Mein Weg in die Sucht – wie ich zum Marathon-Tempomacher wurde

Endorphine sind really nice. Pushen. Hin zum Flow. Und yes: Ich weiß, wovon ich schreibe. Auch Kater und selbst Katzen produzieren Endorphine. Vor allem beim Schnurren. Oder beim Futtern von Katerminze. Deswegen verstehe ich die Endorphin-Sucht der Menschen. Die viele beim Sport freisetzen. Oft beim Rennen.
Auch Felix. Der drei Wochen nach dem Marathon nun einen halben läuft. Aber dieses Mal meinen Diego auch dazu verführt hat. Der Arme soll ohne Training die 21,1 Kilometer rennen. Mit 3000 anderen um den Müggelsee in Köpenick. Diego macht es. Und ist kurz danach ganz offensichtlich auch abhängig. Süchtig. Trotz Riesenblasen unter den Füßen, Schmerzen in Hüfte und Knie: Dauergrinsen, Euphoria – als er nach zwei Stunden durchs Ziel rast.
Es ist schwer zu verstehen: 12 Grad, Dauerniesel, grau. Ich bin glücklich, neben Coco eingemummelt auf der Wolldecke in der Stube meines Reviers zu chillen. Aber Felix und Diego gehen raus. Rennen über mit Pfützen übersäte Waldwege, rutschen auf glatten Wurzeln, stoßen mit langsameren und schnelleren Läufern zusammen.

Trotzdem keine Aggressionen. Am Ende alle high. Weil sie es geschafft haben. Zusammen mit der Masse Mensch. Die wieder eine Einheit gewesen sei. Schwärmt Felix. Alle mit demselben Ziel – ankommen. Alle mit denselben Schmerzen. Denselben nassen Füßen. Alle einander zugewandt. Meist mehr als weniger. Obwohl fremd. Der Alltag ist weg, der Stress ist weg, die Schmerzen sind weg, die Sorgen verloren.
Eine verrückte, zufällige Schicksalsgemeinschaft. Im positiven Sinn. Garniert mit Nadelduft, umgeben von Kiefern, Eichen und Fichten, angefeuert von Enthusiasmierten am Wegesrand, von den dröhnenden Beats aus einer Box in der Unterführung unter dem See angepeitscht. Oben dann wieder das rhythmische Klacken Hunderter edler Lauf-Performance-Schuhe auf dem Pflaster, Alte, Junge, Männer, Frauen, Dicke, Dünne, Schnelle, Langsame.

Im gemeinsamen Rausch. Sagt Felix. Danach dann seien sie sogar noch in den See gejumpt. 11 Grad. Sie hätten sich wie neu geboren gefühlt. Behaupten die Jungs. Wobei: Felix tauchte nur die Hand ins Wasser, he he.
Aber ich räume frank und frei ein. Ausprobieren würde ich es ja auch mal gerne. Wenn die so schwärmen. Und wenn ich – als Fluchttier – nur als Tempomacher engagiert wäre, wäre auch ok. Ich würde die Leute ins Ziel ziehen. Mit meiner Geschwindigkeit. Um selbst den Rausch zu erleben. Euphorie eben.



Und tatsächlich: Ich darf. Sagt der Veranstalter: Fitcat for Müggelsee e.V. Und so galoppiere ich in Führung liegend ein. Die Masse Mensch hinter mir. Euphoria. Sagt der süchtige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lauft. Vergesst. Und chillt, Leute!
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