Autor: Hauptstadtkater

  • 16. Januar 2026

    Kater aller Welt: Vereint euch – Rudis Leiden in Kiew

    Rudi! Wer war Rudi? Rudi IST ein Artgenosse. Im Mai 2022 kam er – auf der Flucht vor russischen Angriffen – mit seiner Familie aus Charkiw nach Hamburg zu den Großeltern meiner Bruna. Dort schärfte er die Spitzen seiner Krallen  an den edlen Sesseln der Alten. Und häutete damit einige Mäuse. Und Vögel. Nach getaner Arbeit lehnte er sich zurück und schnurrte: „Das waren Schuffen.“ Von allen Seiten ertönten Heilsrufe: „Guat. Wacker. Heddddel.“

    Oder auch nicht. Denke ich so. Wenn ich die Erzählungen meiner Leute über den Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und die Ankunft Rudis und seiner family in Deutschland so höre. 

    Es ist ein Krieg, der bald vier Jahre dauert, der am 24. Februar 2022 begann, einer Zeit, in der ich noch Pudding im großen Kateruniversum war. Heute lebt Rudi mit seiner Betreuerin Olena und ihrem Mann – trotz ständiger Attacken aus Russland – in Kiew. Rudi musste bereits mehrfach sein Revier wechseln. Da das eine erst zu klein war. Das andere dann zu teuer. Rudi hat Angst. Vor Explosionen und Raketen. Nun bibbert er. Weil die Heizung kalt ist. 

    In der ukrainischen Hauptstadt ist das Thermometer auf minus 20 Grad gefallen. Überall Schnee und Eis. Und die Russen: Starten Großangriffe auf die Energieanlagen der Millionenstadt. Treffen sie auch. Es gibt massive Stromausfälle. Keine Heizung. Kein Wasser. Kein Internet. Kein Handy.

    Und Olena schreibt so: „Derzeit haben wir nur so zwei bis drei Stunden am Tag Strom. Leider funktioniert die Heizung nur mit Strom. Auf diesen heftigen Frost haben die russischen Barbaren nur gewartet. Jetzt schießen sie unsere Energieanlagen kaputt. Um uns zu zermürben.“ Und ich denke so: Die Russen erreichen das Gegenteil: Hass ohne Ende, der unfassbare Widerstandskräfte entfesselt. 

    Boah, Coco und ich frösteln ob der Erzählung auch bei plus 20 Grad in meinem Revier. Coco liegt auf einer Herdplatte, die noch ein wenig Wärme abstrahlt. Und ich muss an den durch einen Anschlag verursachten Stromausfall in Berlin vor wenigen Tagen denken. An das Chaos. Das Wehklagen. Kein Strom bei minus 5 Grad. Betroffen waren gleich 40.000 Haushalte. Und es dauerte fast fünf Tage, bis sie wieder Strom hatten. 

    Rudi friert wirklich. Extrem. Er werde in Decken eingewickelt. Schreibt Olena. Plötzlich springt Coco vom Herd auf. Weil meine Bruna Milch aufwärmen will. Und ich denke so: Kater aller Welt. Vereint euch. Solidarisiert euch. Mit Katern und Katzen in der Ukraine. In allen Kriegsgebieten.

    Nicht nur Menschen leiden dort. Auch wir. Kälte, Lärm, Splitter, Revierwechsel, Unruhe. Und ich höre, Heilsrufe von allen Seiten: „Guat, wacker, heddddel.“ Sagt der demütige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wärmt euch auf. Und chillt, Leute. 

  • 15. Januar 2026

    Der große Coco-Funke und die fette Trump-Ankündigung

    Wer Großes ankündigt, sollte Großes folgen lassen. Um nicht zu enttäuschen. Und als bekloppter Maulheld dazustehen. Und ich bin wieder mal froh, dass Kater nicht sprechen – und damit auch nichts ankündigen können. Eigentlich…

    Nun, große menschliche Ankündiger gibt es zur Genüge. Kanzler Merz versprach im April nach seinem Wahlsieg, bereits im Sommer würden die Bürger spüren, es gehe voran. Dem war leider nicht so, vielmehr ging vieles nach rechts oder gar rückwärts.

