Hauptstadtkater

18. April 2026

Antichrist gegen Antichristen unter Rosen

Ich bekenne: Oft denke ich, ich weiß es besser. Und weiter: Wenn doch nur mehr so ticken würden wie ich. Wie viel besser könnte Welt dann sein. Es fällt mir nicht leicht, mein Innenleben zu offenbaren, weil es so unsympathisch ist – aber so ist es nun mal. Wenn ich unter dem Rosenstrauß liege. Und von den Knospen genascht habe.

Und ich natürlich weiß: So beginnen fucking Allmachtsfantasien. Die, wenn sie kein Korrektiv erfahren, in den Wahn führen. Und in die Zerstörung. Bestens vorgeführt vom mächtigsten Mann der Welt: US-Präsident Trump. Der sich mittlerweile als Erlöser sieht. KI-Bilder veröffentlicht, auf denen er als Messias erscheint, der an einem Krankenbett steht – hinter ihm die US-Flagge und Kampfjets. Trump – der Heiland. Der die Welt bekehren will. 

Und nun aber taumelt. Weil er sich mit dem iranischen Regime Kontrahenten ausgesucht hat, die ähnlich ticken wie er. Antichristen. Wie Trump selbst. Und ich denke so: Wohin führt das: Antichrist gegen Antichristen? Chaos. Chaos. Chaos. In das die Welt immer weiter abgeleitet. Zu besichtigen in der Straße von Hormus.

Geschlossen, offen, geschlossen. Was denn nun? Denke ich so. Nach dem Jubel über die Öffnung gestern. Erklären die iranischen Revolutionsgarden heute, die wichtige Route für Handelsschiffe, über die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft, sei wieder dicht. Weil die USA ihre Blockade der iranischen Häfen nicht aufheben wollten. Und man sich das nicht gefallen lasse. 

Trump ist mit seiner Taktik, seinen unsäglichen Drohungen, an eine Grenze gelangt. Denke ich so. Unter den weißen und roten Rosen liegend. Die so nice duften. Und deren Knospen so lecker schmecken. So dass ich schwebe. Mich von oben sehe. Selbst zur Rose mutiere.

Und nicht mehr unterscheiden vermag, ob das, was Trump vollführt, tatsächlich Realität ist. Oder ob ich nicht in einer wahnwitzigen Reality-Show chille. In der der mächtigste Mann der Welt sein Messias-Bild von seiner Plattform Truth Social entfernt. Sich ein stückweit der Empörung selbst einstiger Fans, die ihm nun Blasphemie vorwerfen, beugt. Und sagt, er habe gedacht, das Bild zeige ihn als Arzt.

Der die iranischen Machthaber als verrückte Mistkerle diffamiert, die in der Hölle landen würden, wenn sie die Meerenge nicht endlich öffnen würden. Dann mit Auslöschung der gesamten iranischen Zivilisation droht. Allein: Die iranische Regierung bleibt cool. Weil deren Machthaber genauso verblendet und skrupellos sind wie Trump. Und ihnen ihr Volk mehr oder weniger egal ist. 

Ich möchte Trump und dem iranischen Regime zurufen, von meiner Rosenwolke: Hey du! Ich bin die Rose. Fühle mich frei. Und weit weg von jedweder Realität. Sagt der allmächtig blühende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt die Schönheit der Blumen. Und chillt, Leute! 

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