Der Antichrist zu Besuch bei der Oma meiner Bruna

Die Welt ist böse. Also ihre Bestimmer. Ich weiß, ich weiß, Generalisierungen sind blöd. Weil: Es gibt sie natürlich: Die guten, die lieben Menschen. Aber gerade ihnen wird übel mitgespielt – von eben diesen anderen. Den Bösen. Die sie dominieren. Ausnutzen. Ausbeuten. Wenn sie nicht aufpassen.
Aufpassen, wie Kater es können. Denke ich so. Auf dem Küchenstuhl chillend. Ach, hätten sie, die Guten, doch auch unsere Frühwarnsysteme: Unsere Ohren. Unsere Augen. Unsere Sprungkraft. Unsere Intelligenz. Unsere Fluchtreflexe. Haben sie nicht. Und geraten somit immer wieder in die Fänge. Großkotziger Betrüger.

Beispielsweise in jene des Antichristen. Really. Es gibt ihn. Der Deutsch-Amerikaner Peter Thiel. Der als einer der einflussreichsten Macher des Hightech-Zentrums Silicon Valley in Kalifornien gilt. Ein extrem reiches, radikales und rechtes, ähhh, Arschloch – sorry mal wieder für den Ausdruck. Er ist ein prominenter Unterstützer von US-Präsident Trump und dessen Vize JD Vance. Die er beide mit Millionenbeträge unterstützt hat.
Der Typ beschäftigt sich auch mit Gesellschaftstheorien. Demokratie ist nichts für ihn, er schwärmt für wirtschaftliche Monopole – und begründet das christlich-fundamentalistisch. Antichrist – für ihn das Synonym für eine entgrenzte globale Ordnung. Für mich das Symbol für ihn.
Nun steht Thiel vor der Haustür der Oma meiner Bruna in Isernhagen. Der freundliche, gut gekleidete Mann stellt sich Oma Lotte zumindest mit Namen Thiel vor, sein Vater habe bei ihr dereinst Musikunterricht gehabt. Er interessiere sich für alte Musikinstrumente. Und steht plötzlich im Flur des Hauses.

Meint dann, er kaufe auch Schmuck. Einen alten Ring werde sie doch haben. Und als Oma Lotte ablehnt, meint er, er habe sehr viel Bargeld dabei – und fragt, ob eigentlich noch Lottes Mann lebe. Oma Lotte führt Thiel in den Wintergarten, wo der Opa meiner Bruna, Opa Volker, sitzt. Dem erzählt Thiel, das Dach des Hauses sei ja ziemlich beschädigt, könne er mit seinen Leuten reparieren.
Opa Volker lacht, meint, das Dach sei gerade neu gemacht. Thiel cool: Aber da sei sehr viel Moos drauf, das müsse entfernt werden. Und Oma Lotte so: „Bloß nicht, das Moos finden wir schön.“ Opa Volker begleitet Thiel zur Eingangstür. Er sei Jude, hole nachher noch seine aus Jerusalem anreisende Familie vom Flughafen ab, sie würden noch in eine Synagoge gehen und für Volker und Lotte beten. Sagt Thiel. Der Antichrist verschwindet. Ins Silicon Valley. Zu Trump und Co. Hoffe ich so.

Und ich wäre gerne bei Volker und Lotte. Als Wachkater. Würde Thiel die Augen auskratzen. Seine Eier abbeißen. Alte Menschen betrügen – schlimmer geht es nimmer. Sagt der empörte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid allzeit gewappnet. Und chillt, Leute!
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