Hauptstadtkater

Chillen, Checken, Schnurren – meine Gedankenfetzen zum Absurdistan der Welt. Ansichten eines weißen Katers im Chaos.

  • 21. Oktober 2025

    Barcelona – die surreale Hauptstadt der Köter

    Auch ich kann mir natürlich andere Welten imaginieren. Welten, in denen ich auf Bäume klettere, in denen ich nicht kastriert bin, in denen Vögel um mich flattern, denen es auch nichts ausmacht, wenn ich sie mal treffe und Spaß mit ihnen habe. Nein – die das sogar mögen. Und dabei fröhlich zwitschern. Oder so.

    Das ist, liebe Freundinnen und Freunde – natürlich alles surreal. „Jenseits der normalen Realität“, erklärt mir die KI. Bedeute surreal. Wobei ich mich frage: Was ist normal? Was ist Realität? Nun, was ich meine: Es ist eine bizarre Verzerrung dessen, was ich sonst so wahrnehme. Alles ist seltsam. Unerwartet.

    Es gab mal eine Kunstrichtung, die sich Anfang der 1920er Jahre entwickelte: Der Surrealismus. Die Künstler wollten die sogenannte Realität durch die Darstellung von Träumen und Fantasien überwinden, karikieren. Meine Leute waren jetzt ganz in der Nähe von Barcelona beim Gott des Surrealismus: Salvador Dali.

    Der baute aus einem Theater in seiner Geburtsstadt Figueres ein Museum. In dem er seine Kunst installierte. Und meine Leute erzählen – angetan. Dass sie dort ob der vielen Gänge in dem Haus die Orientierung verloren, dann in ein Schlafzimmer gelangten, dort neben dem Bett ein Gorillagerippe sahen, daneben ein Gemälde mit zerfließenden Uhren.

    Und dann noch Maria. Überall Skulpturen von Eiern. Die Atomisierung der Welt. Mache ihn fertig. Sagt Dali. Sagen meine Leute. Und ich frage mich, was er meint. Was sie meinen.

    Mich macht was anderes fertig. Dass meine Leute sich in eine Stadt verliebt haben, in denen eine Spezies gefeiert wird, die mir nicht allzu nahesteht: Ich höre, Barcelona sei die Stadt der Köter. Parks ohne Ende. Nur für sie. Sie dürften in Bussen und Bahnen mitfahren. Kostenlos. Weil sie keine Tiere seien. Sondern menschliche Begleiter.

    180.000 Köter sollen bei rund 1,7 Millionen Einwohnern in der Stadt leben – registriert. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Das sind mehr Köter als Kinder unter zwölf in der Stadt…. Und ich denke so: Cheers. Ihr habt es geschafft. Köter. Glückwunsch!

    Tja, es liegt eben auch an der Einstellung der Menschen. In Barcelona wird behauptet, Köter seien die perfekten Großstadttiere, weil sie die besten Freunde des Menschen seien. Der sonst an Einsamkeit ersticke. Und in Berlin behaupten sie, Köter passten nicht in Großstädte. Hier gebe es keinen Platz für Auslauf. Was nun stimmt? Ansichtssache. Die sich stetig ändert. Surreal. Eben.

    Ich blicke auf Coco. Die chillt. Endlich mal. So muss es sein. Auch surreal. Für mich. Weil sie eigentlich immer in Aktion ist. Und mich nervt. Sagt der träumende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt Leute: Chillt.  

  • 20. Oktober 2025

    Perspektivwechsel: Barcelona für Palästina

    Meine Leute streunen derzeit ja durch Barcelona. Eine Stadt, in der sich viele Menschen einen eigenen Staat Katalonien wünschen. In der sich viele Menschen durch die spanische Zentrealregierung in Madrid unterdrückt fühlen. Und in der es vergangene Woche ziemlich abging. Tausende protestierten hier für die Palästinenser im Gazastreifen und gegen die israelische Armee. Warfen der Armee Genozid an den Palästinensern vor.

    Und meine Leute sehen überall in der Stadt: Zeichen, die die Unterstützung der Palästinenser fordern. Graffiti mit leidenden Palästinensern und Hassbotschaften gegen Israel. Weil sie sich mit den Palästinensern verbunden fühlen – Menschen, die einen eigenen Staat wollen und sich unterdrückt fühlen. Wie eben die Katalanen auch.

    Undenkbar, solche Zeichen, vor allem in dieser Masse und Intensität hierzulande. Denke ich so. Die würden sofort entfernt, die Verursacher wegen Antisemitismus verfolgt. Anders offenbar in Barcelona. Anderes Volk, anderes Land, andere Geschichte, andere Perspektiven. Denke ich so. Und blicke auf Coco. Die schon wieder mein Futter vertilgt. Offenbar in dem Bewusstsein, es stehe ihr zu. Als heranwachsender Katze.

    Felixens Bruder Chris schickt ein Video von einer Talkshow aus dem Jahr 1981. Damals war er selbst, also Chris, erst acht Jahre. Nun, die Show wurde von einem Talkmaster namens Fuchsberger moderiert. Auf der Talkshow-Couch saß eine 19-jährige junge Frau, die gerne eine Stelle im öffentlichen Dienst angetreten hätte, aber wegen ihrer Körpermaße abgelehnt wurde. Fuchsberger rief nun in der Sendung den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Strauß an und fragte, ob er der jungen Frau helfen könnte.

    Und Strauß? Fragt die junge Frau nach Größe und Gewicht, meint dann, in dem Alter sei er selbst noch schlank gewesen. Die junge Frau müsse tatsächlich an sich arbeiten und streng zu sich sein. Diszipliniert. Damals verursachte diese Reaktion keinen Aufschrei, im Gegenteil. Nur eine 15-jährige Jung-Schauspielerin namens Nosbusch, ebenfalls in der Talkshow, zeigte Mut: Gewicht dürfe doch bei einer Einstellung kein Kriterium sein. Sagte sie. Und wurde wegen dieser Aussage zunächst einmal aus der Öffentlichkeit verbannt.

    Ich denke so: Die Welt hat sich eben doch gedreht. Ziemlich stark sogar. Und ein großes Stück zum Besseren. Ich verjage Coco. Von meinem Fressnapf. Aber erst, nachdem ich ihr Nassfutter vertilgt habe. Perspektivwechsel eben. Nice. In diesem Fall. Sagt der satte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute.

  • 19. Oktober 2025

    Zweifel an King Trump und königliche Betreuung für mich

    Kater wie ich. Finden Überraschungen. Eigentlich ziemlich ungeil. Manchmal aber, manchmal entdecke auch ich – besser nie doktrinär sein. Denn – wenn es einem schlecht geht – kann die Überraschung durchaus was Positives sein.

    Heute beispielsweise: Ich bin – abgesehen von Coco – seit Stunden alleine. Weil meine Bruna mit ihren Alten nach Barcelona abgehauen ist und Diego mit Freunden in Lübeck weilt. Nuria ist sowieso weg. Irgendwo in Stockholm, Freiburg oder Rom. Kurz: Es ist extrem trübe. Endzeitstimmung. Bei mir. Und es ist auch noch köterkalt hier. Im Revier.

    Und dann: Geht plötzlich die Pforte auf. Und Josephine, die Freundin Lauras, kommt reinspaziert. Welch Aura. Die Frau ist kater. Really. Ganz anders als meine Alten: Geht auf mich – und auch auf Coco – ein. Spielt mit mir – und Coco. Auf Augenhöhe. Wertschätzend. Zwitschert mit ihrer Stimme. Kuschelt uns. Nicht aus Pflichtgefühl. Sondern:  Ich spüre Empathie. Kurz: Alles sehr nice. Mit ihr. Denn ich fühle: Bei ihr bin ich ein King. King Charlie.

    Ich fühle mich gestärkt. So gestärkt, einen Blick auf Welt zu werfen. Und auch da gibt es Überraschendes, das ich nice finde. In den USA haben tatsächlich Hunderttausende, wohl mehrere Millionen, demonstriert: Gegen ihren Präsidenten Donald Trump. Und sein Gebaren. Werfen ihm vor, sich über Gesetze hinwegzusetzen und Macht anzuhäufen, die einem Präsidenten nicht zusteht. Sie protestierten unter dem Motto: Wir wollen keinen King. Und ich denke so: Hej, gar nicht mitbekommen, dass es in den USA Menschen gibt, denen dieser King-Autokrat auf den – sorry – Sack geht.

    Trumps Partei, die Republikaner, sind nicht amused über diese Demonstrationen. Behaupten, sie seien eine gefährliche, kommunistische Bewegung. Und: Wenn Trump wie behauptet König wäre, würde er solche Demos gar nicht erlauben. Hui, welch Argument, denke ich so. Trump selbst veröffentlicht auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social ein Bild, in dem er als Pilot eines Kampfjets zu sehen ist, der die Aufschrift „King Trump“ trägt. Er wirft braunen, an Kot erinnernden Schlamm auf die Demonstranten ab.

