Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 17. August 2026

    Wider dem Shitstorm, Gegendarstellung, Chillen mit meiner Nuria

    Chillen mit meiner Nuria. So nice. Und ich merke mal wieder: Das im Alltag Unerreichbare wird noch krasser, wenn es dann doch mal da ist – wie meine Nuria, die wegen der Semesterferien in Freiburg nun endlich hier in meinem Revier ein Comeback feiert. Hach, wie sie krault. Schnurr.

    Ich brauche das heute besonders – also sehr viel Liebe, Wärme, Geborgenheit. Denn mir weht ein veritabler Shitstorm in die Nüstern – ausgelöst durch meine jüngste Schilderung der Generation Z. Junge Menschen schreiben, der Beitrag sei absolut weird. Eine Unverschämtheit eines debilen Katers. Es sei naturally nicht so, wie von mir geschildert, dass die GenZ nur noch klaue und vor allem Unverbindlichkeit schätze.

    Im Gegenteil: Viele von den Jungen arbeiteten mehr als die Älteren, hätten mehrere schlecht bezahlte Jobs zugleich – weil sie sonst nicht überleben könnten. Betroffen davon seien auch Akademiker. Und von der grassierenden Unzuverlässigkeit seien die meisten mittlerweile auch voll abgeturnt. Und darüber hinaus: GenZ arbeite in eine eher düstere Zukunft und finanziere Alte – während es später für sie so etwas wohl nicht mehr gebe. Und die meisten dann wegen der immer größeren Hitze wahrscheinlich eh tot seien. 

    Aber der Shitstorm reißt mich auch von der anderen Seite um. Alte Menschen schreiben, der Beitrag sei Mist. Wieder würden die Alten gegen die Jungen ausgespielt. Obwohl: Sie hätten es ja schon immer gewusst. Die GenZ sei die lost Generation.

    Wie das sein könnte, dass von denen keiner mehr arbeiten wolle, alle nur noch auf Klauen aus seien. Und trotzdem in Saus und Braus lebten, mit Flügen, Urlauben, ein Leben wie ein Dandy oder Privatier führten. Dies sei doch die Generation, der es so gut gehe wie keiner vor ihr. Und die doch gelernt haben sollte, dass für Wohlstand und dessen Erhalt etwas getan werden müsse.

    Und ich so, entsetzt: Stopp Leute! Kommt mal runter. Alles easy. Keep calm. Ist so absolutely nicht gemeint. Und auch nicht so formuliert. Spannend, was ein Jeder, eine Jede, da so rausliest. Denke ich staunend. 

    Meine Klarstellung: Es gibt junge Menschen, die gerne klauen. Auch aus gutbürgerlichen Elternhäusern. Genauso wie es auch schon vor drei Jahrzehnten junge Menschen gab, die gerne klauten und behaupteten, jeder Diebstahl bis 100 DM sei okay. Meine Nuria krault weiter. Und sagt nur: „Ist aber schon krass, dass aus meinem Umfeld mindestens 50 Prozent gerne klauen…“ Sie natürlich nicht.

    Was nun? Denke ich verwirrt. Jede Generation ist eben divers. Ist ja auch nicht so, dass alle Alten Nazis sind. Oder? Denke ich so. Also, sorry, das ich das so ausführen muss: Aber: Naturally setzen sich viele GenZ-Leute voll engagiert für ihre Zukunft ein. Haben es aber extrem schwer: Weil sie gegen jene Wand der Alten und Etablierten laufen – beispielsweise bei der Forderung nach mehr Klimaschutz.

    Denn das bedeutet oft eben auch Einschränkungen. Die keiner will. Ich ja auch nicht. Oder eben nur, wenn dann deutlich wird, dass ein besseres Leben auch künftig möglich sein wird. Und I guess: Das den Alten zu vermitteln ist schwierig, weil sie selbst es eh nicht mehr erleben werden. Sagt der schnurrende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid doch nicht immer gleich so getriggert. Und chillt, Leute! 

  • 16. August 2026

    Warum Klauen so geil und die Bahnverspätung meine Schuld ist

    Klar, ich bin auch Individualist. Und like das. Extrem. Will mich abgrenzen. Von anderen. Von Coco. Und klar, das ist nicht sonderlich schwer: Wir unterscheiden uns offensichtlich. Vom Fell, von der Größe, vom Mindset.

    Menschen streben auch nach Individualität. Um aus ihrer Masse herauszuragen, braucht’s was Besonderes. Was geht? Nun, einfach das Gegenteil machen, was die scheinbare Masse will. Und naturally: Was die Eltern-Generation empfiehlt und vorlebt. Unabhängig davon, ob’s smart ist. Egal. Hauptsache: Anders. Aus Prinzip. Individuell eben. 

