Autor: Hauptstadtkater

  • 11. Oktober 2026

    Warum gute Freunde (Pu und Coco) so wichtig sind und Trump nie welche haben wird

    Manchmal muss ich mich dazu zwingen, optimistisch zu sein. Ich will es sein. Denn das ist mein Mantra: Wie sonst ließe sich die Welt ertragen? Es gibt jemanden, ein großartiges Lebewesen, bei dem ich mich daran orientiere: Wenngleich dieses Etwas kein Kater, sondern ein Bär ist –  und der dann – leider – auch nur fiktional. Egal!

    Ich rede von: Pu, der Bär. Und komme auf ihn, weil er in wenigen Tagen ein großartiges Jubiläum feiert. Am 14. Oktober wird es exakt 100 Jahre her sein, dass seine Abenteuer mit seinem Gegenpart, dem immer pessimistischen Esel I-Aah und dem ängstlichen Schweinchen Ferkel mit dem Titel Winnie-the-Pooh erstmals als Buch erschienen.

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    Ich liebe es, das Buch, ich liebe ihn: Denn Pu ist Optimismus, Leichtigkeit, Zuversicht. Und sein Satz: „Ein Tag ohne einen Freund ist wie ein Topf ohne einen einzigen Tropfen Honig darin“, ist schönste Philosophie. Und Poesie. Pu hat so Recht. Und ich weiß: Coco ist mein I-Aaah und Ferkel in einem. Mir wird warm ums Herz.

    Als ich sehe, wie sie auf dem Rand der Badewanne stolziert. Und wie hypnotisiert das einströmende Wasser fixiert Jedes Mal wieder. Nicht begreifend, dass es jedes mal wieder nur nass und nicht zu catchen ist. Mit Krallen. Voll neugierig eben, rührend fast.

    Und dann springt sie runter. Jagt mich. Kuschelt mich. Leckt mich. Kurz: Was für eine großartige Freundin. Auch wenn sie nicht sonderlich clever ist. Irgendwie ist sie, wie ich mir Pu vorstelle, wenn er real wäre. Eben so, wie ihn sein Schöpfer Alan Milne beschreibt: „Ein Bär mit sehr geringem Verstand, aber großem Herzen.“ Coco eben. Mein Bär. 

    Auf viele Menschen trifft Milnes Charakterisierung Pus nicht zu. Viele Menschen sind beschränkt und herzlos. An wen ich da besonders denke? Wenig überraschend: US-Präsident Trump. Der hat die Ukrainer nun aufgefordert, einen neuen Präsidenten zu wählen. Der derzeitige sei ja ganz offensichtlich nicht fähig, mit Russland Frieden zu schließen – obwohl er viele Möglichkeiten dazu gehabt hätte.

    Er, Trump, habe keine Ahnung, warum dieser Selenskyj das nicht getan habe. Sondern russische Ölförderanlagen zerstöre. Und damit die Preise für Öl weltweit in die Höhe treibe. Ich gebe zu, es fällt mir schwer, diesem Trump-Gebrabbel hier so viel Raum zu geben. So viel gequirlte Scheiße, sorry.

    Denn: Angefangen hat den Krieg im Februar 2022 Kremldespot Putin, der seine Truppen in die Ukraine einmarschieren ließ. Die Ukraine wehrt sich. Putin lehnte immer wieder jedwede Form einer Vereinbarung oder Waffenruhe ab und beharrte auf seinen Maximalforderungen – unter anderem die Annexion von Gebieten in der Ostukraine, die er noch nicht einmal erobert hatte.

    Er tötet weiter täglich mit seinen Drohnen- und Raketenangriffe Dutzende Zivilisten. Und selbst, wenn die Ukrainer wollten – die Verfassung erlaubt ihnen zu Kriegszeiten gar keine Wahl. Aber Verfassung – was ficht einen wie Trump das an? Ihm geht es ganz plump um seinen eigenen Machterhalt.

    Wofür er glaubt, russischen Diesel zu benötigen, um so die nach seinem Iran-Krieg sprunghaft gestiegenen Spritpreise zu senken und das aufgewühlte Volk vor den wichtigen Zwischenwahlen im November zu besänftigen.

    Puuuh, denke ich so. Und sehe Pu. Wie er Honig schleckt. Ich spüre, wie jemand meine Nase leckt. Coco. So nice. Schnurr. Freunde eben. Sagt der optimistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lest Pu. Und chillt, Leute! 

  • 10. Oktober 2026

    Was mich wirklich erleichtert (Larrys Genesung) und wirklich erzürnt (Trumps Verrat)

    Erleichterung ist ein so krass cooles Gefühl. Crashout! Denke ich so. Als ich höre, dass mein Freund, mein Alter Ego quasi, eine OP gut überstanden hat. Larry the cat – der berühmteste Kater Großbritanniens, der auf einem eigenen X-Account das Leben sarkastisch betrachtet (!), ist zurück in der britischen Regierungszentrale Downing Street Number 10, wo er seit 15 Jahren lebt. 

