraft. Über Feminismus. Und würde notfalls eben auswandern. 

    Wohin? Ich komme nicht zum Nachdenken, denn der Alte wütet. „Du hast nie in einer unfreien Gesellschaft gelebt“, herrscht Felix meine arme Nuria an. Und ich denke so: „Häh, Du doch auch nicht. Unfrei: Das sind hier nur Coco und ich.“ Aber solche Realitäten fechten Felix nicht an.

    Es müsse wohl erst wieder eine unterdrückte Gesellschaft entstehen, damit der Wert der Freiheit erkannt werde, ätzt Felix weiter. Ein Wert, den viele Unterdrückte mit Einsatz ihres Lebens erkämpft hätten. Auch für meine Nuria. Die nun offensichtlich bereit sei, das einfach so herzuschenken.

    Und ich denke so: „Herrschaftszeiten. Cool down.“ Kann der Debatte aber kaum noch folgen, weil aus dem benachbarten Park dumpf die Bässe dröhnen. Seit vier Tagen feiern dort schon vormittags stundenlang die künftigen Abiturienten. Als gäbe es kein Morgen. Vor dem Abi. Im Angesicht brennender Ölfelder in den Golfstaaten.

    Puh, ich bin erschüttert. Über mich: Alta, was ist los mit mir? Unbeschwertes Feiern – das Privileg der Jugend. Gönne, du alter Sack. Eifersüchtig? Oder was? 

    Nun, ich schäme mich. Really. Und höre, wie Felix meint, auch er wolle nicht töten. Es gehe darum, mit einer starken Armee einem Aggressor wie Putin Stärke entgegenzusetzen. Damit er erst gar nicht auf die Idee komme, Europa anzugreifen. Meine Nuria zuckt die Schultern – sagt, letztlich bedeute Wehrdienst nun mal, bereit sein zum Töten. Das wolle und könne sie nicht. Basta.

    Felix grummelt: „Euch geht es zu gut.“ Und packt seinen eben gebratenen Lachs direkt vor Coco. Für das Symbolbild zum Tag. Sagt er: Untergang durch Dekadenz. Und ich denke so: Was hat das mit Dekadenz zu tun? Als ob Katzen kein Lachs zustünde.

    Coco darf dann nicht mal lecken. Sie kämpft nicht dafür. Sondern weicht. Unfrei eben. Sagt der bewegte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Überlegt die Folgen eures Tuns. Nehmt sie an. Und chillt, Leute! 

  • 18. März 2026

    Be aggressive und tötet eure Fliegen

    Be aggressive. To relax. Do it and don’t worry: you’ll always land on your four paws. Ich kann nur noch so. Auf Englisch. Und kryptisch. Um die Welt zu ertragen. Ihr Leid zu killen. In meinen Gedanken zumindest. Und um nicht depressiv zu werden.

    Denn: Was soll einem Kater schon passieren? Wenn er aggressiv agiert? Er landet immer auf seinen vier Pfoten. Egal, von wo er springt. Anatomisch bedingt. Wegen seiner Wirbelsäule. Die sich verdrehen kann. Sagen japanische Forscher. Was übrigens stimmt. 

    Es ist alles so düster: Israel greift erstmals Gasfelder im Iran an. Der Iran droht mit Vergeltung – will nun Energieanlagen in den Golfstaaten attackieren. Der Krieg eskaliert. Immer weiter. Ein Exit ist nicht zu sehen.

    Kanzler Merz und die Europäer canceln US-Präsident Trump ab: Sie würden nicht helfen, die Straße von Hormus, wie vom US-Granden gewünscht, zu schützen. Da es ja nicht ihr Krieg sei, der da gefochten würde. Und ich so: Yes. Recht haben sie. Und haue mit meiner Pranke eine tiefe Furche in den Ledersessel.

    Aber: US-Präsident Trump ist über diese Antwort von Merz und Co. überhaupt nicht amused. Diese Absage sei nicht gut für die Nato, trompetet er wütend. Und ich sehe: Der Typ hat viele Trümpfe in der Hand. Und ich halte es kaum aus. Springe aus dem Sessel. Beiße Coco in die Flanke. Und rase den Kratzbaum hinauf. Übersprungshandlung. 

    Denn: Trump hat öfters gesagt, der Krieg in der Ukraine sei nicht der der USA. Und auch wenn dort die US-Unterstützung längst nicht mehr so groß ist wie vor seinem Amtsantritt: Die USA stellen den Ukrainern Geheimdienstinfos und liefern Internetversorgung via Starlink. Ohne das wäre die Ukraine aufgeschmissen.

    Und dann sind da natürlich noch die Zehntausenden in Europa stationierten US-Soldaten. Die Europa Schutz geben. Puuh, wenn die abgezogen würden? Denke ich so und jumpe vom Kratzbaum. Lande aus 4,32 Meter Höhe auf meinen vier Pfoten. Und weiter geht’s. Abreagieren. Auf das Hochbett meiner Bruna.