    Der größte Ankündiger aber ist – wie könnte es anders sein – US-Präsident Trump: Vor wenigen Tagen versprach er den gegen ihr autokratisches Mullah-Regime demonstrierenden Iranern, sie sollten trotz aller Gewalt des Staats auf den Straßen bleiben. Hilfe sei unterwegs. 

    Viele Iraner wollten Trump glauben. Und blieben. US-Hilfe kam bislang nicht. Und die iranische Regierung geht weiter brutal gegen das eigene Volk vor. Es gibt Berichte, nach denen Tausende Menschen getötet worden sein sollen. Fotos, die trotz der Internetsperre nach draußen gelangten, zeigen Hunderte Leichensäcke.

    Vor rund zwei Wochen hatten die jüngsten Massenproteste gegen das Mullah-Regime begonnen. Ausgelöst wurden sie durch eine weitere Verschärfung der Wirtschaftskrise und extremer Inflation. Mehrfach drohte Trump mit einem US-Eingreifen, wenn den Demonstranten Gewalt angetan würde.

    Nun hadern viele Iraner mit Trump und der fehlenden, aber angekündigten Hilfe. Und ich denke so: Offenbar sind die Optionen der US-Regierung gar nicht so groß. Sonst hätte Trump längst angegriffen – wie vor rund einem halben Jahr, als er überraschend die iranischen Atomanlagen bombardieren ließ.

    Ist er vielleicht abwartend, weil er einige Kriegsschiffe aus der Region Richtung Venezuela abzog, die ihm nun fehlen. Oder liegt es auch daran, dass der Iran droht, den Konflikt eskalieren zu lassen. Und auch US-Streitkräfte auf ihren Stützpunkten in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und der Türkei attackieren will. 

    Mal abwarten, Und meiner Bruna zuhören. Die heute bei ihrem Ergotherapie-Praktikum einer 80-Jährigen Schlaganfall-Patientin das Greifen wieder beibrachte. Und – really – trotzdem gerne zurück in die Schule will. Und ich denke so: Wer hätte das gedacht: Vor vier Tagen… Sie. Will. In. Die Schule!

    Nun, ich bin glücklich. Weil ich von Coco mehr bekomme als ich je erwartet hätte. Sie muss gar nicht sprechen. Verbal ankündigen. Denn sie kündigt ihr Tun mit einem tiefen Blick ihrer orange-grünen Augen in meine blauen Augen an.

    Es funkt. Und sie springt zu mir. Auf den Sessel. Und kuschelt und leckt mich. So nice. So muss es sein. Handeln statt labern. Sagt der zufriedene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid aufmerksam. Und chillt, Leute. 

  • 14. Januar 2026

    Der Tritt der Crocs und der Grönland-Anspruch der USA

    Das Leben ist eine einzige Veränderung. Kürzlich noch war ich der große Kater, jetzt bin ich der kleine Kater. Weil Coco mich bereits nun – mit gerade mal einem halben Jahr – überragt. Früher wurden Veganer als Spinner abqualifiziert. Heute gelten sie als coole Trendsetter in Sachen Ernährung.

    Vor wenigen Jahren wurde US-Präsident Trump ob seiner absurden Idee, Grönland kaufen zu wollen, ausgelacht. Heute setzt dem US-Anspruch auf die arktische Insel kaum noch jemand ernsthaft etwas entgegen. Vor 16 Jahren galten Crocs – so eine Art Clogs aus Gummi und quetschbunt – als hässlichste Schuhe aller Zeiten. Heute sind diese Pantoffeln ein Mode-Statement. Und so besitzt natürlich auch meine Bruna Crocs. In Lila. Gefüttert. 

    Alles Änderung also. Allen Ernstes müssen sich heute Vertreter Grönlands und Dänemarks in Washington der US-Avancen für die Insel erwehren. Trump hatte schon vor dem Treffen in der US-Hauptstadt geprollt, alles andere als ein Grönland in US-Hand sei inakzeptabel. Das wiederum ist inakzeptabel für Dänemark, das die Insel verwaltet. Und natürlich auch für Grönland selbst. Am liebsten wären die rund 56.000 Einwohner der Insel eh autonom. Und nun? Man geht uneinig auseinander. Erst mal. 

    Warum Trump so scharf auf die Insel ist? Nun, die Rohstoffe dort, die durch die Klimaerwärmung leichter erreichbar sein dürften, sind ein Argument. Das Trump natürlich nicht offensiv vertritt. Ein weiteres Argument für ihn dürfte sein, einen weiteren Bundesstaat in die USA einzugliedern – für den 51. Stern auf der Flagge.

    Nun: Trump behauptet offiziell, rund um die Insel seien verstärkt russische und chinesische Schiffe beobachtet worden. Und bevor eines dieser beiden Länder Grönland einnehme, wollten die USA die Insel kontrollieren. Und dort ihren Raketenabwehrschirm installieren. Hmmm, klingt erst mal logisch.

    Allein – denke ich dann so –  häh, Dänemark ist Nato, die USA sind Nato, die USA können dort doch Truppen schon jetzt hinschicken, so viel sie wollen. Unabhängig, ob Grönland nun direkt zu den USA gehört oder nicht. 

    Und mir wird klar: Es geht den USA nur um Erweiterung des eigenen Einflussbereichs. Wie es auch meiner Bruna mit ihren Crocs nicht um warme Füße geht, sondern um das Symbol. Wenn sie mit den Pantoffeln cool im Schnee stapft. Und ihre Crocs ein Statement sind. Wie Grönland ein Statement für die USA.

    Denke ich so. Und spüre die Schlappen auf mir. Fürs Foto. Das Felix schießen will. Ich halte still. O weia. Menschen. Sagt der veränderte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wagt den Change. Und chillt, Leute

  • 13. Januar 2026

    Die Diktatorin im Katzengewand und Trump ist der Stärkste

    Sollte ein Katzenwesen tun, wozu immer es fähig ist? Worauf es gerade mal so Lust hat? Chaos wäre das Ergebnis. Und dementsprechend „nein“ meine Antwort auf meine eigenen bescheuerten rhetorischen Fragen. Für die es natürlich einen Grund gibt: Denn Mensch fordert sie geradezu heraus. US-Präsident Trump. 

    Der will die Welt so machen, wie sie ihm gefällt. Ohne Rücksicht auf andere. Ohne Rücksicht auf Regeln. Für ihn gilt nur das Recht des Stärkeren. Und Trump geht davon aus, dass sein Land und er die Stärksten sind. Auf der Welt.

    Also lässt er den venezolanischen Präsidenten Maduro aus dessen Palast in der Hauptstadt Caracas entführen. Also droht er, Grönland zu vereinnahmen. Also warnt er den Iran vor US-Angriffen, falls dieser weiter brutal gegen Demonstranten vorgeht. 

    Trump kennt keine Grenzen. Oder doch – es gebe etwas, das ihn in seiner Machtausübung einschränke, sagte er vor Kurzem in einem Zeitungsinterview: „Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann.“ Und ich denke so: Super-Gau – Trump und Moral, Trump und Verstand. Ein Nullsummenspiel. 

    Trump behauptet, das Völkerrecht brauche er nicht. Zwar solle sich seine Regierung an internationale Rechtsnormen halten. Aber welche das seien, entscheide er.

    Und ich sehe Coco. Die meine Leckerli klaut. Die mich kratzt. Die die historischen Sessel zerkratzt. Die Felixens Platz belegt. Die die Herdplatten blockiert. Und dann die Badewanne besetzt. Die also tut, was sie willl. Worauf sie eben so Lust hat. Ohne Rücksicht auf unsere Gemeinschaft. Weil sie keiner stoppt. Und sie glaubt, sie sei die Stärkste. Chaos. 

    Und ich denke so: Sie ist eben eine Diktatorin im Katzengewand. Aber ich vergebe ihr. Sie ist ja noch ein Baby. Die Hoffnung bleibt. Auf Besserung. Und ich sehe, wie sie meiner Bruna Kraft spendet. Die nach einem weiteren Praktikumstag bei ihrer Ergotherapeutin erschöpft zu uns ins Revier kommt. Nachdem sie einer 87-Jährigen das Gehen wieder beibrachte. Und einem vierjährigem Kind mit Down-Syndrom das Spielen zeigte.