    Und yeah, die britische Regierung würdigt das Ereignis auf ihrem Insta-Account mit einem Film, in dem Larry – mit rasierter Stelle an der Seite – aus dem Tragekäfig springt. Dazu ertönt der alte Indie-Song Mr. Brightside von The Killers – großartig. Denn am Ende ist da die Erkenntnis: Auch wenn man aus einem imaginären Käfig raustritt, ist draußen nicht alles gut. Im Gegenteil. Hört Euch den Song an!!!

    Aber: Ich bin irritiert. Dass mich das Schicksal Larrys tatsächlich so touchiert. Stärker als Drohnenangriffe auf Kiew. Meine Analyse: Der Horror in der Ukraine ist weit weg. Leid von Menschen, die ich nicht kenne. Fürchterlicher Alltag. O weia, ich schäme mich. Bin offenbar voll abgestumpft.

    Und sehne mich nach Larry. Der für mich eine Institution ist, so etwas wie ein Vorbild. Und nun ja: Privates berührt eben doch stärker als weit entferntes Öffentliches. Auch wenn dieses Private eigentlich marginal-trivial im Vergleich dazu wirkt. Andererseits: Wer will schon bewerten, was für wen wie wirkt?

    Zurück zu Larry. Der ja schon das biblische Alter von 20 Jahren erreicht hat. Er schreibt, er habe noch mindestens sechs Leben. Was mich aufatmen lässt. Im Rhythmus mit der Liedzeile der Killers: „Coming out of my cage.“

    Ich komme auch aus meinem virtuellen Käfig. Und erblicke da draußen mal wieder US-Präsident Trump. Der die Ukraine ein weiteres Mal verrät. Und verkauft. Trump präsentiert einen Diesel-Deal, den er mit Kremlchef Putin geschlossen hat.

    Russland soll in den kommenden Wochen – trotz Sanktionen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine – Hunderttausende Lieder Diesel an die USA liefern. Trump hofft so, die exorbitant hohen Spritpreise in seinem Land zu senken, für die er durch seinen Iran-Krieg ja maßgeblich selbst verantwortlich ist.

    Für die er massiv in der Kritik steht. Weswegen auch seine und die Umfragewerte seiner Republikaner desaströs sind. Und das kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen Anfang November. Und Trump glaubt: Sinkende Spritpreise könnten die Stimmung ändern. Weswegen ihm dann auch egal ist, dass er mit dem Geld für den Diesel die Kriegskasse von Putin füllt.

    Übrigens: Trump gratulierte Putin nun auch noch nachträglich zum 74. Geburtstag. Und wünschte ihm viel Erfolg. Während in den vergangenen Tagen erneut Dutzende ukrainische Zivilisten durch russische Angriffe starben. Es ist so widerwärtig. Denke ich so.

    Und bleibe trotzdem positiv. Dank Larry. Es gehe ihm viel besser, aber er gehe die Dinge Schritt für Schritt an, schreibt er auf seinem Account. Möge mein intellektueller Schatten Larry weitere sechs britische Regierungschefs überleben. Sagt der erleichterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Folgt Larry auf @Number10cat. Und chillt, Leute! 

  • 9. Oktober 2026

    Warum ich auch Friedensnobelpreisträger werden könnte – wenn doch nur jemand auf mich hörte

    Es ist gut, dass Menschen Kater mittlerweile wie Familienmitglieder behandeln – oftmals sogar besser, he he. Also: Emphatisch, auf Augenhöhe, manchmal sogar gleichberechtigt, wenn ich daran denke, dass meine Bruna mir erlaubt, ihr ab und an die Butter vom Brot zu nehmen, ups, nein: zu lecken.

    Es ist auch gut, dass Menschen sich auf Menschenrechte verständigt haben. Nicht gut ist, dass die nicht geachtet werden. Tendenz: Auch in Demokratien immer weniger. Dafür gilt immer mehr ein Leitsatz, der eigentlich der Vergangenheit anzugehören schien: Der Stärkere hat Recht. Und bestimmt, wo es lang geht. Back Richtung Barbarei also. Denke ich so.

    In mehr als der Hälfte der 50 Bundesstaaten in den USA gibt es noch die Todesstrafe. Schon das ist ein Schandfleck und wider aller Menschlichkeit. Die Debatte darüber ist gerade neu entflammt, weil die verurteilte Mörderin Christa Pike in Texas trotz Verabreichung von zwei Todesspritzen überlebt hat – und mittlerweile sogar wieder gehen kann.

    Ob sie trotz allem noch hingerichtet werden soll? Don’t know. Die US-Regierung setzt jetzt jedenfalls noch einen drauf. Verkündet, erstmals seit 60 Jahren solle Anfang Dezember wieder eine Militärhinrichtung stattfinden. Und die Erschießung, die solle öffentlich sein. Aber so richtig, für alle, also – per Livestream.

