Autor: Hauptstadtkater

  • 27. Dezember 2025

    Irren ist menschlich und Ausrutschen auch

    Und wieder werden sie sich ihrer Unvollkommenheit bewusst. Leider unbewusst. Wie so oft. Also, Felix und Laura kommen völlig erschöpft und aufgelöst von draußen in mein Revier. Sie hätten nicht laufen können. Weil es draußen so spiegelglatt sei. Und ihre Füßchen auf dem Eis immer weggerutscht seien. Wie gerne wären sie wie – Coco. Oder ich. Oder einfach Kater. Vierfüßler eben.

    Nun ich finde das Bild vom auf Glatteis ausrutschenden Menschen passend. Sie rutschen auch sonst ständig durchs Leben. Denke ich so. Und meist rutschen sie aus. Und tun sich weh. In meiner Muddastadt lief heute nichts mehr – also abgesehen von Katern und anderen Vierfüßlern. Menschen draußen stürzten und krümmten sich. Die Notaufnahmen überfüllt. Knochenbrüche ohne Ende.

    Und ich denke so: Wenn sie wissen, dass es draußen spiegelglatt ist. Wenn sie wissen, dass sie nur Zweifußantrieb haben. Wenn sie wissen, dass höchste Gefahrenstufe herrscht. Warum gehen sie dann trotzdem raus?

    Sie könnten auch chillen, Wie ich. Auf dem Klavierhocker. Wo ich auflade. Meinen Akku. Wie Menschen es bezeichnen würden. Wo ich sinniere. Denn: Ich will nach Weihnachten mal alle Viere gerade sein lassen. Zu mir kommen. Kraft sammeln. Für die nächsten Familienfeste. Fressattacken. Weihnachtsbaumstürme. You know – Stichwort: Coco als Tannenschmuck?

    Ich habe festen Halt. Auf dem Klavierhocker. Und trotzdem. Es war eine emotionale Achterbahnfahrt. Dieses Jahr. Das sich dem Ende neigt. Moro kippte um. Tot. Coco tauchte auf. Verschwand. Und tauchte wieder auf. Und, hach, ich bin ein Insta-Kater. 100. Eintrag. Gestern. Hätte ich im August für völlig absurd gehalten. Dass ich auf dieser Plattform unterwegs bin.

    Aber klar. Auch ich kann mal irren. Vor 2.500 Jahren waren die Menschen auch überzeugt, sie lebten auf einer Scheibe.  Und noch vor ein paar Jahrzehnten dachten Menschen, Katzen seien zum Mäusejagen da.

    Und auch heute wird Schwachsinn behauptet. Der zu Kriegen führt. Sogar. Kremldespot Putin ist felsenfest überzeugt davon, die Ukraine gehöre zu seinem Reich. Und ich denke so: Wie unfassbar, dass es im Westen niemanden mehr gibt, der Putin seinen Irrtum deutlich machen könnten.

    Die einzigen, der das könnten, sind die USA. Aber US-Präsident Trump will das offenbar gar nicht. Weil er erpresst wird? Oder Handel treiben will mit Russland?! Who knows? Was ich weiß: Das Sprichwort Errare humanum est – irren ist menschlich. Stimmt absolut.

    Nun, in wenigen Tagen will der ukrainische Präsident Selenskyj Trump treffen, um über Wege zum Frieden mit Russland verhandeln. Immerhin. Das Problem: Selbst wenn Selenskyj und Trump sich wirklich einigen sollten. Warum sollte Russland dem Plan zustimmen. Putin beharrt ja weiter auf Maximalforderungen. Kompromisslos. Und wähnt sich im Vorteil.

    Ich gebe die Hoffnung trotzdem nicht auf. Sagt der irrlichternde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Rutscht nicht aus. Stay at home. Und chillt, Leute.

  • 26. Dezember 2025

    Katerliche Weihnachtsgeschichte Part three – Rätsel um …

    Es war einmal ein weißer Kater. Namens Dorian. Der eine Berliner Großstadtfamilie bespielte. Und tatsächlich – wie Menschen es beschreiben würden – vor Eitelkeit triefte. Der aber auch wie alle Kater – und auch Katzen – äußerst sensibel auf seine Umwelt reagierte. Und so auch immer wieder erstaunt war, das Erstaunen der Menschen darüber wahrzunehmen. Er wusste: Je rätselhafter er für sie, desto verliebter sie in ihn. Cringe. Der Mensch. Dachte Dorian so. Und bewunderte sich. Im Spiegel.

    Und so begab es sich zur Weihnachtszeit, dass Dorian in den gerade geschmückten Weihnachtsbaum sprang. Der nicht nur süßlich-scharf nach Hundepisse duftete, sondern an dem nun auch die Äste rhythmisch-verführerisch hin- und herschwangen. Und die an ihm hängenden Kugeln und erzgebirgischen Holzengel umso stärker. Die er nicht nur ins Visier nahm. Sondern fing. Ein Biss hinein. Der Engel knirschte. Stöhnte auf.