    Nun, Coco kann gut sein. Und Chaos nicht nur verursachen, sondern auch eindämmen. Selbst beim Trockenbaden. Sagt der entgrenzte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt die anderen. Und chillt, Leute.

  • 12. Januar 2026

    Cocos Run in die absolute Freiheit

    Freiheit! Absolute Freiheit. Coco hatte sie. Heute. Glaubte sie jedenfalls. Am Anfang. Als sie plötzlich draußen war. Weil Felix nicht gerafft hatte, dass Coco in seinen Rucksack sprang. Den er aufsetzte. Auf seiner Radtour durchs winterliche Berlin. Und Coco so – hernach vollkommen aufgeregt. Weswegen ich an dieser Stelle nun mal – ausnahmsweise – ihr das Wort überlasse. 

    Cocos Erzählungen also: „Krass. Prickelnd“, beginnt sie ihre Story. „Plötzlich fühlte ich mich mitsamt meiner Rucksack-Höhle hochgehoben – Felix trug mich raus. Und ich konnte kaum glauben, dass er nicht merkte, dass ich direkt hinter ihm war. Hinter seinem Kopf. Und sich unsere Atemfontänen draußen zu einer Säule verbanden.

    Euphoria. Die kalte Luft, die um meine Nüstern wehte. Der Duft nach Kötern, Schnee, Benzin. Verschneite Tannen. In der City. Ich sah Bruna, auf dem Weg zu ihrer Ergo-Therapeutin, wo sie heute ihren ersten Praktikumstag absolvierte. Und ich dachte so: Arme Bruna, wie unfrei.

    Felix radelte weiter, am Rodelberg Friedrichshain vorbei. Wo ich Diego neben einem Krankenwagen stehen sah. Felix stoppte. Diego deutete auf seinen Freund Flo, der von Sanitätern versorgt wurde. Beim Schlittenfahren seien sie gegen einen Zaun geknallt, Flo habe wohl seinen Arm gebrochen, sagte Diego. Und ich dachte so: Armer Diego, armer Flo, wie schmerzhaft. Wie unfrei. 

    Felix radelte weiter. Blinkende Lichter. Auf dem Alex. Und ich sah ein überdimensionales Plakat mit den Lettern: „Frei. Will. Ich.“ Genau das, was ich heute so machte. Und ich dachte so: Vielleicht hat es der Mensch doch drauf. Und erkennt Prioritäten. Tun, was man will. Denken, was man will.

    Und ich merkte: Ich war da, wo ich immer sein wollte: Frei eben. Und dann las ich weiter: „Das Plakat warb für die Bundeswehr. Für den Wehrdienst. Eher unfrei. Dachte ich so. Und sah die Ambivalenz. Zweifelnd. Kaum hatte ich das gedacht, spürte ich einen dumpfen Aufprall.

    Felix war gestürzt. Mit dem Rad. Auf dem Eis des Platzes. Und ich so – raste aus dem Rucksack. Raus. Über den Platz. Hörte Felixens Schreien: „Coco, Du hier? Komm zurück.“ Ich sah die Lichter einer Straßenbahn auf mich zukommen. Schreiende Menschen. Und ich: In Vollpanik. Die meinen Freiheitsdrang erstickte. Bis mich dann endlich Felix packte. Und zurück verfrachtete. In Charlies Revier. Hier.“

    Coco ist zurück. Schnurrt neben mir. Mit mir. Und ich denke so: Was ist eigentlich Freiheit? Klar ist nur, sie ist nicht einfach. Tut auch weh. Ist anstrengend. Muss erkämpft werden. Sagt der befreite – und erwachte  – Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Feel free. Und chillt, Leute!

  • 11. Januar 2026

    Macht Euch nackig und Musks Chat-Bot

    Nacktheit ist ein typisch menschliches Problem. Das wir Kater und Katzen nicht kennen. Also – wenn es die Menschen nicht gäbe, die uns dafür sensibilisiert haben. Und beigebracht haben: Dass Nackt-Sein was mit peinlich und Scham zu tun hat. Mit Sex und ja, auch: Missbrauch. Weswegen Menschen ihre Nacktheit verbergen wollen und Stoffe auflegen. Meist. Jedenfalls.