    US-Kriegsminister Hegseth sagt: „Die Menschen müssen verstehen, dass solche Taten schwerwiegende Konsequenzen haben.“ Echt jetzt? Frage ich so. Öffentliche Hinrichtungen hatten die USA noch vor nicht allzu langer Zeit selbst angeprangert. Zuletzt gab es so etwas im Iran und in Afghanistan. Länder, mit denen sich die USA jetzt in eine Reihe stellen. 

    Und ich denke so: Puuh, der Mann, der hingerichtet werden soll, klar, der ist ein verurteilter Mörder, erschoss vor 17 Jahren auf einem Militärstützpunkt in Texas 13 Menschen, verletzte 32 weiter – und erklärte, das sei Vergeltung für den Krieg der Amis in der muslimischen Welt.

    Aber – und das macht ja Rechtsstaat und Zivilisation aus – dass auch Mörder nicht getötet werden. Und wie pervers, dass dann eben diese Tötung auch noch gestreamt werden soll. Unfassbar. Auch ein Attentäter hat Persönlichkeitsrechte. Und was ist eigentlich mit Kindern, die sich da in den Stream einklinken? Frage ich mich so.

    Und sehe dann die guten Ansätze, die offenbar doch noch im Menschen schlummern. Der Friedensnobelpreis! Die Preisträgerin wird verkündet: Und the winner is: Nicht – wie er selbst fordert – US-Präsident Trump. Sondern eine ehemalige Richterin des Internationalen Strafgerichtshofs, die Südafrikanerin Navi Pillay.

    Und was machen die USA? Verhängen kurz nach dieser Verkündung Sanktionen gegen diesen Gerichtshof – unter anderem sollen Transaktionen mit dem Gericht verboten werden. Wie bitter und bekloppt. Kleingeistig. Tumb. Rückwärts gewandt. Denke ich. Und würde am liebsten schreien.

    Und bewundere Coco. Die die letzten Strahlen der Herbstsonne nutzt. Um zu chillen. Nach dem Motto: Nimm, was noch zu nehmen ist. Sagt der friedliebende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verteidigt Menschenrechte. Gebt mir den Friedensnobelpreis. Und chillt, Leute! 

  • 8. Oktober 2026

    Warum ich lieber Influcater als Cat-Statue bin und Kontur durch Kante gewinne

    Es könnte so einfach sein: Wenn man einfach mal schneller seinen inneren Schweineköter überwände. Und einfach mal machte, wozu man sich lange nicht so recht traut. Denke ich so. Als ich Diego sehe. Der nach überstandener Sport-Soziologie-Prüfung im Flow ist.

    Die Prüfung hat er endlich hinter sich gebracht. Nachdem er sie seit sechs Semestern immer wieder aufgeschoben hatte. Weil er keine Lust auf das Fach hatte. Keine Lust auf die Prüfung. Und sich beides jedes Semester verstärkte. So dass er sich nicht mal mehr aufs Lernen konzentrieren konnte.

    Nun, nach anderthalb Stunden Online-Prüfung über den Einfluss der Politik auf den doch eigentlich unabhängigen Sport, strahlt Diego: „Eigentlich spannendes Thema. Supernette Prüfer. Tolles Gespräch. Note: Eins. Naturally“ Und: „Ach, hätte ich gewusst, wie easy das ist, hätte ich das längst gemacht. Und mir die lange Qual erspart.“

    Liebe Leute, ich kann euch beruhigen – ich kenne die Problematik. Welch Respekt hatte ich als Kitten vor dem hohen Kratzbaum. Wochenlang. Und als ich eines Tages dann endlich sprang: Wow, geiles Gefühl. Wie einfach. Wie nice. Warum nicht früher?

    Oder mein Frust, wenn Coco mir meine Leckerli wegnahm und ich monatelang grübelte, ob ich eskalieren sollte. Aus Angst, sie könnte zurückschlagen. Aber: Sie versteht, seitdem ich ihr irgendwann – viel zu spät – mal eine Ohrfeige verpasste.

    Und so ist mein Appell: Seid ehrlich zu euch selbst. Und handelt. Sofort. Zeigt Kante. Um Konturen zu gewinnen. Zögert nicht. Abwarten macht alles nur noch schlimmer. Scusi, icke weeß, icke klinge wie ein schlechter Therapeut. Oder Influcater. Oder so.

    Aber ich will nun von Diegos und meinen Problemen endlich zum Großen und Ganzen kommen. Zur Politik. Zu Trump-Baby. Dem kaum einer wirklich sagt, was er oder sie von ihm denkt. Im Gegenteil, Speichellecker allerorten. Besonders in Europa. Denke ich so. Mit Blick auf die EU. Die – ohne Widerspruch – so ziemlich alles tut, was der US-Präsident so will. 

    Aber nun, nun beweist die EU tatsächlich so etwas wie Mut – oder besser: Mütchen, he, he. Denke ich so. Denn sie hat erlaubt, im Europaparlament in Straßburg eine 2,50 Meter hohe, vergoldete Skulptur von Galschiot aufzustellen, die Trump zeigt – nackt und fett. „Orange Plague“, also orangefarbene Pest, oder „King of Injustice“, also König der Ungerechtigkeit, nennt der dänische Künstler sein Werk.

