Monat: Mai 2026

  • 11. Mai 2026

    Das Kreischen des Leibhaftigen und andere Bettgeschichten

    Kuschlig, warm, dunkel, geschützt – oft liegt das Gute so nah. Einfach unter die Federdecke meiner Leute schlüpfen. Ist so nice. Hab ich gerade entdeckt. Als Felix – mich übersehend –  die ausgeschüttelte Decke über mich warf. Und ich so: Schnurr as schnurr can. Herrliche Ruhe.

    Bis er dann eine Stunde später wiederkam. In der Dämmerung Hülle. Die Bettdecke hochnahm. Und wir beide so: Kreisch! Ich – voll erschrocken – in der Luft quasi vor seinem Gesicht schwebend. Er – voll erschrocken – erstarrt, als ob er den Leibhaftigen sähe. Immerhin: Der Alte erlitt keinen Herzinfarkt. Hätte ich mir nicht verziehen. Echt!

    Nichtsdestotrotz: Der Platz unter der Decke, was für eine Neuentdeckung. Verhüllen tut gut. So muss sich der Reichstag dereinst unter der Folie Christos gefühlt haben. Denke ich so. Und appelliere an die jüngeren meiner Leser und Leserinnen, das mal zu googeln.

    Nun: Nichts sehen, nichts hören, viel fühlen. Unter der Decke. Einfach eine Top-Methode, dem täglichen Wahnsinn zu entkommen. Heute wäre der Wahnsinn beispielsweise die Geisterdebatte über Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg gewesen. Ein Rohrkrepierer, den ich nun leider doch mitbekommen habe. Weil ich zu spät unter die Decke eintauchte.

    Nun: Schröder in diesem Job – völlig absurd. Weil er ein Buddy Putins ist. Weil er für die russische Energiewirtschaft lobbyierte. Weil er nicht mehr fit genug ist. Aber ich denke mal positiv: Immerhin hat Putins Pseudo-Vorschlag eine Debatte ausgelöst, ob nicht doch auch Europa vermitteln kann in diesem europäischen Krieg. Was ja bislang von Putin vehement abgelehnt worden war.

    Nun sein Vorschlag. Der zeigt: Der Russe scheint ob des nicht enden wollenden Kriegs, der im fünften Jahr ist, doch zunehmend verzweifelt. Würde er ansonsten einen solchen Vorschlag machen? 

    Und ich bedauere, dass neben Schröder nun nur noch Leute wie Bundespräsident Steinmeier und Altkanzlerin Merkel als deutsche Kandidaten für diesen Job genannt wurden. Aber niemand an das Naheliegende denkt: An Kater, an Kater wie mich. Die besten Schlichter der Welt. Denke ich so.

    Springe zum mittlerweile schnurrenden Felix ins Bett. Der mir erzählt, dass meine Bruna heute in der Schule die 800 Meter in 2 Minuten und 56 Sekunden rannte. Krass schnell. Fast wie ich. Viel schneller als Felix. Das ist eine wirklich wichtige News. Finde ich. Kreisch! Unwichtig dagegen, was Felix mir sonst noch so zuflüstert: US-Präsident Trump habe heute einen iranischen Vorschlag für ein Ende des Kriegs als inakzeptabel bezeichnet. Who cares? Denke ich so.

    Und bin froh, doch so einiges unter der Decke nicht mitbekommen zu haben. Felix labert. Ich muss es nicht wissen. Er zieht die Decke über uns. Kuschel as kuschel can. Sagt der vermittelnde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen für Neues. Und chillt, Leute!

  • 10. Mai 2026

    Die Ameise im Hirn: Ich kann lesen, ich schwör

    Natur ist nichts für mich. Auf Insekten kann ich gut verzichten. Denke ich so. Als ich Lauras Story höre. Von der Ameise. Die ihr, als sie auf der Picknickdecke im Garten ihrer Mutter Thea chillte, plötzlich ins Ohr lief. Nicht rauskam. Weder nach Kopfschütteln noch nach Versuchen, sie herauszufingern. Im Gegenteil. Sagt Laura.

    Plötzlich habe es unter ihrer Kopfhaut begonnen zu krabbeln. Zu jucken. Die Ameise im Hirn. Habe sie zum Joggen gebracht. Zum Zeichnen. Zum Telefonieren. Allein, weil sie sich habe ablenken müssen. Von diesem Gedanken. Der krabbelnden Ameise in ihrem Kopf. Das Ergebnis: Positiv. Sport abgehakt, Kunstwerk entstanden, Kontakte gepflegt. Und ich denke so – so entstehen geflügelte Worte: „Der ist wohl eine Ameise ins Gehirn gekrochen“ – als Synonym für Kreativität und Antrieb. 

