Monat: Juli 2026

  • 31. Juli 2026

    Der fellige Kater staunt über nackte Menschen

    Menschen und ihr Verhältnis zum Körper: Strange. Liegt wahrscheinlich daran, dass sie kein Fell haben, sondern nur ihre – ganz objektiv: hässliche – rosafarbene Haut. Die dann noch nicht mal so richtig ihr Fett verbirgt. Und trotzdem gibt es welche, die unbekleidet oder mit String-Tanga an Stränden stehen.

    Welche wie Arnold Schwarzenegger, die noch mit 79 Jahren ihre Muskeln stählen und ihren Oberkörper dann stolz dem Boulevard präsentieren. Aber auch welche, denen das ein Gräuel ist und die strikt dagegen sind, zu viel Haut zu zeigen. Und solche, die sich sogar ganz verhüllen, selbst das Gesicht. Ok, das gebietet diesen Frauen ihr Glauben. Beziehungsweise ihre Männer. Und ich denke so: Soll doch jeder machen, was er will. Geht nicht. Merke ich. 

    Weil: Da gibt es die Spielverderber. Die die freie Entfaltung der Persönlichkeit verhindern. Jene, die rumsetzen oder wie Felix ständig rumfotografieren. Und damit so nerven. Weil es eben intime Momente gibt, die man nicht teilen will.

    Beispielsweise: Coco im Bett meiner Bruna. Ich auf dem Schoß von Diego. Solche Momente gibt es natürlich auch für Mensch, Momente, die sie nicht teilen wollen. Prekär: Nacktaufnahmen. Prekärer: Nacktaufnahmen von Minderjährigen. Am prekärsten: Wenn die dann auch noch veröffentlicht werden. Was ich total verstehe, denn alle haben das Recht am eigenen Bild. Das nur ihnen gehört. Nur so traurig – dass das nicht auch für Kater und meinetwegen auch Katzen gilt. Anderes Thema. 

    Nun, wer zumindest vor ein paar Jahrzehnten vorgab, Aufnahmen nackter Jugendlicher sei Kunst, hatte lange gute Chancen, damit nicht nur durchzukommen, sondern sogar dafür bewundert zu werden. So war das zumindest vor gut 50 Jahren.

    Da drehte Kult-Regisseur Wim Wenders im Film „Falsche Bewegung“ eine Szene, in der die damals 13-jährige Nastasja Kinski mit nacktem Oberkörper gezeigt wird, ihr 33-jähriger Filmpartner lag nur mit Slip bekleidet neben ihr auf dem Bett, ohrfeigte und streichelte sie. Wenders wurde für den Film, für die Szene gefeiert.

    Strange: Menschen, denke ich so. Nun, jahrelang kämpfte Kinski gegen die weitere Verbreitung der rund zweiminütigen Szene – vergeblich. Wenders räumte zwar vor ein paar Wochen ein, heute würde er eine solche Szene nicht mehr drehen. Er weigerte sich aber, sie nachträglich zu canceln. Ansonsten könnten ja je nach Zeitgeist Kunstwerke beliebig verändert werden, meinte er.

    Nun doch die Kehrtwende: Wenders sagt, er habe die Szene aus dem Film entfernen lassen. Die Entscheidung sei Ausdruck seiner veränderten Sichtweise und seines Respekts gegenüber Kinski. Er und sie wollten, dass die Erinnerung an den Film nicht länger von diesem Konflikt überschattet werde und der lange freundschaftliche Umgang wiederhergestellt werde. 

    Nun, möge es so sein. Denke ich so. Und versuche den Gedanken zu verdrängen, dass Schadenersatzforderungen Kinskis und der öffentliche Shitstorm zu Wenders Sinneswandel beigetragen haben könnten. Ich weiß nur, dass ich weiß bin, he he. Und dass ich keine Kleidung brauche. Nackt-fellig eben. Wie auch Coco. Bunt-nackt eben. Und gefellt. Sagt der fellige Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid schamlos. Und chillt, Leute!

  • 30. Juli 2026

    Balance-Halten beim Erdbeben im Fußball-Revier

    Ich schwanke. Weil Felix mal wieder nicht checkt, dass ich auf meinem Chillstuhl chille. Und so zieht er ihn  abrupt weg, vom Tisch. Ich halte es aus. Balanciere. Und denke so: So ist das also. Bei einem Erdbeben. Denn davon sprechen sie gerade. Also, Fußballexperten und Felix.

