Autor: Hauptstadtkater

  • 26. Januar 2026

    Über Kletterästheten und Kletterdilettanten

    Meine Leidenschaft: Das Klettern. Nichts, was meine Spezies (abgesehen natürlich vom Chillen) besser könnte. Dafür sind unsere Körper gemacht – mit unserer extrem elastischen Wirbelsäule und ihren 50 Wirbeln, unseren unfassbar kräftigen Hinterbeinen, unserem „Balancierer“, dem Schwanz – und natürlich: Unseren Krallen, einziehbar natürlich. Kater können klettern. Menschen nicht. Umso absurder, wenn sie es dann trotzdem tun. Und sich dabei auch noch filmen und live streamen lassen.

    In Taiwans Hauptstadt Taipeh hangelt sich nun ein 40-jähriger Ami einen 508 Meter hohen Wolkenkratzer empor, 101 Stockwerke. Ohne Hilfsmittel. Also ohne Seil oder Gurte, nicht mal Netze sind gespannt. Dafür Netflix, he, he. Und ich so: Bin dabei. Weil Felix das so will. Und auf dem Board vor dem Fernseher, der das Spektakel zeigt, Leckerli verteilt. Fürs Foto. Vom dilettierenden Fremclimber und mir.  Dem Kletterästheten. Und ich jumpe hoch. Aufs Board. Easy. Futtere. Und lasse Felix gewähren. Beim Knipsen.

    Honnold schafft es. Nach 90 Minuten ist er oben. Klar, sieht ungeschickt aus, wie er sich da hocharbeitet. Er scheint vor allem von seinen Armmuskeln zu profitieren. Und manchmal baumelt er mit seinen Beinen über dem Abgrund – und es wirkt tatsächlich gefährlich.

    Nun, der Sender überträgt das Spektakel zehn Sekunden zeitversetzt. Und ich denke so: Warum macht Mensch das? Also, warum klettert Honnold hoch, obwohl sein Körper dafür nicht ausgelegt ist? Er behauptet, es schaffe ihm Befriedigung. Okay, das ist ein Motiv, das ich als Kletterkünstler nachvollziehen kann. Er soll für die Aktion auch eine nette Summe Geld bekommen – einen Betrag im mittleren sechsstelligen Dollarbereich. Ein weiteres Argument. Für Mensch. Denke ich so.

    Und warum schauen Hunderttausende zu?  Frage ich mich: Lauter Voyeure? Wie Felix. Der erst mal auch sagt, wie abartig. Ein Spektakel um Leben und Tod zu zeigen. Aber dann starrt er unverwandt auf den Bildschirm. Schaudert, als er mit in den Abgrund blickt. Gruselt sich. Als sich Honnold Meter für Meter an der Glasfassade empor hangelt.

    Nervenkitzel. Braucht der Mensch offenbar. Um vom Nervenkitzel der alltäglichen Kriege und Grausamkeiten Abstand zu bekommen. Eine Art Gedankenkletterei also. Denke ich so. 

    Die Leckerli vom Board sind weg. Der Mann ist oben. Und ich mache mich zum Abstieg bereit. Zum Sprung. Was Mensch nicht kann. Hat ja auch keine sieben Leben. Sagt der klettergeile Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Staunt und chillt, Leute. 

  • 24. Januar 2026

    Kater-Poet hört den Schuss von Minnesota

    Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Denke ich so. Wenn ich die Menschen betrachte. Und meiner Liebe zur Poesie fröne. Really. Ich will nicht verschweigen, liebe Leserin, lieber Leser: Ich schätze Christian Morgenstern. Also, seine Gedichte. Und aus einem von ihnen, dem mit dem Titel „Die unmögliche Tatsache“, stammt auch mein heutiger Einstiegsatz. I love it. Denn der Satz passt so gut: Menschen sind Meister im Schaffen eigener Tatsachen. Um sich ihre Welt zurechtzubiegen und zu bewahren.

    Felix zum Beispiel: Strandete kürzlich mit seinem neuen, sechs Wochen alten Mietwagen auf der Autobahn – weil der Motor überhitzte. Erst habe er das laute Piepen im Wagen und die rot aufleuchtenden Warnhinweise ignorieren wollen, erzählte er hernach. Denn er habe sich nicht vorstellen können, dass ein neues Auto kaputt sein könnte. Das dürfe doch nicht sein. Dann aber habe der Motor plötzlich Dampfwolken ausgestoßen. Und habe seine Realität getoppt. So dass er gestoppt habe. Und auf den Rettungsdienst gewartet habe.

