Autor: Hauptstadtkater

  • 4. Februar 2026

    Crazy Day – Von zerfetzten Katern, Füßen und Rechtsextremisten

    Was für ein crazy day. Heute mal wieder. Denke ich so – gechillt auf dem Fensterbrett liegend. Denn: In Thüringen wird der Rechtsradikale Höcke fast Ministerpräsident. US-Präsident Trump will in den Garten des Weißen Hauses eine Kolumbus-Statue stellen. Im Glätte geplagten Berlin darf trotz Aufhebung des Streusalzverbots doch nicht gestreut werden. Und: Meine Bruna träumt im entfernten Österreich Alpträume. Von mir. Mit mir. Über mich. Als Zerfetzten. 

    Für die im Koppe nicht ganz so Flotten – hier die ausführlichere Version meiner Andeutungen: Weil Thüringens CDU-Ministerpräsidenten der Doktortitel aberkannt wurde, stellte AfD’ler Höcke einen Misstrauensantrag. Er erreichte heute zwar die für die Abwahl nötige Mehrheit nicht. Aber er bekam eine Stimme mehr als seine Fraktion Leute hat. Und ich denke so: Das ist keine Dystopie. Sondern Gegenwart. Dass man befürchten muss, dass Rechtsextreme ein Bundesland regieren.

    Nun, in den USA ist es schon so weit, da regiert die rechtsextreme Trump-Regierung das mächtigste Land der Welt. Jetzt will Trump im Garten des Weißen Hauses eine Kolumbus-Statue aufstellen. Und ich naiv Unwissender so: Why not? Ist doch ein netter Entdecker. Der empörte Aufschrei aller Antirassisten lässt mich verstummen. Denn Kolumbus triggert sie. Er gilt ihnen als Wegbereiter für Kolonialisierung und Töten von Ureinwohnern.

    Während Trump sich als Verteidigers des Mannes sieht, der 1492 Amerika entdeckt hatte. Und ich denke so: Armer Kolumbus. Wenn der wüsste, wem alles er da so als Projektionsfläche dient. Wenn er es geahnt hätte, dann wäre er wohl ins menschenleere Grönland – he, he – gesegelt. Oder wäre Zuhause geblieben. 

    Wie das derzeit auch viele Menschen in Berlin machen. Machen müssen, weil sie sich wegen des fetten Eises vor ihren Wohnungstüren nicht raus wagen. Mittlerweile seit Wochen. Es könnte noch länger dauern. Denn der Naturschutzbund legte sein Veto gegen die Entscheidung des Senats ein, das umweltschädliche Salz wieder streuen zu dürfen – und bekam vom Gericht recht. So bleibt es glatt in meiner Hauptstadt. Aber die Bäume leben. Und ich denke so: Leute: Ohne Baum, kein Mensch. Also, denkt mal nach.

    Was sie natürlich nicht tun. Sondern durch die entwaldeten Berge curven. Also, meine Leute jedenfalls. Meine Bruna klagt, sie spüre die rechte Hälfte ihres rechten Fußes wegen des engen Skischuhs nicht mehr – taub. Auch die anderen jammern über Schmerzen. Und fahren trotzdem weiter. Heute 112 Kilometer. Und leiden. Und leiden. Obwohl sie auch hier sein könnten. Zuhause. Bei mir. Im glatten Berlin. Aber schmerzbefreit. Auf dem warmen Fensterbrett. Chillen und genießen. 

    So aber bleibt meiner Bruna im fernen Österreich nur. Von mir zu träumen. Wie vergangene Nacht. Ein Fuchs sei in mein Revier gekommen. Erzählt meine Bruna. Habe mich gesehen. Und gepackt. Bis mein weißes Fell rot getränkt gewesen sei. Die Attacke auf mich sei aber nur ein Ablenkungsmanöver gewesen. Der Fuchs-Besitzer – gibt es so etwas? – nun, auch der sei in die Wohnung gekommen. Habe den Laptop mit meinen Gedankenfetzen geklaut – und veröffentlicht.

    Und ich denke so. Soll der Fuchsmensch es doch machen. Ich gebe gerne. Auch Füchsen. Sagt der generöse und unzerfetzte  Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lacht doch mal wieder. Über die Vielfalt des menschliche Unsinns. Oder Sinns. Auf jeden Fall aber: Chillt, Leute. 

  • 3. Februar 2026

    Ski-Horrorgeschichten vom Stürzen

    Menschen sind Stürzende. Weil sie weder krallige Pfoten noch vier Beine haben. Sondern aufrecht auf zwei Beinen durch die Pampa laufen. Und so leicht mal Gleichgewicht verlieren – oder einfach stolpern, weil ihnen eine Katze vor die Füße läuft. Dann stürzen sie. Und tun sich weh.

