Autor: Hauptstadtkater

  • 26. Juni 2026

    Unbelehrbares Schwallkotzen in Zeiten des Klimawandels

    41,3 Grad! Ende Juni. Rekord. So heiß wie heute war es noch nie in Deutschland. Und die Menschen: Stöhnen rum. Und ich: Haue mich auf der Fensterbank voll in die Sonne. Herrlich. Und wenn’s dann tatsächlich mal zu hot ist, geht’s zur Abkühlung in die Zeitung. Yes, richtig gelesen: Zeitung!

    Deren Papier wenigstens zum Kühlen gut ist, wenn es schon keine relevanten Inhalte transportiert – oder zumindest solche, die noch irgendwie aktuell sind. Ups, kaum geschrieben, so merke ich selbst: Ziemlich verkürzt und sehr populistisch, mein Zeitungs-Bashing. Doch zu heiß – auch für mich? Denn natürlich, finde ja auch ich: Zeitung ist Kult. Und gut. Und wichtig. Weil es ja so manche Zeitungen gibt, die breit und unabhängig berichten.

    Und yes, meine kühlenden Zeitungsblätter tragen auch Inhalte, die – weil interessant – meinen Mind abkühlen. Felix liest aus der „Süddeutschen Zeitung“ vor: Es gebe eine Studie, nach der Politiker Bürgern durchaus härtere Maßnahmen für Umweltschutz zumuten könnten – das Volk sei dafür aufgeschlossener als vermutet.

    Zitiert wird auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die sagt, die Fridays for Future-Bewegung sei lange davon ausgegangen, sie setze sich ausschließlich für Klimaschutz ein und komme an anderen Gerechtigkeitskonflikten vorbei. Trugschluss. „Wir machen nie nur Klima. Man macht immer Kultur und Identität und Staaten und irgendwo Weltpolitik.“ Sagt sie.

    Die großen Krisen – verbunden durch die Gerechtigkeitsfrage. Oder kurz: Verursacht wird der Klimawandel vornehmlich durch die Reichen – am meisten darunter leiden müssen die Armen. 

    Und ich denke so: Leider, leider nur wollen das die meisten privilegierten Menschen so nicht sehen. Nehmen das Problem erst dann wahr, wenn sie bereits im Frühsommer Kopfschmerzen ob der Hitze haben. Und Klimaanlagen bundesweit ausverkauft sind. Die globale Erhitzung also am eigenen Leib spüren. Wobei sicher ist: Das nächste Gewitter vertreibt nicht nur die Hitze. Sondern auch ihr Problembewusstsein für Maßnahmen gegen die Erderwärmung.

    ZDF-Meteorologe Özden Terli sagt, der Begriff Klima sei verbrannt. Sobald man davon spreche, drehten sich die Leute weg. Extrem frustrierend. Findet er das. Aber: Die Physik gebe die Regeln vor und nicht irgendein Youtuber. Deswegen: Solange die Temperaturen stiegen und immer mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen werde, müsse aufgeklärt werden.

    Guter Ansatz. Denke ich so. Aber es muss eben auch die Bereitschaft da sein, sich aufklären zu lassen. Ist schon bei Jugendlichen nicht da. Laura erzählt von ihrem Erlebnis mit einem 17-Jährigen auf ihrer Station für psychisch Kranke. Sie habe dem Jungen gesagt, er solle nicht zu schnell zu viel trinken. Was der Junge zum Anlass nahm, erst zwei Becher Kakao in sich zu kippen, darauf einen Liter Apfelsaft.

    Zwei Minuten später stürzte er aus dem Raum. Schwallkotzen vor die Tür. Wer musste putzen? Verrate ich morgen. Nun, meine Cooling-Down-Time in der Zeitung endet schnell. Weil Coco dabei sein will. Und in der Zeitung kein Platz für Zwei ist. Eskalation. Sagt der abgekühlte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Nehmt Klimawandel ernst. Und chillt, Leute!

  • 25. Juni 2026

    Was Putins Selbstüberschätzung mit Mozarts Königin der Nacht zu tun hat

    Sie ist die Königin der Nacht. Denkt sie. Posiert im Licht der frühen Morgendämmerung. Um die unter einem Lampenschirm schwirrenden Mücken und Motten zu hypnotisieren. Offenbar im Glauben, das Getier falle ob ihrer royalen Allmacht zappelnd vor ihr geiferndes Maul. Coco eben.