    Und eine wunderbare Entgegnung auf den Prollspruch: „Dem haben Sie wohl ins Gehirn geschissen“ Denke ich so. Muss man sich mal vorstellen, eine Ameiseninvasion in solche vollgekackten Hirne. Dann wären vielleicht auch solche Gruselumfragen Vergangenheit: In Sachsen-Anhalt, wo in knapp vier Monaten der Landtag neu gewählt wird, kommt die rechtsextremistische AfD bei der jüngsten Umfrage auf 41 Prozent – mit steigender Tendenz.

    Es ist so unfassbar. Selbst für mich unbedeutende Katerexistenz. Denn diese Partei ist offen rassistisch, ausländerfeindlich, queerfeindlich, Nato-feindlich, Putin-freundlich, Trump-freundlich and so on and so on. Nun, meine Leute fuhren auf dem Weg zu Lauras im sächsischen Eilenburg lebenden Mutter durch Sachsen-Anhalt.

    An der Landesgrenze begrüßten sie Schilder mit der Aufschrift: „Modern denken.“ Und ich denke so: Was bedeutet denn das? AfD wählen? Ausländer diskriminieren? Klimawandel leugnen? Sie sollten sich Ameisen einsetzen lassen. 

    Nun, die künstliche Intelligenz brauche ich eigentlich gar nicht – aber sie bestätigt mir: Ist natürlich Quatsch, dass Ameisen in Gehirne eindringen können. Nur die menschliche Fantasie, Lauras Fantasie, macht es möglich. Macht es auch möglich, dass Lauras Mutter Thea denkt, sie habe mich heute zum ihrem birthday geschenkt bekommen. Obwohl es doch nur eine Wärmflasche mit weißem Fell ist.

    Ich aber bin mehr als das, ich schwöre. Und lese in der Zeitung, auf der ich chille – yes really: Ich kann lesen! – in Karlsruhe habe eine mutmaßlich aus Osteuropa eingeschleppte Ameisenart eine Ampelanlage lahmgelegt, indem sie das Steuerungsgerät zerstört habe. Es sei zu Unfällen gekommen. Die Bisse dieser Art seien extrem schmerzhaft.

    Und ich denke so: Eine Ameise ist eben doch keine A Meise. Die an mir vorbeiflattert. Vorm Fenster. Hach, ich würde ja doch gerne in die Natur. Sagt der genießende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schützt, nein schätzt die heimische Ameisen. Und auch a Meise. Und chillt. 

  • 9. Mai 2026

    Putins Tod beim Zungenkuss und Putzen als mentale Hygiene

    Es ist kein Klischee, dass wir Kater sehr reinliche Tiere sind. Ich liebe es, sauber zu sein. Das Fell zu pflegen. Gut nach mir zu duften. Mich beim Spüren meiner rauen Zunge zu entspannen. Klar, das Säubern macht auch Arbeit. Fast die Hälfte meiner Wachzeit – so jedenfalls wollen es internationale Kater-Statistiker herausgefunden haben – verbringt meine Art mit Putzen. Was, nebenbei erwähnt, natürlich auch gut ist für die Fitness. Weil man sich verbiegen muss, um an Rücken oder Po zu gelangen. Leck as leck can eben. 

    Es ist wieder mal so schade, dass die meisten Menschen nicht auf uns Kater hören. Denke ich so. Wenn ich deren dreckige Welt beobachte. Und muss kotzen ob deren schmutzigen Deals. Die gen Himmel stinken. Und Ekzeme verursachen. Offenbar leider nicht bei den Richtigen – den Drecksarschlöchern eben, sorry. Für die Wortwahl.

    Hach, wenn die sich mal so richtig Zeit nähmen zum Putzen. Hygiene übten. Wenigstens mental. Wie entspannt sie sein könnten. Denke ich so. Weiß aber, dass sie es nicht sind. Wenn ich US-Präsident Trump mit seinen stetigen Drohungen höre, irgendwen zu vernichten. Oder heute nun Kremldespot Putin sehe bei seiner Parade zum Andenken an den Sieg über Nazi-Deutschland.

    Der Mann sieht völlig verkrampft aus, hat mittlerweile so viel Angst vor allen anderen, dass er das Internet in seinem Land seit Tagen zu einem großen Teil lahm legt. Er hat so viel Angst vor ukrainischen Drohnen, dass er seine schönsten Panzer nicht mehr draußen vor dem Kreml vorbeirollen lässt, sondern lieber in den Garagen verrotten lässt. Was sich alles auch auf seine Gästeliste auswirkt. Aus der EU schaut nur noch einer vorbei, ein Slowake, der von den russischen Energielieferungen abhängig ist. 

    Und so kommt es, dass Putin relativ alleingelassen von der Welt, verkündet, der Ukraine-Krieg sei bald gewonnen. Und als Vermittler könne er sich Altkanzler Gerhard Schröder vorstellen. Und ich denke so: Das ist doch der Typ, der mit Putin befreundet ist. Der für russische Energiekonzerne aktiv war. Und eigentlich hierzulande ziemlich unten durch ist.

    Wegen seines Geruchs. Gestanks. Aber vielleicht könnten sich die beiden ja gegenseitig putzen. Lecken. Um dann beim solidarischen Zungenkuss jeweils die Zunge des anderen zu verschlucken. Puuh, nochmal sorry für die Polemik. Aber ich bin wirklich genervt.

    Und freue mich, dass es doch auch Menschen gibt, die den Kater achten. Diego! Der putzt sich. Duftet. Und geht tiefenentspannt zum Medizinertest in ein Berliner Hotel. Macht den mit 399 anderen Menschen acht Stunden lang. Um die Berechtigung zum Studium zu bekommen. Nach getaner Arbeit chille ich auf seinem Schoß. Lecke ihn. Seinen Schweiß ab. Er krault mich. Wir sind sauber. Und es ist sooo nice. Sagt der geputzte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stinkt nicht. Und chillt, Leute!

  • 8. Mai 2026

    Lauras Träume: Zombies und gelbe Kaffeemaschinen

    Wer schläft, träumt. Wer träumt, erfährt sein Inneres. Wer darüber redet, ist mutig. Denke ich so. Als ich Laura höre. Die frank und frei über ihre Träume erzählt. Und damit in ihre Abgründe blicken lässt. In die ich gerne mit hineinspringe. Hehe. Aber dazu gleich mehr.

    Nun, Lauras Dreams: Sie macht Krafttraining. Mit Diego. Irgendwo draußen. Am Strand. Denn plötzlich fährt es vorbei – das Schiff, aus dem ein kollektives Stöhnen dringt, Menschen hängen über der Reling, krümmen sich. Kämpfen gegeneinander. Einige sind tot. Das Meer neben dem Schiff ist rot verfärbt – vom Blut.

    Plötzlich kehrt gespenstische Ruhe ein. Laura jumpt rein ins rote Meer. Schwimmt zum Schiff. Klettert rauf. Stolpert über Leichen. Durch den Salon, der völlig verwüstet ist. Hin zur Kombüse. Wo sie steht: Die gelbe Kaffeemaschine. Die Laura sich greift. Einpackt in ihren wasserdichten Rucksack. Sie schwimmt zurück.

    Am Strand wartet bereits meine Bruna mit ihrem Porsche. In dem auch Diego sitzt. Meine Bruna rast los. Sie kommt nicht weit. Denn vor ihr türmt sich etwas Weißes, Felliges auf. Ein Riesenkater. Er beugt sich runter. Laura spürt seinen Speichel auf sich tropfen. Spürt, wie er nach der gelben Kaffeemaschine greift. Sie krallt sie an sich. Sieht schwarz. Und merkt. Kaffeemaschine weg. Schlafmaske noch nicht. 

    Nun, die Realität: Rund 150 Passagiere sind mit ihrem Kreuzfahrtschiff, auf dem das Hantavirus grassiert, auf dem Weg nach Teneriffa. Dort darf das Schiff, das niemand haben will und vor dem alle Angst haben, in zwei Tagen anlegen. Hafenarbeiter auf der kanarischen Insel demonstrieren gegen den Plan. Es gebe keine Infos zu dem Einsatz, nicht mal dazu, welche Schutzkleidung sie im Hafen tragen sollten. Monieren sie.

    Während die Menschen an Bord erleichtert sind, dass das Schiff endlich wieder fährt. Irgendwohin. Nachdem sie zuvor tagelang vor Kap Verde vor Anker lagen. Ohne zu wissen, was passiert. Und nur klar war: Das Hantavirus hat mindestens acht Menschen an Bord infiziert, von denen drei gestorben sind. Nun, nach Ankunft in Teneriffa soll ein Arzt an Bord kommen und sie untersuchen. Viel mehr weiß niemand. 

    Mir fallen die Augen wieder zu. Ich spüre einen Aufprall. Sehe zu meiner Pfote einen kleinen Porsche. Mit einer knallgelben Kaffeemaschine, meiner Bruna, mit Laura und Diego. Die zittern. Nicht vor Angst. Sondern weil sie offenbar hohes Fieber haben. Sie sind bleich. Entstellt. Blut tropft aus ihnen. Kurz: Sie müssen infiziert sein.

    Ich überlege nicht lange. Sondern erlöse meine Leute von ihrem Leid. Mit meiner Kralle. Und forme aus der Kaffeemaschine ein Leckerli. Das ich nicht schlucken kann. Weil auf meine Schnauze krasser Druck ausgeübt wird. Coco. Sitzt auf mir. Sagt der verträumte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Träumt. Und chillt, Leute!

  • 7. Mai 2026

    Wie Buckelwal Timmy das Seuchenschiff versenkt und ich zum Retter werde

    Das neue Corona heißt Hanta. Könnte man so glauben. Wenn man die Hysterie sieht, mit der Menschen weltweit auf ein kleines Kreuzfahrtschiff im Atlantik blicken, auf dem das sogenannte Hantavirus grassiert. 150 Leute sind onboard. Auf einer rund 16.000 Euro teuren Luxusreise von Argentinien in die Antarktis und dann nach Kap Verde, Afrika.

    Auf der Route brach die durch das Virus verursachte Krankheit an Bord aus – drei infizierte Leute sind daran gestorben. Mehrere weitere Menschen hätten sich angesteckt. Hölle. Und was es noch schlimmer macht: Es ist zunächst mal kein Hafen in Sicht, der das Seuchenschiff einfahren lässt. Alle haben Angst. Vor dem Virus.

    Und ich denke an die Empathie, die der in der Ostsee gestrandete Buckelwal Timmy vor Kurzem noch bekam. Und denke an die auf dem Schiff eingekerkerten Menschen. An die keiner denkt. Jeder ist sich eben selbst der Nächste. Es muss für die Passagiere und Besatzungsmitglieder mehr als Hölle sein. 

    Immerhin: Jetzt hat sich die Regierung von Teneriffa bereit erklärt, das Schiff zu empfangen, das zuvor vor Kap Verde warten musste – weit vor dem Hafen. Wie früher Schiffe, auf denen die Pest ausgebrochen war. Quarantäne. Niemand darf an Bord. Niemand will sie haben. Aussätzige eben.

    Und viele Menschen scheinen zu denken: Hach, wäre das Schiff doch einfach weg. Dann wäre auch das Problem weg. Und ich denke an Timmy. Der wahrscheinlich nach seiner aufwendigen „Rettungsaktion“ – also seinem Transport in die Nordsee – längst tot ist.

    Aber was wäre es für ein Bild: Der millionenfach bemitleidete Wal taucht auf und versenkt das Seuchenschiff mit einem Flossenschlag. Böse, böse, bin ich. Ich weiß. Aber in dieser Welt. Wird auch ein Kater. Wie ich. Zum Zyniker. 

    Eigentlich jedoch gruseln sich die Menschen natürlich zurecht vor diesem Virus. Denn Corona mit seinen Lockdowns, Todesfällen und Beschränkungen ist noch gut in Erinnerung, gerade erst fünf Jahre her. Immerhin beruhigen Experten erst einmal: Das Hantavirus sei zwar um einiges gefährlicher als das Coronavirus, aber längst nicht so ansteckend.

    Es werde über den Urin oder Kot von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Nun werde gecheckt, ob es auf dem Schiff eventuell auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gegeben haben könnte. Und ich erinnere mich, dass auch zu Beginn der Corona-Epidemie so einige Experten abwiegelten. Sagten, es werde schon nicht so schlimm. 

    Wirklich schlimm ist es derzeit für die Menschen an Bord des Schiffs. Einige sperren sich in den Kabinen ein, haben Furcht, sich durch das vor den Türen vom Personal abgestellte Essen zu infizieren. Und trauen sich auch nicht auf Balkone – aus Angst vor Ansteckung. Und wie und wann es für sie weitergeht: Ungewiss.

    Und ich denke so: Tja, Mensch, legt euch Kater zu. Wir sind Retter. Denn: Wo wir sind, wird kein Nager sein. Also: Ehrt und schätzt uns. Sagt der hilfsbereite Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid furchtlos. Und chillt, Leute! 

  • 6. Mai 2026

    Katzen: Gefährliche Vögelmörder oder emphatische Menschen-Flüsterer?

    Gefühl schlägt dann doch immer wieder Verstand. Oder Statistik. Viele Menschen haben Angst vorm Fliegen, steigen aber ohne Bedenken ins Auto – obwohl da das Risiko, tödlich zu verunglücken, viel höher ist. Oder lassen sich oder ihre Kinder nicht gegen Masern impfen, weil sie Angst vor Impfschäden haben, obwohl die Wahrscheinlichkeit vor schweren Komplikationen durch die krass ansteckende Krankheit viel größer ist.

    Ich kenne selbst solche irrealen Momente: Wenn Coco ihre fünf Minuten hat, gehe ich lieber auf Abstand. Weil ich Angst ums Leben habe. Obwohl ich weiß: Sie will nur spielen. Und die Chance, dabei ums Leben zu kommen, laut Statistik äußerst gering ist.

    Andererseits: Katzen sind eben nun mal wirklich gefährlich. Dereinst verbiss sich mein geliebter Bruder Moro – R.i.P. – in den Arm Lauras. Und sie kam nach acht Stunden Notaufnahme mit fettem Verband nach Hause, der erst sechs Wochen später wieder weg war. Oder heute Coco: Stürzt sich auf die Zeitung, die Felix vor sich hat. Schlägt rein, ritzt nicht nur das Papier, sondern auch seinen Daumen. Blut.

    Aber: Natürlich haben Moro und Coco nur reagiert. Weil sie sich bedroht fühlten. Oder spielen wollten. Nun aber hetzt auch noch der Autor Jonathan Frantzen gegen uns: Hauskatzen würden jedes Jahr 1,4 Milliarden Vögel massakrieren. Das sei der Grund, warum die Vogelpopulation seit 1970 um 40 Prozent zurückgegangen sei. Die Menschen hätten eben zu viele Katzen. Die Massenmord betrieben.

    Und ich denke so: Jetzt halte mal den Ball flach. Ohne Katzen würden die Menschen noch mehr Menschen massakrieren. Denn vergesse nie: Katze mag gefährlich sein, aber sie heilt auch. Durch ihre plus Aura renoviert sie Geist und Verstand des Human Beings. Quasi Menschen-Flüsterer.

    Tja, a apropos menschlicher Verstand – schon bin ich wieder im Krieg gelandet. In der Ukraine. Da hat der ukrainische Präsident Selenskyj eine einseitige Waffenruhe für heute angekündigt. Eine Finte. Denn natürlich weiß er, dass die Russen sich das nicht aufoktroyieren lassen. Und weiter schießen. Was sie auch tun.

    Allerdings: Kremlchef Putin hatte kürzlich für den 9. Mai eine Waffenruhe angekündigt. Da feiert Russland mit einer großen Parade in Moskau den Sieg über Nazideutschland. Der nicht durch ukrainische Drohnen gestört werden soll. Nun, Russland hat die ukrainische Waffenruhe nicht geachtet. Ob die Ukraine die russische ernst nimmt? 

    Ich hoffe, liebe Leserin, lieber Leser, Ihr habt gemerkt, von US-Präsident Trump war heute wieder nicht die Rede. Wie in meiner Abstimmung des gestrigen Tages von Euch gewünscht. Obwohl ich mich so frage: Stimmt diese Statistik? Und ist da nicht insgeheim doch der Wunsch, zu hören, was der Wirrkopf wieder so von sich gegeben hat?

    Nun, ich schweige dazu. Heute. Und sehe Coco auf mich zufliegen. Wir prallen zusammen. Was für ein Kampf. Episch. Und mein Fell fliegt. Es schmerzt. Aber ich lebe. Und: Es macht sogar Spaß. Sagt der wehrhafte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schützt Vögel. Und chillt, Leute! 

  • 5. Mai 2026

    Trump oder meine Bruna – das ist hier die große Frage

    Bemerkt? Keine Welt-News seit Anfang Mai. So, liebe Leserinnen, liebe Leser, wie fühlt Ihr Euch so? Zumindest von meiner Seite aus in den vergangenen vier Tagen nichts von den Kriegen, von Trump, Putin, Walen und Co hier in meinen Gedankenfetzen serviert bekommen zu haben? Dafür „nur“ private Home-Storys. Über meine Bruna, meine Nuria, über Diego und Laura.

    War das seelische Hygiene? Oder seid Ihr on turkey, kalter Entzug? Fehlt da doch etwas? Frage ich mich und Euch so. Und sehe Coco. Die sich neben mir vor Felixens Monitor trollt. Während der auf seine Tastatur hämmert. Für seine Plattform. Welt-News schreibt.

    Sie mag das. Die Vibrationen. Felix mag das auch. Er ist Junkie. Denke ich so. Wenn ich ihn beobachte. Wie er wie besessen Nachrichtenseiten scrollt. Nachrichten verschlingt und entwirft. Tippt. Im Tunnel ist. Cringe. Und ich sehe seinen Bruder Chris, seines Zeichens Professor für performative Künste – was immer das nun wieder ist.

