Hauptstadtkater

16. April 2026

Flyin‘ Cars und erstickende Wale

Und sie springt doch. Naturally. In ihrem unnatürlichen Habitat. Meinem Revier. Der Küche. Jumpt Coco vom 2, 50 Meter hohen Kühlschrank auf den 2,18 Meter entfernten Vorratsschrank. Als ob sie draußen von Baum zu Baum hüpfte. Zeigt so ihre wahre Natur. Sie ist unzweifelhaft ein vom Raubtier abstammendes Geschöpf.

Und ich stelle die Frage der Fragen: Ist sie artgemäß – die Haltung von Katzen und Katern in einer Wohnung? Tja, was soll ich antworten: Bin ja happy. Liegt wohl daran, dass wir Katzen und Kater seit Jahrzehnten domestiziert werden. So unsere Freiheitsliebe gebrochen wurde. Durch den Menschen. Dieser komischen Spezies. 

Die versucht nun doch wieder, den seit mehr als einer Woche erneut in der Ostsee, dieses Mal vor der Insel Poel, gestrandeten Buckelwal Timmy zu retten. Der sollte eigentlich in Ruhe gelassen werden und würdevoll sterben. So hieß es.

Nun aber wollen zwei Multimillionäre eine Rettungsaktion finanzieren. Mithilfe von Luftkissen soll das zwölf Tonnen schwere Tier angehoben werden, auf eine zwischen zwei Schwimmplattformen befestigte Plane gebettet – und Hunderte Kilometer weit in die Nordsee, eventuell bis in den Atlantik geschleppt werden.

Ein Wal! Dessen Gesundheitszustand schlecht sein soll, dessen Haut Blasen schlägt. Während zugleich alljährlich Hunderttausende Wale und Delfine – auch in Nord- und Ostsee heimische Schweinswale – eiendlich in Fischernetzen verrecken. Ersticken, weil sie sich verfangen und nicht mehr auftauchen können. Weil selbst in Schutzgebieten sogenannte Stellnetze erlaubt sind.

Und ich denke so: Das zu ändern, wäre Aufgabe der Politik. Der zuständige Minister Backhaus aus Mecklenburg-Vorpommern aber ist auf Timmy abgefahren. Und sagt, er glaube an das Tier, habe den Wal in die Augen geschaut. Really: Er habe ihm in die Augen geschaut!!! Und wolle ihn doch retten lassen. Während er seine politische Kraft eigentlich für den Schutz der Lebensräume der Wale und Delfine einsetzen könnte. 

Ähnlich wie Backhaus argumentieren auch die beiden sponsernden Millionäre. Während sie doch eigentlich ihre Geld für sinnvolle – aber wohl weniger öffentlichkeitswirksame Projekte – investieren könnten. Wo sich der Lebensraum der Säugetiere doch stetig verkleinert. Denke ich so.

Aber: Sogenannte Tierschützer, profilsüchtige Politiker und Millionäre schauen lieber in die Augen eines sterbenden Tieres. Projizieren ihre Ängste und Sehnsüchte in dessen Blicke. Und geben dann auch noch vor, artgerecht zu handeln. Aus Tierliebe.

Denke ich so. Während Coco über mich fliegt. Engelsgleich. Und ich? Folge ihr. Rase durchs Wohnzimmer über Sessel, in die ich meinen Krallenabdruck tätowiere. Jumpe den Kratzbaum auf den Schrank hinauf. Und fliege. Coco hinterher. Ganz natürlich unnatürlich. Denn: Ich. Bin. Ein. Kater. Sagt der flyin’ Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Rettet euch selbst. Und meinetwegen auch den Wal. Und chillt, Leute! 

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