    In der einen Hand trägt die Skulptur einen überlangen Golfschläger, daneben liegt ein Ball in Form der Erde. In der anderen Hand hält sie eine Waage – Anspielung auf die Figur Justitia, Symbol der Gerechtigkeit. Getragen wird dieser Trump von mir, he he. Und im Original: Von einem kleinen Mann.

    Trump sei eines der größten Hindernisse für die Lösung des Klimawandels, sagt Galschiot. Und ich denke so: Recht hat er. Aber richtig mutig wäre es, das Trump offen ins Gesicht zu sagen. Ihn offensiv anzugehen. Kratzen, beißen. Kontra geben. Klar, naiv. Icke weeß.

    Und stelle mir vor, wie es so wäre, ich als Trump. Ich als Trump-Statue. Einsam. Denke ich so. Und: Bald wird das auch Trump das merken. Spätestens wenn er machtlos ist. Sagt der aggressive Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Zeigt Kante. Und chillt, Leute! 

  • 7. Oktober 2026

    Suche nach Lichtblicken an düsteren Tagen und wie alles miteinander zusammenhängt

    Mein feeling ist: Alles geht bergab. Mein Wunsch: Ich will da nicht mitmachen. Um nicht in die Negativspirale zu geraten. Auch wenn es schwerfällt. Weil bei den Menschen irgendwie alles trüb ausschaut.

    Liegt vielleicht auch an diesem schrecklichen Jahrestag: Heute vor drei Jahren überfielen Terroristen der islamistischen Hamas Kibbuze und ein Musikfestival im Süden Israels, massakrierten mehr als 1.200 Menschen, entführten rund 250 in den Gazastreifen. Ein Trauma. Israel reagierte, zerstörte den Gazastreifen, rund 74.000 Palästinenser kamen in dem Krieg bislang ums Leben, viele Kinder. Hoffnung auf Frieden dort: Keine. 

    Unterdessen in Deutschland: Da wird ein Mann zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt gewählt, der einer rechtsextremistischen Partei angehört. Erschütternd. Seine Mehrheit bei der Wahl ist dann auch noch deutlicher als erwartet – es müssen auch Politiker anderer Parteien für ihn gestimmt haben – mutmaßlich der CDU.

    Puuuh, Schauder, selbst bei mir. Damit ist ein Politiker einer rechtsextremen und verfassungsfeindlichen Partei höchster Repräsentant eines Bundeslands – erstmals in Deutschland. Und ich denke an das Grundgesetz. Das sich Deutschland nach den Erfahrungen des Holocausts und Zweiten Weltkriegs gab. Oberstes Ziel: Absetzen vom Nazi-Regime – Motto: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

    Aber: Die braunen Schatten sind zurück. Denke ich so. Und schüttle mich, als ich hören muss, dass der Chef des Auslandsgeheimdiensts BND im Bundestag warnt, Deutschland sei in Gefahr, in einen gewaltsamen Konflikt mit Russland zu geraten. „Wir werden jetzt angegriffen.“ Sagt er mit Blick auf den mutmaßlich russischen Versuch, auf dem Leipziger Flughafen ein ukrainisches Flugzeug per Sprengstoff-Drohne zu zerstören.

    Die Glaubwürdigkeit des Geheimdiensts ist allerdings am Bröseln. Jetzt wurde Ex-BND-Chef August Hanning festgenommen. Wegen Spionageverdacht. Der Typ leitete die Behörde von 1998 bis 2005. Und soll danach Geheiminfos verkauft haben. Käufer: Vielleicht Aserbaidschan. Oder Russland? Ernsthaft? Was für eine schlechte Story….

    Alles erodiert. Auch die Bundesregierung. Union und SPD verlieren massiv an Zustimmung, während die AfD weiter zulegt. Dazu haben die Regierungsparteien konträre Ansichten, wie eine Trendumkehr zu schaffen sein könnte. Zusammen bleiben sie nur, weil sie wissen, dass eine Neuwahl sie in die Bedeutungslosigkeit stürzen könnte.

    Während Kremlchef Putin weiter Drohnen und Raketen auf die Ukraine prasseln lässt. Die sich nur wehren kann, weil Deutschland sie unterstützt. Was eine AfD-Regierung aber nicht mehr machen würde.

    Tja – düster, und dabei habe ich US-Präsident Trump noch gar nicht erwähnt. Aber der hängt natürlich auch irgendwie mit allem vorher Erwähntem zusammen. Denke ich so. Während eine zum Tode verurteilte Mörderin in den USA wieder aufwacht – nachdem zwei Giftspritzen es nicht vermochten, sie zu töten.