    Nun, Chris verkörpert genau das Gegenteil von Felix – jedenfalls in Sachen News. „Jetzt berichtet doch mal nicht jeden Scheiß, den die alten Männer der Welt so von sich geben. Ihr müsst doch nicht über jedes Stöckchen springen, das die euch vorwerfen. Mich interessieren die Ergebnisse, das, was am Ende rauskommt. Und das will ich in einer ausgeruhten Analyse lesen. Reicht einmal pro Woche.“

    Und ich denke so: Yes, er hat ja so recht. Und ich denke an den US-Präsidenten. Und was er in den vergangenen vier Tagen so rausposaunt hat. Und was davon relevant ist – nichts. Anfang Mai behauptete er, die Kämpfe im Iran seien beendet. Dann drohte er dem Land mit Angriffen, mit der erneuten Vernichtung. Kündigte einen US-Einsatz in der vom Iran blockierten Straße von Hormus an. Um den nun wieder abzublasen.

    Nur heiße Luft. Unnötig. Quod erat demonstrandum. Und dann ich denke an den mehrfach in der Ostsee gestrandeten Wal Timmy: Der ist mittlerweile irgendwo in der Nordsee. Begleitet von intensivster Berichterstattung. Ob tot oder lebendig, weiß aber nun auch keiner. Ist aber auch komplett egal. Weil es ein Wal ist. Ein Buckelwal. Und kein Kater. 

    Und Felix so zu Chris: „Wenn Du immer nur Analyse willst, ist es ja viel schwerer, sich eine eigene Meinung zu bilden. Weil Du nur vorgefertigte Meinungen konsumierst. Eine eigene bildest Du Dir  besser, wenn Du Entwicklungen verfolgst, auch kleinteilig. Schaust, wie sie sich ändern. Woher willst Du denn auch wissen, wann ein Endpunkt einer Entwicklung erreicht ist? Wichtig für mich ist, jeden Trump-Tweet, jeden Wal-Regung auch einzuordnen. Das ist doch die Würze, sich über solche Dinge aufzuregen.“

    Und ich denke so: Trump oder meine Bruna – das ist hier die Frage. Für mich. Die ich nun, verehrte Leserinnen und Leser, an Euch weitergebe. Sagt der globalgalaktische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Beantwortet meine Fragen. Und chillt, Leute!

  • 4. Mai 2026

    Alles jammert: Die Leiden meiner Laura in der Jugend-Psychiatrie

    Mangel ist relativ. Ich weiß, ich weiß. Auf welch hohem Niveau ich klage. Wenn ich rumheule, dass wieder mal nicht genug Leckerli für mich da sind. Und ich darbe. Darben muss. Weil mir meine Leute nichts gönnen. Sie behaupten: Wenn ich mehr bekäme, würde ich zu dick. Ich behaupte: Sie sind geizig. Haben nicht genug Geld. Und das, was sie haben, geben sie für eigenen Schnickschnack aus.

    Aber: Ich bin mit meinem Jammern nicht allein. Im Gegenteil. Alles jammert in diesem so reichen Land. Im Allgemeinen: Für Bildung, Rente, Soziales sei zu wenig Geld da. Schulen bröckeln, Toiletten stinken, Brücken knicken ein, Krankenhäuser machen dicht. Und im Speziellen: Bio-Lebensmittel seien unbezahlbar, Urlaub kaum noch möglich, Konzertkarten unbezahlbar, Arzttermine nur für privat Versicherte zu haben. Und dann kommt meine Laura. 

    Empört von ihrer Arbeit zurück. Richtig empört. Mit rotem Gesicht und so. Weil es eben Menschen gebe, die intensivst betreut würden, von zig Fachkräften. Und es dann nach Monaten dankten mit Worten wie diesen: „Keine Lust, weiß ich nicht.“ Die Story behind: Heute gab es für die 16-jährige Julia – ein depressives, suizidgefährdetes Mädchen, das seit zwölf Wochen in der Psychiatrie betreut wird – ein sogenanntes Entwicklungsgespräch.

    Mit dabei: Neben meiner Laura, der Patientin und deren Mutter eine Therapeutin, die behandelnde Ärztin, ein Psychologe, eine Sozialarbeiterin, der Vertrauenslehrer der alten Schule, ein Lehrer aus der Krankenhausschule. Thema: Perspektiven – wie kann es weitergehen? Mehr als eine Stunde wird geredet. Egal, ob es um Sport oder Schule geht, Julia antwortet auf sämtliche Vorschläge: „Ich weiß nicht.“ 

    Immerhin, am Ende antwortet Julia: Vielleicht“, als meine Laura ihr eine einstündige Kunsttherapie pro Woche anbietet. Die könne aber frühestens in einer Woche starten, damit man das Mädchen nicht überfordere. Meint die Sozialarbeiterin. Sonst werde ihr zu viel zugemutet. Immerhin, die 16-Jährige hat ja bereits schon kleine Steps genommen: Sie schafft es mittlerweile, alleine mit der Straßenbahn wieder nach Hause zu fahren. Und am nächsten Tag zu kommen.

