Hauptstadtkater

29. September 2026

Lost in Berlin: Handy-Diebe schlagen zu und ich kann nix tun

Es geht auch ganz anders: Die böse Welt. Gleich nebenan. Neben der guten. Kleiner Rückblick auf Sonntag: Neben dem netten italienischen Restaurant, in dem der sizilianische Inhaber Pepe seine Philosophie eines guten Lebens propagiert und allen Menschen anbietet, bei ihm seinen 100. Geburtstag zu feiern (you know: mein Beitrag von gestern), logieren die aus München kommenden Jette und Urs, Tante und der Onkel meiner Bruna, in einem Hotel.

Urs, der auch den Marathon mitläuft, geht um 7 Uhr in den Frühstücksraum, in dem sich zu dieser frühen Stunde scheinbar nur Marathongäste kurz vor dem Start stärken. Er holt sich einen zweiten Kaffee – und lässt sein Handy auf seinem Tisch liegen. Als er zurückkommt, ist das Handy weg. Erzählt Urs.

Ein Gast bestätigt, ein Typ habe sich das Handy eingesteckt. Und Urs – ist zwei Stunden vor dem Marathonstart voll lost in Berlin. Will die auf dem Handy gespeicherten Kreditkarten sperren. Ist aber gar nicht so einfach, sich ohne Gerät bei den Hotlines zu legitimieren. 

Stunden später erzählt der Hotelmanager, man habe die Täter auf Video. Es scheine sich um eine Diebesbande zu handeln. Zu sehen sei, dass vor dem Fenster des Frühstücksraums ein Mann gestanden habe, der zwei anderen an einem Tisch sitzenden Männern ein Zeichen gegeben habe, als Urs aufgestanden sei. Woraufhin einer der Beiden gekommen sei und sich das Gerät eingesteckt habe.

Eigentlich sei der Raum nur für Hotelgäste mit Zugangskarte betretbar. Habe der Manager erzählt. Aber klar, wenn einer rausgehe, könnten auch Fremde reingehen. Und Urs so: „Das waren Profis. Haben das Handy sofort ausgestellt. Aber: Auch nicht so schlimm, der Bildschirm des Handys ist gebrochen.“

Anzeigen will er den Diebstahl nicht. Viel Aufwand für wenig Ertrag. Übrigens: Heute gab es eine europaweite Razzia gegen Betrüger, die Handys aus alten Bauteile zusammenbauen und als fabrikneu im Internet anbieten… 

Ditte is Berlin. Denke ich so. Und Urs joggt sich den Frust von der Seele. Schafft den Marathon mit Bravour. Naturally. Läuft am Restaurant des netten Sizilianers vorbei. Pepe habe ihm sogleich einen Platz in einer Hängematte angeboten. Samt Grappa. Und Fußmassage. Erzählt Urs.

Plötzlich aber habe ihn ein ihm sehr bekannter, sehr spezieller Handyklingelton erstarren lassen. Der von ihm selbst kreierte Sound seines Handys – aus Pepes Tasche. Der habe seelenruhig das Handy – eindeutig seins (!!!) – hervorgeholt. Und dann gesagt: „Ja, Tisch für Kater Charlie, acht Personen, ist eingetragen. Für den 19. Juni 2122.“ Und ich denke so:  „Mein 100. Geburtstag. Nice.“

Urs sagt, in dem Moment, in dem er Pepe das Handy habe aus der Hand reißen wollen, sei er aus seiner Trance erwacht. Mitten auf dem Rasen vor dem Reichstag. Ohne Handy. Aber mit Medaille in der Hand. „Doch nix für alte Männer, Marathon.“ Denke ich so. Schade, denn ich würde gerne meinen 100. bei Pepe feiern. Sagt der bewegte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Passt auf eure Handys auf. Und chillt, Leute! 

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert