Hauptstadtkater

11. April 2026

Deutschland und seine Verbote – Coco im Karton

Es ist verboten, sich am Sofa die stumpfen Krallen zu schärfen. Es ist strengstens untersagt, Salami vom Brot zu fischen. Und das Besteigen der Palme wird bestraft. So ist das bei den Menschen. Bei meinen Menschen. Verbote, Verbote, Verbote. Kompromisslos. Unmissverständlich. Preußisch hart. Unsensibel.

Aber: Wenn sie dann mal ein Verbot selbst trifft, sind sie um so pikierter. Meine Alten – die Verbotsmeister – sind ja gerade an der Ostsee. Laufen am Strand entlang. Bis ein Zaun, von den Dünen bis ins Meer gespannt – den Weg versperrt. Dahinter ein Schild, auf dem mit gefetteten Großbuchstaben prangt: „BETRETUNGSVERBOT“.

Und Felix so: „Häh, wieso ein Zaun für ein Beherbergungsverbot und warum so ein Schwachsinn hier?“ Und Laura so: „Kannst nicht lesen? Betretungsverbot.“ Und Felix so: „Das Wort gibt es doch gar nicht.“ Und Laura so: „Na denn, was es nicht gibt, schert uns nicht, freier Weg für freie Bürger.“ Und schon hangeln sich die Alten über den Zaun. Als ob sie 20 wären. 

Verbote allerorten. Der Iran verbietet der internationalen Gemeinschaft, die Straße von Hormus zu betreten. Was viele nervt, weil zu wenig Öl und Gas die restliche Welt erreicht – und die Preise extrem steigen. Nun herrscht Waffenruhe – und die USA schicken erst mal zwei Kriegsschiffe hindurch.

Provozieren eben. Um zu testen, wie der Gegner reagiert. Und zugleich Stärke demonstrieren – da in Pakistan zeitgleich erste Gespräche zwischen den USA und dem Iran über eine Friedenslösung laufen. Der Iran warnt. Aber dabei bleibt es erst mal.

Auch im Ukraine-Krieg gibt es Verbote: Zum orthodoxen Osterfest sollen die Waffen zwischen Russland und der Ukraine schweigen. Aber: Beide Seiten beschuldigen sich, gegen die Vereinbarung verstoßen zu haben.

Und einige russische Militär-Blogger provozieren noch weiter und behaupten: Ukrainische Drohnen, die Öldepots an der russischen Ostseeküste getroffen hätten, müssten aus Estland abgefeuert worden sein. Sicher sei, dass das Konsequenzen für das Nato- und EU-Mitglied Estland haben werde. 

Während meine Alten ein paar Hundert Kilometer weiter westlich an eben dieser Ostsee spazieren. Einen weiteren Zaun überwinden – und nun ein Schild erspähen, auf dem kaum erkennbar, mit kleiner Schrift geschrieben und im schönsten Bürokratenjargon steht: Das Betretungsverbot sei zugunsten der Zwergseeschwalbe erhoben worden. Die stark gefährdete Art brüte hier – und dürfe nicht gestört werden. Und meine Alten so: „Yeah, Holstein erklärt! Sagen sie nach Durchschreiten des Schutzgebiets.

Während Coco ebenfalls brütet. In meinem Karton. In dem sie steckt. Und ein Betretungsverbot erlassen hat. Für mich. Während Diego ihr gar einen Cappuccino kredenzt. So ist das in meinem Revier. Sagt der desillusionierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verbietet nichts, sondern erklärt. Und chillt, Leute! 

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