Monat: Juli 2026

  • 26. Juli 2026

    Rückkehr meiner Bruna nach einer Leidenstour in Paris

    Plötzlich ist sie wieder da. Als ob sie nie weg gewesen wäre. Nach über drei Wochen. Meine Bruna! Sie duftet nach Freiheit. Also Sauerstoff, Salz, Sonne, Abgasen, Köter, Jasmin, Sand. Einfach gut. Finde ich. Und das bedeutet: Kuschel as kuschel can.

    Und ja: Auch ein Kater kann Wiedersehensfreude zeigen. Auch wenn Menschen häufig kolportieren, das gebe es bei uns nicht. Übrigens: Auch mit Laura, die ja auch wieder da ist, kuschelt es sich gut. Wie ich kurz darauf merke. Als sie sich auf dem Sofa fläzt. Und ich die Chance zum Körperkontakt ergreife.

    Während sie in den Fernseher glotzt. Da radeln 150 Männer durch Paris. Mit mehr als 50 Stundenkilometern. Und sie so, enthusiasmiert: „Da sind wir gestern auch noch geradelt, Triumphbogen“, ruft Laura. „Ach, hätte ich doch nur das Gelbe Trikot in dem Shop gekauft – für schlappe 150 Euro.“ 

    Zum Glück nicht, peinlich, peinlicher… – alte Menschen in Sportklamotten von aktuellen Helden. Denke ich so. Die aussehen wollen wie Pogacar, der die Tour de France in diesem Jahr wieder gewinnt, zum fünften Mal das Gelbe Trikot des Siegers behalten darf.

    Heute also die letzte Etappe in Paris. Und ich denke so: Krass, was die Jungs da so leisten. Sie sind noch mal deutlich schneller unterwegs als ihre Vorgänger vor rund 20 Jahren. Bei denen dann vielfach Doping nachgewiesen wurde. Und heutzutage so? Haben meine Bruna und ihre Alten Laura und Felix E-Räder ausgeliehen, um durch Paris zu touren. Und sind damit, also mit Antrieb, gerade mal ein Drittel so schnell wie die Rad-Profis. Aber nein – ich will doch nicht unterschwellig irgendwas suggerieren, he he. 

    Auf der letzten Etappe müssen die Radler statt der geplanten 150 Kilometer nur knapp 90 fahren. Weil die zur Sicherung der Strecke verplanten Polizisten nach Südwestfrankreich abkommandiert wurden. Um beim Kampf gegen die historischen Feuersbrünste zu helfen, die nun die Großstadt Bordeaux bedrohen. Die weiter nicht unter Kontrolle sind.

    Die Vermieterin meiner Leute in Lacanau Ocean, Veronique, schreibt, in dem Ort selbst seien noch keine Häuser verbrannt. Aber die Ungewissheit sei kaum zu ertragen.  Der stetige intensive Brandgeruch erzeuge mittlerweile einen Würgereiz. Packen und zu Freunden ziehen? Oder ausharren? Und hoffen? Das sei die große wiederkehrende Frage. 

    Ich hänge mittlerweile voll auf Laura ab. Das ist meine Freiheit. Während Coco irgendwie komisch ist. Sagt zumindest meine Bruna. Und die muss es als Katzenflüsterin ja wissen. Coco fremdele etwas, als ob sie sie nicht erkennen würde. Oder sauer sei, dass sie weg gewesen sei.

    Nun, ich denke da pragmatischer: So ist das nun mal in der Pubertät, auch in der Katzenpubertät. Und so lasse ich Coco in Ruhe. Sie braucht Zeit für sich. Sagt der verständnisvolle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Radelt. Und chillt, Leute!

  • 25. Juli 2026

    Wenn das Paradies zur Hölle wird: Cap Ferret brennt

    Ein defektes Auto kann ausreichen, ein Paradies in wenigen Stunden zur Hölle zu machen. Der Ort, das Cap Ferret an der französischen Atlantikküste, an dem meine Bruna noch vor wenigen Tagen das Leben feierte, brennt. Sie ist dem Feuer zusammen mit ihren Eltern Felix und Laura an dem Tag entkommen, als alles begann.

    Vermutlich war kurz zuvor ein Lieferwagen auf einer Landstraße  in Brand geraten  – und die Flammen griffen sofort auf die Bäume über. Und so ist da, wo an den Stränden und auf den Wellen, in den Bars und Restaurants, Zehntausende Sport, Surfen, Sonnen, kurz: Dolce Vita genossen, nun Leere.

