Distanz und Nähe, Rassismus und Kommerz bei WM

Manchmal ist ein wenig Distanz nötig. Um sich voneinander zu erholen. Vor allem, wenn man ständig aufeinander gluckt. So ist das bei uns Katern und Katzen. Also auch bei Coco und mir. Und so sitzen wir in der Wanne unseres Reviers. Einträchtig. Doch getrennt durch den Vorhang des Duschens. Nah – und doch so fern. He he.
Und schon bin ich bei der Fußball-WM in den USA gelandet. Die endlich im Endstadium ist. Endlich, weil Politiker sie immer stärker instrumentalisieren. Und mir übel wird. Wenn ich den Schwachsinn höre.
Also: Der Fußball braucht Abstand. Von der Politik. Dringend. Ansonsten ist er verloren. Denke ich so. Beispiele gefällig? Here you are: Da ist der ehemalige spanische Ministerpräsident Rajoy. Der lobte Spaniens Halbfinal-Gegner vor dem Match: Frankreich habe ein Team auf höchstem Niveau – „wohlgemerkt ohne Franzosen“. Schrieb der konservative Politiker in einer Kolumne. Unfassbar.

Denke ich so. Denn klar ist, der Typ bezog sich wenig subtil auf die schwarze Hautfarbe vieler französischer Spieler – und holte somit eines der beklopptesten Rassismus-Narrative aus der Mottenkiste: „Nicht-Weiße müssen Ausländer sein.“ Auweia. Denke ich so.
Luge um den Duschvorhang. Und sehe die gescheckte Coco. Die zurück starrt. Mich weißen Kater eindringlich mustert. Und ich denke so: Menschen, schaut auf die bunten Katzen und Kater dieser Welt.
Und dann ist da die rechtspopulistische französische Politikerin Marine Le Pen. Die hatte der französische Starspieler Mbappe, dessen Eltern aus Kamerun und Algerien stammen, ob ihres Rassismus in den vergangenen Jahre immer wieder massiv kritisiert.
Marine Le Pen kann sich nun eigentlich freuen, dass ihre Mbappe- Franzosen gegen Spanien im Halbfinale rausgeflogen sind. Denn: Was bloß hätte sie getan, wenn der französische Kapitän – Mbappe – den Weltmeisterpokal in den Händen gehalten hätte?

Und dann ist da Argentiniens Vize-Präsidentin Victoria Villarruel. Mit Blick auf den Falkland-Krieg vor mehr als 40 Jahren gegen England schrieb sie in den sozialen Netzwerken, im Halbfinale ihres Landes gegen England gehe es um mehr als einen bloßen Sieg. Nämlich darum, den Eindringlingen die Stirn zu bieten. Argentinien werde bis zum letzten Atemzug fordern, was dem Land gehören.
Eben die Inseln. Die aber weiter zu Großbritannien gehören. Was die Einwohner in einer Volksabstimmung vor 13 Jahren bekräftigt hatten. Dass der argentinische Trainer sich von Villarruel distanziert. Gut. Aber die Worte sind in der Welt.
Der Fußball braucht auch Abstand vom überhand nehmenden Kommerz um die WM. Überlegt wird, die Halbzeit-Zeit beim Finale auf 30 Minuten zu verdoppeln. Um all den Stars von Shakira über Madonna bis Justin Bieber und der Band BTS angemessenen Raum zum Auftritt zu geben. Damit es eine Superbowl-Show werde wie jene in den Halbzeiten bei den NFL-Football-Finals in den USA.
Und ich könnte kotzen. Weil es ein massiver Eingriff in den Sport ist, Halbzeiten einfach zu verlängern. Und nicht mehr das Spiel, sondern Show und Geldmacherei im Mittelpunkt stehen. Zum Glück hocke ich in der Wanne. Da kann mein ausgespieenes Gewölle gleich weggespült werden. Sagt der auf Distanz bedachte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt den Rest der WM. Und chillt, Leute!







































