Autor: Hauptstadtkater

  • 17. Dezember 2025

    Coco ist weg

    Coco ist weg. Richtig weg. Und das tut unermesslich weh. Weil ich sie sooo vermisse. Und merke: Ich. Bin. Verliebt. In. Sie. Es ist so komisch. Sie rennt nicht mit mir durchs Revier. Zu den Leckerli, wenn meine Bruna mit dem Öffnen der Dose, das typische Klackgeräusch erzeugt, auf das wir konditioniert sind. Sie springt nicht auf mich. Sie leckt mich nicht. Sie macht keinen Quatsch. Kurz: Es. Ist. Sehr. Ruhig.

    Meine Leute kann nicht einmal ich trösten. Mein Schnurren bringt nichts. Sie. Sind. Total. Traurig.

    Heute Abend waren noch die Nachbarskinder Dani und Walt da, damit wir mal wieder mit ihnen spielen. Coco voll in ihrem Element. Ich auch. Eigentlich ein guter Abend. Felix macht Intensiv-Reinigung unserer Toilette. Coco, als die neue Streu drinnen ist, sofort in der Toilette, um sie zu markieren. Tja – und dann gingen meine Leute raus. Und rein. Und raus. Und rein. Und Felix machte Sport – mit offenem Fenster. Behauptet, es sei keine Katze im Zimmer gewesen. Bei mir stimmt es. Auf jeden Fall.

    Aber auch ich habe mich dann gewundert, als Coco nicht dazu kam, zum Plätzchenbacken mit meiner Bruna. Denn die Bleche mit den frisch gebackenen Keksen standen auf dem Küchenboden – eigentlich ein Fest für sie. Aber klar, auch sie muss mal chillen. Aber dann, als meine Bruna ins Bett will, ist Coco weiter nicht auffindbar. Und das obligatorische Gute-Nacht-Küsschen so nicht möglich.

    Das Drama nimmt seinen Lauf. Laura wird geweckt. Felix kann kaum arbeiten. Sie suchen drinnen. Draußen. Kalt. Im Treppenhaus. Im Innenhof. Unter Schränken. Spalten. Meine Bruna macht einen Aushang, den sie an die Eingangstür heftet: Wo ist Coco?

    Boah, bin ich erschöpft. Meine Liebe. Meine zarte Coco. Trauer ohne Ende. Sagt der einsame Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verliert nie die Hoffnung. Und chillt, Leute.

  • 16. Dezember 2025

    Meine Horrorshow und erbarmungsloser Kampf der Generationen

    Es ist der Alptraum: Mein Lieblingsplatz wird zur Horrorshow. Die Wäschetrommel. Wenn die Glastür zuschlägt. Das Ding beginnt zu knattern. Zu rotieren. Und das Schlimmste: Wasser. Stürzt auf mich. Ich hasse Wasser. Dazu noch Schaum. Der klebt. Stinkt. Ich werde emporgewirbelt. Es wird heiß. Zu heiß. Es wird laut. Zu laut. Alles dreht sich. Immer schneller. Ich sehe Laura durch die Glasscheibe wegstolzieren. Luft. Ist das letzte, an was ich denke. Exit.

    So ist das, wenn ein Ignorant die Tür ohne Check schließt. Und die Maschine anstellt. Feinwäsche, 90 Grad. Ich habe in meiner Kindheit und Jugend oft in der Waschmaschinentrommel gechillt. So nice. So warm, eng, dunkel, duftend. Und wäre da fast Opfer geworden. Die Tür war schon zu. Als Laura dann doch mein klägliches Klagen noch rechtzeitig wahrnahm. Und sie gleich nach dem Start stoppte.

    Und ich triefend nass und geschockt raushüpfte. Meine Leute: Lachten. Empathielos. Unfassbar. Nun habe ich. Ein Trauma. Na toll. Weil Menschen Wäsche waschen wollen. Unnötig. Aus meiner Sicht. Lecken hilft. Aber das wollen sie nicht sehen. Egoisten. Egozentrisch. Und bösartig. Oder verbittert.