    Touristen und Einheimische werden mittlerweile evakuiert, einige mit Schiffen. Urlauber müssen ihre Wohnmobile auf den Campingplätzen stehenlassen – und hoffen. Es brennt mittlerweile eine Fläche, die drei Mal so groß wie Paris ist. Wenn die Winde schlecht stehen, muss eventuell gar die Großstadt Bordeaux evakuiert werden – 30 Kilometer ist die Feuerfront nur noch von ihr entfernt.

    Schwarz-orangenfarbene Rauchwolken verdüstern die Sonne und vergrauen das Meer. Überall ätzt Brandgeruch. Das Zirpen der Zikaden ist dem grausamen knackendem Geräusch der Flammen gewichen.

    Die Vermieterin meiner Leute in Lacanau Ocean, Veronique, schreibt an Laura, sie finde nicht die richtigen Worte für das Entsetzen. Ihr Herz stehe still. Schock. Es sei so unermesslich dramatisch. In Nachbarorten seien schon einige Häuser abgebrannt. Die Feuerwehr leiste aber hervorragende Arbeit.

    Und ich glaube, ich kann ihren Horror ein stückweit nachvollziehen. Etwas Unvorstellbares ist eingetreten: Plötzlich wird die Lebensgrundlage, die Existenz weggezogen. Und man ist vollkommen machtlos dagegen. Die Feuerwehr erklärt, der Wind sei zu stark, man könne nur abwägen, was eventuell gerettet werden könne – und was nicht.

    Und so brennen eben auch Häuser ab. Auch edle Holzhäuser an einem See, an dem meine Leute noch vor einer Woche nach ihrer Radtour fröhlich mit Touristen badeten. Den Pinienduft einsogen. Und schwärmten: Nur Sonne, wie schön.

    Ein Paradies brennt. Wird zur Apokalypse. Was ihre Surflehrer Etienne und Lea nun machten? Fragt meine Bruna bang. Die Surfschule schreibt auf Instagram, sie sei geschlossen. Meine Bruna weiß, die Angestellten wohnen in der Gegend. Es ist nicht nur das Jetzt, was da zerstört wird, denke ich so. Womöglich auch die Zukunft.

    Wenn die Pinien- und Kiefernwälder abgebrannt sein sollten. Wenn wegen des Klimawandels Großfeuer im Sommer zur Regel werden. Und Touristen die Gegend meiden. Fürchterlich ist es auch für die Tiere in den Wäldern. Rehe, Füchse, Wildschweine und Schwarzmilane – wohin sollen sie?

    Es gibt Filme von vor dem Inferno über die Straße fliehenden Pferden, deren Ställe geöffnet wurden, damit sie flüchten können. Es gibt Fotos von verrußten Katzen, gerettet von Feuerwehrleuten.

    Es brennt nicht nur in Frankreich. Auch in Spanien, auf Sizilien, in Griechenland. Apokalypse. Und schon ist das Paradies die Hölle. Sagt der entsetzte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid besonnen. Und chillt, Leute! 

  • 24. Juli 2026

    Kater Feuerteufel und Lacanau in Flammen

    Kater sind Feuerteufel! Behaupten Menschen. Und erzählen diese krasse, cringe Story: In Italien sollen „Menschen“ Lappen, die sie zuvor mit brennbarer Flüssigkeit getränkt hatten, an die Schwänze von Katzen gebunden – und dann tatsächlich angezündet haben. Die brennenden Katzen seien dann in die nahen, trockenen Wälder geflüchtet. Und hätten die Bäume so in Brand gesteckt.

    Horrorstory. Denke ich so. Aber offenbar wahr. Experten bestätigen, die Mafia in Italien habe früher schon ähnlich agiert – und Ländereien durch Katzen in Brand setzen lassen, um sie dann günstig zu kaufen. Zuzutrauen ist ihnen das. Den Menschen. 

    Nun, auch in Frankreich wüten derzeit Brände. Die wohl nicht durch Katzen, sondern eher durch menschliches Versagen ausgelöst wurden. Wird so gesagt. Da, wo meine Leute noch vor zwei Tagen ihren Sommerurlaub verbrachten, in Lacanau an der Atlantikküste auf Cap Feret, vernichten Brände stündlich Gebiete in der Größe mehrerer Fußballplätze.