    Treffer. Dachte Dorian so. Und wunderte sich. Auf eine Trümmerwüste zu blicken. Ruinen, die einst Städte waren. Menschen, Kinder, Tiere, Katzen – auf der Suche nach Nahrung zwischen zerborstenen Gebäuden. Er sah: Raketen, die Hochhäuser treffen und sie in Brand setzen. Dorian streifte den Engel ab. Vom Zweig. Ließ ihn fallen. Hörte seine Leute rufen. „Macht den Fernseher mal aus. Helft dem süßen Dorian mal da raus.“

    Der aber schon auf dem Weg eine Tannenbaum-Ebene nach oben war. Dort die knallrote Christbaumkugel fing, in der sich sein Konterfei spiegelte. Wie schön, dachte er. Und schlug trotzdem zu. Und die Kugel flog in Richtung Festtafel. An der seine Leute speisten. Gans. Fleischig. Ok, dachte Dorian sich so. Und spürte seinen wachsenden Hunger. Aber sie aßen auch Ente. Vegan. Und Dorian so: „Sie futtern Fleischersatz. Hochverarbeitet. Widerwärtig.“ Seine Leute hoben die Kugel auf. Lächelnd. Winkten Dorian zu. Während dieser – verwundert ob der ruhigen Reaktion – weiter nach oben sprang. Komisch. Menschen. Cringe.

    Dorian saß nun auf der Spitze des immer stärker schwankenden Tannenbaums. Und schnurrte. Ihm gefiel die Perspektive. Von ganz oben. Sah, wie sich seine Leute um den Baum versammelten. Um Katermusik anzustimmen. Schaurig. Wie er fand. Er spürte, dass er das, die hohen Frequenzen, nicht ertragen konnte. Spürte, wie er das Gleichgewicht verlor. Spürte, dass er kippte. Und mit ihm: Der Baum.

    Es knallte. Weihnachten over. Dachte Dorian. Und entkam dem Geäst samt spitzen Stern nur knapp. Erwartete nun die obligatorische Strafpredigt seiner Leute. Blickte dann aber in ein sanftes Gesicht. Seines Lieblingsmenschen. Dahinter versammelt die anderen. „Passiert, stellen wir den Baum eben wieder auf“, sagte das Lieblingsgesicht sanft. Lächelnd. Während die anderen Leckerli auf ihn prasseln ließen. Rätselhafte Menschen. Cringe.

    Dachte Dorian sich so. Oder: Ist das Weihnachten? Während er sich im Spiegel musterte. Schön fand. Um dann auf dem Schoß seines Lieblingsmenschen Platz zu nehmen. Mit gezückten Krallen. Versteht sich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Sagt der erstaunte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Oder ihr über ihn? Und jetzt: Genießt die restliche Weihnachtszeit. Und chillt, Leute.

  • 25. Dezember 2025

    Katerliche Weihnachtsgeschichte Part two: Die Therapiekatze

    Es war einmal, vor langer, langer Zeit, eine Jungkatze von gerade mal sechs Monaten. Namens Tintenfass. Die lebte in einer Kleinstadt in einem Einfamilienhaus bei einem alten Ehepaar. Die beiden Alten tranken gleichsam aus der Katze ihren Lebensmut. Nachdem ihre längst erwachsenen Kinder seit Jahren nicht mehr zu Besuch kamen – nicht einmal zur Weihnacht. Und dann auch noch ihr geliebter Kater Moro im Alter von 23 Jahren im Sommer gestorben war.

    Nun begab es sich an diesem Heiligen Abend. Dass sie wie in jedem Jahr einen Tannenbaum aufstellten. Und wie es ihre Tradition so wollte: Den Baum mussten „echte“ Kerzen schmücken. Tja, um es kurz zu machen: Nicht jede Weihnachtsgeschichte muss schön enden. Es kam, wie es kommen musste: Zum Unglück! Tintenfass, verspielt wie eh und je, sah die im Baum hängenden Kugeln. Und kugelte sich mit ihnen. Im Baum. Der schwankte. Die Kerzen auch. Die dann herabfielen. In die Nadeln. Feuer. Not. Tot. Tod?

    Nun, geneigte Leserin, geneigter Leser, es ist nicht das Ende der Geschichte. He, he. Es ist doch Weihnacht. Und damit besteht nun doch noch die Chance auf ein Happy End. Denn Tintenfass überlebte den Brand, lief aus dem qualmenden Haus, wurde vom Tierfang entdeckt und ins Tierheim gebracht. Und dort von Hedi entdeckt. Ihr fragt, wer ist Hedi? Nun, Hedi ist eine junge Frau. Die ihren Lebenssinn darin sah, anderen zu helfen. Denen es schlecht ging.