    Obwohl die meisten Menschen um ihre unzulängliche Anatomie wissen, erhöhen viele ihr Risiko nochmals. Und schnallen sich zwei Bretter unter die wackligen Füße. Nennen das Skifahren. Da gibt es Profis – wie Lindsey Vonn, eine 41-jährige US-Amerikanerin. Aber auch sie stürzt. Immer wieder.

    Vonn, die bereits seit Jahren eine Teilprothese im rechten Knie hat, erzählt nun, bei ihrem jüngsten Sturz vor wenigen Tagen habe sie sich einen Riss des linken Kreuzbands, eine Meniskusverletzung und Prellungen zugezogen. Sie gehe aber davon aus, in einer knappen Woche bei den Olympischen Winterspielen in Italien starten zu können. 

    Und ich denke so: Weird, wie soll das gehen – Paralympics oder was? Egal: Ich komme auf meine Leute zu sprechen. Da ist meine Bruna. Die ja derzeit mit eben solchen Brettern an ihren Füßen durch Österreich rutscht. Als Amateur auch noch. Und ich denke: Don’t know why. Spaß. Sagt sie. Und ich denke so: Toller Spaß, wenn man auf einer eisigen Fläche auf gerader Strecke  ein Salto macht. Weil ihre Gedanken abgeschweift seien. Zu mir. Wie sie sagt. Immerhin: Unverletzt, sie.

    Und weiter sagt meine Bruna: Kurz darauf habe ein Mann in der Gondel erzählt, vergangenes Jahr sei ein 13-Jähriger auf der Talabfahrt gegen ihn geknallt. Er habe erst gar nicht gecheckt, was passiert sei. Ein krasser Knall, er habe sich geschüttelt und gemerkt, bei ihm sei alles okay gewesen. Aber in seinem Skistock sei eine große Delle gewesen – und 50 Meter weiter unten lag der Junge schreiend im Schnee.

    Ein Helikopter habe den Teenager abtransportiert, zum Glück habe der nur Prellungen und ein paar Knochenbrüche erlitten. Er selbst aber habe sich rechtfertigen müssen, habe der Mann weiter erzählt. Erst seien am Nachmittag noch fünf Polizisten zu ihm in die Pension Emma gekommen, um ihn zu vernehmen. Dann sei Anklage gegen ihn erhoben worden. Das sei wohl Routine bei solchen Unfällen: Dass der weniger Geschädigte sich erst einmal verteidigen müsse. Nun, die Anklage sei dann schnell fallengelassen worden. 

    Und dann stürzt heute auch noch Bela, Diego Freund, der auch mit auf der Skitour ist. Vor den Augen meiner Bruna. Bela also sei einen vereisten Hang runtergerannt, bis ihn ein kleiner Schneehügel ausgehebelt habe, er durch die Luft katapultiert worden und ins Fangnetz gestürzt sei. Sein Kopf sei gegen den Boden geknallt. Nichts passiert. Er habe Helm getragen.

    Und ich frage mich nochmals: Wie absurd kann man sein. Sich bewusst Gefahren aussetzen? Wenn ich stürze, dann stürze ich mich auf Mäuse. Ok, früher jedenfalls, meine Vorväter oder so. Bin eben degeneriert. He he. Aber Coco stürzt auf mich. Und wir haben Spaß. Und ich denke so, liebe Menschen, wenn ihr unbedingt stürzen wollt – warum nicht Trump? Oder Putin? Sagt der gefestigte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kontrolliert eure Beine. Und chillt, Leute!

  • 2. Februar 2026

    Ist Coco KI? Über die Überlegenheit der KI

    Manchmal denke ich, Coco ist KI. Bei ihr scheint eine Art Elon Musk oder so versucht zu haben, eine Katze zu programmieren. Um zu checken, ob ähnliche Programmierung dereinst auch mit Menschen funktionieren könnte. Herausgekommen ist Coco.

    Wie ich darauf komme? Nun, wegen ihrer Fehlfunktionen: Nummer eins: Sie rennt wie ein Köter zur Tür, wenn es klingelt. Nummer zwei: Coco antizipiert Nahrung wie ein Delfin. Eine Spezies, die wohl gut vorausahnen kann. Sagt jedenfalls die KI. Und Nummer drei: Coco liebt Wasser. Wie Menschen. Oder so.

