Warum Klauen so geil und die Bahnverspätung meine Schuld ist

Klar, ich bin auch Individualist. Und like das. Extrem. Will mich abgrenzen. Von anderen. Von Coco. Und klar, das ist nicht sonderlich schwer: Wir unterscheiden uns offensichtlich. Vom Fell, von der Größe, vom Mindset.
Menschen streben auch nach Individualität. Um aus ihrer Masse herauszuragen, braucht’s was Besonderes. Was geht? Nun, einfach das Gegenteil machen, was die scheinbare Masse will. Und naturally: Was die Eltern-Generation empfiehlt und vorlebt. Unabhängig davon, ob’s smart ist. Egal. Hauptsache: Anders. Aus Prinzip. Individuell eben.

Das geht los bei Behaviour und Mindset: Eigentum, Besitz, abgesehen vom Handy, eher verpönt. Zumindest bei den Studenten und Studentinnen, mit denen beispielsweise meine Nuria umgeben ist. Alles wird wie auf Social Media geteilt – analog zu meiner Katerwelt. Denke ich so. Mit Blick auf die Leckerli und Coco.
Nun, wenn Klamotten, Schuhe, Schmuck, Fahrräder, Pfannen, Laptop und Zahnbürste geteilt werden, ist das natürlich eine coole Vielfalt. Wenn sich denn jemand verantwortlich fühlt – und pflegt. Denke ich alter Bedenkenträger. Und höre dann von meiner Nuria, in ihrer Bubble sei es normal, zu klauen. Nicht, weil die Leute arm wären. Sondern aus Prinzip. Und einem gewissen Kribbeln dabei.
Und so lassen die Leute Äpfel bei Rewe oder Schlafsäcke bei Decathlon mitgehen. Und unterlegen das dann noch moralisch: Kapitalistische Großkonzerne müssten bestohlen werden, um sie irgendwann zu zerstören. Moderne Robin Hoods also, denke ich so. Die allerdings vor allem sich selbst helfen. Hehe.


Obwohl, wenn die Märkte nur noch Selbstbedienungskassen aufstellen, fordern sie Klauen natürlich auch geradezu heraus. Wäre so, als ob eine Leckerlitüte vor mir läge und ich nicht ran dürfte. Denke ich so. Und frage mich: Liegt der Trend zum Klauen auch darin begründet, dass Besitz zunehmend unwichtig wird?
Und nun zum Style: Moden also. Die sich alle paar Jahrzehnte wiederholen. Angesagt sind derzeit tatsächlich weiße Tennissocken. Weit hochgezogen. Während zerrissene Jeans mittlerweile wieder out sind. In ist auch, trotz bester Bildqualität bei den Handys, billige Einmalkameras zu benutzen. Trotz schlechter Ökobilanz.

Vinylplatten halten sich tatsächlich schon etwas länger bei den Tops jener hält, die bestimmen, was cool ist. Neuerdings sind auch Kassetten wieder im Kommen. Mit Spulen, Bandsalat und Rauschen. Egal, Symbol für Individualität eben. Um die eigene Ölkobiolanz positiv zu gestalten, wird dafür eben auf Fleisch und Auto verzichtet. Auf Urlaube und Flüge erstaunlicher Weise weniger.
Benutzt wir anstatt des Autos dagegen häufig die Bahn. Was wegen deren Unzuverlässigkeit nicht einfach ist. Und ich frage mich so, ob diese Unzuverlässigkeit von der sich verändernden Gesellschaft auf die Bahn übergesprungen ist.


Eine Gesellschaft, in der Unverbindlichkeit einer der höchsten Werte zu sein scheint. Feste Verabredungen absoluten Stress bedeuten. Und Zu-Spät-Kommen des Öfteren gar gefeiert wird. Was ja auch ich merke: Wenn ich erst gegen Mitternacht mein Fressen bekomme.
Nun, ich ärger mich mal wieder. Über die individualisierte Coco. Die wieder mal meinen Lieblingsplatz okkupiert. Auf Felixens gesammelten Tagebüchern. Mit Blick auf mein Lieblings-Gemälde von Kokoschka: Der Pirat der Freiheit. Ich schwöre, Coco liegt wirklich da. Keine KI: Sagt der individuelle Hauptstadtkater. Der über euch wacht. Und jetzt: Hinterfragt euch. Und chillt, Leute!
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