    Exemplarisches erlebte heute Felix. Auf dem Fahrradplatz vor dem Lidl. Wo neben ihm, um 14.28 Uhr, beim Abschließen seiner Rennmaschine eine Frau steht, 57 Jahre jung. Schätzt er. Sie telefoniert. Schimpft laut. Neben ihr eine Radtasche, vollgepackt mit Obst und Gemüse. „Nichts funktioniert mehr in diesem Land“, empört sie sich. Nicht mal die Post. Die unfähig sei, Päckchen wie angekündigt zu liefern. Alles sei kaputt und werde immer schlimmer, immer schlechter – hört Felix noch, bevor er in den Supermarkt entschwindet.

    24 Minuten später empört sich die Frau noch immer. Schuld am Niedergang des Landes sei die Generation Z, analysiert sie. Von den 15- bis 30-Jährigen wolle ja niemand mehr arbeiten. „Die wollen nur Party, chillen und nehmen Drogen.“ Die Frau ist außer sich. „Wenn wir Baby Boomer erst mal alle in Rente sind und die arbeiten sollen, bricht endgültig alles zusammen.“ Ruft sie.

    Packt ihre Radtasche ans Gefährt. Beziehungsweise: Versucht das. Was misslingt, weil sie ja nur eine Hand zur Verfügung hat, in der anderen ist das Handy. Die Tasche kippt um. Obst und Gemüse entleeren sich. Und ich denke so: Welch Frust reitet sie? Um diesen Hass zu verspüren? Der reicht, Generationen für Jahre auseinander zu dividieren. Und Felix kommentarlos wegradeln zu lassen.

    Allein, Coco interessiert das alles nicht. Sie bleibt in der Waschmaschinentrommel liegen. Wie dereinst ich. Chillt. Ohne Ende. Und lässt sich nicht von mir warnen. Vor den Gefahren. Ja, das sind die Privilegien der Jugend. Denke ich so. Die sich nichts sagen lassen will. Von mir. Von den Alten. Und ich spüre Empörung in mir aufsteigen. Ob dieser Missachtung. Meiner.

    Und rase zur Palme. Im Wohnzimmer. Kralle mich an sie. Und sie stürzt vom Fensterbrett. Mit mir am Stamm hängend. Es schmerzt kaum. Der Aufprall. Zum Glück. Sagt der traumatisierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt seid gnädig mit anderen. Und chillt. Leute.

  • 15. Dezember 2025

    Meine Suche nach Me-Time und das Comeback Europas

    Wo ich bin, da will auch sie sein. Weswegen ich kaum Quality-Time habe. Beziehungsweise: Me-Time. Selbst auf meinem absoluten Lieblingsplatz im Bett meiner Bruna. Lässt Coco mir im Schnitt höchstens 42 Sekunden. Bis sie auf mich springt. Und ich so: Aushalten. Ich war ja auch mal so. Ist ein Zeichen der Wertschätzung. Und ich mag sie ja. Nicht.

    Trotzdem: Vergraulen und verletzen will ich das zarte und so sweete Gemüt natürlich auch wieder nicht. Diplomatie eben. Wie bei den Menschen. Die das auch brauchen. Um zu kitten, was sie durch mangelnde Wertschätzung, Aggression und Gewalt zerstört haben.

    Die Ukraine leidet mittlerweile fast seit vier Jahren unter dem durch Russland aufgezwungenen Krieg. Die USA verhandelten zuletzt nur mit den Russen und den Ukrainern für einen Frieden – die Europäer waren außen vor. Als zu schwach und machtlos, wurden sie von US-Präsident Trump abgecancelt.

    Nun sind sie immerhin wieder mit dabei am Verhandlungstisch. Und wie gestern schon erwähnt: Ich. Leider. Nicht. Obwohl ich doch nur fünf Kilometer vom Verhandlungsort, dem Kanzleramt in Berlin, entfernt bin. Und von Expertise bis Coolness einiges beizutragen hätte.

    Tatsächlich sind die Partner offenbar auch ohne mich vorwärtsgekommen. Sagen sie hernach. Als Sicherheitsgarantie für die Ukraine könne eine multinationale Truppe dienen. Und ich denke so: Häh, hat doch schon vor Wochen der französische Präsident Macron vorgeschlagen. Und ich höre auch noch die Antwort von Kremldespot Putin nachhallen: Njet.