    Auch Katzen. Sie nahm Tintenfass zu sich nach Hause. Einer WG in einem Haus für psychisch kranke Jugendliche. Die eine schrie immer wieder: „Ich will hier raus. Ich bin gefangen.“ Bevor sie in tiefe Agonie verfiel. Die Zweite schwieg eigentlich immer. Um dann ihren Kopf an die Wand zu schlagen. Der Dritte – ein homosexueller Syrer, der unbedingt zurück in seine Heimatstadt Damaskus wollte, um dort eine queere Community aufzubauen. Und schon in Deutschland die Anfeindungen ob seiner sexuellen Ausrichtung nicht ertragen konnte. Die Vierte: Schluckte regelmäßig Metallnägel und Plastikfiguren, ritzte dann die Arme, weil sie sich fühlen wollte. Und dann kam Tintenfass.

    Strich um die Beine der Teenager. Miaute. Sprang auf deren Arme. Kuschelte mit ihnen. Ließ ihr tiefes Schnurren ertönen. Ließ sich ihr weiches Fell streicheln. Macht High-Five mit den Deprimierten. Lernte Kunststücke. Und die Jugendlichen: Hatten plötzlich eine Aufgabe. Lächelten. Erstmals seit langem. Und Hedi? Erstrahlte mit ihnen. Und wenn sie nicht gestorben sind. Dann leben sie noch heute.

    Nein – auch das ist nicht das Ende: Natürlich überlebte auch das alte Ehepaar von Tintenfass. Ihr Haus mussten die beiden allerdings verlassen. Ihr Glück: Sie zogen zu ihrer Tochter. In ein großes Haus. Schmückten dort einen Tannenbaum. Und merkten: Auch elektrischer Kerzenschein. Ist feierlich. Vor allem, wenn er zusammen in einer großen Familie genossen wird. Sagt der weihnachtende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Staunt über das Leben. Und chillt, Leute. Frohe Weihnacht. Auf jeden Fall.

  • 24. Dezember 2025

    Katerliche Weihnachtsgeschichte Parte one

    Es war einmal eine Familie in Berlin. Vier Leute – neben den Eltern ein Junge und ein Mädchen. Tom, 16 Jahre, Greta 15 Jahre. Im Mittelpunkt aber war ein stattlicher Kater. Namens Moro. Grau getigert, British Kurzhaar. Der immer da war. Wenn einer der ihren Sorgen hatte. Ein Trostspender par excellence eben.

    Nun begab es sich zu einer Zeit kurz vor Heilig Abend, dass Greta sehr traurig wurde. Was zum einen daran lag, dass die Posts ihrer Stars auf Tiktok und Insta perfekte Bodys zeigten, perfekt performte Gesichter. Was sie beides nicht hatte. Wie sie zumindest dachte. Ihre Traurigkeit kam zum anderen aber auch daher, dass Schule sie extrem langweilte. Sie Arbeiten verpasste. Die Lehrer motzten. Die Eltern auch. Und dann waren auch noch die besten Freundinnen weg – ein Jahr Austausch.

    Und heute war so ein Tag, da noch nicht mal Moro das Trübsal wegkuscheln konnte. Und so beschloss Greta, einfach mal zu verschwinden. Zum nahen Weißensee. In ein Versteck, in das sie sich noch vor drei Monaten mit ihrer besten und nun in Kanada weilenden Freundin Joko zum Chillen zurückgezogen hatte.

    Nun, ihre Eltern in heller Aufregung, als sie merkten, dass die Tochter am Abend nicht zuhause war. Rennen zur Polizei. Und die Beamten da, tiefenentspannt: „Nu ma janz locker, wa? In neunundneunzig Komma neun Prozent von de Fällen regelt sich dit von alleene in de nächsten vierundzwanzig Stunden.  Die Kids tauchen wieda uff – bei Freun’n, Bekannten, sonstwo. Als wär jar nüscht passiert.  Mal ehrlich, wat glaubense denn, wat hier los wär, wenn wa jedem einzelnen Vermissten gleich hinterherrennen würdn? Da kämen wa ja zu nüscht mehr!“

    Verzweifelt nehmen die Eltern und Tom selbst die Suche auf. Vergessen, die Haustür zu schließen. Und Moro? Ist plötzlich auch verschwunden. Entwischt. Doppelte Verzweiflung. Geht das? Es geht.

    Tom ruft beim Polizeirevier an. Fragt, ob – wenn schon kein Mädchen – dann doch ein Britisch Kurzhaar zufällig abgegeben worden sei. Der Polizist, total freundlich: „Hier jeben se täglich zig Katzen ab, wa. Ne Britisch Kurzhaar war leider nich dabei. Aber jeben Se ma ’ne genaue Beschreibung vom Tier durch. Dann sach ick de Kollegen auf Streife Bescheid, die Augen offen zu halten.“

    Eine Stunde später ruft der Polizist wieder an. Am Weißensee sei eine Katze gesichtet worden, die aussehe wie Moro. Seine Kollegen hätten das Tier in den Büschen in einer Art Versteck entdeckt. In dem auch eine vermisste Teenagerin gelegen habe. Das Mädchen sei unterkühlt und völlig erschöpft. Aber schon ok. Wenn Moro nicht gewesen wäre, wer weiß…. Moro – Held.