    Ist sie ein Monster – oder ist es ein Wunder? Sicher ist: Todesstrafe ist absurd. Und anmaßend. Auch wenn Hass und Wunsch nach Rache riesig sind. Ich schau nach oben. Sonne. Wärme. Licht. Leckerli. Meine Bruna. Ist da. Yes, es geht bergauf. Sagt der gedetschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Geht Essen. Und chillt, Leute! 

  • 6. Oktober 2026

    Meine Verwirrung durch KI: Die Ästhetik der Fischgräte

    Es wird immer schwieriger, zu erkennen, ob Bilder oder Texte durch KI geschaffen wurden oder durch Kater. Katzen. Oder Menschen. Und es wird immer einfacher, coole Ergebnisse mit Hilfe von KI zu schaffen – beispielsweise bei Fotos. Finde ich so. Wenn ich meine Insta-Galerie der vergangenen Wochen betrachte. Weird. Immerhin, Insta weist aus, welche der Fotos mit KI generiert sind.

    Und die Texte? Nun, die sind naturally von mir. Ausschließlich. Ohne KI. Ich schwöre. Aber klar, Ihr müsst mir vertrauen. Und ich gebe zu: Ich bin zutiefst verunsichert. Was den Umgang mit KI betrifft. Wenn ich Welt so betrachte, frage ich mich, ob ich ihr KI-Spiel weiter mitspielen soll. Oder nicht. Aus Prinzip. Wenngleich: Prinzipien sind per se shitty. Finde ich. 

    Was mich aber voll abtörnt, sind KI-Experimente jener, die vor KI warnen – und sich zugleich damit brüsten. Wie beispielsweise Kanzler Merz. Der warnt vor Desinformation und Arbeitsplatzverlust durch KI, veröffentlichte aber vor wenigen Tagen nach dem Zuschlag für München als deutsche Olympia-Bewerberstadt ein Filmchen auf Insta.

    In dem er sich anbiedernd an die KI wendet: „Zeig mir, wie Olympische Spiele in Deutschland aussehen können.“ Zwei Mal bittet er um Verbesserungen, nach wenigen Sekunden ist er erstmal zufrieden. Zu sehen ist: Ein Feuerwerk überm Olympiastadion, Frauenkirche, schwarz-rot-goldene Flaggen. Puuh, absoluter Kitsch. Finde selbst ich.

    Aber: Vor ein paar Jahren noch hätten Werbeagenturen dafür wohl monatelang geschuftet. Millionen abkassiert. Vielleicht mit einem Ergebnis, das mich mehr begeistert hätte. Aber über Ästhetik lässt sich bekanntlich streiten. Ich zum Beispiel finde ja auch Fischgräten nice… Optisch. Und vom Geschmack. 

    Nun, es gibt jene Kritiker, die monieren, KI-Nutzer unterstützten ein System, das systematisch klaue und Kreative arbeitslos mache. Krasse Behauptung. Und voll weltvergessen. Denke ich so. KI ist da. Es muss damit umgegangen werden.

    Und viele Kreative räumen ja selbst ein, sie zu nutzen. Beim kreativen Prozess als Helferin. Der gesagt wird, was sie tun soll. Die KI setzt dann um. Und das Umgesetzte wird dann wieder vom Kreativen begutachtet, ergänzt, verfeinert. Denke ich so.

    Es gibt naturally mittlerweile KI-Programme, die KI-generierte Werke erkennen können. Dem französischen Autoren Thelyson Orelien wird vorgeworfen, KI für seinen neuen Roman, der Kandidat für den bedeutendsten Literaturpreis des Landes war, eingesetzt zu haben. Aufgedeckt wurde das durch das KI-Programm Pangram. Orelien bestreitet KI-Einsatz. Tricky: Denn Pangram ist durchaus fehleranfällig. Und ich frage mich so: Wird nun der KI geglaubt? Oder dem Kreativen?

    Vielleicht, so denke ich, sollten immer einfach die Ergebnisse gewürdigt werden: Großartige Texte, die sich abheben vom Gewöhnlichen. Nun, Oreliens Roman ist mittlerweile gestrichen von der Liste der Preiskandidaten.

    Und ich bin vollkommen verwirrt. Sehe Coco schnüffelnd an Sonnenblumen. Alles real. Authentisch. Echt. Ohne KI. Ich schwöre. Sagt der verunsicherte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Akzeptiert KI. Geht mit ihr um. Und chillt, Leute!

  • 5. Oktober 2026

    Lost in paradise: Die Zweifel meiner Nuria in Palermo – und was ich wetten würde, wenn ich könnte

    Warum das Paradies verlassen, wenn man bleiben könnte? Frage ich mich so. Als ich meine Nuria leiden höre. Sie wisse nicht, ob sie ihr Erasmus-Studium in Palermo um weitere sechs Monate auf dann ein Jahr verlängern sollte. Sagt sie drei Wochen nach ihrer Ankunft auf Sizilien. Und ich glaube, ich kann sie verstehen. Denn: Palermo ist nicht nur coole Stadt der Kater. Und Katzen. Sondern auch Stadt des dolce vita.