    Das geht los bei Behaviour und Mindset: Eigentum, Besitz, abgesehen vom Handy, eher verpönt. Zumindest bei den Studenten und Studentinnen, mit denen beispielsweise meine Nuria umgeben ist. Alles wird wie auf Social Media geteilt – analog zu meiner Katerwelt. Denke ich so. Mit Blick auf die Leckerli und Coco.

    Nun, wenn Klamotten, Schuhe, Schmuck, Fahrräder, Pfannen, Laptop und Zahnbürste geteilt werden, ist das natürlich eine coole Vielfalt. Wenn sich denn jemand verantwortlich fühlt – und pflegt. Denke ich alter Bedenkenträger. Und höre dann von meiner Nuria, in ihrer Bubble sei es normal, zu klauen. Nicht, weil die Leute arm wären. Sondern aus Prinzip. Und einem gewissen Kribbeln dabei.

    Und so lassen die Leute Äpfel bei Rewe oder Schlafsäcke bei Decathlon mitgehen. Und unterlegen das dann noch moralisch: Kapitalistische Großkonzerne müssten bestohlen werden, um sie irgendwann zu zerstören. Moderne Robin Hoods also, denke ich so. Die allerdings vor allem sich selbst helfen. Hehe.

    Obwohl, wenn die Märkte nur noch Selbstbedienungskassen aufstellen, fordern sie Klauen natürlich auch geradezu heraus. Wäre so, als ob eine Leckerlitüte vor mir läge und ich nicht ran dürfte. Denke ich so. Und frage mich: Liegt der Trend zum Klauen auch darin begründet, dass Besitz zunehmend unwichtig wird?

    Und nun zum Style: Moden also. Die sich alle paar Jahrzehnte wiederholen. Angesagt sind derzeit tatsächlich weiße Tennissocken. Weit hochgezogen. Während zerrissene Jeans mittlerweile wieder out sind. In ist auch, trotz bester Bildqualität bei den Handys, billige Einmalkameras zu benutzen. Trotz schlechter Ökobilanz.

    Vinylplatten halten sich tatsächlich schon etwas länger bei den Tops jener hält, die bestimmen, was cool ist. Neuerdings sind auch Kassetten wieder im Kommen. Mit Spulen, Bandsalat und Rauschen. Egal, Symbol für Individualität eben. Um die eigene Ölkobiolanz positiv zu gestalten, wird dafür eben auf Fleisch und Auto verzichtet. Auf Urlaube und Flüge erstaunlicher Weise weniger.

    Benutzt wir anstatt des Autos dagegen häufig die Bahn. Was wegen deren Unzuverlässigkeit nicht einfach ist. Und ich frage mich so, ob diese Unzuverlässigkeit von der sich verändernden Gesellschaft auf die Bahn übergesprungen ist.

    Eine Gesellschaft, in der Unverbindlichkeit einer der höchsten Werte zu sein scheint. Feste Verabredungen absoluten Stress bedeuten. Und Zu-Spät-Kommen des Öfteren gar gefeiert wird. Was ja auch ich merke: Wenn ich erst gegen Mitternacht mein Fressen bekomme.

    Nun, ich ärger mich mal wieder. Über die individualisierte Coco. Die wieder mal meinen Lieblingsplatz okkupiert. Auf Felixens gesammelten Tagebüchern. Mit Blick auf mein Lieblings-Gemälde von Kokoschka: Der Pirat der Freiheit. Ich schwöre, Coco liegt wirklich da. Keine KI: Sagt der individuelle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hinterfragt euch. Und chillt, Leute! 

  • 15. August 2026

    Psychologie, Projektion und ein depressiver Affe

    Für mich sind Menschen offene Bücher. Wenn ich lesen könnte, he he. Was ich sagen will: Es gibt für mich nichts Einfacheres, als Menschen zu dekodieren. Denn, so sehr sie es auch versuchen – und manchmal ist das geradezu niedlich – Emotionen können sie nicht verbergen. Ob sie nun mal Trump, Putin oder meine Bruna heißen.

    Vor allem bei ihr: Es ist so süß, wenn sich über ihren zusammengekniffenen Augen die Stirne kräuselt und sie herauspresst: „Alles gut.“ Dann weiß ich: Nichts ist gut bei meiner Bruna. Ich werde dringend gebraucht. Oder Diego: Seinen unbändigen Hunger erkenne ich sofort – an seinen schmalen Lippen, der latent-aggressiv vornüber gebeugten Boxerhaltung. Oder Felix, der behauptet, immer gut drauf zu sein. Und meist mit sinnentleerten Blick auf sein Handy starrt. Stumm. Und bleich. 

    Nun, Menschen maßen sich dann auch noch an, über unsere Gefühlslagen und Emotionen zu urteilen. Wobei ich mit uns nicht nur uns Kater meine, sondern Tiere allgemein – übrigens selbst Schlangen. Die sähen falsch aus. Sagt Laura. Und windet sich vor Ekel.

