Monat: Juli 2026

  • 11. Juli 2026

    Surfer sind cool, auch wenn es hot ist – Surfin‘ Wäscheständer

    Balance halten. Trotz schwankendem Untergrunds. Das ist es, was uns Kater und Katzen auszeichnet. Was wir lieben – und deswegen auch in unseren Stuben-Revieren suchen. Und finden. Wäscheständer!!! Dessen Leinen so schwanken wie die Ästchen von Bäumen. Wenn wir darauf jumpen. Und quasi darauf surfen. Von Leine zu Leine. Wäscheständer-Surfen. Sehr, sehr nice.

    Und natürlich imitieren sie uns, die Menschen. Selbst Stadtmenschen wie meine, selbst alte Menschen wie meine. Versuchen zu surfen. Naturally: Nicht auf Wäscheständern. Sondern auf Wellen im Atlantik. Und so haben sie nun einen Surfkurs besucht. Um ihren Dilettantismus unter Beweis zu stellen.

    Klar, meine Bruna hat es einigermaßen drauf. Aber Felix und Laura? Dass ein sich am Strand sonnender fetter Franzose hernach Surflehrerin Lea fragt, ob ihren Schülern Surfen wirklich Spaß mache, es wirke beileibe nicht so, mag ein Indiz sein. Wie anstrengend es für Felix und Laura ist.

    Aber sie behaupten: „Es macht so Spaß.“ Behaupten es oft, immer wieder. Bis sie es irgendwann selbst glauben. Autosuggestion. Denke ich so. Als ich Felixens Surfer-Story höre. Und nun nacherzähle:

    Hürde 1: Frühstück runterwürgen – Übelkeit wegen Aufregung vor Surfkurs. Hürde 2: Ewiges Warten auf den Kurs – 20 Minuten zu früh bei der Schule. Hürde 3: Nicht mit den Füßen in die Ärmel des viel zu engen Neoprenanzugs schlüpfen. Hürde 4: Surfbrett richtig herum tragen. Hürde 5: Beim Marsch durch den weichen Sand nicht Sonnenanbeter mit dem Surfbrett treffen. Hürde 6: Trotz allem würdig laufen. Surfer sind cool, auch wenn es hot ist. Hürde 7: Sich nicht mit der Sicherheitsschnur vom Surfbrett zum Bein selbst fesseln. Hürde 8: Sich am Wassersaum nicht von der ersten Welle umreißen lassen. Hürde 9: Kampf gegen die Wellen nach draußen. Hürde 10: Umdrehen. Hürde 11: Aufs Brett robben ohne wie eine alte, fette Robbe auszusehen. Hürde 12: Aufs Brett robben ohne wie eine alte, fette Robbe auszusehen. Hürde 13: Aufs Brett robben ohne wie eine alte, fette Robbe auszusehen. Hürde 14: Aufs Brett robben ohne wie eine alte, fette Robbe auszusehen. Hürde 15: Richtung Strand blicken und trotzdem die von hinten kommenden Wellen im Blick haben. Hürde 16: Los paddeln, wenn weiße Welle in Sicht kommt, die grünen sind zu schwach. Hürde 17: Nicht runterfallen, Füße zusammen. Hände auf Brett. Hürde 18: Welle erwischen. Und dann wird es schneller und schneller. Flow. Glück. Vor der Hürde 19: Aufstehen, rechtes Bein hinten, linkes nach vorn, gebeugte Haltung. Nun, diese Hürde bleibe. Bei ihm. Sagt Felix. Während meine Bruna an ihm stehend auf dem Surfbrett vorbei geschwebt sei. Katergleich. Denke ich so. 

    Und der dicke Franzose mit Blich auf meine Alten zu Lea: „Warum machen die Leute das? Sie versperren den Blick auf das Meer.“ Lea lacht. Alle lachen. Bis auf den Franzosen. Der guckt böse. Verschiedene Sichtweisen. Denke ich so.

    Während Coco auf dem Wäscheständer balanciert. Springt. Und nach den wackelnden T-Shirts schlägt. Spaß hat. Sagt der ausbalancierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Sucht Herausforderungen. Und chillt, Leute!

  • 10. Juli 2026

    Nichts ist ewig – auch Surferparadiese nicht

    Sicher ist nur: Nichts ist unendlich. Trost und Drohung zugleich. Denke ich so. Irgendwann, in fünf Milliarden Jahren oder so, wird die Sonne keine Wärme mehr abstrahlen. Irgendwann wird der russische Angriffskrieg in der Ukraine aufhören. Irgendwann wird es US-Präsident Trump nicht mehr geben.