    Es gibt aber auch die anderen. Menschen. Die nackt cool finden. Für die hat Techmilliardär Musk einen Chatbot namens Grok entwickelt. User können diesem Grok befehlen, die auf einem Foto eingestellten Personen zu entkleiden. Finden viele Menschen aber gar nicht lustig. Weil sie eben keine Lust haben, von anderen per KI nackig gemacht zu werden. 

    Tja, ich räume ein, wenn Angezogen das Normal ist, dann ist es schwer, eigene Nacktheit öffentlich zu ertragen. Auch wenn so einige Menschen ja so etwas wie FKK feiern. Oder im Sommer durchaus nur ganz winzige Lappen anziehen. Das aber, ja, das ist selbstbestimmt.

    Wenn Fremde dann aber per KI-Bot Grok nicht nur Frauen und Promis, manchmal auch Männer, sondern auch Kinder und Jugendliche nackig oder extrem wenig bekleidet darstellen. Und diese sogenannten Deepfakes im Netz verbreiten. Damit sich andere daran ergötzen. Dann ist das pervers. Und kriminell. Finde auch ich. 

    Weltweit wird Musk nun gedroht – mit Geldstrafen und Regulierungsmaßnahmen. Indonesien ist das erste Land, das die Plattform sperrt. Großbritannien prüft ebenfalls ein Verbot. In Frankreich klagen Frauen gegen die Plattform. Und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen fordert, die Entkleide-Funktion müsse entfernt werden, sonst, ja sonst … – drohten Musk Konsequenzen.

    Tja, ob der X- und Tesla-Chef sich davon aufhalten lässt, frage ich mich so. Dann wahrscheinlich eher vom Vize von US-Präsident Trump. JD Vance zeigt sich erstaunlicher Weise besorgt über „hyperpornografischen Schund“, der verbreitet werde. Und hält Regulierungen für akzeptabel. 

    Ich muss denn nun doch auch einräumen: Wahrscheinlich ist es nach dem angeblichen Sündenfall im Garten Eden, in dem Adam und Eva ihre Unschuld verloren, doch eine gute Idee, dass sich Menschen Felle überstreifen. Und bekleiden. Denn: Felix nackt – gute Nacht. Muss nicht sein. Dann lieber ganz viel Wein. He he.

    Und auch klar: Menschen sind eben triebgesteuert. Können sich nicht beherrschen, wenn ihnen ein attraktiver Artgenosse über den Weg läuft. Und frieren schnell. Ok, dann sollen sie sich eben anziehen. Denke ich so.

    Und kuschle mich an Diego. Der dank seiner Trainingsklamotten extrem weich und anschmiegsam ist. Und durch die Jacke auch nicht so empfindlich. Wenn mir mal eine Kralle ausrutscht – und seinen Arm trifft. Sagt der fellige und trotzdem nackte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt. Macht euch locker und nackig. Und chillt, Leute. 

  • 10. Januar 2026

    Die hohe Kunst der Manipulation und Venezolanerin leimt Trump

    Manipulation ist die hohe Kunst. Des Katers. I guess. Jemanden also suggerieren, er tue etwas, was ihm nutze. Und dabei gar nicht merkt, dass vor allem ich profitiere.

    Kleines Beispiel gefällig? Also: Ich springe – in Sichtweite zu Coco – auf den Arm meiner Bruna. Kuschel as Kuschel can. Sehe Cocos gierigen Blick. Weiß, sie will da sein, wo auch ich bin, trotz des Napfs voller Leckerli hinter ihr. Und ich so: Winde mich in den Armen meiner Bruna. Mache Platz für Coco. Die nun triumphierend auf dem Arm meiner Bruna chillt: Schnurr as schnurr can. Höre ich. Mein Weg ist frei. 

    Menschen versuchen sich auch mehr oder weniger erfolgreich in der Taktik der Manipulation. Da ist die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin Machado. Die widmete US-Präsident Trump schon nach der Verleihung des Friedensnobelpreises vor wenigen Wochen die Auszeichnung. Leckerli quasi. Denke ich so.