    Dass der Weltfußball zutiefst erschüttert sei. So stark wie nie zuvor. Und vor einer Zerreißprobe stehe. Denn der europäische Fußballverband UEFA droht dem Weltfußballverband FIFA mit Boykott von dessen Premium-Wettbewerb Weltmeisterschaft.

    Zurecht, meint Felix. Denn der widerliche FIFA-Boss Infantino verhökere das schönste Spiel der Welt und zerstöre es so. Indem er Anteile an der WM an private Investoren verscherbeln wolle. Und mit diesem Plan – offensichtlich ohne die Verbände zuvor zu informieren – vorgeprescht sei.

    Falls Infantino seinen Plan tatsächlich durchdrücken würde, würde das also bedeuten: In vier Jahren eine WM ohne Titelverteidiger Spanien, ohne Länder wie Frankreich, England, Portugal oder – nun ja, auch ohne Deutschland. Vorausgesetzt, die würden sich qualifizieren, denke ich so. Und verstehe, das wäre so, als ob einem Kater das Chillen weggenommen würde und damit also das Beste, das Lebenselixier plötzlich fehlen würde.

    Denn: Wen interessiert eine WM ohne die europäischen Spitzentams? Wenige. Auch wenige Sponsoren. Und die UEFA so: Man werde nur dann von einem Boykott absehen, wenn der Infantino-Vorschlag vollständig zurückgezogen werde. Und es eine Garantie gebe, dass Fifa-Wettbewerbe nie für private Investoren geöffnet würden.

    Felix frohlockt. Denn nach den 55 UEFA-Mitgliedsverbänden hat auch der nord- und mittelamerikanische Verband seine Ablehnung signalisiert. Das bedeutet, dass Infantino mit seinem Plan gescheitert zu sein scheint. Oder es eine Spaltung im Weltfußball geben wird.

    Aber, ich frage mich: War dessen Modell wirklich so schlecht? Geld wollen doch alle verdienen. Auch die UEFA. Die bislang auch nichts dagegen hatte, dass private Investoren aus Staaten wie Katar oder Saudi-Arabien Mehrheiten an europäischen Clubs übernahmen. Also: Pseudo-Moral? Machtspiele?

    Denn auch ich würde ja vom Infantino-Plan profitieren. Denn wenn private Investoren noch mehr Geld aus der WM quetschen würden, würde das ja bedeuten: Alles würde mehr – mehr Spiele, mehr Fernsehen, und damit mehr Chillen. Bestätigt auch Felix.

    Denn im Gespräch sei schon länger, alle zwei Jahre eine WM zu machen – will die UEFA nicht, denn dann gäbe es Komplikationen mit der EM. Im Gespräch sei auch, die Zahl der Teilnehmer nochmal zu erhöhen, von 48 auf 64. Bedeutet: Mehr Spiele.

    Und: Die gerade eingeführten Trinkpausen könnten für mehr Werbung fest etabliert werden. Was ich ebenfalls goutiere. Denn ich mag Reklame. Weil bunter. Und meist lauter. Als das Spiel an sich. Und es könnten auch grundsätzlich längere Halbzeitpausen wie beim WM-Finale eingeführt werden. Für peinliche Konzerte. Was ich auch lustig finde.

    Nun, Felix, der alte konservative Purist, ist gegen die FIFA-Pläne. Feiert die UEFA. Schiebt mich samt Chill-Platz wieder unter den Tisch. Und meine Erde kommt zur Ruhe. Für mich und den Fußball, die wichtigste Nebensache der Welt: Sagt der erschütterte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt Fußball. Und chillt, Leute! 

  • 29. Juli 2026

    Aufbauen und zerstören im überfüllten Revier

    Stress im Revier: Acht Menschen auf einem Haufen. Neben meinen ohnehin schon stressigen Leuten noch die Cousine meiner Bruna samt Mann und zwei Jungs – Gabriel: fünf und Hugo: acht Jahre. Superanstrengend. Das zu ertragen. Auszuweichen. Um nicht getreten zu werden. Chillplätze im Chaos zu finden. Und dann noch adäquat auf jeden Einzelnen zu reagieren. Ich tue mein Bestes. Und das ist ziemlich gut. You know. 

    Ich muss aber einräumen: Schon auch interessant, die Spezies Mensch direkt studieren zu können. Sie waren in einer Ausstellung im Hamburger Bahnhof. Gähn also. Denke ich so. Arme Kinder. Und dann noch Hitze. Warum nicht chillen?

    Nun, anders als erwartet kehren sie enthusiasmiert in mein Revier zurück. Weil in der riesigen Ausstellungshalle 400.000 – yes: 400.000 – Holzwürfel lagen – jeweils mit Kantenlängen von zehn Zentimetern oder so. Die von den Besuchern gestapelt – oder auch umgestoßen werden können.

    Und Hugo begeistert, sie hätten das zweithöchste Haus in der Halle errichtet. Und sein Vater Ibo begeistert: Dutzende hätten gebaut, Kinder und Erwachsene Seite an Seite. Und meine Bruna begeistert: Sie habe auch gerne Strukturen gecrasht, um neue entstehen zu lassen. Und ihre Cousine Tara begeistert: Jeder darf, wie er oder sie will, so lange bestimmte Höhen nicht überschritten werden und andere verletzt werden. Ständig Veränderung. Wie das Leben.

    Und ich denke so: Begrenzte Anarchie. Die eben ab einem gewissen Punkt nicht funktioniert. 

    Sie habe sich schon geärgert, als ein Besucher ihr mühevoll errichtetes Gebäude zerstört habe, erzählt meine Bruna. Gute Erkenntnis, denke ich so: Die Freiheit autonomen Handelns hat da Grenzen, wo sie die Freiheit von anderen berührt. Und einschränkt.

    Spannend also doch irgendwie, diese Performance von einer Künstlerin namens Lina Lapelytes. Denn schließlich fordert sie: Findet Ausgleich. Was aber eben nicht jeder erkennt. Und deswegen sein Ding durchzieht.

    Ich denke an Diktatoren, Autokraten, Trumps. Die nie akzeptieren, dass andere auch Rechte haben. Jetzt hat der Iran wieder US-Stützpunkte in Nahost angegriffen. Nach einigen Tagen relativer Ruhe. Und das widerwärtige „Spiel“ geht in die nächste Runde. Trump droht mit Vergeltung. Und es ist klar, dass er schon bald wieder iranische Stellungen angreifen lassen wird. Und der Iran wird daraufhin Rache üben.

    Wann diese Spirale endet? Frage ich mich so und antworte selbst: Spätestens, wenn alle Bausteine weg sind. Sprich: Munition, Geld, Soldaten, Flugzeuge, Drohnen, Raketen… 

    Gabriel streichelt mich. Hugo wirft mit Bauklötzen, die ich kötergleich apportiere. Während die Alten wie Kinder um die Überreste einer Pizza streiten. Mir jedenfalls nichts geben. Ich fühle mich tatsächlich wohl. Doch nice, mit cringen Menschen. Vielen cringen Menschen. Sagt der milde Hauptstadtkater. Und jetzt: Baut auf. Und chillt, Leute!

  • 28. Juli 2026

    KI übernimmt zum Geburtstag meiner Bruna die Macht und Laura Lennys Tuch

    Alle erwarten es von mir. Und weil das so ist, kann ich nicht. Diese Erwartungen erfüllen. Dann ist Verweigerung mein natürlicher Reflex. Obwohl ich es ja gerne wollte: Meiner Bruna gratulieren. Sweet 17 ist sie nun. Wie gerne würde ich auf ihren Arm springen. Schnurren. Und ihr einen intensiven Chill-Moment schenken.

    Aber wie ich es hasse, wenn mich die Alten Felix und Laura geradezu flehentlich anglotzen, damit ich meiner Bruna diese Ehre erweise. Dass Coco das von ihr Erwartete dann auch verweigert, bestätigt mich. Sie nimmt statt Gratulations-Parcours den Kampf gegen eine blinkende Schlange auf, die sich meine Bruna eben umgehängt hat. Und Coco wird von eben dieser Bruna dann tatsächlich verjagt. Finde ich strange. Denn eigentlich macht sich Coco als Leuchtkatze gut. 

    Es ist ein irrealer Tag. Denn mich wühlt eine Nachricht auf, die eher nebenbei daherkommt. Obwohl ihr Inhalt die Wucht hat, Welt zu verändern. Vielleicht sogar Leben zu vernichten. Also: Künstliche Intelligenz soll mittlerweile das Potenzial haben, sich selbst weiterzuentwickeln. Und zwar in einem solchen Tempo, dass Menschen die sich daraus ergebenden Systeme nicht mehr verstehen oder kontrollieren können.

    Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu. Mich schockiert aber, wer die Warnenden sind: Mehr als 1.100 Entwickler und Manager von Firmen wie dem Chat-GPT-Entwickler Open AI, von Facebook und Google. Sie zählen zu den Unterzeichnern eines Briefes an die US-Regierung, in dem sie sie auffordern, sich endlich international für KI-Regulierung einzusetzen – um eine unkontrollierte Fortentwicklung zu bremsen.

    Und ich denke so: Menschen wissen es – und tun nichts dagegen. Sehenden Auges in den Untergang… Allerdings: Es kann natürlich auch ganz anders sein. Wollen die Entwickler der großen US-Player mithilfe staatlicher Unterstützung verhindern, dass neue Konkurrenz auftaucht? Frage ich mich so. Ratlos. 

    Menschen sind eben weird. Laura erzählt von einem Konzert von einem Musiker namens Lenny Kravitz. Der Mann ist mittlerweile über 62 Jahre – gebärde sich aber als ewig jung gebliebener Star. Tatsächlich sei der Körper des Mannes durchtrainiert und sexy. Sagt Katrin. Das gelte aber weniger für das Gros seiner mitgealterten, zumeist weiblichen Fans.

    Und so sei es eben strange, wenn Kravitz sich mit der Attitüde eines Teenager-Stars zunächst mit einem Tuch den Schweiß von der Stirn wische, sich dann damit auch im Schritt reibe, um danach eben dieses Tuch einer enthusiastisch kreischenden Menge von Rentnerinnen zuzuschmeißen. Sagt Laura.

    Und zeigt uns nach dem Konzert triumphierend das Tuch. Des Lennys. Manchmal lohne es sich eben doch, auch im Alter Sport zu machen. Und Durchsetzungskraft zu beweisen. Sagt sie. Und lässt mich baß erstaunt zurück. Mit dem Tuch. Das Coco und ich zerreißen. Duftet fantastisch….

    Also quasi Birthday. Für mich und Coco. Denke ich so. Unter der Hortensie meiner Bruna sitzend und die Reste von Lennys Tuch herauswürgend. Während Coco in einem neuen Haus chillt – der Verpackung der blinkenden Schlange, sprich: Lichterkette.

    Ich kuschle meine Bruna. Weil ich es nun will. Und so sind letztlich alle happy. Ohne KI. Sagt der erwartungsfrohe Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Unterschätzt KI nicht. Und chillt, Leute!

  • 27. Juli 2026

    Augen zu und durch apokalyptische Zeiten

    Um das Leben besser ertragen zu können, hilft es, die Augen zu schließen. Am besten mit den Pfoten. Damit kein Licht durchkommt. Dann ist es ganz dunkel. Empfehlenswert. Really. Denn nun ist auch der islamistische Terror zurück in Deutschland.

    Ein 21-jähriger Typ mit deutscher Staatsangehörigkeit, der mit der Terrormiliz Islamischer Staat sympathisiert, hat auf dem Christopher Street Day in Berlin vor wenigen Tagen einen Lieferwagen in die Menschenmassen gesteuert – dass dabei nur eine Frau ums Leben kam, grenzt schon fast an ein Wunder. 29 weitere Menschen wurden verletzt, drei von ihnen lebensgefährlich.

    Der mutmaßliche Täter ist mittlerweile ebenfalls tot – getroffen von Schüssen bei einem Polizeieinsatz. Was bleibt? Trauer. Unverständnis. Wut. Und auch Angst. Unsicherheit. Also genau das, was die Terroristen säen wollen. Wer geht noch zu solchen Veranstaltungen, wenn er oder sie um sein oder ihr Leben fürchten muss? Und wer profitiert: Die Rechtspopulisten. Die wieder pauschal behaupten, die Ausländer müssten raus aus Deutschland.

    Düster bleibt auch die Lage in den Waldbrandgebieten in Südwesteuropa. In Spanien und Frankreich brennen weiter die Wälder. Mehr als 220.000 Menschen wurden rund um Bordeaux evakuiert, die Feuerfront ist 15 Kilometer vor der Großstadt.

    Und krass, die Großbrände vermögen es, sich selbst zu verstärken. Experten sagen, die Feuer erzeugten eigene Unwetter. Riesige Feuerwolken würden die Brände anfachen. Durch die Hitze steige die Luft in mehr als zehn Kilometer Höhe auf, wo sie sich abkühle, dabei entstünden krasse Winde. Mit den Winden würde auch Wasserdampf nach oben gerissen, der dann zu Eis werde. Durch Reibung der Kristalle entstehe Elektrizität. Die sich dann in Blitzen entlade. Die könnten dann weitere Brände auslösen. 

    Trotzdem, lokal gibt es wohl leichte Anzeichen einer Entspannung: Veronique, die Vermieterin meiner Leute in Lacanau Ocean, schreibt, um den Ort herum seien die Feuer derzeit unter Kontrolle. Aber: „Die Lage bleibt sehr beängstigend und sehr stressig.“ Alle würden irgendwie helfen, auch Bauern seien dabei und würden mit ihren Geräten helfen, die Brände einzudämmen.

