Monat: Juli 2026

  • 5. Juli 2026

    Über Retter, Jedi-Ritter, Götter und Albaner

    Glück ist, wenn dann doch noch das passiert, was man sich zuvor stundenlang erhoffte. Irgendwann am späten Abend öffnet sich die Eingangstür zu unserem Revier. Coco und ich springen auf. Vom Schuhschrank, auf dem wir ausharrten, erblicken wir unseren Retter: Diego. Der nur cool sagt: „Hej cats.“

    Rein stolziert. Coco und ich hecheln seinen verschweißten Beinen hinterher. Auf dem Weg in die Küche. Zu unseren Näpfen. Die seit 24 Stunden leer sind. Und sich nun füllen. Mit Lachs in Soße. Und Lamm in Soße. Glück. Kann. So. Einfach. Sein.

    Gilt auch für andere, wie US-Präsident Trump. Der sich gestern selbst zelebrierte, indem er den 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA von Großbritannien zur Lobpreisung seiner selbst umfunktionierte. Er sei der Allergrößte aller Zeiten. Sprach er zu seinem Volk. Das zuhörte – anstatt ihn in die Psychiatrie zu bringen.

    Trump also weiter: Die USA seien eine von Gott auserwählte Siegernation. Alle strebten danach, so zu sein wie die USA. Trump trieft. Es ist heiß. Hot, hotter, Washington. Denke ich so. Knapp 40 Grad zeigen die Thermometer in der Hauptstadt. Not so nice. Auch für Trump. Seine Ehrenparade wird abgesagt – wegen der Hitze. Am Abend heftige Gewitter. Zuschauer müssen evakuiert werden. Die Götter schlagen zurück. Denke ich so. 

    Ortswechsel: Parteitag der AfD in Erfurt. Auch hier feiern sich Rechtsextreme. Aber ihre Gegner zeigen sich. Zehntausende demonstrieren. Und dann ist in der Halle, in der der Parteitag stattfindet, plötzlich Starwars-Musik zu hören. Bei den Reden. Ungeplant.

    Keiner weiß, wer der Verursacher ist. Der hinter einen Vorhang eine Bluetooth-Box stellte. Aus der die Musik dringt – gespielt von einer Blockflöte. Darth Vader, der Jedi-Ritter aus Starwars, kapert die Extremen. Aber nicht mit Pauken und Trompeten – sondern mit den zarten Klängen einer Flöte. Ein gutes Zeichen. Denke ich so. Wenn die dunkle Seite der Macht die AfD der Lächerlichkeit preis gibt.

    Ob meine Leute was damit zu tun haben? Kann es Zufall sein, dass zeitgleich in Freiburg meine Nuria mit ihrem Studierendenorchester in einem Konzert Starwars spielt? Dass der Dirigent mit grün leuchtendem Taktstock dirigiert. Die Hornisten Darth Vader-Masken tragen? 

    Und ich höre meine Nuria antworten: „Man muss nicht immer alles als verrückt abstempeln, nur weil es von der Norm abweicht. Eigentlich ist es auch einfach cool.“ Kryptisch das alles. Denke ich so. 

    Dass dann auch noch in Albanien seit Wochen Tausende auf die Straße gehen, um gegen ein von Trumps Familie geplantes Luxusresort zu demonstrieren, das an der Küste in einem Naturschutzgebiet mit Flamingos errichtet werden soll, ist ein weiteres – gutes – Zeichen: Menschen wehren sich. Lassen sich nicht alles gefallen. Und mit sich machen.

    Kater auch nicht. Sagt der schmatzend glückliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Meidet Blasphemie. Und chillt, Leute!

  • 4. Juli 2026

    Six Seven (6 7) in die Unabhängigkeit des Größenwahns

    134 Gramm habe ich bereits abgenommen,. Really. Ich kann es spüren, jedes Gramm. Und was crazy ist. Das bedeutet, ich habe zwei Mal 6,7, als six seven, abgenommen. You know? Zwei Mal 67 macht 134. Sagt der mathematische Kater. 6,7, cool, aber natürlich vollkommen sinnlos. Und deswegen eben cool. Weil six seven quasi eine Parabel fürs Leben ist. Denke ich so. he he.