    Nun sagte Machado allen Ernstes, sie könne sich eine Weitergabe des Preises an Trump vorstellen. Als Zeichen der Dankbarkeit ihres Volks für die Entführung des diktatorischen Präsidenten Maduro vor wenigen Tagen. Und Trump so: „Ich habe gehört, dass sie das tun will. Es wäre eine große Ehre,“ Schon davor hatte er mehrfach deutlich gemacht, dass eigentlich er selbst sich als würdigen Preisträger betrachtet. 

    Nun, Machados Taktik ist für mich offensichtlich. Trump ist zu geblendet vom eigenen Ego, von den Schmeicheleien, als dass er sie durchschauen könnte. Machados Ziel: Trump für sich einnehmen, damit er sich für sie als Nachfolgerin Maduros einsetzt.

    Denn nach dessen Sturz hatte er Machado abgesprochen, die Unterstützung ihres Volks für das höchste Staatsamt zu haben. Und setzte erst einmal auf eine andere Frau. Und ich denke so: Bei Trump könnte Machados eigentlich so plumpe Taktik fruchten. Wobei sie dann auch wenig verlieren kann: Denn trotz einer Weitergabe würde sie Preisträgerin bleiben. Die Auszeichnung kann qua Statut gar nicht übertragen werden.

    Ich rase zu Cocos Napf mit den Leckerli. Und sehe, wie meine Bruna ihr aus ihrer Jackentasche Leckerli zaubert. Und sie der in ihrem Arm schnurrenden Katze gibt. Puh, krass, denke ich so. Wer manipuliert hier wen? Manchmal alles gar nicht so eindeutig. Wie es scheint. Sagt der schmatzende Hauptstadtkater. Und jetzt: Manipuliert und chillt. Leute! Makes fun.

  • 9. Januar 2026

    Mein Herz, so weiß und Grönland, so heiß begehrt

    Boah, Digga, ist das nice. Und mir entfährt, beim ersten morgendlichen Blick aus meinem Revier,  ein begeistertes: „Wow“! Was mich sogleich Zusammenzucken lässt: Wie peinlich-hündisch. Denke ich so. Also: „Miau.“

    Draußen ist alles weiß. Wie ich. So rein. So friedlich. So still. Unten, die sonst so graue Straße – ein glitzernder weißer Teppich. Auf dem keine Autos rasen, sondern Schlitten gezogen werden. Auf der Kinder Schneebälle werfen. Erwachsene jauchzen. Hinter ihnen weiß bestäubte Bäume. Alles gedämpft. Nur von Ferne das Rauschen eines Schneepflugs zu hören. Und mein Herz: Eingehüllt vom Weiß. Really. Auch wenn es kitschig klingt. He, he. Es ist so. Really.

    Die Welt in Zeitlupe. In Watte verpackt. Achtsam quasi. Denke ich so. Wohl wissend, das Privileg zu haben, auf dem Fensterbrett über der ballernden Heizung zu sitzen, die mein Pofell fast versengt. Der Opa meiner Bruna meldet sich aus Hamburg: Dort habe es 20 Zentimeter Neuschnee gegeben. Schule fällt aus, Busse und Bahnen fahren nicht mehr.

    Stopp also. Tut mal ganz gut. Denke ich so. Wenn Mensch nur mal Natur achten würde. Und zuhause bliebe. Bei solchen Wetterereignissen. Macht er nicht. Und so gibt es Unfälle, Staus – und er muss sich über Bahnausfälle wegen vereister Weichen ärgern. 

    Nun, Opa Volker sagt: „Früher waren solche Schneefälle ganz normal.“ Ein Meteorologe findet das auch: „Nichts Außergewöhnliches. Winter eben.“ Und ich denke so: Kommt eben darauf an, seit wann man lebt. Für mich mit meinen drei Lenzen ist das schon außergewöhnlich…

    Kommt aber natürlich auch darauf an, wo man lebt. Im Norden, in der Arktis, nun, da kennt man nichts anderes. Da liegt ja nun auch Grönland, die von US-Präsident Trump so begehrte Insel. Eisfrei ist nur ein Fünftel ihrer Fläche.