    Ausgelöst wurden die Feuer wohl durch Elektriker. Aus Versehen. Nun verhüllen Rauch- und Aschewolken den blauen Himmel und die Sonne, Brandgeruch ätzt in der Nase. Die Bars am Strand schließen früher. Mehr als 40.000 Menschen sollen in der Gegend bereits evakuiert worden sein. Und meine Leute – sind froh, in Paris zu sein. 

    Auch meine Bruna ist froh. Se bemitleidet die Surflehrer, die nun wohl stärker gegen gegen die Rauchschwaden als gegen Wellen anzukämpfen haben. Und geht tapfer mit ihren Alten Felix und Laura in Kunstmuseen in Paris. Heute: Orangerie. Nicht nur mit Monets Seerosenbildern. Sondern auch mit Impressionisten, die nicht ganz so berühmt, aber nichtsdestotrotz großartig sind.

    Findet auch meine Bruna. Sie bewundert vor allem eine Frau, Marie Laurencin. Die in die Phalanx der Renoirs, Degas und Monets einbrach, mit ihren sanften Studien über Frauen und Tiere, vor allem Köter. 

    Nun, ich räume mal ein: Nicht so schlecht. Findet auch Laura. Die nichtsdestotrotz erstaunt ist, als Felix ihr ein Foto zeigt: Frauen mit weißem Kater. Das Gemälde habe sie leider gar nicht gesehen. Und Felixr so zu ihr: „Wirklich nicht, den weißen Kater?“ Und Laura so: „Nein, leider nicht.“ Bis meine Bruna auflöst: „Das ist doch Charlie. Ach, ihr Alten und KI. Echt peinlich.“

    So ist das also. Im Impressionismus. Denke ich so. Aber immer entspannt bleiben. Wie Coco. Und mir wird ganz heiß, bei ihrem Anblick. Wie sie da auf meinem Sessel liegt und nach mir verlangt. Sagt der entflammte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt, so lange es geht und nicht brennt. Und chillt, Leute!

  • 23. Juli 2026

    Kater ist Kunst in Paris und die dreibeinige Katze im Impressionismus

    Kater ist Kunst. Eigentlich nichts Neues. Für meine Leute offenbar schon. Sie sind ja nun mittlerweile in Paris. Spazieren durch das Museum D’Orsay. Lauter Impressionisten. Die auch Kater malten. Viele Kater. Wie die Alten meiner Bruna, Felix und Laura, überrascht bemerken. Nun, ob Manet, Degas oder natürlich der großartige Pierre Bonnard. Der nicht nur auf schwarze Kater steht, sondern offenbar auch auf mich. Wenn man der KI trauen darf. He, he. 

    Nun, die Alten Felix und Laura gehen ganz auf in ihrem Dozententum für meine arme Bruna. Und palavern: Mit Aufkommen der Fotografie Ende des 19. Jahrhunderts hätten die viele Künstler versucht, sich davon abzusetzen und nicht mehr die Realität detailgetreu nachzubilden. Denn das habe die Fotografie ja perfekt beherrscht. Vielmehr sei es ihnen darum gegangen, einen flüchtigen Moment wiederzugeben, Stimmungen von Licht und Atmo – möglichst mit leuchtenden und hellen Farben. 

    Heute schieben sich an den Meisterwerken der Impressionisten in dem Museum täglich Tausende Menschen vorbei. Das Absurde: Die meisten scheinen sich gar nicht für die Seerosen oder Balletttänzerinnen zu interessieren. Erzählt zumindest Felix.

    Die Leute versuchten, irgendwann in die erste Reihe zu kommen, zückten ihr Handy. Und fotografierten dann das Gemälde. Um dann direkt auf die nächste Ikone zuzusteuern und sie abzulichten. Manche Besucher machten Selfies vor den Werken. Oder stellten ihre Frauen – oder Kinder – vor die Werke, die dann die graziösen Bewegungen der Balletttänzerinnen Degas nachahmen sollten. Fürs Foto. Oder manchmal auch das Video.

    Nach dem Motto: Hauptsache die Ikone ist auf dem eigenen Handy. Fragt sich, wer das anschauen soll… – denke ich so. Zumal die Bilder auf der Webseite des Museums und in jedem Katalog hochwertig abgebildet sind. 

    Strange, nein cringe. Die Menschen. Denke ich so. Wahrnehmung ohne Handy, gibt es nicht mehr. Ist aber bei meinen Alten ähnlich. Meine Bruna erzählt von der Hofkatze des Hauses, in dem sie abgestiegen sind. Die Katze – von weitem – sehr süß. Sie locken sie an – fürs Handyfoto. Die Katze humpelt. Das linke Vorderbein fehlt. 

