Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 14. Januar 2026

    Der Tritt der Crocs und der Grönland-Anspruch der USA

    Das Leben ist eine einzige Veränderung. Kürzlich noch war ich der große Kater, jetzt bin ich der kleine Kater. Weil Coco mich bereits nun – mit gerade mal einem halben Jahr – überragt. Früher wurden Veganer als Spinner abqualifiziert. Heute gelten sie als coole Trendsetter in Sachen Ernährung.

    Vor wenigen Jahren wurde US-Präsident Trump ob seiner absurden Idee, Grönland kaufen zu wollen, ausgelacht. Heute setzt dem US-Anspruch auf die arktische Insel kaum noch jemand ernsthaft etwas entgegen. Vor 16 Jahren galten Crocs – so eine Art Clogs aus Gummi und quetschbunt – als hässlichste Schuhe aller Zeiten. Heute sind diese Pantoffeln ein Mode-Statement. Und so besitzt natürlich auch meine Bruna Crocs. In Lila. Gefüttert. 

    Alles Änderung also. Allen Ernstes müssen sich heute Vertreter Grönlands und Dänemarks in Washington der US-Avancen für die Insel erwehren. Trump hatte schon vor dem Treffen in der US-Hauptstadt geprollt, alles andere als ein Grönland in US-Hand sei inakzeptabel. Das wiederum ist inakzeptabel für Dänemark, das die Insel verwaltet. Und natürlich auch für Grönland selbst. Am liebsten wären die rund 56.000 Einwohner der Insel eh autonom. Und nun? Man geht uneinig auseinander. Erst mal. 

    Warum Trump so scharf auf die Insel ist? Nun, die Rohstoffe dort, die durch die Klimaerwärmung leichter erreichbar sein dürften, sind ein Argument. Das Trump natürlich nicht offensiv vertritt. Ein weiteres Argument für ihn dürfte sein, einen weiteren Bundesstaat in die USA einzugliedern – für den 51. Stern auf der Flagge.

    Nun: Trump behauptet offiziell, rund um die Insel seien verstärkt russische und chinesische Schiffe beobachtet worden. Und bevor eines dieser beiden Länder Grönland einnehme, wollten die USA die Insel kontrollieren. Und dort ihren Raketenabwehrschirm installieren. Hmmm, klingt erst mal logisch.

    Allein – denke ich dann so –  häh, Dänemark ist Nato, die USA sind Nato, die USA können dort doch Truppen schon jetzt hinschicken, so viel sie wollen. Unabhängig, ob Grönland nun direkt zu den USA gehört oder nicht. 

    Und mir wird klar: Es geht den USA nur um Erweiterung des eigenen Einflussbereichs. Wie es auch meiner Bruna mit ihren Crocs nicht um warme Füße geht, sondern um das Symbol. Wenn sie mit den Pantoffeln cool im Schnee stapft. Und ihre Crocs ein Statement sind. Wie Grönland ein Statement für die USA.

    Denke ich so. Und spüre die Schlappen auf mir. Fürs Foto. Das Felix schießen will. Ich halte still. O weia. Menschen. Sagt der veränderte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Wagt den Change. Und chillt, Leute

  • 13. Januar 2026

    Die Diktatorin im Katzengewand und Trump ist der Stärkste

    Sollte ein Katzenwesen tun, wozu immer es fähig ist? Worauf es gerade mal so Lust hat? Chaos wäre das Ergebnis. Und dementsprechend „nein“ meine Antwort auf meine eigenen bescheuerten rhetorischen Fragen. Für die es natürlich einen Grund gibt: Denn Mensch fordert sie geradezu heraus. US-Präsident Trump. 

    Der will die Welt so machen, wie sie ihm gefällt. Ohne Rücksicht auf andere. Ohne Rücksicht auf Regeln. Für ihn gilt nur das Recht des Stärkeren. Und Trump geht davon aus, dass sein Land und er die Stärksten sind. Auf der Welt.

    Also lässt er den venezolanischen Präsidenten Maduro aus dessen Palast in der Hauptstadt Caracas entführen. Also droht er, Grönland zu vereinnahmen. Also warnt er den Iran vor US-Angriffen, falls dieser weiter brutal gegen Demonstranten vorgeht. 