    Irgendwann wird meine arme Bruna, die mit ihren Eltern Laura und Felix in Frankreich in den Ferien abhängen muss, zurückkehren. Und irgendwann werden dann ich und Coco wieder pünktlich Futter bekommen. Von ihnen. Und Diego kann Weiterpennen. Tut er ja eh.

    Allerdings wollen Laura und Felix gar kein Ende ihrer Absenz von mir. Im Gegenteil: Sie sind ob der Tatsache, dass auch ihr heuriger Urlaub endlich ist, deprimiert. „Schon die Ankunft ist der Beginn des Abschieds“, sagt Felix. Und Laura: „Wie die Geburt der erste Schritt zum Tod ist.“

    Fröhliche Urlaubsgedanken. Die meine Bruna da aushalten muss. Denke ich so. Und mustere Coco, die chillend unter einem weichen mit Perwoll gewaschenen Handtuch liegt. Den Augenblick zur Unendlichkeit werden lässt. Und chillt.

    Während meine Alten in Lacanau Ocean an der französischen Atlantikküste tatsächlich dann doch auch Ähnliches versuchen. Den Kaffeegenuss auf der Terrasse, das sanfte Streicheln der milden Atlantik-Brise auf der Haut, der pastellfarben changierende Abendhimmel über weißen Schaumkronen, das Meeresrauschen – all das transformieren sie zur gefühlten Unendlichkeit.

    Wohl wissend aber, dass nicht einmal ihr Paradies, in dem sie chillen, ewig ist. Das habe ihnen ihre Surflehrerin Lea erzählt. Erzählen sie. Lacanau Ocean werde es bald nicht mehr geben. Das Meer fresse den Ort auf. 

    Wissenschaftler machten dafür den Klimawandel verantwortlich. Also, dass durch die Erwärmung der Meeresspiegel steige. Zitieren meine Leute Surflehrerin Lea. Yes really, meine Leute surfen. Aber das ist eine andere Story.

    Also, back zu Lea: Der Meeresspiegel sei in 20 Jahren um fast zehn Zentimeter gestiegen. Und wenn es stürme, verliere die Küste jedes Mal mehrere Meter an Strand. Auch die zu ihrem Schutz angehäuften Felsblöcke nutzten wenig – sie würden nach und nach unterspült. Ein ungleicher, aussichtsloser Kampf gegen die Natur.

    Was bedeute, dass die Zeit für die Strandpromenade und die an ihr liegenden Bars, Surfschulen und Cafés sehr endlich sei. Auch für die direkt dahinter liegenden Appartementanlagen. In 20 Jahren seien sie verschwunden. Der Wiederaufbau solle im Hinterland vonstatten gehen. Ab 2030 schon. 

    Meine Leute sitzen in der pittoresken Kayok-Bar direkt überm Meer. Auf der Großbildleinwand flimmert das WM-Viertelfinale Frankreich gegen Marokko. Meine Leute jubeln mit den Franzosen. 2:0. Macht Spaß, auf der Siegerseite zu sein. Gerade für Deutsche. Loser. Meine Leute genießen den Augenblick. Machen ihn zur gefühlten Ewigkeit.

    Und ich sehe Coco. Die das Handtuch abstreift. Weil eine Fliege sie überfliegt. Die Jagd beginnt. Der nächste unendliche Augenblick. Da Coco die Beute niemals bekommen wird. Sagt der ewige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Saugt die Sonne auf, so lange sie scheint. Und chillt, Leute!

  • 9. Juli 2026

    Das verrückte Murmeltier grüßt nicht im französischen Paradies

    Déjà vu? Ich kenne es nur zu gut. Schleiche mich auf den Balkon. Warte. Weiß, jetzt müsste Coco kommen. Sie kommt. Weiß, jetzt müsste Diego kommen. Er kommt. Weiß, jetzt müsste er uns reinscheuchen. Er scheucht uns rein. Und ich denke so, seltsam ernüchtert: Eigentlich ist das Leben ein einziges „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

    You know? Der Film aus aus den 90ern, in dem ein komischer Typ denselben Tag immer wieder durchlebt. Ich erlebe es – leicht variiert – auch so. Alles Wiederholung in Endlosschleife. Und manches schein so, als ob ich es in einem vorigen Leben schon einmal durchgemacht hätte. Und so ist mein Erleben manchmal fast irgendwie übersinnlich. Abgespalten von meinem Ich. Oder anders: Bin – werde ich verrückt?

