Unbelehrbares Schwallkotzen in Zeiten des Klimawandels

41,3 Grad! Ende Juni. Rekord. So heiß wie heute war es noch nie in Deutschland. Und die Menschen: Stöhnen rum. Und ich: Haue mich auf der Fensterbank voll in die Sonne. Herrlich. Und wenn’s dann tatsächlich mal zu hot ist, geht’s zur Abkühlung in die Zeitung. Yes, richtig gelesen: Zeitung!
Deren Papier wenigstens zum Kühlen gut ist, wenn es schon keine relevanten Inhalte transportiert – oder zumindest solche, die noch irgendwie aktuell sind. Ups, kaum geschrieben, so merke ich selbst: Ziemlich verkürzt und sehr populistisch, mein Zeitungs-Bashing. Doch zu heiß – auch für mich? Denn natürlich, finde ja auch ich: Zeitung ist Kult. Und gut. Und wichtig. Weil es ja so manche Zeitungen gibt, die breit und unabhängig berichten.
Und yes, meine kühlenden Zeitungsblätter tragen auch Inhalte, die – weil interessant – meinen Mind abkühlen. Felix liest aus der „Süddeutschen Zeitung“ vor: Es gebe eine Studie, nach der Politiker Bürgern durchaus härtere Maßnahmen für Umweltschutz zumuten könnten – das Volk sei dafür aufgeschlossener als vermutet.
Zitiert wird auch Klimaaktivistin Luisa Neubauer, die sagt, die Fridays for Future-Bewegung sei lange davon ausgegangen, sie setze sich ausschließlich für Klimaschutz ein und komme an anderen Gerechtigkeitskonflikten vorbei. Trugschluss. „Wir machen nie nur Klima. Man macht immer Kultur und Identität und Staaten und irgendwo Weltpolitik.“ Sagt sie.

Die großen Krisen – verbunden durch die Gerechtigkeitsfrage. Oder kurz: Verursacht wird der Klimawandel vornehmlich durch die Reichen – am meisten darunter leiden müssen die Armen.
Und ich denke so: Leider, leider nur wollen das die meisten privilegierten Menschen so nicht sehen. Nehmen das Problem erst dann wahr, wenn sie bereits im Frühsommer Kopfschmerzen ob der Hitze haben. Und Klimaanlagen bundesweit ausverkauft sind. Die globale Erhitzung also am eigenen Leib spüren. Wobei sicher ist: Das nächste Gewitter vertreibt nicht nur die Hitze. Sondern auch ihr Problembewusstsein für Maßnahmen gegen die Erderwärmung.

ZDF-Meteorologe Özden Terli sagt, der Begriff Klima sei verbrannt. Sobald man davon spreche, drehten sich die Leute weg. Extrem frustrierend. Findet er das. Aber: Die Physik gebe die Regeln vor und nicht irgendein Youtuber. Deswegen: Solange die Temperaturen stiegen und immer mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen werde, müsse aufgeklärt werden.
Guter Ansatz. Denke ich so. Aber es muss eben auch die Bereitschaft da sein, sich aufklären zu lassen. Ist schon bei Jugendlichen nicht da. Laura erzählt von ihrem Erlebnis mit einem 17-Jährigen auf ihrer Station für psychisch Kranke. Sie habe dem Jungen gesagt, er solle nicht zu schnell zu viel trinken. Was der Junge zum Anlass nahm, erst zwei Becher Kakao in sich zu kippen, darauf einen Liter Apfelsaft.

Zwei Minuten später stürzte er aus dem Raum. Schwallkotzen vor die Tür. Wer musste putzen? Verrate ich morgen. Nun, meine Cooling-Down-Time in der Zeitung endet schnell. Weil Coco dabei sein will. Und in der Zeitung kein Platz für Zwei ist. Eskalation. Sagt der abgekühlte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Nehmt Klimawandel ernst. Und chillt, Leute!
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