    Puuh, was für ein Niveau, was für eine krude Argumentation der Republikaner. Ich fasse es nur schwer. Bringe mich in Stellung. Lasse mich von der lovely Josephine massieren. König sein kann nice sein, Sagt der genießende King-Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt, Leute: Chillt. Königlich.

  • 18. Oktober 2025

    Lauras Ode an Bücher und meine Staub-Allergie

    Auch Kater können allergisch sein. Merke ich so – niesend. Als sich der Staub langsam legt, erkenne ich mein Revier nicht wieder: Bücher. Hunderte Bücher. Auf dem Teppich, auf den Stühlen, dem Sofa, der Bank, den Tisch – überall. Laura hat sie aus dem Regal geholt. Abgestaubt. Weil sie unberührt seit Jahrzehnten dort lagerten. Also als Staubfänger mit intellektuellem Touch fungierten. Wie Felix ätzt.

    Nun, er hat ja Recht. Mit Büchern kann selbst ich nichts anfangen. Bleiwüsten auf Hunderten von Papierseiten. Wie viele umgeholzte Bäume wohl allein hinter diesen Büchern vor mir stecken? Frage ich mich. Und denke dann: Sie sind unnötig. Viel zu klein, um darauf chillen zu können. Zeitungen sind da schon besser. Und die Bücher: Stehen ja ohnehin nur rum. Dann auch noch ungelesen. In Regalen.

    Laura aber findet sie inspirierend, die Bücher. Sie enthielten tolle Gedanken, regten die Fantasie an. Und sie fügt dann – fast ein wenig böse hinzu: Wieso merkten das diese Ignoranten in aller Welt nicht. Bücher zögen in andere Welten, das Lesen stärke das Gehirn, die Konzentration, das Gedächtnis, langfristig sei es ein Mittel gegen Demenz, wissenschaftlich belegt. Der Wortschatz werde größer, das Ausdrucksvermögen gesteigert, Menschen lernten, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, Lesen fördere Empathie und Verständnis für andere, auch für gänzlich fremde Lebenswelten. Und vermittle Wissen. Und weiter Lauras Ode an das Lesen von Büchern: Das gebe Ruhe, Entspannung.

    Und ich denke so. Das ist ja wie Chillen. Aber: Schaue sie mich doch an. Um sich anregen zu lassen. Ganz ohne Buch. Und trotzdem. Es läuft nicht gut für das Buch. Eine Freundin von Laura hat einen Buchladen. Sie macht dicht. Bald. Zu hohe Miete. Zu wenig Käufer. Zu viel Arbeit. Sie liegt im Trend: 3000 Bucheinzelhändler gab es 2023, fünf Jahre zuvor waren es noch fast 4000. Heute dürften es nochmal weniger sein.

    Und nun, mal ehrlich gemacht. Auch ich bin traurig. Über diese Entwicklung. Denn: Klar, ich mag Geschichten, mag natürlich auch Bücher. Wollte ja nur mal provozieren. Mit meinen Worten gegen Bücher. Für den Aufschrei. Für die Bücherkultur. Bin doch ein Lesekater.

    Immerhin: Derzeit läuft in Frankfurt am Main die traditionelle Buchmesse – die immer noch ein Erfolg ist. Sie ist die größte Messe ihrer Art. Mit Hunderttausenden Besuchern. Ein Grund für den nachhaltigen Erfolg: Sie hat sich geöffnet, stellt neuen Trends Raum zur Verfügung, um selbst zu profitieren – mit dabei sind auch TikTok-Stars und Manga-Helden.

    Ich muss nicht überzeugt werden. Von Büchern. Stolziere über den Bücherberg. Niese erneut. Spüre aber dann unter mir die Erhabenheit. Des Shakespeares. Des Hemmingways. Bin quasi der alte Mann. Sehe Coco. Und denke. Sie ist mein Meer.

    Laura wischt den Staub der Jahrzehnte weg. Strahlt. Ist Königin der Bücher. Und ich denke so: Diese Strahlen ist jedes Buch wert. Sagt der niesende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und sagt: Chillt, Leute. Und lest. Bücher.

  • 17. Oktober 2025

    Ode an die Zeitung und das Ende der gedruckten taz

    Zeitung ist so cool. Zeitung ist Kater. Zeitung ist Aufmerksamkeit. Und wer jetzt sagt: Oh Mann, ist dieser Kater old school. Dann kann ich das nur bestätigen: Yes, ich, Charlie, bin old school und voll stolz darauf. Warum meine ganze Love der Zeitung gilt? Weil sie knistert und raschelt, wenn ich mich draufpacke. Weil sie duftet, nach Welt, Papier und Druckerschwärze, kurz wie Schweiß – und ich liebe Schweiß. Weil sie weich ist. Und vor allem eben – durch sie werde ich wahrgenommen.