    Der rettende Mann sei ihm dann wie ein gelber Engel erschienen – nach drei Stunden in der Kälte, die selbst der überhitzte Motor nicht habe vertreiben können. Sagt Felix. Nun, der gelbe Engel erzählte ihm dann von weiteren Menschen, die Realitäten nicht akzeptieren wollen.

    Manager, die ihn beschimpften, weil ihre Luxuskarosse versagt. Was ja nicht sein könnte, bei dem Preis. Von jungen Männern, die trotz Glatteis Vollgas geben – und gegen Bäume knallen. Und hernach sagen – wenn sie es noch können – das Wegrutschen könne ja nicht sein, bei den ganzen elektronischen Assistenzsystemen im Auto. Von Männern und Frauen, die mit leeren Tank am Straßenrand stehen und weinen: „Das kann nicht sein, ich dachte, der Sprit würde noch bis zur nächsten Tanke reichen.“ Falsche Tatsachen. Unmögliche Tatsachen.

    Die wenigsten rafften, dass eine Panne nur eine Panne sei. Und nichts Existenzielles, meint der philosophische gelbe Retter-Engel. Und von Glück reden könnten, heute und nicht vor 20 Jahren gestrandet zu sein. In einer Zeit, in der kaum jemand ein Handy hatte. Und sie bei einer Panne in der Wildnis verfault oder erfroren wären.

    Ich höre Schüsse. Und sehe in einem Video, wie in der US-Stadt Minnesota maskierte Beamte der Einwanderungsbehörde ICE bei einer Razzia brutal einen Mann zu Boden bringen – und ihn dann erschießen. Einen Demonstranten. Einfach so. Und die US-Regierung behauptet hernach, bei dem 37-jährigen Krankenpfleger handele es sich um einen bewaffneten Terroristen. Die Beamten seien bedroht worden und hätten in Notwehr gehandelt.

    Bereits vor drei Wochen hatten Beamte der Behörde in der Stadt eine 37-Jährige Demonstrantin erschossen. Auch damals rechtfertigte die Trump-Regierung ihr Vorgehen mit Notwehr. Obwohl Videos ein völlig anderes Bild zeichneten. Die US-Regierung macht sich die Welt, wie sie will. Und schürt Wut. Weil sie nicht akzeptiert, was ist. Weil es nicht sein darf. Aus ihrer Sicht. Sinniere ich so.

    Auf Felixens Zeitung sitzend. Die er nun nicht mehr lesen kann. Eine unmögliche Tatsache eben. Für ihn. Aber er lässt mich gewähren. Und streichelt mich. Sagt der poetische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid offen. Und chillt, Leute!

  • 23. Januar 2026

    Liebe kann so schön sein und der erste Eindruck so falsch

    Der erste Eindruck. Oft so falsch. Denke ich so. Und sehe, wie Laura heute trotz Freitagabend – sprich: Wochenende – mit zornesrotem Gesicht in mein Revier stürmt. Schwingt einen Brief, mit Herzen verziert, über ihren wehenden Locken. „Das gibt es nicht“, zürnt sie. „Jetzt hat ein Psychiatrie-Patient auch noch meine Adresse. Und stalkt mich. Das kann nur Jannik sein. Der Psychopath schaut mich schon die ganze Zeit so komisch an.“ Das müsse sie sofort der Klinik melden, das gehe zu weit.

    Und ich so: Schlüpfe in meine große Rolle: Die des Beruhigers. Und. Liege. Schon. Auf. Ihrem. Schoß. 

    Während meine Bruna strahlend eintritt. Erfüllt vom Praktikum in der Ergotherapie-Praxis. Letzter Tag. Schade. Sagt sie. Menschen helfen – das mache so viel Spaß. Die Chefin schrieb zum Abschied eine Karte an meine Bruna: „Das Team hat deine Anwesenheit genossen und die Patienten wurden belebt und aktiviert durch dich.“

    Und ich denke so: Denen geht es mit meiner Bruna wie mir. Und denke dann, wie meine Bruna vor gerade mal knapp zwei Wochen nach dem ersten Tag gesagt hatte, sie langweile sich so und würde so gerne wieder in die Schule. Tja, der erste Eindruck… 

    Laura lässt sich nur schwer beruhigen. Trotz meinereiner. Reißt den Brief auf. Sieht Herzchen prangen. Und greift zum Handy. Schildert der Chefin ihre Vermutung. Ich schnurre. As schnurr can. Und plötzlich – da spüre ich die Übertragung. Lauras Gesichtszüge werden weich. Ihre Wangen erglühen. Sie erstrahlt. Im Glanze dieses Glücks.

