Keck in den kollektiven Glücksrausch – Die Fußball-WM und Coco

Keck durch die Welt. Auch ein Motto, mit dem sich gut leben lässt. Zeigt Coco. Sie lässt sich nichts sagen. Sondern dreht ihr Köpfchen fragend zur Seite, blinzelt den Gegenüber an – und agiert. Frech, aufgeregt, atemlos. Was für sie – und andere – auch mal schmerzhaft sein kann, aber immer intensiv. Sie will, sie muss alles selbst erfahren.
Dass Wasser nass ist. Herdplatten heiß. Vasen zerbrechlich. Macht ihr offensichtlich gute Laune. Lust auf mehr. Und das bringt zugleich Farbe in den grauen Alltag in diesem so melancholischen Land. Denke ich so.
Vielleicht wird in den kommenden Wochen aber tatsächlich in diesem Alltag alles ein wenig leichter, spielerischer. Wie ich darauf komme? Nun, in drei Wochen startet ein Ereignis, das alle vier Jahre auch viele Nicht-Fußball-Fans begeistert – und zu Bundestrainern reifen lässt. Die Fußball-WM, dieses Mal in den USA, Mexiko und Kanada.

Heute war quasi der Kick-Off-Tag. Bundestrainer Nagelsmann gab die Namen von 26 Männern bekannt, die Deutschland dort vertreten sollen. Und was passiert – trotz Ausbreitung einer Ebola-Pandemie oder der neuesten Trump-Drohung, Tausende Soldaten aus Europa abziehen zu wollen? Selbst seriöse Sender richten für die Bekanntgabe des Nationalmannschafts-Kaders Live-Ticker ein, Eilmeldungen blinken auf, für alle Nachrichtensendungen ist das Nationalmannschaftsaufgebot Aufmacher mitsamt Analysen und Kommentaren.
Und ich sehe Coco. Wie sie ihren Kopf erneut leicht rechts zur Seite beugt. Augenaufschlag. Erkenne ich da so etwas wie Spott? Nun, ich gebe ihr recht: So schlimm kann es nicht bestellt sein. Um Deutschland.

Jeder von Nagelsmann verkündete und nicht verkündete Name ist mehr oder weniger ein Politikum. Über das erbittert diskutiert wird. Denn: Tatsächlich ist der 40-jährige Torwart-Veteran Neuer zurück. Richtig? Tatsächlich steht mit Sané ein Spieler im Kader, der vergangenen Sommer in die im internationalen Vergleich zweitklassige türkische Liga wechselte und dort oft auf der Auswechselbank sitzt. Richtig? Tatsächlich ist der Shootingstar der vergangenen Saison, der 20-jährige El Mala nicht dabei. Richtig?
And so on. And so on. Und ich sehe Coco. Mit leicht abgeknicktem Kopf. Tja, sie hat ja einen Punkt. Denke ich so. Aber: Wenn sich Menschen entspannen, ist das ja erst mal gut. Viele hoffen auf Fußballfeste. Um am Ende schreien zu können: „Wir sind Weltmeister.“

Und ich bin irritiert. Wir? Egal, wenn es Menschen fröhlicher macht. Und sie Musiala, Nmecha, Undav und Thiaw zujubeln, dabei vielleicht sogar die Angstmacher der rechtsextremen AfD vergessen. Dann sollen sie in den kollektiven Glücksrausch verfallen. Keck. Wie Coco, die durchs Revier tobt. Mit mir. Sagt der abgelenkte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lebt Fußball. Und chillt, Leute!
Schreibe einen Kommentar