    Die Eltern und Tom fühlen Glück. Unfassbarer Flow. Rasen auf E-Scootern zum Weißensee. Greta liegt auf eine Trage. Lächelt. Sanitäter reichen ihr heißen Tee. Und dann: Bewegt es sich neben ihr unter der Decke. Und ein Kopf lugt oben heraus. Moro – neben Greta. Und alle umarmen sich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

    Kitsch. Mag der ein oder andere sagen. Und ich erwidere: Manchmal ist das Leben ein einziger Kitsch. Schöner Kitsch. Why not? Sagt der bewegte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt feiert Weihnachten. Und chillt, Leute.

  • 23. Dezember 2025

    Der glimmende Schwanz und Raketen über Kiew

    Endlich wird’s auch bei mir besinnlich. Denke ich so. Und fixiere die flackernden Flammen der Kerzen auf dem Adventskranz. Zufrieden. Ausgeglichen. Yin und Yang. Bin ich. Was natürlich daran liegt, dass meine family und ich, schon das Weihnachtswunder erlebt haben. Mit der unfassbaren Rückkehr Cocos. Nach ihrer 40-stündigen Flucht aus unserem Revier. Mehr Glück geht nicht. Wenn Coco nur nicht ständig meine Leckerli stibitzen würde…

    Ich weiß: Ich habe Glück. Ich bin privilegiert. Hier in diesem Revier leben zu dürfen. Olena hat uns geschrieben. Aus Kiew. Die Mutter von Fedir, jenem mittlerweile 18-jährigen Ukrainer, der sieben Monate bis Mai bei uns wohnte – und nun in einer WG in Warschau lebt, arbeitet und studiert. Weil er nicht bei seiner Familie sein kann – ansonsten könnte er zur Armee eingezogen und an die Front geschickt werden.

    Nun, Olena schreibt, der Familie gehe es gut. Trotz der ständigen russischen Raketen- und Drohnenangriffe. Trotz der ständigen Stromausfälle. „Wir haben ja Powerbanks.“ Ich habe Coco.

    Das Leben in der ukrainischen Hauptstadt sei mehr oder weniger normal. Schreibt Olena. Es gebe alles zu kaufen, die Auswahl an Lebensmitteln sei ähnlich wie die in anderen europäischen Städten. Die Cafés, Restaurants, Theater und Kinos seien gut besucht. Das sei übrigens auch in Charkiw so – ihrer Heimatstadt, die sie im März 2022 wegen der Nähe zu Russland verlassen hatten.

    Kürzlich habe sie mit ihrem Mann am Ufer des Flusses Dnipro einige Tage Urlaub gemacht. Und danach hätten sie tatsächlich eine kleinere Wohnung in Kiew gefunden, die bezahlbar sei – und in die auch Rudy, ihr Kater, habe miteinziehen dürfen. Tochter Svitlana sei fertig mit ihren Schauspiel-Studium und spiele in einer Fernsehserie mit, außerdem am Theater in Kiew. „Wir haben absolut alles.“ Schreibt Olena. Und fügt hinzu: Das sei alles den Soldaten zu verdanken, die sie an der Front verteidigten.

    Und ich denke so: Das ist schon großartig, trotz der Angriffe des Massenmörders Putin so gelassen, so positiv zu sein. Kein Wort der Klage. Und das, obwohl sie selbst die Zukunft eher düster sieht. Es gebe derzeit keine Aussicht auf Frieden, schreibt sie. Kremldespot Putin wolle die Kapitulation der Ukraine und ihre Zerstörung. Russland müsse an den Punkt gebracht werden, an dem es sich für das Land nicht mehr lohne, Krieg zu führen – materiell und technisch.  Ein weiter Weg. Denke ich so. Aber Wunder passieren ja immer mal wieder…

    Mein Blick fällt auf den „Spiegel“, den ich gerade besetze. „Lust, Rausch, Untergang“, steht da als Überschrift einer Story in großen Lettern. Ein Blick zurück in die 1920er Jahre. Ich lege mich auf die Zeitschrift. Sehe Coco. Genieße die Stimmung. Was bei mir mit Schwanzwedeln verbunden ist. Und in diesem Fall fast zum Unglück führt.

    Mein Schwanz streift die Flamme. Glimmt. Und Felix schreckt auf. Pustet. Gießt sein Glas Wasser auf mich. Krass. Eklig, aber es hilft. Auch wenn es stinkt. Höchste Not. Es geht eben alles Richtung Untergang. Denke ich so. Aber: Always keep cool. Sagt der besonnene Weihnachtskater. Der über sich wachen lässt. Und jetzt feiert Weihnachten. Und chillt, Leute.