    Nun, Selbstüberschätzung ist nicht nur bei meiner Spezies ein Problem. Sondern vielmehr eines meiner weirden menschlichen Begleiter – und nebenbei, ich bin sicher, diese Unart haben wir von ihnen abgeschaut, also unterbewusst. Weil sie es täglich demonstrieren. Die Mächtigsten der Welt. Nicht nur stündlich bei US-Präsident Trump zu beobachten, sondern auch bei Kremldespot Putin.

    Der überzieht die Ukraine seit fast viereinhalb Jahren mit seinem Angriffskrieg. Er dachte, er könne das Land innerhalb weniger Wochen einnehmen. Falsch gedacht. Nun schlägt der Krieg immer stärker auf Russland zurück. Die Ukraine hat mittlerweile äußerst effektive, offenbar zielgenaue Drohnen entwickelt – Öldepots und Munitionsfabriken tief in Russland brennen.

    Und die von Russland bereits 2014 annektierte Schwarzmeerinsel Krim ist derzeit fast täglich im Visier ukrainischer Luftgeschosse. Brücken sind zerstört – und damit wichtige Nachschubwege für die russische Armee. Und, nicht minder wichtig: Die russische Bevölkerung bekommt vorgeführt, dass der Krieg nicht in Putins Sinne verläuft.

    Über die Halbinsel ziehen durch Brände ausgelöste düstere Rauchwolken, oft fällt der Strom aus, für Benzin gibt es Gutscheine – und davon viel zu wenig. Und das bedeutet: Das einstige Ferienparadies für viele Russen ist zur Hölle geworden. So dass Putin ablenken muss und behauptet, der Westen bereite einen Krieg gegen Russland vor. 

    Das Überschätzen seiner Selbst ist aber wohl in allen Menschen angelegt. Und geht im Laufe des Lebens nicht verloren. Meine Bruna erzählt von ihren in Isernhagen lebenden Großeltern Lotte und Volker. Die hätten vor Kurzem versucht, ihre nach einem Starkregenfall vollgelaufene und im Boden des Wintergartens eingelassene Heizung zu trocknen. Hätten sich mit Handtüchern ausgestattet kopfüber reingehängt. Mit fast 90 Jahren.

    Das Aufstehen – sei schon äußerst schwierig gewesen, hätten sie dann erzählt. Und dann nicht reinzufallen – noch schwieriger. Oma Lotte sei gekippt. Opa Volker habe sie im letzten Moment aufgefangen – die Rettungsaktion habe allerdings eine klaffende Wunde an seinem Arm hinterlassen.

    Kleiner Schaden, große Erkenntnis. Denke ich so. Und sehe, wie Coco dann doch Richtung Lampe springt. Die Lampe stürzt scheppernd um. Die Königin der Nacht miaut auf – und ich denke an ihre berühmte Kollegin, die Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte, die ihren Schmerz in höchsten Koloraturen schmettert – und verbannt wird.

    Nun, Coco liegt neben Scherben recht würdelos am Boden. Ohne Motte. Sagt der gedimmte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Unterschätzt Euer Selbst. Und chillt, Leute! 

  • 24. Juni 2026

    Die unendliche Crux mit dem Wetter in der Hitze der Nacht

    Ich habe da eine weitere unendliche Story: Wetter und Mensch. Wenn’s regnet, stöhnt Mensch. Wenn’s sonnt, leidet Mensch. Wenn’s kalt ist, fröstelt Mensch. Wenn’s warm ist, schweißt Mensch. Ok, jetzt ist es heiß. Und Mensch spricht von Unwetter. Really. Hitze gleich UNWETTER.

    Bei keinem anderen Unwetter würden so viele Menschen sterben wie bei Hitze. Sagen Experten. Mehr als 30 Grad – Coco und ich lieben diese Temperaturen. Trotz Pelz. Ok, ich räume ein, ich gebe gerade viele Haare ab, damit es nicht zu hot wird. Und ok, meine Leute sind ob der Fellballen auf Teppich und Laminat genervt. Aber ich sehe, sie genießen das Wetterchen samt Wärme nicht, für das sie noch vor Kurzem Tausende Euro ausgaben, um es in Spanien oder der Karibik lobpreisend auszuhalten. 

    P.S.: Also eigentlich sind sie, meine Leute, ja sogar für das aktuelle Wetterchen hierzulande mitverantwortlich. Weil sie das Klima durch ihre Flugreisen aufheizten – Stichwort: ökologischer Fußabdruck. Was mich zum P.P.S. führt: Vor dem Klimawandel haben Experten schon vor langem gewarnt. Kaum einer hörte zu. Abgesehen von den Fridays for Future-Leuten. Aber die will ja auch kaum noch einer hören.