    Denn: Sie ist beim Abwasch dabei, sitzt direkt neben dem Waschbecken. Packt ihre Pfote ins Wasserglas – mit Vorliebe in jene, in denen Sprudelwasser sprudelt. Oder springt in die Badewanne. Leckt dort die Tropfen auf. Und wartet auf die nächste Füllung. 

    Ich muss einräumen: Coco ist eine gute KI. Weil sie durchaus auch katzig ist. Nicht nur vom Äußeren alle Vorzüge einer Katze hat – vom Wuschelfell und seiner Musterung bis hin zu ihren Augen, der Nase, ihrer große Größe. Sondern auch vom Charakter, also ihrer Liebe zum Chillen, ihrer Ruhe, Coolness, Jagdliebe, ihrem Kuschelbedürfnis.

    Und ich muss sagen: Lieber KI-Generator: Glückwunsch, Katze mit Coco gut getroffen. Also: Künstliches kann durchaus gleich gut oder sogar besser als das Original sein.

    Finden auch meine Leute. Die ja gerade in Österreich Skifahren. Was ohne Künstliches ob des Klimawandels an vielen Orten gar nicht mehr möglich wäre. Bei meinen Leuten jedenfalls tropfte heute in 2000 Metern Höhe das Wasser von den Bäumen – weil der Schnee von den Ästen taute. Bei fünf Grad plus in der Sonne.

    Die Pisten aber blieben weiß. Und schneeig. Warum? Weil es kein echter Schnee, sondern produzierter Kunstschnee ist, der da liegt. Der haltbarer als das Original ist. Und meine Bruna findet, der Kunst-Schnee sei auch zum Skifahren besser. Weil griffiger und nicht vereist. Hohe Kunst eben. Denke ich so. 

    Und höre von der Arbeitsgemeinschaft SPD Frauen. Die fordern einen besseren Schutz vor Diskriminierung durch KI. Weil die bestehende Ungerechtigkeiten verstärke.

    So erkenne KI oft Herzinfarkte bei Frauen schlechter, weil die andere Symptome als Männer hätten. Und wenn Frauen sich für einen Job bewerben, würden sie wegen ihres Geschlechts so manches mal durch KI als weniger qualifiziert eingeschätzt. Und Grok – der Chatbot von Musks Plattform X – habe Bilder erstellt, auf denen vor allem Frauen leicht bekleidet bis nackt gezeigt würden.

    Ist Coco nun KI oder nicht? Frage ich mich. Eine kötrige Katze oder katzige KI? Die Antwort: Ist mir voll egal. Coco ist nice. Und bärig. Meist. Wühlt jetzt in der Tasche mit den durchgeschwitzten Trikots der Männer von Diego Basketball-Team, die der längst hätte waschen sollen. Und yes: Katzen lieben Männerschweiß. KI eher nicht. Woraus folgt: Coco ist wohl doch eine echte Katze. Sagt der authentische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wascht euch. Und chillt, Leute!

  • 1. Februar 2026

    Coco in the box im Keller des Kellers

    She is living in a box. Baby. Da, wo Coco ist, wäre auch ich gerne. In diesem Karton. Voll chilly. Aber es gibt nur diesen einen Karton. Und irgendwie hat Coco es geschafft, ihren immensen Körper da reinzuwuchten, bevor ich da reinhüpfen konnte. So dass ich – warten muss. Lange warten muss.

    Ich aber hasse Wartezeiten. Und bedauere meine Leute in Austria. Die davon erzählen, dass sie ständig warten. Müssen. Bei ihren Skitouren. Wenn sie auf die Berge hochgondeln. Und dabei lauschen müssen, was die eng an sie gequetschten Leute so quatschen. Zum Beispiel zwei Middle-Age-Frauen. Die von ihren Depressionen erzählen. Ausgelöst natürlich: Durch Männer. Und ich denke so: Besser also, schwule Frau zu sein?

    Und sehe Coco. Wie sie weiter vor mir im Karton chillt. Kokett. Und ich fühle eine riesige Leere in mir aufsteigen. Während meine Leute weitererzählen. Von der einen Frau, die nun gesagt habe, sie sei vor sechs Monaten verlassen worden von ihrem Jens. Und da, ja da sei sie in einen Keller gefallen. Fürchterlich.

    Aber da, da habe sie auch noch nicht gewusst, dass es einen Keller unter einem Keller geben könne. Der sich kürzlich geöffnet habe. Als Jens wieder ankam. Sie die Nacht mit ihm verbrachte. Um abermals verlassen zu werden. Und dann aus dem Keller in den Keller darunter fiel. 