    Was den USA nichts macht: Zum einen behaupten sie, Grönland sei mit seiner Lage vor Nordamerika strategisch wichtig. Zum anderen sollen unter dem – angesichts des Klimawandels vielleicht gar nicht mehr so ewigen – Eis, krasse Bodenschätze lagern. Trump schließt einen Militäreinsatz nicht aus, um die Insel zu bekommen. Obwohl diese dem Nato-Partner Dänemark gehört. 

    Nun hat die US-Regierung ins Gespräch gebracht, den rund 57.000 Grönländern jeweils 100.000 US-Dollar zu bezahlen, wenn sie einem Deal zustimmen. Und ich denke so: Schlagt ein, liebe Grönländer. Nehmt das Geld – ihr habt eh nicht über einen Deal zu entscheiden, sondern wenn, dann die Regierungen Grönlands und Dänemarks.

    Also: Keep cool. Calm down. Denke ich so. Und peitsche den Schneeball, den meine Bruna zu mir wirft. Er zerbirst in zig Flöckchen, die sich auf Cocos Fell verteilen. Sie weißen. Und sie mir gleichmacht. Ein bisschen. Sagt der verzauberte  Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt den Schnee. Und chillt, Leute.

  • 8. Januar 2026

    Spülmaschinenträume und Trumps Realitätsverlust

    Lieblingsorte sind divers. Coco sitzt derzeit gerne in der Spülmaschine. Ganz hinten. Im Dunkel. Wo der Rest-Kakao vermischt mit Orangensaft und Wein auf  ihre Nase tropft, während ihre Pfoten im von Tellern abgetropften Fett stolzieren. She really likes it. Warum auch immer.

    Vielleicht um abzulenken. Denke ich so. Von der von ihr kurz zuvor zerstörten Lichterkette, an die sie sich gehängt hatte. Oder den zerfetzten Lindt-Krokant-Zapfen, deren Schokosplitter nun den Boden übersäen.  Was sie übersehen haben könnte: Die regelmäßige Spülung. Von der sie überflutet werden kann. Mit stinkendem Schaum. 

    Und schon bin ich wieder mal bei Trump. Dem US-Präsidenten. Der die Welt mit seinem really stinkendem Bullshit und Egoismus überflutet. Sodass Reaktionen ob der Reizüberflutung gar nicht mehr möglich sind. Sondern nur noch atemloses Verfolgen des absurden Schauspiels.

    Und  so bestimmt der Typ die Agenda. Mit seinem Flooding. Seinen Affären – verdrängt ob der Kriege, die er beendet und führt oder wie auch immer. Seinem Abschiebewahn von angeblich illegal im Land lebenden Migranten – verdrängt von der Entführung des Präsidenten eines souveränen Staats. Seinen Grönland-Annexionsplänen verdrängt vom Austritt aus internationalen Organisationen. And so on. 

    Er kennt nur seine eigene Realität. Gestern erschoss ein Beamter seiner Abschiebungsbehörde ICE in Minneapolis eine Frau, die gegen eben jene Behörde in ihrer Stadt protestierte. Und ihr Auto mitten auf die Straße gestellt hatte. In einem Video sehe ich, wie der Beamte auf sie schießt, obwohl das Auto nur im Schritttempo in seine Richtung rollt und dann sogar auszuweichen versucht. Der Beamte schießt trotzdem drei Male.

    Trump spricht sofort von Selbstverteidigung des Beamten, der bedroht worden sei. Die Frau war 37, Mutter von drei Kindern, unbescholtene Demokratin. Der Bürgermeister der Stadt sagt, Trumps Darstellung sei Bullshit. Und ich denke so: Ja, Trumps Realitätsverweigerung.

    Die Aufregung darüber wird schon wenige Stunden später geflutet: Trump kündigt an, sein Land werde sich aus 66 internationalen Organisationen zurückziehen. Organisationen, die sich um Klima- und Umweltschutz, die Förderung der Demokratie und von Minderheiten, Geschlechtergerechtigkeit kümmern. Trump begründet seinen Schritt damit, diese Institutionen seien antiamerikanisch.