    Sollte Europa den US-Schutz riskieren? Und nicht doch besser ein paar Minensuchboote schicken? Damit wieder mehr Öl fließt? Was dann auch den Preis dafür wieder sinken lassen würde. Womit dann auch Kremldespot Putin für sein Öl nicht so viel abkassieren würde. Und wieder weniger Geld für seinen Ukraine-Krieg hätte. 

    Ich patsche gegen die Fensterscheibe. Töte die erste Fliege des Jahres. Nice. Wie sie zappelt. Kämpft. Und ich sehe mit Grauen Richtung Osten. Balzende Köter auf der Straße. Widerlich. Dann denke ich an China. Der Profiteur der Kriege?

    Da die USA im Nahen Osten, Russland in der Ukraine beschäftigt ist, bietet sich China jetzt die Chance, Taiwan zu nehmen. Und dann würden die USA ihre Truppen aus Europa in diese Region verlegen. Denke ich so: Und der Weg Russlands zu mir wäre frei.

    Ich jage durch mein Revier. Räume eine Vase ab. Alles nass. Egal. B.e. a.g.g.r.e.s.s.i.v.e. Tut so gut. Schreit der enthemmte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Echauffiert euch. Und chillt, Leute!

  • 17. März 2026

    Perspektivwechsel: Coco und die EU in Zwangsjacken

    Coco steckt in einer Zwangsjacke. So schaut es zumindest aus, wenn sie stolz wie eh und je auf dem Küchentisch auf Felixens aufgestapeltem Zeitungsstapel posiert. In ihrem roten Body. Der sie nervt. Weil er Sprungkraft hemmt und einengt. Sie sich nicht richtig kratzen kann. Ihre Haarpracht sich nicht entfalten kann. Aber: Es muss eben sein. Behaupten meine Leute. Zum Schutz der OP-Wunde. Die nach der Eierstockvernichtung vernäht wurde.

    Die Zwänge also. Denke ich so. Und wage den Perspektivwechsel. Nicht zu Coco und ihren Problemen. Sondern zu den Menschen. Zu den Europäern. Die ich gestern noch lobpreiste. Weil sie dem Ansinnen von US-Präsident Trump, ihm beim Schutz der Straße von Hormus zu helfen, eine Abfuhr erteilten. Weil der Iran-Krieg nicht der ihre sei.

    Aber – und nun der Perspektivwechsel: Eigentlich macht Trump ja das, was viele Europäer sich – zumindest insgeheim – wünschen. Denke ich so. Er versucht, das iranische Terrorregime zu beseitigen. Er versucht, das iranische Atomprogramm zu stoppen. Er versucht, die für den Öl- und Flüssiggashandel so wichtige Straße von Hormus offenzuhalten. Woraus folgt: Trump macht das, was Kanzler Merz vor nicht allzu langer Zeit lobte, als er sagte: Er verrichte die Drecksarbeit für die Europäer. 

    Klar, an Trumps Vorgehen ist alle Kritik berechtigt. Weiß ich doch. Er verstößt mit seinem Angriff gegen das Völkerrecht. Sagen fast alle ernstzunehmenden Völkerrechtler. Denn: Naturally waren die USA durch den Iran nicht unmittelbar bedroht. Dann: Die Verhandlungen mit dem Iran über sein Atomprogramm schienen zuletzt auf einem guten Weg – und: der Iran hatte keine Atomwaffe. Und last but not least: Ohne israelisch-amerikanischen Angriff wäre jetzt auch die Straße von Hormus nicht blockiert.

    Aber, aber, aber: Experten sagen, der Iran habe zwar noch kein atomwaffenfähiges Uran besessen, aber es sei eben doch deutlich höher angereichert gewesen als das, was Atomkraftwerks brauchten. Why? Frage ich mich. Und: Das iranische Regime tötete sein Volk. Und ich denke so: Schon starke Argumente für ein Eingreifen. Denn viele Menschen dort sind verzweifelt. Seit Jahrzehnten. In denen sich nichts tat. Sondern sich die Lage verschlimmerte.

    Weswegen ich das europäische kategorische „Nein“ auf Trumps Frage nach Mithilfe dennoch zunächst verstehen kann: Weil es eben das starke Gefühl gibt, es diesem Idioten heimzahlen zu können. Nichtsdestotrotz: Ein Iran ohne Atomwaffen, eine freie Straße von Hormus fände wohl auch Europa ganz nice.

    Zumindest die damit verbundenen sinkenden Benzinpreise. Denn das triggert die Menschen hierzulande perverser Weise am meisten an diesem Krieg: Dass sie für eine Tankladung 30 Prozent mehr zahlen müssen als bei Kriegsbeginn vor zweieinhalb Wochen. Europa also in der Zwangsjacke: Wenn Trump Hilfe fordert, muss über kurz oder lang geholfen werden. Weil er die Macht hat. Und damit die Regeln bestimmt.

    Coco springt auf. Gerät aus dem Gleichgewicht. Zupft an ihrem Zwangs-Body. Der aber bleibt. Unerbittlich. Gepresst an ihrem Körper. Noch sechs Tag. Sagt der zwanghafte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Macht euch locker. Und chillt, Leute!