    Sie selbst helfe mit, indem sie für die Feuerwehrleute Baguette mache und Getränke bereit stelle. Aber, das große Aber: Ab morgen werde eine neue Hitzewelle erwartet – mit ungünstigen Winden.

    Dass heute dann noch bekannt wird, dass in Rheinland-Pfalz 22 Katzen aus einer völlig verdreckten Wohnung gerettet werden. Passt. Zu meiner apokalyptischen Stimmung. Sagt der eigentlich immer positive Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Schließt die Augen. Und chillt, Leute!

  • 26. Juli 2026

    Rückkehr meiner Bruna nach einer Leidenstour in Paris

    Plötzlich ist sie wieder da. Als ob sie nie weg gewesen wäre. Nach über drei Wochen. Meine Bruna! Sie duftet nach Freiheit. Also Sauerstoff, Salz, Sonne, Abgasen, Köter, Jasmin, Sand. Einfach gut. Finde ich. Und das bedeutet: Kuschel as kuschel can.

    Und ja: Auch ein Kater kann Wiedersehensfreude zeigen. Auch wenn Menschen häufig kolportieren, das gebe es bei uns nicht. Übrigens: Auch mit Laura, die ja auch wieder da ist, kuschelt es sich gut. Wie ich kurz darauf merke. Als sie sich auf dem Sofa fläzt. Und ich die Chance zum Körperkontakt ergreife.

    Während sie in den Fernseher glotzt. Da radeln 150 Männer durch Paris. Mit mehr als 50 Stundenkilometern. Und sie so, enthusiasmiert: „Da sind wir gestern auch noch geradelt, Triumphbogen“, ruft Laura. „Ach, hätte ich doch nur das Gelbe Trikot in dem Shop gekauft – für schlappe 150 Euro.“ 

    Zum Glück nicht, peinlich, peinlicher… – alte Menschen in Sportklamotten von aktuellen Helden. Denke ich so. Die aussehen wollen wie Pogacar, der die Tour de France in diesem Jahr wieder gewinnt, zum fünften Mal das Gelbe Trikot des Siegers behalten darf.

    Heute also die letzte Etappe in Paris. Und ich denke so: Krass, was die Jungs da so leisten. Sie sind noch mal deutlich schneller unterwegs als ihre Vorgänger vor rund 20 Jahren. Bei denen dann vielfach Doping nachgewiesen wurde. Und heutzutage so? Haben meine Bruna und ihre Alten Laura und Felix E-Räder ausgeliehen, um durch Paris zu touren. Und sind damit, also mit Antrieb, gerade mal ein Drittel so schnell wie die Rad-Profis. Aber nein – ich will doch nicht unterschwellig irgendwas suggerieren, he he. 

    Auf der letzten Etappe müssen die Radler statt der geplanten 150 Kilometer nur knapp 90 fahren. Weil die zur Sicherung der Strecke verplanten Polizisten nach Südwestfrankreich abkommandiert wurden. Um beim Kampf gegen die historischen Feuersbrünste zu helfen, die nun die Großstadt Bordeaux bedrohen. Die weiter nicht unter Kontrolle sind.

    Die Vermieterin meiner Leute in Lacanau Ocean, Veronique, schreibt, in dem Ort selbst seien noch keine Häuser verbrannt. Aber die Ungewissheit sei kaum zu ertragen.  Der stetige intensive Brandgeruch erzeuge mittlerweile einen Würgereiz. Packen und zu Freunden ziehen? Oder ausharren? Und hoffen? Das sei die große wiederkehrende Frage. 

    Ich hänge mittlerweile voll auf Laura ab. Das ist meine Freiheit. Während Coco irgendwie komisch ist. Sagt zumindest meine Bruna. Und die muss es als Katzenflüsterin ja wissen. Coco fremdele etwas, als ob sie sie nicht erkennen würde. Oder sauer sei, dass sie weg gewesen sei.

    Nun, ich denke da pragmatischer: So ist das nun mal in der Pubertät, auch in der Katzenpubertät. Und so lasse ich Coco in Ruhe. Sie braucht Zeit für sich. Sagt der verständnisvolle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Radelt. Und chillt, Leute!

  • 25. Juli 2026

    Wenn das Paradies zur Hölle wird: Cap Ferret brennt

    Ein defektes Auto kann ausreichen, ein Paradies in wenigen Stunden zur Hölle zu machen. Der Ort, das Cap Ferret an der französischen Atlantikküste, an dem meine Bruna noch vor wenigen Tagen das Leben feierte, brennt. Sie ist dem Feuer zusammen mit ihren Eltern Felix und Laura an dem Tag entkommen, als alles begann.

