Warum ich trotz Höllenlärm nicht auswandere und ich Merkel liebe (was sie aber nicht weiß)

Überall ist Lärm. Dieser Tage. Warum? Fragt der ruhebedürftige Kater. Nun, Laura ist nicht arbeiten, sondern zuhause. Erkältet. Und schaltet erst in der Küche, dann im Wohnzimmer, dann im Arbeitszimmer das Radio ein. Und nirgends wieder aus. Deutschlandfunk aus allen Ecken. Viel Gebrabbel, auch Gedudel. Stereofonic 3.0.
Und Laura so: „Das brauche ich, fühle mich sonst so alleine.“ Und der stumme Felix so: „Du hast doch Coco und Charlie.“ Und sie so: „Klar, aber die sprechen nicht.“ Und ich so: „Fauch, kratz, spuck. Leute, achtet die Signale. Klar sprechen wir. Man muss nur zuhören. Um zu realisieren: Dass ich Leckerli will. Hunger habe. Spielen will. Streicheleinheiten will. Oder einfach philosophieren will.“

Philosophieren beispielsweise über einen Wegzug aus diesem, meinem krass unsensiblen Revier. Wie ich darauf komme? Nun, im DLF ging es um das Thema. Immer mehr junge Leute würden einen Weggang aus Deutschland erwägen. Ob der eventuellen Einführung einer Wehrpflicht. Ob der möglichen Machtergreifung der rechtsextremistischen AfD. Ob der näherrückenden Kriegsgefahr aus dem Osten. Ob der Zukunftsängste.
Nur – wohin wollen sie denn gehen, frage ich mich so. Welches Land ist denn besser? In Europa sind fast überall Rechtsextremisten auf dem Vormarsch. Australien? Zu weit weg von allem. USA? Ha ha. Kanada! Yes! Da gibt’s nur ein paar Probleme: Will Kanada die Auswanderer überhaupt haben? Und selbst wenn: Kanada könnte demnächst der 51. Bundesstaat der USA sein.


Tja, vielleicht doch hier bleiben, in good old Germany. Und versuchen, die eigentlich gar nicht so schlechten Werte, die hier so gelebt werden und für die Generationen unter Einsatz ihres Lebens gekämpft haben, zu verteidigen.
Und ich höre Altkanzlerin Angela Merkel im DLF. Die auf einer Veranstaltung Schüler auffordert, für Demokratie zu kämpfen. Denn Demokratie, das bedeute eine unabhängige Justiz, freie Presse, Schutz von Minderheiten, die Suche nach Kompromissen. Und Merkel weiter: Junge Menschen müssten ihre Vorstellungen deutlicher formulieren und sich stärker gesellschaftlich engagieren – etwa in Vereinen oder sozialen Projekten.

Sie jedenfalls rate nicht dazu, auszuwandern. „Ich würde Deutschland denen nicht überlassen.“ Sagt sie mit Blick auf die Populisten – vor allem von rechts. Sie könne nur empfehlen, weniger über die AfD zu reden, sondern selbst etwas anzubieten. Denn sonst werde diese Partei größer gemacht, als sie es tatsächlich sei. Und man vor Schreck verzage. Daumen hoch. Denke ich so.


Nun, ich weiß, klar bleibe ich hier im Revier. Ist ja auch nicht so schlecht. Irgendwie verstehen mich meine Leute ja doch. Manchmal. Auch ohne Worte. Selbst Laura. Die mir nun acht Leckerli vor die Schnauze streut. Sagt der verwurzelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kämpft um und für die freiheitlichen Werte. Und chillt, Leute!
Schreibe einen Kommentar