    Denn sie erkennt: Der Brief stammt nicht vom Patienten. Sondern. Von. Felix. Wie einst, vor drei Jahrzehnten. Habe er geschrieben. Sagt sie da.

    Und sieht: Die aufs Briefpapier gemalten Herzen sind stilisiert. Die skizzierten voluminösen Figuren verliebte sogenannte Nanas. Und ihr fällt ein: Felix war jüngst in Hannover in einer Ausstellung von Niki de Saint Phalle, der Nana-Schöpferin, die für Liebe, Leidenschaft, Leben steht. Und ich denke so: Wie kitschig, der Mensch – kotz, würg, spuck. Oder so. 

    Während Coco mich vertreibt. Von Laura. Vom Liebesbrief. Und ich Coco dafür hasse. In diesem Moment. Dann auch noch die Polizei anruft und Laura fragt, ob sie den Brief des Psychopathen mal schicken könne, damit sie den Stalker ausfindig machen könnten. Die Klinik-Leiterin habe sie informiert. Und Laura reumütig einräumt, sich getäuscht zu haben.

    Der erste Eindruck eben. Coco schiebt mir ein Leckerli zu. Das unter dem Brief lag. Deswegen also attackierte sie den Brief und mich. Und ich denke so so – sie ist eben doch eine Gute. Liebe für immer. Sagt der getäuschte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Misstraut dem ersten Eindruck. Und chillt trotzdem, Leute. 

  • 22. Januar 2026

    Mafia überall – Unverschämtheit siegt

    Ich bin angewidert: Weil sich Unverschämtheit wohl auszahlt. Bei meinen Führungsgeschöpfen, den Menschen. US-Präsident Trump will Grönland. Er will den Friedensnobelpreis. Er will hohe Strafzölle für Importe. Er will keine Zölle auf US-Waren. Er will über die gesamte westliche Hemisphäre herrschen. Und so weitert. Und so weiter.

    Welch Hybris. Ich blicke hoch. Aufs Sofa. Zu Coco. Die da chillt. Auf meinem Kuschelplatz. Mit krassem Blick. Mafiamäßig. Denke ich so. 

    Ich kann kaum glauben, wie euphorisch, wie erleichtert gestern viele europäische Staatenlenker reagierten. Als Trump plötzlich die angekündigten Strafzölle gegen acht europäische Länder absagte, die seine geplante Grönland-Übernahme nicht wollten. Als Trump sagte, er habe nicht vor, Grönland mit Gewalt von seinen Nato-Partnern einzunehmen. Als Trump andeutete, es sei eine Lösung im Grönland-Streit gefunden worden.

    Und ich denke so: Sie nehmen den Großkotz ernst. In diesem Fall. Unglaublich. Coco schnurrt. Auf meinem Kuschelplatz. Aufreizend. Mafiös. 

    Und ich würde am liebsten schreien: Nur wenige Stunden vor diesen – vermeintlichen – Zugeständnissen an Europa hatte derselbe Trump die Europäer verhöhnt und ihnen gedroht. Im Stile eines Mafia-Boss. Er werde sich erkenntlich zeigen, wenn die Europäer Grönland freiwillig rausrückten. Wenn sie sich weigerten, dann werde sich die US-Regierung auch daran erinnern.

    Und ich denke so: Schlechter Mafia-Film. Unverschämt. Coco dreht sich auf ihren Rücken. Auf meinem Kuschelplatz. Mafiös eben. 

    Ich weiß nur: Schon morgen kann Trump seine Meinung wieder komplett geändert haben. Schon morgen kann er wieder auf den Besitz von Grönland beharren. Als ob er heute nichts dazu gesagt hätte. Sicher ist wieder mal nur die Unsicherheit. Über diesen Typen.

    Es ist aber auch kein Antagonist für Trump in Sicht. Jemand, der gegen seine Unverschämtheiten hält. Es ist auch keine Utopie da, damit die Welt in eine bessere Richtung gedreht werden könnte. Und ich denke an die Oma meiner Bruna, die in Eilenburg wohnt. 