    Schaut nur auf den mächtigsten Mann der Welt! Schon wieder ließ Donald Trump den Iran angreifen – trotz Waffenruhe. Sagt dann, die Waffenruhe sei gescheitert. Sagt ,die Iraner seien Abschaum. Sagt, die Iraner seien verrückt. Sagt, er sei bereit zu Verhandlungen. Sagt, die Iraner wollten verhandeln. Die Iraner sagen, sie hätten das nicht gesagt.

    Und so ist es wie zig Mal zuvor: Trump wiederholt sich. Um dann wie immer zu drohen, falls der Iran nicht verhandeln wolle, werde der nächste Angriff noch schlimmer werden. Und ich denke so: Den Drohungen folgte nie etwas. Trumps Sprüche sind immer dieselben. Déjà vu. Wie armselig. Bekloppt. Debil. Verrückt eben. 

    Während ein Teil meiner Leute – also Felix, Laura und meine arme Bruna – am Atlantik in der französischen Gemeinde Lacanau ihr tägliches Murmeltier erleben. Erneut urlauben sie dort. Wie im vergangenen Jahr. Und erzählen, sie hätten das Gefühl, gar nicht weg gewesen zu sein. Sonne, Wellen, Surfer. Déjà vu.

    Und doch hat sich etwas geändert: Statt der exklusiven Wohnung in der zweiten Etage mit exklusivem Blick vom Riesenbalkon aufs Meer sind sie nun in einer düsteren Erdgeschosswohnung mit tristem Dünenblick auf kleiner Terrasse eingezwängt. Umgeben von schreienden Babys und hustenden Männern im Endstadium.

    Und das Schlimmste: Das Paradies sei in Sichtweite – 200 Meter Luftlinie von ihrer Höllen-Terrasse. Mit einem dort auf dem Riesenbalkon sitzenden Paar, das der untergehenden Sonne entgegen schmachtet. Und meine Alten denken: Warum nur, warum nur ist das Murmeltier so unperfekt? Und hat uns den Ort nicht gelassen?

    Was für Probleme. Denke ich so. Und leide mit Diego. Dessen Murmeltier Prüfungen sind. Heute: Wichtig, spanisch, 90 Minuten. Es sei wie in der Schule früher. Sagt Diego. Alle Kommilitonen drehten am Rad und hätten Angst durchzufallen. Wie damals eben. Déjà vu.

    Alles Schleife. Alles Wiederholung. Denke ich so, als Diego mich und Coco vom Balkon trägt. Wie immer eben. Déjà vu. Sagt der rotierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Bleibt locker. Und chillt, Leute!

  • 8. Juli 2026

    Einstürzende Gewissheiten in einer verrohenden Welt

    Wenn alte Gewissheiten einstürzen, wächst auch mal Irritation. Und kann irgendwann stärker als die Genugtuung sein, dass eben diese alten Gewissheiten gecrasht sind, gecrasht wurden. Weil sie absolut sinnlos schienen. Sie es aber doch nicht waren. Sondern auch Halt gaben.

    Denke ich so. Als ich mich plötzlich auf unserem Balkon wiederfinde. Einem jener für die Cats unseres Rudels fortbidden places. Wie ich raus kam? Nun, Diego gießt die Blumen – und die Balkontür ist nur angelehnt. So dass ich mich rausschlängeln kann. Und sofort im Bann gezogen bin. Von den um mich kreisenden Schwalben und Hummeln.

    Um ihnen näher zu sein, jumpe ich auf den Tisch. Und  bin voll fasziniert, von den weit unter mir vorbeiziehenden Köter. Ich lasse meinen Blick in die Ferne schweifen. Und sehe Welt. Bin erstaunt. Ob ihrer Größe. Und spüre ein Kribbeln in mir. 

    Was man darf und was nicht – wer definiert das eigentlich? Frage ich mich so. Und höre, wie eine Senatorin aus Paraguay den französischen Starfußballer Mbappe rassistisch beschimpft. Der hatte zuvor Frankreich bei der WM in den USA durch ein Elfmetertor eben gegen Paraguay eine Runde weiter geschossen.

    Und die Senatorin Celeste Amarilla bezeichnet Mbappe daraufhin in sozialen Netzwerken als kolonialisierten Kameruner, der verzweifelt versuche, als Franzose durchzugehen. Er sei verbittert, neureich, arrogant und hässlich. Und ich denke so: Dass eine Politikerin so denkt – ja, ist leider so. Dass sie es aber öffentlich äußert, unfassbar.

    Ein No Go. War mal eine Gewissheit. Und auch wenn die Regierung ihres Landes sich distanziert und selbst die Fifa das Statement rügt – es ist in der Welt. Und ich ahne, welch Beifall sie für ihre Worte von manchen Menschen bekommt. 