    Von Ekel geschüttelt wenden sich Felix und Laura ab. „Armes Ding. Hat in diesem Großstadtdschungel keine Chance“, sagt Felix und steckt seine Handykamera ein. Und Bruna weiß, dass das Bullshit ist. Gibt der Katze Leckerli und streichelt sie.

    Die Katze ist gepflegt, trägt sogar ein Halsband. Ist nur versehrt. Wie so mancher Mensch. Sagt der gekünstelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt Impressionisten. Und chillt, Leute! 

  • 22. Juli 2026

    Surfkatzen mit Höschen und kanadische Waldbrände vernebeln Trumps Hirn

    Ist klar, das sie alles nachahmt. Was ich so tue. Und wenn es nur ein KI-generiertes Foto ist, das mich als Surfer zeigt. Dann will Coco auch ein solches Foto haben. Und ich denke so: Dann soll sie es eben bekommen. Denn natürlich kann nicht nur ich, sondern auch Coco surfen. Auf diese Art zumindest. He he. Und so gibt es nun also auch ein Coco-Bild als Surferin. Erstellt von meiner Bruna. Voilà. 

    Alles so irreal. Aber auch nicht völlig unvorstellbar. Surfende Katzen. Oder natürlich auch ein irrlichtender Trump. Seine Ansagen erscheinen so oft absolut unrealistisch. Sind es ja auch. Nichtsdestotrotz tätigt er sie. Jetzt droht der US-Präsident Kanada – dem Land, mit dem er bis vor Kurzem die Fußball-WM veranstaltete und das er schon länger am liebsten den USA einverleiben will.

    Er wolle auf zahlreiche kanadische Produkte mehr 50 Prozent zusätzliche Zölle packen. Der Grund ist abenteuerlich: Die USA stänken, weil in Kanada Wälder brennen. Sagt der US-Präsident. Was ja stimmt. Aber Trump behauptet weiter, die Brände hätten sich entwickelt, weil Kanada seine Wälder nicht richtig pflege. Was wiederum Humbug ist. Die Wissenschaft führt die Brände auf den Klimawandel zurück. Den Trump ja abstreitet.

    Allerdings: Auch im Norden der USA brennen Wälder. Und sorgen ebenfalls dafür, das die Luftqualität in New York, Washington und Detroit schlecht ist. Überall Brandgeruch in der Luft hängt. Und Trump das Gehirn weiter vernebelt. So dass er vorschlägt, dass diejenigen, die seine Posts auf seiner Plattform Truth Social zuerst sähen, dafür künftig eine Gebühr zahlen sollten.

    Was keineswegs völlig absurd ist. Denn Trumps Ankündigungen  ziehen häufig an den Börsen der Welt Kursgewitter nach sich. Und wer frühzeitig weiß, dass Trump etwas erneut den Iran angreift, setzt eben leichter auf künftig wieder steigende Ölkurse. Und gewinnt damit viel Geld.

    Übrigens: Trump greift den Iran wieder verstärkt an. Zum ersten Mal seit der sogenannten Waffenruhe ließ Trump nun auch wieder Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran angreifen. Wie dieser Krieg enden soll? Nobody knows. 

    Sicher ist nur: Die Spritpreise an den Tankstellen steigen erneut weltweit. Selbst in Frankreich – wo die Preise üblicher Weise deutlich unter denen in Deutschland liegen, müssen meine Alten Felix und Laura mittlerweile pro Liter 2,20 Euro zahlen. Und in Deutschland: Haben die Grünen rund 40 Jahre nach ihrer Forderung ihr Ziel erreicht. Ein Leiter Diesel kostet fast 2,50 Euro. Damals forderten die Grünen einen Literpreis von 5 D-Mark…

    Rauch zerstört Erkenntnis. Denke ich so: Die Realität bei mir im Revier: Coco liegt auf meinem Sessel. Lässt sich von Diego streicheln. Und ich warte. Auf meine Bruna. Die sich nun aus Lacanau in Richtung Berlin bewegt. Via Paris. Endlich. Und ich bewundere Coco auf dem Surfbrett. Mit Höschen! Was ich nicht nachahmen werde. Sagt der realistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid wachsam. Und chillt, Leute!