    Obwohl meine Lage eigentlich so gar nicht zum Lachen ist. Denn Coco und ich sind alleine. Was nicht hätte passieren müssen. Wenn wir in der Reisetasche drin geblieben wären. In die wir hüpften, als meine Leute sie holten. Um zu packen. Für ihren Urlaub oder so. Aber wir sprangen raus. Anstatt uns mitnehmen zu lassen. Far away vom dreckigen Berlin. Nach Freiburg, Frankreich oder ins Friaul. Wo auch immer sie sind.

    Hauptsache weg – und ein wenig katerfreundlicher eben als hier. Wo wir verhungern. Also: Coco und ich sind allein: Und das bedeutet: Kein Futter, kein Frischwasser, geschweige denn Leckerli. Verhungern, also, abnehmen. 6,7. 

    An einem Tag, der eigentlich 4 7 ist, also four seven – oder 4. Juli. Nationalfeiertag der USA. Und in diesem Jahr ein besonderer, der 250. An dem die Unabhängigkeit von Großbritannien gefeiert wird. Eigentlich. Aber ein Mensch spielt sich in den Vordergrund: US-Präsident Donald Trump will die Feier lieber als Projektionsfläche für sich selbst nutzen, um sich zu feiern.

    Trump behauptet, er sei der berühmteste und bekannteste Mensch aller Zeiten. Hätte mehr Fans als der berühmte Elvis Presley, ziehe weit mehr Leute an. Nun will Trump in Washington einen Triumphbogen errichten lassen, der drei Mal so groß ist wie das Brandenburger Tor. In der Nähe des dann neu errichteten Ballsaals am Weißen Haus, dem prächtigsten Bau aller Zeiten natürlich. Sagt er.

    Und er ist auch einer weiteren Idee nicht abgeneigt: Sein Konterfei könnte doch auch in Mount Rushmore in South Dakota verewigt werden, neben den Gesichtern der US-Präsidenten Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln. Will auch er in die Granitwand gemeißelt werden. 

    Six seven. Denke ich so. Und harre gemeinsam mit Coco der Dinge. Während wir weiter abnehmen. Und und gegenseitig das Fell rausreißen. Und reinwürgen. Um den nagenden Hunger zu besiegen. Wann nur öffnet sich die Tür unseres Reviers. Und ein Mensch kommt rein. Der sich unserer erbarmt? Sagt der verhungernde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Celebrate youth. Und chillt, Leute!

  • 3. Juli 2026

    Horror in Kiew und Gewölle auf dem Perserteppich

    Nicht immer kommt der Aggressor durch. Denke ich so. Auf dem Bett meiner Alten chillend. Und an die Ukraine denkend. Die seit mehr als vier Jahren von den Russen mit Drohnen und Raketen attackiert wird. Durch deren zerstörerische Kraft Zivilisten getötet werden. Wohnhäuser zerstört werden. Der Alltag zum Horror wird. 

    Mittlerweile haben die Ukrainer ihre Taktik und Verteidigungsfähigkeit optimiert. Sie nehmen ihrerseits Ölraffinerien und Militäranlagen der Russen in deren Hinterland ins Visier. Auch dort brennen nun Häfen und Fabriken. Und plötzlich herrscht in Russland, einem der größten Ölexportländer, Mangel an Benzin. In vielen Gebieten des Riesenreichs wird Treibstoff nur noch rationiert verkauft. Vor den Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Mit erbosten Menschen. 

    Der Krieg von Kremldespot Putin ist im eigenen Reich angekommen. Allerdings: Trotz brennender Öl-Raffinerien und Häfen – Proteste gegen das Regime gibt es nicht. Bei vielen scheint die Angst vor ihrem Staat zu groß. Viele aber auch vertrauen der Putin-Propaganda. Machen die Nato und die „terroristische“ Ukraine für den Krieg – nein: militärische Spezialoperation – verantwortlich. Und so lautet eine weit verbreitete Meinung: Russland sei schon immer von Feinden umgeben gewesen. Und müsse sich wehren. 

    Und mir bleibt nichts anderes übrig, als das Grauen zu referieren. Ein Grauen, das für die Ukraine Tag für Tag, Nacht für Nacht Realität ist. Aber für diejenigen, die nicht direkt davon betroffen sind, bleibt es abstrakt. So abstrakt, wie für katzenlose Menschen Katergewölle auf dem Perserteppich.