    Bis vor einer Woche wurde sie gebracht – von einem Taxi. Gezahlt von der Krankenkasse, Und ich denke so: Eigentlich doch top. Eine solche Betreuung. Für kranke Menschen. Andererseits: Krass, wie viel Geld da ausgegeben wird. Wo es doch vor allem im Gesundheitsbereich an vielen Stellen zu fehlen scheint.

    Und ich ekle mich wieder mal vor mir selbst. Ob meines Eifers. Denn ich weiß, ich weiß: Mangel sollte nie gegen anderen Mangel ausgespielt werden. Vor allem nicht von Dilettanten wie mir, die die Hintergründe nicht kennen. Und so nur populistische Sülze von sich geben. Was auch am ungestilltem Hunger auf Leckerli liegt. Sagt der darbende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Relativiert. Und chillt, Leute! 

  • 3. Mai 2026

    Der schielende Diego auf dem Weg zum Doctore

    Ist das tatsächlich mein Diego? Der lebenslustige, zugewandte, verkuschelte Mensch, den ich so schätze? Nun, seit acht Wochen sitzt er jeden Tag stundenlang in seinem Zimmer und starrt in komischen Büchern auf Muster. Ist voll gefangen davon, hypnotisiert oder so. Lässt sich nicht ablenken, schaut nicht mal auf, als ich sein Bein malträtiere. Kratze. Auf seinen Schoß jumpe.

    Und verscheucht mich wie eine lästige Fliege von seinem Buch, wenn ich mich drauflege. Und so starre ich ihn unverwandt an und bin erschüttert. Weil ich sehe: Seine Pupillen sind verschoben. Er schielt. Sieht voll krank aus. Kreuzblick. Sagt er. Zu mir. Und ich kreuze seinen Blick. Um ihn zu entkreuzen. Oder so. 

    Tell me why? Denke ich so. Und tatsächlich. Diego gehorcht. Und sagt: Dies sei eine Methode, um beim Medizinertest sehr schnell aus fünf kleinen Bildern jenes herauszupicken, das exakt mit einem großen Originalbild übereinstimmt. Und ich so – Medizinertest, wozu? Und er so: Nun, damit habe man zumindest bessere Chancen, sich für ein Medizinstudium zu qualifizieren.

    Wenn man nicht gerade ein Abi mit 1,0 gemacht habe. Deswegen lerne er. Schaue sich Schlauchfiguren, Therapievorschläge und Geschichten von Patienten an. Löse mathematische Aufgaben. Und lerne, seinen Blick zu kreuzen. Um nächste Woche ein gutes Ergebnis bei diesem Test zu erzielen. Und ich starre ihn an. Überkreuz. Sind seine Augen doppelt, die Nase auch. Mein Kopf schmerzt. Ich bin ungeeignet. Offensichtlich. 

    Warum schaut Diego nicht NBA? Chillt? Oder isst? Ganz gechillt. Wie sonst so. Denke ich. Während er weiter schielt. Man schaue nicht direkt auf eines der beiden zu vergleichenden Bilder, sondern auf einen virtuellen Punkt zwischen ihnen, sodass sich die Blickachsen kreuzten. Sagt er. Dadurch würden die beiden Bilder zu einem virtuellen dritten – und einen Unterschied würde man sofort erkennen.

    Ich verstehe nichts. Und frage mich, ob das gesund ist. Absichtliches Schielen. Das mache nichts. Sagt mein Diego. Es gehe bei diesem Test einfach darum, Strategien zum Lösen von Aufgaben zu lernen und anzuwenden. Tatsächlich kämen Leute, die bei diesen Test gut abschneiden, im Studium besser zurecht als andere.

    Und ich denke so: Menschen wollen immer arbeiten. Probleme lösen. Die es gar nicht gibt. In echt. Machen Schieltests selbst für einen Job, der doch vor allem Einfühlungsvermögen braucht. Arzt eben. Wolle er gar nicht werden. Sagt Diego. Und ich so: Häh? Warum dann der Test? Mysterien allüberall.