    Trump kennt keine Grenzen. Oder doch – es gebe etwas, das ihn in seiner Machtausübung einschränke, sagte er vor Kurzem in einem Zeitungsinterview: „Meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann.“ Und ich denke so: Super-Gau – Trump und Moral, Trump und Verstand. Ein Nullsummenspiel. 

    Trump behauptet, das Völkerrecht brauche er nicht. Zwar solle sich seine Regierung an internationale Rechtsnormen halten. Aber welche das seien, entscheide er.

    Und ich sehe Coco. Die meine Leckerli klaut. Die mich kratzt. Die die historischen Sessel zerkratzt. Die Felixens Platz belegt. Die die Herdplatten blockiert. Und dann die Badewanne besetzt. Die also tut, was sie willl. Worauf sie eben so Lust hat. Ohne Rücksicht auf unsere Gemeinschaft. Weil sie keiner stoppt. Und sie glaubt, sie sei die Stärkste. Chaos. 

    Und ich denke so: Sie ist eben eine Diktatorin im Katzengewand. Aber ich vergebe ihr. Sie ist ja noch ein Baby. Die Hoffnung bleibt. Auf Besserung. Und ich sehe, wie sie meiner Bruna Kraft spendet. Die nach einem weiteren Praktikumstag bei ihrer Ergotherapeutin erschöpft zu uns ins Revier kommt. Nachdem sie einer 87-Jährigen das Gehen wieder beibrachte. Und einem vierjährigem Kind mit Down-Syndrom das Spielen zeigte.

    Nun, Coco kann gut sein. Und Chaos nicht nur verursachen, sondern auch eindämmen. Selbst beim Trockenbaden. Sagt der entgrenzte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Würdigt die anderen. Und chillt, Leute.

  • 12. Januar 2026

    Cocos Run in die absolute Freiheit

    Freiheit! Absolute Freiheit. Coco hatte sie. Heute. Glaubte sie jedenfalls. Am Anfang. Als sie plötzlich draußen war. Weil Felix nicht gerafft hatte, dass Coco in seinen Rucksack sprang. Den er aufsetzte. Auf seiner Radtour durchs winterliche Berlin. Und Coco so – hernach vollkommen aufgeregt. Weswegen ich an dieser Stelle nun mal – ausnahmsweise – ihr das Wort überlasse. 

    Cocos Erzählungen also: „Krass. Prickelnd“, beginnt sie ihre Story. „Plötzlich fühlte ich mich mitsamt meiner Rucksack-Höhle hochgehoben – Felix trug mich raus. Und ich konnte kaum glauben, dass er nicht merkte, dass ich direkt hinter ihm war. Hinter seinem Kopf. Und sich unsere Atemfontänen draußen zu einer Säule verbanden.

    Euphoria. Die kalte Luft, die um meine Nüstern wehte. Der Duft nach Kötern, Schnee, Benzin. Verschneite Tannen. In der City. Ich sah Bruna, auf dem Weg zu ihrer Ergo-Therapeutin, wo sie heute ihren ersten Praktikumstag absolvierte. Und ich dachte so: Arme Bruna, wie unfrei.

    Felix radelte weiter, am Rodelberg Friedrichshain vorbei. Wo ich Diego neben einem Krankenwagen stehen sah. Felix stoppte. Diego deutete auf seinen Freund Flo, der von Sanitätern versorgt wurde. Beim Schlittenfahren seien sie gegen einen Zaun geknallt, Flo habe wohl seinen Arm gebrochen, sagte Diego. Und ich dachte so: Armer Diego, armer Flo, wie schmerzhaft. Wie unfrei. 

    Felix radelte weiter. Blinkende Lichter. Auf dem Alex. Und ich sah ein überdimensionales Plakat mit den Lettern: „Frei. Will. Ich.“ Genau das, was ich heute so machte. Und ich dachte so: Vielleicht hat es der Mensch doch drauf. Und erkennt Prioritäten. Tun, was man will. Denken, was man will.

    Und ich merkte: Ich war da, wo ich immer sein wollte: Frei eben. Und dann las ich weiter: „Das Plakat warb für die Bundeswehr. Für den Wehrdienst. Eher unfrei. Dachte ich so. Und sah die Ambivalenz. Zweifelnd. Kaum hatte ich das gedacht, spürte ich einen dumpfen Aufprall.