    Die Meldung: „Bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew sind mehrere Menschen ums Leben gekommen“ wird vielerorts kaum noch wahrgenommen. Weil normal geworden ist, was nicht normal ist. So kommt nicht einmal überraschend, dass der Aggressor Russland demnächst wieder – ganz normal – an einer Jugend-Fußball-WM teilnehmen darf – Ende Oktober in Aserbaidschan.

    Während weiter Zivilisten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sterben. Ich denke an Rudy, den Kater der Ukrainer, die einst bei den Großeltern meiner Bruna in Isernhagen wohnten. Und nun in Kiew leben. Was müssen sie für Ängste haben. Wenn in der Nähe Raketen explodieren. Vor allem aber Rudy. In einer engen Wohnung. Der ja ein viel sensibleres Gehör als Menschen hat. Und nun so gar nicht weiß, was da eigentlich los ist. 

    Putin schlägt nun – nachdem die Ukraine ihm weh tut – umso härter zurück. Vor allem auf Kiew. Vorletzte Nacht registrierte die Hauptstadt einen der schwersten russischen Angriffe seit Kriegsbeginn. Fast 30 Menschen wurden getötet. Fast 100 verletzt. Wohnhäuser zerstört. Mehr als 500 Flugobjekte, vor allem Drohnen, wurden registriert.

    Ich wälze mich auf dem Bett. Und schon sitzt Coco auf mir. Ich schrecke auf. Und sie verliert tatsächlich das Gleichgewicht. Really. Und fällt. Auf den harten Boden der Realität. So ist das. Mit Aggressoren. Sagt der attackierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Rüstet ab. Und chillt, Leute!

  • 2. Juli 2026

    Komfortmenschen und Merzreformen von der traurigen Gestalt

    Ob Kater, Katze oder Mensch: Lebewesen sind soziale Wesen. Brauchen – quasi als Lebenselixier – Kontakte zu anderen. Um von eben diesen Anderen Wertschätzung ob des eigenen Tuns zu erfahren. Wie das bei mir ist? Nun, wahre Wertschätzung fühle ich, wenn mir meine Bruna Leckerli gibt.

    Und wie ist es bei meiner Bruna? Sie fühlt wahre Wertschätzung, wenn sie für ihre neue Frisur Komplimente bekommt. Von ihren Freundinnen. Heute aber: Keine Komplimente. Weil alle – tatsächlich alle Freundinnen – weg sind. „Alle meine Komfortleute sind auf Chorfahrt oder im Schullandheim“, stöhnt meine Bruna. Keine der Verbliebenen in ihrer Klasse habe den neuen, von Laura verpassten Schnitt, bemerkt. Und so bin einmal mehr ich es, der sich um sie kümmert. Mit Sprung auf ihren Schoss. Und lautem Schnurren. Wertschätze ich sie. 

    Ähnliches versuche ich auch bei Bundeskanzler Merz. Dem Regierungschef von der traurigen Gestalt. Der in seinem Volke so unbeliebt ist wie kein Kanzler vor ihm. Und dessen Regierung vorgeworfen wird, nichts auf die Reihe zu bekommen, Versprechen zu brechen  – und sich nur zu streiten.

    Heute nun präsentieren Union und SPD ein Reformpaket – Steuern, Gesundheit, Rente, alle wichtigen Bereiche drin. Und die Ideen scheinen breit gefächert: mehr Kindergeld wird in Aussicht gestellt, dazu mehr Wohnungsbau, Lockerungen bei Befristung von Arbeitsverträgen, Bürokratieabbau – und die Ansiedlung von KI-Rechenzentren soll erleichtert werden.

    Und doch, hängen bleibt vor allem eins, etwas, was kolossal nervt: Künftig sollen Erkrankte dem Arbeitgeber bereits am ersten Tag ein Attest vorlegen – und nicht wie bisher erst am dritten. Was folgt: Ein Aufschrei vieler Arbeitnehmer. Ein Aufschrei vieler Ärzte, die einen Ansturm von Magen-Darm-Erkrankten erwarten. Ich kann den Ärger nachvollziehen. Aber unstrittig ist auch: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Krankenständen vorn. 

    Nun, ich versuche Merz zu streifen. Der mich aber ignoriert. Obwohl er kaum noch Komfortleute um sich hat. Ich sehe, die fette Mattscheibe trennt uns. Während die sozialen Netzwerke asoziale Häme verbreiten.

