Hauptstadtkater

18. Juli 2026

Never say never: Nurias 22. Geburtstag

Was einst als unvorstellbar, geradezu absurd erschien, kann plötzlich ganz normal sein. Beispielsweise, dass Coco den Platz auf dem Wäscheständer besetzt. Und ich darunter abchille. Und es nicht andersrum ist – wie einst eben. Oder Coco mich im Vorbeigehen touchiert – und ich das Gleichgewicht verliere. Auch das war einst undenkbar. Weil es umgekehrt war – und sie umkippte. 

Während heute wiederum undenkbar ist, dass das alles einst undenkbar war. You know? Tröstlich allein, dass es Menschen auch so geht. Bestes Beispiel, meine Alten Felix und Laura. Erzählen, damals, Mitte der 90er Jahre hätten sie sich herrlich über italienische Kids in Mailand amüsiert, die mit fetten Handys laut palavernd durch die Gassen stapften.

Draußen telefonieren, warum? Später dann amüsierten sie sich über diejenigen, die Textnachrichten über Handys verschickten. Noch später über teure iPhones. Noch später über WhatsApp, Insta und Co. Heute haben sie die neusten iPhones – und posten via Insta und anderer Messenger. Und lachen über Werbung für Datenbrillen, die in Echtzeit Übersetzungen, Preise oder auch Infos über einen Gegenüber präsentieren. Brauche man doch nicht…, warum auch? Und ich denke so: Schau’n mer mal… He he. 

Bei der Fußball-WM gibt es auch Neuerungen, die viele Nostalgiker kirre machen. Alle 22 Minuten: Trinkpause. Und in der Halbzeit: Große Show inklusive einer Verdopplung der Zeit für die Halbzeit. Darf das ein Veranstalter einfach so ändern? Fragen sich viele. Es wird eben einfach gemacht.

Und ich denke so: Ist doch auch egal. Einfach annehmen. Man kann eh nix dran ändern. Und vor allem: In ein paar Jahren wird sich keiner mehr daran erinnern, dass es keine Trinkpausen gab. Und keine große Halbzeit-Show. Es wird normal sein.

Ich denke an meine Leute, die zunächst zum Surfen in ihrem französischen Lacanau keinen Neoprenanzug anziehen wollten. Das bräuchten sie doch nicht. Sehe voll albern aus. Außerdem sei es ja warm. Nach 43 Minuten Surfen im Bikini und Badehose waren Bauch und Beine gerötet. Der Wind unangenehm kühl. Und die giftigen portugiesischen Galeeren-Quallen drohten. So dass sie mittlerweile längst Neopren tragen. Und Anfänger belächeln, die ohne surfen. 

Und ich denke so: Never say never. Wer weiß, was die Zukunft bringt. US-Präsident Trump kündigte an, alle Kriege mit US-Beteiligung beenden zu wollen. Er beginnt immer neue. Felix sagte, er werde nie Texte redigieren. Er redigiert Texte. Laura sagte, sie wolle nie Erzieherin in einer Kita sein. War sie mehrere Jahre.

Und ich denke an meine Nuria. Die feiert heute birthday. Sweet 22. Sie feiert nicht nur ohne mich. Auch ohne meine Leute. Allein in Freiburg. Allein umgeben von ihren Büchern. Die sie studieren muss. Für Prüfungen. Puuh, und was ist mit Lebensfreude, mit Chillen, frage ich mich so. Nun, immerhin ist ihr Freund Piet da. Möge er mich würdig vertreten. Sagt der gratulierende Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Feiert. Und chillt, Leute! 

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