    Felix war gestürzt. Mit dem Rad. Auf dem Eis des Platzes. Und ich so – raste aus dem Rucksack. Raus. Über den Platz. Hörte Felixens Schreien: „Coco, Du hier? Komm zurück.“ Ich sah die Lichter einer Straßenbahn auf mich zukommen. Schreiende Menschen. Und ich: In Vollpanik. Die meinen Freiheitsdrang erstickte. Bis mich dann endlich Felix packte. Und zurück verfrachtete. In Charlies Revier. Hier.“

    Coco ist zurück. Schnurrt neben mir. Mit mir. Und ich denke so: Was ist eigentlich Freiheit? Klar ist nur, sie ist nicht einfach. Tut auch weh. Ist anstrengend. Muss erkämpft werden. Sagt der befreite – und erwachte  – Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Feel free. Und chillt, Leute!

  • 11. Januar 2026

    Macht Euch nackig und Musks Chat-Bot

    Nacktheit ist ein typisch menschliches Problem. Das wir Kater und Katzen nicht kennen. Also – wenn es die Menschen nicht gäbe, die uns dafür sensibilisiert haben. Und beigebracht haben: Dass Nackt-Sein was mit peinlich und Scham zu tun hat. Mit Sex und ja, auch: Missbrauch. Weswegen Menschen ihre Nacktheit verbergen wollen und Stoffe auflegen. Meist. Jedenfalls.

    Es gibt aber auch die anderen. Menschen. Die nackt cool finden. Für die hat Techmilliardär Musk einen Chatbot namens Grok entwickelt. User können diesem Grok befehlen, die auf einem Foto eingestellten Personen zu entkleiden. Finden viele Menschen aber gar nicht lustig. Weil sie eben keine Lust haben, von anderen per KI nackig gemacht zu werden. 

    Tja, ich räume ein, wenn Angezogen das Normal ist, dann ist es schwer, eigene Nacktheit öffentlich zu ertragen. Auch wenn so einige Menschen ja so etwas wie FKK feiern. Oder im Sommer durchaus nur ganz winzige Lappen anziehen. Das aber, ja, das ist selbstbestimmt.

    Wenn Fremde dann aber per KI-Bot Grok nicht nur Frauen und Promis, manchmal auch Männer, sondern auch Kinder und Jugendliche nackig oder extrem wenig bekleidet darstellen. Und diese sogenannten Deepfakes im Netz verbreiten. Damit sich andere daran ergötzen. Dann ist das pervers. Und kriminell. Finde auch ich. 

    Weltweit wird Musk nun gedroht – mit Geldstrafen und Regulierungsmaßnahmen. Indonesien ist das erste Land, das die Plattform sperrt. Großbritannien prüft ebenfalls ein Verbot. In Frankreich klagen Frauen gegen die Plattform. Und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen fordert, die Entkleide-Funktion müsse entfernt werden, sonst, ja sonst … – drohten Musk Konsequenzen.

    Tja, ob der X- und Tesla-Chef sich davon aufhalten lässt, frage ich mich so. Dann wahrscheinlich eher vom Vize von US-Präsident Trump. JD Vance zeigt sich erstaunlicher Weise besorgt über „hyperpornografischen Schund“, der verbreitet werde. Und hält Regulierungen für akzeptabel. 

    Ich muss denn nun doch auch einräumen: Wahrscheinlich ist es nach dem angeblichen Sündenfall im Garten Eden, in dem Adam und Eva ihre Unschuld verloren, doch eine gute Idee, dass sich Menschen Felle überstreifen. Und bekleiden. Denn: Felix nackt – gute Nacht. Muss nicht sein. Dann lieber ganz viel Wein. He he.

    Und auch klar: Menschen sind eben triebgesteuert. Können sich nicht beherrschen, wenn ihnen ein attraktiver Artgenosse über den Weg läuft. Und frieren schnell. Ok, dann sollen sie sich eben anziehen. Denke ich so.

    Und kuschle mich an Diego. Der dank seiner Trainingsklamotten extrem weich und anschmiegsam ist. Und durch die Jacke auch nicht so empfindlich. Wenn mir mal eine Kralle ausrutscht – und seinen Arm trifft. Sagt der fellige und trotzdem nackte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt. Macht euch locker und nackig. Und chillt, Leute. 