    Immerhin, denke ich so: Die Regierung hat gehandelt. Und gezeigt, sie kann, wenn sie muss. Was ja viele schon gar nicht mehr erwartet hätten. Das geplante Reformpaket könnte ein erster Schritt aus der Dauerkrise sein. Und ein ausgestreckter Mittelfinger Richtung rechtsextremer AfD.

    Dem Profiteur eines Regierungsversagens. Dessen düstere Weltuntergangsprognosen bei einem Reformscheitern ein stückweit Bestätigung erfahren hätten. Klar, jetzt müssen die vollmundigen Pläne umgesetzt werden. Könnte um einiges schwieriger sein als die Ankündigungen an sich. Sagt der soziale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Widmet euch anderen. Und chillt, Leute!

  • 1. Juli 2026

    Nostalgie und Realitätsverlust: Was für ein Spiel

    War früher alles besser? Frage ich mich so. Auf den harten Holzdielen des Flurs lungernd. Früher, als die Sonne noch nicht so heiß brannte. Früher, als ich viel mehr Leckerli bekam. Früher, als meine Nuria noch da war. Früher, als mein Bruder Moro noch lebte. Nun, ich weiß, Nostalgie.

    Oder anders: Das Vergessen alles Schlechten zugunsten der Erinnerung an das vermeintlich Gute. Welch romantisierende Verklärung der Vergangenheit. Denke ich so. Während Coco mir ins Ohr beißt. Und ich doppelt gestraft werde. Weil meine Flucht in einen Unfall mit Diego Rennrad mündet. Das scheppernd meinen Rücken streift. 

    Menschen sind natürlich noch viel stärker Meister der Verklärung vergangener Zeiten als unsere Spezies. Was ja ein stückweit auch den Erfolg der rechtsextremen AfD erklärt, die schwärmt, wie schön Deutschland doch einst war. Und wieder werden könnte. Mit ihr – der AfD – an der Macht.

    Und ich frage mich so, bei welchen Themen Deutschland früher eigentlich schön, gar schöner oder besser als heute war: Gleichberechtigung der Frau? Integration? Klimaschutz? Nun, einig scheinen die Deutschen, dass ihre geliebte Fußball-Nationalmannschaft früher besser war.

    Und yes, ich bestätige: Bis zum Titelgewinn 2014 war das Team auch in den Jahrzehnten davor meist mindestens unter den besten vier Mannschaften, insgesamt vier Mal Titelträger in 60 Jahren. Auf Erfolg – und damit gute Stimmung in der Heimat – war Verlass. Heute: Sowieso schlechte Laune im Land. Die nun noch durch das frühe Scheitern des Teams bei der WM in den USA potenziert wird. Anstatt abgebaut zu werden.

    Meine Bruna kommt erschüttert nach Hause. Erzählt, Schüler würden da nun die schwarzen Spieler des deutschen Teams denunzieren und rassistisch beleidigen. Vor allem jenen, der einen Elfmeter in die Wolken gejagt habe. Und ich denke so, was für ein Wahnsinn. In einer aufgeklärten Gesellschaft im Jahre 2026. Von der ein großer Teil offenbar zurück will ins AfD-Biedermeier. Der vermeintlich einfachen Lösungen. Aufklärung unerwünscht. 

    Durcheinander infolge des deutschen Ausscheidens bei der WM scheint auch der Bundeskanzler. Oder sein Team. Nach dem desaströsen Match gegen Paraguay ließ Merz einen Tweet absetzen: „Was für ein Spiel“, hieß es darin. „Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“

    Alle, die das lasen, waren zumindest irritiert. Und fragten sich, ob der Kanzler an Realitätsverlust leide. Bis dann seine Leute erklärten, der Tweet gehe auf eine Kommunikationspanne zurück. Es seien je nach Szenario mehrere Tweets vorbereitet gewesen. Der falsche sei dann scharf gestellt worden.

    Wäre früher nicht passiert. Denke ich so. Wenn es denn wirklich so war, wie Merzens Leute behaupten. Weil früher, da gab es kein Social Media, jedenfalls nicht in dem Ausmaß. Und: Das deutsche Team war eben wirklich besser.

    Ansonsten aber so? Nun, mir scheint, viele Probleme der Gegenwart sind Ergebnis der Politik der Vergangenheit. Ob es denn nun Klima-, Russland- oder Asylpolitik ist. Sagt der nostalgische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Kopf hoch, blickt nach vorn. Und chillt, Leute!