  • 22. Dezember 2025

    Cocos Badewannenfall und die GenZ

    Coco ist die new Generation. Und vielleicht deshalb so anders als ich. Und meine Denkweisen. Nun, als Trendsetter der Jungen, ist sie ja geradezu verpflichtet, das Althergebrachte zugunsten des Fortschritts infrage zu stellen. Um herauszufinden, ob das Traditionelle noch gültig ist. Beispielweise, ob Katzen Wasser tatsächlich hassen.

    Was ich bestätigen kann. Aber Coco so – spaziert über den Rand der Badewanne, betrachtet fasziniert die sich mit Wasser füllende Wanne – samt ihrem Spiegelbild. Um dann ihre Pfote ins Nass zu tauchen. Wieder und wieder. Macht ihr Spaß. Offenbar.

    Die Sucht nach dem Neuen. Aufregendem. Erklärt für mich auch ihre Flucht aus unserem Revier. 40 Stunden auf dem Balkon. Analysiere ich so. Wahrscheinlich wollte sie zeigen, dass auch eine Baby-Stubenkatze draußen existieren kann. In einer Großstadt. In Kälte. Unabhängig. Ungebunden.

    Und ich denke so: Ist ja schön und gut. Aber wer so agiert, handelt eben doch sehr auf sich selbst bezogen. Egozentrisch. Ohne auch nur einen Gedanken an die anderen zu verschwenden. Ob die wohl leiden könnten – mit einer strampelnden Katze in der Badewanne. Oder wegen einer plötzlich wie vom Erdboden verschluckten Katze. Wie die Nachbarinnen meiner Leute. Deren Augen tränten wie die von meinen Leuten. Und denen von ausgewachsenen Polizisten. Die alle auf der Suche. Nach ihr. Waren.

    Cocos Verhalten erinnert mich an die Generation Z bei den Menschen – die heute 15- bis 30-Jährigen. Bei denen häufig auch das eigene Wohlbefinden, die Me-Time im Fokus stehen. So sehr, dass Beziehungen leiden. Räumt auch meine Nuria ein: „Viele meiner Leute wollen keine Verpflichtungen mehr eingehen“, moniert sie. Und streichelt mich.

    Verabredungen seien locker, damit man sich jederzeit umentscheiden könne. „Und wer dann eine Stunde vor einem Treffen absagt und das damit begründet, er oder sie benötige Zeit für sich selbst – der oder die bekommt sogar Beifall. Für so viel Selbstwirksamkeit.“ Allerdings: Gastgeber von Partys grämten sich eben doch: Weil statt der 50 Eingeladenen nur die Hälfte komme. Ich schnurre. As schnurr can. Um meine Nuria zu beruhigen.

    Coco rutscht vom Badewannenrand ins Wasser, das durch eine für ein Gesundheitsbad sich auflösende Brausetablette sprudelt. Sie paddelt as paddel can. Zunehmend verzweifelt. Panisch. Schnappt nach Luft. Will raus. Schafft es nicht. Wegen des durchnässten und dadurch schweren Fells.

    Meine Nuria rennt herbei. Rettet sie. Und Coco schüttelt sich nun wie ein Hund. Und ich denke so: Auch wenn die Jugend das Privileg hat, alles ausprobieren zu dürfen. Die Gesetze der Physik setzt auch sie nicht außer Gefecht. Sagt der trockene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt badet. Ohne Katzen. Und chillt, Leute.

  • 21. Dezember 2025

    Der Coco-Mythos und sie mag es heiß

    Ich muss nicht im Mittelpunkt stehen, im Gegenteil, der Hintergrund tut es auch. Ein wenig nervt es aber schon, dass sich derzeit nur noch alles um Coco dreht. Ihre spektakuläre Flucht. Und noch spektakulärere Wiederkehr. Die bereits jetzt zum Mythos mutiert.

    Die Cousine meiner Bruna, Tilda, findet die Story großartig. Dass Coco fast zwei ganze Tage weg – und offenbar unerkannt unterwegs war. Und fühlt sich an große Literatur erinnert. An Tiere, die verschwinden, um Geheimdienstaufträge auszuführen. Und die Welt retten. Wie beispielsweise Jack Wolfgang, ein CIA-Agent – allerdings ein Wolf.

     Oder die Katze Yoko – really: Yoko! – in Animal Agents. Die versucht, die Welt vor den Fehlern der menschlichen Spezies zu bewahren. In der Art, so meint Tilda, müsse auch Coco unterwegs gewesen sein. Bewiesen dadurch, dass sie ja tatsächlich die ganze Zeit auch auf dem Balkon nicht auffindbar gewesen sei. Also weg gewesen sei.

    Tildas Mann Ian ist ebenfalls enthusiastisch bei der Mythenbildung dabei: Er gehe davon aus, dass die Feuerwehr Coco bei einem Drohneneinsatz mit Infrarotkamera tatsächlich im Park entdeckt habe. Sagt er. Dann sei Coco mit dem Fluggerät zurück auf den Balkon geflogen worden. Und dort just zu dem Zeitpunkt angekommen, als Felix draußen stand. Und sie entdeckte. Puuh, als da wären einige Ungereimtheiten. Denke ich so.