    Ich stapfe des Morgens in die Küche, keiner begrüßt mich. Obwohl Felix feist am Küchentisch sitzt. Er blickt nicht mal mehr auf, wenn ich erscheine. Sondern starrt unverwandt in eben diese Zeitung. Und ich so: Jumpe auf den Tisch. Schnüffle am Papier. Werde erregt. Und platziere mich auf eben dieser Zeitung. Vor seinem Face. Neben dem Reißgeräusch des Pergaments höre ich das Aufstöhnen von Felix. Katerfell statt Text. Für ihn. Mein Fell. Er akzeptiert. Es. Die Streicheleinheit beginnt. Zeitung. Ist. Geil.

    Aber – es trifft mich tatsächlich hart. Felix sagt: Die gedruckte Zeitung sei ein aussterbendes Medium. Heute gibt es die letzte Druckausgabe der linksliberalen Zeitung taz. Eine Ikone in der Zeitungslandschaft, seit mehr als 50 Jahren. Ab morgen nur noch online, abgesehen vom Wochenende. Weil der Druck zu teuer sei. Der Vertrieb zu umständlich. Die Zustellung nicht mehr funktioniere.

    Und Felix so – tja, die taz sei nur der Anfang, in spätestens zehn Jahre gebe es so gut wie keine gedruckte Zeitung mehr. Behauptet er. Schon jetzt liege der Altersdurchschnitt des Zeitungslesers bei fast 70 Jahren, junge Menschen läsen kaum noch Zeitungen. Was ja auch in Zügen oder Straßenbahnen zu sehen sei: Die Leute starrten nur noch in Smartphones, nicht wie früher in Zeitungen. Nicht mal mehr an Kiosken gebe es Zeitungen.

    Und Felix so: „Es ist echt so traurig. Ich liebe Zeitungen. Ihren Duft. Ich liebe es, sie zu berühren, beim Blättern. Ich liebe es, beim Blättern auch mal bei Artikeln hängenzubleiben, die ich sonst nie ausgewählt und angeschaut hätte.“  Und ich denke so: „Wo er recht hat, hat er recht. Aber: Warum liebt er mich nicht so?“

    Auch Laura ist über das Ende der gedruckten Zeitung traurig: Und fragt: „Was für eine Unterlage nehme ich dann bei Kunstprojekten mit meinen Patienten? Was nehme ich zum Ausstopfen durchnässter Schuhe? Wie packe ich Fisch ein? Womit putze ich Fenster?“ Und Diego so: „Und Sudoku gibt es dann auch nicht mehr?“ Und meine Bruna so: „Was ist mit den Tierbildern?“

    Wir sind vereint in Trauer. Aber auch glücklich, dass es den Tagesspiegel noch gibt. Eine andere Hauptstadtzeitung. Zwar mit Tippfehlern ohne Ende. Aber gedruckt. „Eigentlich ganz gut, wenn Du Dich drauflegst, muss ich das Grauen nicht weiter sehen und lesen“, sagt Felix zu mir. Mittlerweile liebe er es sogar, wenn ich mich auf die Zeitung drauflege.

    Ich drehe mich auf dem zerrissenen Blatt auf den Rücken. Lasse Felix meinen Bauch kraulen. Merke: Ich bin die News. Und denke mit Grauen an die Zukunft. Wenn eben diese News nur noch auf dem Laptop zu sehen sind. Er wird nie so knistern, weich sein, rascheln. Sondern ist nur hart und glatt. Ohne Persönlichkeit. Sagt der traurige Retro-Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt. Und lest. Gedruckte Zeitung. Ist so cool, ist Kater. Zwar old school. Old school ist aber auch cool. Really.

  • 16. Oktober 2025

    Mein smarter Pfotenabdruck erobert Welt

    Da muss selbst ich einräumen: Etwas Süßeres als Kitten gibt es nicht. So anmutig, verspielt, unschuldig, tapsig, kuschelig – in Verbindung mit dem wild-verträumten Blick. Unfassbar nice. Siehe Coco. Da wird selbst ein gestandener Hauptstadtkater wie ich schwach. Manchmal. Und ich denke so: Die Pfote, Cocos Pfote, ist eigentlich eine Art Sinnbild für das ganze Katzen-Baby: Rosa, rein, irgendwie unschuldig wirkend. Oder so. Hach, bin ich heute sentimental.

    Liegt daran, dass meine Bruna so darauf abfährt. Auf Pfote. Klar sei die total süß. Sagt meine Bruna. Aber… – nur bis vier Uhr morgens. So lange spüre sie Cocos Pfote warm und weich an ihrem Arm. Aber dann, ab 4 Uhr gehe es los. Coco wolle spielen. Habe Hunger. Beginne die Decke zu krallen. Und damit auch ihren Arm.

    Und ich denke so: Kenne ich. So ähnlich. Reibe meine Nase, die Coco heute bereits attackiert hat. Aus Versehen, natürlich. Beim Spiel mit meinem Würstchen. Katze zeigt Charakter. Auf ihrem Weg zur Persönlichkeit. Sie wächst. Entschuldigen tut sie sich nicht. Never ever.

    Auch meine Bruna wächst. Hat sich ein Schülerpraktikum organisiert. Selbstständig. Ging zu einer Ergotherapeutin und fragte. Und das klappte. Nachdem sie zuvor Absagen bekam von Kinderärzten. Die bedauern, aber dafür keine Zeit mehr hätten. Weil Personal fehlt. Und Felix bestätigt. Auch in seiner Redaktion würden Praktikanten nicht mehr genommen. Weil der Nerv – sprich Leute – für sie fehlte. Und ich denke so: Arme Jugend. Arme Menschen. Oder auch nicht?

    Denn was ist mit ihren Fußabdrücken? Und ich denke so: Mensch hinterlässt extrem hässliche Fußabdrucke. Ökologische Fußabdrucke. Die zeigen, wie sehr Mensch die Umwelt durch seinen Lebensstil belastet – also gemessen daran, wie viel Wasser, Holz und andere natürliche Ressourcen sie so nutzen. Und ich sehe: Meine Leute konsumieren viel mehr als Erde regenerieren kann.

    Im Schnitt verbraucht der Deutsche zehn Tonnen sogenanntes CO2-Äquivalent pro Jahr – okay wäre ein Zehntel. Sagen Experten. Ist das möglich? Deutlich weniger wohl schon. Sagen Experten: Flugreisen, Autofahrten, Ernährung, Strom und Heizen sind die großen Emissionsquellen. Da einfach einschränken.

    Einfach, denke ich so. Meine Leute fliegen in ein paar Tagen nach Barcelona. Und mir ist so kalt. Herbst eben. Aber meine Leute heizen nicht. Weil sie ja kaum in meinem Revier sind. Toll. Und so fröstele ich. Wende mich meinem Napf zu – voll mit Rind aus Argentinien. Lecker.

    Meine Bruna krallt mich. Wohl um meinen Pfotenabdruck zu kontrollieren. Ich scheue. Räume aber ein: Ich finde meine Pfoten nice. Sind zwar nicht so rosig wie die von Coco. Aber auch ich habe eine smarte Pfote. Sagt der Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt.

  • 15. Oktober 2025

    Wenn ich wegschwebe, ist es so nice…

    Ich fühle mich hintergangen. Von den Menschen – in aller Welt. Vor allem von jenem mächtigen Staatenlenker in den USA, der behauptet, jetzt kehre in Nahost für immer Frieden ein. Warum das so sein sollte? Erklärt US-Präsident Donald Trump nicht. Denn der krasse Krieg im Gazastreifen. Mit Zehntausenden Toten. Und Zerstörung. Der kann jederzeit wieder aufgeflammt werden. Wenn Menschen das wollen.

    Und ich denke so: Warum kann Mensch nicht so sein wie Tier? Kein Tier ist so grausam zu einem anderen seiner Spezies wie der Mensch zu Seinesgleichen.  Oder zerstört Lebensraum seiner Spezies. Tiere leben im Einklang mit der Natur. Menschen dagegen – bezeichnen Natur als Umwelt. Welch Hybris. Als ob sie außen vor wären. Nicht mit ihr.

    Ich bin abhängig von dieser selbstzerstörerischen Spezies. Von Menschen. Und bin deswegen traurig. Suche dann absurderweise aber doch wieder ihre Nähe. Denn Nähe ist die beste Medizin. Für geschundene Seelen. Wie die meine.

    Vor allem, wenn diese Nähe von meinem Lieblingsmenschen gegeben wird. Meiner Bruna. Ja, es gibt sie auch – gute Menschen. Und damit Hoffnung. Ich bin bei meiner Bruna. Und dann: Schwebe. Ich. Völlig. Losgelöst. Von dieser Erde. Und die menschlichen Arschlöcher – sorry für die Wortwahl –  werden kleiner und kleiner – und verschwinden.

    Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht sehen, wie Hamas-Terroristen mit schicken Uniformen auf blitzenden Autos durch die Straßen Gazas patrouillieren, Maschinengewehre schwingen. Trotz Hungersnot – sie wirken durchtrainiert und muskulös. Als ob sie in den zwei Jahren israelischer Bombardements und Stopp der Hilfslieferungen in ihren Tunnels genug Futter gehabt hätten. Und der Vorwurf der israelischen Armee, die Hamas habe seit Jahren Nahrungsmittel für die notleidende Palästinenser selbst eingesackt, stimmen könnte. Nein: Muss.

    Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht Nachrichten hören, dass die Hamas-Terroristen Palästinenser erschießen, denen sie Kollaboration mit der israelischen Armee vorwerfen.

    Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht den Schwachsinn von Trump inhalieren. Der erst in seinem „Friedensplan“ auf die Entwaffnung der Hamas besteht. Und der dann sagt, die Hamas müsse erst mal die Kontrolle über den Gazastreifen haben, um ein Chaos zu verhindern – und im Kampf mit rivalisierenden Banden natürlich auch Waffen braucht.

    Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht denken, dass Trumps Friedenplan total unüberlegter Humbug ist.

    Wenn ich wegschwebe, ist es so nice: Denn ich muss nicht erkennen, dass der israelische Premier Benjamin Netanjahu die Hamas eigentlich gar nicht – wie von ihm behauptet – vernichten will. Weil er sie braucht. Fürs eigene Überleben. Denn nur mit der Hamas kann die von ihm so gehasste Zweistaatenlösung verhindert werden. Mit dem Verweis, dass eine Terrortruppe wie die Hamas keinen Staat führen oder mitgestalten könne.

    Und so dulde ich, dass meine Bruna mir meine Nase knetet. Kneift. What a feeling. Ich spüre mich. Und die Welt. Schwebe. Das ist real. Sagt der Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt.

  • 14. Oktober 2025

    Depression. Zweckoptimismus. Gaza.

    Ohne Tief kein Hoch – nur mit diesem Wissen kann ich mich heute motivieren. Aufbauen. Denn ich fühle mich leer. Ausgepowert. Antriebslos. Kurz: DOG – Depressiv. Ohnmächtig. Gleichgültig. Also: Wie ein Köter. Und so hänge ich vor der Glotze.

    Sehe Bilder vom Gazastreifen. Alles zerbombt. Nur Trümmer. In denen Menschen ihre Wohnung suchen – und nicht finden. In denen Menschen Hilfslieferungen von Lkw plündern. Essbares suchen. Und nicht finden. Ich höre die Hamas-Terroristen prahlen: Israel müsse vernichtet werden. Höre israelische Minister sagen: Die Hamas müsse entwaffnet werden. Sie dürfe nie wieder Macht bekommen.

    Gestern also – nach Freilassung der letzten 20 lebenden Geiseln aus der Gefangenschaft der Hamas im Gazastreifen fühlte ich: Euphoria. Heute dann aber die krasse Ernüchterung. Weil der Konflikt eben doch weiter ausweglos erscheint. Keiner so richtig zu sagen vermag, wie es weitergehen wird. Auch wenn US-Präsident Trump schon jubelt, der Krieg sei vorbei. Aber eigentlich weiß niemand, wer denn den Gazastreifen künftig verwalten wird. Und wer darüber wachen soll.

    Die Waffenruhe dort scheint fragil. Welchen Grund sollte Israel haben, nicht weiter gegen die Hamas vorzugehen, jetzt, wo die lebenden Geiseln zuhause sind? Und Israel hätte dafür sogar bereits eine Rechtfertigung. Denn: Anders als vereinbart sind nicht die 28 Leichen von Geiseln übergeben worden – sondern erst acht.

    Wahrscheinlich, weil die Überreste in dem Chaos gar nicht mehr geborgen werden können. Die israelische Regierung jedenfalls hat sich in Stellung gebracht: Hamas habe die Vereinbarung gebrochen. Sagt sie. Und ich frage mich so: Was hat das für Auswirkungen?

    Und ich setze tatsächlich auf die Eitelkeit des US-Präsidenten. Dessen Hauptziel es ist, nun wenigstens im kommenden Jahr den Friedensnobelpreis zu bekommen. Um das Ziel zu erreichen, muss ein Frieden in Nahost stehen. Denke ich so. Weswegen er Druck auf seinen Verbündeten Israel ausüben müsste, nicht erneut anzugreifen.

    Allerdings tönte Trump bereits heute: Falls sich die Hamas nicht entwaffnen lasse, werde das mit Gewalt geschehen. Und ich sehe Bilder von durch Gazas Straßen fahrende, schwer bewaffnete Hamas-Kämpfern, die versuchen, wieder Kontrolle zu übernehmen. Und bereits zig Menschen hingerichtet haben sollen, die sie als Verräter ausgemacht haben wollen.

    Ich sehe meine Leute. Die ob der Bilder des Leids zusammengesunken sind. „Was für ein Katzenjammer.“ Sagt Felix. „Ich habe fast so was wie einen Kater“. Sagt Laura. Ich spüre Widerstand in mir wachsen. Ob dieser Wortwahl. Was erlaubt sich Mensch hier wieder? Verbindet negative Gefühle mit Katzen. Und Katern!

    Und ich merke: Es tut gut, sich über solche Nebenschauplätze aufzuregen. Das lenkt ab. Wut weckt Widerstand. Also: Zerstört: DOG – Depression. Ohnmacht. Gleichgültigkeit. Zugunsten von CAT – Cool, apart, taff. Und ich denke so: Irgendwann ist jedes Tief überwunden. Und es folgt ein Hoch. Manchmal aber auch nicht. Sagt der zweckoptimistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt. Handelt.

  • 13. Oktober 2025

    Euphoria am historischen Tag nach zwei Jahren Geiselhaft

    Cool. Apart. Taff. Und jetzt, liebe Leserin, lieber Leser – zieht mal die Anfangsbuchstaben der drei Adjektive vom Beginn meines Textes zusammen. Yes: CAT. Katzen. Cool, apart und taff – das sind wir. Was bedeutet: Kommt fast nie vor, dass wir mal überreagieren. Uns von Emotionen mitreißen lassen.

    Heute aber – spüre ich ein Vibrieren in der Luft. Das meine Schnurrbarthaare erzittern lässt. Und Coco geht es genauso. Ein special day. Felix behauptet: „Historisch.“

    Und so läuft der Fernseher bereits morgens. Ich höre Jubel, aufgeregte Stimmen, sehe zig Menschen. Weil: Die Terrororganisation Hamas heute tatsächlich die 20 letzten Geiseln, die noch lebten, frei gelassen hat. Und die – nach mehr als zwei Jahren Gefangenschaft – in ihre Heimat Israel zurückkehren können. Empfangen von ihren  Familien und Freunden.

    Herzzerreißend. Finde selbst ich. Als ich die Emotionen sehe. Und wieder mal stelle ich fest – mein Defizit: Ich kann nicht weinen, die Tränen kommen nicht.

    Nun, Coco und ich kleben uns direkt an die Fernseh-Mattscheibe. Um dicht dabei zu sein. Bei den flackernden Lichtern, Schatten, Bewegungen. Ich weiß natürlich, wie sinnlos es ist, sie catchen zu wollen. Baby-Coco aber ist voll dabei. Bei der Begrüßung der Geiseln.

    Nun, wir sind nicht nur CAT – siehe oben. Sondern auch weise. Reflektiert. Und so muss heute auch ich mich mal hinterfragen: Dieser Triumph, der da heute gefeiert wird, der ist maßgeblich einem Mann zu verdanken, den ich hier in meinen „Gedankenfetzen“ regelmäßig verdamme: US-Präsident Donald Trump.

    Von ihm ist der Friedensplan, den die Hamas und Israel akzeptierten. Der Waffenruhe im Gazastreifen bedeutet, die immerhin seit fast vier Tagen hält. Und der bedeutet, dass die Geiseln freikommen. Auch Palästinenser dürfen sich freuen: Rund 2.000 werden aus israelischen Gefängnissen entlassen.

    Ich frage mich, ob die Geiseln jemals wieder ein unbeschwertes Leben führen können. 738 Tage waren sie in düsteren Tunneln eingesperrt, wurden gequält, gedemütigt, hatten Todesangst, waren hoffnungslos, mussten die Bombardements Israels aushalten. Und die palästinensischen Häftlinge? Sie treffen im Gazastreifen ihre Familien wieder. Aber in einer Trümmerwüste.

    Und nun? Trump lässt sich feiern. Reist in den Nahen Osten. Gibt den Abgeordneten im israelischen Parlament den Rat, die Korruptionsermittlungen gegen ihren Premier Benjamin Netanjahu mal sein zu lassen, weil das ein cooler Typ wäre, unterschreibt dann in Ägypten eine Erklärung mit lauter Absichtserklärungen, nach denen in Nahost Frieden herrschen soll – ohne zu erklären, wie.

    Und ich merke so: Trump ist und bleibt ein Arsch. Für Mensch in Nahost kommt jetzt erst die richtig schwierige Phase. Eigentlich soll die Hamas entwaffnet werden. Die aber schwört Israel weiter Vernichtung, während Israel schwört, die Hamas dürfe nie wieder Macht bekommen.

