Monat: Mai 2026

  • 21. Mai 2026

    Keck in den kollektiven Glücksrausch – Die Fußball-WM und Coco

    Keck durch die Welt. Auch ein Motto, mit dem sich gut leben lässt. Zeigt Coco. Sie lässt sich nichts sagen. Sondern dreht ihr Köpfchen fragend zur Seite, blinzelt den Gegenüber an – und agiert. Frech, aufgeregt, atemlos. Was für sie – und andere – auch mal schmerzhaft sein kann, aber immer intensiv. Sie will, sie muss alles selbst erfahren.

    Dass Wasser nass ist. Herdplatten heiß. Vasen zerbrechlich. Macht ihr offensichtlich gute Laune. Lust auf mehr. Und das bringt zugleich Farbe in den grauen Alltag in diesem so melancholischen Land. Denke ich so. 

    Vielleicht wird in den kommenden Wochen aber tatsächlich in diesem Alltag alles ein wenig leichter, spielerischer. Wie ich darauf komme? Nun, in drei Wochen startet ein Ereignis, das alle vier Jahre auch viele Nicht-Fußball-Fans begeistert – und zu Bundestrainern reifen lässt. Die Fußball-WM, dieses Mal in den USA, Mexiko und Kanada.

    Heute war quasi der Kick-Off-Tag. Bundestrainer Nagelsmann gab die Namen von 26 Männern bekannt, die Deutschland dort vertreten sollen. Und was passiert – trotz Ausbreitung einer Ebola-Pandemie oder der neuesten Trump-Drohung, Tausende Soldaten aus Europa abziehen zu wollen? Selbst seriöse Sender richten für die Bekanntgabe des Nationalmannschafts-Kaders Live-Ticker ein, Eilmeldungen blinken auf, für alle Nachrichtensendungen ist das Nationalmannschaftsaufgebot Aufmacher mitsamt Analysen und Kommentaren.

    Und ich sehe Coco. Wie sie ihren Kopf erneut leicht rechts zur Seite beugt. Augenaufschlag. Erkenne ich da so etwas wie Spott? Nun, ich gebe ihr recht: So schlimm kann es nicht bestellt sein. Um Deutschland. 

    Jeder von Nagelsmann verkündete und nicht verkündete Name ist mehr oder weniger ein Politikum. Über das erbittert diskutiert wird. Denn: Tatsächlich ist der 40-jährige Torwart-Veteran Neuer zurück. Richtig? Tatsächlich steht mit Sané ein Spieler im Kader, der vergangenen Sommer in die im internationalen Vergleich zweitklassige türkische Liga wechselte und dort oft auf der Auswechselbank sitzt. Richtig? Tatsächlich ist der Shootingstar der vergangenen Saison, der 20-jährige El Mala nicht dabei. Richtig?

    And so on. And so on. Und ich sehe Coco. Mit leicht abgeknicktem Kopf. Tja, sie hat ja einen Punkt. Denke ich so. Aber: Wenn sich Menschen entspannen, ist das ja erst mal gut. Viele hoffen auf Fußballfeste. Um am Ende schreien zu können: „Wir sind Weltmeister.“

    Und ich bin irritiert. Wir? Egal, wenn es Menschen fröhlicher macht. Und sie Musiala, Nmecha, Undav und Thiaw zujubeln, dabei vielleicht sogar die Angstmacher der rechtsextremen AfD vergessen. Dann sollen sie in den kollektiven Glücksrausch verfallen. Keck. Wie Coco, die durchs Revier tobt. Mit mir. Sagt der abgelenkte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lebt Fußball. Und chillt, Leute!

  • 20. Mai 2026

    Fresst Menschen: Das Ende des Vegan-Booms

    Tierquälerei oder Spaß? Eine Frage der Sichtweise. Denke ich so. Wenn ich sehe, wie Diego Coco kreuzigt – also sie an beiden Vorderpfoten hochzieht. Und sie dann wie eine leidende Christusskulptur zwischen seinen Händen hängt. Und Coco natürlich – schnurrt. Für alle Kater-Dilettanten: Das ist das Geräusch für Wohlbefinden. Das Gegenteil also von Leid.

    Nun, allgemein gilt: Egal, ob es sonnig ist, die Lebenserwartung steigt oder das Bewusstsein für Umweltschutz wächst – es gibt immer die Gegenseite. Wer das Strandwetter in Deutschland lobe, vergesse, dass das mit dem Klimawandel zusammenhänge; wer die immer höhere Zahl an über 100-Jährigen preise, blende aus, dass der demographische Wandel die Gesellschaft zerstöre; wer sich für Fridays for Future einsetze, fliege trotzdem drei Mal pro Jahr in den Urlaub, monieren die Nörgler. Und wer mit einer Katze spiele, der quäle sie. Wird dann eben auch kritisiert. Denke ich. 