    Nächste Wartezeit meiner Leute, wenig später in einem Sechser-Sessellift: Die beiden Jungs neben ihnen seien das Gegenteil im Vergleich zu den Frauen gewesen. Erzählen meine Leute. Die beiden Jungs also hätten geschwärmt, sie erlebten im Skiurlaub alljährlich den Flow im Flow. Skifahren sei schon Glück pur. Aber das Feeling beim Skifahren zu verstärken, durch Gras und Alkohol. Das sei nicht zu toppen.

    Der Flow im Flow. Vor allem, wenn dann alle Fenster der Gondel abgeriegelt würden. Und man vor lauter Cannabis-Dämpfen nichts mehr sehe. Die Gondel – eine Hot Box. Und ich sehe Coco. In ihrer Box. Hot und cold zugleich. Irgendwie. Aber sie bleibt in der Box liegen. Und für mich führt die Rolltreppe abwärts. In meinen virtuellen Keller des Kellers.

    In dem sich morgen wohl auch so einige Menschen in Deutschland wiederfinden werden. Wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln irgendwohin wollen. Weil die bestreikt werden – es geht um mehr Geld. Naturally.

    Allerdings: In Berlin fahren trotz Streiks einige Straßenbahnen weiter. Werden allerdings an den Haltestellen nicht stoppen und auch nirgends Fahrgäste reinlassen. Denn die Bahnen sind nur unterwegs, damit die in den vergangenen Tagen mühsam aufgetauten Oberleitungen nicht wieder einfrieren. Für die Oberleitungen also fahren die Bahnen. Denke ich so. 

    Und erkenne kein Zeichen des Erbarmens von Coco. Die bleibt liegen. In ihrer Box. Und ich gehe zum meinem eigenen Gras. Katergras. Tut so gut. I‘ m flyin’ high. Auch ohne Box. Sagt der labile Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht euren Keller. Und chillt, Leute!

  • 31. Januar 2025

    Der vereinsamte Nicht-Einzelgänger und der Klimawandel

    Ich bin kein Einzelgänger. Und trotzdem lassen mich meine Leute alleine. Nahezu alleine jedenfalls. Reisen ab. In kalte, schneeige Gefilde, um Ski zu fahren. Sagen sie. Und reisen aus dem eisigen Berlin ins frühlingshafte Österreich. Was sie da machen? Wandern – auf graue Berge. Handstand machen auf einem Jäger-Hochsitz. Mit freiem Oberkörper, so warm ist es.

    Während ich in der Kälte meines Berliner Reviers. Auf der Fensterbank fröstele. Auf den verschneiten Innenhof blicke. Und spüre, wie der eisige Wind reinzieht durch die Spalten. Während Coco irgendwo chillt. Im Bett meiner Bruna. Auch allein. Alles verkehrt. Irgendwie.

    Meine Leute reden viel vom Klimaschutz. Vom Umweltschutz. Und fahren dann mit einer Dreckschleuder fast 1000 Kilometer nach Österreich. Wo ihre einst weißen Skipisten. Jetzt nur graue Farbe erlangen, weil Schnee nicht mehr fällt. Und dafür die Schneekanonen unermüdlich weißes Gold in die krassen Schneisen der Berge – sogenannte Pisten – einschießen.

    Während viele alteingesessene Einwohner stöhnen. Ob des allwöchentlichen Andrangs in ihre Täler. Nicht nur immer mehr Deutsche, Polen, Niederländer. Nun auch viele Chinesen – und zunehmend auch wieder Russen. Over Tourism eben. Stöhnen sie. Auch wenn sie profitieren.

    Meine Bruna erzählt, der Skiverleih, in dem sie seit zehn Jahren ihre Ausrüstung holt, mache nächstes Jahr dicht. Obwohl der Laden birst vor Skiwütigen. Das Problem: Es gebe kein Personal mehr. Habe die Chefin gesagt. Diejenigen, die es vergangene Saison gemacht hätten, kämen nicht wieder. Sagten, zu stressig. Die Alternative: Osteuropäer einstellen. Das wolle sie aber nicht. 

    Was für Probleme. Denke ich so. Während in der Ukraine der Strom ausfällt. Nicht mehr nur allein wegen der fortgesetzten russischen Bombardements. Jetzt wurden auch noch zwei Stromleitungen getrennt, durch die die Ukraine mit Moldau und Rumänien verbunden war.

    In Berlin dagegen gibt es wieder andere, „existenzielle“ Probleme: Spikes für Schuhe sind ausverkauft. Damit können keine alten Leute mehr raus. Weil die Fußwege seit Wochen lebensgefährlich glatt sind. Weil die Stadt es nicht schafft, das Eis zu entfernen. Und der Regierende Bürgermeister zwar – anders als beim Stromausfall – nicht Tennis spielen geht. Aber seine letzte Idee zur Hilfe auch geradezu absurd spät kommt: Nun schlug er vor, die Erlaubnis für den Einsatz von auftauendem Streusalz zu geben.