    Oma Thea erzählt, sie habe Ende der 1980er Jahre Frachtscheine und Rechnungen für Plattenbau-Elemente ausgestellt, die von der DDR an die SU – Sowjetunion – verkauft wurden. Sie gehe davon aus, dass in den Wirren der Wendezeit nicht bezahlt worden sei. Mafiös. Unverschämt. 

    Es ist aber auch kein Antagonist für Trump in Sicht. Jemand, der gegen seine Unverschämtheiten hält. Es ist auch keine Utopie da, damit die Welt in eine bessere Richtung gedreht werden könnte. Und ich denke an die Oma meiner Bruna, die in Eilenburg wohnt. 

    Oma Thea erzählt, sie habe Ende der 1980er Jahre Frachtscheine und Rechnungen für Plattenbau-Elemente ausgestellt, die von der DDR an die SU – Sowjetunion – verkauft wurden. Sie gehe davon aus, dass in den Wirren der Wendezeit nicht bezahlt worden sei. Mafiös. Unverschämt. 

    Denke ich so. Und habe die Idee: Leute – sucht die Rechnungen, packt Zins und Zinseszins drauf und fordert dann die Millionen von Kremldespot Putin. Der wäre pleite. Sein Ukraine-Feldzug vorbei, da nicht mehr zu finanzieren. Sagt der utopische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid auch mal unverschämt. Aber vergesst nicht: Chillt, Leute!

  • 21. Januar 2026

    Trump Kehrtwenden und die Suche nach dem Anfang oder Ende

    Manchmal ist es schwierig, Anfang und Ende zu unterscheiden. Weil das Ende der Anfang sein kann  – von etwas Neuem. Und ich frage mich so: Wo ist der Anfang von Coco? Wo ihr Ende? Wenn sie so auf dem Küchenboard hängt. Und ich nur Fell sehe. Viel Fell. Mit unendlich langem Schwanz. Das wird wohl ihr immer länger werdendes Ende. Vom Anfang. Denke ich so. 

    Wo das Gelabere von US-Präsident Trump endet – keine Ahnung. Sicher ist nur, dass jeder Anfang seiner Drohungen auch gleichzeitig das Ende impliziert. Heute zog er die jüngsten Zolldrohungen gegen acht europäische Länder so en passant bei seinem Auftritt beim Weltwirtschaftsforums in Davos zurück.

    Die Drohungen hatte er jüngst ausgesprochen, weil diese acht Länder sich seinem Wunsch entgegengestellt hatten, sich das dänische Grönland einzuverleiben. Trump Zolldrohungen zogen einen Aufschrei nach sich. Nicht nur in Europa. Sondern auch bei Trump zuhause. In den USA. Wo auch viele einen Handelskrieg mit Europa fürchten. Denn sicher ist: Das hätte auch für die US-Amerikaner steigende Preise zur Folge. Womit Trump eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen ad absurdum führen würde. 

    Nun, Trump irrlichterte bei seiner mehr als einstündigen Rede in Davos durch das, was er in seiner Amtszeit so geschafft haben will. Behauptet, wenn es den USA gut ginge, ginge es der Welt gut. Behauptet, ein Wirtschaftswachstum ohnegleichen angefacht zu haben. Behauptet, nur die USA könnten Grönland schützen. Die Dänen könnten es – mit zwei Hundeschlitten – nicht.

    Und erwähnt nicht, dass Dänemark und Nato den USA schon mehrfach angeboten haben, Stützpunkte auf der arktischen Insel zu errichten, wie sie wollen. Und ich denke so: Das zeigt: Es geht Trump um sein Vermächtnis. Er will Grönland als 51. Bundesstaat und das US-Territorium massiv vergrößern. Er will die Bodenschätze, die dort lagern. Um sich einen Platz in der Geschichte der großen US-Präsidenten zu sichern. 

    In seiner Rede sagt Trump, er habe nicht vor, Grönland mit Gewalt zu erobern. Dabei lächelt er. Und fügt hinzu, auf diese Worte habe die Welt ja wohl gewartet. „Yes. Du dekadenter Sack“. Würde ich gerne rufen. Wenn ich rufen könnte. Nun, Trump sagt weiter, er habe sich mit Nato-Generalsekretär Rutte über Grönland geeinigt. Was das genau bedeutet. Wird aus den Reaktionen der Skandinavier deutlich. Die anklingen lassen: Die USA werden sich Grönland nicht einverleiben.