    Und höre Laura. Die kürzlich die Debatte führen musste, ob es gut sei, dass in Supermärkten immer mehr Selbstbedienungskassen eingeführt werden. Ihre Cousine habe stolz gesagt, ihre beiden Anfang 20 Jahre alten Kinder würden immer zu der Kasse gehen, an der Menschen die Preise einscannen. Weil der persönliche Kontakt doch so wichtig sei. Und die Kassiererinnen und Kassierer sich darüber freuten.

    Die Nichte von Laura antwortet, ein Freund habe ein paar Monate an einer solchen Kasse gejobbt. Ein höllenanstrengender Job. Und dazu nervige Kundinnen und Kunden, die zum x.-ten Mal über Sonderangebote oder das Wetter reden wollten. Und er sich gefragt habe, ob er Psychologe oder Kassierer sei.

    Während der Onkel Chris meiner Alea sagt, die SB-Kassen würden eh demnächst abgeschafft. Weil die selbst grundehrliche Menschen dazu verführten, Produkte nicht zu scannen und so einzupacken. Einfach, weil der Barcode nicht funktioniere. Tja, was denn nun? Unerquicklich, diese Debatten. So ziellos. Und energieineffizient. 

    Fleischersatzprodukte jedenfalls boomen wohl auch unabhängig von der derzeit noch steigenden Zahl an SB-Kassen nicht mehr. Absatz und Produktion gehen zurück. Ich habe sogar Zahlen dazu: Im vergangenen Jahr wurde in Deutschland Fleisch im Wert von mehr als 45 Milliarden Euro produziert, Fleischalternativen im Wert von 632 Millionen Euro – mehr als 2 Prozent weniger als 2024.

    Warum? Die fleischlosen Produkte seien ziemlich teuer. Sagt Diego. Und viele schmeckten dann auch nicht besonders gut. Und ich denke so: Der Mensch ist eben doch wie der Kater: Ein leidenschaftlicher Fleischfresser. Nun, Hauptsache er frisst in der Not keine Kater. Denke ich so.

    Und würde meine Pfote nicht ins Feuer legen, dass meine Menschen mich tatsächlich verschonen würden, falls sie wirklich mal Mangel und Hunger zugleich erleben würden. Tja, dann müssen wir Kater und Katzen schneller sein. Und sie, die Menschen fassen. Und futtern. Sagt der aufgeweckte Hauptstadtkater. Der trotzdem über euch wacht. Und jetzt: Esst vegan. Und chillt, Leute! 

  • 19. Mai 2026

    Vom Mäuseabfangjäger zum Seelentröster oder der arme Torwart

    Was haben ich, Fußballer und Journalisten gemein? Wir sind sogenannte Gatekeeper – also Torhüter. Wehren ab: Wir Kater und Katzen: Mäuse, Fußballkeeper: Bälle, Journalisten: Fake-News. Was wir dafür benötigen? Vertrauen von denjenigen, die uns brauchen. Wenn das fehlt, geht alles kaputt. 

    Ich räume ein, meine Funktion als Mäuseabfangjäger habe ich als Hauskater verloren. Aber ich habe mittlerweile eine vielleicht sogar wichtiger Funktion übernommen: Die des Seelentrösters des Menschen. In einer Welt, in der er zunehmend vereinsamt, sind wir das ganz sicher. Also Seelentröster. Um Mensch aufzufangen. Indem wir psychischen Ballast abwehren.

    Ich also beispielsweise zu Laura auf die Zeitung hüpfe. Ihr die bad news versage, die sie lesen will. Und stattdessen Streicheleinheiten fordere. Die sie entspannen. Was aber nur funktioniert, wenn sie mir vertraut. Und sich auf mich einlässt.

    Zu den Journalisten: Die sollen aus dem Overkill an Informationen die wahren und wichtigen herausfiltern. Um Menschen zu orientieren. Viele allerdings wollen das offenbar gar nicht mehr. Sodass Reporter mehr und mehr irgendwelche scheinbar gesprächswertigen Themen aus den sozialen Netzwerken abkupfern und dann hyperventilierten.

    Offenbar dabei nicht bemerkend, wie sie sich so selbst noch überflüssiger machen. Weil sie Wichtiges nicht mehr von Unwichtigem unterscheiden. Und so auch den letzten Rest Vertrauen der ihnen noch Vertrauenden verspielen. 