    Ein weiterer Vorschlag: Die USA sollen einen Waffenstillstand überwachen – mit internationaler Beteiligung. Und weiter: Problematisch allerdings blieben die Territorialfragen. Klar sei, dass die Ukraine nicht einfach auf eigenes Gebiet verzichte. Und ich denke so: Warum, warum nur sollte Russland auf diese Punkte eingehen. Wo Putin schon zigfach erklärt hat, keinen Deut von seinen Maximalforderungen abrücken zu wollen.

    Kanzler Merz betont dann noch, der Druck auf Russland könne erhöht werden. Indem die in der EU eingefrorenen Vermögen Russlands beschlagnahmt würden – und für den Wiederaufbau verwendet würden. Das Thema ist allerdings in der EU noch nicht durch. Offenbar auch nicht bei den Menschen. Hierzulande.

    Ich höre Felix, der erzählt, ein Freund lehne diesen Vorschlag komplett ab. Das sei ein eklatanter Rechtsbruch, der Sargnagel für die EU. Behauptet der. Denn: Welcher ausländische Staat wolle dann noch Geld in der EU anlegen? Das Vertrauen sei weg. Und ich denke so: Rechtsbruch? Hat den nicht Putin begangen mit seinem Krieg? Und seinen Morden an Tausenden Menschen?

    Ich habe Vertrauen. Zu Coco. Zu meiner Bruna. Vor allem, wenn ich Ruhe hatte. Um Kraft zu sammeln. Um Coco und Menschen zu ertragen. Ich zähle bis 41. Und sie ist wieder da. Im Bett meiner Alea. Ich haue sie und weiß nur: Ohne Vertrauen keine Basis für Frieden. Sagt der diplomatische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt nehmt euch Me-Time. Und chillt, Leute.

  • 14. Dezember 2025

    Ukraine-Friedensverhandlungen ohne mich

    Ich bin wirklich: Aufgeregt. So aufgeregt. Und das als gechillter Hauptstadtkater. Aber nur fünf Kilometer von meinem Revier entfernt, im Kanzleramt, wird seit heute Weltpolitik gemacht. Vielleicht sogar so etwas wie Geschichte geschrieben. Weil über den Anfang des Endes des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verhandelt wird. Über einen Friedensplan.

    Mit dabei: Der ukrainische Präsident Selenskyj, US-Unterhändler, Kanzler Merz – und ab morgen dann noch ganz viele Nato- und EU-Bosse. Nicht dabei: Ich. Und – auch nicht ganz unwesentlich – der Russe fehlt ebenfalls.

    Nicht nur ich bin aufgeregt. Alle sind voll aufgeregt. Der Kanzler, weil er die Chance hat, endlich Europa in die Ukraine-Verhandlungen reinzubringen und dabei eine Führungsrolle einzunehmen. Die Amerikaner, weil sie sich als weltweite Friedensengel etablieren wollen, um dann wieder Handel mit Russland starten zu können. Die Ukraine, weil es nun tatsächlich um ein Ende des Kriegs geht – aber auch darum, Optionen zu bekommen, die einen künftigen Angriff für Russland unmöglich machen.

    Nun: Ich bin schon wieder ganz ruhig. Weil alles, was ich weiß, ist: Eigentlich muss niemand aufgeregt sein. Weil derjenige, an den sich der Plan richtet – Russland –  gar nicht mit am Tisch sitzt. Oder vielleicht doch?  Frage ich mich so: In Gestalt der USA? Welch Horror!

    Und so zweifle ich, ob die Verhandlungen hier in Berlin überhaupt was bringen: Denn bislang simulierte Kremldespot Putin ja nur so etwas wie Diplomatie, um seinen Krieg weiterführen zu können. Machte deutlich, nicht von seinen Maximalforderungen abzuweichen. Wozu auch Gebietsabtretungen der Ukraine zählen, die Russland gar nicht erobert hat. Also inakzeptabel. Für die Ukraine.

    Selenskyj dagegen zeigt sich nun kompromissbereit: Anders als sogar in der Verfassung seines Landes verankert, würde die Ukraine ihre Ambitionen auf einen Nato-Beitritt aufgeben – wenn es dafür Sicherheitsgarantien der USA und der Europäer gäbe. Heißt es. Darüber wird nun in Berlin verhandelt.