    Und da hätte ich eine Idee: Die Katzen und Kater der Hauptstadt rmüssten raus. Um zu helfen, beispielsweise beim Einkauf. Haben sie doch natürliche Spikes. Mit ihren Krallen. Aber: Uns niemand ja eh keiner ernst. Und so müssen sie eben weiter leiden. Die Menschen. Sagt der vereinsamte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Besucht mich. Schreibt mir. Aber vor allem: Chillt, Leute. 

  • 30. Januar 2026

    Bosse unter sich dissen US-Präsident Trump

    Ich bin Boss. Boss-Kater. Muss ich sein – als Hauptstadtkater. Sag ich mir so. Auch wenn ich eigentlich keine Hierarchien mag. Aber Kater wie Mensch will geführt werden. Denke ich mir so. Nicht nur von Idioten, sondern auch mal von positiven Persönlichkeiten. Die die Initiative ergreifen. Die Perspektiven aufzeigen. Positiv. Selbst gestalten – und nicht gestaltet werden. Vor allem, wenn man wütend und zornig ist. Und das bin ich. Wie der andere Boss.

    Der menschliche Boss: Bruce Springsteen. Der auch nie so genannt werden wollte. Es aber mittlerweile akzeptiert hat, mit seinen 76 Lenzen. Der US-Rocker ist bekennender Trump-Hasser. Seine Aversion gegen die US-Administration wurde nun noch einmal gesteigert. Durch die brutalen Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE gegen Migranten – und Demonstranten – vor allem in Minnesota.

    Wo innerhalb von drei Wochen zwei 37-jährige US-Bürger getötet wurden. Und die Trump-Regierung sofort behauptete, ihre Bundesbeamten hätten beide Male in Notwehr gehandelt. Hätten eine gefährliche Terroristin und einen gefährlichen Waffennarren ausgeschaltet. Obwohl Videos zeigen, dass beide – die eine Künstlerin und Mutter dreier Kinder, der andere Krankenpfleger – keine Gefahr für die Beamten darstellten. Wurden sie brutal getötet. 

    Springsteen veröffentlichte nun nur vier Tage nach der Tötung des zweiten Demonstranten einen Protestsong. „Streets of Minneapolis“. Und ich tanze. Im Rhythmus der Gitarre. Weil ich sehe: Es gibt sie doch, die Amerikaner, die sich gegen den Trump-Schwachsinn, nein, diese unfassbare Brutalität und Dummheit wehren. Auf ihre Weise eben.

    Und ich höre die raue Stimme vom Boss: „Trumps Schlägertrupps schlugen auf ihn ein. Auf sein Gesicht. Auf seine Brust. Und Alex Pretti lag tot im Schnee. Sie behaupten, es sei Notwehr gewesen. Glaubt bloß nicht, was man selbst gesehen hat. Unser Blut, unsere Knochen, Trillerpfeifen und Telefone gegen die schmutzigen Lügen von Miller und Noem.“

    Mutig, denke ich so. Direkte Kritik an Trump und seinen wichtigsten Regierungsleuten, Miller und Noem. Und weiter dröhnt der Boss: „Oh Minneapolis, ich höre dein Weinen durch den blutigen Nebel. Wir erinnern uns an die Namen derjenigen, die gestorben sind auf den Straßen von Minneapolis.“ Dann sind die Demonstranten zu hören: „ICE out. ICE out.“

    Tut, was ihr könnt. Wehrt euch. Denke ich so. Der Boss vom Boss aufgestachelt. Und ich sehe gleich einen zweiten regierungskritischen mutigen US-Künstler. Der nochmal zwölf Jahre älter ist als Bruce. Philip Glass – Star der zeitgenössischen Musik. Er sollte seine 15. Sinfonie – ein Auftragswerk – im Kennedy-Center in Washington uraufführen. Eine Sinfonie über eine Rede von US-Präsident Lincoln 1883 zur Verteidigung der Demokratie.

    Vor ein paar Monaten ließ Trump den Kennedy-Center umbenennen – in Donald Trump und John F. Kennedy Memorial Center for the performing arts. Sich selbst machte Trump zum Vorstand der renommierten Institution. Glass schrieb, die Werte des Kennedy Centers stünden heute in direktem Widerspruch zur Botschaft der Sinfonie. Deswegen könne die Uraufführung dort nicht steigen.

