Autor: Hauptstadtkater

  • 6. Januar 2026

    Die Katze hängt im Weihnachtsbaum und die Kälte in der Schule

    Die Katze hängt im Weihnachtsbaum. Wie eine Christbaumkugel. Really. Es ist so. Coco will die Tanne nicht aus dem Wohnzimmer gehen lassen. Die aber schon seit Tagen keine Tanne mehr ist, weil die meisten Nadeln aufgehäuft unter ihr liegen. Nach wilden Coco-Attacken auf die an den Ästen des Baums baumelnden erzgebirgischen Engelchen.

    Felix und Diego wollen die traurigen Überreste des Torsos entfernen. Versuchen, den Baum nach draußen zu schleifen. Mit der dagegen kämpfenden Coco im Astgeflecht. Die das Ding, unter dem sie stundenlang chillte, nicht gehen lassen will.

    Absurd. Mal wieder. Denke ich so. Sehe meine Bruna. Die eben nach Hause kommt. Bibbernd. Blaugefärbte Hände. Vor Kälte. Weil in ihrer Schule fast alle Heizungen ausgefallen waren. Trotzdem sei der Unterricht durchgezogen worden. Sagt sie. Als ob es kein Online gäbe. Denke ich.

    Die Mathearbeit mit den drei Unbekannten wurde zur Hölle mit noch weniger Bekannten. The show must go on. Denke ich so. Und sehe, wie Coco aus dem Baum kracht, beim Versuch, die Tannenspitze zu krallen. Und von Diego ergriffen und ins Badezimmer gesperrt wird. Horror.

    Beim Raustragen des Baums treffen meine Leute Nachbarin Jana. Die wollte aus ihren Kurzurlaub in Ostfriesland eigentlich schon gestern wieder zuhause sein. Aber schon nach 80 Kilometern sei Schluss gewesen, erzählt sie. Die Bahn sei wegen des Winterwetters in Bremen gestrandet. Und sie habe sich ein Hotelzimmer gesucht. 24 Stunden für 450 Kilometer.

    Und ich gelange mal wieder zum unvermeidlichen US-Präsidenten Trump. Der erneut sagt, notfalls wolle er mit dem Militär die Kontrolle über Grönland erlangen. Was einst als bekloppter Witz angesehen wurde, hat nun nach dem Militäreinsatz in Venezuela eine neue Qualität. Es ist tatsächlich vorstellbar, dass die USA Nato-Partner Dänemark ins Visier nehmen, weil die Dänen für die Verteidigung der Arktikinsel verantwortlich sind.

    Und ich denke so: Die Nato-Staaten kämpfen gegeneinander. This is the end – and you know it. Was sollte China dann noch groß abhalten, Taiwan zu erobern. Warum sollte Russland nicht die Ukraine erobern? Wenn die USA ein souveränes Nato-Land angreifen. Mit der Begründung, es gehöre zu ihrer Hemisphäre.

    Und ich höre die randalierende Coco im Bad. Höre, wie sie die dort die von Laura vor ihr gerettete Palme vom Bord fegt. Deren Tontopf zerschellt. Es ist eben alles nicht so easy. Am Ende der Weihnachtszeit. Sagt der bibbernde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hängt die Katze ab. Und chillt, Leute.

  • 5. Januar 2026

    Ohropax für alle und nackte Berliner Saunagespräche

    Lärm. Ist. Unerträglich. Für mich. Wenn Laura also mal wieder hysterisch ausrastet, nur weil ihre beiden Ohropax-Stöpsel nun mal wirklich wie Springmäuse funktionieren, wenn sie mit (m)einer Pfote durchs Bett gepeitscht werden, dann spüre ich Hitze in mir aufsteigen. Ich will das Gekeife von Laura nicht hören. Ich will spielen. Spielen. Spielen. Die Stöpsel sind nicht zu stoppen. Ich nicht, der Drang nicht. Laura nicht. Bis die Stöpsel unterm Bett liegen. Unerreichbar. Für Laura. Und mich. Scheinbar.

    Laura kennt ihn. Den uralten Menschenspruch: Der Ton macht die Musik. Den Spruch zitiert sie nämlich gerade – in Zusammenhang mit einer Sauna-Story ihrer Freundin Josephine – der Futtersklavin meines verehrten Katers Iby. Josephine also war jüngst in einer Berliner Dampfsauna – als sie die Tür öffnete, schallte ihr entgegen: „Tür zu, wird kalt.“ Als sie dann ihr Handtuch ausbreitete, meinte derselbe Typ, das sei unhygienisch.