    Also: Viel Lärm um nichts. Trump hat ein Problem aufgebaut, das er nun mühselig wieder abgeräumt hat. Wofür er sich massiv lobt. Eine selbst gemachte Kehrtwende. Wo war doch gleich der Anfang, wo das Ende. Frage ich mich so. Und sehe Coco. Ihr Kopf – ist doch da, ganz vorne. Sagt der wendige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und nun: Seid flexibel. Und chillt, Leute.

  • 20. Januar 2026

    Wehrt euch und Trumps bizarrer Brief an Norwegen

    Ich hasse es, ständig auf den Arm genommen zu werden. Also so richtig, physisch. Jeder, der an mir vorbeigeht, scheint diesen Reflex zu haben. Und ich so: Erdulde es, weil ich denke – das macht sie – meine Leute – glücklich. Das entspannt sie. Das erwarten sie von ihrem Kater.

    Aber: Ich spüre das wachsende Unwohlsein in mir – ob dieser Fremdbestimmung. Merke, wie sehr mich der Dreck ihrer Hände in meinem Fell abturnt. Fühle Depression. Lasse ein leises Fauchen heraus, als meine Bruna mich mal wieder emporhebt. Und sehe dann voller Erstaunen: Den Augenaufschlag meiner Bruna. Ihren Respekt. Ihre Wertschätzung. Für mich. Und ich so: Glücksflash. Aus der Erfahrung: Wehren, um zu überleben. Und ernst genommen zu werden. 

    Europas Politiker haben sich bislang ziemlich viel von US-Präsident Trump gefallen lassen. Zollerhöhungen, Einmischen in nationale Wahlkämpfe, völkerrechtswidriges Verhalten. Weil sie unbedingt verhindern wollten, in die Missgunst des mächtigsten Manns der Welt zu fallen. Und damit womöglich seinen Schutz zu verlieren.

    Aber: Die Taktik fruchtet offenbar nicht. Denke ich so. Und trete meine Bruna. Denn ich ärgere mich. Und sehe: Trumps Verhalten wird immer erratischer, immer dreister. Und dann verhöhnt er die Europäer auch noch als schwach. 

    Nun hat der offensichtlich kranke Narzisst Trump einen Brief an den norwegischen Ministerpräsidenten Störe geschickt, eine Kopie davon an weitere europäische Staatenlenker. Wieder geht es um Grönland – und den Friedensnobelpreis. „In Anbetracht dessen, dass ihr Land beschlossen hat, mir den Nobelpreis nicht zu verleihen, obwohl ich acht Kriege beendet habe, fühle ich mich nicht mehr verpflichtet, an Frieden zu denken, obwohl der immer im Vordergrund stehen wird. Ich kann mich nun darauf konzentrieren, was gut und richtig für die Vereinigten Staaten für Amerika ist“, schreibt Trump  – und weiter: Die Dänen jedenfalls könnten Grönland nicht vor Russland und China schützen. Es gebe auch keine Dokumente, die die dänische Souveränität über die arktischen Insel belegten. Er habe viel für die Nato getan – nun solle die auch mal was für ihn tun.

    Krass, ich als einfacher Kater erstarre vor so viel Dekadenz und Dummheit. Welche acht Kriege will er beendet haben? Warum schreibt er an den norwegischen Premier, der nichts mit dem Nobelkomitee zu tun hat – abgesehen davon, dass das Komitee seinen Sitz in Norwegen hat. Und natürlich gibt es Dokumente, die die dänische Hoheit über Grönland verifizieren. Überhaupt, was will er eigentlich mit dem unwirtlichen Island? Also mal ernsthaft?

    Und ich denke so: Zeigt ihm endlich Grenzen auf, Völker und Kater der Welt. Ich trete meine Bruna. Zeige meine Krallen. Klar, mit ungutem Gefühl. Aber: Sie streichelt mich. Lächelt. Voller Verständnis. Und lässt mich herab. Sanft. Und ich fühle nie gekannte Stärke. In mir. Aufsteigen. Sagt der wehrhafte Hauptstadtkater. Der jetzt aber so richtig über euch wacht. Und jetzt: Zeigt Krallen. Und chillt, Leute. 

  • 19. Januar 2026

    Bloody Monday, Ode an die Familie und Nato-Irrsinn

    Family. Kann so cool sein. Wirklich! Wenn einer für den anderen da ist. Hilft. Unterstützt. Selbstlos.  Uneigennützig. Ohne Hintergedanken. Ohne was dafür zu wollen. Bei allen Themen, auch beim Wichtigsten: Dem Futtern.