    Und auch wenn klar ist, dass Putin die ganze Ukraine will und Kompromisse wohl abschmettert. Es ist positiv, wenn sich die Ukraine und ihre Verbündeten auf eine Linie einigen. Und noch positiver für alle wäre: Wenn ich – ein gechillter Kater – mit meinen positiven Vibes dabei wäre. Denke ich so. Denn klar ist doch: Wer aufgeregt ist, verhandelt nicht gut.

    Allein: Sie laden mich nicht ein. Und mein Optimismus bekommt einen weiteren krassen Dämpfer. Weil ich sehe: Der Mensch ist und bleibt eine Bestie. Zwei Männer schießen am berühmten Bondi Beach in der australischen Metropole Sydney auf Menschen, die das jüdische Lichterfest Chanukka feiern. 16 Menschen werden umgebracht, fast 30 verletzt. Offenbar ein antisemitischer Anschlag.

    So viel Hass. Macht mich fertig. Um mich zu beruhigen, muss ich Coco beobachten. Sie ist entspannt. Schnurrt und chillt. Und ich merke, wie sich dieser Vibe auf mich überträgt. Wer chillt, entwickelt Hoffnungen. Sagt der zweifelnde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid lieb zu euren Nächsten. Und chillt.

  • 13. Dezember 2025

    Wild Coco und empfindlich unempfindliche Menschen

    Wild. Wie wild kann man sein? Frage ich mich so. Und sehe Coco über mich fliegen. Coco: Synonym für wild. Sie rast durch mein Revier. Springt 1,72 Meter über mich. Aus dem Stand. Hangelt sich den Kratzbaum empor. Um dann runterzufliegen. Mich zu treffen. Sie rupft mir Fellbüschel aus meinem Pelz. Fängt die Maus.

    Apportiert sie zu Felix. Windet den Faden samt Stab, an dem die Maus hängt, um seine Füße. Um dann in selbige – also seine Füße, Beine, und dann sogar Hände – zu beißen. Bis Felix aufkreischt. Und aufflattert wie ein eben erwischtes Vögli in seinen letzten Zügen. Lediglich weil Cocos Bisse an seinem Bein und Arm anschwellen. Wie Mückenstiche eben.

    So what, denke ich so. Menschen. So empfindlich. Unempfindlich. Laura und Felix erzählen von einem Treffen mit Freunden – fünf Ärzten. Da sei es um Demenz, die Partydroge Lachgas und das gegangen, was Menschen so alles vertragen. Viel.

    Geschlucktes Plastik beispielsweise sei kein Problem. Werde meist wieder ausgeschieden. Ohne Eingriff. Nägel seien auch meist ungefährlich, weil sie durch den Darm mit Spitze nach oben geschleust würden. Batterien aber – not so nice – weil daraus Säure austreten könnte. Und ich frage mich so, warum sie so was schlucken.

    Empfindlich sind Menschen auch dann, wenn es um Abschiede von Liebgewonnenem geht. Der Buchladen von Lauras Freundin Tanja macht zum Jahresende dicht. Zu wenig Buchleser. Zu viel Konkurrenz. Zu viel Online. Zu wenig Sichtbarkeit, weil Baugerüste die Auslagen die vergangenen 15 Monate verhüllten.

    Seit drei Tagen sind die Gerüste, die für den Bau einer edlen Dachgeschosswohnung gebraucht wurden, wieder weg. Geben nicht nur den Blick auf das Schaufenster mit den Büchern frei, sondern auch auf die Fassade, schmuddelig wie ehedem. Nun die Abschiedsparty mit 60 Gästen. In dem kleinen Laden. Nostalgie. Nach 70 Jahren verschwindet eine Kiez-Institution. Und ich sehe, wie meine Leute Bücher bestellen. Bei Amazon.

    Ich spüre die Empörung. Könnte. Wild. Werden. Werde es auch. Springe auf Coco. Lege meine Pfoten um ihren Hals. Zwinge sie auf den Boden unter mich. Bis sie sich langsam erhebt. Und mir mit gesenktem Kopf unterwürfig ihren Hintern präsentiert. So. Muss. Es. Sein. Respekt. Und Demut. Denke ich so.

    Und widme mich mit Leidenschaft Cocos Kittenfutter. Voller Proteine. Für heranwachsende Kitten eben.  Egal. Es schmeckt. Sagt der unempfindliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid sensibel und chillt, Leute.