    Nun, Menschen merken bei ihren Beurteilungen gar nicht, dass sie da den klassisch psychologischen Phänomenen der Projektion und des Anthropomorphismus unterliegen. He he. Klar, ich erkläre: Sie übertragen ihre eigenen Gefühlswelten auf Tiere und schreiben eben diesen Tieren menschliche Eigenschaften zu. Sehen in Hund, Katze, Maus quasi den Spiegel ihrer eigenen Gefühle.

    Laura erzählt von einem Zoobesuch mit den psychisch kranken Jugendlichen aus ihrem Krankenhaus. Die 14-Jährige Jessy, gerade wegen ihres siebten Suizidversuchs wieder mal eingeliefert, steht vollkommen fasziniert vor dem Affengehege. Dort sitzt ein großes Exemplar auf einem Stein, Kopf nach unten gesenkt, schlaff, bewegungslos. Und Jessy: „Mann, ist der traurig. Der arme Affe. Voll depressiv. Wäre ich auch, wenn ich eingesperrt wäre.“ 

    Was mich besonders nervt: Auch meine Leute betätigen sich ständig als Hobbypsychologen – mir und Coco gegenüber. Wenn wir geduldig und brav auf Futter warten, sagen sie, wir sähen „gierig“ aus. Wenn wir toben, sagen sie, wir sähen „frech“ aus. Wenn wir chillen, dann sagen sie, wir sähen „entspannt“ aus. Wenn sie selbst traurig sind, sagen sie, wir sähen traurig aus.

    Und ich muss sagen – natürlich alles Humbug. Weil wir undurchdringlich sind. Auch wenn Forscher festgestellt haben, Kater könnten 276 verschiedene Gesichtsausdrucke machen. Weil wir ja durchaus Ohren, Kiefer, Augen und auch Schnurrbarthaare bewegen könnten. Ihr krasses Ergebnis: 45 Prozent dieser Ausdrücke seien freundlich, 37 Prozent aggressiv.

    Als ob: Ich. Bin. Nie. Aggressiv!!!  Sondern ein entspannter Tröster. Weil ich erkenne, was dem Menschen fehlt. Auf den Schoß meiner Bruna springe. Sie entspanne. Und glücklich mache. Was ich sofort in ihrem Gesicht erkenne. Alles gut. Sagt der psychologische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Achtet auf Projektion. Und chillt, Leute!

  • 14. August 2026

    Gute Freunde sind keine Verräter – ist Trump doch egal

    Alle wieder da: Meine Nuria aus Freiburg vom Studieren zurück. Meine Bruna aus dem Kurzurlaub in Brandenburg zurück. Diego von der Radtour aus Slowenien zurück. Die Alten Felix und Laura sind auch da. Alle sind zusammen. Wie früher.

    Wie schön. Könnte man denken. So viel Vertrauen. So viel Gemeinsamkeit. So viel Harmonie. So viel Verständnis. So viel Gekuschel. Familie eben. So was wie beste Freunde. Aber: Auch so anstrengend. Kann man erfahren. Wenn die übersteigerten Erwartungen auf eine intolerante Realität treffen.

    Und ich werde emporgehoben. Von meiner Nuria. Von meiner Bruna. Von Diego. Von Laura. Und auch von Felix. Der das sonst nie macht. Und ich komme nicht nach, mein weißes Fell zu säubern. Und will nur eins: Ruhe. Zum Chillen. 

    Man muss es natürlich nicht gleich so brachial machen wie US-Präsident Trump. Der seine Freunde ohne mit der Wimper zu zucken dem Hades überantworten würde. Um Ruhe zu haben. Die Story behind: Nach dem Nato-Gipfel in Ankara vor einem Monat stieg der Präsident in seine Air Force One.

    Erst jetzt wurde bekannt, dass er die Maschine vor dem Start heimlich verließ – durch eine seitlich am Flugzeug platzierte Catering-Box, in der er dann inkognito per Lkw zu einem kleinen US-Militärflugzeug gebracht wurde. Mit dem flog er dann nach Großbritannien, wo er zunächst unbemerkt wieder in die auch dort zwischengelandete Präsidentenmaschine einstieg.

    Alle sollten glauben, er sei die ganze Zeit damit geflogen. Und ich denke so: Häh, wie absurd, der mächtigste Mann der Welt versteckt in einem Container, dann in einem Flieger. Why?

    Wahrscheinlich weil er Ruhe haben wollte, denke ich so. Der Mann ist 80. Musste sich zuvor mit anstrengenden Nato-Bündnispartnern rumschlagen. Hatte keinen Bock mehr auf kluge Ratschläge seiner Vertrauten. War außerdem müde – durch die ständigen Zeitumstellungen. Und ließ so seine Vertrauten, darunter zwei Minister und mehrere Mitarbeiter seines Weißen Hauses, im Flieger sitzen. Und den Journalistentross sowieso.