    Josephine wollte nicht darauf eingehen, aber der Typ brabbelte weiter auf sie ein. Und irgendwann erwiderte Josephine: „“Halt doch einfach mal die Schnauze.“ Was den Gegenüber so empörte, dass er sich in voller Schönheit vor Josephine aufbaute und meinte, er wolle nur sachlich aufklären – und sich nicht beleidigen lassen. Immerhin, er habe dann die Sauna verlassen.

    Und ich denke so: Leben und leben lassen. Warum nur macht ihr es euch so schwer, ihr Menschenkinder? Und gebt mir – und ok, auch Cocolina – einfach genug Ohropax. Wat`n geiles Spielzeug. So geil, dass ich in meiner Euphorie mal so richtig ehrlich mache: Bei Ohropax hätte wohl auch ein anderer Ton Lauras nichts genutzt. Selbst wenn sie mich freundlich flötend in höchsten Frequenzen gebeten hätte, die Stöpsel freizugeben – so mit: „Mausi, hör doch mal bitte auf damit.“ Hätte ich weitergemacht. Weil ich Musik eh nicht mag, egal ob Heavy Metal oder Klassik.

    Aber in der Sache – es wäre eine Diskussion möglich gewesen. Really. He he. Denn ich bin doch vernunftbegabt. Und weiß: Laura braucht die Stöpsel. In der Nacht. Für ihre Ruhe. Wenn Coco und ich rasen. Und nicht stoppen können. In der Kurve. Vor der Schlafzimmertür. Und voll dagegen ballern. Aber: Kaufe sie, die Laura, doch einfach mehr der Stöpsel. Sind doch nicht teuer. 2,35 Euro das Zehnerpack, online. Und dann: Sind welche für alle da. Für sie. Für Coco. Für mich. Glück. So einfach.

    Ich höre den russischen Ex-Kremlchef Medwedew. Der auch einen krassen Ton drauf hat. Und ich denke so: Beängstigend, wenn sich das als neuer diplomatischer Standard durchsetzt. Nun, Medwedew sagt, er könne sich analog zur Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro durch die USA ähnliche Aktionen gegen andere Regierungschefs in der Welt vorstellen, beispielsweise die Entführung „des Neonazis Merz“. Es gebe sogar Gründe, den Bundeskanzler in Deutschland zu verfolgen, daher wäre es kein Verlust.

    Und ich? Würde mir nun ob dieses Gesülzes gerne doch selbst Ohropax in meine Löffel schieben. Geht nicht. Passen nicht. Und so krieche ich unters Bett. Schieße die vermissten Stöpsel raus. Jage sie. Während Laura chillt. Und auch Coco sich entspannt hinlegt. Aber: Immer bereit zum Spiel. Sagt der wilde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hört. Und chillt, Leute.

  • 4. Januar 2026

    Coco Spiegel-Erschrecken und US-Ambitionen auf Grönland

    Ein eigenes Missgeschick mittels eines Spiegels gespiegelt bekommen – besser geht nicht. Denke ich so. Als ich Coco beobachte. Die, wie ich gestern, auf Felixens Spiegel-Trick hereinfällt. Der den Spiegel meiner Bruna direkt vor ihr platziert. Um nette Fotos schießen zu können.

    Aus dem Tiefschlaf aufgeweckt blickt Coco also auf die Katze direkt vor ihr – fassungslos. Allerdings: Das Tier hat keinen Geruch. Und bewegt sich ruckartig. Wie sie selbst. Es dauert, bis Coco es endlich rafft. Dass da keine reale Katze vor ihr liegt. Sondern lediglich das Abbild ihrer Selbst. Und ich denke so: Tut gut, zu sehen, dass ich nicht der Einzige bin, der auf ein Spiegelbild hereinfällt.

    Nun ja, ich räume ein, meine Genugtuung speist sich aus niedrigen Beweggründen. Ein zutiefst menschliches Verhalten, also. Sagt auch Felix. Der zu einem bitteren Jahresanfangs-Resümee gelangt: „Was für ein übler Start“, sagte er so zu mir und meinen Leuten. „Wenn das so weitergeht…“ Und Laura so: „Wenn es wirklich so schlimm ist, dann müssen wir handeln. Vorsorge treffen. Vorräte anlegen.“ Haus in – ja wo? Kaufen?!

    Felix zählt die Malaisen der ersten Tage des neuen Jahrs auf: Silvester: In Crans-Montana sterben in einer Feuersbrunst in einer Bar 40 vorwiegend junge Menschen; 2. Januar: Die USA überfallen Venezuela und nehmen Präsident Maduro gefangen. 3. Januar: Krasser Stromausfall in Berlin, mehr als 40.000 Haushalte sind ohne Strom – nach einem wohl linksextremistischen Anschlag. Erst in vier Tagen, am Donnerstag soll der Strom wieder da sein.

    4. Januar:  Die Frau des Trump-Berater postet auf der Plattform X ein Foto, das die Umrisse Grönlands zeigt – in den Farben der US-Flagge. Darüber steht in Großbuchstaben: SOON. Grönland aber ist autonom. Gehört zu Dänemark. Die USA unter Präsident Trump wollen die Insel aber unbedingt haben.

    Behaupten, das sei wichtig für die nationale Sicherheit. Weil chinesische und russische Kriegsschiffe um die rohstoffreiche Insel führen. Die USA drohten auch dem Iran, Mexiko, Kuba und Kolumbien und Kanada immer wieder. Auch Venezuela… Alles scheint möglich. Sagt Felix.

    Diego sagt: Sei doch nicht so pessimistisch. Coco springt auf. Dehnt sich Wehrt sich. Beißt in den Spiegel. Und ich denke so: Yes, reagiert, Lasst euch nicht alles gefallen. Lebt. Sagt der aufgewühlte und gespiegelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wacht auf. Und chillt, Leute

  • 3. Januar 2026

    Angst vorm Spiegelbild nach Trumps Venezuela-Attacke

    Ein Auge auf – Unglauben. Zweite Auge auf – Entsetzen. Direkt neben mir – ein weißer Kater. Den ich nicht kenne. In meinem Revier. Das kann nur ein Alptraum sein. Denke ich so. Im ersten Moment. Oder eine Illusion? Denn dieser Kater vor mir riecht nicht. Kein Duft. Ich bin irritiert. Und endlich richtig wach. Aber der Kater ist immer noch da. Starrt mich unverwandt an. Blinzelt. Wie ich. Denke ich so.

    Und sehe dann, tja, sehe dann, dass ich in den gewölbten Spiegel meiner Bruna blicke. Den Felix vor mir drapierte, in meiner Tiefschlafphase. Felix sitzt nun mit debilem Grinsen und gezücktem Handy vor mir. Weil er glaubt, mit mir als verdoppelten Kater kreative Katerfotos schießen zu können.

    Oh Mann, Menschen. Denke ich so. Bewundere aber dann doch mein Gegenüber. Im Spiegel. Mich. Bin really überrascht über meine Erscheinung. Stattlicher Kater, edel, weise, gutaussehend, würde ich das Bild beschreiben. Ganz objektiv, ohne Narzissmus oder so – auch wenn es seitenverkehrt ist. He he. Und hoffe, dass ich sowas wenigstens hier in meinem Safe Space, meinem Tagebuch äußern darf – ohne dass mir Eitelkeit oder gar Größenwahn vorgeworfen wird.

    Denn wirklichen Größenwahn, den gibt es mal wieder bei US-Präsident Trump zu bewundern. Der ließ heute tatsächlich Venezuela angreifen. Ließ den Präsidenten Maduro samt Frau festnehmen und für ein Strafverfahren nach New York fliegen – dem Paar wirft er „Drogenterrorismus“ vor. Das US-Militär sei eben das beste der Welt, prahlte Trump hernach. Und: Die USA wollten Venezuela nun erst mal selbst führen.

    Und ich denke so – mein Gott, welch Hybris! Trump macht wieder mal, was er will. Bricht das Völkerrecht. Um sich die Ölindustrie Venezuelas einzuverleiben. Ob das so klappt, frage ich mich. Denn die meisten Experten sagen, die Verbrecherclique in dem autoritär geführten Land sitze weiter fest im Sattel. Maduro sei nur ihr oberster Repräsentant gewesen sein.

    Und ich sehe nicht nur im Spiegel mein zweites Gesicht. Sondern spüre es auch in meinem Kopf – die beiden widerstreitenden Seiten in mir. Denn da ist natürlich auch das Teufelchen, das das Ende Maduros goutiert. Weil es Maduro hasst. Weil der sein Volk tyrannisiert, Opposition ausschaltet, Wahlen fälscht, das Geld aus den Verkäufen von Öl in seine eigene Tasche steckt, anstatt sein Volk zu beteiligen, das mehr und mehr verarmt. Obwohl in seinem Land die weltweit größten nachgewiesenen Ölvorräte schlummern.