    Bei uns ist in diesem Gebiet die Führungskraft: Diego. Kocht lecker, der alte Veganer. Manchmal zum Glück auch mit Fleisch. Immer dabei beim Menüzauber: Coco und ich. Schleichen um ihn. Um ihn zu motivieren. Und er honoriert es: Lässt Huhn abfallen. Gekocht. Für uns. So muss es sein. Im Bündnis Familie. Denke ich so. 

    Einer für alle. Alle für einen. So war das bislang auch bei der Nato. Geführt von den USA, die andern 31 Bündnispartner zogen mit. Machten, was die USA so sagten. Und profitierten von der Abschreckungskraft der USA.

    Plötzlich ist alles anders. Und really – völlig irre: Die USA belegen acht Nato-Partner mit Strafzöllen, weil die auf Einladung des Nato-Mitglieds Dänemarks auf dessen Gebiet Grönland eine Erkundungstour gestartet hatten  – um zum Schutz der Insel und damit des Bündnisses beizutragen. Dafür sollen sie nun also von den USA bestraft werden.

    Und ich denke so: Das wäre in etwa so, als ob Chefkoch Diego uns Katern und Katzen nichts mehr abgeben würde. Weil wir beim Kochen helfen. Vollkommen absurd eben. Irre. 

    Vielleicht liegen meine trüben Gedanken am Datum? Frage ich mich so. Denn heute ist ja der dritte Montag des Jahres. Und das soll der deprimierendste Tag des Jahres sein. Hat vor wenigen Jahren ein Psychologe zu PR-Zwecken berechnet. Und ich denke so: Hej, wie cool. Dann wird es ab jetzt ja nur besser. Noch besser.

    Klar, noch nicht bei Laura. Die kommt heim von ihrer Jugendpsychiatrie und schreit: „Bloody Monday.“ Und ich verstehe, als ich höre, was sie erlebte. Vor gerade mal einer Stunde hat sie Klara, 16 Jahre, mit fünf Kolleginnen bekämpft – also versucht, sie zu fixieren. Weil Klara tobte. Und versuchte, sich zu verletzen.

    „Fickt euch, ich werde euch alle töten“, habe das Mädchen gebrüllt. Um dann in Tränen auszubrechen und zu betteln: „Bitte, macht mich los, ich tue nichts.“ Um dann wieder zuzuschlagen. Bloody Monday. Für Laura. Der aber auch ein Dienstag sein könnte. Denke ich so.

    Und ich schlucke. Schwer. Denn das Hähnchenstück von Diego ist doch recht trocken. Egal, der Geschmack ist ok. Coco lacht auch. Mal wieder. Und ich bin glücklich. Weil ich weiß: Wir sind Familie. Ein Bündnis. Sagt der sentimentale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt Familie. Und chillt, Leute.  

  • 18. Januar 2026

    Austickende Katze und lustvoller US-Präsident

    Herrje, stimmt eben doch oft, das Sprichwort: Des einen Lust ist des anderen Last. Muss ich einräumen. Obwohl ich diese Aphorismen eigentlich hasse. Wie die Pest.

    Oder wie Coco, wenn sie auf mir rumturnt. Und ihre täglichen fünf, nun ja, eher 28 Minuten hat. Ihre Austick-Zeit. In der sie ohne Rücksicht auf Sesselkratzer, umstürzende Lampen, Vasen oder mich durch mein Revier jagt. Sie hat Spaß. Lust. Und ich: Last. Lecke meine Wunden.

    Während Coco dann auch noch den Rücken meiner Bruna erklimmt. Die gute Miene zum bösen Spiel macht. Ihren Rücken krümmt. Damit die Fünf-Kilo-Katze, die erst sechs Monate alt ist, auf ihr sitzen kann. Die Last – eine Lust. Für meine Bruna. Und für Coco sowieso. Offenbar. 

    US-Präsident Trump hat extrem viel Lust. Im greisen Alter von 79 Jahren. Will er sein Ding durchziehen. Ohne Rücksicht. Und fällt dabei immer mehr Menschen immer stärker zur Last. Das Pikante: Obwohl Trump Last ist, lassen sich die meisten sein Handeln gefallen. Weil Trump kann. Weil er Macht hat. Und sie ausspielt. Brutal.

    Nun schafft er einen sogenannten Friedensrat. Eigentlich wollte er ein Gremium mit diesem Titel schaffen, um eine palästinensische Regierung im Gazastreifen zu kontrollieren. Nun denkt er offenbar um einiges größer.

