Widerliche Geburten und Deutsch im deutschen Freibad

Klar, Kinder sind wild, crazy, weird. Klar, die Großen wollen sie zurechtstutzen und nennen das erziehen. Und verzweifeln dabei regelmäßig. Klar ist auch: Die Kleinen werden von ganz allein groß. Und die Sorgen der Großen – unbegründet. Meist.
Und so bin ich auch entspannt, wenn ich auf Coco schau. Die sich entwickelt. Positiv. Mit meiner Hilfe: Vom ungestümen Wildfang zur reflektierten Katze. Sinnierend, erkennend, analysierend. Denke ich so. Klar: Sie ist über ein Jahr.
Bedeutet: Wir. Beide. Sind. Erwachsen. Nun also auch Coco. Jedenfalls ein bisschen. Sehe ich an ihrer aufrechten Sitzhaltung. Und nun verstehe ich auch auf nonverbaler Ebene, dass sie wie ich vom Tun der Menschen angewidert ist.

Da gibt es ein Strandbad in Sachsen-Anhalt, in das künftig nur noch Menschen reinkommen sollen, die Deutsch sprechen können. Begründung: Vor Kurzem habe der Chef des Bades ein Kleinkind aus dem Wasser retten müssen – die Eltern hätten kein Deutsch gesprochen und weder ihn noch die Baderegeln verstanden.
Really? So argumentiert der Mann? Frage ich mich so. Damit wird eine Gruppe von Menschen vom kühlenden Bad einfach ausgeschlossen. Mit einer hanebüchenen Begründung. Und ich frage mich so: Welcher Deutsch sprechende Gast liest die Regeln? Wer hält sich daran? Müssen potenzielle Gäste künftig vor dem Betreten einen Sprachtest absolvieren? Auch Amerikaner?
Und das in einem Bundesland, in dem die rechtspopulistische und ausländerfeindliche AfD in Umfragen auf mehr als 40 Prozent kommt. Kennen die eigentlich keine KI-Übersetzjngsprogramme. Frage ich mich so.

Menschen sind eben Meister der Ausgrenzung der eigenen Spezies. Besonders gut zu beobachten auch bei der Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko, wo es oft gar nicht so die Ergebnisse und Spiele sind, sondern vielmehr die Storys am Rande sind, die das Event glitzernd lassen, ihm ihre einzigartige und absurde Note verpassen.
Eine französische Sportjournalistin bashte nun einen belgischen Spieler, der wegen der Geburt seines ersten Kindes zu seiner Frau zurückreisen will – während der Weltmeisterschaft. Unfassbar das! Findet auch die Journalistin. Und meint: Die Geburt sei ein widerlicher Moment, der Vater sei dabei eh nutzlos. Die WM sei dagegen die Verwirklichung eines Kindheitstraums.
Krass, finde ich so. Dass sich so viele Menschen über die französische Reporterin empören. Sie hat doch recht. Welcher Kater würde beim Wurf seiner Kitten dabei sein? Keiner. Allein deswegen, weil keiner weiß, welcher Wurf überhaupt von ihm ist. Was auch daran liegt, dass wir in Sachen Fortpflanzung wirklich fleißig sind. Jedenfalls die nicht Kastrierten unter uns. Seufz.

Nun, die Journalistin moderiert erst mal nicht mehr. Und Coco? Streift um mich herum. Kuschelt mich. Beißt mich. Ganz unerwachsen. Denke ich so. Aber auch nice. Sicher ist: Coco und ich werden keine Eltern. Schuld daran haben unser Alten, Felix und Laura. Die uns wichtige Körperteile wegschneiden ließen. Zu ihrem Pläsier. Empörung. Sagt der enteierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sprecht Deutsch. Und chillt, Leute!
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