Fiesta catericana und die ewige Unzufriedenheit

Mein Leben ist eine einzige Fiesta. Fiesta catericana. Chillen, schlemmen, schmusen, schwadronieren. Keine Pflichten. Paradiesisch. Macht also Spaß. Really. Auch wenn sich die Tage ähneln. Und ich weiß: Mensch würde das nicht aushalten. Und unglücklich werden. Denn Mensch, der braucht Abwechslung. Ansonsten kann für ihn sogar das Paradies der Eingang zur Hölle sein.
Wer mag schon den ewigen Sonnenschein – wenn er den Regen nicht kennt? Was allen Menschen gemein ist: Stöhnen über das Ist. Und zugleich das Hinsehnen zu einem Sollte-sein. Aber wenn das dann erreicht ist, herrscht schnell erneut Unzufriedenheit. Und ich schließe daraus: Der Antrieb für Menschen ist die ewige Suche nach dem Neuen, Anderen, vermeintlich Besseren. Das aber nie erreicht wird. Vielleicht ist das der Antrieb für Entwicklung?

Fast alle Menschen klagen über ihre Arbeit. Und freuen sich auf ihre Rente. Aber wenn sie dann da ist: Leere. Sinnlosigkeit. Weswegen ältere Arbeitende ständig aufgefordert werden, sich Aufgaben für die Zeit nach dem Job zu suchen. Und ich denke so: Geht’s noch? Dann ist doch endlich der arbeitslose Chill-Zustand erreicht.
Denn: Auch das Thema Arbeit ist beim Menschen absurd. Eigentlich wollen die meisten weniger arbeiten. Um mehr Freizeit zu haben. Ohne aber zu wissen, was sie dann so tun könnten, in ihrer freien Zeit. Serien suchten, Insta und TikTok suchten? Wieder andere – meist Privilegierte – streben an, in ihrer Arbeit Selbstbestätigung und Erfüllung zu finden.

Manche finden es sogar. Aber dann, wenn sie in Rente gehen, kommt das Loch. Weil der durch Arbeit definierte Selbstwert plötzlich weg ist. Alles so traurig. Denke ich so.
Meine Leute sagen, ihr französischer Atlantik-Ort Lacanau komme dem Paradies schon sehr nahe. Meine Bruna beneidet die einheimischen Jugendlichen. Die immer surfen könnten. Wie meine Alea im Winter die einheimischen Jugendlichen in den Alpen beneidete. Die immer Skifahren könnten.

Vor dem Supermarkt Carrefour in Lacanau hängen Jugendliche wie vorm Rewe in Berlin ab. Starren auf Handys. Kaufen Chips. Und eine Französin fragt meine Bruna, woher sie komme. Als sie Berlin hört, werden ihre Augen groß. „Oh Berlin, viele Clubs. Und Tokio Hotel gibt da doch Konzerte.“
Und ich denke so: Im meinem Revier ist es immer schön. Bei Menschen macht vor allem das Feriengefühl alles schön. Was es aber nur gibt, wenn auf der anderen Seite Arbeit geleistet wurde. Was es aber nur gibt, wenn der Ort anderes als das Heim bietet.

Beispielsweise eine Surfschule mit extrem netten Leuten. Die trotz Andrang den Wunsch meiner Bruna erfüllen, in den Surfkurs von Etienne, dem Superlehrer zu kommen. Alle sehr freundlich.
Wie auch Diego. In meinem Revier. Der mich streichelt. So dass ich meine ewige Fiesta catericana weiter feiere. Sagt der festliche Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: genießt den Moment. Und chillt, Leute!
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