    Tja, und bei den Fußballern sind die Torhüter ja eh als die Deppen verschrien, wer lässt sich schon freiwillig vollballern? Nun, Torhüter müssen die Bälle eben halten und abwehren. Und hier gilt ganz besonders: Selbstbewusstsein hilft sehr. Um sich eine Aura aufzubauen. Um anderen Respekt einzujagen. Auf dass sie vor Ehrfurcht erstarren, wenn sie vorm Torwart auftauchen und versuchen, den Ball einzunetzen.

    All das wird wiederum gespeist aus Vertrauen. Bei der deutschen Fußballnationalmannschaft sollte bei der Weltmeisterschaft im Sommer ein Mann namens Baumann das Tor hüten. Das sagte ihm der Bundestrainer namens Nagelsmann mehrfach. Der plötzlich nun aber krass umschwenkte – und den sicher immer noch sehr gut haltenden ehemaligen Weltklasse-Keeper namens Neuer zu einem Comeback als Nummer eins überredete.

    Und ich frage mich so: Was macht das mit dem Selbstbewusstsein Baumanns? Aber was macht das auch mit dem ganzen Team, wenn der Chef plötzlich sein Wort bricht? Frage ich mich so. Und sehe wieder mal Coco auf mich zustürzen. Die jeden Respekt vor mir verloren hat. Nun – ich betrachte Coco einfach als Ratte. Stelle mich ihr entgegen. Wehre sie ab. Bin doch Gatekeeper. Verteidige so meine Leute vor ihr. Sagt der aggressive Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Vertraut. Und chillt, Leute! 

  • 18. Mai 2026

    Verbotene Orte: Wäscheständer und Grönland

    Verbotene Orte, ich liebe sie. Je verbotener, desto reizvoller. Sure. Der aufgeklappte und mit Hemden, Socken und Shirts bestückte Wäscheständer beispielsweise. Ein wahres Kater – und Katzenparadies. Auf den Schnüren zu balancieren, die sich hin- und her baumelnden Klamotten fangen. Krass nice. Was meine Leute natürlich nicht finden. Schmeißen uns runter. Und wundern sich dann auch noch, wenn sich dabei unsere Krallen in ihren edlen Stoffen verfangen. Und Löcher reißen. 

    Was für Kater gilt, gilt für Menschen schon lange. Je vehementer die internationale Gemeinschaft ablehnt, dass Grönland US-Bundesstaat wird, desto mehr will US-Präsident Trump die arktische Insel haben. Jene dem Nato-Mitglied Dänemark gehörende Insel, auf der reiche Bodenschätze lagern – Öl, Uran, Seltene Erden. Und die dann auch noch für die USA strategisch günstig liegt, um beispielsweise Russen oder Chinesen abzuwehren.

    Nachdem Trumps brachiale Methode Anfang des Jahres nicht fruchtete, bei der er drohte, Grönland notfalls gewaltsam zu übernehmen, setzt er nun auf eine andere, eine sanfte Taktik. Und schickt einen Emissär namens Landry. Der auf freundlich getrimmt ist.

    Trump habe ihn geschickt, damit er so viele Freunde wie möglich finde. Sagt der Sondergesandte. Sein Problem: Auf Grönland will derzeit niemand US-Freunde. Zumindest keine, die staatliche Interessen vertreten. Und ich denke so: Grönland – eine Art Wäscheständer Trumps. Oder: Der Wäscheständer – Cocos und mein Grönland. 

    Ende Januar drohte die Nato wegen Trumps brachialen Vorgehen zu zerbersten. Im letzten Moment gelang es dem Nato-Generalsekretär, den US-Präsidenten zu überzeugen, es sei besser, vertrauliche Gespräche über die Zukunft Grönlands zu führen als die Insel Verbündeten mit Gewalt abzunehmen. Er willigte erst mal ein, aber klar ist: Seine Ambitionen sind geblieben.

    Er will Grönland. Besitzen. Also schickt er seinen Gesandten, der nun an einer Wirtschaftskonferenz dort teilnimmt, zu der er gar nicht eingeladen war. Landry behauptet, er wolle nur zuhören, lernen und sehen, ob die Beziehungen ausgebaut werden können. Während Grönlands Regierungschef sagt, er habe keine Anzeichen für eine veränderte Haltung der USA festgestellt – sprich: Die USA wollen weiter die Insel übernehmen.