    Vermutlich war kurz zuvor ein Lieferwagen auf einer Landstraße  in Brand geraten  – und die Flammen griffen sofort auf die Bäume über. Und so ist da, wo an den Stränden und auf den Wellen, in den Bars und Restaurants, Zehntausende Sport, Surfen, Sonnen, kurz: Dolce Vita genossen, nun Leere.

    Touristen und Einheimische werden mittlerweile evakuiert, einige mit Schiffen. Urlauber müssen ihre Wohnmobile auf den Campingplätzen stehenlassen – und hoffen. Es brennt mittlerweile eine Fläche, die drei Mal so groß wie Paris ist. Wenn die Winde schlecht stehen, muss eventuell gar die Großstadt Bordeaux evakuiert werden – 30 Kilometer ist die Feuerfront nur noch von ihr entfernt.

    Schwarz-orangenfarbene Rauchwolken verdüstern die Sonne und vergrauen das Meer. Überall ätzt Brandgeruch. Das Zirpen der Zikaden ist dem grausamen knackendem Geräusch der Flammen gewichen.

    Die Vermieterin meiner Leute in Lacanau Ocean, Veronique, schreibt an Laura, sie finde nicht die richtigen Worte für das Entsetzen. Ihr Herz stehe still. Schock. Es sei so unermesslich dramatisch. In Nachbarorten seien schon einige Häuser abgebrannt. Die Feuerwehr leiste aber hervorragende Arbeit.

    Und ich glaube, ich kann ihren Horror ein stückweit nachvollziehen. Etwas Unvorstellbares ist eingetreten: Plötzlich wird die Lebensgrundlage, die Existenz weggezogen. Und man ist vollkommen machtlos dagegen. Die Feuerwehr erklärt, der Wind sei zu stark, man könne nur abwägen, was eventuell gerettet werden könne – und was nicht.

    Und so brennen eben auch Häuser ab. Auch edle Holzhäuser an einem See, an dem meine Leute noch vor einer Woche nach ihrer Radtour fröhlich mit Touristen badeten. Den Pinienduft einsogen. Und schwärmten: Nur Sonne, wie schön.

    Ein Paradies brennt. Wird zur Apokalypse. Was ihre Surflehrer Etienne und Lea nun machten? Fragt meine Bruna bang. Die Surfschule schreibt auf Instagram, sie sei geschlossen. Meine Bruna weiß, die Angestellten wohnen in der Gegend. Es ist nicht nur das Jetzt, was da zerstört wird, denke ich so. Womöglich auch die Zukunft.

    Wenn die Pinien- und Kiefernwälder abgebrannt sein sollten. Wenn wegen des Klimawandels Großfeuer im Sommer zur Regel werden. Und Touristen die Gegend meiden. Fürchterlich ist es auch für die Tiere in den Wäldern. Rehe, Füchse, Wildschweine und Schwarzmilane – wohin sollen sie?

    Es gibt Filme von vor dem Inferno über die Straße fliehenden Pferden, deren Ställe geöffnet wurden, damit sie flüchten können. Es gibt Fotos von verrußten Katzen, gerettet von Feuerwehrleuten.

    Es brennt nicht nur in Frankreich. Auch in Spanien, auf Sizilien, in Griechenland. Apokalypse. Und schon ist das Paradies die Hölle. Sagt der entsetzte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid besonnen. Und chillt, Leute! 

  • 24. Juli 2026

    Kater Feuerteufel und Lacanau in Flammen

    Kater sind Feuerteufel! Behaupten Menschen. Und erzählen diese krasse, cringe Story: In Italien sollen „Menschen“ Lappen, die sie zuvor mit brennbarer Flüssigkeit getränkt hatten, an die Schwänze von Katzen gebunden – und dann tatsächlich angezündet haben. Die brennenden Katzen seien dann in die nahen, trockenen Wälder geflüchtet. Und hätten die Bäume so in Brand gesteckt.

    Horrorstory. Denke ich so. Aber offenbar wahr. Experten bestätigen, die Mafia in Italien habe früher schon ähnlich agiert – und Ländereien durch Katzen in Brand setzen lassen, um sie dann günstig zu kaufen. Zuzutrauen ist ihnen das. Den Menschen. 