  • 21. Juli 2026

    Surfender Hauptstadtkater und die Abschiedstrauer

    Ich schwanke auf Wellen. Wasser schwappt auf meine Pfoten, auf mein Fell. Cringe, ich hasse Wasser. Salziges in meinen Augen. Ich spüre immerhin, sie ist hinter mir. Und hält mich an meinen Vorderpfoten. Bevor mich ein Energieschwall packt. Und mit meiner Bruna Richtung Strand rasen lässt. Auf unserem Surfbrett. Und plötzlich, nach zig Versuchen, da schaffe ich es alleine.

    Welch Horror. Denke ich so. Als meine Bruna mir ihren Traum vom Surfen in Lacanau erzählt. Sie und meine Alten sind wirr. Weil sie – alle Jahre wieder – leiden. Abschiedsschmerz: Weil sie weg müssen von ihrem Atlantik. Zurück Richtung Alltag. Und ich denke so: Als ob ich das Schlimmste wäre. Als ob sie – meine Bruna – dann von mir träumen würde. Wenn ich nicht das Allerbeste in ihrem Leben wäre. 

    Während ich diese Gedanken formuliere, muss ich kurz was in eigener Sache loswerden: Mir kam zu Ohren, einige Leserinnen und Leser hätten sich gewundert, dass ich das Leben meiner Bruna und ihrer Alten Felix und Laura in Frankreich so detailliert schildern kann, obwohl ich doch in meinem Berliner Revier ausharren muss. Warum das so ist?

    Ich bin bestürzt über die Frage, hinter der ich ein Raunen, menschliches Misstrauen spüre. Gegenfrage: Warum sollte ich nicht vom Tun meiner Leute fernab der Heimat erfahren. Denn, mein morgendliches Ritual ist es, auf dem Schoß meines Diegos zu chillen.

    Der entweder mit meinen Leuten telefoniert oder davon erzählt, mich updated. Oder WhatsApp der Leute vorliest. Fotos zeigt. Die er erhalten hat. Von ihnen? Was denn sonst? Wird mir da etwa unterstellt, ich könnte mir Geschichten ausdenken? Ich. Bin. Traurig.

    Aber weiter zu meinen Leuten: Sie schildern die unfassbare, geradezu magische Energie, die der Ort Lacanau ausstrahlt. Von Surflehrerin Lea, die auf ihrem Board in den Wellen Handstand macht. Kinder, die kaum laufen können, springen auf ihrem Board während der rasanten Fahrt einmal um 180 Grad um die eigene Achse. Und bleiben auf dem Brett stehen.

    Meine Bruna trainiert mehr als zwei Stunden am Stück und steht längst – auf den Wellen. Und dann gibt es Partys am späten Abend, bei denen Hunderte Teenager – und meine Alten – zu den Sounds der 90er Jahre den Marktplatz von Lacanau erbeben lassen. Und natürlich fressen sich unterdessen die meterhohen Wellen immer näher an die Promenade und die ersten Häuser des Ortes heran. 

    Und ich denke so: So hat alles ein Ende. Urlaub. Surfkurs. Auch Lacanau selbst. Und Felix so:  In 20 Jahren werde meine Bruna mit ihren vier Kindern in der Nähe Urlaub des längst versunkenen Alt-Lacanaus machen. Und auch einmal einen Abstecher dorthin machen.

    Mittlerweile würden dann als besondere Attraktion Tauchtouren durch die Ruinen angeboten. Sagt Felix. Durch die meine Bruna dann schwimmen werde samt ihren Kindern. Und ich frage mich so, ob ich dann dereinst auch tauchen kann. Und mit Sauerstoffflasche neben meiner Bruna flossele. Sagt der verträumte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Spürt die Energie. Und chillt, Leute!

  • 20. Juli 2026

    Warum Trump Argentinien nicht zum Weltmeister machte

    So sehen Sieger aus! Yeah! Denke ich so. Als ich die letzten Live-Bilder dieser komischen Fußball-WM sehe. Und US-Präsident Trump erblicke, wie er neben dem spanischen Team auf dem Siegerpodest stehenbleibt. Und nicht einmal sein Buddy, Fifa-Boss Infantino es schafft, diesen Egomanen von der Bühne zu holen.

    So stemmt das spanische Weltmeister-Team den Pokal empor – und etwas debil wirkend steht Trump daneben. Und ich denke so: Häh, der feiert mit Spanien? Spanien, das Land, das er von allen europäischen am meisten hasst. Dem er Sonderzölle androht, weil die US-Luftwaffe ihre Militärbasen auf spanischen Territorium nicht für ihre Angriffe auf den Iran nutzen darf? Und dort mit Pedro Sanchez ein Sozialdemokrat regiert?