  • 12. Dezember 2025

    Das Ü-Paket mit Coco und russischer Cyberkrieg

    Wir lieben: Höhlen, Kisten, Waschmaschinentrommeln – alles eben, was eng, dunkel, warm und kuschelig ist. Wo man nicht gleich erkannt wird. Ein absolutes Highlight: Ausgepackte Päckchen. Und die gibt es jetzt, in der Weihnachtszeit, in Hülle und Fülle. Paradiesisch.

    Ich bin in einem drin. Coco ist in einem anderen drin. Der Deckel fällt. Auf Coco. Und Felix so: „Wo ist sie?“ Die sofort antwortet, als er den Karton packt, um ihn zum Müll zu bringen. Ihre Pfote peitscht aus dem Paket vor. Trifft seine Hand. Und er so: „Shit, tut weh.“ Und ich so: Boah, ist er krass gechillt. Weihnachten – oder was?

    Dass in einer Packung was anderes drin ist als vermutet, dafür gibt’s ja einige Beispiele: Die Griechen. Mit ihrem trojanischen Pferd. Das sie Troja schenkten. Und in dem sie Soldaten verbargen. Die dann ihren Leuten nachts die Stadtpforten öffneten, sodass sie Troja leicht einnehmen konnten. Auch heute gibt es Trojaner: Getarnte Schadstoffware, die in Computersysteme eindringt.

    Hacker – auch staatlich unterstützt – nutzen das häufig. Um Cyberangriffe zu starten. Um Fake News zu verbreiten. Heute bestellte die Bundesregierung den russischen Botschafter ein, um dagegen zu protestieren. Sie wirft dem russischen Militärgeheimdienst GRU vor, Falschnachrichten zu verbreiten, um Menschen zu verunsichern, die Demokratie zu delegitimieren.

    Vor der letzten Bundestagswahl sei in falschen Gutachten behauptet worden, der damalige Unions-Kanzlerkandidat Merz sei psychisch krank, zu Grünen-Spitzenkandidat Habeck kursierten Gerüchte, er sei in einen Korruptionsskandal in der Ukraine verwickelt. Gefälschte Videos zeigten Manipulationen bei Stimmenauszählung von Wahlen. Und – weiterer Vorwurf: Eine russische Hackergruppe habe 2024 einen Cyberangriff auf die Deutsche Flugsicherung gestartet.

    Und ich denke so: Man sollte schon genau checken, was in Botschaften, Mails – oder Paketen –  drin steckt. Woher Filme, Berichte, Posts so kommen.  Und man sollte auch checken, was in vermeintlich leeren Päckchen ist, bevor man sie entsorgt.

    Ich räume ein: Ich bin froh, dass Coco nicht auf dem Müll gelandet ist. Sondern jetzt durch mein Revier rast. Ins Bad. Und in die Waschmaschinentrommel springt. Und ich denke so: „Hej, Alte, kann doch nicht wahr sein, voll gefährlich.“ Stelle mir vor, wie sie nach einem Weichspülgang bei 60 Grad aussehen würde. Wild.

    Und denke so, ich muss Baby Coco schützen. Und springe hinter ihr her. Spüre einen Schlag. Die Tür der Waschmaschine ist zu. Felix hat sie geschlossen. Sieht uns nicht. Hört nicht das klägliche Miauen. Und stellt das Ding an.

    Panik. Angst. Das reinströmende Wasser nimmt mir den Atem. Coco fiept. Und ich schrecke hoch. Atme durch. Liege auf dem Bett meiner Bruna. Welch Alptraum. Welch Glück. Neben mir Coco schnaufen zu hören. Und ich denke so: Always be careful. Sagt der erleichterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Checkt alle Botschaften. Und chillt, Leute.

  • 11. Dezember 2025

    Der große Salami-Klau und Trumps Ablenkungsmanöver

    Ablenken – und dann zuschlagen. Am besten überraschend. Unerwartet. Und am allerbesten: Im Team. Das sind in diesem Fall tatsächlich Coco und ich. Unsere Story: Hunger habe ich immer. Essen habe ich selten. Meine Leute oft. Unfair. Würde ich mal sagen.