    Mein Konterfei in dem gewölbten Glas beobachtet mich. Oder ich es? Oder es mich? Verwirrung. Irrung. Ich sehe im Spiegel nun einen Bauchansatz. Bin entsetzt. Doch nicht bei mir? Mache einen Schritt zurück. Bauchansatz weg. Dafür herrlich blaue Augen. Wunderschön. Und ich denke so: Alles eine Sache der Perspektive. Sagt der gespiegelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Mustert und erkennt euch im Spiegel. Und chillt, Leute.

  • 2. Januar 2026

    Ich bin erschüttert: Die Schweizer Bar-Katastrophe

    Ich bin erschüttert. Habe auf Felixens Laptop Videos von der Brandkatastrophe in der Bar in Crans-Montana in der Silvesternacht mit angesehen. Hunderte junge Menschen, die bei lauter Musik feiern. Frauen, die mit Champagnerflaschen durch die Menge laufen, an denen Sprühfontänen angebracht sind, aus denen Funken sprühen. Richtung der Decke mit ihrem Dämm-Material. Das Feuer fängt.

    Ich würde sofort weg rasen. Bin ja auch ein Fluchttier. Spüre die Urangst in mir. Sehe aber, dass einige Leute in der Bar filmen. Wie es brennt. Denke so: Leute, lasst die Scheiß-Handys fallen. Und rennt. Wenn es brennt. Die Musik wummert weiter. Die Erkenntnis, dass sich da eine Katastrophe anbahnt, ist erst mal nicht da.

    Bei den meisten. Zu abstrakt offenbar der Gedanke, dass einen so etwas tatsächlich auch selbst mal treffen könnte. Eine tödliche Gefahr auf einer ausgelassenen Silvesterfeier in einem Schweizer Nobel-Skiresort.

    Sehr schnell aber steht offenbar die ganze Bar in Flammen. Die Temperaturen sollen 800 bis 1000 Grad erreichen. Sagen Experten. Bei solchen Temperaturen würden die Flammen sofort den ganzen Raum einnehmen. Viele Besucher hätten durch den Rauch schnell das Bewusstsein verloren – und den Fluchtweg blockiert. Panik.

    Viele rannten zu der Treppe, die ins Erdgeschoss zum Ausgang führt. Die Treppe ist eng. Eine Art Flaschenhals. Der verstopft. 40 Menschen sterben. 119 sind verletzt. Viele lebensgefährlich verbrannt, mehr als 60 Prozent der Hautoberfläche seien bei einigen zerstört, sagt ein Arzt.

    Während traumatisierte Augenzeugen erzählen von Menschen, die die Scheiben einer großen Fensterfront eines Wintergartens aufbrechen wollten – es aber nicht schafften. Videos zeigen auch Menschen, die es durch den Ausgang schaffen und herausrennen. Im Schock. Die Musik wummert weiter.

    Und ich frage mich: Wie kann in einem solch reichen, hoch technologisiertem Land wie der Schweiz eine solche Katastrophe möglich sein? Ein Land, das berühmt ist für seine Akribie, seine Perfektion. Da müsste doch der Brandschutz perfekt sein… Müsste….

    Und frage mich weiter: Wie blöd können Betreiber sein, brennende Fackeln durchs Lokal tragen zu lassen? Und weiß natürlich: Der Tod ist überall. Kann jeden immer und jederzeit erfassen. Und ich denke so – wie gut, dass ich nicht weiß, wann es so weit ist.

    Trost ist angesagt. Zusammenrücken. Einander spüren. Katzenspezialität. Katerspezialität. Denke ich so. Und bin froh, dass ich helfen kann. Ablenken kann. Meine Bruna anschnurre. Und sie zum Lächeln bringe. Während Coco aufs Sofa springt. Und sich auf die dort ruhende Laura legt. Energie gegenseitig übertragen. Hilft. Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Versucht zu entspannen. Und chillt, Leute.

  • 1. Januar 2026

    Deprimiertes Neues Jahr und Böller-Wahn

    Angst. Panik. Meine ersten Gefühle des Jahres. Und ich denke so: Von wegen Frohes Neues. Deprimierendes Neues Jahr. Würde besser passen. In meinem Berliner Revier knallt, kracht und blitzt es zum Jahresauftakt unaufhörlich. Stundenlang. Meine menschlichen Trostspender sind weg. Ausgeflogen, zu Partys. Auch meine Bruna. Ich ducke mich. Sprinte vom Schlafzimmer in die Küche. Mit der zitternden Coco im Schlepptau. Aber egal, wo wir sind. Selbst der Innenhof detoniert. Raucht.