    Ich fühle Freude in mir aufsteigen. Euphorie erfasst mich: Schreit. Kämpft. Lasst euch aufstacheln. Sagt der gestaltende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid bissig, äh, bossig. Und chillt, Leute!

  • 29. Januar 2026

    Der Tröster bin ich – und das Leiden der Welt seid Ihr

    Kater sind Tröster. Für ihre Menschen. Und ich frage mich so: Wer tröstet eigentlich uns? Wer tröstet eigentlich mich? Wenn ich vor lauter Trost-spenden vor dem Burn-Out stehe. Den auch Kater haben können. Really.

    Aber daran denkt eben keiner. Kein Mensch jedenfalls. Denke ich so. Während ich mich, um mein Leid sehr offen zu kommunizieren, mehr oder weniger subtil neben der Zeitschrift „Spiegel“ platziert habe. Da prangt eine Überschrift, von der ich denke – so passend. Für mich: „Kunst des Tröstens“. Heißt es da in großen Lettern. 

    Ich tröste meine Bruna. Die traurig ist, dass jüngst auf einer Kirchen-Freizeit für die sogenannten Teamer – Betreuer der neuen Konfirmanden -, bei der sie dabei war, die große Party nach 30 Minuten abgebrochen wurde. Weil viele Leute trotz vorheriger Absprachen, dass Alkohol und Drogen tabu seien, Bier tranken und Gras rauchten. Und ich denke so: Es wird immer so sein. Dass Menschen die immer gleichen Erfahrungen selbst machen müssen.

    Ich tröste Diego. Dem Eltern seiner Schwimmkids vorwerfen, die Sechsjährigen nicht schnell genug fit fürs Abzeichen Seepferdchen zu machen. Die Eltern machen Druck. Obwohl ihr Kind im Wasser noch wie ein ertrinkender Welpe paddelt. Und ihr Druck das Kind dann endgültig untergehen lässt.

    Ich tröste Felix, der es kaum mehr schafft, die Krisen der Welt journalistisch zu bewältigen. Weil sie zu schnell kreisen. Und die Kollegen weltweit ebenfalls kriseln. Immer weniger ihr Handwerk beherrschten. Behauptet Felix. Typisch alter weiße Mann eben. Denke ich – der junge weiße Kater. Früher war eben alles viel besser. Denken die Alten. So unreflektiert und oft. Es wird immer so sein. 

    Nun – und dann sehe ich heute auch noch diese Studien. Nummer eins: Eine Denkfabrik – yes, so heißt das Ding wirklich – in Washington will errechnet haben, dass der russische Angriffskrieg in der Ukraine mittlerweile auf beiden Seiten zwei Millionen tote, verletzte oder vermisste Soldaten verursacht habe. Bis Dezember seien allein rund 325.000 russische Soldaten gefallen, bis zu 140.000 ukrainische.

    Studie Nummer zwei: Stammt von der in Russland als Auslandsagentin eingestuften Deutschen Sacharow-Gesellschaft. Demnach sehen sich viele Russen von ausländischen Feinden umzingelt, während sie ihr eigenes Land als Opfer betrachten. O weia. Was Propaganda so macht…

    Und ich denke an Natasha – unsere ukrainische Freundin in Kiew. Sie schreibt, es werde  erneut massiver russischer Beschuss erwartet. Die Heizungen fielen ständig aus. Minus 20 Grad seien in den kommenden Tagen angekündigt. Zum Glück hat sie einen Kater. Denke ich so: Trost-Kater. Rudy.

    Und sehe: Coco frisst das Hühnerfleisch aus meinem Napf. Wer nur gibt mir Trost? In dieser trostlosen Welt. Und dann habe ich die Erkenntnis: Ich bin der Trost. Sagt der traurige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und sagt: Tröstet so viel ihr könnt. Und chillt, Leute. 

  • 28. Januar 2026

    Uhren-Storys: Fröstelnd von der Zukunft in den Weltuntergang

    Kälte überall. Ich hasse Kälte. Nicht nur draußen, wo selbst der weiße glänzende Schnee nicht verhindern kann, dass der Hauch der Düsternis in mein Revier zieht und mich umhüllt.  Sondern auch hier drinnen. Setzt sie sich fest. In mir. Denke ich so. Fröstelnd.

    Während ich oben auf dem Küchenschrank sitze. Unter der Jahrzehnte alten Werksuhr aus den Eilenburger Chemiewerken. Die mittlerweile seit drei Jahrzehnten nicht mehr tickt. Und bei sechs Minuten vor acht stehen blieb. Damals nach der Wende in den 90ern, als der Strom in der ehemaligen DDR-Vorzeigefabrik, in der Hans, Opa meiner Bruna, arbeitete, endgültig abgeschaltet wurde. 