    „Ich bin superglücklich hier“, schnurrt meine Nuria. Sonne, Menschen, Sprache, Uni, Meer, Pizza, Piazza, Gebäck, Strand, Musik, Obst und Gemüse – alles perfetto. Warum das also frühzeitig aufgeben? Fragt sie so. Und ich antworte so: Naturally, weil ich zu weit weg bin. Und wir so nicht zusammen chillen können. Schluchz. Leider ohne Träne. Weil Kater nicht weinen können. Von Natur aus. Schade.

    Und meine Nuria antwortet so auf ihre Frage: „Weil ich dann noch länger so weit von Piet entfernt bin.“ Ihr Boyfriend in Berlin, you know? Nicht ich! Und weiter: „Weil ich dann bei einer Rückkehr erst im Herbst viele Freunde und Freundinnen sehr lange nicht sehen würde, da die dann selbst ins Erasmus-Jahr starten. Weil ich die Untervermietung meines Freiburger Zimmers organisieren müsste.“ And so on. And so on. 

    Im Moment ist meine Nuria on fire. Gepusht. Beflügelt. Begeistert. Also: Lost im paradise Palermo. Mit ihrer WG-Mitbewohnerin Flora zieht sie von Piazza zu Piazza. Erzählt von der Wahnsinnsstimmung. Offene Mit-Studenten aus aller Welt, mit denen sie sofort über kulturelle Unterschiede diskutieren kann. Eine arabische Technoparty. Mit vielen Tunesiern. Pizza. Cocktails.

    Und dann mit Flora auf ihrem Balkon zwischen Ameisen bis 5 Uhr die Nacht Revue passieren lassen. Und auch danach nicht schlafen können, weil es so schön gewesen sei. Und so ist meine Nuria nicht nur superglücklich, sondern auch supererschöpft. Weil: Kaum Schlaf, sechs Stunden Uni am Tag, mit Italienisch-, Islam- und Jurakursen.

    Danach soziale Interaktionen ohne Ende – und nun auch noch ein Job: Einmal pro Woche zwei Stunden mit dem Cello in einer Bar mit ein paar Jungs jammen. Für 30 Euro. Aber natürlich gibt es auch im Paradies Menetekel: Weiß meine Nuria.

    Etwa übergriffige Männer – hinterher pfeifen und anzügliche Sprüche seien normal. Abends dürfe man als Frau nicht alleine durch die Straßen gehen, Piet habe ihr empfohlen, sich ein Pfefferspray zuzulegen. Was ihr auch nicht so gefalle: Die queere Community habe einen schweren Stand.

    Und: Die einheimischen Italiener seien gar nicht so offen, wie sie es erwartet habe. Im Gegenteil, eher abweisend – was sie auf die Abneigung gegen den überbordenden Tourismus zurückführt. Auch nicht so gut: Die Qualität der Uni-Seminare – viel Frontalunterricht, kaum Debatten. Sagt meine Nuria. Nervig auch das Plastik- und Müllproblem hier.

    Und ich denke so: Meine Nuria, enjoy einfach das Paradies. Und entscheide, wenn la dura Realta Euphoria ablöst. Wenn ich auf deine Entscheidung wetten dürfte, wüsste ich, worauf ich setze. He he.

    Aber: Ich sage nichts. Abgesehen davon: Wenn du mich nicht bald kuschelst, fliege ich nach Palermo und setze mich zum Obsthändler. Really. Sagt der sich vor Sehnsucht verzehrende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entscheidet besonnen. Und chillt, Leute! 

  • 4. Oktober 2026

    Warum Fliegen ätzend ist und ich Diegos Folter stoisch ertrage

    Es ist so nice: Diego ist back. Nach fast vier Wochen Palermo und Montpellier. Darf ich jetzt wieder seine plus Aura spüren. Wenn er mich empor hebt. Und ich dann da hänge wie ein Boxsack. Es aber enjoye. Weil er diese spezielle Grifftechnik beherrscht. Die mich krass antörnt. Und er jetzt auch noch gechillter rüberkommt als je zuvor. Katergleich quasi.

    Und dass, obwohl sein Flugzeug bei der Landung in Berlin durchstarten musste. Den Tower und die blinkenden Lichter auf der Landebahn habe er bereits durch die fetten Nebelschwaden gesehen. Erzählt Diego.

    Dann aber habe der Pilot die Maschine plötzlich wieder steil nach oben gezogen. 20 Minuten seien sie über meiner Muddastadt gekreist. Bis die Landung beim zweiten Versuch dann geklappt habe. Angst habe er nicht gehabt. Sondern ein Urvertrauen. Sagt er. Und ich schnurre. Tief. 

    Zur selben Zeit reiste Kanzler Merz – als Vertreter des mittlerweile größten Ukraine-Unterstützers Deutschland – in einer Nacht- und Nebelaktion nach Kiew. Per Bahn allerdings. Weil Flüge ob der ständig schwirrenden russischen Raketen viel zu gefährlich sind. Die Russen drohten dann auch noch direkt vor der geheimen Kanzler-Reise, Ausländer sollten die ukrainische Hauptstadt umgehend verlassen. Die Angriffe würden intensiviert.