    Die Grenzen des Sagbaren sind massiv verschoben. Gewissheiten damit ebenfalls, wenn nicht gar verschwunden. An dieser Entwicklung hat US-Präsident Trump einen erheblichen Anteil. Denke ich so.

    Denn: Wer Völkern direkt mit Vernichtung droht. Wer Verbündete wie Feinde behandelt. Wer Zölle verhängt und Kriege beginnt, wie es ihm beliebt. Wer alle Regeln über Bord wirft. Der ist verantwortlich für die Verrohung der Welt. Und dafür, dass alte Gewissheiten zerbersten. Und es keine Leitplanken mehr gibt. Keinen Halt. 

    Trotzdem, naturally lohnt es sich, immer und jederzeit Gewissheiten infrage zu stellen. Und ich sehe Diego. Wie er beim Essen mit beiden Ellbogen über seinem Teller lümmelt und diesen danach ableckt. Mag Felix nicht. „Warum?“ Fragt Diego. „Tut man nicht.“ Antwortet Felix. „Wer ist „man“?“ Fragt Diego. Und leckt.

    Während ich mich frage, warum ich nicht auf dem Balkon sitzen darf. Um die Welt beobachten zu können. Spüre dann plötzlich einen Sprungreflex in meinen Hinterläufen. Als mich eine Schwalbe umschwirrt. Sagt der für alles offene Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Stellt alte Gewissheiten auf den Prüfstand. Und chillt, Leute!

  • 7. Juli 2026

    Trumps stupides Eigentor: Rattatatatatatata

    Rattatatatatatata – so ist das Leben, nix weiter. Warum also aufregen über Dinge, die sich eh nicht ändern lassen? Und ich bin happy. Denn ich sehe: Coco hat es, hat das kapiert. Hat ihre Lektion gelernt. Wenn Diego schläft, schläft er. Und Coco und ich hungern. 

    Es bringt nichts, an seiner Tür zu kratzen. Um ihn an uns zu erinnern. Wenn Diego schläft, schläft er. Und wir hungern. Ita est. Oder: So ist es. Rattatatatatatata.

    Die USA haben ihr WM-Achtelfinale gegen Belgien desaströs mit 1:4 verloren. Mit ihrem eigentlich gesperrten Topstürmer Balogun. Der ja im Match zuvor eine rote Karte kassiert hatte und deswegen automatisch gesperrt gewesen wäre. Der dann aber doch spielen durfte – nachdem US-Präsident Trump bei seinem Freund, Fifa-Boss Infantino, interveniert und die Aufhebung der Sperre gefordert hatte. Und das klappte. Wider jedweder Fairness. Ein veritabler Skandal. Und fast alle außerhalb der USA sind – empört.

    Ein Skandal, der nun vielleicht nicht gleich das ganze Turnier völlig verdirbt. Jedenfalls nicht mir. Hauptsache Geflimmer auf der Mattscheibe, he, he. Aber die Performance des US-Teams ist auf jeden Fall verdorben. Das nun unter Generalverdacht steht, nur durch Trumps Eingreifen überhaupt erfolgreich sein zu können.

    So gerät auch in Vergessenheit, dass die US-Mannschaft eigentlich zuvor begeistert hatte. Womit bewiesen wäre: Trump hat mit seinem Eingreifen das Gegenteil dessen erreicht, was er vorgehabt hatte: Seinem Team wurde damit der Stecker gezogen. Die Energie war weg. Gegen Belgien war angesichts der drohenden Niederlage kein Aufbäumen zu erkennen.

    Und auf der anderen Seite die Belgier. Die nun sagen, Trumps unfaire Intervention habe sie zusätzlich motiviert. Nach der Niederlage verspotten die Belgier den mächtigsten Mann der Welt. Einige Spieler imitieren Trumps unbeholfen wirkende Tanzbewegungen bei Wahlkampfauftritten. Und dann fragt das Team auf seinem Social Media-Account, ob Trump nun auch den letzten belgischen Treffer aberkennen lassen wolle. Das 1:4. He he. Rattatatatatatata. 

    Auch bei meinen Leuten: Die offenbar ihr Glück zwingen wollen. Liefen zu ihrem in einem Wohnviertel geparkten Auto in Freiburg. Und erschraken – die Beifahrertür stand sperrangelweit offen. Waren verblüfft – alle Taschen waren noch im Wagen. Nichts geklaut.