    Coco verheddert sich im Gestänge der Geschirrablagefächer. Ein Teller knallt auf den Boden. Coco hüpft heraus. Abgesehen von Fettresten – ungeflutet. Aber antikatzisch. Sagt der reizüberflutete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Checkt die Spülmaschine, bevor ihr sie anstellt. Und chillt, Leute!

  • 7. Januar 2026

    Extreme Warnung vor Entwarnung und Kapern russischer Tanker

    Mein Chillen wird heute Morgen abrupt unterbrochen. Gegen 9.30 Uhr. Es dröhnt, schrillt, hämmert. Unrhythmisch. Disharmonisch. Und hört nicht auf. Weil alle Handys meiner Leute hier in meinem Ostberliner Revier zugleich vibrieren und schreien.

    Meine Leute dann auch. Felix so, vollkommen schlaftrunken aus dem Bett gestürzt: „No, jetzt also auch hier. Extreme Warnung. Stromausfall Berlin.“ Gesendet über den Mobilfunkdienst Cell Broadcast. „Hätten wir uns doch ein paar Vorräte und Wasser kaufen sollen“, meint er weiter.

    Um dann düster hinzuzufügen: „Boah, ist das krass, wenn diese Linksextremisten es erst vor einigen Tagen geschafft haben, 45.000 Berliner Haushalte im Südwesten lahmzulegen – und jetzt ganz Berlin. Dann sind die entweder ziemlich gut. Oder die Sicherheitsvorkehrungen verdammt schlecht. Oder sind es doch die Russen. Und ist Krieg?“

    Ich sehe: Das Licht brennt. Cocos Zimmerbrunnen plätschert. Der Wasserkocher blubbert. Der Computer surrt. Merkt dann irgendwann auch der apokalyptische Felix. Macht sich locker. Und klickt die im Warnhinweis angegebene Webseite an: „Im Laufe des Tages startet die Wiederversorgung der vom Stromausfall betroffenen Gebiete“, heißt es da. Und: Es könne zu kurzen Stromunterbrechungen kommen.

    „Ditte is Berlin“, ruft Felix. Und es schüttelt mich. Weil ich es hasse, wenn er, der Niedersachse, versucht, Berliner Slang zu imitieren. Aber ich räume ein, in der Sache hat er mal recht: Eine extreme Warnung für die Entwarnung. Wie kurios. Eine Entwarnung, die dann auch nur einen Teil der Stadt betrifft. Wo nun immerhin endlich wieder nach rund vier Tagen Strom fließen soll.

    Und das Bibbern ein Ende haben könnte. Denke ich so. Und höre, dass das für den Regierenden Bürgermeister Berlins wohl nicht gilt. Der ging wenige Stunden nach Beginn des Stromausfalls Tennis spielen.

    Und ich denke so: Für Krisenmanagement ist Mensch offenbar nicht geboren. Spaß als Landesvater während die sensiblen Landeskinder frieren und sich ängstigen. Nun, mein Fell ist dick. Ich hätte heute mal ganz gerne Stromausfall. Wenigstens für ein paar Stunden.

    Denke ich so beim Blick auf meinen täglichen Trump. Den ich ohne Strom dann nicht ertragen müsste. Heute also ließ der US-Präsident einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker entern – im Nordatlantik, bei Schottland. Das Schiff soll sanktioniertes venezolanisches Öl transportiert haben.

    Die Russen sind über die Aktion natürlich überhaupt nicht amüsiert. Es sollen sogar russische U-Boote unterwegs gewesen sein Richtung Tanker. Und ich fürchte schon – ist das nun der Tropfen, der das Fass Weltfrieden überlaufen lässt?

    Fühle mich den Ängsten Felixens nahe. Und schalte ab. Für heute. Auch ohne Stromausfall. Es reicht. Trotz der bollernden Heizung ist mir cool.

    Und ich kuschle mich auf den Schoß des dauerentspannten Diegos. Der sein Tor zur Welt, sein Handy, abgelegt hat. Yes, he can. Zweisamkeit. Stärkt. Sagt der gewarnte Hauptstadtkater. Der über euch – auch ohne Warn-App – wacht. Und jetzt seid beruhigt, schaltet ab. Und chillt, Leute.