    Ich kann Trump verstehen. Er will die Insel. Wie Coco und ich den Wäscheständer. Je mehr Widerstand, desto größer der Wunsch. Und die Kreativität, um ihn durchzusetzen. Und wie Trump, so ändert nun auch Coco ihre Taktik: Legt sich auf den Ständer. Dreht sich auf den Rücken, Pfoten nach oben. Guckt unschuldig. Schnurrt.

    Es hilft. Natürlich. Nicht. Meine Leute stürmen herbei. Um sie runterzuschmeißen. Vom verbotenen Ort. Herzlose Menschen. Sagt der besessene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Verwirklicht Träume. Und chillt, Leute!

  • 17. Mai 2026

    Kater-Schlichter im rechtsextremen Mecklenburg

    Meine Bruna ist wieder da. Endlich. Meine Kater-Flüsterin. Die spürt, wie ich spüre. Wie ich ticke. Und genauso verstehe ich auch sie. Ihre Sorgen. Ängste. Probleme. Kurz: Zwischen uns, das ist die perfekte Symbiose. Fünf Tage war meine Bruna weg, mit ihrer Schulklasse in einer Jugendherberge an der Mecklenburger Seenplatte.

    Das beste Schullandheim ever. Schwärmt sie hernach. Auch ohne mich, denke ich. Und wundere mich. Sehe dann aber meine Konkurrenz dort und akzeptiere: Die grünen Wiesen, Freundinnen, Werwolf, Aldi, Tischtennis, Sommerrodelbahn, Lagerfeuer: Das sei einfach perfekt gewesen, schwärmt meine Bruna. Fast. Wenn da nicht die Menschen wären. Die Aborigines…

    Also zumindest jene Einheimische, die rechtsradikales Gedankengut pflegen. Und damit Vorurteile vom offen rechtsextremen Osten Deutschlands zu Urteilen aufblühen lassen. Denke ich so. Als ich die Storys meiner Bruna höre.

    In einem Döner-Laden, erzählt sie, hätten neben ihnen zwei Frauen rumgekeift. Die eine so: Früher hätten die Döner hier viel besser geschmeckt. Die andere: „Ja, Döner können die Türken einfach nicht. Genauso wenig, wie sie sich hier anpassen können.“ Ein Klassenkamerad meiner Bruna mischt sich ein, sagt: „Aber die Döner kommen doch aus der Türkei.“ Woraufhin ihn eine der Frauen anblafft: „Halt bloß Deine blöde Schnauze. Kommst wohl nicht von hierher. Wir können auch vor die Tür gehen, dann kriegst du einen auf die Fresse.“

    Puh, denke ich so. Kuschle mich an meine Coco. Sie sich an mich. Wir hassen, wir lieben uns. Aber selbst in schlechten Zeiten respektieren und achten wir uns. Denke ich so. Und werde fast ein wenig melancholisch. Hach, die Frauen dort bräuchten einen Schlicht-Kater – wie mich. 

    Und ich höre weiter, dass meine Bruna und ihre Klassenkameraden an einem Sportplatz vorbeikommen, wo gerade ein Fußballspiel läuft. Mehrere Jugendliche – offenbar aus dem Dorf – hätten sich vor ihnen aufgebaut – und dann gefragt: „Hey, ihr seht ja ziemlich links aus, seid ihr das auch?“ Sie hätten geantwortet: „Wir sind neutral.“ Und die Dorf-Jugendlichen so: „Gut für euch.“ 

    Mich fröstelt. Ob der offen zur Schau getragenen rechtsextremen Ideologie und den Drohungen. Den offen ausgesprochenen Einschüchterungsversuchen. Und ich merke mal wieder: Kuschelt. Um Stärke zu entwickeln. Ich nehme vorlieb mit Coco. Die wirklich weich sein kann. Und zart. Und zugewandt. Sagt der schlichtende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wehret den Anfängen. Und chillt, Leute!

  • 16. Mai 2026

    Klimawandelleugner und Walkadaverentdecker

    Manchmal kann selbst ich nicht weiter argumentieren. Und mir fehlen die Worte. Wenn ich merke, dass Coco in ihrer Bubble gefangen ist. Egal, was ich ihr vermitteln will, es prallt ab von ihr. Und sie frisst nicht nur ihre, sondern auch meine Leckerli auf. Und so legen wir uns danach müde beide hin. Ruhen. Schlafen. Chillen. Nach dem Motto: Nix sagen, nix sehen, nix hören. 