    Und so machen Coco und ich, was schlaue Katzen so machen: Sie kratzt sich geräuschvoll auf den antiken Edelsessel hoch und hängt sich dann an Sören –unser Adventskalender, ein Weihnachtsmann, an dem lauter Päckchen hängen. Und an dem nun Coco dekorativ mitbaumelt. Felix – vor seinem Computer schmausend – springt entsetzt auf. Um Coco abzunehmen und zu verscheuchen. Und ich: Springe auf den Tisch, auf dem Felixens Brote warten. Räume die Salami ab. Perfetto.

    Versuchen Menschen natürlich auch – Ablenkungsmanöver. Um die Realität zu verschleiern etwa. Ein Meister dieser Taktik ist US-Präsident Trump. In den USA wird Kritik an ihm lauter. Viele Menschen klagen über steigende Preise; verlieren ihre Krankenversicherung, weil die Beiträge explodieren. Und prompt losen Trumps Republikaner Wahlen – zuletzt die Bürgermeisterwahl in Miami. Eine Stadt, die sie fast drei Jahrzehnte regierten.

    Und was macht Trump? Setzt sich nicht etwas damit oder den Gründen dafür auseinander. Sondern lenkt ab, lässt Boote vor der venezolanischen Küste versenken, von denen er behauptet, sie transportierten Drogen. Oder beschimpft Europa. Die Spitzenpolitiker dort machten keine gute Arbeit. Sie seien schwach, die meisten europäischen Staaten würden zunehmend verfallen. Positiv zu bewerten seien nur Polen und Ungarn.

    Und ich denke so: Ungarn also, ein Land das autoritär von einem Mann namens Orban regiert wird, der sich dann auch noch gut mit Kremldespot Putin versteht. Und Polen – da steht der Präsident auch weit rechts.

    Nun – ob Trump seine Ablenkung so gut gelingt wie Coco und mir, bleibt mal abzuwarten. Denn wenn seine Bürger nicht mehr genug Geld für den täglichen Bedarf und Hunger haben, wird das Unzufriedenheit hervorrufen – unabhängig, wie sich Trump brüstet und um sich schlägt. Denke ich so.

    Ich kann das nachvollziehen. Denn: Mit Hunger kenne ich mich sehr gut aus. Hunger ist meine Triebfeder. Weswegen ich schnell die Salami verschlinge. Bevor Felix seine Strafaktion gegen Coco vollendet hat.

    Und das Beste: Coco will nichts abhaben. Auf Salami verzichtet sie. Ihr reicht es, Spaß mit Felix zu haben. Sie will nur spielen, denke ich so. Und das ist so nice. Sagt der ablenkende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt bei einer Sache und chillt, Leute.

  • 10. Dezember 2025

    Insta for Cats und Social Media-Verbot in Down Under

    Insta, Tiktok, Snapchat, Twitch, X und wie sie alle heißen. Ist mir alles komplett egal. Ich. Mag. Social. Media. Nicht. Was naturally nicht daran liegt, dass ich es nicht checke. Sondern, dass das eine echte Konkurrenz ist für mich. Wenn meine Bruna, Diego oder selbst die Alten Laura und Felix erst mal damit anfangen, auf den Bildschirm zu starren, kann ich noch so nah an ihnen vorbeistreifen. Noch so laut schnurren. Sie ignorieren mich.

    Seit heute verbietet Australien Jugendlichen unter 16 Jahren, ein eigenes Konto auf den zehn großen Social Media-Plattformen zu besitzen. Und ich denke so: Krass, da verbieten alte Menschen Digital Natives ihr Medium. Aber klar, die Alten wollen ja nur das Beste – die Jungen schützen… Und ich denke an die Sessel, die meine Leute sorgfältig mit Tüchern abdecken. Damit Coco und ich unsere Krallen daran nicht schärfen. Gäbe bessere Möglichkeiten dafür. Behaupten sie. Sie wollen ja nur das Beste…

    Nun, das Verbot in Australien ist ein weltweit einmaliges Experiment. Rund 440.000 Menschen unter 16 Jahren sollen dort allein auf den drei Plattformen Snapchat, Insta und Tiktok unterwegs sein. Ab heute müssen User ihr Alter dafür nachweisen. Verifiziert wird es durch Ausweis, Gesichtserkennung und den digitalen Spuren, die die Leute im Netz hinterlassen haben.