    Weil Klima wohl zu abstrakt ist. Und weil Greta Thunberg und Co. lieber für Palästina und gegen Wehrpflicht demonstrieren. Wobei ja nun doch auch wieder alles mit allem irgendwie zusammenhängt – sprich: Ohne Systemwechsel kein Klimaschutz. Es führt zu weit. Und ist populistisch von mir. Gebe ich zu. Sorry für die Abschweifungen. Zurück zur Hitze.

    Die vertragen nun mal viele Menschen wirklich nicht. Vor allem Alte. Deren Haut, Herz und Nieren nicht mehr so janz einwandfrei arbeiten. Schwitzen, Trinken und Kreislauf deswegen nicht korrekt funktionieren.

    Beim hot Sommer vor vier Jahren starben mehr als 60.000 Menschen in Europa durch Hitze. Sagen Statistiker. Also wirklich ganz und gar nicht witzig. Hitze. Die in diesem Jahr ziemlich früh begann. Fachleute sagen, das hänge mit dem Klimawandel zusammen.

    Die stabile Hochdruck-Wetterlage über Westeuropa sei nicht ungewöhnlich. Aber die Wärme könne sich mittlerweile im deutlich wärmeren Klima entfalten – und das führe dann zu höheren Temperaturen im Vergleich zu früher. Eine ähnliche Wetterlage vor 50 Jahren wäre um bis zu vier Grad kühler gewesen. Und so habe ich wirklich Mitleid mit meinen Menschen. 

    Die immer erst auf Experten hören, wenn es zu spät ist. Denke ich so. Und betrachte Felix, der sich seine durch Sonnenbrand ablösenden Hautfetzen vom Bein zieht. Und frage mich – rhetorisch – so: Hat man ihm nicht gesagt, dass Sonnencreme lebenswichtig ist? Und ich sehe, wie er sein Weinglas auswäscht und frage mich: Hat man ihm nicht gesagt, dass Alkohol Gift ist?

    Unbelehrbar. Denke ich so. Und sehe Coco in Hochform. Posierend, um zu gefallen. In der Hitze der Nacht. Und des Tages. Sie. Ist. Schön. Zweifellos. Sagt der haarende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kühlt euch. Und chillt, Leute!

  • 23. Juni 2026

    Widerliche Geburten und Deutsch im deutschen Freibad

    Klar, Kinder sind wild, crazy, weird. Klar, die Großen wollen sie zurechtstutzen und nennen das erziehen. Und verzweifeln dabei regelmäßig. Klar ist auch: Die Kleinen werden von ganz allein groß. Und die Sorgen der Großen – unbegründet. Meist.

    Und so bin ich auch entspannt, wenn ich auf Coco schau. Die sich entwickelt. Positiv. Mit meiner Hilfe: Vom ungestümen Wildfang zur reflektierten Katze. Sinnierend, erkennend, analysierend. Denke ich so. Klar: Sie ist über ein Jahr. 

    Bedeutet: Wir. Beide. Sind. Erwachsen. Nun also auch Coco. Jedenfalls ein bisschen. Sehe ich an ihrer aufrechten Sitzhaltung. Und nun verstehe ich auch auf nonverbaler Ebene, dass sie wie ich vom Tun der Menschen angewidert ist.

    Da gibt es ein Strandbad in Sachsen-Anhalt, in das künftig nur noch Menschen reinkommen sollen, die Deutsch sprechen können. Begründung: Vor Kurzem habe der Chef des Bades ein Kleinkind aus dem Wasser retten müssen – die Eltern hätten kein Deutsch gesprochen und weder ihn noch die Baderegeln verstanden.

    Really? So argumentiert der Mann? Frage ich mich so. Damit wird eine Gruppe von Menschen vom kühlenden Bad einfach ausgeschlossen. Mit einer hanebüchenen Begründung. Und ich frage mich so: Welcher Deutsch sprechende Gast liest die Regeln? Wer hält sich daran? Müssen potenzielle Gäste künftig vor dem Betreten einen Sprachtest absolvieren? Auch Amerikaner?

    Und das in einem Bundesland, in dem die rechtspopulistische und ausländerfeindliche AfD in Umfragen auf mehr als 40 Prozent kommt. Kennen die eigentlich keine KI-Übersetzjngsprogramme. Frage ich mich so. 