    Nun, auch in Frankreich wüten derzeit Brände. Die wohl nicht durch Katzen, sondern eher durch menschliches Versagen ausgelöst wurden. Wird so gesagt. Da, wo meine Leute noch vor zwei Tagen ihren Sommerurlaub verbrachten, in Lacanau an der Atlantikküste auf Cap Feret, vernichten Brände stündlich Gebiete in der Größe mehrerer Fußballplätze.

    Ausgelöst wurden die Feuer wohl durch Elektriker. Aus Versehen. Nun verhüllen Rauch- und Aschewolken den blauen Himmel und die Sonne, Brandgeruch ätzt in der Nase. Die Bars am Strand schließen früher. Mehr als 40.000 Menschen sollen in der Gegend bereits evakuiert worden sein. Und meine Leute – sind froh, in Paris zu sein. 

    Auch meine Bruna ist froh. Se bemitleidet die Surflehrer, die nun wohl stärker gegen gegen die Rauchschwaden als gegen Wellen anzukämpfen haben. Und geht tapfer mit ihren Alten Felix und Laura in Kunstmuseen in Paris. Heute: Orangerie. Nicht nur mit Monets Seerosenbildern. Sondern auch mit Impressionisten, die nicht ganz so berühmt, aber nichtsdestotrotz großartig sind.

    Findet auch meine Bruna. Sie bewundert vor allem eine Frau, Marie Laurencin. Die in die Phalanx der Renoirs, Degas und Monets einbrach, mit ihren sanften Studien über Frauen und Tiere, vor allem Köter. 

    Nun, ich räume mal ein: Nicht so schlecht. Findet auch Laura. Die nichtsdestotrotz erstaunt ist, als Felix ihr ein Foto zeigt: Frauen mit weißem Kater. Das Gemälde habe sie leider gar nicht gesehen. Und Felixr so zu ihr: „Wirklich nicht, den weißen Kater?“ Und Laura so: „Nein, leider nicht.“ Bis meine Bruna auflöst: „Das ist doch Charlie. Ach, ihr Alten und KI. Echt peinlich.“

    So ist das also. Im Impressionismus. Denke ich so. Aber immer entspannt bleiben. Wie Coco. Und mir wird ganz heiß, bei ihrem Anblick. Wie sie da auf meinem Sessel liegt und nach mir verlangt. Sagt der entflammte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt, so lange es geht und nicht brennt. Und chillt, Leute!

  • 23. Juli 2026

    Kater ist Kunst in Paris und die dreibeinige Katze im Impressionismus

    Kater ist Kunst. Eigentlich nichts Neues. Für meine Leute offenbar schon. Sie sind ja nun mittlerweile in Paris. Spazieren durch das Museum D’Orsay. Lauter Impressionisten. Die auch Kater malten. Viele Kater. Wie die Alten meiner Bruna, Felix und Laura, überrascht bemerken. Nun, ob Manet, Degas oder natürlich der großartige Pierre Bonnard. Der nicht nur auf schwarze Kater steht, sondern offenbar auch auf mich. Wenn man der KI trauen darf. He, he. 

    Nun, die Alten Felix und Laura gehen ganz auf in ihrem Dozententum für meine arme Bruna. Und palavern: Mit Aufkommen der Fotografie Ende des 19. Jahrhunderts hätten die viele Künstler versucht, sich davon abzusetzen und nicht mehr die Realität detailgetreu nachzubilden. Denn das habe die Fotografie ja perfekt beherrscht. Vielmehr sei es ihnen darum gegangen, einen flüchtigen Moment wiederzugeben, Stimmungen von Licht und Atmo – möglichst mit leuchtenden und hellen Farben. 

    Heute schieben sich an den Meisterwerken der Impressionisten in dem Museum täglich Tausende Menschen vorbei. Das Absurde: Die meisten scheinen sich gar nicht für die Seerosen oder Balletttänzerinnen zu interessieren. Erzählt zumindest Felix.

    Die Leute versuchten, irgendwann in die erste Reihe zu kommen, zückten ihr Handy. Und fotografierten dann das Gemälde. Um dann direkt auf die nächste Ikone zuzusteuern und sie abzulichten. Manche Besucher machten Selfies vor den Werken. Oder stellten ihre Frauen – oder Kinder – vor die Werke, die dann die graziösen Bewegungen der Balletttänzerinnen Degas nachahmen sollten. Fürs Foto. Oder manchmal auch das Video.

    Nach dem Motto: Hauptsache die Ikone ist auf dem eigenen Handy. Fragt sich, wer das anschauen soll… – denke ich so. Zumal die Bilder auf der Webseite des Museums und in jedem Katalog hochwertig abgebildet sind. 

