Hauptstadtkater

21. Oktober 2026

Surfen mit Taube in der S-Bahn in Zeiten des Internetausfalls

Auch Grau kann schillern. Wenn es aus seiner gewohnten Umgebung ausbricht. Und plötzlich an einem Ort auftaucht, an dem es nicht erwartet wird. Wie die Taube in der S-Bahn. Die Diego heute erblickt. Ganz in seiner Nähe. Während die anderen Fahrgäste weiter unbewegt in ihre Handys starren. Quasi hypnotisiert. Steht sie da. Und strahlt ihr grau.

Und Diego fragt: „Was machst du denn da? Spionierst Du?“ Und die Taube so, pickend, gurrend, aber irgendwie doch stumm. Wohl taub. Denkt Diego. Etwas deprimiert. Ob seines schalen Witzes. Aber was soll er auch tun? Denn sein Handy lädt nicht. Die Webseiten, die er aufruft. Was mal nicht am schlechten Empfang in der Bahn liegt. 

Denn: Viele Webseiten lassen sich derzeit nicht laden. Absturz. Weil abgeschaltet. Weltweit sind Behörden, Flughäfen, Kliniken offline gegangen. Weil gewarnt wird – vor einer Sicherheitspanne in der Software. Genauer gesagt bei der Web-Programmiersprache namens PHP.

Mit Kenntnis dieser Schwachstellen könnte es Angreifern gelingen, massive Angriffe durchzuführen, warnen Experten. Wer in die Sicherheitslücke komme, könne dann Kundendaten und Passwörter abgreifen, Webseiten verfälschen, Schadstoftware einschleusen und die Webseiten vollständig übernehmen. Es gebe Millionen ungeschützter Systeme, die nun angegriffen werden könnten.

Die Reaktion: Die Webseiten von Städten wie München, Flensburg oder Mainz, von Ministerien, von Krankenhäusern wie der Charité, von Polizeien, von Landesregierungen – offline. Erst mal eine Vorsichtsmaßnahme. Wie lange – unklar. Die Server müssen neu gestartet werden. Und ein Update gegen die Angriffe ist noch nicht erhältlich. 

Tja, die Taube in der S-Bahn? Fällt nur Diego auf. Weil er offline ist. Und Coco und ich? Werden weiter nicht wahrgenommen. Obwohl doch auch wir draußen sind. In der S-Bahn. Bei der Taube. Es nimmt niemand Notiz von uns. Nicht einmal die Taube. Die sich sicher fühlt. Zu sicher. In der S-Bahn. In der auch Obdachlose ignoriert werden. Und in die sich Kontrolleure nicht mehr hineintrauen. Aber Tauben.

Die vor Diego dann herausfliegt. Endstation Sehnsucht. Nein: Taubenstraße. Mitte. Sagt der verunsicherte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Checkt die Systeme. Und chillt, Leute!

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