  • 10. Januar 2026

    Die hohe Kunst der Manipulation und Venezolanerin leimt Trump

    Manipulation ist die hohe Kunst. Des Katers. I guess. Jemanden also suggerieren, er tue etwas, was ihm nutze. Und dabei gar nicht merkt, dass vor allem ich profitiere.

    Kleines Beispiel gefällig? Also: Ich springe – in Sichtweite zu Coco – auf den Arm meiner Bruna. Kuschel as Kuschel can. Sehe Cocos gierigen Blick. Weiß, sie will da sein, wo auch ich bin, trotz des Napfs voller Leckerli hinter ihr. Und ich so: Winde mich in den Armen meiner Bruna. Mache Platz für Coco. Die nun triumphierend auf dem Arm meiner Bruna chillt: Schnurr as schnurr can. Höre ich. Mein Weg ist frei. 

    Menschen versuchen sich auch mehr oder weniger erfolgreich in der Taktik der Manipulation. Da ist die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin Machado. Die widmete US-Präsident Trump schon nach der Verleihung des Friedensnobelpreises vor wenigen Wochen die Auszeichnung. Leckerli quasi. Denke ich so.

    Nun sagte Machado allen Ernstes, sie könne sich eine Weitergabe des Preises an Trump vorstellen. Als Zeichen der Dankbarkeit ihres Volks für die Entführung des diktatorischen Präsidenten Maduro vor wenigen Tagen. Und Trump so: „Ich habe gehört, dass sie das tun will. Es wäre eine große Ehre,“ Schon davor hatte er mehrfach deutlich gemacht, dass eigentlich er selbst sich als würdigen Preisträger betrachtet. 

    Nun, Machados Taktik ist für mich offensichtlich. Trump ist zu geblendet vom eigenen Ego, von den Schmeicheleien, als dass er sie durchschauen könnte. Machados Ziel: Trump für sich einnehmen, damit er sich für sie als Nachfolgerin Maduros einsetzt.

    Denn nach dessen Sturz hatte er Machado abgesprochen, die Unterstützung ihres Volks für das höchste Staatsamt zu haben. Und setzte erst einmal auf eine andere Frau. Und ich denke so: Bei Trump könnte Machados eigentlich so plumpe Taktik fruchten. Wobei sie dann auch wenig verlieren kann: Denn trotz einer Weitergabe würde sie Preisträgerin bleiben. Die Auszeichnung kann qua Statut gar nicht übertragen werden.

    Ich rase zu Cocos Napf mit den Leckerli. Und sehe, wie meine Bruna ihr aus ihrer Jackentasche Leckerli zaubert. Und sie der in ihrem Arm schnurrenden Katze gibt. Puh, krass, denke ich so. Wer manipuliert hier wen? Manchmal alles gar nicht so eindeutig. Wie es scheint. Sagt der schmatzende Hauptstadtkater. Und jetzt: Manipuliert und chillt. Leute! Makes fun.

  • 9. Januar 2026

    Mein Herz, so weiß und Grönland, so heiß begehrt

    Boah, Digga, ist das nice. Und mir entfährt, beim ersten morgendlichen Blick aus meinem Revier,  ein begeistertes: „Wow“! Was mich sogleich Zusammenzucken lässt: Wie peinlich-hündisch. Denke ich so. Also: „Miau.“

    Draußen ist alles weiß. Wie ich. So rein. So friedlich. So still. Unten, die sonst so graue Straße – ein glitzernder weißer Teppich. Auf dem keine Autos rasen, sondern Schlitten gezogen werden. Auf der Kinder Schneebälle werfen. Erwachsene jauchzen. Hinter ihnen weiß bestäubte Bäume. Alles gedämpft. Nur von Ferne das Rauschen eines Schneepflugs zu hören. Und mein Herz: Eingehüllt vom Weiß. Really. Auch wenn es kitschig klingt. He, he. Es ist so. Really.