    Wie im Krieg. Denke ich so. Finden Menschen offenbar cool. Und wenn sie schon nicht selbst in Gaza, in Syrien, im Sudan oder der Ukraine rumknallen können, dann wollen sie ganz offensichtlich wenigstens Krieg spielen. Hier. Im Revier.

    Ich sehe bei uns im Park Horden vorwiegend junger Männer Raketen abschießen. Höre Diego. Der mit Freunden in Kreuzberg, im Zentrum, quasi an der Front agiert. Beobachtet, dass unten vor allem arabisch-stämmig aussehende Männer nicht nur rumböllern, sondern mit Schreckschusspistolen Salven abschießen. Während von den Balkonen überwiegend deutschstämmige junge Männer gaffen. Und sie anfeuern.

    Krieg auch in Isernhagen, dem Dorf bei Hannover, in dem der Opa und die Oma meiner Bruna wohnen. Feuerwerk im Wert Zehntausender Euro wird verballert. 14-Jährige rüsten bereits in der Dämmerung zum Wettkampf, testen, wer eine brennende Rakete am längsten in der Hand hält. Um sie dann in Richtung der promenierenden Felix und Oma Lotte starten zu lassen.

    Und ich denke so: Krass, dass ich als Demokratiefan hinterfrage, ob eine Diktatur vielleicht doch auch positiv sein kann? Um Verbote konsequent durchzuziehen? Denn alljährlich wird diskutiert, ob der private Böllerei-Wahnsinn verboten werden sollte. Passieren tut nichts.

    Weil einige böllern wollen. Andere Böller produzieren wollen. Und auf mich eh keiner hört. Aber: In den Niederlanden klappt es. Mit dem Böller-Verbot. Mehr oder weniger. Letztmals durfte zu diesem Jahreswechsel privat legal runterknallt werden. Allerdings: Einige machte diese Aussicht wohl erst recht aggressiv. Sie plünderten Geschäfte, griffen Polizisten mit Feuerwerkskörpern an, brannten in Amsterdam eine Kirche ab. Zwei Menschen starben beim Hantieren mit Feuerwerk.

    Die echte Hölle aber erlebte Crans Montana in der Schweiz. Da feierten Hunderte junge Menschen Silvester in einer Bar. Und plötzlich brannte es. Panik, Chaos. Rund 40 Menschen kamen ums Leben, 115 wurden verletzt. Viele lebensbedrohlich. Warum es brannte – die Frage ist noch offen.

    Was für ein Start in dieses 2026. Denke ich so. Und setze mich an den Küchentisch. Blicke raus. Ins Grau. Die vom Sturm geschüttelten Äste. Fühle mich wie betäubt. Es fiept noch. Im Ohr. Und ich weiß: Das ist keine Mausquietschen, das ist Tinnitus. Durch Lärm.

    Aber ich bleibe positiv: Ruhig. Ruhiger. Charlie! Sagt der taube Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Wenn Ihr es nur zulassen würdet. Und jetzt: Böller zu Pflugscharen. Für ein Frohes Neues Jahr. Chillt!

  • 31. Dezember 2025

    Toilettenstorys und Professorengedanken über unsere Spezies

    Wenn nicht einmal das ruhige Örtchen ruhig ist, dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich was ändern muss. Stelle ich fest. Und denke so: Jahreswechsel – die Zeit also, in der Vorsätze gefasst werden. Von Menschen. Die sie natürlich nie einhalten. Was sie dann nur umso mehr frustriert.

    Die Sinnlosigkeit also kennen sie. Und fassen alljährlich trotzdem Vorsätze. Warum? Frage ich mich so. In Gedanken versunken. Beim Versuch, in meiner Katertoilette, abzuführen. Mit der lauernden, kratzenden und miauenden Coco direkt in meinem Nacken. Quasi.

    Was total nervt. Und mich hemmt. Was ich ändern kann? Fauchen. Wird Coco nicht touchieren. Heimlich toilettieren gehen? Wird bei Coco nicht funktionieren. Cocos Verhalten spiegeln, indem ich sie bei ihrem Toilettengang imitiere? Wird ihr völlig wumpe sein. Was also tun? Fragt der Hauptstadtkater. Und hört erst mal Felix zu. Der die Jahresendmail seines Germanistik-Professors zum Besten gibt. Und ich staune. Über so viel Katerweisheit.