    Der Opa meiner Bruna ist heute per Taxi zu einer Dialyse-Station gefahren worden. Der Fahrer: Voll freundlich, sympathisch, zuvorkommend. Auf der Fahrt habe er sich dann plötzlich über die Politik ereifert, erzählt Opa Volker. Die Politiker, die könne man alle vergessen, habe der Fahrer sich ereifert.

    Da dächte eh jeder nur an sich selbst und sein Wohl. Sie stritten nur rum und es werde nichts beschlossen. Abgesehen davon, dass die da oben sich selbst ihre Gehälter erhöhten. Während er da unten vergessen werde. Und sich nicht ernst genommen fühle. Opa Volker versucht zu differenzieren, erklärt, dass es durchaus Politiker gebe, die sich für das Wohl der Gesellschaft interessierten.

    Was den Taxifahrer nicht interessiert. Weil er in Fahrt ist, die Tempo-30-Zone doppelt so schnell quert wie erlaubt. Und meint, an dieser Stelle habe er in den vergangenen vier Wochen wegen Geschwindigkeitsübertretung bereits drei Mal Strafe zahlen müssen. Es blitzt wieder.

    Und der Taxifahrer mit gerötetem Gesicht: Und das alles, also das Tempo 30, nur für eine Sache, die es eh nicht gebe. Den sogenannten Klimawandel. Er habe Wissenschaftler kennengelernt, die die grünen Thesen eines Klimawandels widerlegt hätten. 

    Der sei ausgedacht worden, weil die Solar- und Windkraft-Industrie die Wissenschaftler und Politiker bestochen habe. Opa Volker unterbricht seinen Fahrer, sagt, dass nicht nur alle ernstzunehmenden Wissenschaftler von einem menschengemachten Klimawandel sprächen, sondern eben diesen auch nachgewiesen hätten.

    Und er selbst lebe nun fast neun Jahrzehnte. Und habe diesen Wandel am eigenen Leib erfahren – früher habe es viel längere Kältewellen, viel mehr Schnee gegeben – während die Sommer bei weitem nicht so heiß und trocken gewesen seien. Klar, das Klima ändere sich auch in langen Zyklen. Aber nicht in solch kurzer Zeit, in 90 Jahren, so stark.

    Der Taxifahrer habe abgewinkt, erzählt Opa Volker. Und habe dann beim Bezahlen gemeint, es sei schade, dass Menschen wie Opa Volker von der Lügenpresse so indoktriniert seien. 

    Opa Volker muss in die Praxis. Und hört eine Nachrichtensprecherin sagen, dass die AfD in Umfragen bundesweit weiter zulege, nun als stärkste Partei 29 Prozent erreiche, während die Union auf 22 Prozent abgesackt sei. Und es habe sich herausgestellt, dass der vor Dänemark entdeckte Walkadaver tatsächlich der von Timmy sei – ein an ihm angebrachter und nun entdeckter Peilsender habe das bewiesen. Nun werde der Kadaver von Möwen aufgepickt.

    Ich schließe meine Augen. Drifte ab. In meine Welten. Bubbles. Voller Leckerlis und Harmonie. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid tolerant. Und chillt, Leute! 

  • 15. Mai 2026

    Von der Sinn- in die Daseinskrise: Bin ich Wal?

    Sie ist wieder bei mir: Die große Seinsfrage: Bin ich? Bin ich nicht? Bilde ich mir alles nur ein? Bin ich der einzige, der überhaupt existiert? Oder gibt es noch andere Kater neben mir? Je tiefer ich in diese Fragen eindringe, desto schlechter fühle ich mich. Ich falle, falle, falle. In die Tiefen. Der Unendlichkeit. Drehe mich, in der Spirale der Depression.

    Kenne aber meinen Exit: Ein Sprung in die Arme meiner Leute. Yes, Diego ist. Er existiert. Ich bin. Ich spüre ihn. Er lächelt. Und wischt mein Fell von seinem Pulli. Woraus folgt: Wir sind. Denn da fließt Energie. Und mein Fell: Fliegt. 

    Und schon bin ich bei Timmy gelandet. Dem vor zwei Wochen in der Nordsee ausgesetzten Buckelwal, der zuvor mehrfach vor der deutschen Ostseeküste gestrandet war. Und dann von einer sogenannten Rettungsinitiative für rund 1,5 Millionen Euro durch einen Lastkahn ins offene Meer beförderten Tieres, von dem nun keiner weiß, ob es die Aktion überlebt hat.