    Die Welt in Zeitlupe. In Watte verpackt. Achtsam quasi. Denke ich so. Wohl wissend, das Privileg zu haben, auf dem Fensterbrett über der ballernden Heizung zu sitzen, die mein Pofell fast versengt. Der Opa meiner Bruna meldet sich aus Hamburg: Dort habe es 20 Zentimeter Neuschnee gegeben. Schule fällt aus, Busse und Bahnen fahren nicht mehr.

    Stopp also. Tut mal ganz gut. Denke ich so. Wenn Mensch nur mal Natur achten würde. Und zuhause bliebe. Bei solchen Wetterereignissen. Macht er nicht. Und so gibt es Unfälle, Staus – und er muss sich über Bahnausfälle wegen vereister Weichen ärgern. 

    Nun, Opa Volker sagt: „Früher waren solche Schneefälle ganz normal.“ Ein Meteorologe findet das auch: „Nichts Außergewöhnliches. Winter eben.“ Und ich denke so: Kommt eben darauf an, seit wann man lebt. Für mich mit meinen drei Lenzen ist das schon außergewöhnlich…

    Kommt aber natürlich auch darauf an, wo man lebt. Im Norden, in der Arktis, nun, da kennt man nichts anderes. Da liegt ja nun auch Grönland, die von US-Präsident Trump so begehrte Insel. Eisfrei ist nur ein Fünftel ihrer Fläche.

    Was den USA nichts macht: Zum einen behaupten sie, Grönland sei mit seiner Lage vor Nordamerika strategisch wichtig. Zum anderen sollen unter dem – angesichts des Klimawandels vielleicht gar nicht mehr so ewigen – Eis, krasse Bodenschätze lagern. Trump schließt einen Militäreinsatz nicht aus, um die Insel zu bekommen. Obwohl diese dem Nato-Partner Dänemark gehört. 

    Nun hat die US-Regierung ins Gespräch gebracht, den rund 57.000 Grönländern jeweils 100.000 US-Dollar zu bezahlen, wenn sie einem Deal zustimmen. Und ich denke so: Schlagt ein, liebe Grönländer. Nehmt das Geld – ihr habt eh nicht über einen Deal zu entscheiden, sondern wenn, dann die Regierungen Grönlands und Dänemarks.

    Also: Keep cool. Calm down. Denke ich so. Und peitsche den Schneeball, den meine Bruna zu mir wirft. Er zerbirst in zig Flöckchen, die sich auf Cocos Fell verteilen. Sie weißen. Und sie mir gleichmacht. Ein bisschen. Sagt der verzauberte  Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt den Schnee. Und chillt, Leute.

  • 8. Januar 2026

    Spülmaschinenträume und Trumps Realitätsverlust

    Lieblingsorte sind divers. Coco sitzt derzeit gerne in der Spülmaschine. Ganz hinten. Im Dunkel. Wo der Rest-Kakao vermischt mit Orangensaft und Wein auf  ihre Nase tropft, während ihre Pfoten im von Tellern abgetropften Fett stolzieren. She really likes it. Warum auch immer.

    Vielleicht um abzulenken. Denke ich so. Von der von ihr kurz zuvor zerstörten Lichterkette, an die sie sich gehängt hatte. Oder den zerfetzten Lindt-Krokant-Zapfen, deren Schokosplitter nun den Boden übersäen.  Was sie übersehen haben könnte: Die regelmäßige Spülung. Von der sie überflutet werden kann. Mit stinkendem Schaum. 

    Und schon bin ich wieder mal bei Trump. Dem US-Präsidenten. Der die Welt mit seinem really stinkendem Bullshit und Egoismus überflutet. Sodass Reaktionen ob der Reizüberflutung gar nicht mehr möglich sind. Sondern nur noch atemloses Verfolgen des absurden Schauspiels.

    Und  so bestimmt der Typ die Agenda. Mit seinem Flooding. Seinen Affären – verdrängt ob der Kriege, die er beendet und führt oder wie auch immer. Seinem Abschiebewahn von angeblich illegal im Land lebenden Migranten – verdrängt von der Entführung des Präsidenten eines souveränen Staats. Seinen Grönland-Annexionsplänen verdrängt vom Austritt aus internationalen Organisationen. And so on. 

