Hauptstadtkater

7. Mai 2026

Wie Buckelwal Timmy das Seuchenschiff versenkt und ich zum Retter werde

Das neue Corona heißt Hanta. Könnte man so glauben. Wenn man die Hysterie sieht, mit der Menschen weltweit auf ein kleines Kreuzfahrtschiff im Atlantik blicken, auf dem das sogenannte Hantavirus grassiert. 150 Leute sind onboard. Auf einer rund 16.000 Euro teuren Luxusreise von Argentinien in die Antarktis und dann nach Kap Verde, Afrika.

Auf der Route brach die durch das Virus verursachte Krankheit an Bord aus – drei infizierte Leute sind daran gestorben. Mehrere weitere Menschen hätten sich angesteckt. Hölle. Und was es noch schlimmer macht: Es ist zunächst mal kein Hafen in Sicht, der das Seuchenschiff einfahren lässt. Alle haben Angst. Vor dem Virus.

Und ich denke an die Empathie, die der in der Ostsee gestrandete Buckelwal Timmy vor Kurzem noch bekam. Und denke an die auf dem Schiff eingekerkerten Menschen. An die keiner denkt. Jeder ist sich eben selbst der Nächste. Es muss für die Passagiere und Besatzungsmitglieder mehr als Hölle sein. 

Immerhin: Jetzt hat sich die Regierung von Teneriffa bereit erklärt, das Schiff zu empfangen, das zuvor vor Kap Verde warten musste – weit vor dem Hafen. Wie früher Schiffe, auf denen die Pest ausgebrochen war. Quarantäne. Niemand darf an Bord. Niemand will sie haben. Aussätzige eben.

Und viele Menschen scheinen zu denken: Hach, wäre das Schiff doch einfach weg. Dann wäre auch das Problem weg. Und ich denke an Timmy. Der wahrscheinlich nach seiner aufwendigen „Rettungsaktion“ – also seinem Transport in die Nordsee – längst tot ist.

Aber was wäre es für ein Bild: Der millionenfach bemitleidete Wal taucht auf und versenkt das Seuchenschiff mit einem Flossenschlag. Böse, böse, bin ich. Ich weiß. Aber in dieser Welt. Wird auch ein Kater. Wie ich. Zum Zyniker. 

Eigentlich jedoch gruseln sich die Menschen natürlich zurecht vor diesem Virus. Denn Corona mit seinen Lockdowns, Todesfällen und Beschränkungen ist noch gut in Erinnerung, gerade erst fünf Jahre her. Immerhin beruhigen Experten erst einmal: Das Hantavirus sei zwar um einiges gefährlicher als das Coronavirus, aber längst nicht so ansteckend.

Es werde über den Urin oder Kot von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Nun werde gecheckt, ob es auf dem Schiff eventuell auch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gegeben haben könnte. Und ich erinnere mich, dass auch zu Beginn der Corona-Epidemie so einige Experten abwiegelten. Sagten, es werde schon nicht so schlimm. 

Wirklich schlimm ist es derzeit für die Menschen an Bord des Schiffs. Einige sperren sich in den Kabinen ein, haben Furcht, sich durch das vor den Türen vom Personal abgestellte Essen zu infizieren. Und trauen sich auch nicht auf Balkone – aus Angst vor Ansteckung. Und wie und wann es für sie weitergeht: Ungewiss.

Und ich denke so: Tja, Mensch, legt euch Kater zu. Wir sind Retter. Denn: Wo wir sind, wird kein Nager sein. Also: Ehrt und schätzt uns. Sagt der hilfsbereite Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid furchtlos. Und chillt, Leute! 

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