    Der Professore schreibt: „Im Nachbarhaus gegenüber sitzt häufiger eine Katze (vermutlich weiblich) und wartet, ob ich mein Schlafzimmerfenster öffne („von wegen die Frischluft“). Winke ich ihr freundlich zu, dann bewegt sie mit dem Schwanz die Gardine. Meine Enkelin sagt, das heißt `ich freue mich und bin Dir wohlgesonnen`. Bei Katzen weiß ich das nie.“

    Und ich denke so: Der Professore hat es auf den Punkt gebracht. Wir wirken. Aber der Mensch kann es nicht entschlüsseln. Denn wir sind unabhängig. Selbstbestimmt. Und Mensch kann never prognostizieren, was wir nun als Nächstes tun werden. Oder was wir fühlen. Deswegen seine Liebe, sein basses Erstaunen immer wieder. Über unsere Spezies. Und ich blicke zurück aus meiner Toilette. Und erwidere Cocos Blick. Standhaft.

    Das also meine unwesentlichen, nur allzu menschlichen Gedanken zum Jahresende. Bevor Felix weiterliest, aus den Gedanken seines Professores. Er wisse nicht so genau, ob es nun Katze, Kater*in oder Katzerin analog zu Soldatin heißen müsse, schreibt der Germanistik-Experte also weiter. Jedenfalls sei er eben kein Kater-Experte. Denn der Ruhrgebietsfritze in ihm habe keine Katze, auch keinen Hund gehabt. Nur ein Kaninchen, das er später essen sollte. Dem habe er sich aber verweigert.

    Und ich denke so: Krass, er hat unser Katzer-Gen intus. Man muss, man darf kein Liebhaber unsere Spezies sein, um zu verstehen. Uns – und die Absurdität der Welt…

    Und ich lasse Coco Coco sein. Akzeptiere die Situation. Schalte ab. Und lasse fließen. Das ruhige Örtchen ist ruhig. Und das Jahr ist over. Und ich: Entspanne. Mich. Chille. Zusammen. Mit meiner Cocolina. Sagt der silvestrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Ein tolles 2026. Feiert, feiert das Leben. Und vor allem: Chillt, Leute.

  • 30. Dezember 2025

    Taumelnde Tischkatzen und Kriegsprovokateure

    Hauskatzen wie wir. Sind natürlich zugleich auch Tischkatzen. Weil Tische das natürliche Äquivalent zu Bäumen draußen sind. Denke ich so. Als ich Coco beobachte. Wie sie auf den gedeckten Tisch kraxelt. Und wartet: Auf Fisch in Soße.

    Und ich spüre, wie ich beginne zu sabbern. In Erwartung des Festmahls. Findet der ein oder andere Mensch wahrscheinlich eklig. Abartig. Ich kann nur sagen: Es gibt nichts Saubereres als uns. Und Haare von sich selbst finden auch Menschen. In ihrer Suppe. Also, was spricht dagegen, dass wir uns an den Tisch gesellen? Nothing – abgesehen von Vorurteilen. Und menschlichem Stolz. Was beides gebrochen gehört. Von uns. Für eine wirkliche Balance. Im Leben.

    Nun, Balance haben Menschen nicht. Und auch ich nicht. Wie ich taumelnd zum Jahresende feststelle. Denn: Menschen wollen sich weiter bekriegen. Sie wollen weiter töten. Und lügen dafür so unverblümt, dass ich mich schämen würde. Wäre ich Mensch.

    Bin ich nicht. Und so kann ich nur kurz wiedergeben, dass da zum einen Kremldespot Putin ist. Der plötzlich behauptet – ohne jeden Beweis vorzulegen und dann auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Ukraine und die USA bei ihrem Friedensplan näher zu kommen scheinen – die Ukraine habe einer seiner Residenzen mit Drohnen angegriffen.

    Völlig absurd. Denke ich so. Nichts ist besser geschützt in Russland. Und: Das Ziel der Ukraine ist die russische Ölindustrie. Aber klar: Logik gibt es nicht. Merke ich, als Coco sich vor mir aufbaut. Und mich nicht auf den Tisch lässt. Krasser Verrat. Denke ich so. Und weiß: Traue niemanden. Putin lügt fast immer. Und der ukrainische Präsident Selenskyj?

    Es gibt einen weiteren Kriegsprovokateur. Der mich anätzt und quasi im Schulterschluss mit Coco vom Tisch schleudert. Ob seiner Arroganz. Gegenüber dem Leben. Der Anderen. Ich spreche vom israelischen Premier Netanjahu. Der von US-Präsident Trump grünes Licht will, erneut den Iran angreifen zu dürfen. Und behauptet, der Iran sei dabei, sein Raketenarsenal wieder aufzubauen.