    Diego schielt. Und ich so: Fingers, äh, Krallen crossed.  Weil ich weiß: Er wäre ein guter Doctore. Denn das Einfühlungsvermögen, das hat er. Meist. Wenn er mich kuschelt.

    Und ich sehe Coco. Die sich putzt. Mit Fäden spielt. Und leckt. Und putzt. As putz can. Dabei ihre Pfoten kreuzt. Der berühmte Kreuzputzer. Oder das Putzerkreuz. Ihr Job. Sagt der schielende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lernt Strategien. Und chillt, Leute!

  • 2. Mai 2026

    Wenn Oppa vom Krieg erzählt und meine Bruna Zäune überwindet

    Ach, sie werden so schnell groß. Denke ich so. Und fühle mich bei diesem Spruch wie ein Oppa. Dachte das mit dem ungebändigten Wachstum, weil sich Coco vor mir räkelt. Mich mittlerweile selbst liegend überragt. Um rund 2,7 Zentimeter. Viel länger ist als ich. 28 Zentimeter. Mit nicht mal einem Jahr.

    Sie ist auch: Hungriger. Felliger. Als ich. Weicher. Schneller. Und leichter. Also unbeschwerter. Alles erforschend. Auch die Gefahren. Der Welt. Und dabei auch noch immer entspannt. Tröstlich, dass es bei den jungen Menschen mit den Veränderungen ähnlich ist: Meine Bruna. Wächst krass. So dass selbst ich mich manches Mal schütteln muss. Um sie wieder zu erkennen. 

    Sie, die gerade noch mit ihrem Stoffhündin Sally durch den Park spazierte, geht nun mit ihren Freundinnen und Freunden zu einigen Demos und Partys, die am 1. Mai in Berlin steigen. Ist im Berliner Mauerpark. Schwärmt von der Stimmung dort. Überall Bands, Trommler, Menschen, die Picknick machen, grillen, trinken, rauchen, tanzen. Entspannt. Gechillt. Sagt sie. Fest der Generationen.

    Klar, vor allem seien Menschen ihres Alters da. Aber auch Alte um die 30. Und noch ältere wie Felix und Laura, also von der Generation X oder wie sie heiße. Dann sei sie mit ihren Freunden weitergezogen, nach Kreuzberg, zum Görli. Krass überfüllt. Von der Polizei abgeriegelt, weil zu voll. Sie hätten sich eine unbeaufsichtigte Stelle gesucht – und seien dann über den 2,38 Meter hohen Zaun geklettert. Voll Abenteuer. Sagt meine Bruna.

    Und im Park: Aggressivere Stimmung. Demonstriert worden sei gegen die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks – einem Hotspot für Drogendealer. Mit Beginn der Dämmerung habe die Polizei dann ihre eigens für diesen Abend aufgebauten Strahler eingeschaltet – um den Park zu erleuchten. Sie seien weitergezogen. Sagt meine Bruna. Hätten in den Schlachtruf eingestimmt: „Nieder mit der Scheiß-AfD.“ Zu einer Bühne, auf der die Rapperin Ikkimel für Ekstase gesorgt habe. 

    Von dort hätten sie die sogenannte Revolutionäre 1.Mai-Demo beobachtet. Mit dem schwarzen Block. Die vermummten Jugendlichen hätten die Polizisten beschimpft. Böller seien gezündet worden. Und auch ein paar Bierflaschen geflogen.

    Tja, Felix stimmt nun ungefragt in die Erzählung meiner Bruna ein. Und muss offenbar rauslassen, wie er als Jung-Reporter Anfang der 00er Jahre über die Ausschreitungen am 1. Mai berichtete – eingekeilt zwischen Polizei-Wasserwerfern und Pflastersteine schmeißenden Randalierern. Erzählt von auf der Straße liegenden Verletzten, brennenden Autos, geplünderten Geschäften.

    Und meine Bruna so: „Ach Daddy, lass doch mal die alten Storys. Du klingst wie Oppa, der vom Krieg erzählt.“ Krass, meine Bruna, denke ich so. Und spüre, wie Coco mich haut. Als ich mich ihr nähere. Um sie vor der über ihr schwirrenden Wespe zu warnen. Sie versucht, das Insekt zu catchen. Sie will sich nicht warnen lassen. Forscht eben. Und so sinniere ich über die Unmöglichkeit, die jüngere Generation vor Ungemach schützen zu wollen.

    Offenbar muss eben jeder eigene Erfahrungen sammeln. Auch leidvolle. Denke ich so. Oder eben auch nicht. Die Wespe fliegt aus dem gekippten Fenster. Coco gähnt. Voll entspannt eben. Sagt der kleine Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Akzeptiert die Selbsterfahrung. Und chillt, Leute!