    Sie hatten offenbar vergessen, die Tür 14 Stunden zuvor nach dem Parken zu schließen. Das sei Freiburg. Sagen meine Nuria und meine Bruna. Oder das Sterbe-Hospiz, vor dem das Auto stand. Denke ich so. Welcher Halbtote würde schon…. Rattatatatatatata. 

    Tja, manchmal regelt sich dann doch alles von selbst. Zur Zufriedenheit aller. Abgesehen der von Trump. Denke ich so. Diego wankt schlaftrunken aus seiner Schlafhöhle. Gibt Coco Lachs. Und mir Lamm. Wieder mal verwechselt. Egal. Hauptsache Futter. Rattatatatatatata. Sagt der tiefenentspannte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Lasst alles auf euch zukommen. Und chillt, Leute!

  • 6. Juli 2026

    Trump macht Weltmeister und meine Liebe für Gegensätze

    Gegensätze. Ziehen sich an. Wie Coco und ich. Gegensätze stoßen sich aber auch ab. Wie Coco und ich. Wir sind ja nun auch mal, rein äußerlich, unterschiedlich. Sie ist gescheckt, ich bin weiß. Sie ist jung, ich bin alt. Was aber cringe ist: Ich fühle mich bei uns beiden erinnert an die beiden Katzen auf meinem Lieblingsgemälde, das als Poster im Schlafzimmer meiner Alten hängt: „Le rendez-vous des chats“ von Manet.

    Dort steht der weiße dem schwarzen Kater gegenüber. Und die beiden, sie symbolisieren für mich das Leben: Der Schwarze steht für das Geheimnisvolle, Eigenwillige; der Weiße ist der ruhige, weiche und strukturierte Gegenpart. Die beiden sind die unterschiedlichen Seiten des Lebens. Denke ich so. Und haue Coco, die während meines Chill-Genusses wieder mal über mich springen will. 

    Tja, und unwillkürlich bin ich wieder bei US-Präsident Trump gelandet. Der hat den Boss des Weltfußballverbandes Fifa angerufen, weil das US-Team in der Klemme sitzt. Der bislang überragende US-Spieler Balogun flog beim letzten Spiel wegen einer roten Karte vom Platz – und wäre somit Achtelfinale gegen Belgien gesperrt.

    Damit wären die Chancen für ein Weiterkommen der USA stark geschmälert. Also bittet Trump Fifa-Chef Infantino – der ihn ja vor ein paar Monaten mit dem absurden Fifa-Friedenspreis ausgezeichnet hatte- er möge für eine Begnadigung sorgen. Kurze Zeit später spricht die Fifa Balogun frei – auf Bewährung. Gegen Belgien jedenfalls darf er spielen.

    Was nicht nur den belgischen Verband empört. Sondern auch den Europäischen Fußballverband. Und natürlich auch mich, Ballsportfan Charlie. Denn: Die Integrität des Fußballs, der WM steht auf dem Spiel,. Wenn der US-Präsident bestimmt, wie Regeln ausgelegt werden.

    Es ist unfassbar, dass die Regelhüter um Infantino das sogar goutieren. Und belohnen. Und ich denke so: Ist das das Ende des Fußballs? Zumindest dieser Fifa? Das Perfideste dabei: Das Ganze ereignete sich nicht im Hintergrund, in aller Stille. Nein, Trump brüstet sich mit seinem Telefonat, und Infantino tut so, als ob es das Normalste der Welt wäre.

    Dass ein gesperrter Spieler einfach so wieder mitwirken darf. Und ich denke so: Nun ist ein Präzedenzfall da. Jetzt kann auch Ex-DFB-Teamchef Nagelsmann kommen und fordern, dass der letzte deutsche Elfmeter gegen Paraguay wiederholt werden muss, weil sich der Torwart des Gegners zu früh bewegte. So dass das Spiel wiederholt werden muss. Deutschland gewinnt und schließlich im Finale steht. Dort aber scheitern wird.

    Weil Trump dafür sorgen wird, dass das US-Team Weltmeister wird. Indem er alle französischen und spanischen Topstars sowie auch den Argentinier Messi sperren lässt. Den deutschen Torwart Manuel Neuer im Endspiel sowieso. Gründe werden sich dafür schon finden lassen. Denke ich so.

    Denn ich bin weiß. Und rein. Und Coco ist fleckig und wild. Wir ergänzen. Und schätzen uns. Schauen noch ein bisschen USA versus Belgien. Sagt der unbestechliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Boykottiert die Fußball-WM. Und chillt, Leute! 