    Coco klebt am Bildschirm. An den Jubelnden, quasi. Soll sie erst mal deren Glücksgefühle aufsaugen., Euphoria. Tut auch mal gut. Depri kommt schnell genug zurück. Coco spürt es. Ich spüre es. Also: Moment genießen. Ist historisch. Sure. Sagt der Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt.

  • 12. Oktober 2025

    Der Kater als Pazifist mit Jagdtrieb

    Der Jagdtrieb ist in uns. Wenn sich was bewegt, müssen wir hinterher. Es catchen. Liegt in unseren Genen. Wir sind Raubtiere. Auch als domestizierte Katzen. Klar, ich bin sogar froh, dass wir keine echten, sondern Spielzeugmäuse jagen können. Die dann nicht immer weiter zucken, wenn man sie erwischt hat. Und die man auch nicht töten muss. Denn: Ich hasse töten. Ich bin Pazifist.

    Klar, meine Draußen-Kollegen sind gezwungen zu töten, um zu überleben. Aber auch von ihnen sind einige ziemlich degeneriert – legen die erlegte Maus auf den Türabtreter ihres Menschen. Und der Mensch – noch degenerierter – ups, kann man das steigern, das Adjektiv? – also, der Mensch ist tatsächlich angeekelt. Von der toten Maus. Und auch von seinem Tier, das die Maus erlegt hat und stolz präsentiert. Und erregt sich dann noch über einen Mann im fernen Kulmbach, der eine Taube auf dem Marktplatz mit einem Tritt tötete, nachdem diese eine Pommes von ihm vertilgen wollte.

    Und ich denke so: Eigentlich doch hassen Menschen wie Katzen Tauben – die Ratten der Lüfte. Diese Viecher, die sich feist vor mich aufs Fenstersims hocken und mich, der direkt vor ihnen thront, nur getrennt durch die Scheibe, zu verhöhnen scheinen. Warum also nicht, sie töten.

    Nun: Menschen töten Fliegen. Insekten. Einfach so. Offenbar ist für sie eine Grenze erreicht, wenn es um das Töten von Wirbeltieren geht. Um das willkürliche Töten dieser Tiere wohl. Denn mich wundert: Über das Sterben und Töten bei Massentierhaltung, die es trotz aller krassen Berichte über die Qual der Tiere weitergibt – wird sich meist nur kurz aufgeregt. Schnell wird das Thema verdrängt. Nach dem Motto: Was ich nicht sehe, macht mich nicht heiß. Und ich sehe meine Leute und denke so: Klar, die Verantwortung dafür tragt ihr nicht, aber ihr habt dennoch damit zu tun.

    Trifft auch meine Bruna. Anderes Thema. Sie war auf dem Bebelplatz in Berlin. Beim Festival of Lights . Da werden die umliegenden Gebäude mehr oder weniger kitschig-bunt illuminiert – und Bässe wummern. Mitten auf dem Platz im Boden eingelassen ein weiß strahlender Ort, über den die Menschenmassen promenieren.

    Durch die dreckige Scheibe sind unterirdisch leere Bücherregale zu erkennen. Und Felix altklug: 1933 sei es gewesen, dass die Nazis hier „undeutsche“ Bücher verbrannt hätten, von Thomas Mann, Erich Kästner. Woran der Ort erinnern soll. Erinnern? Frage ich mich so. Und sehe die Bilder der Menschen in Partylaune. Und frage: Haben sie Verantwortung?

    Wo doch der Hass auf Juden weltweit wieder steigt. Rechtsradikale Positionen hoffähig werden. Immerhin, was Positives: Morgen sollen die 20 noch lebenden und von der Hamas im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln nach Israel zurückkehren können. Aber: Wie wird es ihnen nach mehr als zwei Jahren Horror gehen?

    Jetzt wurde ein Israeli, der das Massaker vom 7. Oktober 2023 überlebte, tot aufgefunden. Seine Freundin war damals vor seinen Augen auf dem von den Terroristen überfallenen Nova-Musikfestival ermordet worden. Er schrieb in seinem Abschiedsbrief, er könne den Schmerz nicht mehr aushalten. Es trifft mich. Klar: Das ist ein Einzelschicksal. In dem Krieg gab es Zehntausende Opfer. Die meist nur als Zahlen in Nachrichten erschienen.

    Es ist alles so tragisch. Coco jagt. Die Maus. Zum Glück ein Spielzeug. Ich hasse Tauben. Wir sind Raubtiere. Und Pazifisten. Sagt der Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Chillt.