    Auch die sogenannte Weltuntergangsuhr könnte bald aufhören zu ticken. Wenn man Wissenschaftlern in Washington glauben darf, steht es so schlecht um die Menschheit wie noch nie – zumindest seitdem diese Uhr eingerichtet wurde. Und das war 1947. Die Zeiger stünden nun 85 Sekunden vor Mitternacht – wobei Mitternacht das Ende bedeuten soll. So dicht sollen die Zeiger noch nie davor gestanden haben.

    Warum? Nun, die Wissenschaftler sagen, die Atommächte Russland, China und die USA agierten zunehmend aggressiv, die Klimakrise schreite voran, Künstliche Intelligenz entwickle sich quasi ungebremst. 

    Puuh, ich fröstle weiter. Höre dann aber von einer Uhr, deren Exit auch mal was Positives hat, wenigstens ein ganz klein bisschen… Nun, heute schalteten die Israelis diese Uhr nach 843 Tagen und zwölf Stunden in Tel Aviv auf dem Platz der Geiseln ab – weil endlich alle lebenden und toten Entführten aus dem Gazastreifen zurück in Israel sind.

    Gefeiert wird das von vielen als symbolischer Moment des Abschlusses. Nun, immerhin. Denke ich so. Und fröstelte trotzdem. Trotz des etwas positiven Zeitpunkts. 

    Denn die Zeit fließt weiter. An mir vorbei. Unbegreiflich. Für mein kleines Hirn. Kaum an Zukunft gedacht, ist Zukunft Vergangenheit und ihre Gegenwart nicht erfasst. Denke ich so. Erneut schaudernd. Und ich würdige Menschen mit Zeit, die beispielsweise Teilzeit arbeiten – um mehr Zeit für Leben, Gegenwart, Menschen und Kater zu haben.

    Ich hüpfe herab vom Küchenschrank. Weg von der kalten, stillstehenden DDR-Werksuhr. Hin zu Diego. Der entspannt auf der Bank sitzt. Liest. Und. Zeit. Hat. Für. Mich. Ich darf auf seinen Schoß. Mir wird warm. Sagt der entspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Nehmt euch Zeit. Und chillt, Leute!

  • 27. Januar 2026

    Schuss ins Herz des Weltenbestimmers und WM-Boykott

    Wie trifft man Menschen ins Herz, die tatsächlich denken, sie seien Weltenbestimmer. Quasi allmächtig. Kurz, Menschen, die nicht nur absolute Egoisten, sondern auch Narzissten sind? Frage ich mich so. Chillend auf der Zeitung in der Küche liegend.

    Fühle ich Aggressionen in mir aufsteigen. Als ich schon wieder in sein Konterfei blicke. Trump. Immer Trump. Überall Trump. Genau so, wie es der US-Präsident cool findet. Die mediale Dauerpräsenz. Ihn beißen bringt nichts. Also subtiler. Denke ich so. Drunterkriechen. Unterhöhlen quasi. 

    Klar, das ist bei mir nur ein symbolischer Akt. Der ihn nicht juckt. Aber Europa hat einen Hebel, um den Mann zu treffen, der mit seinem Ego die regelbasierte Werteordnung zerstört. Der in seinem Land unter anderem in Minneapolis eine marodierende Spezialeinheit einsetzt, die nicht nur erbarmungslos gegen Migranten, sondern auch gegen Demonstranten vorgeht. Der droht, Grönland, vielleicht auch Kanada und Kuba einzunehmen.

    Der willkürlich Zölle erhöht. Der den Staatschef eines souveränen Landes – den venezolanischen Präsidenten Maduro – aus seinem Präsidentenpalast in der Hauptstadt Caracas entführten lässt. Der in internationalen Gewässern Boote versenkt und Seeleute dabei tötet – mit der unbewiesenen Behauptung, die Boote würden Drogen transportieren. Der überall offensichtliche Lügen verbreitet – und sein Gift verspritzt. 

    Und ich muss das alles aufführen. Um zu glauben, was ich kaum glauben kann: Die USA sind autoritär. Geworden. In gerade mal einem Jahr.

    Ich krieche unter die Zeitung. Unter Trump. Weil auch Coco nun draufhaut. Auf Trump Gesicht in der Zeitung. Mit Ihrer Pranke. Schlägt sie Löcher in Trump Fresse. TUT. SO. GUT. COCO IST GROSSARTIG (DAS ZWEIGROSSARTIGSTE KATZENGESCHÖPF AUF DER WELT. NACH MIR. ). Würde Trump sich selbst in seinem Online-Sprachrohr Truth Social hypen.