    Menschen sind eben Meister der Ausgrenzung der eigenen Spezies. Besonders gut zu beobachten auch bei der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko, wo es oft gar nicht so die Ergebnisse und Spiele sind, sondern vielmehr die Storys am Rande sind, die das Event glitzernd lassen, ihm ihre einzigartige und absurde Note verpassen.

    Eine französische Sportjournalistin bashte nun einen belgischen Spieler, der wegen der Geburt seines ersten Kindes zu seiner Frau zurückreisen will – während der Weltmeisterschaft. Unfassbar das! Findet auch die Journalistin. Und meint: Die Geburt sei ein widerlicher Moment, der Vater sei dabei eh nutzlos. Die WM sei dagegen die Verwirklichung eines Kindheitstraums.

    Krass, finde ich so. Dass sich so viele Menschen über die französische Reporterin empören. Sie hat doch recht. Welcher Kater würde beim Wurf seiner Kitten dabei sein? Keiner. Allein deswegen, weil keiner weiß, welcher Wurf überhaupt von ihm ist. Was auch daran liegt, dass wir in Sachen Fortpflanzung wirklich fleißig sind. Jedenfalls die nicht Kastrierten unter uns. Seufz.

    Nun, die Journalistin moderiert erst mal nicht mehr. Und Coco? Streift um mich herum. Kuschelt mich. Beißt mich. Ganz unerwachsen. Denke ich so. Aber auch nice. Sicher ist: Coco und ich werden keine Eltern. Schuld daran haben unser Alten, Felix und Laura. Die uns wichtige Körperteile wegschneiden ließen. Zu ihrem Pläsier. Empörung. Sagt der enteierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sprecht  Deutsch. Und chillt, Leute! 

  • 22. Juni 2026

    Larry leuchtet in England und ich suche Dämmerung in Berlin

    Ab heute wird es wieder dunkler. Tag für Tag. Sonnenwende erreicht. Die Zeit rast. Wie wunderbar. Denke ich so. Denn ich liebe der Dämmerung Hülle. Liegt in meinen Raubkatzen-Genen. Mein Blick fällt auf die sinnierende Coco. Die ganz offensichtlich reflektiert.

    Über vergangene Handlungen, die aus gegenwärtiger Perspektive absurd, nicht mehr nachvollziehbar erscheinen. Fliegen jagen beispielsweise. Zerstört oft Glas. Ist selten erfolgreich. Und wenn doch: Dann schmeckt die Beute ekelhaft. Und krabbelt noch im Hals. Welch weise Erkenntnis. 

    Und ich denke an Großbritannien. Weil es da auch einen weisen Kater gibt, der sicher nur noch sein Haupt schüttelt, wenn er über die Politik seines Landes sinniert. Larry the Cat, der Hauskater der Londoner Regierungszentrale Downing Street Number 10, muss sich schon wieder auf einen neuen Hausherrn gefasst machen. Denn heute verkündete der amtierende, Keir Starmer, seinen Rücktritt.

    Er versprach Change – die meisten im Volk merkten: Nichts. Was es ihm und seinen Vorgängern schwer machte: Die Folgen des Brexits – der Austritt der Briten aus der EU vor zehn Jahren. In dieser Zeit hat das Vereinigte Königreich nun sechs Premiers verschlissen. Und Larry, chief mouser of the cabinet, auf Instagram: „He resigned, so I can shine.“ (Er trat zurück, damit ich leuchten kann.“) Recht hat er. Denke ich so: Also: Think positive. 

    Schon damals, 2016, war der Brexit nicht nur surreal, sondern absurd. Und kam nur mit knappster Mehrheit und populistischer Meinungsmache durch. Denn: Eigentlich war es toll für die Briten, überall in der EU arbeiten und studieren zu können. Und andersrum. Eigentlich war es toll für die Volkswirtschaften, Waren zollfrei senden zu können.

    Und dann: In den vergangenen zehn Jahren sank das Bruttoinlandsprodukt der Briten um acht Prozent. Es gab nicht genug Erntehelfer, weil die aus Osteuropa weg waren. Und die Weltlage hat sich mittlerweile geändert: Mitten in Europa tobt ein Krieg, in den USA regiert ein unberechenbarer Autokrat,

    Und es bräuchte ein geeintes, starkes Europa, um demokratische Grundwerte zu verteidigen. Sehen auch viele Briten so: 58 Prozent würden gerne zurück in die EU, besonders viele junge Menschen fordern das. 