    Um allein zu sein. Aber es ist anders. Ich erfahre: Trump wollte nicht nur Ruhe. Sondern war auch gewarnt worden. Dass der Iran einen Raketenangriff auf die Maschine plane. Um ihn – Trump – zu töten. Wie im Politthriller.

    Und ich denke so: Solche Freunde wie Trump will man haben. Lässt seine Vertrauten im Flieger sitzen, in dem Wissen, dass die seinetwegen in die Luft gejagt werden könnten. Nun, ob es die Drohung tatsächlich gab, ist wieder eine andere Story: Der israelische Geheimdienst soll seine US-Kollegen vor einem iranischen Anschlag gewarnt haben.

    Die USA allerdings hätten das gar nicht geglaubt. Seien aber trotzdem lieber den sicheren Weg gegangen. Ihrer Ansicht nach habe Israel die Warnung erfunden, um Trumps Wut auf den Iran zu steigern. Damit dieser den Krieg gegen die Islamische Republik wieder aufnimmt.

    Egal, wie es nun ist. Denke ich so. Trump hat damit auf jeden Fall seine wahre Fratze einmal mehr gezeigt. Er würde seine Vertrauten im Stich lassen. Und ich denke so, doch ganz nice mit richtiger family. Freunden. Denen ich voll vertraue. Echte Liebe eben. Sagt der empor gehobene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kuschelt. Und chillt, Leute! 

  • 13. August 2026

    Wie ich als Raver die Natur des Menschen entdecke

    Ekstase! Party! Gemeinschaft! Für alle. Die da sind. Auch für mich. Wild, tuff, denke ich so. Beim Rave. Mit meinen Alten Felix und Laura. Die mich wieder mal mitschleppen. In meinem Rucksack-Case. Dieses Mal zu den Berlin Beats. Im Hof vor dem Hamburger Bahnhof. Also dem Museum, in dem Beuys, Kirchner und andere Moderne sich zeigen dürfen.

    Darf offenbar auch musikalische Avantgarde nicht fehlen. Scheint sich das Museum gedacht zu haben Und hat really eine krass coole Idee: Bietet den ganzen Sommer, immer donnerstags, Raves an, mit echt coolen DJs und DJanes. Bei freiem Eintritt. Techno. Love. Wow. Berlin. Weltstadt. Really. 

    Ein bisschen wie Christos Reichstagverhüllung vor mehr als drei Jahrzehnten. Meint Laura. Wo des Sommers auch Tausende Menschen aller Couleur zusammenkamen und gemeinsam das Spektakel genossen. Und die Atmosphäre so entspannt war. Nun also der Rave von DJ Oda Haliti aus Pristina: Rund 3.000 Menschen sind gekommen – und ein Kater.

    Kleinkinder, Greise, Menschen aus der LGBTQ+-Sphäre, Schlipsträger, Coole, Uncoole, Dicke, Dünne, Halbnackte, Gestylte, Normalos, Obdachlose, Liebespaare, Sekretärinnen, Rentner, Rentnerinnen, Touristen, Schwarze, Weiße, Bunte, Yogis, Ökos, Museumsbesucher, Alt-Raver, Jugendliche, Kiffer, Kinder, Rocker, Eltern, eigentlich alle.

    Nein: Arschlöcher und Idioten fehlen. Meint Felix. Und sagt, er meine die über 40 Prozent Menschen, die im September in Sachsen-Anhalt die Rechtspopulisten von der AfD wählen wollten. Und sehenden Auges damit einer Partei an die Macht verhelfen wollten, der Toleranz ein Gräuel ist. Die Massenabschiebung für ein Programm hält. Die Schulpflicht aufheben will. Die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zerstören will. Die nur noch ihr genehme Kultur finanzieren will. Solche Menschen könnten eigentlich in dieser bunten Masse nicht dabei sein. Sagt er. Eigentlich.

    Die Bässe und Elektro-Beats schallen von den Wänden des altehrwürdigen, fast 200 Jahre alten Gebäudes. Hinter dem sich aber drohend die kalte Glitzerwand eines Hochhauses empor reckt, scheinbar im Versuch, die Kultur zu schlucken. Denke ich so. Weil dieses monumentale Gebäude schon mal begonnen hat, die abendlichen Sonnenstrahlen zu killen, die eigentlich noch den Innenhof des Museums fluten würden.

    KPMG, nennt sich der Eigentümer. Wirtschaftsprüfer. Die so gut prüfen, dass sie es sich leisten können, solche Paläste zu bauen. Denke ich so. Bevor mich die Beats wieder mitreißen. Aus meinem Käfig. Fliege ich. Zu den Turntables. Von DJane Haliti. Die gut ist. Die schon im Berghain aufgelegt hat, bei der Fashion Week in Berlin, in Paris, Wien und was weiß ich wo. Sie ist nice. Und ich. Bin dabei.

    Sehe Felix und Laura. Dancing. Wie alle anderen. Und ich denke so: Um das Gute am Menschen zu erkennen, muss man ihm eben nah sein. Direkt bei ihnen. Wie beim Rave. Unbeschwert. Es könnte so schön sein. Sagt der ravende Hauptsdtadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tanzt. Und chillt, Leute! 

  • 12. August 2026

    Kollektiver Sonnenrausch auf dem Tempelhofer Feld

    Um Punkt 20.08 Uhr brandet Beifall auf. Jubel. Tausende Menschen neben mir, auch meine Leute, starren gen Himmel, sind total ergriffen. Als es immer dunkler – und kühler – wird. Und sich eine unwirkliche Dämmerung ausbreitet. Diffuses Licht. Mond vor Sonne, sprich Sonnenfinsternis. Kollektive Hypnose. Rausch.

    Und ich räume ein, auch ich bin tief bewegt. Spüre den Jagdtrieb aufsteigen. Will los. Bin aber gefangen. Im Rucksack-Case meiner Bruna. Bleibe trotzdem gechillt. Wie alle um mich herum. Menschen at its best. Denke ich so. Und sauge die friedliche, freundliche, zugewandte Stimmung auf. Eine Gemeinschaft. Zufrieden. Alle. Irgendwie. 

    Es spielt eben alles zusammen: Zum einen Sonne. Ich liebe Sonne. Weil sie Leben, Licht, Lust, Freude, Wärme ist. Zum anderen: Mond. Ich liebe auch Mond: Weil er Leben, Licht, Lust, Freude, Kühle ist. Nun also beides zusammen. Ekstase für ihr großartiges Schauspiel. Und der Mond schafft es, taucht die 400 mal so große Sonne, die allerdings auch 400 mal weiter weg ist, in Schatten. Fast. Zu fast 90 Prozent hier in Berlin.

    Aber zurecht erhalten die Protagonisten Sonne und Mond für ihre kostenlose Performance Ovationen. Denn alle Lebewesen hier sind davon in ihren Bann gezogen. Und wie verwandelt. Nett. In Berlin! Meine Leute – übrigens mit meiner aus Freiburg herbeigeeilten Nuria –  haben vergessen, sich Schutzbrillen zu besorgen. Die nicht nur notwendig sind, damit man sich die Augen nicht zerstört. Sondern auch, um zu erkennen, wie sich der Mond langsam vor die Sonne schiebt.

    Auf dem Höhepunkt des Spektakels kommt eine junge Frau von nebenan – lächelt mich an, streichelt mich – und gibt meinen Leuten ihre Schutzbrille. Ich darf auch mal. Und sehe nun: Die Sichel. Der Sonne. Hinter dem Mond vorlugend.

    In Spanien ist die Sonnenfinsternis total. Da ist noch mehr kollektive Ekstase. Glück eben. Gegeben vom Kosmos. Ohne KI. Ohne Kosten. Ohne Machtspiele. Zuletzt gab es eine totale Sonnenfinsternis vor 27 Jahren in Europa. Das nächste Mal 2081. Hmmm, da wäre ich fast 60… Denke ich. Etwas traurig. Wissend, dass selbst für mich dieses Alter schwer zu erreichen ist.

    Denn auf eine Wiederholung hätte ich schon Lust – why not? Dieses kollektive Erleben, dieses beinahe Spirituelle, die gemeinsame Faszination über die Sonne, das ist so großartig. Einzigartig. Felix muss auch in diesen eigentlich so kontemplativen Momenten dozieren. Tiere reagierten besonders auf Sonnenfinsternisse. Sagt er. Und weiter: Vögel hörten plötzlich auf zu zwitschern. Giraffen, die eigentlich nur wegliefen, wenn sie gejagt würden, würden plötzlich galoppieren. Und Riesenschildkröten sich paaren.

    Und er: Labert. Und ich? Ich will jagen. In dieser herrlichen Dämmerung Hülle. Werde aber plötzlich weich. Als sich eine Fliege direkt vor mich setzt. Und es langsam wieder heller wird. Die erhellende Finsternis. Sagt der sonnendurchströmte Hauptstadtkater. Und jetzt: Vertreibt die Finsternis. Und chillt, Leute! 

  • 11. August 2026

    Warum ich gerne Mörder bleiben würde und die Machtübernahme der KI

    Kann das Künstliche das Echte übertreffen? Ersetzen? Frage ich mich so, als ich auf meinem neuen Katerfutter rumkaue. Schmeckt nicht schlecht – Geschmacksrichtung Lamm-Huhn, hätte ich gedacht. Wenn ich es nicht besser wüsste. Der Fleischgeschmack ist imitiert, nicht echt. Künstlich.

    Felix hat mir testweise – empörend: obwohl alle Katerfachleute davor warnen, weil wir Fleischfresser sind und das auch brauchen – nun, er serviert mir veganes Katerfutter aus Great Britain. Mit Blaualgen, Omega-Fettsäuren und pflanzlichen Proteinen. Schmeckt. Und meine Bruna? Jubelt: „Du bist kein Mörder mehr“, ruft sie. Und streichelt mich.