  • 5. Juli 2026

    Über Retter, Jedi-Ritter, Götter und Albaner

    Glück ist, wenn dann doch noch das passiert, was man sich zuvor stundenlang erhoffte. Irgendwann am späten Abend öffnet sich die Eingangstür zu unserem Revier. Coco und ich springen auf. Vom Schuhschrank, auf dem wir ausharrten, erblicken wir unseren Retter: Diego. Der nur cool sagt: „Hej cats.“

    Rein stolziert. Coco und ich hecheln seinen verschweißten Beinen hinterher. Auf dem Weg in die Küche. Zu unseren Näpfen. Die seit 24 Stunden leer sind. Und sich nun füllen. Mit Lachs in Soße. Und Lamm in Soße. Glück. Kann. So. Einfach. Sein.

    Gilt auch für andere, wie US-Präsident Trump. Der sich gestern selbst zelebrierte, indem er den 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA von Großbritannien zur Lobpreisung seiner selbst umfunktionierte. Er sei der Allergrößte aller Zeiten. Sprach er zu seinem Volk. Das zuhörte – anstatt ihn in die Psychiatrie zu bringen.

    Trump also weiter: Die USA seien eine von Gott auserwählte Siegernation. Alle strebten danach, so zu sein wie die USA. Trump trieft. Es ist heiß. Hot, hotter, Washington. Denke ich so. Knapp 40 Grad zeigen die Thermometer in der Hauptstadt. Not so nice. Auch für Trump. Seine Ehrenparade wird abgesagt – wegen der Hitze. Am Abend heftige Gewitter. Zuschauer müssen evakuiert werden. Die Götter schlagen zurück. Denke ich so. 

    Ortswechsel: Parteitag der AfD in Erfurt. Auch hier feiern sich Rechtsextreme. Aber ihre Gegner zeigen sich. Zehntausende demonstrieren. Und dann ist in der Halle, in der der Parteitag stattfindet, plötzlich Starwars-Musik zu hören. Bei den Reden. Ungeplant.

    Keiner weiß, wer der Verursacher ist. Der hinter einen Vorhang eine Bluetooth-Box stellte. Aus der die Musik dringt – gespielt von einer Blockflöte. Darth Vader, der Jedi-Ritter aus Starwars, kapert die Extremen. Aber nicht mit Pauken und Trompeten – sondern mit den zarten Klängen einer Flöte. Ein gutes Zeichen. Denke ich so. Wenn die dunkle Seite der Macht die AfD der Lächerlichkeit preis gibt.

    Ob meine Leute was damit zu tun haben? Kann es Zufall sein, dass zeitgleich in Freiburg meine Nuria mit ihrem Studierendenorchester in einem Konzert Starwars spielt? Dass der Dirigent mit grün leuchtendem Taktstock dirigiert. Die Hornisten Darth Vader-Masken tragen? 

    Und ich höre meine Nuria antworten: „Man muss nicht immer alles als verrückt abstempeln, nur weil es von der Norm abweicht. Eigentlich ist es auch einfach cool.“ Kryptisch das alles. Denke ich so. 

    Dass dann auch noch in Albanien seit Wochen Tausende auf die Straße gehen, um gegen ein von Trumps Familie geplantes Luxusresort zu demonstrieren, das an der Küste in einem Naturschutzgebiet mit Flamingos errichtet werden soll, ist ein weiteres – gutes – Zeichen: Menschen wehren sich. Lassen sich nicht alles gefallen. Und mit sich machen.

    Kater auch nicht. Sagt der schmatzend glückliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Meidet Blasphemie. Und chillt, Leute!

  • 4. Juli 2026

    Six Seven (6 7) in die Unabhängigkeit des Größenwahns

    134 Gramm habe ich bereits abgenommen,. Really. Ich kann es spüren, jedes Gramm. Und was crazy ist. Das bedeutet, ich habe zwei Mal 6,7, als six seven, abgenommen. You know? Zwei Mal 67 macht 134. Sagt der mathematische Kater. 6,7, cool, aber natürlich vollkommen sinnlos. Und deswegen eben cool. Weil six seven quasi eine Parabel fürs Leben ist. Denke ich so. he he.

    Obwohl meine Lage eigentlich so gar nicht zum Lachen ist. Denn Coco und ich sind alleine. Was nicht hätte passieren müssen. Wenn wir in der Reisetasche drin geblieben wären. In die wir hüpften, als meine Leute sie holten. Um zu packen. Für ihren Urlaub oder so. Aber wir sprangen raus. Anstatt uns mitnehmen zu lassen. Far away vom dreckigen Berlin. Nach Freiburg, Frankreich oder ins Friaul. Wo auch immer sie sind.