    Larry wusste schon vor zehn Jahren, dass Brexit Quatsch ist. Menschen vergessen eben schnell. Sieht man auch an meinen Alten Felix und Laura: Die trafen erstmals seit 15 Jahren wieder ihre Freunde Gustav und Thea. Und ihre Haupterinnerung: Felix habe damals, anno 2003 an den Gardasee nach Italien, ein Glas Nutella mitgenommen.

    Und ich denke so: Häh, so what? Ist doch wie heute. Manches ändert sich eben nie. Und dann sehe ich Coco. Wie sie aufspringt. Hechtet. Dabei ein Glas mit Wasser vom Tisch wirft, das klirrend zerschellt. Und sich eine fette Fliege krallt. Die vor ihr zappelt. Hmmmm. Sagt der enttäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: genießt Helligkeit. Und chillt, Leute! 

  • 21. Juni 2026

    Warum Trump Basilikum fressen sollte und Albas Sensation

    Alle sind so aufgeregt. Und ich sage: Beruhigt euch. Für wahre Erkenntnis. Helfen dabei kann der Genuss von Basilikum. Beruhigt, unterstützt die Verdauung. Und uns Katern und Katzen hilft das Kraut gar, den Kotzreflex auszulösen. Extrem günstig, um unnützen Ballast loszuwerden. Rauszuwürgen. Fellballen beispielsweise. You know? 

    Trump ißt definitiv zu wenig Basilikum. Der daueraufgeregte Typ regt sich nun auf, dass der sogenannte Reflecting Pool in der US-Hauptstadt nicht – wie nach Sanierung gewünscht – blau, sondern grün leuchtet. Was für ein Pool, fragt Ihr, liebe Leserinnen und Leser? Nun: Dieser Pool gilt als Wahrzeichen – ein 600 Meter langes Becken zwischen dem Lincoln Memorial-Denkmal und dem. Obelisken Washington Monument.

    Trump hatte das Becken vor Kurzem für 14,2 Millionen Dollar renovieren lassen. Den Auftrag vergab er ohne Ausschreibung an eine von ihm favorisierte Firma. Er begründete das mit der Dringlichkeit. Zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli sollte der Pool dunkelblau leuchten. Und an das Blau in der Nationalfahne erinnern. 

    In den vergangenen Tagen aber färbte sich das Wasser grün. Algen. Und dann blätterte auch noch die blaue Farbe der Bodenbeschichtung ab. Und ich denke so: Welch herrliches Symbol für den Verfall von Trumps bröckelnder Macht. Je grüner das Wasser, desto wütender Trump.

    Der nun aber Schuldige braucht. Und entdeckt: Vandalen seien verantwortlich für das Desaster. Behauptet Trump, ohne Beweise vorzulegen. Die hätten mit einer Klinge die Beschichtung geritzt und ätzende Chemikalien in den Pool gegossen.

    Hmmm, es könnte auch anders sein. Denke ich so. Es ist auch in Washington sehr heiß. Wofür auch der von Trump geleugnete menschengemachte Klimawandel verantwortlich sein kann. Und Wärme löst nun mal Algenwachstum aus. 

    Mich erinnert die Farbe des Reflecting Pools an die der Basilikumblätter, von denen Coco nicht lassen kann. Vielleicht sollte Trump mal einen Schluck aus seinem Pool nehmen, ihn am besten ausschlürfen. Um sich zu beruhigen. Um sich dann auszukotzen. Inklusive seiner Hybris beispielsweise.

    Unwahrscheinlich. Weiß ich natürlich. Aber Wunder geschehen. Diego ist glücklich, weil sein Team Alba Berlin heute sensationell Basketballmeister wurde. Durch eine Wahnsinns-Aufholjagd gegen Bayern München. Unbekannt, ob die vorher Basilikum futterten. Glück, Glaube, Gelassenheit. Sagt der aufgeregte Hauptstadtkater. Und jetzt: Futtert Basilikum. Und chillt, Leute!

  • 20. Juni 2026

    Nichts ist für ewig: Nurias Abschied und Irans Opposition

    Traurig. Das nichts für ewig ist. Schon wieder steht ein Abschied an: Meine Nuria sagt Good-bye. Sie sagt, sie müsse zurück ins schnöde Freiburg. Als ob. Sie wird fehlen. Und das tut so weh. Da sie eine wahre Kater-Katzen-Flüsterin ist.

