Warum ich im Katerklo sitze und krasse Probleme bewältige

Ein Problem ist ein Problem. Für denjenigen, den es betrifft. Und wenn es für einen anderen noch so unbedeutend erscheint. Gerade angesichts der dysfunktionalen Welt. Mein Problem: Coshiba gibt es nicht mehr. Mein favorisiertes Kater-Nassfutter von Lidl. Mit besten Testwerten übrigens. Künftig heißt das Futter: Mila’s World. Oder so. International eben.
Verstehen auch Amis. Also eine Region, wo Lidl seit knapp zehn Jahren versucht zu expandieren. Denke ich so. Das Problem, mein Problem: Es ist nicht wie bei Raider, aus dem vor Jahrzehnten einfach mal so Twix wurde und sich sonst bis auf den Namen nichts änderte. Nein, Mila’s World schmeckt anders. Hat viel mehr Getreide drin. Eklig. Finde ich. Und sitze auf dem Katerklo. Weil der Darm so drückt.

Tja, mein Problem wird nicht direkt kleiner, wenn ich auf diese Welt blicke. Es ist einfach da. Aber immerhin fühle ich mich nicht so allein. Angesichts dessen, was da in der Welt so passiert. Und lächle über mich und mein Problem, wenn ich lächeln könnte. Weil ich kotzen könnte. Wenn ich höre, dass der US-Sondergesandte von Präsident Trump – ein Immobilienunternehmer namens Steve Witkoff – in Moskau Kremldespot Putin hofiert, ihn gar als Menschenfreund bezeichnet.
Weil der aus kaltem Kalkül einen US-Amerikaner aus russischer Haft entlassen will. Zugleich lässt Putin stärker denn je die Ukraine mit Raketen und Drohnen beschießen – Dutzende Menschen sterben. Wo der „Menschenfreund“ doch nur sagen müsste, ich stoppe meine „Spezialoperation“.

Kurze Zeit später verkündet dann das Weiße Haus, Trumps Frau Melania – die sonst nix mit Politik zu tun hat – habe eine begrenzte Waffenruhe für eine ukrainische Frontstadt vermittelt, in der die Einwohner seit Monaten brutal leiden. Eigentlich also positiv. Zumal Russland und die Ukraine sogar mal zustimmen.
Aber ich frage mich so, was es eigentlich aussagt, wenn ein Mensch ohne politische Funktion – wie Melania Trump – so etwas angeblich schafft. Beziehungsweise behauptet wird, er habe es geschafft. Tja, und dann fährt ein Verrückter mit einem Auto durch Vororte von Paris und schießt aus seinem Wagen auf Menschen. Ein Toter, fünf Schwerverletzte, darunter eine Zwölfjährige.

Es ist fürchterlich. Aber im Vergleich zum Weltgeschehen? Jedenfalls dominiert diese französische Horrortat die Schlagzeilen des Tages. Gepusht dadurch, dass die französische Regierung sie mit dem Begriff „Terror“ labelt. Während in der Ukraine erneut Dutzende Menschen durch den russischen Horror-Terror getötet werden. Der aber offenbar nur noch wenige interessiert. Weil er das Normal geworden ist.
Allerdings, klar, es gibt ganz andere Gräuel, über die keiner etwas hören will. Über die keiner berichtet. Beispielsweise Sudan: Seit Jahren sterben dort im Bürgerkrieg Zivilisten, werden verfolgt, vergewaltigt, verstümmelt – und sind sich selbst überlassen. Alle schauen weg. Die größte Tragödie. Sagen die Vereinten Nationen. Unbeachtet.

Ich lecke am Fleischbrocken von Mila`s World. Eklig. Ich muss mich wohl gewöhnen. Aber vorher dringend schon wieder zum Katerklo. Dünnpfiff. Keine Ahnung. Ob aus Ekel vor Welt. Oder wegen des Futters. Sagt der hungrige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Ordnet ein. Und chillt, Leute!
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