    Er kennt nur seine eigene Realität. Gestern erschoss ein Beamter seiner Abschiebungsbehörde ICE in Minneapolis eine Frau, die gegen eben jene Behörde in ihrer Stadt protestierte. Und ihr Auto mitten auf die Straße gestellt hatte. In einem Video sehe ich, wie der Beamte auf sie schießt, obwohl das Auto nur im Schritttempo in seine Richtung rollt und dann sogar auszuweichen versucht. Der Beamte schießt trotzdem drei Male.

    Trump spricht sofort von Selbstverteidigung des Beamten, der bedroht worden sei. Die Frau war 37, Mutter von drei Kindern, unbescholtene Demokratin. Der Bürgermeister der Stadt sagt, Trumps Darstellung sei Bullshit. Und ich denke so: Ja, Trumps Realitätsverweigerung.

    Die Aufregung darüber wird schon wenige Stunden später geflutet: Trump kündigt an, sein Land werde sich aus 66 internationalen Organisationen zurückziehen. Organisationen, die sich um Klima- und Umweltschutz, die Förderung der Demokratie und von Minderheiten, Geschlechtergerechtigkeit kümmern. Trump begründet seinen Schritt damit, diese Institutionen seien antiamerikanisch.

    Coco verheddert sich im Gestänge der Geschirrablagefächer. Ein Teller knallt auf den Boden. Coco hüpft heraus. Abgesehen von Fettresten – ungeflutet. Aber antikatzisch. Sagt der reizüberflutete Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Checkt die Spülmaschine, bevor ihr sie anstellt. Und chillt, Leute!

  • 7. Januar 2026

    Extreme Warnung vor Entwarnung und Kapern russischer Tanker

    Mein Chillen wird heute Morgen abrupt unterbrochen. Gegen 9.30 Uhr. Es dröhnt, schrillt, hämmert. Unrhythmisch. Disharmonisch. Und hört nicht auf. Weil alle Handys meiner Leute hier in meinem Ostberliner Revier zugleich vibrieren und schreien.

    Meine Leute dann auch. Felix so, vollkommen schlaftrunken aus dem Bett gestürzt: „No, jetzt also auch hier. Extreme Warnung. Stromausfall Berlin.“ Gesendet über den Mobilfunkdienst Cell Broadcast. „Hätten wir uns doch ein paar Vorräte und Wasser kaufen sollen“, meint er weiter.

    Um dann düster hinzuzufügen: „Boah, ist das krass, wenn diese Linksextremisten es erst vor einigen Tagen geschafft haben, 45.000 Berliner Haushalte im Südwesten lahmzulegen – und jetzt ganz Berlin. Dann sind die entweder ziemlich gut. Oder die Sicherheitsvorkehrungen verdammt schlecht. Oder sind es doch die Russen. Und ist Krieg?“

    Ich sehe: Das Licht brennt. Cocos Zimmerbrunnen plätschert. Der Wasserkocher blubbert. Der Computer surrt. Merkt dann irgendwann auch der apokalyptische Felix. Macht sich locker. Und klickt die im Warnhinweis angegebene Webseite an: „Im Laufe des Tages startet die Wiederversorgung der vom Stromausfall betroffenen Gebiete“, heißt es da. Und: Es könne zu kurzen Stromunterbrechungen kommen.

    „Ditte is Berlin“, ruft Felix. Und es schüttelt mich. Weil ich es hasse, wenn er, der Niedersachse, versucht, Berliner Slang zu imitieren. Aber ich räume ein, in der Sache hat er mal recht: Eine extreme Warnung für die Entwarnung. Wie kurios. Eine Entwarnung, die dann auch nur einen Teil der Stadt betrifft. Wo nun immerhin endlich wieder nach rund vier Tagen Strom fließen soll.

    Und das Bibbern ein Ende haben könnte. Denke ich so. Und höre, dass das für den Regierenden Bürgermeister Berlins wohl nicht gilt. Der ging wenige Stunden nach Beginn des Stromausfalls Tennis spielen.

    Und ich denke so: Für Krisenmanagement ist Mensch offenbar nicht geboren. Spaß als Landesvater während die sensiblen Landeskinder frieren und sich ängstigen. Nun, mein Fell ist dick. Ich hätte heute mal ganz gerne Stromausfall. Wenigstens für ein paar Stunden.