    Und Trump so: Klar müsse Israel in einem solchen Fall reagieren und angreifen. Ich sehe: Netanjahu will Krieg. Um von seinem Korruptionsprozess abzulenken. Und an der Macht zu bleiben. Andererseits: Im Iran sind Verbrecher an der Macht. Natürlich ist denen zuzutrauen, Raketen und Atomwaffen zu entwickeln. Und so weiß ich nur, dass ich nichts weiß. Oder doch – das hier: Jeder ist sich selbst der Nächste und verfolgt seine ureigenen Interessen.

    Also folge ich meinem Hunger. Springe auf den Tisch. Und Coco lässt mich dieses Mal gewähren. Wir futtern Seite an Seite: Fisch in Aspik. Rhythmisch im Duett. Sagt der ausbalancierte Hauptstadt-Hauskater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verstärkt eure Egos und lasst es euch schmecken.  Und natürlich: Chillt, Leute.

  • 29. Dezember 2025

    Nostalgische Momente: Ein Chor saniert das Deutschlandbild

    Ach, diese Nostalgie. Vor allem zum Jahresende hin. Wenn Rückblicke Hochkonjunktur haben. Zumindest bei den Menschen. Und ich bemitleide sie. Weil sie dabei so weinerlich und weich werden. Während ich. Und meine Spezies. Im Hier und Jetzt lebt.

    Kater und Katzen genießen den Moment. Und versinken weder in der Vergangenheit. Noch schweifen sie in die eh nicht prognostizierbare Zukunft. Und können sich so durch unnütze Gedanken denn auch nicht selbst die Gegenwart versauen.  Denn klar ist: Die Butter ist weg. Wenn man abschweift – und zu lange wartet. He he.

    Okidoki – mögen Menschen eben schwadronieren. Auch über ihre Vergangenheit. Wenn ihnen das in der Gegenwart Lustgewinn bereitet. Ich akzeptiere. Und bin da ganz tolerant. Weil es auch mir Vorteile bringt. Wenn sie abgelenkt sind. Und der Frühstückstisch uns gehört. Also Coco und mir.

    Und so höre ich gerne zu, wie Oma Lotte, die Oma meiner Bruna, erzählt – von ganz früher. Die 1950 und 60er Jahre in Nachkriegsdeutschland. Eine Zeit, in der ihr Chor, die Schaumburger Märchensänger, im Ausland zu Botschaftern eines Deutschlands mit freundlichem Antlitz wurden.

    Vor allem in den USA. Wo der Chor das US-Publikum mit deutschem Volksliedgut und seinem Hit von „Mein Vater war ein Wandersmann“ verzauberte. Und die großen Säle bei den mehrmonatigen Tourneen ausverkauft waren. Der Chor von US-Zeitungen gefeiert wurden. Neun Mal sei sie dort auf Tournee gewesen.

    Oma Lotte erzählt davon, wie sie als Sprecherin des Chors den Fußball-Weltstar Pelé begrüßte. Und nach einem Konzert auf der Bühne Walt Disney ein Küsschen gab. Wie ihr von der Chorleitung aufgetragen wurde, sie solle Reportern erzählen, fast alle Jungs und Mädchen des Chors kämen aus einem Waisenhaus – was die Geschichte noch rührseliger machten sollte.

    Und wie dann die Vogue mit ihr ein Foto-Shooting veranstaltete. Und es normal war, dass die jungen Mädchen sich beim Foto-Date nur ein Handtuch über den Oberkörper legten. Und das Foto mit ihrem Porträt später zum Verkauf angeboten wurde. Mit der Unterschrift: Singender Junge eines deutschen Kinderchors.

    Also schon damals, alles androgyn. Denke ich so. Oma Lotte erzählt weiter, sie alle seien geflasht gewesen von den USA. Von der Freundlichkeit. Dem Reichtum. Den Telefonzellen. Den großen, bunten Autos. Später sei sie von einem Millionär zusammen mit ihrer Mutter in die Staaten eingeladen worden. Pure Gastfreundschaft. Ohne Hintergedanken.

    Beim Besuch des UN-Hauptquartiers in New York sei der Chor von der Menschenrechtsaktivistin Eleanor Roosevelt, Witwe des US-Präsidenten Franklin Roosevelt, empfangen worden. Oma Lotte erzählt, damals habe sie beim Blick auf die Flaggen der Länder, die in den UN seien, zu Roosevelt gesagt: „Wenn dort doch auch die deutsche Fahne hängen würde. Dann gibt es nie wieder Krieg.“

    Und ich denke so: Der Wunsch ging eigentlich in Erfüllung. Anfang der 70er Jahre wurde Deutschland in die UN aufgenommen. In Mitteleuropa herrscht seit einer relativ langen Zeit Frieden. Aber: Die Kriege kommen näher. Die UN werden entmachtet. Und in den USA zerstört ein Präsident Trump die Demokratie.

    Und ich sehe. Wie Coco den Esstisch besetzt. Die Leckereien anvisiert. Und dann die Butter schleckt. Voller Genuss. Im Hier und Jetzt. Der Gegenwart. Weil alle abgelenkt sind. Von Oma Lottes Erzählungen. Selbst Schuld also. Sagt der nostalgische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Widmet euch der Vergangenheit, aber vergesst darüber die Gegenwart nicht. Und chillt, Leute.

  • 28. Dezember 2025

    Heimlich unheimliche Einbrüche

    Unheimlich. Was für ein komisches Wort. Aber es beschreibt tatsächlich, wie ich mich gerade fühle. Weil Coco und ich alleine sind. In meinem Revier. Und meine Leute ausgeflogen sind. Zu den Großeltern meiner Alea. Nach Blankenese. Bei Hamburg. Das ist eigentlich nicht so schlimm – aber nun kommt dazu, dass es komisch knackt und knirscht. Als ob jemand an unserer Haustür rumfummeln würde. Und auf Besuch von Fremden – habe ich nun mal überhaupt keinen Bock.

    Nun, Coco imponiert mir gerade. Weil sie sich aufbaut. Selbstbewusst Richtung Tür. Und knurrt. Wie ein Kampf-Köter. Und ich denke so: Danke – ihr Main Coones. Ich liebe euren Mut.  Der mir das „un“ vor dem heimlich nimmt. Oder so.

    Denn der Typ vor der Tür haut ab. Ich höre, wie jemand die Treppenstufen herunterrennt. Und erinnere mich, wie Laura erzählte, auf dem Nachbarschaftsportal im Internet sei berichtet worden. gestern habe es in der Parallelstraße gleich drei Wohnungseinbrüche gegeben. Was eigentlich nicht weiter wundert, denke ich so: Denn in unserer gentrifizierten Reichen-Gegend sind eben alle Zugezogenen heim gefahren zu Mami und Papi. Nach Stuttgart und Bremen. Und Hamburg. Wie auch meine Leute.

    Die in Blankenese aber auch unheimliche Erfahrungen machen. Also: Meine Nuria und Diego unternehmen gegen Mitternacht noch einen Spaziergang. Wie sie erzählen. Wundern sich über einen Ölfilm, der sich über die Straßen verteilt hat. Überlegen, der könnte vom nahen Flughafen stammen. Als aus der Dunkelheit plötzlich eine Stimme sagt: „Stehenbleiben.“ Erschrecken sie sich. Sind gehorsam. Und werden vor der Schule vom Strahl einer Taschenlampe erfasst.

    Sehen im Halbschatten vier Polizisten hinter einem zerbeulten Auto hervortreten. Vor dem wiederum zwei junge Männer stehen. Die sofort mit Blick auf meine Nuria und Diego sagen: „Die gehören nicht zu uns.“ Und Diego und meine Nuria: Nicken. Und müssen noch eine Ausweiskontrolle über sich ergehen lassen. Wo sie denn wohnten, will eine Polizisten wissen: „Bei Oma und Opa.“ Erwidert Carlo. Woraufhin sie gehen dürfen. Beim Blick zurück sehen sie, wie die Polizisten den Kofferraum öffnen, in dem sich mehrere Monitore, Laptops und Computer stapeln. Unheimlich unheimlich.

    Um die Ecke fährt ein großer Spezial-Lastwagen. Streut Pulver auf die Ölspur. Die offenbar das Auto der beiden jungen Männer hinterlassen hat. Einer Spur, die meine Nuria und Diego nun folgen. Und die nacheinander zu drei Häusern führt, vor denen weitere Polizeiautos stehen – in die eingebrochen wurde. Die Spur geht dann zur Schule zurück, wo das zerbeulte Auto steht.

    Und ich denke so: Puuh, also, auch hier – alles ziemlich unheimlich. Und heimlich. Dazu kommt noch die Sperrung des Flughafens – wegen Drohnenalarms. Alles düster. Neblig. Irgendwie krank. Mir ist kalt. Ich kuschle mich an Coco. Kullere mich mit ihr. Spüre Vertrauen. Wärme. Stärke. Sagt der furchtsame Hauptstadtkater. Der gerne über sich wachen ließe. Und jetzt: Passt gut auf. Und chillt. Leute.