    Hauptsache weg – und ein wenig katerfreundlicher eben als hier. Wo wir verhungern. Also: Coco und ich sind allein: Und das bedeutet: Kein Futter, kein Frischwasser, geschweige denn Leckerli. Verhungern, also, abnehmen. 6,7. 

    An einem Tag, der eigentlich 4 7 ist, also four seven – oder 4. Juli. Nationalfeiertag der USA. Und in diesem Jahr ein besonderer, der 250. An dem die Unabhängigkeit von Großbritannien gefeiert wird. Eigentlich. Aber ein Mensch spielt sich in den Vordergrund: US-Präsident Donald Trump will die Feier lieber als Projektionsfläche für sich selbst nutzen, um sich zu feiern.

    Trump behauptet, er sei der berühmteste und bekannteste Mensch aller Zeiten. Hätte mehr Fans als der berühmte Elvis Presley, ziehe weit mehr Leute an. Nun will Trump in Washington einen Triumphbogen errichten lassen, der drei Mal so groß ist wie das Brandenburger Tor. In der Nähe des dann neu errichteten Ballsaals am Weißen Haus, dem prächtigsten Bau aller Zeiten natürlich. Sagt er.

    Und er ist auch einer weiteren Idee nicht abgeneigt: Sein Konterfei könnte doch auch in Mount Rushmore in South Dakota verewigt werden, neben den Gesichtern der US-Präsidenten Washington, Jefferson, Roosevelt und Lincoln. Will auch er in die Granitwand gemeißelt werden. 

    Six seven. Denke ich so. Und harre gemeinsam mit Coco der Dinge. Während wir weiter abnehmen. Und und gegenseitig das Fell rausreißen. Und reinwürgen. Um den nagenden Hunger zu besiegen. Wann nur öffnet sich die Tür unseres Reviers. Und ein Mensch kommt rein. Der sich unserer erbarmt? Sagt der verhungernde Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Celebrate youth. Und chillt, Leute!

  • 3. Juli 2026

    Horror in Kiew und Gewölle auf dem Perserteppich

    Nicht immer kommt der Aggressor durch. Denke ich so. Auf dem Bett meiner Alten chillend. Und an die Ukraine denkend. Die seit mehr als vier Jahren von den Russen mit Drohnen und Raketen attackiert wird. Durch deren zerstörerische Kraft Zivilisten getötet werden. Wohnhäuser zerstört werden. Der Alltag zum Horror wird. 

    Mittlerweile haben die Ukrainer ihre Taktik und Verteidigungsfähigkeit optimiert. Sie nehmen ihrerseits Ölraffinerien und Militäranlagen der Russen in deren Hinterland ins Visier. Auch dort brennen nun Häfen und Fabriken. Und plötzlich herrscht in Russland, einem der größten Ölexportländer, Mangel an Benzin. In vielen Gebieten des Riesenreichs wird Treibstoff nur noch rationiert verkauft. Vor den Tankstellen bilden sich lange Schlangen. Mit erbosten Menschen. 

    Der Krieg von Kremldespot Putin ist im eigenen Reich angekommen. Allerdings: Trotz brennender Öl-Raffinerien und Häfen – Proteste gegen das Regime gibt es nicht. Bei vielen scheint die Angst vor ihrem Staat zu groß. Viele aber auch vertrauen der Putin-Propaganda. Machen die Nato und die „terroristische“ Ukraine für den Krieg – nein: militärische Spezialoperation – verantwortlich. Und so lautet eine weit verbreitete Meinung: Russland sei schon immer von Feinden umgeben gewesen. Und müsse sich wehren. 

    Und mir bleibt nichts anderes übrig, als das Grauen zu referieren. Ein Grauen, das für die Ukraine Tag für Tag, Nacht für Nacht Realität ist. Aber für diejenigen, die nicht direkt davon betroffen sind, bleibt es abstrakt. So abstrakt, wie für katzenlose Menschen Katergewölle auf dem Perserteppich.

    Die Meldung: „Bei einem russischen Raketenangriff auf Kiew sind mehrere Menschen ums Leben gekommen“ wird vielerorts kaum noch wahrgenommen. Weil normal geworden ist, was nicht normal ist. So kommt nicht einmal überraschend, dass der Aggressor Russland demnächst wieder – ganz normal – an einer Jugend-Fußball-WM teilnehmen darf – Ende Oktober in Aserbaidschan.