    Strange, nein cringe. Die Menschen. Denke ich so. Wahrnehmung ohne Handy, gibt es nicht mehr. Ist aber bei meinen Alten ähnlich. Meine Bruna erzählt von der Hofkatze des Hauses, in dem sie abgestiegen sind. Die Katze – von weitem – sehr süß. Sie locken sie an – fürs Handyfoto. Die Katze humpelt. Das linke Vorderbein fehlt. 

    Von Ekel geschüttelt wenden sich Felix und Laura ab. „Armes Ding. Hat in diesem Großstadtdschungel keine Chance“, sagt Felix und steckt seine Handykamera ein. Und Bruna weiß, dass das Bullshit ist. Gibt der Katze Leckerli und streichelt sie.

    Die Katze ist gepflegt, trägt sogar ein Halsband. Ist nur versehrt. Wie so mancher Mensch. Sagt der gekünstelte Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Genießt Impressionisten. Und chillt, Leute! 

  • 22. Juli 2026

    Surfkatzen mit Höschen und kanadische Waldbrände vernebeln Trumps Hirn

    Ist klar, das sie alles nachahmt. Was ich so tue. Und wenn es nur ein KI-generiertes Foto ist, das mich als Surfer zeigt. Dann will Coco auch ein solches Foto haben. Und ich denke so: Dann soll sie es eben bekommen. Denn natürlich kann nicht nur ich, sondern auch Coco surfen. Auf diese Art zumindest. He he. Und so gibt es nun also auch ein Coco-Bild als Surferin. Erstellt von meiner Bruna. Voilà. 

    Alles so irreal. Aber auch nicht völlig unvorstellbar. Surfende Katzen. Oder natürlich auch ein irrlichtender Trump. Seine Ansagen erscheinen so oft absolut unrealistisch. Sind es ja auch. Nichtsdestotrotz tätigt er sie. Jetzt droht der US-Präsident Kanada – dem Land, mit dem er bis vor Kurzem die Fußball-WM veranstaltete und das er schon länger am liebsten den USA einverleiben will.

    Er wolle auf zahlreiche kanadische Produkte mehr 50 Prozent zusätzliche Zölle packen. Der Grund ist abenteuerlich: Die USA stänken, weil in Kanada Wälder brennen. Sagt der US-Präsident. Was ja stimmt. Aber Trump behauptet weiter, die Brände hätten sich entwickelt, weil Kanada seine Wälder nicht richtig pflege. Was wiederum Humbug ist. Die Wissenschaft führt die Brände auf den Klimawandel zurück. Den Trump ja abstreitet.

    Allerdings: Auch im Norden der USA brennen Wälder. Und sorgen ebenfalls dafür, das die Luftqualität in New York, Washington und Detroit schlecht ist. Überall Brandgeruch in der Luft hängt. Und Trump das Gehirn weiter vernebelt. So dass er vorschlägt, dass diejenigen, die seine Posts auf seiner Plattform Truth Social zuerst sähen, dafür künftig eine Gebühr zahlen sollten.

    Was keineswegs völlig absurd ist. Denn Trumps Ankündigungen  ziehen häufig an den Börsen der Welt Kursgewitter nach sich. Und wer frühzeitig weiß, dass Trump etwas erneut den Iran angreift, setzt eben leichter auf künftig wieder steigende Ölkurse. Und gewinnt damit viel Geld.

    Übrigens: Trump greift den Iran wieder verstärkt an. Zum ersten Mal seit der sogenannten Waffenruhe ließ Trump nun auch wieder Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran angreifen. Wie dieser Krieg enden soll? Nobody knows. 

    Sicher ist nur: Die Spritpreise an den Tankstellen steigen erneut weltweit. Selbst in Frankreich – wo die Preise üblicher Weise deutlich unter denen in Deutschland liegen, müssen meine Alten Felix und Laura mittlerweile pro Liter 2,20 Euro zahlen. Und in Deutschland: Haben die Grünen rund 40 Jahre nach ihrer Forderung ihr Ziel erreicht. Ein Leiter Diesel kostet fast 2,50 Euro. Damals forderten die Grünen einen Literpreis von 5 D-Mark…

    Rauch zerstört Erkenntnis. Denke ich so: Die Realität bei mir im Revier: Coco liegt auf meinem Sessel. Lässt sich von Diego streicheln. Und ich warte. Auf meine Bruna. Die sich nun aus Lacanau in Richtung Berlin bewegt. Via Paris. Endlich. Und ich bewundere Coco auf dem Surfbrett. Mit Höschen! Was ich nicht nachahmen werde. Sagt der realistische Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Seid wachsam. Und chillt, Leute!