    Immerhin, Spanien scheint nach seinem 1:0-Sieg gegen Argentinien Weltmeister zu bleiben. Es ist nicht so, wie ich in Erwägung gezogen hatte, dass Trump die Siegerehrung dazu nutzt, ein Dekret zu unterschreiben, durch das Argentinien nachträglich zum Sieger und Weltmeister erklärt wird.

    Da Trump ja eigentlich klar gemacht hatte: Er will, wenn schon die USA trotz seines Eingreifens (you know: er hatte ja insistiert und durchgesetzt, dass für einen US-Spieler nach einer roten Karte die Sperre von einem Spiel aufgehoben wurde) nicht gewinnen kann, dass dann wenigstens Argentinien Weltmeister wird.

    Warum? Weil es das Land mit dem dann auf jeden Fall größten Fußballer aller Zeiten ist: Messi. Und das zu ihm passt – dem seiner Ansicht nach größten Politiker aller Zeiten. Und: Argentinien ist zudem das Land, in dem sein Freund, der Rechtspopulist Milei mit Kettensäge regiert. 

    Meine Erkenntnis: All das scheint Trump dann doch irgendwie egal. Egal also, ob Spanien, Argentinien oder die USA gewinnt – Hauptsache, er ist auf Seiten der Sieger. Und so steht der orangefarbene Mann neben den hüpfenden Spaniern in ihren roten Trikots.

    Spricht, er habe gedacht, die USA seien kein Soccer-Land, aber das seien sie wohl doch. Schon die nächste WM sollte doch wieder in seinem Land stattfinden – aber ohne Kanada und Mexiko wie in diesem Jahr. Oh Mann, denke ich so. Soll der Alte neben den Spaniern tanzen. Und auf den Siegerfotos mitposieren.

    Ich lasse Coco ja auch auf meinem Platz sitzen – oben auf dem Wäscheständer. Lasse sie fauchen. Und denke so: Gut gebrüllt, Löwe! Mögen Katzen und Menschen wie sie denken, sie hätten gewonnen. Wenn sie so glücklich sind. Why not? Sagt der ebenfalls glückliche und weltmeisterliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Chillt, Leute! 

  • 19. Juli 2026

    Die neuesten Leiden meiner Bruna – Betrachtungen vom Philosophenthron

    Worum es im Leben geht? Fragt Ihr – ernsthaft? Ok, ich formuliere es für Euch aus, liebe Leserin, lieber Leser: Gepflegtes Chillen, uneigennütziges Chillen, schönes Chillen. Und bestenfalls andere zum Nachahmen animieren. Denke ich so. Von meinem Philosophenthron in der Küche herab.

    Und darauf wartend, dass sie – ja: sie, meine Bruna – nach gnadenlos einsamen Wochen endlich mal wieder zu mir kommt. Damit wir gemeinsam in den Wahnsinns-Chill abdriften. Aber sie, sie versucht weiter 1.600 Kilometer südwestlich von mir in Lacanau an der französischen Atlantikküste in diesen absoluten Chillzustand zu kommen. Was naturally cringe ist. Ohne mich. Geht’s noch? Chillen ohne mich? 

    Geht nicht. Sieht sie endlich selbst ein. Und erzählt mir von ihrem unendlichen Leid. Mit den Alten. Mit Felix und Laura. An die sie sich ständig anpassen muss. Eigentlich auch will. Weil sie dankbar sei, mitfahren zu dürfen. Aber, großes Problem: Ab einem bestimmten Alter – 28? – scheinen Menschen absolut unfähig zu sein, chillen zu können.

    Stattdessen: Ständig Aktion, Plan, Reaktion. Konkret: Nach dem Croissant holen frühstücken, nach dem Frühstück Surfen, nach dem Surfen Radfahren. Und Radfahren ist der Zustand vor dem Konzertbesuch. Und ich habe Mitleid, Empathie, mit meiner Bruna: Radfahren. Sie hasst Radfahren. Jedenfalls mit den Alten. 

    Nun, meine Bruna will trotzdem eine gute Tochter sein. Und macht täglich böses Spiel zur guten Miene. Oder so ähnlich. Rollt also mit ihrem Rad auf den durch die Hitze weich gewordenen buckligen Teerwegen mit, während sie in der Ferne hinter den Dünen das kühle Meer an den Strand wellen sieht.

    Und hört dann Felix ätzen: „Jetzt fahr doch mal schneller, jetzt werden wir sogar von Rentnern überholt.“ Und Laura: „Wenn du keine Lust hast, du musst nicht, kannst nach Hause. Keiner wird sauer sein.“ Wiederholen sie wieder und wieder mit bitterer Miene. Während meine Bruna in der Hitzehölle strampelt bis zum Wahnsinn.

    Und ich erinnere mich ans Jahr 2025: Da musste meine Bruna auf eben jenen Cap mit den Alten 128 Kilometer am Stück radeln. In wenigen Stunden. Traumatisch. Immerhin: Jedes Leid endet irgendwann mal. Und ist dann aber leider zugleich Ausgangspunkt für einen neuen leidvollen Anfang: Meine Bruna muss nach der Radtour mit zum Konzert der California Peppers, einer Coverband der Reed Hot Chilli Peppers. Jahrzehntealte Musik, Alta.

    Meine Bruna erträgt es stoisch. Lächelt. Vor sich alte, wabernde Leiber, die verzweifelt versuchen den Takt der dröhnenden Beats zu erwischen. Eher synkopisch. Denkt sie. Immerhin, Möwen cruisen. Meine Bruna entspannt, sieht dann die verzerrt-schweißnassen Gesichter ihrer Eltern. Die ihr entgegen kreischen: „Was machst Du für ein Gesicht, gefällt es Dir nicht?“

    So ist das. Denke ich so. Wenn meine Bruna ohne mich verreist. Hier, bei mir, könnte sie chillen ohne Ende. Mit mir. Mit Coco. Mit Diego. All day long. Sagt der vermissende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Passt euch an. Und chillt, Leute!

  • 18. Juli 2026

    Never say never: Nurias 22. Geburtstag

    Was einst als unvorstellbar, geradezu absurd erschien, kann plötzlich ganz normal sein. Beispielsweise, dass Coco den Platz auf dem Wäscheständer besetzt. Und ich darunter abchille. Und es nicht andersrum ist – wie einst eben. Oder Coco mich im Vorbeigehen touchiert – und ich das Gleichgewicht verliere. Auch das war einst undenkbar. Weil es umgekehrt war – und sie umkippte. 

    Während heute wiederum undenkbar ist, dass das alles einst undenkbar war. You know? Tröstlich allein, dass es Menschen auch so geht. Bestes Beispiel, meine Alten Felix und Laura. Erzählen, damals, Mitte der 90er Jahre hätten sie sich herrlich über italienische Kids in Mailand amüsiert, die mit fetten Handys laut palavernd durch die Gassen stapften.

    Draußen telefonieren, warum? Später dann amüsierten sie sich über diejenigen, die Textnachrichten über Handys verschickten. Noch später über teure iPhones. Noch später über WhatsApp, Insta und Co. Heute haben sie die neusten iPhones – und posten via Insta und anderer Messenger. Und lachen über Werbung für Datenbrillen, die in Echtzeit Übersetzungen, Preise oder auch Infos über einen Gegenüber präsentieren. Brauche man doch nicht…, warum auch? Und ich denke so: Schau’n mer mal… He he. 

    Bei der Fußball-WM gibt es auch Neuerungen, die viele Nostalgiker kirre machen. Alle 22 Minuten: Trinkpause. Und in der Halbzeit: Große Show inklusive einer Verdopplung der Zeit für die Halbzeit. Darf das ein Veranstalter einfach so ändern? Fragen sich viele. Es wird eben einfach gemacht.

    Und ich denke so: Ist doch auch egal. Einfach annehmen. Man kann eh nix dran ändern. Und vor allem: In ein paar Jahren wird sich keiner mehr daran erinnern, dass es keine Trinkpausen gab. Und keine große Halbzeit-Show. Es wird normal sein.

    Ich denke an meine Leute, die zunächst zum Surfen in ihrem französischen Lacanau keinen Neoprenanzug anziehen wollten. Das bräuchten sie doch nicht. Sehe voll albern aus. Außerdem sei es ja warm. Nach 43 Minuten Surfen im Bikini und Badehose waren Bauch und Beine gerötet. Der Wind unangenehm kühl. Und die giftigen portugiesischen Galeeren-Quallen drohten. So dass sie mittlerweile längst Neopren tragen. Und Anfänger belächeln, die ohne surfen. 

