Vom Mäuseabfangjäger zum Seelentröster oder der arme Torwart

Was haben ich, Fußballer und Journalisten gemein? Wir sind sogenannte Gatekeeper – also Torhüter. Wehren ab: Wir Kater und Katzen: Mäuse, Fußballkeeper: Bälle, Journalisten: Fake-News. Was wir dafür benötigen? Vertrauen von denjenigen, die uns brauchen. Wenn das fehlt, geht alles kaputt.
Ich räume ein, meine Funktion als Mäuseabfangjäger habe ich als Hauskater verloren. Aber ich habe mittlerweile eine vielleicht sogar wichtiger Funktion übernommen: Die des Seelentrösters des Menschen. In einer Welt, in der er zunehmend vereinsamt, sind wir das ganz sicher. Also Seelentröster. Um Mensch aufzufangen. Indem wir psychischen Ballast abwehren.
Ich also beispielsweise zu Laura auf die Zeitung hüpfe. Ihr die bad news versage, die sie lesen will. Und stattdessen Streicheleinheiten fordere. Die sie entspannen. Was aber nur funktioniert, wenn sie mir vertraut. Und sich auf mich einlässt.

Zu den Journalisten: Die sollen aus dem Overkill an Informationen die wahren und wichtigen herausfiltern. Um Menschen zu orientieren. Viele allerdings wollen das offenbar gar nicht mehr. Sodass Reporter mehr und mehr irgendwelche scheinbar gesprächswertigen Themen aus den sozialen Netzwerken abkupfern und dann hyperventilierten.
Offenbar dabei nicht bemerkend, wie sie sich so selbst noch überflüssiger machen. Weil sie Wichtiges nicht mehr von Unwichtigem unterscheiden. Und so auch den letzten Rest Vertrauen der ihnen noch Vertrauenden verspielen.

Tja, und bei den Fußballern sind die Torhüter ja eh als die Deppen verschrien, wer lässt sich schon freiwillig vollballern? Nun, Torhüter müssen die Bälle eben halten und abwehren. Und hier gilt ganz besonders: Selbstbewusstsein hilft sehr. Um sich eine Aura aufzubauen. Um anderen Respekt einzujagen. Auf dass sie vor Ehrfurcht erstarren, wenn sie vorm Torwart auftauchen und versuchen, den Ball einzunetzen.
All das wird wiederum gespeist aus Vertrauen. Bei der deutschen Fußballnationalmannschaft sollte bei der Weltmeisterschaft im Sommer ein Mann namens Baumann das Tor hüten. Das sagte ihm der Bundestrainer namens Nagelsmann mehrfach. Der plötzlich nun aber krass umschwenkte – und den sicher immer noch sehr gut haltenden ehemaligen Weltklasse-Keeper namens Neuer zu einem Comeback als Nummer eins überredete.
Und ich frage mich so: Was macht das mit dem Selbstbewusstsein Baumanns? Aber was macht das auch mit dem ganzen Team, wenn der Chef plötzlich sein Wort bricht? Frage ich mich so. Und sehe wieder mal Coco auf mich zustürzen. Die jeden Respekt vor mir verloren hat. Nun – ich betrachte Coco einfach als Ratte. Stelle mich ihr entgegen. Wehre sie ab. Bin doch Gatekeeper. Verteidige so meine Leute vor ihr. Sagt der aggressive Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vertraut. Und chillt, Leute!
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