    Nun wurde der Kadaver eines Buckelwals vor einer dänischen Insel gesichtet. Timmy oder nicht? Das ist hier die große Frage. Eine Gewebeprobe soll die Frage beantworten. Die Dänen sind aber um einiges pragmatischer als die Deutschen. Die Dänen hätten einen gestrandeten Wal einfach liegen lassen, denn so etwas sei „ein natürlicher Gang der Natur, der nicht durch menschliche Eingriffe gestört werden sollte“. Und nun sei natürlich auch kein Abtransport des Kadavers geplant, das sei zu gefährlich. Sagen die dänischen Behörden.

    Denn der Kadaver könnte Krankheitserreger tragen. Und es bestehe die Gefahr einer Explosion, da sich Gase in toten Tieren sammelten. Teilt die dänische Umweltbehörde mit. Während zugleich der weinende Minister aus Mecklenburg-Vorpommern überlegt, zu dem toten Wal zu reisen. Trauerfeier nicht ausgeschlossen. Offenbar zu viel Energie.

    Und manchmal denke ich so, Wale haben es in Deutschland besser als Kater. Und Menschen sowieso. Der Opa meiner Alea war gerade im Krankenhaus. Fünf Stunden Warten bei der Aufnahme. Zusammen mit Dutzenden keuchenden Menschen. Und dass man fürs Warten trotz Termins eine Wartenummer an einem Automaten ziehen muss – in der Halle des Krankenhauses, das wie ein Supermarkt anmutet, war kaum zu erkennen. Erst recht nicht für ältere, kranke Menschen.

    Auf der Station müssen dann zierliche Pflegerinnen Krankenhausbetten mit schweren Patienten durch die Trakte schieben – kräftigere Pfleger fehlen. Auch das ist ein Grund dafür, dass Patienten nach Behandlungen drei Stunden in ihren Betten im Gang stehen, wartend, in ihr Zimmer zurückgeschoben zu werden. 

    Was es besser machen könnte: Geld. Was aber versenkt wird. Auch in Walen. Und ich spüre mich. Wut. Energie. Ich bin. Diego ist auch da. Aber: Auch Coco. Sie springt auf mich. Und erlöst mich aus meiner Sinnkrise. Befördert mich zur Daseinskrise – mit der Frage: Ich bin – aber warum ist Coco? Sagt der existenzielle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Fühlt euch. Und chillt, Leute!

  • 14. Mai 2026

    Machtgeile Weltenbestimmer von Xi über Trump bis hin zu mir

    Alles ist so klein. Von oben. Von meiner Leiter aus. Fühle ich mich erhaben. Überlegen. Und wenn dann neben mir noch der ungeschützte Schatz Felixens steht – sprich: sein Rennrad samt verletzlichen Reifen – dann bekomme ich dieses geil-eklige Gefühl, das mich leider trunken macht: Allmacht. Oder, ganz ehrlich: Größenwahn. Denke ich so. Wenn ich wieder klarer werde im Koppe.

    Fühle mich plötzlich angezogen von China. Wo nun zwei meiner großen machtgeilen Vorbilder direkt aufeinander treffen: US-Präsident Trump und sein chinesischer Counterpart Xi Jinping. Trump, der sich in seinen sozialen Netzwerken als Jesus und Heilsbringer gerierte, der davon ausgeht, er könne sich die ganze Welt irgendwann per Dekret untertan machen.

    Und Xi Jinping, der schon lange so regiert wie es Trump gerne wollte: Autoritär, diktatorisch, keine anderen Meinungen zulassend. Und es geschafft hat, aus einem armen Land einen Wirtschaftsriesen auf Innovationskurs zu trimmen. Weil er bestimmt. Und die anderen folgen. Ohne lange, nervenaufreibende und kräftezehrende Diskussionen. Wie im Westen. Denke ich so. 

    Zwei Weltenbestimmer eben. Die aber wissen, alleine schaffen sie es noch nicht – aber zusammen,  ja da könnten sie sich die Welt schon untereinander aufteilen. Chinas vorrangiges Ziel: Sich das demokratisch und unabhängig regierte Taiwan einverleiben. Bislang hatten aber die USA was dagegen. Und belieferten den Inselstaat mit Waffen. Und dem Versprechen, das Land im Falle eines chinesischen Angriffs mit zu verteidigen.

    Nun aber ist auf US-Seite ein launischer, divenhafter, nur auf den eigenen Vorteil spekulierender Präsident an der Macht, der durch den Iran-Krieg, den er nicht zu Ende bringen kann, unter massiven Druck steht. Und diesem Trump ist zuzutrauen, Taiwan als Handelsmasse für einen Deal zu nutzen: China könnte die Insel bekommen, wenn es zugleich den Verbündeten Iran dazu bewegt, die infolge des Kriegs gegen die USA blockierte Straße von Hormus wieder frei zu machen.