    Und Merz so, in Kiew an Kremlchef Putin: „Hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf.“ Man sei zu Gesprächen bereit. Die Antwort Putins: Drohnen-Beschuss einer nur vier Kilometer von Merz entfernten Kiewer Brücke. Und Merz so: „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

    Tja, wie soll das aufhören? Frage ich mich so. Alles unversöhnlich. Gewinnt, wer länger durchhält? Putin – trotz darbender Wirtschaft und Tausenden im Krieg sterbenden Soldaten?  Oder Merz, dessen Volk angesichts fehlenden Gelds in den Sozialsystemen, der Bildung und der Infrastruktur die Ukraine-Hilfen immer skeptischer sieht.

    Und dem die vor Stärke strotzenden AfD-Rechtsextremisten im Nacken sitzen. Die genau das wollen: Ein Ende der Ukraine-Hilfen. Touchiert Merz nicht. Die Ukraine bekommt weiter Geld und Ausrüstung. Sagt Merz. Und: „Das alles hört nicht auf, wenn wir der Ukraine nicht mehr helfen. Im Gegenteil, es wird danach nur noch mehr.“ Sagt er. Während russische Drohnen auf Kiew prasseln. 

    Diego schwärmt von der Sonne Palermos, der Pizza, der italienischen Lebensfreude auf den  Piazzas, die er mit meiner dort studierenden Nuria genoss. Schwärmt von den lauen Sommerabenden danach in Vic – einem Dorf bei Montpellier, wo er in einem restaurierten Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert mit zwei Freunden logierte.

    Den Blick auf Flamingos genoss. Und auf streunende Kater. Yes! Das Leben könnte so weitergehen. Mit Reisen. Sagt Diego. Und ich denke so: Nur wenn ich mit darf, Alta. Ausgestreckt. In seinen Armen. Denn: Flamingos mag ich auch. Und plus Aura. Sagt der abenteuerlustige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Reist. Und chillt, Leute! 

  • 3. Oktober 2026

    Lecken für eine gelingende Einheit, kotzen auf AfD-Rekordwerte

    Sie leckt mich. Ich leck sie. Es ist schön. Wir sind eine Einheit. Coco und ich. Am Tag der deutschen Einheit. Der gefeiert wird, weil am 3. Oktober 1990 der Einigungsvertrag zwischen der DDR und der Bundesrepublik in Kraft trat. Gähn. Aber: Ohne die Vereinigung wäre ich jetzt wohl nicht Seite an Seite mit Coco.

    Weil Felix und Laura wohl kaum zueinander gefunden hätten, wenn die Mauer nicht gefallen wäre. Sondern sie in Hannover und Leipzig versauert wären. Und wir? Und meine Bruna, meine Nuria, Diego? Who knows? Also: Coco und ich würdigen es, die Einheit. Leckend.

    Während Laura flucht, heute den Kaffee schwarz trinken zu müssen. Weil die Geschäfte zu haben, was sie vergessen hatte. Und meine Bruna sich wundert, dass der Wochenmarkt vor der Haustür nicht wie sonst jeden Samstag da ist. Und die rechtspopulistische AfD außer sich vor Freude ist. Denn in einer Umfrage des Instituts Insa erreicht sie erstmals die 30-Prozent-Marke. 

    Eine weirde Zeit. Denke ich so. Während Coco über mir lungert. Denn zugleich fällt die Union in dieser Umfrage auf einen Tiefstwert: 18 Prozent. Reichen würde es nach dieser Umfrage nur noch für eine Dreierkoalition aus Union, SPD und Grünen. Tja – und dann sind auch noch 79 Prozent der Befragten mit der Arbeit von Kanzler Merz und der der Bundesregierung unzufrieden.

    Ich spüre den Kotzreiz. Denn damit ist klar, die Tendenz spricht weiter für die Rechtsextremisten. Und es ist so eklig. Ihren geifernden Jubel zu sehen. Sie seien nun Volkspartei. Und wie schön, ein solches Ergebnis am Tag der Einheit. Prahlen sie. Ungeniert.

    Und es scheint klar: 13 Jahre nach ihrer Gründung ist die AfD endgültig etabliert, hat einen Stamm von Fans. Die ihre mehr oder weniger exklusive Ablehnung von Ukraine-Hilfen und „Remigration“ voll cool finden. 

    Ich würge. Brauche heute dafür nicht mal Kotzgras. Eine offen rassistische Partei , die demokratiefeindlich agiert, Hass und Häme versprüht, ist auf Erfolgskurs. Es klingt so hilflos, wenn Bundespräsident Steinmeier in seiner Festtagsrede wohlfeil vor der Lust an Zerstörung, vor dem weiteren Erstarken extremistischer Parteien warnt – was auch durch Lügen und Manipulation in den sozialen Medien befeuert werde. Und die innere Einheit gefährde.