    Der Aufschrei gegen das Verbot ist natürlich groß. Vor allem bei den Betroffenen. Die behaupten, über Social Media Freunde gefunden zu haben und Kontakte zu halten. Sich zu informieren. Heute telefoniere man nicht mehr, sondern halte über Insta und Co. Kontakt. Andere fühlen sich bevormundet, weil sie nun nicht mehr Plattformen mit Schminktipps bespielen dürfen. Und damit Tausende Follower verlieren.

    Und die Alten, die Bestimmer? Die sagen, das Verbot müsse sein. Denn durch den ständigen Social Media Gebrauch verkümmere das Gehirn, man müsse Kindern bis 16 ermöglichen, emotionale Intelligenz, Empathie, Kommunikations- und Konzentrationsfähigkeit zu entwickeln. Bevor das durch Social Media gestört werde. Und sie süchtig gemacht würden. Nur noch vor dem Bildschirm hingen, nicht altersgemäße Inhalte konsumierten oder cyber-gemobbt würden.

    Kurz, eigentlich also ok, ein Verbot. Aber, mein „aber“: Lässt sich eine Entwicklung durch Verbote aufhalten? Frage ich mich so. Wäre es nicht besser, den Umgang damit zu erlernen. Sich Gefahren und Nutzen bewusst zu machen? Oder überfordere ich mal wieder den Menschen. Und seine „Vernunft“?

    Ich räume ein: Ganz egal ist mir Insta nun doch nicht. Hab da ja einen großen Teil meiner Fan-Base: 27 Leute! Menschen! Die mir, einem Kater, followen. Stolz! Ich bin auf Insta, weil ich weiß, dass viele Leute nicht mehr von Papier lesen. Sondern alles digital sein muss, um wahrgenommen zu werden. Genug palavert.

    Ich rase zum Sessel. Mit Coco. Vergnüge ich mich unter den Schutzdecken. Kratze, beiße. In die Polster. Macht besonders Spaß – weil: Verboten. Und dann: Chillen. Auf dem edlen Antik-Möbelstück. Unter mir liegt Coco. Oben ich. So muss es sein. Sagt der Insta-Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt schaltet Social Media ab. Schaut die Realität an. Und chillt, Leute.

  • 9. Dezember 2025

    Weltrekord? Kündigen macht Diego glücklich

    A good day: Weil ich Konsequenz sehe. Die – wie so oft – zum Glück und zur Freiheit führt. Wie bei Diego: Der heute einen Weltrekord aufgestellt hat, nun gut, zumindest einen Familienrekord. So schnell kündigte noch nie jemand der unseren seinen oder ihren Job. Diego did it. Nur 14 Stunden nach der ersten Schicht reichte er heute seine Kündigung ein – emotionsloser Abschied vom Rad-Lieferdienst Flink. Und ich goutiere es.

    Denn ich verstehe: Er will nicht ausgebeutet, überwacht, gedemütigt werden. Bei dann auch noch widrigen Bedingungen – und nicht nur wegen der schlechten Bezahlung. Sondern auch der Umgang ist mies: Während der Fahrten zu Kunden wird ihm ständig gespiegelt wird, wie langsam er ist. Das Gerät, auf dem ihm das mitgeteilt wird: Ist dann auch noch sein Privathandy.

    Das sollte Diego sich nicht antun. Sondern mit mir chillen. Und futtern. Denke ich so. Während ich mich in den Schoß meiner Bruna einrolle. Und daran arbeite, Fett anzusetzen. Denn es ist kalt draußen. Und wird noch kälter. Und dagegen hilft eben nun mal nur: Speck. Und Fell. Und kuscheln.

    Ein krasses Frösteln löst bei mir momentan eigentlich täglich mehrfach US-Präsident Trump aus. Der wiederholt so laut und oft, wie undemokratisch und verwahrlost Europa sei, dass selbst ich aufpassen muss, es nicht langsam zu glauben. Zumindest zu denken: Hat der Typ vielleicht doch ein bisschen Recht? Mit dem einen oder anderen Punkt? Natürlich nicht! Weise ich mich zurecht.

    Aber es ist so krass, wie sein Gift der Lüge langsam wirkt und zersetzt. Denke ich so. Das Gift in mich fließt. Wie eine Impfung. Pro Trump. Aber: Garantiert mit schlimmsten Nebenwirkungen.