    Denke ich so beim Blick auf meinen täglichen Trump. Den ich ohne Strom dann nicht ertragen müsste. Heute also ließ der US-Präsident einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker entern – im Nordatlantik, bei Schottland. Das Schiff soll sanktioniertes venezolanisches Öl transportiert haben.

    Die Russen sind über die Aktion natürlich überhaupt nicht amüsiert. Es sollen sogar russische U-Boote unterwegs gewesen sein Richtung Tanker. Und ich fürchte schon – ist das nun der Tropfen, der das Fass Weltfrieden überlaufen lässt?

    Fühle mich den Ängsten Felixens nahe. Und schalte ab. Für heute. Auch ohne Stromausfall. Es reicht. Trotz der bollernden Heizung ist mir cool.

    Und ich kuschle mich auf den Schoß des dauerentspannten Diegos. Der sein Tor zur Welt, sein Handy, abgelegt hat. Yes, he can. Zweisamkeit. Stärkt. Sagt der gewarnte Hauptstadtkater. Der über euch – auch ohne Warn-App – wacht. Und jetzt seid beruhigt, schaltet ab. Und chillt, Leute.

  • 6. Januar 2026

    Die Katze hängt im Weihnachtsbaum und die Kälte in der Schule

    Die Katze hängt im Weihnachtsbaum. Wie eine Christbaumkugel. Really. Es ist so. Coco will die Tanne nicht aus dem Wohnzimmer gehen lassen. Die aber schon seit Tagen keine Tanne mehr ist, weil die meisten Nadeln aufgehäuft unter ihr liegen. Nach wilden Coco-Attacken auf die an den Ästen des Baums baumelnden erzgebirgischen Engelchen.

    Felix und Diego wollen die traurigen Überreste des Torsos entfernen. Versuchen, den Baum nach draußen zu schleifen. Mit der dagegen kämpfenden Coco im Astgeflecht. Die das Ding, unter dem sie stundenlang chillte, nicht gehen lassen will.

    Absurd. Mal wieder. Denke ich so. Sehe meine Bruna. Die eben nach Hause kommt. Bibbernd. Blaugefärbte Hände. Vor Kälte. Weil in ihrer Schule fast alle Heizungen ausgefallen waren. Trotzdem sei der Unterricht durchgezogen worden. Sagt sie. Als ob es kein Online gäbe. Denke ich.

    Die Mathearbeit mit den drei Unbekannten wurde zur Hölle mit noch weniger Bekannten. The show must go on. Denke ich so. Und sehe, wie Coco aus dem Baum kracht, beim Versuch, die Tannenspitze zu krallen. Und von Diego ergriffen und ins Badezimmer gesperrt wird. Horror.

    Beim Raustragen des Baums treffen meine Leute Nachbarin Jana. Die wollte aus ihren Kurzurlaub in Ostfriesland eigentlich schon gestern wieder zuhause sein. Aber schon nach 80 Kilometern sei Schluss gewesen, erzählt sie. Die Bahn sei wegen des Winterwetters in Bremen gestrandet. Und sie habe sich ein Hotelzimmer gesucht. 24 Stunden für 450 Kilometer.

    Und ich gelange mal wieder zum unvermeidlichen US-Präsidenten Trump. Der erneut sagt, notfalls wolle er mit dem Militär die Kontrolle über Grönland erlangen. Was einst als bekloppter Witz angesehen wurde, hat nun nach dem Militäreinsatz in Venezuela eine neue Qualität. Es ist tatsächlich vorstellbar, dass die USA Nato-Partner Dänemark ins Visier nehmen, weil die Dänen für die Verteidigung der Arktikinsel verantwortlich sind.

    Und ich denke so: Die Nato-Staaten kämpfen gegeneinander. This is the end – and you know it. Was sollte China dann noch groß abhalten, Taiwan zu erobern. Warum sollte Russland nicht die Ukraine erobern? Wenn die USA ein souveränes Nato-Land angreifen. Mit der Begründung, es gehöre zu ihrer Hemisphäre.

    Und ich höre die randalierende Coco im Bad. Höre, wie sie die dort die von Laura vor ihr gerettete Palme vom Bord fegt. Deren Tontopf zerschellt. Es ist eben alles nicht so easy. Am Ende der Weihnachtszeit. Sagt der bibbernde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hängt die Katze ab. Und chillt, Leute.

