Untergang durch Dekadenz und die Privilegien der Jugend. Basta!

Wenn mir was weggenommen wird, wehre ich mich. Entweder subtil – mit Buckeln. Oder offensiv – mit Fauchen und Schlagen. Die subtile Botschaft funktioniert leider selten. Coco beispielsweise achtet nicht auf Buckel und klaut dann meine Leckerli. Wenn ich aber haue – schleicht sie sich.
Traurig, denke ich so. Dass es nur so funktioniert. Mit Stärke. Ein Zivilisationsrückschritt. Bei uns Katern. Und Katzen. Auf die ganz offensichtlich menschliches Verhalten unheilvoll abfärbt. Denn: Was ja absolut angesagt ist in diesen groben Zeiten: Stärke zeigen, damit es der andere kapiert. Statt des feinen Floretts der Diplomatie. Das früher geführt wurde. Oder auch nicht…

Ich kann junge Leute wie meine Nuria jedenfalls gut verstehen. Die Gewalt ablehnen. Und damit natürlich auch das Militär. Weil sich Soldaten letztlich auf Geheiß von Ärschen wie US-Präsident Trump oder Kremldespot Putin töten. Klar, dass meine Nuria auch die gerade debattierte Wehrpflicht ablehnt.
„Ich würde lieber unter Putin leben als überhaupt nicht“. Sagt sie. Und fügt hinzu: „Auf jeden Fall würde ich nie zur Bundeswehr gehen, um dieses Land zu verteidigen. Denn ich kann mir nicht vorstellen, einen anderen zu erschießen. Und will auch nicht erschossen werden.“ Lieber engagiere sie sich politisch. Debattiere mit AfD-Leuten über Demokratie. Oder über Atomkraft. Über Feminismus. Und würde notfalls eben auswandern.

Wohin? Ich komme nicht zum Nachdenken, denn der Alte wütet. „Du hast nie in einer unfreien Gesellschaft gelebt“, herrscht Felix meine arme Nuria an. Und ich denke so: „Häh, Du doch auch nicht. Unfrei: Das sind hier nur Coco und ich.“ Aber solche Realitäten fechten Felix nicht an.
Es müsse wohl erst wieder eine unterdrückte Gesellschaft entstehen, damit der Wert der Freiheit erkannt werde, ätzt Felix weiter. Ein Wert, den viele Unterdrückte mit Einsatz ihres Lebens erkämpft hätten. Auch für meine Nuria. Die nun offensichtlich bereit sei, das einfach so herzuschenken.
Und ich denke so: „Herrschaftszeiten. Cool down.“ Kann der Debatte aber kaum noch folgen, weil aus dem benachbarten Park dumpf die Bässe dröhnen. Seit vier Tagen feiern dort schon vormittags stundenlang die künftigen Abiturienten. Als gäbe es kein Morgen. Vor dem Abi. Im Angesicht brennender Ölfelder in den Golfstaaten.

Puh, ich bin erschüttert. Über mich: Alta, was ist los mit mir? Unbeschwertes Feiern – das Privileg der Jugend. Gönne, du alter Sack. Eifersüchtig? Oder was?
Nun, ich schäme mich. Really. Und höre, wie Felix meint, auch er wolle nicht töten. Es gehe darum, mit einer starken Armee einem Aggressor wie Putin Stärke entgegenzusetzen. Damit er erst gar nicht auf die Idee komme, Europa anzugreifen. Meine Nuria zuckt die Schultern – sagt, letztlich bedeute Wehrdienst nun mal, bereit sein zum Töten. Das wolle und könne sie nicht. Basta.
Felix grummelt: „Euch geht es zu gut.“ Und packt seinen eben gebratenen Lachs direkt vor Coco. Für das Symbolbild zum Tag. Sagt er: Untergang durch Dekadenz. Und ich denke so: Was hat das mit Dekadenz zu tun? Als ob Katzen kein Lachs zustünde.

Coco darf dann nicht mal lecken. Sie kämpft nicht dafür. Sondern weicht. Unfrei eben. Sagt der bewegte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Überlegt die Folgen eures Tuns. Nehmt sie an. Und chillt, Leute!
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