    Nun, ich sehe die Story, meine Leute und Coco realistischer. Und denke so: Coco chillte in einer Ecke des Balkons. Verborgen von den Nadeln des Tannenbaums. Und meine Leute waren mal wieder blind.  Realität eben.

    Versus Mythen. Die aber so unlogisch sind: Denn dafür fehlt Coco – sorry – das Format. Sie ist weder mysteriös noch undurchschaubar. Sie wird gelenkt ausschließlich durch Hunger.

    Was auch heute wieder eindrücklich zu sehen ist: Springt auf den Herd, wo meine Bruna gerade ein Müsli zaubert. Atmet enthusiastisch den Rauch des Gerichts ein. Und haut mit der Pfote gegen den Topf. Der zur Seite rutscht. Und die rotglühende Herdplatte freimacht. Manche mögen es heiß, denke ich so. Und weiter: Coco – weniger Heldin als vielmehr verspielt.

    Während Lotte, Oma meiner Bruna erzählt, sie gehe davon aus, Coco habe auf dem Balkon Spatzen aufgelauert, um ihren unermesslichen Hunger zu stillen. Und Volker, Opa meiner Bruna, hinzufügt, er sei davon ausgegangen, dass Coco von einem Katzenkenner gefangen worden sei – und demnächst mit einer hohen Lösegeldforderung angeboten werde.

    Und ich denke so: Die Wahrheit kennen nur Coco – und der Wind. Und natürlich ich. Ich aber sag sie nicht.

    Weil mich eh keiner versteht. Nur so viel mag ich mal andeuten: Katzen lieben Freiheit. Sowohl Coco als auch ich. Also: Warum hat sie sich nicht gemeldet, als meine Leute neben ihr auf dem Balkon standen und sie riefen? Warum bin ich nicht rausgelaufen, um sie aufzuspüren? Eben. Wegen der Freiheit. Der Freiheit des Einzelnen. Der von mir und der von Coco.

    Aber klar, auch die Freiheit hat mindestens zwei Seiten. Drinnen und draußen eben. Sagt der gespaltene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt kreiert Mythen. Und chillt, Leute!

  • 20. Dezember 2025

    Tag eins nach Cocos Wiederkehr – Herz schlägt Kopf

    Die Welt stand still. In den vergangenen Tagen. Als mich zunächst der Schock darüber, dass Coco so plötzlich verschwunden war, schachmatt setzte. Und dann die Ekstase, als sie plötzlich genauso unerwartet wieder auftauchte, in einen absolut geflashten Rausch versetzte. Der Zeit und Welt vergessen ließ. Und ich nun so merke – der Weltenlauf ist egal, wenn privado alles Chaos und außer Fugen ist. Wie auch noch am Tag eins nach Cocos Wiederkehr. Heute.

    Draußen, in der weiten Welt, ist es weiter eisigkalt. Zwischen den human beings. Kriege, Hohn, Spott. Ätzend. Gefühlskalt. Während ich zuletzt gemerkt habe: Innen im Revier, unter Freunden, da glimmt Glut – und wärmt. Entscheidend ist eben Gefühl, nicht Verstand – oder Herz schlägt Kopf. Denke ich so. Und starre Coco an. Die weiter so tut, als ob nichts passiert wäre. Und das selbst zu glauben scheint. Während sie auf dem Schoß chillt, auf dem ich gerne wäre. Dem von meiner Nuria. Die eben erst zurückgekehrt ist. Vom Studium aus Freiburg. Zu mir.

    Nun, Felix ist offenbar aus dem Glücksrausch erwacht. Wenn ich sein verharmtes Gesicht so betrachte. Ihn grämt ganz offenbar der Kater, he, he. Weil er nun endlich kapiert, dass er Schuld ist an dem ganzen Tohuwabohu der vergangenen Tage, Er war es, der Coco durch die Balkontür schlüpfen ließ. Und es nicht bemerkte.

    Und ich denke so: Das ist das Dilemma bei alten Menschen. Sie raffen es nicht mehr. Ihre Sensorik ist abgestorben. Ihre Antennen funktionieren nicht mehr. Und es wird nicht besser, sondern künftig immer schlimmer. So dass der logische Schluss wäre: Erlöset sie vom Übel. Schläfert sie ein.

    Nein, bisschen hart, gebe ich ja zu. Natürlich mag ich ihn auch. Ein bisschen. Mit seiner Unbeholfenheit. Und vor allem sehe ich: Auch jüngere Menschen sind unsensibel – oder anders: Der Mensch wurde quasi von Geburt an von der Natur vernachlässigt, was die Ausstattung seiner Sinnesorgane betrifft.