  • 5. Januar 2026

    Ohropax für alle und nackte Berliner Saunagespräche

    Lärm. Ist. Unerträglich. Für mich. Wenn Laura also mal wieder hysterisch ausrastet, nur weil ihre beiden Ohropax-Stöpsel nun mal wirklich wie Springmäuse funktionieren, wenn sie mit (m)einer Pfote durchs Bett gepeitscht werden, dann spüre ich Hitze in mir aufsteigen. Ich will das Gekeife von Laura nicht hören. Ich will spielen. Spielen. Spielen. Die Stöpsel sind nicht zu stoppen. Ich nicht, der Drang nicht. Laura nicht. Bis die Stöpsel unterm Bett liegen. Unerreichbar. Für Laura. Und mich. Scheinbar.

    Laura kennt ihn. Den uralten Menschenspruch: Der Ton macht die Musik. Den Spruch zitiert sie nämlich gerade – in Zusammenhang mit einer Sauna-Story ihrer Freundin Josephine – der Futtersklavin meines verehrten Katers Iby. Josephine also war jüngst in einer Berliner Dampfsauna – als sie die Tür öffnete, schallte ihr entgegen: „Tür zu, wird kalt.“ Als sie dann ihr Handtuch ausbreitete, meinte derselbe Typ, das sei unhygienisch.

    Josephine wollte nicht darauf eingehen, aber der Typ brabbelte weiter auf sie ein. Und irgendwann erwiderte Josephine: „“Halt doch einfach mal die Schnauze.“ Was den Gegenüber so empörte, dass er sich in voller Schönheit vor Josephine aufbaute und meinte, er wolle nur sachlich aufklären – und sich nicht beleidigen lassen. Immerhin, er habe dann die Sauna verlassen.

    Und ich denke so: Leben und leben lassen. Warum nur macht ihr es euch so schwer, ihr Menschenkinder? Und gebt mir – und ok, auch Cocolina – einfach genug Ohropax. Wat`n geiles Spielzeug. So geil, dass ich in meiner Euphorie mal so richtig ehrlich mache: Bei Ohropax hätte wohl auch ein anderer Ton Lauras nichts genutzt. Selbst wenn sie mich freundlich flötend in höchsten Frequenzen gebeten hätte, die Stöpsel freizugeben – so mit: „Mausi, hör doch mal bitte auf damit.“ Hätte ich weitergemacht. Weil ich Musik eh nicht mag, egal ob Heavy Metal oder Klassik.

    Aber in der Sache – es wäre eine Diskussion möglich gewesen. Really. He he. Denn ich bin doch vernunftbegabt. Und weiß: Laura braucht die Stöpsel. In der Nacht. Für ihre Ruhe. Wenn Coco und ich rasen. Und nicht stoppen können. In der Kurve. Vor der Schlafzimmertür. Und voll dagegen ballern. Aber: Kaufe sie, die Laura, doch einfach mehr der Stöpsel. Sind doch nicht teuer. 2,35 Euro das Zehnerpack, online. Und dann: Sind welche für alle da. Für sie. Für Coco. Für mich. Glück. So einfach.

    Ich höre den russischen Ex-Kremlchef Medwedew. Der auch einen krassen Ton drauf hat. Und ich denke so: Beängstigend, wenn sich das als neuer diplomatischer Standard durchsetzt. Nun, Medwedew sagt, er könne sich analog zur Entführung des venezolanischen Präsidenten Maduro durch die USA ähnliche Aktionen gegen andere Regierungschefs in der Welt vorstellen, beispielsweise die Entführung „des Neonazis Merz“. Es gebe sogar Gründe, den Bundeskanzler in Deutschland zu verfolgen, daher wäre es kein Verlust.

    Und ich? Würde mir nun ob dieses Gesülzes gerne doch selbst Ohropax in meine Löffel schieben. Geht nicht. Passen nicht. Und so krieche ich unters Bett. Schieße die vermissten Stöpsel raus. Jage sie. Während Laura chillt. Und auch Coco sich entspannt hinlegt. Aber: Immer bereit zum Spiel. Sagt der wilde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hört. Und chillt, Leute.