    In einem Einladungsschreiben an ausgewählte Staatschefs schreibt Trump, Ziel der neuen internationalen Organisation – natürlich mit ihm an der Spitze – sei es, dauerhaften Frieden zu schaffen. Die, die Bock auf diesen Rat hätten, sollten eine Milliarde Dollar bezahlen – wenn sie länger als drei Jahre dabei sein wollten. Eine Milliarde! Von Gaza ist in dem Schreiben keine Rede. 

    Und ich denke so: Häh, ein internationales Gremium zur Sicherung des Friedens in der Welt gibt es doch – die Vereinten Nationen. Mit dem UN-Sicherheitsrat. Nun, dass Trump davon nicht viel hält, konnte schon des Öfteren beobachtet werden.

    Er hat da nichts zu bestimmen. Und kleinere Staaten werden auch gehört. Mag Trump nicht. Und ich kann seine Gedanken nachvollziehen: Lieber was Neues. Mit ihm als Big Boss. Weltbestimmer. Eben.

    Coco löst sich von mir. Hechelt wie ein Köter. Wird eben auch älter. Und ich sehe, wie sie mal wieder auf der Herdplatte Platz nimmt. Zum Aufwärmen. Und  zum Chillen. Sie ist so anders als Trump. Dessen Austick-Zeit die Norm ist – und dauerhaft anhält, nie zu stoppen scheint. Der im Alter nicht weiser, sondern wilder wird.

    Sagt der lustvolle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Tickt aus. Tut gut. Und chillt danach, unbedingt, Leute. Tut noch guter. Oder so. Nach dem Austicken.

  • 17. Januar 2026

    Lächelnde Super-Cat und zürnender Trump

    Menschen können nicht fliegen. Also ohne Hilfsmittel. Hunde können nicht nicht stinken. Und auch nicht selbstständig denken. Katzen wiederum können nicht lachen. Dazu sind ihre Schnauzen und Kiefer nicht gemacht. Eigentlich.

    Coco hat nun das Unmögliche möglich gemacht – und damit eine neue Katzendimension erreicht. Supercat quasi: Sie. Kann. Lächeln. Und ich habe den Beweis dafür. Und bin mal froh. Dass Felix ständig rumknipst. Und so ist auf dem Foto klar zu sehen: Coco chillt auf dem Schoß meiner Bruna. Auf dem Rücken. Hat das Maul weit aufgerissen – und zu einem Lächeln verzogen.

    Und ich kann nur empfehlen, liebe Leserin, lieber Leser: Entspannt Euch! Chillt. Dann kommt das Lächeln ganz von selbst. Im Eskapismus vor der gruseligen Welt. Die sich in eine Richtung dreht, die mich frösteln lässt.

    Wo sich nach dem Zweiten Weltkrieg zumindest in der westlichen Hemisphäre Bündnisse bildeten, die sich auf gemeinsame Werte wie Meinungsfreiheit oder Demokratie verständigten, gewinnt nun plötzlich das Recht des Stärkeren an Macht. Imperialismus. Grenzen ausweiten durch Gewalt. Werte, Rücksicht oder Debatten werden als Schwäche ausgelegt. Wer zögert, verliert.

    Und ich sehe Coco. Die am weißen Bildschirm klebt. Vor dem Nichts. Den schwarzen Mauscursor verzweifelt suchend. Vergeblich.

    US-Präsident Trump ist der neue westliche Diktator. Der sich nicht mehr um demokratische Gepflogenheiten, um Verbündete schert, sondern seine Agenda brutal durchsetzt – weil er weiß, dass er es kann. Und er Gewalt zu lieben scheint.

    Er will Grönland, das dem Nato-Verbündeten Dänemark gehört. Und ist sauer auf die Europäer, die gegen einen Verkauf der arktischen Insel sind. Und es dann sogar noch gewagt haben, Soldaten zur Erkundung dorthin zu schicken – wie unter anderem Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder eben Dänemark. Acht europäische Länder – und Nato-Partner – belegt Trump nun mit neuen Strafzöllen, ab dem 1. Februar in Höhe von 10 Prozent, ab dem 1. Juni von 25 Prozent – bis ein Grönland-Deal erreicht ist.

    Und ich sehe Coco. Die am weißen Bildschirm klebt. Und den schwarzen Mauscursor sucht – so vergeblich. 