    Siehe Coco, die ihrem Charme ebenfalls komplett erlegen ist. Aber klar, ohne Tiefen keine Höhen keine Tiefen. Wie langweilig, wenn immer nur die Sonne scheinen würde. Obwohl – eigentlich wäre es nett. Denke ich so. Wenn die Sonne immer meinen Pelz wärmte. Oder meine Nuria immer da wäre.

    Andererseits: Schon gut, dass die Vanitas, äh, Vergänglichkeit alles und alle trifft – und damit auch den holy Shit des Lebens. Also auch die iranischen Revolutionsgarden. Und auch US-Präsident Trump. He he. 

    Allerdings, ob es nach gefühlten Ewigkeiten Depression dann irgendwann tatsächlich heller wird, oder die Depression erst einmal nur eine andere wird – who knows? Im Iran allerdings kann es eigentlich nur aufwärts gehen. Irgendwann. Es ist so erschütternd, die Schicksale von Oppositionellen, die gefoltert und ermordet werden, mitzubekommen.

    Hilflos abzuchillen. Im Arm meiner Nuria. Mit dem Wunsch abzuschalten, weil es kaum auszuhalten ist. Und ich dann bei der Fußball-WM in den USA die iranische Mannschaft kicken sehe. Und der Weltfußballverband Fifa, aber auch die Kommentatoren so tun, als ob das Team ein legitimer Vertreter des Landes sei. Und iranischen Oppositionellen in den USA sogar verboten wird, die Nationalflagge im Stadion zu zeigen, die bis zur islamischen Revolution 1979 Symbol für den Staat war. 

    Die in den USA lebende iranische Aktivistin Gazelle Sharmahd ist empört: Das Mullah-Regime sei keine iranische Regierung, sondern eine Besatzungsmacht, die seit 47 Jahren Massaker am iranischen Volk begehe. Im Januar seien alleine 35.000 Menschen von den Schergen des Regimes ermordet worden. Sagt sie der „Süddeutschen Zeitung“.

    Die iranischen Nationalspieler seien nicht danach ausgewählt worden, wer am besten kicke, sondern wer das Regime am besten vertrete. Die Nationalspieler, die gegen das Regime seien, säßen im Gefängnis. Dass die US-Regierung von Trump nun eingefrorene Gelder für das iranische Regime freigeben wolle, halte die Terroristen an der Macht. Und somit hätten die USA an dem Desaster eine große Mitschuld. 

    Trauer. Meine Nuria wartet bereits seit Stunden am Bahnhof auf Züge nach Freiburg, die nie kommen. Ewigkeiten. Aber dann doch. Während die Massen in Kneipen auf Großbildleinwänden leiden. Und jubeln. Wenn der Iran bei der WM ein Tor schießt.

    Wut, Empörung, Erleichterung. Tiefen, Höhen. Und die diffuse Hoffnung, dass nichts für ewig ist. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hofft auf ein Ausscheiden des Teams der iranischen Terroristen. Und chillt, Leute!

  • 19. Juni 2026

    Garfield und ich: Der vierte Geburtstag

    Vier Jahre! Bin ich nun. Ein Zeitspanne, so lange wie der Erste Weltkrieg. Aber: Der Ukraine-Krieg dauert sogar schon länger. Und meine Bruna sagt: „Ups, jetzt ist Charlie kein Kind mehr, vier ist für einen Kater nicht mehr richtig jung.“ Und ich erschrecke. An meinem Geburtstag.

    Nur getröstet mit Gedanken an einen alten Menschen, der noch fit ist: Lionel Messi, der argentinische Fußball-Superstar, der hat in dem für Profi-Fußballer biblischen Alter von 38 Jahren kürzlich in einem WM-Spiel drei Tore geschossen. Also: Das Alter ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit Trübsal, Krankheit, Langeweile. Denke ich so. Obwohl – wenn ich da Felix sehe, wie er in seinem Homeoffice vergammelt. Und immer grauer wird. Seit sechs Jahren… 

    Es ist Geburtstag, also fort mit den trüben Gedanken. Denke ich so. Denn ich bekomme nicht nur Leckerli, Würstchen und Sonder-Streicheleinheiten samt ständigem Hochgehebe vor debil strahlende Gesichter, die mich beglückwünschen. Sondern auch eine richtige Überraschung.

    Felix zeigt sie mir: Die „Süddeutsche Zeitung“ würdigt heute einen anderen Kater, einen Kater, den ich really schätze. Garfield. Und warum wird ihm gehuldigt? Weil er heute ebenfalls Geburtstag hat. Zumindest jährt sich heute der Tag der Erstveröffentlichung des Garfield-Comics zum 48. Mal. Am 19. Juni 1978 tauchte der von Jim Davies geschaffene Kater erstmals in US-Zeitungen auf.