    Und ich denke so: Never say never. Wer weiß, was die Zukunft bringt. US-Präsident Trump kündigte an, alle Kriege mit US-Beteiligung beenden zu wollen. Er beginnt immer neue. Felix sagte, er werde nie Texte redigieren. Er redigiert Texte. Laura sagte, sie wolle nie Erzieherin in einer Kita sein. War sie mehrere Jahre.

    Und ich denke an meine Nuria. Die feiert heute birthday. Sweet 22. Sie feiert nicht nur ohne mich. Auch ohne meine Leute. Allein in Freiburg. Allein umgeben von ihren Büchern. Die sie studieren muss. Für Prüfungen. Puuh, und was ist mit Lebensfreude, mit Chillen, frage ich mich so. Nun, immerhin ist ihr Freund Piet da. Möge er mich würdig vertreten. Sagt der gratulierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Feiert. Und chillt, Leute! 

  • 17. Juli 2026

    Fiesta catericana und die ewige Unzufriedenheit

    Mein Leben ist eine einzige Fiesta. Fiesta catericana. Chillen, schlemmen, schmusen, schwadronieren. Keine Pflichten. Paradiesisch. Macht also Spaß. Really. Auch wenn sich die Tage ähneln. Und ich weiß: Mensch würde das nicht aushalten. Und unglücklich werden. Denn Mensch, der braucht Abwechslung. Ansonsten kann für ihn sogar das Paradies der Eingang zur Hölle sein.

    Wer mag schon den ewigen Sonnenschein – wenn er den Regen nicht kennt? Was allen Menschen gemein ist: Stöhnen über das Ist. Und zugleich das Hinsehnen zu einem Sollte-sein. Aber wenn das dann erreicht ist, herrscht schnell erneut Unzufriedenheit. Und ich schließe daraus: Der Antrieb für Menschen ist die ewige Suche nach dem Neuen, Anderen, vermeintlich Besseren. Das aber nie erreicht wird. Vielleicht ist das der Antrieb für Entwicklung? 

    Fast alle Menschen klagen über ihre Arbeit. Und freuen sich auf ihre Rente. Aber wenn sie dann da ist: Leere. Sinnlosigkeit. Weswegen ältere Arbeitende ständig aufgefordert werden, sich Aufgaben für die Zeit nach dem Job zu suchen. Und ich denke so: Geht’s noch? Dann ist doch endlich der arbeitslose Chill-Zustand erreicht.

    Denn: Auch das Thema Arbeit ist beim Menschen absurd. Eigentlich wollen die meisten weniger arbeiten. Um mehr Freizeit zu haben. Ohne aber zu wissen, was sie dann so tun könnten, in ihrer freien Zeit. Serien suchten, Insta und TikTok suchten? Wieder andere – meist Privilegierte – streben an, in ihrer Arbeit Selbstbestätigung und Erfüllung zu finden.

    Manche finden es sogar. Aber dann, wenn sie in Rente gehen, kommt das Loch. Weil der durch Arbeit definierte Selbstwert plötzlich weg ist. Alles so traurig. Denke ich so. 

    Meine Leute sagen, ihr französischer Atlantik-Ort Lacanau komme dem Paradies schon sehr nahe. Meine Bruna beneidet die einheimischen Jugendlichen. Die immer surfen könnten. Wie meine Alea im Winter die einheimischen Jugendlichen in den Alpen beneidete. Die immer Skifahren könnten.

    Vor dem Supermarkt Carrefour in Lacanau hängen Jugendliche wie vorm Rewe in Berlin ab. Starren auf Handys. Kaufen Chips. Und eine Französin fragt meine Bruna, woher sie komme. Als sie Berlin hört, werden ihre Augen groß. „Oh Berlin, viele Clubs. Und Tokio Hotel gibt da doch Konzerte.“ 

    Und ich denke so: Im meinem Revier ist es immer schön. Bei Menschen macht vor allem das Feriengefühl alles schön. Was es aber nur gibt, wenn auf der anderen Seite Arbeit geleistet wurde. Was es aber nur gibt, wenn der Ort anderes als das Heim bietet.

    Beispielsweise eine Surfschule mit extrem netten Leuten. Die trotz Andrang den Wunsch meiner Bruna erfüllen, in den Surfkurs von Etienne, dem Superlehrer zu kommen. Alle sehr freundlich.

    Wie auch Diego. In meinem Revier. Der mich streichelt. So dass ich meine ewige Fiesta catericana weiter feiere. Sagt der festliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: genießt den Moment. Und chillt, Leute!