    Denke ich so. Damit der weltweite Handel wieder Fahrt aufnehmen kann. Und die Spritpreise in den USA wieder sinken. Auf, dass Trumps Wähler, die sich derzeit in Scharen von ihm abwenden, wieder zufriedener werden. Auf, dass der vermaledeite Krieg für alle Seiten gesichtswahrend endet. 

    China also über alles. Denke ich so. Auf meinem Leiterchen. Die Chinesen sitzen am Drücker der Macht. Wie ich am verletzlichen Schlauch von Felixens Rennrad sitze. Und tatsächlich dröhnt Xi: Sollte die Taiwan-Frage schlecht gehandhabt werden, könnte es zu Spannungen und Konflikten zwischen seinem Land und den USA kommen. Das könnte die Beziehungen in eine äußerst gefährliche Lage bringen.

    Und ich hebe meine Pfote. Gen Rad von Felix. Der zu meinen Pfoten kniet. Demütig: „Nein, nein, lieber Charlie“, ruft. Aus der Küche die Dose mit den Leckerli holt. Um mich wegzulocken – von meinem Thron, der Leiter. Und seinem Schatz, dem Rennrad.

    Ich lasse meine Pfote sinken. Springe herab. Zu den Leckerli, die mich in andere Sphären beamen. Sagt der machthungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Erstürmt Leitern der Macht. Und chillt, Leute!

  • 13. Mai 2026

    Schrei nach Liebe und Kratzen am Bein

    Klar bin ich Einzelgänger. Was nicht ausschließt, dass ich Menschen auch dulde. Meine Leute sowieso. Vor allem, wenn ich sehe, wie sie am Leid der Welt leiden. Dann habe ich nur einen Job: Sie chillen. Was schwierig ist, weil sie dann so gar keine Lust auf mich haben. Genervt sind von mir. Ich aber die Taktik dazu habe, das zu ändern. Nach dem Motto: Des Katers Krallen krallen denjenigen, den sie lieben.

    Und Felix so: Schreit auf, wenn meine Kralle seine Jeans spaltet. Will mich rüde wegstoßen. Was misslingt. Weil. Meine. Krallen. Haften. Und meine blauen Augen seine müden Augen hypnotisieren. So dass er mich stöhnend, aber sanft emporhebt. Auf dem Schoß absetzt. Beginnt, mich zu streicheln. Mich zu fühlen. Auf dass seine Metamorphose beginne. Vom gestressten Alltagsmenschen zum gechillten Genussindividuum. 

    Und ich frage mich: Warum nur sind alle so grau? Gestresst? Deprimiert? Behaupten, alles werde schlechter. Schlimmer. Wobei es ihnen so gut geht, wie wohl kaum einer Generation vor ihnen. Und ich denke so: Vielleicht ist es gar nicht so. Vielleicht liegt es an Typen wie mir. Die genau das behaupten. Was doch gar nicht stimmt.

    Denn grau ist es nie lange. Des Menschen Farben wechseln. Ständig. Changieren. Auch bei Felix. Sein Gesicht ist nicht mehr grau, sondern rot. Was nicht am Bluthochdruck liegt. Sondern: An mir. 

    Aber ich bin sicher: Viele Menschen haben Lust an Gedankenspielen mit dem Untergang der Welt. Wie man sie kennt. Und liebt. Obwohl doch viel da ist. Oder: Weil viel da ist? Alle Menschen Dach überm Kopf haben. Alle Essen haben. Und ich brainstorme mal schnell, was alles so da ist, um mich selbst zu vergewissern, was denn fehlen könnte: Bio-Lebensmittel, Cafés, Konzerte, Ärzte, Geigen, Medikamente, Urlaub, Hörspiele, Partys, Internet, vegane Wurst, Theater, Fußball-WM, Cello, Kater, Kino, Porzellan, Züge, Kratzbaum, Oatly, E-Autos, Müllabfuhr, Rente, Leckerli, Flugzeuge, Würstchen, Museen, Coco, sogar Köter.

    Quod erat demonstrandum: Es gibt nichts, was man nicht haben kann. Abgesehen vom Untergang. Dem eigenen. Und natürlich: Es fehlt an: Empathie, Zuneigung, Liebe, Nächstenliebe, Gefühl, Wärme.