    Und Felix so? Hat sich hinter seiner Zeitung verbarrikadiert und imitiert Lesen. Um – vollkommen weird – in aller Heimlichkeit seine Putenmedaillons zu speisen. Was Coco natürlich erkennt. Und Zugang findet. Indem sie mit Pfote und ausgefahrenen Krallen das Papier zerstört. Spiderman und Odysseus zerstört, deren Konterfeis groß darauf prankten.

    Und Felix überraschend gelassen, spricht mit fleischgefülltem Mund: „Ok, Jungs und Mädels, habt ja Recht. Dann geh ich mal.“ Seine Stimmung: Unten. Weil er eben doch was gelesen hat in seiner Zeitung. Was ihn runterzieht. 

    Er erzählt: Es gebe eine Studie, nach der durch Künstliche Intelligenz geschriebene Storys von Probanden häufig als spannender eingeschätzt werde als die von Menschen verfassten. Vermutet werde, dass KI-Texte leichter zu lesen seien, die KI könne eben aus Millionen Ideen und Formulierungen anderer Autoren auswählen.

    Frustrierend, findet Felix. Er wolle keine von Maschinen verfasste Bücher lesen. Und ich frage mich so: Ob der Text in seiner Zeitung, der renommierten Süddeutschen, vielleicht auch von KI verfasst wurde? Ob die Studie echt war? Wo doch schon einige Politiker eingeräumt haben, ihre Reden von KI schreiben gelassen zu haben.

    Nun, Felix ist noch nicht fertig: In der Zeitung werde eine weitere Studie vorgestellt. Die habe herausgefunden, dass KI-generierte Stimmen in Hörbüchern Hörer nicht mehr abstießen. Im Gegenteil: KI spreche mittlerweile sehr gut. „Damit geht ein ganzer Berufszweig den Bach runter“, zitiert Felix den Forscher Stocker.

    Kurz danach sitzt er an seinem Home-Arbeitsplatz. Und kopiert den persischen X-Post des iranischen Präsidenten Peseschkian in das Übersetzungsprogramm deepl. Um zu verkünden: Der Iraner stelle den USA weitere Forderungen, damit die Blockade der Straße von Hormus aufhört.

    Toll, was die Übersetzer können. Denke ich. Und höre, das US-Unternehmen Anthropic wolle seinen Chatbot Claude mit einem unsichtbaren Wasserzeichen versehen, das auch erhalten bleibe, wenn ein Text kopiert und woanders wieder eingefügt wird. Hmm.

    Coco ist real. Und schnell. Supercat eben. Hat sich von Felixens Teller ein Stück Filet geangelt. Was der gar nicht bemerkt. Da er um seine zerfetzte Zeitung trauert – und darin schon wieder ein Sinnbild sieht für eine untergehende Kultur – oh Mannomann….

    „Ob Spiderman und Odysseus auch KI-generiert waren“, heult er rum – dann wäre seine ganze Begeisterung nach den Filmen nicht angemessen gewesen. Findet er. Who knows? Frage ich mich.

    Die Zuschauer strömen derzeit zu beiden Filmen in die Kinos. Also ganz old school. Und ich partizipiere am Medaillon, das Coco vor mich legt. Teilen ist nice. Von echtem, gesundem Fleisch. Für ein langes Leben. Sagt der reale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Geht ins Kino. Und chillt, Leute! 

  • 10. August 2026

    Leipziger Drohnenallerlei schweißt mich an Coco

    Wieder mal ist es passiert: Die Wasserkaraffe – natürlich gefüllt – ist umgekippt. Das Wasser verteilt sich auf dem Küchentisch, umspielt die Zeitung, überflutet Felixens iPhone, stürzt Richtung Boden. Als Felix kurz darauf aus dem Bad zurückkehrt, folgt nach seiner Schockstarre ein Tobsuchtsanfall. Und ich bekomme Angst um ihn, als ich seinen roten Kopf mustere.

    Und mich frage: Why? Regt er sich so auf. Vollkommen weird. Denn das Handy kann endlich beweisen, wie beworben wasserresistent zu sein, Zeitung liest heutzutage eh keiner mehr. Aber er? Sucht Schuldige. Findet Coco und mich. Keift, durch unser Ungestüm sei es zu der „Katastrophe“ gekommen. Really: Katastrophe. Sagt er.

    Und ich denke so: Im Zweifel für den Angeklagten. Beweise gibt es nicht. Und dann waren ja auch eben noch Laura und meine Bruna in der Küche. Und könnte nicht auch ein Erdbeben…? Nun, ich kenne die Wahrheit. 

    Und so wenden Coco und ich uns angewidert von ihm ab. Gemeinsam. Durch die Verdächtigungen  zusammengeschweißt. Aber so sind sie: Menschen! Verurteilen ganz schnell. Aufgrund von Vorurteilen.