    Und trat dann seinen weltweiten Siegeszug an. Und Garfield, klar, der ist weird, aber auch cool. Nicht sein orange-getigertes Fell, seine Lasagne-Leidenschaft oder seine Körperfülle. Sondern sein zynischer Humor. Sein cooler Umgang mit Kötern. Seine entspannte Weltsicht. Die in seinem Lieblingssatz gipfelt: „Ich mag keine Montage.“

    Kann ich nachvollziehen. Aber vor allem: Ich mag keinen Trumps. An den US-Präsidenten werde ich unwillkürlich durch meinen Ehrentag erinnert. Auch Trump hatte ja vor ein paar Tagen Geburtstag. Und der Typ beschenkte sich selbst: Ließ zu seinem 80. blutige Gladiatorenkämpfe vor dem Weißen Haus in Washington aufführen.

    Und bekam dann von Bundeskanzler Merz beim Gipfel der sieben wirtschaftsstärksten Länder im französischen Evian ein Trikot der Deutschen Nationalmannschaft geschenkt, beflockt mit der Nummer 47 – Trump ist der 47. US-Präsident. Der wusste mit dem Shirt erst mal gar nichts anzufangen, lächelte dann und knüllte es zusammen. 

    Tja, Geschenke sind eben gar nicht so einfach. Denke ich so. Da lobe ich mir doch Leckerli und Würstchen. Und einen zusätzlichen Schlaf, ganz a la Garfield: „Schlaf ist genial, man schließt die Augen und die Welt ist weg.“ Sagt der. Trump ist dann auch weg. Wenn ich die Augen schließe. Sagt der gerührte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lest Garfield. Und chillt, Leute! 

  • 18. Juni 2026

    Überraschende Zuggeschichten meiner Nuria aus dem rechten Osten

    Ach, wie herrlich: Wenn Überraschungen gelingen. Plötzlich steht meine Nuria vor mir. Unangekündigt. Als ob sie nie weg gewesen wäre. Frisch angekommen aus Freiburg. Weil sie mich mal wieder sehen will. Also: Mich, Coco, ihren Freund Piet. Und die anderen. 

    Mitgebracht hat sie gar herrliche Zuggeschichten: Schreiende Kinder in den Abteilen, krümelnde indische Großfamilien, Bier saufende Männergruppen. Und natürlich Dirk. Ein Mit-40er mit Köter. Neben dem noch ein Platz frei war. Den meine Nuria selbstbewusst nahm. 

    Er begann sofort. Seine Erzählungen: Er komme gerade aus Paris. Dort habe er Kemal, eben jenen Labrador-Mischling, der am Knie meiner Nuria sabbert, von seiner Ex abgeholt. Alle zwei Monate wechsle das Sorgerecht für den Köter. Anstrengend.

    Denn an den Wochenenden reise er immer nach Thüringen zu seiner aktuellen Freundin. Die da mit ihrer zwölfjährigen Tochter in einem Dorf in der Nähe von Erfurt wohne. Letztes Mal habe er dort eine französische Zwiebelsuppe zubereitet. Die Zwölfjährige habe geschnuppert, ihr Gesicht verzogen und gefragt, was Komisches er da koche, es rieche irgendwie ausländisch.

    Er habe geantwortet: „Du, das was Du da so sagst, das ist rassistisch.“ Woraufhin sie ihm tief in die Augen geblickt und stolz gesagt habe: „Ich bin Rassistin.“ Sie habe das wirklich ernst gemeint. Habe Dirk betont. Und sie habe keinen Schluck Suppe probiert. 

    Der Rechtsextremismus durchdringt das Bürgertum, das scheint das neue Normal. Denke ich so. Und meine Nuria schildert weiter die Erlebnisse ihres Platznachbarn. Dirk habe von Leuten in Thüringen erzählt, die geklagt hätten, die Ausländer nähmen ihnen die Arbeitsplätze weg. Um im selben Atemzug zu behaupten, die Migranten seien ja so faul und würden nur Sozialleistungen kassieren. Häh?

    Von Leuten, die geklagt hätten, über das Thema Migration dürfe nicht geredet werden, ohne gleich in die Schublade Nazi geschoben zu werden. Während in der Politik und in Talkshows das Thema seit Jahren das Topthema ist. Häh? Von Leuten, die behaupten, das Stadtbild sei geprägt von Menschen mit Migrationshintergrund. Während gerade in Thüringen vor allem weiße Menschen leben. Häh? 