    Immerhin: Es gibt auch andere, die mir mehr Mut machen. Weil sie Kante zeigen. Wie der Komiker Hape Kerkeling. Der erneut vehement ein Verbotsverfahren gegen die AfD einfordert. Die Politik müsse jetzt handeln. Um das Volk zu schützen. Sagt er. Die Schmähungen und Drohungen durch Rechtsextremisten seien an Brutalität kaum zu überbieten.

    Tja, der Mann hat Recht. Denke ich so. Coco leckt mich. Ich lecke sie. Wahre Einheit. Durch gemeinsamen Genuss. Sagt der vereinheitlichte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wehret den Anfängen. Und chillt, Leute! 

  • 2. Oktober 2026

    Warum ich Japan liebe und einen Fahrstuhl als Erster verlassen würde, wenn ich Fahrstuhl fahren würde

    Der Mann der Katzen ist da. Martin. Felixens Kollege aus Japan. Ist zu uns gekommen. Um mich kennenzulernen. Wie er sagt. Weil er als Mitbewohner von drei Katzen in Tokio nun auch deutsche Katerkultur erleben wolle. Und ich ja nun besser als jeder andere Japan verkörpere: Weißes Fell, rote Zunge – die Farben der Flagge seines Landes. Und ich denke so: He, he. Der Mann hat Humor.

    Meinen Humor. Nett. Denn er füttert mich mit Leckerli. Und ich schenke ihm: Mein weißes Fell. Auf seinem blauen Sakko. Deutsche Gastfreundschaft. Denke ich so. Während sich Coco hinterm Herd versteckt hat. Auch deutsche Gastfreundschaft eben. He he.

    Martin lebt seit mehr als drei Jahrzehnten in Tokio. Liebt die japanische Mentalität. Und lacht über Lauras Freundin Josephine. Die kürzlich mit ihrem Mann Denis mehrere Monate in Japan war. Sich massiv in das Land verknallte. Und nun – back in meiner Muddastadt – am posttraumatischen Entzugssyndrom leidet. Oder so.

    Weil Japan so nice und damit ein solcher Gegensatz sei. Vor allem die Menschen dort: Aufgeschlossen, freundlich, nett, zugewandt, herzlich, ehrlich. Von innen heraus. Aggressionen gebe es nicht.

    Martin erzählt von seiner Ankunft bei uns im Prenzlberg. Fast wäre er zu spät gekommen. Die Ringbahn habe Verspätung wegen eines technischen Defekts gehabt. Das habe er antizipiert und sei 67 Minuten früher gestartet. Als er dann aus dem Bahnhof Greifswalder Straße gelaufen sei, sei ihm ein Mann entgegengekommen, der direkt vor ihm stehend angefangen habe zu kreischen. Erzählt Martin.

    Und weiter: Also habe er erst mal kehrt gemacht und sich eine Bank gesucht. Lange habe er es dort aber wegen des ätzenden Uringeruchs  nicht ausgehalten. Vor dem Bahnhof habe ihn eine riesige Baustelle empfangen, der schmale Fußweg übersät von Müll, zwischendrin eine Matratze mit einer darauf schlafenden Frau. Die Unterführung voller Graffiti. Unvorstellbar. Und ich denke so: Willkommen in Berlin. 

    In Japan dagegen sei alles sehr sauber, sagt Martin. Auch die öffentlichen Toiletten. Nirgends Graffiti. Keine Obdachlosen, ein sehr homogenes Stadtbild – fast nur Menschen, die als Japaner gelesen würden. Dazu: Exakt pünktliche Züge, Arzttermine ohne Wartezeit, nette Umgangsformen, der Kunde sei König.

    Ergo: Er könne die Begeisterung von Josephine, Denis und vielen Europäern für Japan sehr gut nachvollziehen. Weil das Land die Sehnsucht nach einem funktionierenden Staat erfülle. Good old Europe reloaded.

    Aber: Die Politik sei stramm rechts, ausländerfeindlich, obwohl das stark alternde Land Migranten ebenso wie Deutschland benötige. Es gebe für Arbeitnehmer nur zehn Tage Urlaub im Jahr. Die sich viele dann auch noch für mögliche Krankheitstage aufsparten, um den Kollegen nicht zur Last zu fallen. Alles, auch der Umgang miteinander sei streng formalisiert. Das müsse man lernen.

    Beispiel Aussteigen aus einem Fahrstuhl: Da könne es zu einer unauflöslichen Pattsituation kommen, wenn ein Vorstandsboss, eine Frau und ein Popstar drin seien und es darum gehe, wer zuerst aussteigt. Und ich denke so: Mensch, habt ihr Probleme. Ich würde als Erster raus hüpfen, he he.

    Während Coco unsichtbar bleibt. Und erst erscheint, als Martin weg ist. Und die Leckerli auch. Naturally. Sie rast zur Tür. Wimmert. Was denn nun? Fragt der kosmopolnische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: besucht Japan. Und chillt, Leute!