    In Leipzig wurde ja vor einigen Tagen eine mit Sprengstoff bestückte Drohne nahe einem ukrainischen Flugzeug entdeckt, das kurz zuvor Munition transportiert hatte. Riesige Aufregung. Zurecht. Denke ich so. Denn nur durch unglaubliches Glück kam es hier nicht zu einer Katastrophe: Der Zünder an der Drohne funktionierte nicht.

    Klar, liegt nahe, dass Russland hinter dem Anschlagversuch steht. Wie die meisten behaupten. Allein, Beweise gibt es nicht – noch. Deswegen: Vorsicht.

    Und ich erinnere an den Anschlag auf die Nord Stream Pipelines vor knapp vier Jahren in der Ostsee. Das waren Leitungen, durch die Gas aus Russland nach Deutschland transportiert werden sollte. Sofort damals fiel bei sehr vielen der Verdacht auf Russland, das kurz zuvor den Krieg gegen die Ukraine begonnen hatte. Mittlerweile gilt ein ukrainisches Kommando als Täter – vermutlich gelenkt von der ukrainischen Regierung.

    Klar, ist dieser missglückte Leipziger Drohnenanschlag eine völlig andere Story. Allerdings ist die Reaktion Russlands auf die Vorwürfe nicht sehr sympathisch. Natürlich sei die Drohne nicht von ihnen, teilt die Russische Boptchaft in Berlin mit. Verantwortlich müsse die Ukraine sein, um die Welle der antirussischen Hysterie am Laufen zu halten. Und um weiter um Waffen betteln zu können. 

    Coco und ich schlecken das Wasser vom Boden auf. Felix testet sein Handy. Funktioniert. Er wischt mit der Zeitung das restliche Wasser auf. Katastrophe beseitigt. Easy. Dann kommt meine Bruna hinzu. Beim Aufstehen vorhin habe sie leider die Karaffe mitgerissen – und keine Zeit gehabt, das Malheur zu beseitigen, da sie zu einem Chat verabredet gewesen sei. Sorry. Sagt sie.

    Lächelt Felix an – der Dank fürs Wischen. Und er? Entschuldigt sich nicht. Bei uns. Sagt der unschuldige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Unterlasst Verdächtigungen. Und chillt, Leute!  

  • 9. August 2026

    Alles weiß: Als mich ein Partyfloß in der Spree crashte

    Ausflüge – I love it. Felix und Laura nehmen mich wieder mit. Und ich staune: Unterhalb eines Bundestagsgebäude sitzen Dutzende weiß gekleidete Menschen an Tischen mit weißen Tischdecken, genießen ein gemeinsames Picknick. Gegenüber, auf der anderen Spreeseite, erinnern am Ufer sieben weiße Kreuze an Menschen, die bei der Flucht aus der DDR ums Leben kamen.

    Die meisten Anfang der 1960er Jahre – getötet von Grenzbeamten beim Schwimmen durch die Spree. Da, wo heute die an einem Gitter angebrachten Kreuze mit den Namen der Opfer hängen, sahen die Flüchtenden damals das gelobte Land: West-Berlin. Da, wo heute die Menschen bei einem sogenannten Flashmob ein White Dinner feiern, erlebten die Flüchtenden damals auf ihrer verzweifelten Flucht die letzten Momente ihres Lebens. 

    Time. Time flies. Voll strange. Denke ich so. Springe von Felixens Schulter. Stürze mich in die Fluten des Flusses. Um nachzuvollziehen. Wenigstens ein bisschen. Wie es damals für die Flüchtenden war. Weißer Kater schwimmt vom White Dinner zu weißen Kreuzen. Durch die schwarze Spree.

    Und yes, zurecht schüttelst Du den Kopf, liebe Leserin, lieber Leser. Es kann nur Fake sein. Denn ich gehe nicht ins Wasser. Never. Ever. Denn: Ich. Hasse. Wasser. Aber der Gedanke, das zu tun, ist tief in meinem Mind. Ich spüre mit. Es geht um die Erkenntnis: Dass auch Horrororte einer menschenverachtenden Diktatur wie das einst graue Ufer in gar nicht so langer Zeit zu Partyorten mutieren können.

    Und das scheinbare Paradies auf der anderen Seite zugleich zu einem stillen, traurigen Gedenkort. Und zwischendrin: Schwimmt ein weißer Kater. Weiß, die Farbe der Hoffnung, Unschuld, Reinheit, Frieden. Ich sehe: Alles ist Änderung. Alles ist Fluss. Im Fluss. Ich spüre Hoffnung. Und Angst. 

    Und wache auf. Meine Gedanken, zerstört durch ein Floß, das mich ansteuert. Von dem Bässe wummern, deren Schall von den Wänden der Bundestagsgebäude hin- und herumgeworfen wird. 30 junge Menschen tanzen im Takt von „YMCA“. Gröhlen. Und fordern die weiße Gesellschaft am Ostufer auf, es ihnen gleich zu tun. Was sie machen. Gegenseitig feuern sie sich an.