    Wer Sprüche stoppen will. Muss kämpfen. Was schwierig ist, denke ich so. Weil die Fronten so verhärtet sind und Argumente und Wahrheiten oft gar nicht mehr wahrgenommen werden. Sondern als Prinzipien abgelehnt werden. Die Aufklärung darf aber nicht sterben. Hoffe ich. Blicke auf die chillende Coco. Die es mal wieder so richtig macht.

    Und ich spüre das sanfte Kraulen meiner Nuria. Die erzählt, sie habe sich dann von Dirk verabschiedet, um einen ruhigeren Platz zu suchen. Den sie aber nicht fand. Sondern neben einer Frau mit Säugling landete. Nun: Einfach herrlich. Das Leben. Sagt der überraschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen. Und chillt, Leute! 

  • 17. Juni 2026

    Der vergessene Geburtstag und Katzenfleisch als Delikatesse

    Stell Dir vor, Du hast Geburtstag – und es weiß keiner. Würdigt niemand. Nicht mal Deine Liebsten. So ist es nun Coco ergangen. Die vorgestern eigentlich ihren ersten Geburtstag gefeiert hätte. Aber niemand gratulierte. Und so blieb sie allein. Mit ihren Gedanken. An ihre Geburt. Ihre Ma. Ihre Geschwister.

    Und heute kommt dann meine sonst so emphatische Bruna und meint lapidar: „Ups, ich glaube, heute hat Coco Geburtstag, wollen wir ihr ein Ständchen bringen?“ Felix krass gefühlvoll: „Bist Du sicher? Im Impfausweis steht 15. Juni.“ Der Fail meiner Leute ist also amtlich bestätigt. Vom Tierarzt.

    Und ich verstehe, warum Coco vorgestern so still und fast deprimiert wirkte. Denn: Auch. Katzen. Haben. Gefühle. Vor allem, wenn ihr Geburtstag verpennt wird. Und die Zusatz-Leckerli ausbleiben. 

    Aber klar, think positive: es ist Geschenk genug – und zwar täglich – hier, in diesem Revier, in diesem Land leben zu dürfen. Und nicht irgendwo in Ostasien. Denn dort, in Vietnam, haben Polizisten einen sogenannten Katzenfleisch-Ring ausgehoben und mehr als 400 gestohlene Katzen befreit. Dabei seien auch 80 tiefgefrorene Katzen sichergestellt worden.

    Really. Entsetzlich. Und ich werde von Entsetzen und Ekel geschüttelt. Und weiter: In den vergangenen drei Jahren hätten die Verdächtigen Katzen gestohlen und getötet. Weil Katzenfleisch in Restaurants als Delikatesse gilt. Immerhin wird da auch Köterfleisch serviert. Krass, andere Länder, andere Sitten. 

    Aber manchmal denke ich auch so, dass die Menschen in aller Welt – wie ja auch Katzen und Kater – gar nicht so unterschiedlich sind, sondern sehr ähnliche Bedürfnisse und Träume haben. Und man das vor allem dann merkt, wenn man sie persönlich kennenlernt.

    Wie meine Bruna, die mit ihrem Sinfonieorchester heute zusammen mit einem Schulensemble aus Peking ein Konzert gab, mit Beethoven, aber auch chinesischen Komponisten. Die Chinesen hätten sowohl klassische Instrumente wie Cello und Geige gespielt, aber auch traditionelle chinesische Zupf- und Streichinstrumente. Sagt meine Bruna.

    Entwickelt habe sich ein toller, neuer Sound. Mit viel Groove. Der Vorurteile nimmt. Denn auch wenn China für eine kommunistische Diktatur, für Menschenrechtsverletzungen und einen Überwachungsstaat steht, als Kriegstreiber, Patentedieb und Billigproduzent verschrien ist, die Leute, die da leben, sind nett, freundlich, aufgeschlossen.

    Lachen. Klatschen wie hier. Der Dirigent dirigiert. Wie hier. Erzählt meine Bruna. Und ich denke so: Die Musik, die verbindet. Völkerverständigung eben.

    Nur: Katzen sollten sie nicht futtern. Immerhin: Meine Leute gratulieren Coco nun. Nachträglich. Mit schlechtem Gewissen. Glaube ich zu erkennen. Coco bekommt eine Extraportion Leckerli. Ich übrigens auch. Nett. Sagt der verängstigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Gratuliert Coco. Und chillt, Leute!