    Leider ist das auch bei meiner Bruna so. War bei der Coco-Suche fünf Mal auf dem Balkon – und nahm ihre Katze nicht wahr. The same with Diego. Und Laura – ich kann gar nicht zählen, wie oft sie auf dem Balkon war.

    Nun – dass sie Coco nicht wahrnahmen, kann natürlich auch daran liegen, dass sie gar nicht da war. Weil sie eben losgeflogen war. Getragen von ihren Flatterohren. Durch die Welt. Und dann einsah: Am besten ist es doch im Revier. Bei mir. Und zurückkehrte. Denn draußen, was gibt es da schon?

    Die USA beginnen gegen die Terrormiliz IS in Syrien einen neuen Krieg. Kremldespot Putin verspottet die EU wegen ihrer angeblichen Unfähigkeit, geeint zu agieren. Weil sie nun doch nicht wie unter anderem von Kanzler Merz gefordert, das in der EU eingefrorene russische Vermögen für die Ukraine nutzt. Sondern selbst einen Kredit von 90 Milliarden Euro an das von Russland angegriffene Land vergibt. Und die Russen so, feixend: Der gesunde Menschenverstand und das Gesetz hätten gesiegt.

    Forget it: Coco nimmt alle wieder für sich ein. Mit ihrem sanft-wilden Wesen. Auch ich bin hin und weg, obwohl sie mir meine Nuria und meine Bruna wegnimmt. Ich sehe: Ihre Absenz hat bewirkt, dass ich mich zu meinen Gefühlen bekenne: Ich mag sie sehr. Sehr sehr. Sagt der verliebte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Liebt und chillt, Leute.

  • 19. Dezember 2025

    Ein Weihnachtswunder – Die Rückkehr Cocos

    Cool, cooler, Coco. Da ist sie wieder. Zurückgekommen. Als ob nichts passiert wäre. Als ob sie nie weg gewesen wäre. Undurchdringlich. Wirkt sie. Unbewegt. Ice-Cat eben. Sieht aus wie eine Erscheinung. In real. Auch für mich.

    Als ich am frühen Morgen Richtung Balkon tappe. Und fast mit ihr zusammenstoße. Mit unserer Vermissten. Mit Coco. Die mir entgegenstolziert. Mich hoch gerecktem Kopf. Der nur von ihrem Schweif überragt wird. Schnüffelt mich an. Und ich – kann es gar nicht glauben. Wie wohl auch Felix, der mit glasigen Augen immer wieder lallt: „Ein Weihnachtswunder. Mein Gott, ein Weihnachtswunder. Und ich hatte gedacht, sie wäre für immer weg.“

    Ich spüre, wie nun auch die Endorphine in mich einschießen. Glücksgefühl umhüllt auch mich. Wandelt den tiefen Schmerz von einem Moment auf den anderen in höchste Ekstase. Lässt mich emporhüpfen. Miauen. Coco lecken.

    Bis die schlaftrunkene Bruna, eben aufgestanden, über Coco torkelt. Es nicht glaubt. Glauben kann. Dass es da wirklich Coco ist, die vor ihr steht. Meine Bruna glaubt, dass sie träumt. Will aber nicht träumen. Will aufwachen. Was nicht geht. Weil sie wach ist. Und plötzlich schreit sie auf. Vor Glück.

    Coco und ich rasen in die Küche. Zum Napf. Der schon mit Cocos Kittenfutter gefüllt ist. Und ich so: Endlich wieder was, was schmeckt. Und sie so – total generös, lässt mich im Duett mitspeisen.

    Während Felix die bereits in ihrer Psychiatrie für kranke Jugendliche weilende Laura mit einem Anruf und den Glücks-News in Euphoria versetzt. Und Laura überträgt ihren Flash heute dann gleich auf sieben Patientinnen. Die erstmals seit Wochen wieder lächeln. Sich entspannen. Und Wünsche und Ziele für ihre Zukunft formulieren. Ein. Riesen. Erfolg. Dank Coco. Denke ich so.

    Alle sind geflasht. 40 Stunden war Coco verschwunden. Draußen. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Felix sagt, er habe am frühen Morgen vom Balkon nur nochmal Ausschau auf die Straße halten wollen, ob Coco da sei.

    Habe gefroren. Und dann den auf dem Balkon stehenden Tannenbaum kurz angehoben. Und da habe er ein leises Miauen gehört. Über sich. Wahrscheinlich. Oder rechts? Das Miauen wiederholte sich, Felix lockte, dachte, ich sei es. Und plötzlich sei Coco da gewesen. Hinter ihm. Und sei wie selbstverständlich ins Innere meines Reviers gelaufen.