    Ich kratze an den Beinen meiner Leute. Mein Schrei nach Liebe. Und gebe ja zu, es gibt Dinge, die schlechter zu werden scheinen: Meine Leute klagen, dass sie acht Monate auf einen Termin beim Augenarzt warten müssen. Der Hautarzt keine Patienten mehr aufnimmt. Zahnersatz Geld ohne Ende kostet. Künstliche statt menschliche Intelligenz Finanzberatungen durchführt. Die Bahn nie pünktlich ist. Die Preise steigen. Überall. Die Städte verdrecken. Baustellen monatelange Straßensperrungen nach sich ziehen. Rechtsextreme und Populisten überall Macht gewinnen. Und die Kriege immer näherrücken.

    Es ist kalt. In der Welt. Ich kratze an den Beinen meiner Leute. Sie werden ganz weich. Die Schockstarre löst sich. Der Kampf für das Leben in Freiheit und Wohlstand könnte sich lohnen. Sagt der kratzende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lasst euch fallen. Und chillt, Leute!

  • 12. Mai 2026

    Wie Furien locker werden und der aufgespießte Trump

    Immer locker bleiben – alles andere bringt eh nichts. Und macht es nur noch schlimmer. Leicht gesagt, schwer erlernt. Coco hat es aber mittlerweile verinnerlicht. Dieses, mein Motto. Und ich als ihr Lehrmeister liebe es, sie derart gechillt auf dem Hochbett meiner Bruna zu sehen. Mit leger herabhängender Pfote. Coolem Blick.

    Obwohl meine Bruna wütet. Weil sie und ihre beiden Freundinnen nur eine eins minus in ihrem Hexen-Vortrag in der Schule bekamen – und die Jungs, bei denen sie zugehört hatten und deren Präsentation sie miserabel fanden, eine glatte eins. Ohne minus. Und die Lehrerin zu meiner Bruna und ihren Freundinnen dann noch meinte, sie sollten sich die Präsentation der Jungs, vor allem deren prägnanten Thesen, mal zum Vorbild nehmen. Nun, es ist weniger das minus, das meine Bruna zur Furie macht… 

    Und ich denke so: Nehme sie doch Coco als Vorbild: Take it easy. Aufregen bringt nix, ist Energieverschwendung, die dann an anderer Stelle fehlt. Beispielsweise um mir Leckerli zu geben.  He, he. Nein, ich mach jetzt mal wieder einen auf Vernunft: Ist ja ganz gut, mal zu hören, was andere von einem denken, vor allem, wenn man sich selbst toll findet. Um geerdet zu bleiben.

    Tja, am besten ist es natürlich, wenn man bestätigt wird. In seinen Ansichten. Über sich. Was sagte doch kürzlich die Oma meiner Bruna über mich: „Der Charlie, ja der ist wirklich extrem süß und kuschlig.“ Ich könnte es immer wieder hören. Liebe Oma Thea. Weil es stimmt.

    Aber: Mensch ist eben anders als ich strukturiert. Der will immer Neues, Kurioses hören. Was der Grund dafür ist, dass US-Präsident Trump ständig in den Schlagzeilen ist. Weil er im Staccato mit seinen Interviewaussagen und Posts Dinge raushaut, die zuvor als völlig absurd galten. Unfassbarer Schwachsinn eben. Der aber zum Politikum wird, wenn er vom mächtigsten Mann der Welt stammt. Ich habe trotzdem Hoffnung. Irgendwann wird der Punkt kommen, an dem das Unfassbare Norm wird. Und damit langweilig.

    Immerhin, es gibt eine Möglichkeit, sich abzureagieren. In dem Videospiel„Operation Epic furious: Strait to hell“ kann man in die Rolle Trumps schlüpfen. Und man muss als Trump reagieren, etwa darauf, dass ein Gericht mal wieder ein Dekret gestoppt hat. Und hat die Trump-Wahl: Diät-Cola bestellen oder in den Iran einmarschieren.

    Ich wüsste, ich würde eine imaginäre dritte Option wählen: Sprung aus dem Fenster des Weißen Hauses. In den Rosengarten. Aufgespießt von den Dornen. Ach, was rege ich mich auf. Meine furious Bruna hat zum Glück immer noch Energie. Rast in die Küche. Und verteilt zwei Dutzend Leckerli vor mir. Und Coco, die dafür ihren Chillplatz aufgibt. Für die schnöde Kost.

    Coco muss doch noch viel lernen. Denke ich so. Und lasse ihr drei Leckerli übrig. Okay, vier. Denn sie haut mich. Sagt der geschlagene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Immer locker bleiben. Und chillt, Leute!