    Wieder tönt der Typ, Europa entwickle sich in eine schlechte Richtung. Was auch schlecht für die Menschen sei. Die USA wollten nicht, dass sich Europa so verändere. Und ich frage mich: Wer verändert sich? Wie wollen die USA das verhindern? Und es gruselt mich. Sehr.

    Denn mehrere Abgeordnete der rechtsextremen AfD sind – auf Steuerzahlerkosten – in die USA gereist, um sich mit Trumps Republikanern zu vernetzen. Von ihnen zu lernen. Wie man Demokratien delegitimiert. Und zerstört. Das Weiße Haus ermutigt die Rechtsextremen: In seiner vergangenen Woche vorgestellten überarbeiteten Sicherheitsdoktrin hatte das Weiße Haus geschrieben, Parteien fördern zu wollen, die in Europa gegen die alte Ordnung aufbegehren.

    Puuuh, mir ist jetzt richtig eiskalt. Trotz des heißen Griffs meiner Bruna um meine Schnauze. Was hilft? Futtern. Kuscheln. Sich nichts gefallen lassen. Und standhaft sein. Sagt der konsequente Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kündigt. Für den good day. Und chillt euer Leben, Leute.

  • 8. Dezember 2025

    Nie wieder Blut, Schweiß, Tränen und Gips im Mund

    Ein schöner Tag! Chillig! Denke ich so und falte mich. Zusammen. Auf dem Sofa. Weil meine Bruna glücklich sein müsste. Heute war sie letztmals bei der Kiefernorthopädin. Nach fünf Jahren Schmerz, Blut, Schweiß, Tränen und Gips im Mund. Von unzähligen Abdrücken. Verbunden mit zahlreichen Würgereflexen.

    Aus. Vorbei: Dafür nun: Ein Kiefer wie aus dem Werbeprospekt. Und ich bin beileibe kein Zahnfetischist. Aber diese Zahnstellung. Ein Gedicht. Denke ich so. Natürlich nicht. Völlig egal ist mir die Zahnstellung. Aber wenn’s Mensch gefällt. Sollen sie machen. Aber komisch: Auch bei meiner Bruna: Ist die Freude nicht ungetrübt.

    Uneingeschränkte Freude: Können Menschen eben nicht. Denke ich so. Und schnurre as schnurr can. Höre in Nachrichten, dass drei Viertel der Menschen in Deutschland mit der seit sieben Monaten amtierenden schwarz-roten Regierung unzufrieden sind. Die Koalition streite weiter wie die alte. Heißt es da. Obwohl sie einen anderen Umgang verspochen habe. Kanzler Merz spalte statt zusammenzuführen. Es fehle Reformwille. Den Menschen gehe es nicht wie versprochen spürbar besser.

    Und ich denke so: Das stimmt. Zum Teil. Aber: Gejammert würde wohl immer. Egal, was gemacht wird. Denn nur Gewinner – gibt es eben nicht.

    Heute leider auch Diego nicht. Findet zumindest er. Ernüchtert vom ersten Arbeitstag beim Fahrrad-Lieferdienst Flink. Der Stundenlohn nur akzeptabel, wenn tatsächlich auch Trinkgeld fließt. Was Diego aber wirklich nervt: Auf dem Handydisplay wird eingeblendet, ob eine Lieferung zu langsam ist. Und so Druck ausgeübt. Moderne Sklaverei. Findet er. Nun, das Unternehmen kämpft auch seit Jahren erfolgreich gegen die Gründung eines Betriebsrats.

    Warum nun meine Bruna so gedätscht ist? Weil ein Röntgenbild ihres Kiefers offenbarte, dass da Weisheitszähne sprießen. Und die Kiefernorthopädin meinte, die müssten raus. So in anderthalb Jahren. Und ich denke so: Lange hin. Jetzt ist Party. Nie wieder Kiefernorthopäde! Genieße den Moment. Nimm vom Leben, was es gerade so bietet.

    Denke ich so und stapfe in die Küche. Wo Felix Hähnchen kocht. Und meinem Blick nicht widerstehen kann. Nun, auch Coco profitiert. Guten Appetit! Sagt der entspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.