    Wo sie die zwei Tage war? Ein Rätsel. Meine Leute suchten sie in dieser Zeit mehrfach auch auf dem Balkon. Ich bin Zeuge. Der Nachbarsbalkon – zwei Meter entfernt. In rund zehn Meter Höhe. War sie da? Oder auf den Fenstersimsen nebenan. Irgendwo oben? Im von einem Netz zusammengepressten Tannenbau? Nur sie weiß es. Schweigt aber. Selbst mir gegenüber. Und ich sehe so: Sie hat große Ohren. Sie wird geflogen sein. Um die Welt. Oder so.

    Und ich denke so – mit Blick auf Ice-Cat Coco: Wenn du wüsstest, wie verrückt du alle gemacht hast. Der ganze Kiez suchte nach dir. Selbst in Japan, Australien und der Ukraine wurden für dich Kerzen angezündet. Die Polizei fahndete nach dir. Menschen weinten. Und ich – voll krass – ich machte dir ein Liebesgeständnis. Was du zum Glück nicht gehört hast. Sagt der glücklichste Hauptstadtkater der Welt. Der über sich wachen lässt. Und jetzt: Genießt und chillt, Leute.

  • 18. Dezember 2025

    Die große Suche nach Coco

    Die große Suche: Es tut gut, etwas zu tun. Weil es von der Ohnmacht ablenkt. Und so sitze ich den ganzen Tag auf dem Fensterbrett. Schaue in den Himmel über Berlin. Und starre mir Coco auf dem Hof herbei. Es. Klappt. Nicht.

    Wenn das alles nicht so traurig wäre, könnte ich sogar lachen, wenn ich es von meiner Physiognomie her könnte – also Lachen. Oder zumindest so etwas wie Freude verspüren. Denn im Moment der Not, der Verzweiflung, da sehe ich meine Thesen vom bösartigen, unfähigen Menschen widerlegt.

    Die Freunde meiner Bruna, meiner Alten, auch Nachbarn bieten Hilfe an. Sind auf der Suche. Nach Coco. Und es kommt gar moralische Hilfe aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Olena wünscht mitfühlend, dass Coco wieder auftaucht. Als ob sie nicht genug damit zu tun hätte, die russischen Raketenangriffe zu überstehen. Denke ich so.

    Und dann ist da die Polizei. Felix ruft vier Reviere an, die in der Nähe meines Reviers sind, um zu fragen, ob sie was von Coco gehört hätten. Alle Beamten am Telefon – locker, freundlich, hilfsbereit, empathisch. Sagt Felix. Einer ruft zurück und meint, er habe ganz vergessen, welche Farbe Coco habe, das müsse er wissen, um die Beschreibung den Streifenwagen mit auf den Weg zu geben. Coco also auf der Fahndungsliste also. Denke ich.

    Ein anderer Polizist erzählt, es sei Alltag, dass bei ihnen Katzen und Hunde abgegeben würden. Die dann auch mal eine Nacht blieben. Länger gehe nicht, weil nicht genug Platz da sei. Dann würden die Katzen und Hunde ins Tierheim gebracht. Das Kümmern um die Tiere zähle zu seinen Lieblingsaufgaben: „Wenn wir Katzen finden und sie zurückgeben, das löst echte Freude aus.“ Und Felix so: Wie nett kann man sein. Welch Unterschied zu den Callcenter-Leuten von Banken, Versicherungen oder Ärzten.

    Lauras Freundin Josephine sagt, ihr Mann Dominik werde auch morgen weitersuchen. Er sei Experte, habe vor einigen Jahren seinen Kater Carlos nach vier Tagen Absenz auf der Reeperbahn in Hamburg wiedergefunden. Sie empfiehlt, eine Drohne mit Infrarot auszuleihen, um den Park auf der Suche nach Coco zu überfliegen. Brunas Cousin Kaj meint, er könne Freunde vom Technischen Hilfswerk fragen, ob sie so eine Drohne hätten.

    Meine Bruna hängt überall im Kiez Plakate mit dem Konterfei Cocos auf. Auch bei Tierärzten. Beim Tierheim. Alle nett. Hilfsbereit. Laura lädt das Plakat mit der Suchanzeige auf einer Nachbarschaftsplattform hoch. Nuria stellt es auf Facebook online. Meine Bruna, Diego, Laura und Felix durchkämmen den Kiez. Meine Bruna läuft heute mehr als 20.000 Schritte. Sie leuchten im Dunkeln alles mit Taschenlampen ab. Meinen, im nahen Park nun jeden Busch zu kennen. Coco allerdings: Nicht zu sehen.

    So leiden wir. Leide ich. Dass Coco an dem Tag, an dem sie ein halbes Jahr wurde, abhaute. Und ich weine. Laut. Bis meine Bruna die Tür öffnet. Und ich mit ihr im Bett kuscheln darf. Obwohl deprimiert, rolle ich nun mit auf der Welle der Hilfsbereitschaft. Des Trosts.

    Und denke so: Ein Hoch auf Freunde. Sagt der positiv erstaunte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und nun merkt: Ihr wacht über ihn. Wofür er danken will. Und jetzt: Suchet und findet Coco, seid aufmerksam – und chillt, Leute.