    Während weiter Zivilisten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew sterben. Ich denke an Rudy, den Kater der Ukrainer, die einst bei den Großeltern meiner Bruna in Isernhagen wohnten. Und nun in Kiew leben. Was müssen sie für Ängste haben. Wenn in der Nähe Raketen explodieren. Vor allem aber Rudy. In einer engen Wohnung. Der ja ein viel sensibleres Gehör als Menschen hat. Und nun so gar nicht weiß, was da eigentlich los ist. 

    Putin schlägt nun – nachdem die Ukraine ihm weh tut – umso härter zurück. Vor allem auf Kiew. Vorletzte Nacht registrierte die Hauptstadt einen der schwersten russischen Angriffe seit Kriegsbeginn. Fast 30 Menschen wurden getötet. Fast 100 verletzt. Wohnhäuser zerstört. Mehr als 500 Flugobjekte, vor allem Drohnen, wurden registriert.

    Ich wälze mich auf dem Bett. Und schon sitzt Coco auf mir. Ich schrecke auf. Und sie verliert tatsächlich das Gleichgewicht. Really. Und fällt. Auf den harten Boden der Realität. So ist das. Mit Aggressoren. Sagt der attackierte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Rüstet ab. Und chillt, Leute!

  • 2. Juli 2026

    Komfortmenschen und Merzreformen von der traurigen Gestalt

    Ob Kater, Katze oder Mensch: Lebewesen sind soziale Wesen. Brauchen – quasi als Lebenselixier – Kontakte zu anderen. Um von eben diesen Anderen Wertschätzung ob des eigenen Tuns zu erfahren. Wie das bei mir ist? Nun, wahre Wertschätzung fühle ich, wenn mir meine Bruna Leckerli gibt.

    Und wie ist es bei meiner Bruna? Sie fühlt wahre Wertschätzung, wenn sie für ihre neue Frisur Komplimente bekommt. Von ihren Freundinnen. Heute aber: Keine Komplimente. Weil alle – tatsächlich alle Freundinnen – weg sind. „Alle meine Komfortleute sind auf Chorfahrt oder im Schullandheim“, stöhnt meine Bruna. Keine der Verbliebenen in ihrer Klasse habe den neuen, von Laura verpassten Schnitt, bemerkt. Und so bin einmal mehr ich es, der sich um sie kümmert. Mit Sprung auf ihren Schoss. Und lautem Schnurren. Wertschätze ich sie. 

    Ähnliches versuche ich auch bei Bundeskanzler Merz. Dem Regierungschef von der traurigen Gestalt. Der in seinem Volke so unbeliebt ist wie kein Kanzler vor ihm. Und dessen Regierung vorgeworfen wird, nichts auf die Reihe zu bekommen, Versprechen zu brechen  – und sich nur zu streiten.

    Heute nun präsentieren Union und SPD ein Reformpaket – Steuern, Gesundheit, Rente, alle wichtigen Bereiche drin. Und die Ideen scheinen breit gefächert: mehr Kindergeld wird in Aussicht gestellt, dazu mehr Wohnungsbau, Lockerungen bei Befristung von Arbeitsverträgen, Bürokratieabbau – und die Ansiedlung von KI-Rechenzentren soll erleichtert werden.

    Und doch, hängen bleibt vor allem eins, etwas, was kolossal nervt: Künftig sollen Erkrankte dem Arbeitgeber bereits am ersten Tag ein Attest vorlegen – und nicht wie bisher erst am dritten. Was folgt: Ein Aufschrei vieler Arbeitnehmer. Ein Aufschrei vieler Ärzte, die einen Ansturm von Magen-Darm-Erkrankten erwarten. Ich kann den Ärger nachvollziehen. Aber unstrittig ist auch: Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bei den Krankenständen vorn. 

    Nun, ich versuche Merz zu streifen. Der mich aber ignoriert. Obwohl er kaum noch Komfortleute um sich hat. Ich sehe, die fette Mattscheibe trennt uns. Während die sozialen Netzwerke asoziale Häme verbreiten.

    Immerhin, denke ich so: Die Regierung hat gehandelt. Und gezeigt, sie kann, wenn sie muss. Was ja viele schon gar nicht mehr erwartet hätten. Das geplante Reformpaket könnte ein erster Schritt aus der Dauerkrise sein. Und ein ausgestreckter Mittelfinger Richtung rechtsextremer AfD.

    Dem Profiteur eines Regierungsversagens. Dessen düstere Weltuntergangsprognosen bei einem Reformscheitern ein stückweit Bestätigung erfahren hätten. Klar, jetzt müssen die vollmundigen Pläne umgesetzt werden. Könnte um einiges schwieriger sein als die Ankündigungen an sich. Sagt der soziale Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Widmet euch anderen. Und chillt, Leute!