    Und nun zurück, zu den Europäern. Die von Trump ja schon der Öfteren lächerlich gemacht wurden. Der ihnen Schwäche und Wehrlosigkeit vorwarf. Nun, Europa hat den Hebel, Trumps Ego zu kitzeln. Die Europäer könnten die anstehende Fußball-WM boykottieren. Seine WM, die seine Showbühne werden soll. Die WM steigt zwar nicht nur in den USA, sondern auch in Kanada und Mexiko. Die beiden Länder sind für Trump aber eh nur Staffage. 

    Ohne Deutschland, ohne europäische Teams – die WM wäre total entwertet. Und Trump stünde da – wie ein König ohne Kleider, äh, ohne Untertanen, sprich: Teilnehmer. Ich weiß, das wird nicht passieren. Aber schon die Debatte darüber ist gut. Wird ihn treffen. Und ich zerfetze die Zeitung. Mit Coco im Gleichschritt.

    Macht Spaß. Schafft Befriedigung ohne Ende. Sagt der boykottierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Zerstört, was euch kaputt macht. Und chillt, Leute. 

  • 26. Januar 2026

    Wie den USA ihr eigenes Grönland erwächst und ich Wärme finde

    Warm ist wichtig. Mehr als wichtig. Existentiell. Für mich. Und meine Spezies. Vor allem, wenn es draußen so bitter kalt ist wie derzeit. Und der Glanz des Eises das Grau der Wolken in mein Revier reflektieren lässt. So dass ich fröstelnd in die Küche schreite. Und den Platz der Plätze erspähe: Eine old school Zeitung, die  – absolut einladend – ausgebreitet auf dem Boden liegt.

    Ich liebe dieses wärmende Kuschelpapier. Und sehe, dass dadrauf dann auch noch ein Foto meines Lieblingshass-Menschen prangt: US-Präsident Trump. Passt. Denke ich so. Und spüre, wie mein Blut in Wallung gerät, als ich mich darauf platziere. 

    Die Wärme durchströmt mich. Wohlig. Als ich mich face-to-face zu Trump und seinem Vize JD Vance begebe. Die doch so unbedingt das von Dänemark kontrollierte Grönland haben wollen. Die arktische Insel mit dem ewigen Eis. Und ich frage mich, warum?

    Denn mittlerweile haben die USA ihr Grönland – im eigenen Land. Von Texas im Süden bis Michigan im Norden herrscht Ausnahmezustand – wegen krass viel Schnee und Kälte von bis zu minus 40 Grad. Ich sehe: Nicht mal Zuhause können die Trump-USA dem Winter trotzen. Eine Million Haushalte haben keinen Strom. Menschen sterben in der Kälte. Wie wollen die USA da Grönland verwalten? Wo es viel länger kalt ist. Frage ich mich so. 

    Und sehe, dass es in Deutschland nicht viel besser läuft – bei viel weniger Schnee und deutlich höheren Temperaturen. Nun, meine Bruna stöhnt, weil sie heute vier Kilometer zur Schule laufen musste, weil die Straßenbahnen nicht fuhren – die Oberleitungen waren vereist und eingefroren. Sie sind wohl auch morgen noch nicht abgetaut.

    Auch Laura bleibt keine Wahl – sie musste ebenfalls laufen, sechs Kilometer zur Klinik mit ihren psychisch kranken Jugendlichen. Gern hätte sie einen Uber oder ein Taxi gechartert – alle komplett ausgebucht. Wie auch die Miles-Mietwagen. 

    Anderswo trotzen Menschen der Kälte ebenfalls. Die Russen bombardieren die Ukraine weiter – und da vor allem Energieanlagen. Trotz extremer Kälte und laufender Gespräche über einen Frieden. Zehntausende sitzen in Kiew, Charkiw und anderswo in ihren ungeheizten Wohnungen und leiden. Frieren.

    Und in Minnesota in den USA gehen Menschen trotz Eiseskälte auf die Straßen und fordern den Abzug der Beamten der Einwanderungsbehörde ICE. Sie sind  – nach dem Tod eines bei einem ICE-Einsatz getöteten Krankenpflegers – fassungslos ob der Gewalt der Bundesbeamten. Und der Rückendeckung Trump für die brutale Einheit.

    Und ich beiße in die Zeitung. In Trumps Kopf. Schmeckt. Aromatisch – wahrscheinlich Druckerschwärze oder so. Sagt der erwärmte Hauptstadtkater. Der gerne über euch wachen würde. Und jetzt: Kuschelt Und chillt, Leute.