    Und ich erinnere mich, dass die EU und die USA erst vor wenigen Monaten vereinbart hatten, dass ein Zoll von 15 Prozent für die meisten europäischen Produkte gelten soll. Und ich denke so: Warum noch Abkommen, wenn sie eh nach Gusto und Laune gebrochen werden? Und Trump putinsche Züge annimmt.

    Mir ist übel, weil ich die Abhängigkeit Europas von den USA sehe. Ohne den Schutz der USA hätte es Russland leicht, nicht nur das Baltikum, sondern auch Polen oder Deutschland anzugreifen. Sagen Experten.

    Womit das Lächeln endgültig ein Ende hätte. Was also tun? Kuschen? Oder erst kuscheln. Wie Coco. Die die Suche nach dem Mauscursor aufgegeben hat. Und auf dem Schoß meiner Bruna chillt. Lächelnd!!! Sagt der desillusionierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Entspannt euch. Und chillt, Leute! 

  • 16. Januar 2026

    Kater aller Welt: Vereint euch – Rudis Leiden in Kiew

    Rudi! Wer war Rudi? Rudi IST ein Artgenosse. Im Mai 2022 kam er – auf der Flucht vor russischen Angriffen – mit seiner Familie aus Charkiw nach Hamburg zu den Großeltern meiner Bruna. Dort schärfte er die Spitzen seiner Krallen  an den edlen Sesseln der Alten. Und häutete damit einige Mäuse. Und Vögel. Nach getaner Arbeit lehnte er sich zurück und schnurrte: „Das waren Schuffen.“ Von allen Seiten ertönten Heilsrufe: „Guat. Wacker. Heddddel.“

    Oder auch nicht. Denke ich so. Wenn ich die Erzählungen meiner Leute über den Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und die Ankunft Rudis und seiner family in Deutschland so höre. 

    Es ist ein Krieg, der bald vier Jahre dauert, der am 24. Februar 2022 begann, einer Zeit, in der ich noch Pudding im großen Kateruniversum war. Heute lebt Rudi mit seiner Betreuerin Olena und ihrem Mann – trotz ständiger Attacken aus Russland – in Kiew. Rudi musste bereits mehrfach sein Revier wechseln. Da das eine erst zu klein war. Das andere dann zu teuer. Rudi hat Angst. Vor Explosionen und Raketen. Nun bibbert er. Weil die Heizung kalt ist. 

    In der ukrainischen Hauptstadt ist das Thermometer auf minus 20 Grad gefallen. Überall Schnee und Eis. Und die Russen: Starten Großangriffe auf die Energieanlagen der Millionenstadt. Treffen sie auch. Es gibt massive Stromausfälle. Keine Heizung. Kein Wasser. Kein Internet. Kein Handy.

    Und Olena schreibt so: „Derzeit haben wir nur so zwei bis drei Stunden am Tag Strom. Leider funktioniert die Heizung nur mit Strom. Auf diesen heftigen Frost haben die russischen Barbaren nur gewartet. Jetzt schießen sie unsere Energieanlagen kaputt. Um uns zu zermürben.“ Und ich denke so: Die Russen erreichen das Gegenteil: Hass ohne Ende, der unfassbare Widerstandskräfte entfesselt. 

    Boah, Coco und ich frösteln ob der Erzählung auch bei plus 20 Grad in meinem Revier. Coco liegt auf einer Herdplatte, die noch ein wenig Wärme abstrahlt. Und ich muss an den durch einen Anschlag verursachten Stromausfall in Berlin vor wenigen Tagen denken. An das Chaos. Das Wehklagen. Kein Strom bei minus 5 Grad. Betroffen waren gleich 40.000 Haushalte. Und es dauerte fast fünf Tage, bis sie wieder Strom hatten. 

    Rudi friert wirklich. Extrem. Er werde in Decken eingewickelt. Schreibt Olena. Plötzlich springt Coco vom Herd auf. Weil meine Bruna Milch aufwärmen will. Und ich denke so: Kater aller Welt. Vereint euch. Solidarisiert euch. Mit Katern und Katzen in der Ukraine. In allen Kriegsgebieten.

    Nicht nur Menschen leiden dort. Auch wir. Kälte, Lärm, Splitter, Revierwechsel, Unruhe. Und ich höre, Heilsrufe von allen Seiten: „Guat, wacker, heddddel.“ Sagt der demütige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wärmt euch auf. Und chillt, Leute.