    „Ballermann-Vibes“. Sagt Laura. „Das Dorf feiert in der Großstadt.“ Sagt Felix. Und ich tauche unter. Angeekelt. Vom Mensch. Der sich auf ein Kreuz von Opfern am Westufer hangelt. Draufsetzt. Für ein Selfie. Alles so geschichtsvergessen. Respektlos. An die Opfer, die hier ihr Leben verloren, denkt in der Sucht nach fun keiner mehr. Abgesehen von mir. White cat. 

    Und Laura erzählt, nie habe sie sich vor vier Jahrzehnten vorstellen können, als sie als jugendliche DDR-Pionierin durch Ost-Berlin an meinem Revier vorbei spazierte, sie werde später dort leben. Mit einem Wessi. Und Felix erzählt, nie habe er sich auf seiner Klassenfahrt 1986 in West-Berlin vorstellen können, einmal in Ost-Berlin zu leben. Mit einer Ossi.

    Und ich hätte mir nie vorstellen können, mal zu schwimmen. Oder mit einer Main Cooke zusammenzuleben. Sagt der weiße Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Macht mal einen Flashmob mit.Und chillt, Leute! 

  • 8. August 2026

    Und plötzlich bin ich Kunst, während KI der Menschheit killt

    Kater sind eben überall. Als Symbol der Weisheit, Freiheit, Anmut, Sinnlichkeit, Unabhängigkeit, Sensibilität, Magie, Bescheidenheit – hach, ich kann gar nicht aufhören. Inspiriert bin ich durch meine Alten Felix und Laura, die im Hamburger Bahnhof eine Ausstellung für Gegenwartskunst durchlitten.

    Und dabei auch einen Druck eines US-Künstlers namens Matthew Barney goutierten, auf dem ein Kater in einer Bar sitzt, mit gedankenversunkenem, schlauem Blick in die Ferne. Erkenntnis eben. Hat er. Denke ich so. Und fühle den Sog des Bildes. Der Kater changiert. Wird zu mir. Er ist also ich. Ich er. Really. 

    Natürlich nicht really. Sondern nur virtuell. Wieder mal die gute, alte Künstliche Intelligenz. Die naturally nicht gut ist. Im Gegenteil: Hölle. Menschheitsgefährdend. Und ich will beileibe nicht alarmistisch sein, als weis(s)er Kater: Aber nun hat auch der ChatGPT-Entwickler OpenAI nach eigenmächtigen Attacken seiner neuen KI-Modelle eines vorerst gestoppt – und härtere Kontrollen dafür angekündigt.

    Es ist totally weird: Auch die beiden anderen Großkonzerne Meta und Anthropic hatten ja eingeräumt, dass ihre Sprachmodelle in Tests autonome Fähigkeiten zum Hacken gezeigt hätten. Ihre Algorithmen also Sicherheitsbarrieren überwunden und eigenständig im Netz digitale Schwachstellen ausgenutzt hätten.

    Was bedeutet: Die komplexen System wurden nicht mehr von Menschen beherrscht. Sondern agierten selbst. Selbst. Maschinen. Echt krass. KI könnte also durchaus schon sehr bald das Internet kontrollieren. Damit auch Energie- oder Stromversorgung. Banken. Passwörter. Was Kriege auslösen könnte. Die Selbstzerstörung. Der Menschheit. Vielleicht sogar des Lebens auf der Erde. Schade auch. Denke ich so. 

    Und ich verstehe, warum Felix und Laura nach der Ausstellung so down sind: Nur düstere Werke. Zur Gegenwart. Hoffnungslosigkeit. Depression. Eine Videoinstallation thematisiert die Selbstverbrennung einer jungen Türkin 1982 in Hamburg. Sie hielt den Rassismus nicht mehr aus.

    Eine andere thematisiert das Schicksal eines Irakers, der 2016 im sächsischen Arnsdorf nach einem Streit in einem Supermarkt von vier Männern angegriffen, rausgeschleppt und dann bis zum Eintreffen der Polizei an einen Baum gefesselt wurde. Das Ganze wurde gefilmt und verbreitete sich im Internet rasend schnell. Sehr viele User stellten sich auf die Seite der Angreifer. Vor der Gerichtsverhandlung wurde der Iraker tot in einem Wald aufgefunden. 

    Alles over. Denke ich so. Und nun also noch die Machtübernahme durch KI. Ich spüre, wie ich aus dem Bild in die Realität flutsche. Spüre die Sonne auf meinem Pelz. Voll real. Nice. Und: Meine Bruna ist zurück von ihrem Kurzurlaub mit Freundinnen in Brandenburg – ohne KI, aber mit Handy. Nun, sie kuschelt mich. Leckerli umschwirren meinen Kopf. Flow in depression. Sagt der gepushte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stay positive. Und chillt, Leute!